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Gerhard Förster
27.05.2011, 09:06
Auf dieses Thema brachte mich Georg Tempel durch sein Vorwort im neuen Zack (Nr. 144). Er schreibt über den Boom der Gesamtausgaben und fragt sich, was dahinter steckt und ob die Entwicklung in Richtung Wäscher geht (dass alte Männer sich immer wieder die gleichen Comics in neuer Aufmachung zulegen). Und dann betont Georg noch, dass sich auch ganz andere Tendenzen zeigen, wie der Erfolg der Graphic Novels.

Bei dem Vorwort dachte ich daran, was hinter meiner Comicliebe steckt. Und ich würde auch gern wissen, welche Funktion die Comics bei Euch erfüllen.

Zuerst zu mir: Mein zweigeteiltes Interesse (manche würden es schizophrän nennen) lässt sich gut an dem darstellen, was ich im Moment gerade lese. Da ist einerseits die ziemlich autobiografische Graphic Novel "Irgendwie dazwischen" von Tracy White, die die Geschichte einer Depression schildert. Das Thema ist absolut comicuntypisch, das Buch sieht nach nichts aus und man könnte sich darüber wundern, dass man für so ein Artwork einen Verleger findet. Und doch ist der Band hochinteressant, die Texte (soweit ich sie bisher kenne) sehr authentisch, manchmal auch originell und ungewöhnlich (googelt bloß mal das Cover und findet eine Version die groß genug ist, dass man die kleinen Texte am Titelbild lesen kann. Köstlich.)

Andererseits genieße ich zur Zeit auch den Prinz Eisenherz Band 2 von Bocola (Hunnen-Story) in seiner perfekten zweiten Auflage (die Vorlagen wurden komplett überarbeitet. Toll! Kein Vergleich zu vorher). Es ist eine einzige Augenweide.

Für mich ist das kein Widerspruch. Die Autobio-Comics spiegeln mein Neugier an menschlichen Schicksalen und die Liebe zum Leben wider, die Comicklassiker hingegen dienen der Erholung in diesem anstrengenden Dasein. Man sollte sie unter Wellness-Angeboten führen?

Und wie ist das bei Euch? Welche Comics erfüllen bei Euch welchen Zweck? Gibt es irgendwelche Serien oder Künstler, deren Werke Euch vielleicht sogar Kraft geben oder Eure Lebensphilosophie beeinflussten?

Troll40
27.05.2011, 16:07
Welche Comics erfüllen welchen Zweck? Hmm - gute Frage.

Da würde ich mit Jiro Taniguchi und Leo beginnen. Das sind für mich die beiden Poeten unter den Comic-Schaffenden. Gleich nach den ersten Seiten beginnt für mich die Zeit irgendwie still zu stehen.
Hier sind zwei Menschen am Werk die es immer wieder schaffen mir unaufdringlich zu zeigen was im Leben wichtig sein könnte und vor allem was alles nicht. Nach dem Lesen von Taniguchi und Leo Büchern
stellt sich bei mir immer ein leichtes - nennen wir es mal so - Glücksgefühl ein.

Blueberry (Giraud/Charlier) und Prinz Eisenherz (Hal Foster) verbreiten für mich vielleicht am meisten Atmosphäre. Da atmet man sprichwörtlich den Staub ein - riecht den Schweiss und fühlt sich mitten in
den Schlachten von Prinz Eisenherz (das es vom zweiten Bocola Band eine verbesserte Auflage gibt habe ich noch gar nicht mitbekommen).
Wirklich toll geschrieben - grandiose, detailverliebte Zeichnungen - immer wieder zum Ansehen bzw. Lesen.

Storm von Don Lawrence war der erste wirklich realistisch gezeichnete Comic den ich gelesen habe (so Anfang der 80er). Der Text war mir damals zwar nicht so wichtig - es war in erster Linie das Gefühl beim Betrachten
der Bilder das ich nicht vergessen habe. Die Storm Alben waren die ersten die ich nicht mehr weiter tauschen wollte, sondern behalten habe - getauscht hat man Bessy, Silberpfeil, Micky Maus, Superman etc. - aber auf keinen Fall Storm.

Manx cat
29.05.2011, 14:28
Ich stelle mir mitunter sogar die Frage, warum ich überhaupt Comics lese. Was ist es denn, was Comics haben, das Bücher nicht haben? Comics kosten wesentlich mehr und sind in wesentlich kürzerer Zeit gelesen.

Bei manchen Graphic Novels ist die Sache relativ schnell klar, sie sind häufig sehr direkt und persönlich und verdichten perfekt Stimmungen. Ich meine damit Werke wie
"Warum ich PAter Pierre getötet habe" oder
"Die Playboy Stories" von Chester Brown.
Das ist für mich teilweise ähnlich wie Lyrik und überzeugt einfach durch die Gesamtkomposition.

[Später mehr]

DER LETZTE APACHE
29.05.2011, 17:05
ich würde auch gern wissen, welche Funktion die Comics bei Euch erfüllen.

Die Autobio-Comics spiegeln mein Neugier an menschlichen Schicksalen und die Liebe zum Leben wider, die Comicklassiker hingegen dienen der Erholung in diesem anstrengenden Dasein. Man sollte sie unter Wellness-Angeboten führen?

Und wie ist das bei Euch? Welche Comics erfüllen bei Euch welchen Zweck? Gibt es irgendwelche Serien oder Künstler, deren Werke Euch vielleicht sogar Kraft geben oder Eure Lebensphilosophie beeinflussten?

Deine Fragen gehen ja schon ins Schwärmerische und das ist auch gut so.
Bei mir ist es so:
Wenn mir im Alltag was auf die Nerven geht, oder mir was über die Leber gelaufen ist, dann schnapp ich mir eine Serie und schaue mir NUR die Titelbilder an - und schon geht es mir wieder gut. ;)

Gerhard Förster
29.05.2011, 22:58
Ja, da ist schon was Schwärmerisches dran. Ich kenne auch diesen Kult der Titelbilder. Aber warum haben viele klassische Comics auf uns eine solche Wirkung? Was ist diese Nostalgie? Ich kann das nicht wirklich klären, aber ein bisschen hat es schon mit der verpönten Sehnsucht nach der heilen Welt zu tun. Doch warum nicht? Unsere Welt ist zwar oft schrecklich schwierig, Happy Ends sind selten in Sicht und oft ist überhaupt nicht klar, was gut und böse ist. Doch jeder braucht auch eine Insel der Erholung, wo er Kraft tanken kann und die Welt in Ordnung ist. Auch ist die einfache, schlichte Moral der klassischen Comics nicht unbedingt die Schlechteste. Sie sagt uns, dass wir uns nicht korrumpieren lassen und anderen Menschen helfen sollen. Einfache Werte... Sind unsere Kultcomics vielleicht sogar ein Religionsersatz?

Bei den Graphic Novels ist das ganz was anderes. Ich denke, Manx Cat hat das sehr gut beschrieben. Sie bieten tolle Möglichkeiten. Vielleicht hat ihr Siegeszug erst begonnen, schließlich entdeckt sie ein breiteres Publikum gerade erst jetzt.

DER LETZTE APACHE
29.05.2011, 23:54
Warum ich Comics lese?
Vielleicht mache ich es mir zu einfach. Ich habe keine Lust, 24 Stunden am Tag Realitätsbezogen zu leben. Sicher braucht jeder eine Phase der Erholung. Zwar kenne ich (noch?) kein Burn-Out-Syndrom, aber manchmal spürt man: Der Akku ist leer! Die benötigte Aufladung mit integrierter Entspannung findet man in seinem Comiczimmer. Der Stressabbau gelingt mir, wenn ich ein HR Wäschercomic zur Hand nehme. Es gibt weitaus bessere Zeichner als ihn, aber als Kind hat mich das nie gestört. Aber kein anderer konnte solch eine Spannung am Ende des Heftes aufbauen, wenn Sigurd an der Klippe hängt...(daher Cliffhanger). Er lässt den Leser über den Ausgang der Episode im Unklaren. Es kommt schon fast einen geistigen Orgasmus gleich. Das nächste Heft liefert die Antwort. ;)

DER LETZTE APACHE
30.05.2011, 00:24
Bei manchen Graphic Novels ist die Sache relativ schnell klar, sie sind häufig sehr direkt und persönlich und verdichten perfekt Stimmungen.]

Die Graphic Novels sprechen ja die ältere Leserschaft an. Fernab der Micky Maus Fraktion. Es sind literarisch angehauchte Geschichten. Ob sie auch einen literarischen Anspruch genüge leisten, darüber vermag ich nicht zu urteilen. Ich glaube aber, das würde auch einen Marcel Reich-Ranicki nicht hinter den Ofen hervorlocken. :D

Manx cat
30.05.2011, 16:18
Auch ist die einfache, schlichte Moral der klassischen Comics nicht unbedingt die Schlechteste. Sie sagt uns, dass wir uns nicht korrumpieren lassen und anderen Menschen helfen sollen.



Diese Verklärung mag auf Hansrudi Wäschers Comics zu 100 Prozent zustimmen, auf Eisenherz oder - drastischer noch - auf J.M. Charliers Klassiker sicher nicht.

Gerade Charlier, den ich - mit Einschränkungen - schätze, erschüttert mich immer wieder mit dem bedenkenlosen Einsatz von drastischen Mitteln (Kanonen in Menschenmengen, Flammenwerfer beim Roten Korsar (Das Höllenschiff), brutalste Kriegslisten bei Blueberry, keinerlei Rücksicht gegen Tiere, und immer und überall und gegen alles Dynamit).
Eskapismus ist es natürlich schon, aber eher der Eskapismus in eine Welt, in der man bedenkenlos seine PRobleme mit Gewalt durchsetzen kann, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. (Klingt das zu sehr nach A. C. Baumgärtner?)
Eine einfache Welt durchaus - und verführerisch. Und da man der Verführung ohne Konsequenzen nachhängen kann, natürlich auch akzeptabel.

Im übrigen ist die Welt für mich die Welt nach der Lektüre von Prinz Eisenherz natürlich wieder völlig in Ordnung. Und Hansrudi Wäschers Lehning-Jahre liebe ich sowieso.

Gerhard Förster
30.05.2011, 17:08
Das stimmt, die Sache mit den moralischen Werten trifft mehr auf Wäscher zu. Charliers Bombeneinsätze und Pferdegemetzel zeugen nicht grade von großer Humanität. Und als ich den Eisenherz jetzt wieder las (Hunnen-Story), fiel mir wieder mal auf, wie kampfeslüstern die Helden sind.

Zauberland
01.06.2011, 14:09
Bei mir erfüllen Comics zwei "Funktionen":

Zum einen gibt es Comics die in ihrer Anspruchslosigkeit einfach der Entspannung und Unterhaltung dienen. Um zwei Uhr Nachts (nachdem ich den ganzen Abend gearbeitet habe) darf´s halt auch mal sowas sein. Und wenn es ein Rick Master Band, den ich bereits zehnmal zu ähnlichen Anlässen gelesen habe, ist.

Zum anderen bedienen Comics mein Bedürfnis nach Kunst (Literatur, Poesie, Malerei, grafische Gestaltung etc.) & Kultur. Dann bin ich auch ganz darauf konzentriert und sauge die Athmosphäre, die haptischen und optischen Eindrücke und die poetischen oder kulturellen oder gesellschaftlichen Inhalte förmlich in mich auf. Da fallen mir spontan die, bereits erwähnten, Leo Comics, Yann´s "Helden ohne Skrupel", Deum/Dionnet´s "Fremde Regionen" - habe ich gerade mal wieder gelesen - oder auch Will Eisners "Der Komplott" spontan als Beispiele ein.

Grundsätzlich ist der Comic für mich eine weitere kulturelle Ausdrucksweise (wie z.b. auch Bücher, Musik oder Bilder). Wie bei jeder dieser Ausdrucksweisen gibt es eben auch bei Comics anspruchsvolle und weniger anspruchsvolle, erwachsene und weniger erwachsene, gelungene und weniger gelungene.

Ich lese ja auch nicht nur Bücher von Böll, Goethe oder Tucholsky. Sondern auch mal von Henning Mankell, J.K. Rowling oder Helen Fielding.

Manx cat
04.06.2011, 09:10
Manche mögen die Nase über Comics rümpfen, die nur illustrieren, aber nicht mit den Möglichkeiten des Comics arbeiten. Für mich ist das aber trotzdem ein Wert an sich und ein Grund, Comics zu lesen.

Derzeit lese ich den Roman "Krieg und Frieden" mit Begeisterung. Dessen Komplexität und Tiefe dürfte in Comics nur schwer umzusetzen sein. (Andersrum dürfte die Intensität eines Comics wie "MAus" auch schwer in Romanform zu bringen sein.) Was aber, gerade beim Lesen von historischen Büchern immer das große Unbekannte ist, ist das Aussehen und die Kleidung der Personen. Ich habe zwar eine sehr grobe Ahnung, wie die damaligen Uniformen ausgesehen haben könnten, aber es bleibt eben doch im Nebel und ich kann es beim besten Willen nicht imaginieren und möchte das auch gar nicht.

Und genau aus dem Grund sind Comics schön. Hätte ich einen Comic, der zur Zeit der Napoleonkriege spielt, ich würde momentan wohl regelmäßig darin blättern. ICh glaube "Arno" von Juillard und Jacques Martin wäre passend.

Daher finde ich auch eine Adaption von "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" auf jeden Fall eine schöne Sache. Wichtig ist mir dann allerdings schon, dass vom Zeichner akkurat recherchiert wurde. Da muss ich einfach darauf vertrauen, dass dem Zeichner die Richtigkeit der Darstellung ebenso wichtig war - Ich denke in den meisten Fällen kann ich das.

felix da cat
12.09.2011, 16:29
Hallo, mein Name ist Felix da cat und ich bin comicsüchtig.

- Bravo. Felix, bravo, … Mutig, Felix!

- Willst du uns ein bisschen über Deine Sucht erzählen.

Also … also ich weiß nicht recht …

- Komm Du bist nicht allein, wir haben alle das gleiche Problem!
Fang einfach an, uns zu sagen, was Du empfindest, lass es raus … wir sitzen hier schließlich nicht zusammen, um zu verurteilen, nur um zu verstehen.

Also o.k., wenn ihr meint … alles … alles fing mit den Schlümpfen an. Ich hatte schon vorher Comics gelesen, aber die Schlümpfe … das war eine ganz andere Sache. Die "nächste Stufe", wenn man so will. Irgendwann fing ich an, deren Geschichten aufzulisten. Sogar die Anzahl der Bilder hab’ ich gezählt und dann nach denen gesucht auf denen die meisten Schlümpfe waren ... Ihr versteht? Um festzustellen, wie viel Schlümpfe es tatsächlich gibt.

- "Tatsächlich“?

Oh, ich vergaß: "Tatsächlich" darf ich im Zusammenhang mit Comics nicht sagen … Teil der Therapie … zur Wiederherstellung des Realitätssinns.

- Richtig! … Wenn Du noch kannst, mach ruhig weiter. Oder brauchst Du jetzt erst mal einen Lindenblütentee?

Nein, geht schon. Also, die Schlümpfe … so richtig zur Manie wurde es ja erst als ich begann mit denen die Schafe zu ersetzen.

- Die "Schafe ersetzen"?

Ja, vor dem Einschlafen. Anstelle von Schafen habe ich Schlümpfe gezählt: "Großer Schlumpf EINS, Brillenschlumpf ZWEI, Miesepeterschlumpf DREI" usw., Ihr versteht?

- Wir verstehen … aber so was wächst sich doch aus oder zählst Du immer noch Schlümpfe?

Nein, natürlich nicht, so ein Kinderkram. Heute zähle ich Zeichner, aufgeteilt nach Kategorien und Subkategorien. Das kann einen ganz schön lang vom Schlaf abhalten …

- Hm … hast Du keine Freundin, die Dich hin und wieder vom Schlaf abhält?

Wo denkt Ihr hin … hat denn einer von Euch eine Freundin?

- Äh …

- Nun ja …

Eine Freundin habe ich eh nie gebraucht, ich hatte doch von Jugend an diesen ultrascharfen Pornocomic. Der hat mich bedient.

- Pornocomic?

Na ja, Spider-Man oder Die Spinne, wir er damals noch hieß!

- Spider-Man … ein Pornocomic? Geht’s Dir noch gut?

Ja, natürlich … aber wusstet Ihr das nicht?

- NEIN! Wie kommst du nur auf diesen Unsinn?

Unsinn? Sagt mal, wie lang kennt Ihr eigentlich Spider-Man? 20, 30 Jahre? Und dennoch habt Ihr’s nie begriffen?

- Was begriffen?

Ich fass es nicht! Lee und Ditko waren genial und ihr habt's bis heute nicht gerafft wie es ihnen gelungen ist, die ganzen Teenies dazu zu bringen, Ihr Zeug zu lesen??? …

- Genial … na ja, unterhaltsam vielleicht, aber genial?

Schon mal was von Ödipus gehört?

- Natürlich, der Vatermörder, der auf seine Mutter scharf war. Was hat das mit Spider-Man zu tun?

Nun, für Peter Parker war Onkel Ben Vaterersatz. Dann tötet er ihn zwar nicht selbst, lässt seinen künftigen Mörder aber entkommen, obwohl es ihm ein leichtes gewesen wär, ihn aufzuhalten. Hätte er ihn aufgehalten wär sein Vater oder eben Vaterersatz noch am Leben. Er wird indirekt zum Vatermörder. Peter weiß um seine Schuld, wird von Schuldgefühlen getrieben und …

- Ja, stimmt schon … ein bisschen Freud und so, aber Porno? … und … weiter?

… und das alles genau in der Zeit in der seine Sexualität erwacht – er ist ja Teenager. In seinem Fall dürfen wir sogar sagen: "seine Sexualität explodiert" ... denn was macht Peter mit seinen neuen, "natürlich" rein zufällig in seiner Pubertät durch einen Spinnenbiss erweckten Kräften?
Na?
Er treibt sich nachts in üblen Gegenden herum und verspritzt klebriges Zeug! Von diesen anrüchigen Schweinereien darf natürlich niemand etwas erfahren, daher läuft er maskiert herum … ihr versteht? Die Scham vor der Entdeckung! Am allerwenigsten darf Ersatzma Tante May von diesen nächtlichen Aktivitäten wissen … der Schock über das schamlose Verhalten des Ersatzsohnes würde der alten Dame das Herz brechen.
Die Angst vor der Demaskierung hindert den Lustmolch aber nicht daran, sich ständig zu exhibitionieren. Er filmt sich bei seinen Taten und verkauft die Fotos ausgerechnet der Person, die ihn von allen am genüsslichsten fertigmachen würde. Für Spidey ein zusätzlicher Kick, ein Extra-Adrenalinstoß. So was turnt den Kerl einfach unglaublich an. "Seht her, wie ich mein klebriges Zeug verspritze und bezahlt mich dafür!" und denkt sich: "Ach wie gut, dass niemand weiß, dass mein Stilzchen Rumpel heißt."
Also: an wen verkauft Peter den ganzen Dreck? An J Jonah Jameson, einem Mann, der den ganzen Tag auf ner Zigarre rumkaut, einem Phallussymbol … aber so was von oral!

- Hm … so habe ich das noch nie betrachtet …

Tja … und warum überhaupt eine Spinne. Ich sage nur: 6 Gliedmaße! Das ist schon mal ne Menge! Das verspricht Omnipotenz. Ich kann immer, überall und in alle Richtungen. Und wer ist sein größter Gegner: Doc Ock! 8 Gliedmaße. Die Kämpfe der beiden werden mitnichten um Recht und Unrecht ausgefochten, das denken nur die Duste. Es geht um Manneskraft. Darum wer die größere Potenz hat. Kann der mit Sechsen dem mit Achten standhalten?
Dabei versucht ihn der Oktopus mit seinen bedrohlichen Tentakeln – reine Phallussymbole ... wo die alles reingesteckt werden können - zu vernichten, ihn sexuell zu unterwerfen.
Und schaut Euch Spider-Mans andere Feinde an: Die Echse, also Dr. Connors, dem, wenn er sich von einem Menschen in ein Monster verwandelt, das verlorengegangene Gliedmaß nachwächst. Dabei verwendet er ein Gebräu, das - sehr unzureichend verschlüsselt - für ein Potenzmittel steht. Schwupp … seine Potenz ist wieder hergestellt, der Entmannte, der Eunuch gewinnt seine Manneskraft zurück. Dass ihn die wieder gewonnene Potenz gleichzeitig zum Monster werden lässt, ist der Preis den er dabei zahlen muss … ungern, denn er kämpft heftig dagegen an, zum Tier zu werden. Die Echse ist entfesselter Trieb.
Über das Skorpion, das seine Gegner mit seinem kräftigsten Körperteil, dem Schwanz, umhaut, muss ich wohl keine weiteren Worte verlieren.
Leute, mir macht man nix vor …

- Schweinkram!

- Dreckiger Porno! Und das hab ich jahrelang gelesen.

- Also ich glaube, Du hast einfach nur eine Schraube locker!

Kann sein, aber deswegen bin ich ja hier.



(Felix da Cat operiert heute vom Doktor Unheil Memorial Center aus. Er bewohnt eine Gummizelle mit Computeranschluss. Zu seiner eigenen Sicherheit trägt er eine Zwangsjacke und hat daher eine ausgefeilte Technik entwickelt, Tastatur und Maus mit seiner außergewöhnlich langen Nase zu bedienen. Obwohl ihm die Ärzte das Gegenteil einzureden versuchen, beharrt er auf der Ansicht, seine Nase sei ein Phallussymbol. Hat er einen Schnupfen hält er sich für inkontinent, nießt er, glaubt er ... aber das könnt Ihr Euch denken ...)