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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : John Woo / Mission: Impossible 2



Lars Sudmann
09.07.2000, 11:25
Erst einmal: so schlecht ist der Film gar nicht. Über Cruise als Hauptdarsteller kann man streiten (mir gefällt er auch nicht wirklich) und durch die fixierung auf eben nur Tom Cruise /Ethan Hunt bleiben die anderen Darsteller leider völlig blass. Aber John Woo hat doch wieder handwerklich perfekte Arbeit geleistet, wie man im Film sehen kann. Atemberaubende Stunts, geniale Slo-Mo's und Bleiballett. Alles perfekt mit Hollywood-Tricktechnik umgesetzt, was vielleicht auch ein Manko darstellt, da der Film, im Vergleich zu z.B. The Killer, ZU perfekt daherkommt.

Von John Woo gewohnte Einstellungen erkennt man sofort wieder, wie die Verwendung von Tauben, das direkte Duell zwischen Bösewicht und Held, die laaaangen Einstellungen bei den Stunts, was will man mehr. Und bevor jetzt wieder jemand herumnörgelt, das John Woo jetzt keine guten Filme mehr macht, nur weil er nicht mehr in Hong Kong dreht, warum auch nicht? Für einige Amerikaner/Europäer war John Woo in seiner Zeit in Hong Kong der Kult-Regisseur für eben solche Gangsterfilme. Nun bekommt er die Möglichkeit für Hollywood zu filmen und damit auch bei mehr Menschen bekannt zu werden. Und es passieren (leider) zwei Dinge: diejenigen, die ihn früher mit Kult-Regisseur betitelt haben, wenden sich ab, es ist ihnen zu kommerziell und pass ihnen nicht in ihr Konzept vom (für uns) Ungerground-Filmer. Und diejenigen, die ihn jetzt erst entdecken, wird von den Medien ein künstich aufgeblasener "Kult" vorgesetzt. Wie kann man beide Seiten überzeugen, das John Woo: a) nicht schlechte als früher ist (er hat auch bei seinen ca. 30 Filmen nicht nur Perlen produziert), und b) schon lange Kult ist, aber eben nicht erst seit seiner "Entdeckung" durch die Medien?

Fragen über Fragen.

Und warum fehlt mir bei M:I-2 der Schlusskampf in einer Kirche? ;)

-Twist

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It was their last chance for justice...
And their first step towards immortality...
Blaze of Glory -The last ride of the Western Heroes

Martin Jurgeit
09.07.2000, 13:07
Ich habe den Film auch gestern gesehen und kann nur bestätigen, dass es sich um ganz gute Unterhaltung handelt. Viel mehr leider aber auch nicht. Die Stunts, so technisch perfekt sie auch ausgeführt sein mögen, sind oftmals so übertrieben, dass man während der Szenen sofort im Kopf anfängt darüber zu spekulieren, wie die denn das hinbekommen haben. Und sowas ist für die Spannung absolut tödlich. Das Hauptproblem ist aber, dass MI2 einfach nichts mehr mit "Mission Impossible" zu tun hat. Das ganze Flair ist irgendwie weg. MI2 ist nur irgendein - freilich wirklich gut gemachter - Action-Film. In der Schule hätte das geheißen: "Thema verfehlt"!

Martin

Sascha Thau
09.07.2000, 13:24
Ich weiß zwar nicht, warum ausgerechnet hier darüber diskutiert wird, aber was soll's.

Als John Woo-Fan war ich voll der Hoffnung das die Maßstäbe im Action-Kino neu definiert werden mit diesem Film. Herausgekommen ist meiner Ansicht nach eine Katastrophe. Auch wenn der Film intelligenter angelegt ist, als man auf den ersten Bck vermutet, so wirkt alles auf den durchschnittlichen Kinogänger doch einfach nur lächerlich.

Der Film ist für mich die Enttäuschung des Jahres, denn nicht nur zieht sich hier Woo selbst durch den Kakao, sondern Mr. Towne hat das Drehbuch auch dermaßen vergeigt das es Lücken gibt die selbst dem Dümmsten auffallen müssen. Viele Leute haben sich totgelacht, denn an unfreiwilliger Komik ist der Film nicht zu überbieten.

SPOILER

Ich erinnere nur an diese dämlichen Zahlenspielereien des Bösewichts, nur um zu dem Schluß zu kommen, daß er 51% der Aktien haben will - DAS ist schlechtes Schreiben!

SPOILER ENDE

Ich meine wer sieht denn die Anspielungen auf Hitchcokcs "Notorious", den letzten Mohikaner oder auf John Ford's "The Third Man" neben all den Selbstplagiaten aus dem ersten Teil und anderen Woo-Filmen? Ab einer gewissen Stelle sagte meine Begleiterin nur:"Der Film tötet sich selbst." Seltsam ausgedrückt aber doch treffend.

Ich ärgere mich jetzt noch!


bye Sascha

pensch
09.07.2000, 13:51
Die ganze Handlung war halt doch arg vorhersehbar. Und bei der Szene als die Taube aus dem explodierenden Chaos kommt und Tom Cruise hinterhergesprungen, hat das halbe Kino gelacht.
Für einen Actionfilm war er ja ganz o.k. allerdings hätte man diese seltsame Liebelei auch weglassen können. Die hat die erste Stunde des Films ja völlig vergeigt.
Und, Martin hat das bereits geschrieben, es war halt kein Mission Impossible mehr, wie man es erwartet, sondern lediglich ein Actionfilm Agent(gut) gegen Agent(böse)

Loretta
09.07.2000, 22:51
Ja stimmt, besagte Szene war wirklich n'Brüller. Ich hab auch nur da gesessen und gedacht: "Häh?!?"

Und wegen des Films als Ganzem: Mich kotzt es immer tierisch an, wenn Leute sich von etwas abwenden, sobald es sich aus der Indie-Ecke hin zum Mainstream wendet. Ich finde Woos Sachen immer noch genauso cool wie vor zehn Jahren, und an MI:2 (und seinen anderen Hollywood-Filmen) kann man auch schön sehen, wie die Sachen mit etwas mehr Geld NOCH cooler aussehen können. Deswegen macht es mir auch überhaupt nichts aus, dass die Story sozusagen um die Actionszenen herum modelliert wurde. Eigentlich war ich sogar überrascht, dass noch soviel Handlung dabei herumgekommen ist. Wer was anderes erwartet hat, ist wohl selbst schuld...

[Dieser Beitrag wurde von Loretta am 09. Juli 2000 editiert.]

Sascha Thau
09.07.2000, 23:35
@Loretta

Das meinst du doch wohl nicht ernsthaft? Ich bitte dich die HK-Filme von Woo nochmal genau anzuschauen. Du vergleichst gerade Champagner mit S.c.h.e.i.ß.e!

Woo hat früher richtige Geschichten erzählt, wogegen alles was er bisher in den USA gemacht ein schlaffer Furz ist. Mit zwei Knarren durch die Luft zu fliegen ist nett anzusehen, macht einen völlig sinnentleerten Film aber nicht besser.

Ich hab kein Problem mit der von Indie zu Mainstream-Mutation, ich hab' nur was dagegen wenn ich mein Geld für offensichtlichen Müll ausgebe - Stunts hin oder her, M:I-2 war grottenschlecht und das war die einzige Überraschung für mich.

bye Sascha

[Dieser Beitrag wurde von Sascha Thau am 09. Juli 2000 editiert.]

Loretta
10.07.2000, 10:24
@Sascha
Also, ich finde eher, Du überbewertest die Hongkong-Sachen von Woo ein wenig. Woo ging es schon immer mehr um die Form als den Inhalt, darum, dass Actionszenen einen bestimmten Rythmus bekommen und dass die Emotionen der Protagonisten praktisch aus der Leinwand springen. Dabei bedient er sich gewisser Stilmittel, die sich mit der Zeit eben zu seinem Markenzeichen entwickelt haben. Natürlich haben sich seine Filme in Hollywood geändert, auch was das Inhaltliche anbetrifft. Doch ich seh's mal so: Ich mag zwar keine S.c.h.e.i.ß.e. (netter Einfall übrigens :) ), aber Champagner eben auch nicht. Ist halt alles Geschmackssache...

Hank
10.07.2000, 10:56
Ich finde man sollte John Woo nicht zu ernst nehmen. Er macht Actionfilme - nicht mehr aber auch und vor allem nicht weniger. Wenn ich in einen Actionfilm gehe erwarte ich keine tiefsinnigen Abhandlungen oder gar Logik. Und gerade Woo läßt nicht nur häufig die Gesetze der Logik, sondern auch die Gesetze der Physik beiseite. Ja und? Sit back and enjoy! In regelmäßigen Abständen "entdeckt" das Feuilleton für sich einen Actionfilmer abseits des Mainstream und feiert den ab, bis der große Erfolg kommt - dann wird's kommerziell und gleichzeitg schlecht - von wegen Ausverkauf der Werte oder so ein Schmarrn (s. Terminator oder wartet auf "Beat" Takechys ersten Erfolg).
In jeder Sparte gibt es sowas (Musik, Comics etc.). "Früher als er noch nicht so kommerziell war, fand' ich den viel besser" hallo? Die machen das in der Regel, um Geld zu verdienen...
Hauptsache es macht Spass (den hatte ich übrigens bei MI:2 durchaus gelegentlich)

Loretta
10.07.2000, 15:47
Ach, Sascha, weißt Du, ich glaube einfach nur, dass Du von diesem Film tierisch enttäuscht bist und Deine Meinung deshalb so extrem negativ ausfällt. Vielleicht wäre das bei mir genauso gewesen, wenn ich nicht ohne jede Erwartung in diesen Film gegangen wäre.
Ich meine, von einen Film mit Tom Cruise sollte man doch sowieso IMMER erstmal das Schlechteste erwarten, um dann eventuell angenehm überrascht zu werden ;)

Sascha Thau
10.07.2000, 21:36
@Loretta

Du hast wohl recht damit. :(

Oder?

;)

bye Sascha

Lars Sudmann
10.07.2000, 21:41
So weit, so gut.

Aber was haltet ihr davon, das die Medien jetzt auf einmal aus John Woo einen Kultregisseur machen, obwohl er das für mich (IMHO) schon lange ist? Und: muss das immer sein, das Medien auf einmal einen neuen "Kult" entdecken und das aufbauschen?

-Twist

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Akinom
10.07.2000, 22:08
bei der hier vorherrschenden meinung wuerde ich eher sagen: so weit so schlecht :D

nun zu m:i 2 - der film war imho mehr als nur mies. das war doch Tom Cruise-selbstdarstellung zum exzess (wenn schon so 'ne selbstdarstellung, dann das naechste mal wenigstens mit einem ansehnlicheren hauptdarsteller :D). eine geschichte habe ich verzweifelt gesucht, die "liebelei" war absolut nervig. das einzige was uebriggeblieben ist, war action - und die actionszenen fand ich zum grossteil laecherlich (*brumm* *bruuuummmm* muuaaah).

John Woo kult? keine ahnung, ich muss zugeben, dass ich keinen seiner "hongkong-filme" kenne. face/off gefaellt mir allerdings irrsinnig gut.

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keep passing the open windows

Sascha Thau
11.07.2000, 00:23
@Loretta

Mag sein das ich zu sehr an den alten Filme festhänge. Mag sein das die alten Filme ihre kitschigen Momenta hatten. Aber so unlogisch sie auch waren, so sehr Spaß gemacht haben sie auch. BULLET IN THE HEAD ist z.B. ein verdammtes Epos. Dagegen können Filme wie HARD TARGET oder BROKEN ARROW nicht anstinken. Der einzige US Film der Woo-Feeling in Ansätzen hatte war FACE/OFF.

Filme müssen meiner Ansicht nach nicht logisch sein um gut zu sein. NORTH BY NORTHWEST ist auch zutiefst unlogisch, aber er macht Spaß. BACK TO THE FUTURE ist auch so ein Fall. Diese Filme sind großartige Unterhaltung, genau wie die alten Woo Filme.

Bei M:I-2 ist alles zu offensichtlich schlecht.

@Hank

Wer glaubt das Woo seine Filme immer nur wegen der Actionszenen gemacht hat, irrt sich wohl. Es ging um Gefühle, meistens Rache. Die Ballereien waren doch nur Beiwerk. Van Damme, Chuck Norris usw machen Filme ohne Logik,bei solchen Filmen sollte man nichts erwarten.

Sicher machen die das um Geld zu verdienen, aber wenn Tom Cruise sagt, "Ich will einen John Woo Film" und derjenige welcher freie Hand hat, plus unterstützung von einem Drehbuchautor der CHINATOWN verfaßt hat, dann darf man wohl annehmen das da etwas großartiges bei rauskommt.

Nur zum Vergleich: Hitchcock hat das auch für Geld gemacht und er hat auch viel schlechtes gemacht, aber bei ihm blitzte immer wieder der geniale Filmemacher auf. Bei Woo blitzt hingegen gar nichts mehr. Entweder er wurde völlig überbewertet oder er kann keine Filme machen.

Ich hab mit Mainstream-Sachen überhaupt kein Problem - wenn sie gut gemacht sind, was hier überhaupt nicht der Fall ist. Unfreiwillig komisch waren die Filme von Woo bisher jedenfalls nie.

bye Sascha

Frank Neubauer
11.07.2000, 10:14
Also ich habe kein Problem damit, wenn in diesem Forum auch über andere Dinge diskutiert wird, schließlich mache ich das selbst auch, aber ein paar Beiträge zu diesem Thema brachten mich schon zum schmunzeln.
Zum Beispiel "John Woo, der independent Regisseur". Alle Filme, die Woo ab Mitte der 80er drehte, waren große Kassenschlager und führten über Monate die Boxoffice--Listen an. Ich glaube kaum, dass in Euuropa oder Amerika irgendein asiatischer independent Regissuer einen großen Bekanntheitsgrad genießt. Deren Filme laufen nicht einmal auf der Berlinale im Forum.
Ein anderes Beispiel ist "John Woo, der Kult". Ein Regisseur, dessen Filme regelmäßig das Cover der Cinema schmücken sind vermutlich alles andere als Kult. Andererseits muß es für mich nicht unbedingt "Kult" sein, ich bin schon mit einem guten Film zufrieden. John Woo hat inzwischen über 30 Filme gedreht und davon gefallen mir persönlich 3.
Was den Streit "Hong Kong-Regisseur kontra Hollywood-Regisseur" betrifft, darf man nicht vergessen, dass in Hollywood ganz andere Produktionsbedingungen herrschen. In Asian hat ein Regisseur wesentlich mehr Einfluss.

Lars Sudmann
11.07.2000, 22:04
@Frank: Und welche sind das?

Meine 3 wären:

The Killer
Face Off
A Better Tomorrow


-Twist

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Blaze of Glory -The last ride of the Western Heroes

Pen_Pen
11.07.2000, 22:40
Original erstellt von Twist:
@
Meine 3 wären:

The Killer
Face Off
A Better Tomorrow



Also Face/Off würde ich aber durch Bullet ersetzen. Obwohl Face für Hollywood-Verhältnisse ziemlich o.k. war. Jedenfalls besser als einige seiner HK-Filme.
Auch nicht zu verachten ist die 122-min-Version von Hard Boiled.

Pen²

Lars Sudmann
11.07.2000, 22:44
Uh, da hab ich Hard Boiled ganz vergessen :scool:

-Twist

Sascha Thau
11.07.2000, 23:05
Und BULLET IN THE HEAD!

bye Sascha

Frank Neubauer
11.07.2000, 23:23
@ Twist
Bullet in the Head
Better Tomorrow 1
Killer

Peter Osteried
12.07.2000, 15:53
Frank hat das meiste ja schon gesagt. Woo ist eben schon lange nicht mehr independent (und, das nur nebenbei, Heroes shed no tears zum Beispiel, der als erster seiner Heroic Bloodshed-Filme angesehen wird, war praktisch nur Action ohne Handlung).
Aber was soll das alles mit Kult? Dieses Wort wurde in den letzten zehn Jahren so überbenutzt. Alles, was erfolgreich ist (oder auch nur ein bisschen erfolgreich) wird sofort zum Kult hochstilisiert. Das kann es doch nicht sein, oder?

Meine Woo-Lieblinge:

The Killer
Face/off
A Better Tomorrow II
Hardboiled
Bullet i.t.h.

Corto
18.07.2000, 17:13
MI2 hat mich leider nicht vom Hocker gehauen. Gelungen fand ich lediglich die Kampfszene am Strand (gut choreografiertes Kampf-Ballet) und die Motorrad-Verfolgung. Der Rest des Films hatte einige unlogische Stellen. Die Story war mir teilweise zu kindisch und abgelutscht - klar Bettszenen müssen sein. Vor allem am Anfang hatte der Film seine Längen.
Von Woo kenne ich leider nicht allzu viele Filme. Aber im Vergleich zu Face/Off empfand ich MI2 um Klassen schlechter.

Tom Cruise soll übrigens Captain America spielen! (Werbung: siehe Marvel Forum)


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+++ LÜGEN sind NACHRICHTEN +++ WAHRHEIT ist von GESTERN +++

Sascha Thau
18.07.2000, 22:16
Im Frühling der Agenten/Actionhelden Remakes, scheint SHAFT (mit Samuel L. Jackson) ein As zu sein.

Zitat aus einer Kritik:
"If you liked HARD BOILED, THE KILLER, DIRTY HARRY, POINT BLANK, A BETTER TOMORROW, KISS ME DEADLY, THE LIMEY, etc.... This is the movie to put that rhythm in your step again. IT RULES!"

bye Sascha

Frank Neubauer
18.07.2000, 23:27
@ Sascha
Der von dir zitierte Kritiker lässt beinahe nichts aus!
Aber ich muss zugeben, ich bin auf Shaft auch sehr gespannt, und bin froh, das man das original Titelthema beibehalten hat. Samuel Jackson ist sicher ein würdiger Nachfolger von Richard Roundtree.
Fragt sich nur, was das mit MI2 zu tun hat.

Sascha Thau
19.07.2000, 00:03
Meinetwegen etwas weit hergeholt, aber da es hier sowieso um diese Art Film ging und Mission Impossible ja auch nur ein Art Remake ist... wollte ich kein eigens Thema starten (da Shaft ja sowieso erst noch kommt).

bye Sascha

Frank Neubauer
19.07.2000, 00:07
@ Sascha
Kein Problem. Viele der von mir erstellten Themen sind "weit hergeholt". Zumindest wenn es um s&l geht.

Karsten
19.07.2000, 09:58
Original erstellt von Frank Neubauer:
@ Twist
Bullet in the Head
Better Tomorrow 1
Killer

Mein Senf:

"Hard Target" ist Woo's bester Hollywood-Film und gelungener, als so mancher wahr haben will (...auch wenn er siebenmal umgeschnitten werden musste, aber allein der Coolness-Faktor ist mit vanDamme anders gelagert als mit Cruise. Nein - ich bin KEIN vanDamme-Fan, aber wenn Cruise auf lässig macht, dann sieht er gleich total linkisch aus...)
Ich hab' mir damals die uncut-Version von "Bullet in the Head" besorgt und war maßlos enttäuscht - an die typischen "overacting" Schauspieler gewöhnt man sich, aber bei mir kam die Dramatik leider nicht so rüber. "A better tomorrow" und "The Killer" sind dagegen Meisterwerke für die Ewigkeit. "Face off" ist beim zweiten Sehen nur noch lächerlich, über "Broken Arrow" hängt man am besten den Mantel des Schweigens und in "Hard Boiled" überzeugen eigentlich nur die Sequenzen im Teehaus und im Lager, das Krankenhaus-Finale langweilt nach dem 242. Toten, obwohl's dort auch einige schön inszenierte Sequenzen gibt (...10 Minuten Ballerei im FLur ohne Schnitt...)
In M:I-2 flakkert nur noch für Sekunden das Woo-Niveau auf. M.M. kein Film den John McTiernan, Jan DeBont oder Tony Scott nicht auf ähnlichem Level hinbekommen hätten...

Loretta
19.07.2000, 10:40
Naja, Jan de Bont und Tony Scott sind meiner Meinung nach nicht auch nur ansatzweise auf dem Niveau eines John Woo, selbst wenn dieser nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskunst sein sollte. Und John McTiernan würde einen Film wie MI:2 niemals so machen, sondern eher noch wie den ersten MI. Aber egal, es ist wahrscheinlich müßig, darüber zu diskutieren...

Aber ich bei Hard Target gebe ich Dir Recht: Ich finde den Film auch ziemlich unterschätzt. Liegt wohl daran, dass er damals noch mehr ein Van-Damme-Vehikel als ein John-Woo-Film war. Ich habe noch genau ein Bild aus der Anfangsszene vor Augen: Die Kamera fährt von hinten an Jean-Claude heran, bis sie ganz nah vor seiner fettig-glänzenden, lockigen Matte anhält, und dann dreht ER sich um...Hah! Zum Schießen!!!

Peter Osteried
19.07.2000, 11:33
@karsten

da lache ich doch mal kräftig ab. Hard Target ist sicherlich nicht so übel, aber der gelungenste Woo in Hollywood bleibt Face/off, da dieser mehr dem Stil des Regisseurs entspricht. Ich würde mich allenfalls umstimmen lassen, wenn der Director's Cut von HT, der nur als Bootleg kursieren soll, mal zugänglich wäre, aber so bleibt er ein Film der verschenkten Chancen (und mit einer Geschichte, die 1933 mit "Most Dangerous Game" schon einen Bart hatte).

Hank
19.07.2000, 11:54
Ich persönlich halte Hard Target für eine der besten Komödien überhaupt. Unvergessen, wie VanDamme seinen Mantel zurücknimmt, als obe er einen Revolver dort hätte. Da beweist er wirklich komisches Talent (ähnlich wie bei der Schlangenszene). Fraglich bleibt, ob der Film als eine solche Comedy geplant war.

Karsten
20.07.2000, 00:05
Original erstellt von Peter Osteried:
@karsten

da lache ich doch mal kräftig ab. Hard Target ist sicherlich nicht so übel, aber der gelungenste Woo in Hollywood bleibt Face/off, da dieser mehr dem Stil des Regisseurs entspricht. [snip].

Lacht Ihr nur...wenn die uncut-DVD eines Tages rauskommen sollte - "ich hab's ja schon immer gesagt...!" :)
"Face/off" halte wirklich BEIM ZWEITEN SEHEN für genauso missraten wie "M:I-2". Da gibt es in beiden Filmen eine einzige Szene die mich an Woo erinnert, und zwar dann wenn während eines Intermezzos langsame Musik aufflammt, die Hintergrund-Geräusche verstummen und es wirklich an das viel zitierte "Todesballett" erinnert...das hebt die Filme für kurze Momente wirklich auf eine andere Ebene - bis zu dem Zeitpunkt in dem z.B. Cruise sein "...ICH WILL DICH NICHT VERLIEREN!" seiner Partnerin ins Gesicht brüllt - DAS ist zum Lachen...traurig aber wahr.
"Face/off" hatte m.M. nun wirklich nichts Innovatives zu bieten. Das Mantelwehen kam schon in "A better tomorrow" wesentlich cooler, von den Schusswechseln blieben mir eben nur diese Fetzen haften und halten Vergleiche zu "Hard Boiled" nicht stand, ferner hab' ich die Bootsverfolgung hab' ich schon in "Killer" vielleicht nicht besser, aber dafür wesentlich spannender gesehen - mal abgesehen von dem ebenfalls wirklich nicht gerade orginellerem Plot als dem von HT ("Face/off" war ursprünglich als Sci-Fi-Film gedacht - vielleicht hätte es dann funktioniert.). Aber dafür hatte HT Szenen die sich ins Gehirn brannten, wie z.B. der geniale Zeitlupen-Schnitt am Ende der Verfolgung des Schwarzens durch die Stadt - an dem Schauer über'n Rücken kann ich mich heute noch erinnern. Bei "Face/off" blieben bei mir nur Cages Grimassen hängen...

Karsten
20.07.2000, 00:11
Original erstellt von Hank:
Ich persönlich halte Hard Target für eine der besten Komödien überhaupt. Unvergessen, wie VanDamme seinen Mantel zurücknimmt, als obe er einen Revolver dort hätte. Da beweist er wirklich komisches Talent (ähnlich wie bei der Schlangenszene). Fraglich bleibt, ob der Film als eine solche Comedy geplant war.

Heyheyhey...es ist allgemein bekannt dass "M:I-2" in Film-Kreisen als Agenten-Parodie gewertet wird - zu Recht!
Und wenn vanDamme vor dem Gewitter seinen Mantel zurechtrückt um sich etwas Beinfreiheit zu verschaffen - DAS ist Coolness! :)

Gruß...

Sascha Thau
20.07.2000, 00:23
M:I-2 kann nur deshalb als Parodie gewertet werden, weil alles andere schlicht lächerlich wäre.

Nach neuesten Gerüchten gab es während der Produktion ziemlich Ärger zwischen Cruise/Paramount und Woo. Es wurden scheinbar zwei Filme gedreht und ineinander geschnitten. Wundert mich nicht das dann so ein Murks bei rauskommt, so viel zur "Parodie".

Ähnliche Probleme gab es auch bei "Hard Target". Und hinterher gab es eine ähnliche Pressearbeit wie jetzt bei M:I-2. Alle lächeln und tun so als ob sie sich mögen.

bye Sascha

cyqle
22.07.2000, 17:42
Jawohl ja, gute Unterhaltung! Viel Action, gute Musik, laue Story, ob die wohl wirklich so unmöglich ist weis ich auch nicht, zuviel Motorad-Szenen und mein dummer Freund sagte mir nach dem Kino-Besuch "... aber ich wusste nicht worum es ging!" (Dieser Depp)

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SCHLECHTE ZEITEN SIND GUTE GESPRÄCHSTHEMEN

Julian
28.07.2000, 00:05
So dumm war dein Freund vielleicht gar nicht. Bei einem Film, der dämlich zusammengeklatscht ist um irgendwie Actionszenen unterzubringen ist das ja auch kein Wunder.

ICOM
29.07.2000, 03:32
Original erstellt von Sascha Thau:

Ich meine wer sieht denn die Anspielungen auf Hitchcocks "Notorious", den letzten Mohikaner oder auf John Ford's "The Third Man" neben all den Selbstplagiaten aus dem ersten Teil und anderen Woo-Filmen?
bye Sascha

Ich kenne ein paar Filme von John Ford, "The Third Man" ist nicht darunter (aber vielleicht meint Sascha den Film von Carol Reed mit Orson Welles).

Wieso vergleicht eigentlich niemand M:I 2 mit dem gelungeneren (aber auch erheblich kürzeren) de Palma-Film? Drehbuchautor Robert Towne hat seit China Town eigentlich nichts wirklich bedeutendes geschrieben ("The two Jakes" war auch kein uneingeschränkt gelungenes Serial, "Die Firma" lebt vom Grisham-Plot). Dabei ist Towne, wenn man Syd Fields ("Das Handbuch vom Drehbuch") glaubt, der Guru des Plot Points.

Man hätte eben Jim Phelpps nicht umbringen sollen, denn mit ihm stirbt auch Mission:impossible.

Burkhard

Sascha Thau
30.07.2000, 10:51
Der Bezug zum dritten Mann stellt sich insofern her, als daß es in diesem Filmklassiker darum geht hohe Profite mit Medikamenten (in diesem Fall verdünntes Penicilin) zu erreichen.

Nichts anderes versuchen die Gangster in M:I-2.

Ich weiß, etwas strapaziert, aber ich hab ja auch nicht behauptet das M:I-2 gut wäre.

bye Sascha