PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Comics & Computer



NNY
29.12.2000, 18:17
Ich habe netterweise einen kleinen Regierungsauftrag erhalten einen kurzen Beitrag über Comics und Computer zu schreiben. Dummerweise muß ich bis spätestens 4.Jan 2001 fertig sein und bin erst heute auf dieses Forum aufmerksam geworden.
Meine Fragen richten sich an alle Fans und auch an die Künstler.
1. Inwieweit wurde die Computerentwicklung von Comics inspiriert bzw. haben sich schon frühe Comics mit dem Thema Computer beschäftigt?
2. Haben sich die Comics durch o. mit dem Internet geändert?
3. Wer liest Comics im Internet und wo?URL?
4. Welche Bedeutung hat das Internet für den Handel und die Produktion?
5. Inwieweit hat das Comic eine Aufwertung zu
einer Kunstform erfahren (speziell in Deutschland)?
Scheinbar hat unsere Regierung ein ernsthaftes Interesse sich in der Zukunft mehr mit dem Thema neue Medien zu beschäftigen, deshalb schreibt zahlreich, damit sich vielleicht in diesem Land auch mal etwas in diese Richtung bewegt.
many thanks NNY

Hate
29.12.2000, 19:20
Zu 1:
Bis zum Ende der 70er Jahre wurden Computer in Science Fiction-Comics als selbstständig denkende Geräte mit eigener Persönlichkeit dargestellt.
Seit jeder einen PC zuhause oder im Büro hat, behandeln Comics die Computer als Quelle für Alltagsärger (Abstürze, Wartezeiten).

Zu 2.
Die Farben der amerikanischen Superheldencomics haben sich in den letzten 10 Jahren durch Computercolorierung entscheidend geändert. Früher sahen sie so aus wie bei einem Roy Lichtenstein-Bild, heute sind es beinahe Gemälde.

Zu 3:
Beliebte Online-Comics: www.comicforum.de/comicubb/Forum43/HTML/000017.html (http://www.comicforum.de/comicubb/Forum43/HTML/000017.html) www.comicforum.de/comicubb/Forum43/HTML/000019.html (http://www.comicforum.de/comicubb/Forum43/HTML/000019.html)

Online-Comics als Sprungbrett für Newcomer: www.comicforum.de/comicubb/Forum44/HTML/000023.html (http://www.comicforum.de/comicubb/Forum44/HTML/000023.html)

Sascha Thau
29.12.2000, 20:30
1.Na zu Computern kann ich nicht viel sagen, aber Roboter waren wohl schon immer ein Thema. ist ähnlich wie bei der Sci-Fi Literatur.

2.Es ist ein neuer weg entstanden das Medium Comic zu interpretieren. Vorreiter ist da sicherlich Scott McCloud, dessen Buch "Reinventing Comics" genau dein Auftragthema anspricht: Comics in Verbindung mit dem Internet. Schau mal auf seiner website nach, da gibt's auch einige experimentelle Online Comics von ihm zu sehen.
www.scottmccloud.com (http://www.scottmccloud.com)

3.Wer die liest? Gute Frage, keine Ahnung. Soweit ich weiß gibt es in Amerika einige Online Strips die es zu etwas Bekanntheit gebracht haben. In Deutschland ist mir so ein Phänomen nicht bekannt. Man sieht sie überall und nirgends. www.icebox.com (http://www.icebox.com) www.comicgate.de (http://www.comicgate.de) www.netzzeitung.de (http://www.netzzeitung.de)

4.Könnte ein ziemlich großer werden. Wichtig ist das Internet vor allem für Independent-Verlage die sich keine großen Werbeausgaben leisten können. Allerdings kann sich das wohl jeder selbst zusammen reimen.

Für die Produktion ist es ein wahnsinniger Vorteil. Ich arbeite bei dem Kleinverlag FINAL ART mit und der Großteil unserer Kommunikation findet über das Internet statt. An den Heften haben bisher schon Australier und Amerikaner mitgearbeitet die wir ohne Internet nie kennen gelernt hätten. Von großem Vorteil ist natürlich das man Bilder und Texte innerhalb von Minuten verschicken und nicht auf die Post warten muss. www.finalart.de (http://www.finalart.de)

5.Von Aufwertung gibt's nur eine kleine Spur, meiner Ansicht nach, wie die Buchmesse gezeigt hat. Die restlichen Medien haben immer noch Probleme damit eine ordentliche differenzierte Berichterstattung hinzukriegen.

Zu sehr lässt man sich auf den oberflächlichen Schein ein, was sich dann in den Artikeln niederschlägt. Darum besteht immer noch Rechtfertigungsbedarf wenn man Comics liest, obwohl das absolut lächerlich ist. Man stelle sich nur vor Spielberg müßte sich für seine Arbeit rechtfertigen. Deutschland hat noch nicht erkannt das es nach dem "Lustigen Taschenbuch"-Horizont noch weiter geht. Bei Comics wird in der Öffentlichkeit fast immer der Schund (böses Wort, aber ich lass es mal so stehen) voran gestellt.

Verglichen mit Büchern ist das so, als ob sich Buchleser dauernd für Konsalik rechtfertigen müßten, obwohl es Shakespear und Goethe gab. Lächerlich.

bye Sascha

ICOM
30.12.2000, 04:34
Zu 1. fällt mir spontan auch nichts ein. Technik und Erfindungen sind natürlich in Comics immer wieder ein Thema, viele Comicfiguren sind bedeutende Erfinder (z.B. die Professoren Bienlein, Zarkov und sein Klon Kala, der Graf von Rummelsdorf, der allerdings hauptsächlich auf der Basis von Pilzextrakten erfindet). Vor Erfindung der Großrechner (und die meisten "frühen" Comics entstanden vor Zuse) waren Computer kein Thema in Comics, auch später boten sie wenig optischen Reiz. Da waren Roboter immer etwas dankbarer, z.B. Victor in "Barbarella" (auch in den Superhelden-Comics dürften sich da einige Beispiele finden).
2. Das würde ich zur Zeit noch verneinen. Veränderungen, wie sie "Flash" und andere Animationsprogramme ermöglichen, führen vom Medium Comic zum Medium Film hin, schaffen eine Gestaltungsform, die mit der Definitionskriterien von Comics nicht zu fassen sind (Sequential Art heißt eben, daß mehrere Bilder nebeneinanderstehen, und nicht, daß sich Bilder verändern).
3. Bei den bisherigen Ladezeiten schauen sich wahrscheinliche wenige Leute Comics im Netz an. Das ist mit Cartoons schon anders, da diese auf E-Cards verbreitet werden. Die beste Übersicht bietet http://ByteComics.de
4. Die Bedeutung nimmt ständig zu. Im Handel, wie Sascha schon ausführte, vor allem für weniger leicht erreichbare Titel wie Independent Comics und Antiquariat. In der Produktion zunächst nur durch eine Veränderung der Kommunikationswege (da ist aber qualitativ kein Unterschied). Allerdings scannen immer mehr Künstler ihre Zeichnungen selber ein. Die Daten werden aber vorwiegend auf CD-ROM verschickt (nicht alle verfühgen über ISDN- Leitungen und Leonardo). Der Einsatz von Computern im Gestaltungsbereich nimmt aber generell zu (vorwiegend beim Lettern und Kolorieren. Bald werden aber sicher auch Hintergründe als 3-D-Grafiken generiert und bei Bedarf eingesetzt, z.B. bei Innenansichten von komplexen Räumen, oder Perspektiven am Rechner konstruiert.
5. In den 80er Jahren, als vorwiegend franko-belgische Autorencomics in Deutschland erschienen, führte das zu einer Aufwertung der Comics. Das Internet hat bisher, außer daß theoretische und wissenschaftliche Publikationen zum Thema leichter verfügbar sind, wenig dazu beigetragen.

Geier
30.12.2000, 15:49
Als Zeichner kann ich da auch nur sagen das mir der Rechner lediglich beim Colorieren hilft. Zeichnen muß man nach wie vor von Hand und ich glaube auch nicht das sich daran so bald was ändern wird.
Das Internet ist von daher ziemlich klasse das man schnell und unkompliziert mit den Kollegen kommunizieren kann. Früher wars doch eher so das jeder für sich herumgewerkelt hat und man sich ein- zweimal im Jahr auf einer Börse unterhalten konnte.
Ob das Net dem Absatz nützlich ist kann ich noch nicht beurteilen weil wir noch nicht lange genug im Netz sind.

NNY
02.01.2001, 20:14
Vielen,vielen Dank für Eure schnellen Andworten; Alle miteinander haben mir bei meiner Arbeit extrem geholfen
Gruß NNy

Mick Baxter
22.05.2003, 02:01
Leider hat NNY seither nie wieder im Forum gepostet. So werden wir wohl nie erfahren, was bei seinen Recherchen rausgekommen ist.

Tassilo
14.05.2004, 16:36
Was das Zeichnen am Rechner angeht: Ich mache das nun seit gut 3 Jahren, vormals mit Wacom Tabletts, sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber schnell drin, inzw. auf einem Wacom Cintiq, sprich, ich zeichne direkt am Bild(schirm). Auch Jamiri arbeitet inzw. mit einem solchen, soweit ich weiss, auch in Sachen Strich, nicht nur die reine Koloration. Ich könnte mir schon sehr gut vorstellen, dass sich hier schnell was ändern könnte, die Vorteile liegen auf der Hand (Zoom für feinere Striche, Details, Undo, Verzerrungen, Skalieren, Verschieben...).

peter schaaff
02.06.2004, 11:36
computer sind unser aller untergang. die schrecken der technik haben inzwischen dazu geführt, daß selbst von einem eh schon unterbezahlten comiczeichner verlangt wird, neben dem eigentlichen strichwerk auch noch koloration, lettering und das ganze seitenlayout abzuliefern (plus der dazu nötigen technischen grundausstattung an pc und software) - zum gleichen preis!
vielen dank, bill. gepriesen all die technikgläubigen, die uns diese welt beschert haben. möge die pest sie befallen.