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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berichterstattung über den Salon



Mikesch
10.05.2004, 10:56
Vielleicht interessieren ja auch erste Vorberichte in den Medien:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/325/31294/ (http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/325/31294/)

Bernd Glasstetter
10.05.2004, 11:18
Gut zu hören, daß er an den nächsten Bänden arbeitet :)

L.N. Muhr
10.05.2004, 13:24
...stand schon im "presse"-thread im comicgate-forum. ;)

Hate
16.06.2004, 09:41
Stuttgarter Zeitung (http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/748698), 15.6.2004, Rupert Koppold:
Von Sackgesichtern und Infernobesuchern

Eindrücke vom Internationalen Comic-Salon in Erlangen

(...) Stuttgart ist bei diesem Comic-Salon überhaupt gut vertreten, die Zeichnergruppe Moga Mobo etwa, die seit vielen Jahren kostenlose Comics unterschiedlichen Formats vorlegt, hat ihren Weg von dieser Stadt nach Berlin mit Papiermodellen nachgebaut. Der achtzig Zentimeter hohe Fernsehturm sei von der Form her allerdings nicht gelungen, bemängelt beim Modellaufbau Peter Puck, Zeichner des Szeneabenteurers Rudi. "Aber immerhin höher als der Berliner!" wird er beschieden. Und es stimmt, zumindest im Moga-Mobo-Modell überragt der Stuttgarter den Berliner Turm um fünf Zentimeter.

Einen ganzen Stock über dem Moga-Mobo-Modell signieren am Stand des Berliner Zwerchfell-Verlags unter anderen die Zeichner des "Ellie-Scout"-Comics der Stuttgarter Zeitung.

Und auch Naomi Fearn, Schöpferin des "Zuckerfisch"-Comics in der StZ, dessen dritter Band in Buchform bald vorliegen wird, pinselt hier an einem Bild herum, das danach versteigert wird. Es handelt sich um ein Porträt von "Dirt Girl", dessen Abenteuer gerade im Zwerchfell-Verlag erschienen sind. Ein gut erzählter und ziemlich lustiger Szene-Comic. "Zuckerfisch"-Fans aber seien gewarnt: dieses Szenemädel ist nicht farbig, flauschig, lieb und besorgt, sondern schwarzweiß, kratzig, spitz, aggressiv. Und es säuft und schmeißt Drogen ein, und es sagt Sachen wie: "Lass nicht so Scheiß viele Flaschen neben deinem Bett stehen, du Sackgesicht!" (...)

dinter3
16.06.2004, 10:33
mist, jetzt ist das z auch noch nach berlin umgezogen!

LeGuy
16.06.2004, 10:57
Hier sind noch ein paar:
Nürnberger Nachrichten, 12. Juni 2004

Magie und Manga-Manie
Zwischen Kommerz und reifer Kunst: Eindrück vom 11. Erlanger Comic-Salon
STEFAN GNAD / CLEMENS HEYDENREICH

Von Abspecken und Konzentration auf Fachmesse und Kongresszentrum war nach dem Abschied von Comic-Salon-Begründer Karl Manfred Fischer vor zwei Jahren die Rede. Gedanken unter dem Druck des Sparzwangs, denen sich Fischers Nachfolger Bodo Birk von Anfang an nicht angeschlossen hat. Sein erster, der insgesamt 11. Internationale Comic-Salon Erlangen sollte stadtweit ausstrahlen und Publikum auch über die eingeschworene Comic-Szene hinaus anlocken.

Und Birks Vertrauen in die nachhaltige Anziehungskraft des Festivals scheint sich zu bestätigen: Zur Eröffnung bildeten sich erneut die gewohnten langen Schlangen vor der Heinrich-Lades-Halle, nach Einschätzung der Verlage war der Andrang noch größer als beim letzten Festival, und an der begleitenden Ausstellungs-Biennale beteiligen sich diesmal fast alle Kultureinrichtungen der Stadt. 120 Verlage auf der Fachmesse, 250 zu Signierstunden erwartete Künstler, 27 Ausstellungen und ein umfangreiches Rahmenprogramm mit einem Schwerpunkt auf den Wechselbeziehungen von Comic und Film — das ist trotz reduzierten städtischen Salon-Etats ein mit der Jubiläumsausgabe 2002 mindestens vergleichbares Aufgebot. Höhepunkt ist am heutigen Samstag wie immer die Verleihung der Max-und-Moritz-Preise im Markgrafentheater, bei der auch der berühmteste lebende Comic-Zeichner der Welt, Asterix-Vater Albert Uderzo, für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird.

Wir berichten im Folgenden von einem Streifzug über die Fachmesse und stellen einige Ausstellungs-Highlights vor. Der Comic-Salon ist heute von 10 bis 19, am Sonntag bis 18 Uhr geöffnet. Infos im Internet: www.comic-salon.de)

Die Kuchenstücke sind längst aufgeteilt. Neben den einschlägigen Genreklassikern Asterix, Donald Duck, Superhelden stellen vor allem die übermächtigen Manga seit Jahren eine feste Bank in der krisengeschüttelten Comic-Branche. Neue Trends sucht man vergeblich – wo vor zwei Jahren das Augenmerk mehr auf „The Amazing Spider-Man" lag, rückt diesmal „The Punisher" in den Vordergrund. Kein Wunder: Die große Kino-Blockbuster-Verfilmung des düsteren Rächers wirft ihre Schatten voraus.

Ansonsten bleibt alles wie gehabt. Was beim Rundgang über die Fachmesse des 11. Comic-Salons in Erlangen auffällt, ist die zunehmende Einbeziehung von Randbereichen unter das Banner der Sprechblase. So werden an den bunten Ständen in den weitläufigen Messehallen Soundtracks für japanische Animefilme feilgeboten, finden sich T-Shirts mit den markantglubschäugigen Heldinnen genauso wie einschlägige Plastikfigürchen, Anstecker, Kaffeetassen und spezielle Sekundärliteratur über die Marvel-Superheldenfamilie oder die genauen Verwandtschaftsverhältnisse in Entenhausen. Es wird versucht, Zielgruppen zu bündeln – wie etwa mit einem Hochglanz-Lifestyle-Magazin, das Comicfans ebenso ansprechen soll wie Fans düsterer Dark Wave-Musik. Der Fan als Skizzensammler

Dicht umlagert sind die Messestände der Verlage vor allem immer dann, wenn die Künstler zum Zeichnen und Signieren antreten. Für den belgischen Geheimtipp Francois Schulten steht Hans-Joachim an, ein schweres ledergebundenes Skizzenbuch unterm Arm. Seit 15 Jahren bittet der Nürnberger mehr oder minder bekannte Szenegrößen, sich mit einer Zeichnung darin zu verewigen. 7500 solcher Skizzen hat er bislang zusammengetragen – eine größere Sammlung dürfte in Deutschland wohl keiner haben, vermutet der Hardcore-Fan.

A propos Fans: Ein wenig abseits der großen Verlage trifft man tatsächlich noch auf Fanzines – kleine Magazine von Fans für Fans, vervielfältigt auf dem Kopierer, vertrieben von zu Hause aus. Andreas Alt ist Herausgeber des „Plop"-Fanzines. Gerade mal 150 Stück druckt der Augsburger pro Ausgabe, der Verkaufspreis von drei Eure deckt mehr schlecht als recht die Auslagen.

Das 1981 erstmals in Mönchengladbach erschienene Heft wird inzwischen in vierter Verlegergeneration geführt und bietet vor allem dem zeichnenden Nachwuchs ein Forum, der bei den großen Verlagen keine Chance hat. Was Alt und seinen Standkollegen Daniel Kiendl vom „Nürnberger Comicblatt" ganz besonders freut, ist die eigene Podiumsdiskussion, die der 11. Comic-Salon den kleinen unabhängigen Magazinen widmet.

Ansonsten regiert in Erlangen natürlich der Kommerz – und mitunter auch der Stumpfsinn. Den Vogel schießen in dieser Hinsicht die Trading Card Garnes ab, Sammelkartenspiele wie „Magie – The Gathering", die den Kids die letzten Groschen aus der Tasche ziehen – „ein Riesending", wie Insider bekräftigen. Dann doch lieber ab auf die große Manga-Lesewiese, wo weiche Kissen und Comics zum Verweilen und Schmökern einladen. STEFAN GNAD

„Vielleicht etwas größenwahnsinnig", das räumt der neue Leiter Bodo Birk augenzwinkernd ein, sei der Anspruch des Erlanger Comic-Salons: Als einzige Fachmesse Deutschlands soll er „das Medium in seiner gesamten Bandbreite" zeigen. Der hohen Messlatte hält in jedem Fall das Ausstellungsprogramm stand, das die Stadt „in ein großes Comic-Museum auf Zeit" verwandelt. In imposanter Breite fächern 27 Präsentationen Stile, Szenen und Sujets der „Neunten Kunst" auf – ein Rundgang allein durch vier davon wird zur Zeitreise durch jene letzten 30 Jahre, in denen das Medium zur „erwachsenen", autonomen Kunst reifte.

Bereits Joost Swarte, dem die Städtische Galerie die erste umfassende Retrospektive auf deutschem Boden widmet, steht für vielerlei: Für die gute alte „Ligne Claire" etwa, mit der „Tim und Struppi"-Vater Herge im frankobelgischen Raum Schule machte. Der Niederländer Swarte war es, der diesem Stil seinen Namen gab und ihn zum ästhetischen Programm vielfach einsetzbarer Vignetten erhob: Ein Design-Kosmos von der Briefmarke bis zur Architektur eines von ihm entworfenen Theaters ist so in 30 Jahren entstanden.

Swarte steht für eine Comic-Gebrauchskunst mit eigenem Stilwillen und einer alltagskulturellen Breitenwirkung, wie man sie in Deutschland nicht kennt. Speziell bezaubert die unverbissene Leichtigkeit der Pointen, die im Kontrast zur geometrischen Strenge der Grafik steht. An Swartes Figürchen, die mal triviale, mal abstruseste Witz-Konstellationen mit gleicher knopfäugiger Geschäftigkeit meistern, kann man sich nach kurzer Gewöhnungsphase kaum sattsehen.

Anders als Swarte ist Francois Bourgeon in Deutschland ein guter Bekannter. Dem grafisch und inhaltlich anspruchsvollen Albenzyklus hat der Pariser vor 25 Jahren mit Fantasy-Epen wie „Reisende im Wind" auch hier eine Markt-Bresche geschlagen. Vielleicht etwas zu kommentarlos baut daher die Schau „Aus Meisterhand" ebenfalls in der Städtischen Galerie) auf allgemeine Ortskenntnisse in seinem Mythen-Kosmos und fokussiert Details der Werkgenese. Die freilich sind interessant genug: Den Blick dafür, wie Bourgeons leuchtend-transparente Gouachen entstehen, schärfen Bleistift- und Aquarellstudien und ein Video, das die Entstehungsphasen eines Bildes überblendet.

In eine weit von Swartes Cartoonund Bourgeons realistischem Stil entfernte, postmoderne Welt und damit in die 80er und 90er Jahre führt „Narcolepsy", die Werkschau Dave McKeans im Kunstmuseum. Die Titelmetapher jener Sekundenschlaf-Krankheit, die mit heftigen Alp-)Träumen einhergeht, füngiert als lose Klammer einer Bilderwelt aus Zeichnungen, Ölgemälden, Fotos, Gipsmasken und aus alledem komponierten Collagen und Videos. Ob einzeln oder als Comic-Bilderfolge: Stets kommentieren sich die Versatzstücke mythischer Verwandlungen wechselseitig und üben doch einen magisch-tranceartigen Sog aus. Weimarer Polit-Panorama

Mit allen Wassern der Postmoderne gewaschen ist auch Jason Lutes. Wie der beherzte Griff ins Arsenal vorfindlicher Motive und Materialien in den Dienst einer durchaus realistischen Dokumentarerzählung gestellt werden kann, zeigt der im Siemens-Forum ausgestellte Heftzyklus „Berlin – Steinerne Stadt". Er beschreibt das Leben in der Weimarer Republik. Das Polit- und Alltagspanorama, in dem schon mal Otto Dix oder Joachim Ringelnatz ihren Auftritt bekommen, hat sofern das ein Kompliment sein kann) geschichtsdidaktischen Wert.

Sparsam, aber wirkungsvoll ergänzt die Schau Storyboards, Skizzen und fertige Seiten um zeitgenössische Kostproben aus Chanson, Mode und Malerei. Das ist mehr als Kolorit-Spielerei, sondern deutet Lutes' Recherche an: Der Amerikaner hat sich ausschließlich an alten Ansichtskarten oder Materialsteinbrüchen wie Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz" orientiert – ohne je Berliner Boden betreten zu haben.


Die Welt, 12. Juni 2004

Jugend verzweifelt gesucht
Nur Mangas bringen Millionen: Am Comicsalon in Erlangen spiegelt sich die Krise der Branche
Von Lutz Göllner

Der erste Tag des Erlangener Comicsalons war von einer bedrückenden Schwüle gekennzeichnet. In der Halle und auf dem Rathausplatz fühlten die Besucher sich, als hätten sie warme, feuchte Handtücher vorm Gesicht. Erst am Abend ging ein reinigendes Gewitter herunter, das die Luft klärte und wieder atembar machte. Sehr symbolisch.

Auf dem Erlangener Comicsalon, dem größten Fest der Branche im deutschsprachigen Raum, lasten riesige Erwartungen. Das traditionelle Festival soll wie immer den Spagat zwischen Kunst und Kommerz bewältigen, dabei aber auch deutlich mehr Besucher als in den letzten Jahren anlocken. 20 000 ist die anvisierte Zahl.

Der Comicbranche geht es schlecht, aber das Jammern geschieht auf hohem Niveau. Das Strohfeuer der achtziger Jahre, als der Branchenführer Carlsen 120 Titel pro Jahr ausgeliefert hat, ist schon lange abgebrannt. Und auch die kurzfristig neu belebte Heftchenszene in den Neunzigern konnte den Verlagen nur ein vorübergehendes Käuferinteresse verschaffen. "Deutschland ist eher ein Sammler- als ein Lesermarkt", urteilt Bernd Kronsbein, Cheflektor des kleinen, aber agilen Thomas Tilsner Verlags und fasst damit die Skepsis der ganzen Branche zusammen.

Einzig der immer noch anhaltende Manga-Boom beschert allen Verlagen gute Umsätze durch überwiegend junge und sehr junge Käufer. Für den Comicsalon könnte dieses Jahr nun zum Schicksalsjahr werden, und die Mangas dienen als Totengräber. Zum größten Konkurrenten Erlangens wurde in den letzten Jahren nicht etwa wie erwartet die Spiele-Messe in Essen mit ihrem angeschlossenen Comicbereich, sondern die beiden Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Besonders die Sachsen verstehen es, durch eine clevere Marketing-Politik Schulklassen durch die Messehallen zu lotsen.

Bodo Birk, Leiter des Erlangener Comicsalons sieht das ein wenig naserümpfend: "Wir werden keine abgesägten Ikea-Möbel aufbauen und das ganze Teehaus nennen." Stattdessen wird es am Sonntag einen Tag geben, der ganz im Geiste Nippons steht und den Salongästen japanische Lebensart und Kultur näher bringen soll.

"Erlangen muss es endlich mal schaffen, junge Leser hierher zu bekommen", fordert auch Kai-Steffen Schwarz vom Branchenprimus Carlsen Comics. Einerseits möchten die Verlage gerne kaufkräftige junge Leute auf der Messe sehen, andererseits ist der Veranstalter von Amts wegen der Hochkultur verpflichtet.

In diesem Jahr herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Dass Panini, der größte deutsche Superheldenverlag, sein Erscheinen aus der Messe bis zum letzten Augenblick herauszögerte, dass Carlsen zum ersten Mal mit einem deutlich kleineren Stand vor Ort ist, das alles waren deutliche Schüsse vor den Bug des Kulturamtes.

Das Programm nötigt auf jeden Fall Respekt ab. Für volle Veranstaltungen dürften Fan-Lieblinge wie der amerikanische Superhelden-Zeichner Jim Lee, der vor 12 Jahren die X-Men revolutionierte, und der Independent-Geheimtipp Craig Thomson sorgen. Beide werden gemeinsam auf einem Diskussionspodium sitzen. In der städtischen Galerie ist eine Retrospektive der holländischen Comiclegende Joost Swarte zu sehen, mit Allessandro Barbucci und Barbara Canepa ("W.I.T.C.H.", "Sky Doll) zeigen sich erstmals die italienischen Wilden in Deutschland. Und für die extrem konservativen frankobelgischen Fans hat sich Asterix-Schöpfer Albert Uderzo angesagt. Der italienischstämmige Franzose erhält 2004 den Preis für sein Lebenswerk. Betrachtet man den Ausstoß seiner frühen Jahre, den Fliegercomic "Mick Tangue", die lustige Rothaut "Umpah-Pah" und die "Asterix"-Alben bis Band 24 (als Autor René Goscinny starb), geht diese Auszeichnung voll in Ordnung. Inzwischen hat Uderzo angekündigt, an zwei neuen Bänden zu sitzen. Das ist mehr Drohung denn Verheißung.

"Der deutsche Comicmarkt ist unübersichtlicher denn je geworden", findet auch André Richter, Berliner Fanzine-Macher, "aber dadurch so interessant wie noch nie. Gerade bei den kleinen Verlagen kommen immer mehr tolle Bände heraus." Jenseits der Mangas geht es den großen Verlagen schlecht, auch wenn niemand es so direkt zugeben möchte. Das Carlsen-Albenprogramm besteht bis zum März nächsten Jahres aus einem Notprogramm mit sehr viel "Spirou" und einigen neuen Bänden von Serien, die seit Jahren laufen.

Selbst der 75. Geburtstag von Tim und Struppi, einst Carlsens Rückgrat, wird mit gebremsten Schaum gefeiert. Entsprechend zurückhaltend präsentiert man sich auch in Erlangen. Und Panini, der deutsch-italienische Superheldenverlag, hat zu Beginn des Jahres das Kunststück fertig gebracht, "Superman" einzustellen - und das trotz zwei erfolgreich laufenden Fernsehserien. Einzig der Ehapa-Verlag versucht sich mit einem ambitionierten, hochpreisigen Albenprogramm zu profilieren.

"Vielleicht", so seufzt ein Verlagsmitarbeiter in Erlangen, "braucht auch die deutsche Comicszene ein reinigendes Gewitter."


Abendzeitung, 12. Juni 2004

Der 11. Erlanger Comic-Salon lockt mit Kult- Enten & Kuriosa

Harry Potter muss aufpassen: Denn auch "Barry Trotter" ist schon da mit "schamloser Parodie" und "überflüssiger Fortsetzung" - auf dem Erlanger Comic-Salon, dem elften seit der Gründung vor 20 Jahren.

Vor dem Kongresszentrum steht 30 Minuten vor der Eröffnung bereits eine bis an die Hauptstraße reichende Menschenschlange in der Sommerhitze. Diese Besucher der ersten Stunde wissen genau, wo lohnende Ziele im Irrgarten der 120 Verkaufsstände liegen. Stau bei Carlsen, melden sie nach hinten: Dirk Schulz sitzt vorn und zeichnet hingebungsvoll Widmungen. Das wechselt bis Sonntag im Stunden-Takt.

Extra-Wache im Foyer am Kriegsschlacht-Modell nach "Herr der Ringe". Berühren verboten, ein paar Meter weiter kann sich jeder für das kleine Gemetzel zuhause dreidimensional eindecken. "Lord" steht vor "Star Wars". Wieviele der 250 Künstler aus 17 Ländern den Humor tatsächlich zur Maßeinheit ihrer Fantasie, die blitzschnell zu Fantasy gerinnen kann, machen, wäre eine eigene Studie wert.

Immerhin, die Größen sind über Zweifel erhaben. Der 70-jährige Donald Duck etwa, der die jüngere Kundschaft nur noch bedingt erreicht, unter den Älteren aber stabilen Kult-Status hat und so eines der gern rätselhaften Podiumsgespräche bekommt. Thema: Folgen des "Donaldismus". Und Asterix-Papa Albert Uderzo (77), der am Samstag beim "Max-und-Moritz-Preis" die hochverdiente Ehrenauszeichnung bekommt.

Die Hauptzielgruppe "Jugend" bereitet der Werbewirtschaft Sorgen, hat nämlich nach Klagen von Verlags-Vertretern in den vergangenen Monaten "deutliche Kaufzurückhaltung" spüren lassen. Nur mit den Mangas sei berechenbar Geschäft zu machen. Der Andrang, am ersten Tag größer als in den letzten Jahren, lässt die Marke von 20 000 Besuchern realistisch erscheinen und mobilisiert Aufschwung-Gedanken.

Kurioses auch in der Messe: Ein Glücksrad mit 1-Euro-Einsatz, beim Fachhandel "Mystik & Entertainment" Gewinnchancen mit zwei Treffern bei drei Würfen. In der oberen Etage, wo mehrere Fach-Hochschulen ihre Spiele treiben, steht ein "Big-Brother"-Container mit Erlanger Straßenkarte als Fassade, der in Sehschlitzen indiskret Einblick ins Innenleben mit echten Menschen gewährt. Wer Pech hat, erwischt das Guckloch mit Spiegel und sieht sich selbst. Der Comic-Salon hat auch schockierende Momente. Dieter Stoll

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Juni 2004

Volker Reiche
Max-und-Moritz-Preis für "Strizz"

Volker Reiche, Comiczeichner dieser Zeitung, ist auf dem Erlanger Comic-Salon für seine Serie "Strizz" mit dem Max-und-Moritz-Preis, der wichtigsten deutschen Comicehrung, ausgezeichnet worden. "Strizz" triumphierte in der Kategorie "Bester auf deutsch erscheinender Comic strip" gegen internationale Konkurrenz. Den Preis als bester deutscher Comiczeichner erhielt der Düsseldorfer Ulf K., Lesern dieser Zeitung durch seine vor vier Jahren im Feuilleton abgedruckte Geschichte "Der Exlibris" bekannt. Zum besten Szenaristen wählte die Jury den Franzosen Joann Sfar, als beste deutsche Eigenproduktion wurden zu gleichen Teilen Jens Harders "Leviathan" und "Held" des Saarbrücker Zeichners Felix Görmann alias Flix ausgezeichnet, bester Import wurde die Comic-Autobiographie "Persepolis" der französischen Zeichnerin Marjane Satrapi. In der Kategorie "Beste Publikation für Kinder" siegte das Magazin "W.I.T.C.H.", der Spezialpreis der Jury ging an das Bilderbuch "36 Ansichten des Eiffelturms" von André Juillard. Für sein Lebenswerk wurde der siebenundsiebzigjährige "Asterix"-Zeichner Albert Uderzo geehrt, dem auf der Preisverleihungsgala im Erlanger Markgrafentheater stehende Ovationen des Publikums dargeboten wurden.

Süddeutsche Zeitung, 14. Juni 2004

Ovationen für Papa Asterix
Albert Uderzo wird auf dem Erlanger Comic-Salon begeistert empfangen
Von Martin Zips

Erlangen – Ein bisschen war es so, als betrete ein König den Saal. Umringt von Kamerateams, Fotografen und Händeschüttlern. Im voll besetzten Markgrafentheater mit begeistertem Applaus empfangen. Von einem Publikum aus Jeans- und Anzugträgern, aus Jungen und Alten, aus Langhaarigen und Glatzköpfigen, aus Sado-Masochisten („Ich studiere in Frankfurt Psychologie und arbeite als Domina“) und Christen, aus Müttern mit Babys und Vätern mit Handys. Wie bunt sie ist, die Welt der Comic-Freunde. Albert Uderzo kennen hier alle. Und alle lieben ihn.

Es war der elfte Internationale Comic-Salon in Erlangen und neben Zehntausenden von Besuchern, 250 Künstlern und 120 Ausstellern schaute erstmals auch Papa Asterix vorbei. Am Vormittag hatte sich der 77-Jährige ins Goldene Buch der Stadt eintragen dürfen, dann war er über die Messe geschlendert, hatte hier und dort Autogramme gegeben und einen Asterix gezeichnet, den man später zugunsten der Stiftung Lesen versteigerte. Jedem, der es hören wollte, sagte Uderzo, wie froh er darüber sei, den wichtigsten deutschen Comic-Preis zu erhalten. Da flogen ihm die Herzen zu.

„Bienvenue chez nous“, stand auf den Plakaten, die sie für ihn in die Theaterfenster gehängt hatten. Nur für die Gala hatte man sein namenloses gallisches Dorf zum Bühnenbild gemacht. Links zwei Hütten, rechts das Bankett. Diesmal zwar ohne Wildschwein (wie in den Asterix-Heften immer auf Seite 48), aber mit Lagerfeuer. Nach und nach nahmen im Halbkreis die mit dem Max-und-Moritz-Preis Ausgezeichneten Platz: Der FAZ-Cartoonist Volker Reiche (Strizz), der sich auch am Hörzu-Maskottchen Mecki abarbeitet. Die jungen Künstler Ulf K., Flix, Jens Harder und Elisabetta Gnone (Schöpferin der derzeit bei jungen Lesern sehr angesehenen Reihe Witch). Ebenfalls gekürt wurde die Iranerin Marjane Satrapi für ihr eindrucksvolles Comic Persepolis.

Nicht alle dieser Künstler dürften davon träumen, irgendwann von lebensgroßen, maskierten Plastikmasken ihrer Geschöpfe abgeknutscht zu werden. Stargast Uderzo ist derlei gewohnt und hat sich im Leben nicht dagegen gewehrt. Heftigst wurde der Besitzer von fünf Ferraris auf der Erlanger Bühne vom bärtigen Druiden Miraculix umarmt. Das Publikum jauchzte und Papa Asterix wischte sich angewidert die Barthaare aus dem Mund. Ein Spiel, natürlich. Denn auch dank Miraculix hat Uderzo mehr als 300 Millionen Asterix-Alben, erschienen in über hundert Sprachen, verkauft. Es gibt einen Asterix-Themenpark und acht Asterix-Filme. Die Figur ist ein Weltbestseller und Uderzo der bekannteste lebende Comic-Autor. Der Erfolg seiner intelligenten Helden ist auch Uderzos 1977 gestorbenem Freund, dem Texter und Szeneristen René Goscinny zu verdanken. Minutenlange Ovationen also. Bravos. „Merci“, sagte der farbenblinde Uderzo. Warum er bei seinen neuen Alben Assistenten beschäftige, die ihm beim Tuschieren und Kolorieren helfen, fragte man ihn. „Ich bin schon so alt“, antwortete der gewitzte Großvater. „Und wissen Sie, manchmal habe ich die Pferde aus Versehen grün gemalt.“ Dann grinste er wieder sein unwiderstehlichstes, sein gallischstes Grinsen und schwamm in einem Meer von Zuneigung davon.


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Juni 2004

Zugkraft auf neuen Gleisen
Der Erlanger Comic-Salon weckt frohe Erwartungen

Es ist eine gute Zeit für gute Comics. Nach dem ersten Teil von Marjane Satrapis meisterhafter und auch in Erlangen ausgezeichneter Autobiographie "Persepolis" und der gewaltigen, herausfordernden Comic-Reportage "Palästina" von Joe Sacco erschien in diesem Jahr anläßlich des 11. Internationalen Comic-Salons von Erlangen eine Vielzahl hervorragender deutscher Veröffentlichungen. Der Berliner Avant-Verlag zum Beispiel wagte den Start zweier außergewöhnlicher Comic-Serien des am Samstag zum besten internationalen Szenaristen gekürten Joann Sfar ("Die Katze des Rabbiners" und "Professor Bell"), der Egmont Verlag brüstete sich mit dem Prestigeobjekt "Wüstensöhne" des deutschen Zeichners Horus, und daneben gab es eine Reihe kleiner, häufig selbstverlegter Kostbarkeiten, beispielsweise von Minou Zaribaf, Fil oder Lomp, zu entdecken. Die schönste Neuerscheinung aber war sicherlich die zärtlich-bezaubernde Liebesromanze "Blankets" des Amerikaners Craig Thompson, der auch zum Salon angereist war und dem Publikum Rede und Antwort stand.

Auch die Verleihung des Max-und-Moritz-Preises am Samstag abend entsprach dem erfreulichen Trend. In seiner Dankesrede betonte der Berliner Zeichner Jens Harder, dessen Album "Leviathan" sich die Auszeichnung für die beste deutsche Eigenproduktion mit dem Band "Held" von Flix (Felix Görmann) teilte, den Umstand, daß gleich drei der in dieser Kategorie nominierten Werke Abschlußarbeiten von Kunsthochschulen sind - und zwei davon auch gewonnen haben. Harder wies deshalb auf die Bedeutung hin, die solche Institutionen für die Entwicklung und Etablierung des Mediums hierzulande haben. Der für den in dieser Zeitung erscheinenden Tagesstrip "Strizz" ausgezeichnete Comic-Zeichner Volker Reiche brach in seiner beredten Danksagung eine Lanze für den Zeitungscomic, denn auch er leiste für die Verbreitung und Akzeptanz des Mediums in Deutschland wichtige Arbeit. Daß die generellen Vorbehalte gegenüber Comics in Deutschland immer noch gewaltig sind, hörte man auf dem Festival allerorten. Und es wird gewiß noch eine Generation dauern, bis diese größtenteils abgebaut sind - insofern ist der Manga-Trend, die Faszination für japanische Comics, die viele junge Leser und insbesondere Frauen zur Lektüre von Bildgeschichten verleitet, durchaus ein Glücksfall.

Mit welchen Unwägbarkeiten allerdings die Branchenriesen, die kaum auf den Fach-, sondern vor allem auf den Buch- und Zeitschriftenhandel angewiesen sind, zu kämpfen haben, brachte die sogenannte "Elefantenrunde" zutage. Die Vertreter der drei großen deutschen Comic-Verlagen präsentierten sich zurückhaltend und innovationsscheu. Geplant sind der Ausbau der Manga-Schiene und die Erschließung neuer Absatzorte wie beispielsweise Spielzeugläden. Alle drei aber schauen mit bangen Blicken Richtung Herbst, wenn der neue Anbieter Tokyopop auf den immer noch sehr lukrativen hiesigen Manga-Markt drängt. Denn die Erinnerungen an die durch Marktüberschwemmung verursachten Zusammenbrüche des Comic-Alben- und später des Heftchenmarktes in den letzten Jahren sind noch allzu präsent.

Als ein Warnzeichen kann man so auch das üppige Angebot an billigen und billigsten Comic-Remittenden auf der Messe deuten, unter denen sich zahlreiche aktuelle Titel befanden. Ja, hier wäre es ein leichtes gewesen, für hundert Euro eine umfangreiche, repräsentative und zeitgemäße Comic-Sammlung zusammenzustellen, die gehaltvoller und unterhaltsamer als die der meisten deutschen Stadtbibliotheken ist.

Die Aufgabe, die Leserschaft mit anspruchsvollen Comic-Titeln zu versorgen, wird derzeit größtenteils von kleinen und kleinsten Verlagen wahrgenommen, hinter denen meist Menschen stecken, die eher fürs als vom Comic-Verlegen leben. Insbesondere für sie ist das Erlanger Festival von zentraler Bedeutung: nicht nur als Branchentreffen, sondern vor allen Dingen, um der Öffentlichkeit ihre Erzeugnisse vorzustellen - eine Funktion, die früher die Comic-Fachläden erfüllten, der sie heute aber viel zu selten nachkommen.

Auch die Durchführung des alle zwei Jahre abgehaltenen Salons, der von der Stadt Erlangen finanziell abgesichert wird, stand diesmal zeitweise in Frage - und die Zukunft des kostspieligen Festivals gilt angesichts leerer Haushaltskassen der Kommune keinesfalls als sicher. Immerhin konnte die angepeilte Zahl von 25 000 Besuchern erreicht werden. Publikumswirksam war auch die diesmal bereits im Vorfeld bekanntgegebene Verleihung des Max-und-Moritz-Sonderpreises für ein Lebenswerk an den Asterix-Zeichner Albert Uderzo, dessen Anwesenheit zahlreiche Medienvertreter und Fans anlockte. Zur Begrüßung des hohen Gastes aus Frankreich hob Oberbürgermeister Siegfried Balleis zu einer Lobeshymne auf den Salon an, die nur als Bestandsgarantie verstanden werden konnte.

Das Messeteam unter neuer Leitung hat in der Tat gute Arbeit geleistet und ein abwechslungsreiches und buntes Begleitprogramm zusammengestellt. Ein hilfreicher Katalog, diesmal sogar einige Tage vor Beginn der Veranstaltung erschienen, und ein eigener Shuttle-Bus führten zu den zahlreichen, über das Stadtzentrum verteilten Veranstaltungen und Ausstellungen, von denen die Ausstellung zum Werk des niederländischen Illustrators Joost Swarte in der Städtischen Galerie und die Dave-McKean-Schau im Kunstmuseum Erlangen, vor allem aufgrund der selten zu sehenden Videoarbeiten des amerikanischen Künstlers, zu den interessantesten zählten. Leider enden die meisten Ausstellungen mit dem Salon, doch die Swarte-Schau ist noch bis zum 4. Juli zu besichtigen. Und so stimmten die vier Tage von Erlangen trotz manch düsterer Prognosen die meisten Anwesenden durchaus hoffnungsfroh.
MARC DEGENS


Berliner Zeitung, 15. Juni 2004

Wie sieht eigentlich die Nachfolgeregelung aus?
Beim 11. Comic-Salon in Erlangen übte man sich wieder in Nostalgie

Jens Balzer

Mit seinen 77 Jahren erweckt Albert Uderzo alles andere als einen gebrechlichen Eindruck. Von den Journalisten, die ihn am Wochenende beim Erlangener Comic-Salon bedrängten, wurde er freilich behandelt, als sei er schon tot: "Asterix und Obelix sind unsterblich, Sie sind es nicht. Wie sieht Ihre Nachfolgeregelung aus?" Das war geschmacklos; glücklicherweise ertrug der freundliche Zeichner auch solche Fragen mit Fassung.

Und doch hatte der nekrologische Ton auch etwas Angemessenes. Denn die klassische frankobelgische Comic-Schule, deren bedeutendster noch lebender Vertreter Uderzo ist, erfreut sich, von "Asterix" selbst abgesehen, in Deutschland nur noch geringer Beliebtheit. Dass es den Comic-Verlagen heute wieder besser geht als noch zu Ende der Neunzigerjahre; dass heute wieder so viele Titel produziert werden wie seit fast fünfzehn Jahren nicht mehr - das liegt ausschließlich an dem anhaltenden Erfolg der japanischen und neuerdings auch der südkoreanischen Comics, der Manga und Manhwa.

Hier allerdings ist der Boom beachtlich: rund 50 Manga pro Monat werfen die führenden Verlage Carlsen, Ehapa und Panini auf den Markt. Und es werden noch mehr: Für den Herbst hat der ehemalige Carlsen-Cheflektor Joachim Kaps eine eigene Verlagsneugründung unter dem Namen Tokyopop angekündigt. Auch Bertelsmann/Random House werfen sich noch schnell hinter den abfahrenden Zug und verhandeln gegenwärtig über ein Joint Venture mit dem Tokioter Kodansha-Verlag, einem der größten japanischen Comic-Produzenten.

Viele Comichändler klagen jedenfalls jetzt schon darüber, dass sie mit ihren Ausstellungsflächen der Manga-Flut nicht mehr Herr werden. Was natürlich Erinnerungen an den letzten Comicboom zu Anfang der Neunzigerjahre weckt, als der damals frankobelgisch dominierte Markt nach einer riesigen Blähung plötzlich unvermittelt zusammenbrach. "Diesmal liegt der Fall aber anders", meinte Georg Tempel, der Chefredakteur des Ehapa-Comic-Programms. "Damals richteten sich ja sämtliche Titel an ein und dieselbe Zielgruppe: alternde Männer, die in ihrer Jugend zum Beispiel ,Asterix' gelesen hatten. Mit den thematisch hoch ausdifferenzierten Manga errreichen wir heute Jungen und Mädchen, Männer und Frauen unterschiedlichsten Alters und mit den unterschiedlichsten Interessen, darum kann eine Übersättigung nicht so schnell eintreten." Zwar habe es nach den Jahren 2000 und 2001, als man mit Serien wie "Dragon Ball" und "Sailor Moon" geradezu traumhafte Umsätze erzielte, einen gewissen Rückgang gegeben. "Aber gut laufende Serien verkaufen immer noch um 60 000 Stück."

Die durchschnittliche Auflage eines klassischen, frankobelgisch geprägten Comic-Albums liegt hingegen bei etwa 2 000. Alben, die 5 000 bis 10 000 Stück verkaufen, gelten bereits als Bestseller. "Über eines muss man sich klar sein", so Tempel: "Die Comics, die das Publikum dieses Salons gern liest, sind bei einem breiteren Publikum schlicht unverkäuflich."

In Erlangen tut man tatsächlich bis heute so, als habe es den Generationen- und Stilwechsel der letzten Jahre schlechterdings nicht gegeben. Nachdem man den Manga schon in den vergangenen Jahren stiefmütterlich behandelt hatte, wurde er in diesem Jahr vollständig ignoriert: keine einzige Ausstellung, kein einziger Vortrag widmete sich dem Thema.

Für einen Salon, der sich ganz einer schwindenden, aber treuen Zielgruppe überantwortet, mag das noch angehen. Die Borniertheit, mit der sich auch die Jury des Max-und-Moritz-Preises allen nicht-europäischen Comics verweigerte, war hingegen bizarr. Sicher: Marjane Satrapi, die für ihren autobiografischen Comic-Roman "Persepolis" (vgl. Berliner Zeitung v. 23.3.2004) als beste Zeichnerin geehrt wurde, ist ebenso eine würdige Preisträgerin wie der alte Disney-Haudegen Volker Reiche, den man für seine Serie "Strizz" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung prämierte. Dass aber bemerkenswerte Manga-Neuerscheinungen wie "Monster" oder die liebevollen Ausgaben japanischer Klassiker wie "Lone Wolf And Cub" und "Die Rosen von Versailles" nicht einmal unter den Nominierungen zu finden waren, spricht schon für eine erhebliche Verweigerung der Juroren gegen die Realität des gegenwärtigen Comic-Geschehens - und für ein mangelndes ästhetisches Sensorium, das auch in neuen Comics immer nur das wiederzuerkennen verlangt, was sich mit den Prägungen aus der eigenen Kindheit deckt. Kann man den Kulturkonservatismus nicht dem Opernpublikum überlassen?

Lars Sudmann
16.06.2004, 10:58
mist, jetzt ist das z auch noch nach berlin umgezogen!

Ja, wenn du danach gehst, sollten solche Sachen wie Erlangen eher in Berlin oder Hamburg stattfinden.

LuG
16.06.2004, 11:53
Ja, wenn du danach gehst, sollten solche Sachen wie Erlangen eher in Berlin oder Hamburg stattfinden.

UM GOTTES WILLEN! Lars, Du weißt nicht was Du da sagst. Der Berliner Comicsalon 2003 (auch bekannt unter dem Namen "Schriftbildlicher Kongress") war so ziemlich die traurigste Veranstaltung, über die ich jemals meinen dicken Bauch geschoben habe (Beerdigungen ausgenommen).

Merke: Kultur kann immer nur in der Provinz gedeihen!!!!!! Siehe Angouleme, siehe Lucca, siehe San Diego.

Lars Sudmann
16.06.2004, 12:01
Ok, Bremen ist Provinz! :D Her damit!

Der Golem
16.06.2004, 12:16
Recht haste LuG!
In grossen Städten verläuft sich so eine Veranstaltung nur, das Berliner Comicfestival letztes Jahr war auch ein Desaster!
Dagegen kann man sich in Erlangen einfach nicht aus dem Weg gehen....

Beweis: Schmeiss ne Bombe um 2:00 Uhr morgens während des Salons in das Lokal SCHWARZER RITTER und es gibt in Deutschland keine Comiczeicher/innen mehr....

Rainer :engel:

LuG
16.06.2004, 15:35
Nun war der Berliner "Schriftbildliche Kongress" aber auch eher so "Ich schmeiß 'ne Party für mich und meine Kumpels, und wenn Du dabei sein willst, musst Du 18 Euro Eintritt latzen"...

L.N. Muhr
16.06.2004, 15:50
also noch schlimmer als das berliner teil vom vorjahr????

ihr berliner habt kein händchen für comics. :D

ausserdem ist in den grossstädten immer alles in den händen der intelektuellenguerilla.

Michael Vogt
16.06.2004, 15:55
ihr berliner habt kein händchen für comics. :D
Für Comics schon, aber offensichtlich nicht für Comicveranstaltungen. :(

LuG
16.06.2004, 17:55
[QUOTE=L.N. Muhr]also noch schlimmer als das berliner teil vom vorjahr????
QUOTE]

Wovon rede ich denn die ganze Zeit, Du Nasenpapst!!!

L.N. Muhr
16.06.2004, 18:10
ja, papa.

:D

Geier
16.06.2004, 18:19
Berlin ist doch nur für veganische Kunststudenten interessant.

17.06.2004, 10:23
Statt noch einen inflationären Thread zur Erlangen-Berichterstattung aufzumachen, will ich mich lieber sittsam in die Reihe der Kollegen stellen: comic.de war auch da, wie hoffentlich alle gesehen haben, und arbeitet das Zusammengetragene jetzt ab unter

www.comic.de/erlangen

Viel Spaß zum Gucken und Lesen.

eck;)rt

Hate
17.06.2004, 20:32
Auf dieser Seite wurden die Hinweise auf die Herren Breitschuh und Heesch vertauscht:
www.comic.de/erlangen2004/fotos/galerie3.html

Mick Baxter
17.06.2004, 23:17
Wieso, aus dem Blickwinkel der Porträtierten stimmts doch.

PANEL
18.06.2004, 22:01
Bremen ist keine Privinz, jedenfalls nicht im Comic ;-))
Beweiss: www.edition-panel.de

Breitschuh
20.06.2004, 19:54
so, jetzt auch fertig: der salonrückblick auf www.zwerchfell.de
:bandit:

Michael Vogt
22.06.2004, 23:39
Im neuen Szene-Whatcher gibt's ein interessantes Interview mit Max-und-Moritz-Jurymitglied Lutz "LuG" Göllner. www.szene-whatcher.de

...und im neuen INK-Mag auf www.inkplosion.de gibts auch wieder ein paar Fotos und Kommentare vom Salon.

Gruß
Michael