Kennst du ihn gut, unterhaltet ihr euch öfter mal privat? Ich finde es grundsätzlich gut auch Betroffene zu fragen, es könnte aber auf deinen Kollegen etwas seltsam wirken, wenn du plötzlich ankommst, ihm einen Comic in die Hand drückst und sagst "Lies mal und sag mir ob das rassistisch ist". Mag er Comics überhaupt, wenn ja mag er Spirou? Hat er überhaupt Zeit und Lust spontan einen 100seitigen Comic zu lesen? Wenn er es tut, wird er seine wahre Meinung sagen, oder wird er sagen was er glaubt das du hören willst, weil er keine Lust auf eine lange Diskussion hat? Und wie fühlt er sich überhaupt dabei, wenn er in eine Debatte reingezogen wird, von der er vermutlich nichtmal etwas weiß und die ihn unter Umständen nicht interessiert?
Das sind Dinge, die man auch nicht außer Acht lassen sollte. Ich bin schwul und auch schon in der Situation gewesen das ich wegen meiner Sexualität irgendwelche Dinge gefragt wurde, weil meine Meinung scheinbar als relevant angesehen wurde. Ich sehe das aber nicht immer so, wenn es irgendwie, irgendwo z.B. homophobe Äußerungen gibt, dann finde ich das zwar nicht gut, bin aber nicht direkt betroffen, wenn ich davon nur von Dritten höre und ein Statement abgeben soll. Das nervt mich teilweise, denn ich bin nicht der gewählte Sprecher der Schwulen Männer in Deutschland und meine Meinung ist das letztendlich nur meine Meinung, selbst wenn ich etwas nicht schlimm finde, erteile ich damit niemandem Absolution und verkünde nicht das es objektiv betrachtet nicht schlimm ist und jede Beschwerde darüber unbegründet.
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