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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bonusbeitrag 221: Interview mit LURCHI-Zeichnerin Brigitte Smith von Werner Fleischer



Bernd Glasstetter
03.05.2011, 13:43
1. Können Sie uns etwas über Ihren beruflichen Werdegang vor Lurchi erzählen?

Werkkunstschule Wiesbaden, Akademie für Graphisches Gewerbe, München. Arbeiten als Illustratorin Werbeagentur Günther Bläse, Stuttgart, Werbeagentur Looser, Zürich, Aggencia Record Publicitaria, Mailand, Schulbuchverlage Torronto, Kanada. Erweiterndes Studium: Academy of Fine Arts, Monteal, Kanada.
Eigenes Studio: Pier 5, San Francisco, vielerlei Aufträge von 67 bis 72, Lehrauftrag am College of Arts and Crafts, Oakland, California, diverse Ausstellungen von freien Arbeiten. Übersiedlung mit meiner Familie nach Deutschland.

Können Sie uns für den Artikel noch Ihr Geburtsjahr mitteilen?

1938,guterJahrgang!!

2. Wie haben Sie Lurchi kennengelernt und wie gefielen Ihnen die Geschichten?

Ich erhielt vom Belz Verlag in Stuttgart den Hinweis des Salamander Wettbewerbes und beteiligte mich.
Den Inhalt der Geschichten fand ich psychologisch sehr unentwickelt .Ich sah jedoch in der Lurchifigur und in seinen Freunden eine gute Möglichkeit etwas Schönes und Lehrreiches zu gestalten.

3. Nach der Ära von Heinz Schubel, der 52 Hefte gestaltete entschied sich Salamander für Sie als nächste Künstlerin. Unseren Informationen nach veranstaltete Salamander sogar einen Wettbewerb um den nächsten Lurchizeichner zu finden. Stimmt das?

Ja.

4. Ihr Zeichenstil erinnert an zeitgemäße Popart und den Film „Yellow Submarine“. Wurden Sie hierdurch beeinflußt oder warum wählten Sie einen Zeichenstil der so völlig anders war wie der Zeichenstil von Herrn Schubel?

Ich kam aus Kalifornien, dem Aufbruch der Hippie Zeit in ein neues Denken und natürlich auch einer neuen, frechen Form- und Farbigkeit. Ein Land indem die Sonne sehr viel scheint ohne die Schuld und Trauer Bedrückung der deutschen Nachkriegsjahre. Ganz natürlich.


http://www.splashpages.de/php/images/imagemanager_comics/specials2011/sprechblase221/lurchi.jpg


5. Auch inhaltlich veränderte sich einiges bei Lurchi, er wurde ruhiger und entwickelte sich weg vom „Hau Drauf Lurchi“. Auf wen ging diese inhaltliche Veränderung zurück?

Diese Veränderung wurde von mir mit Nachdruck iniziert und mit Freude. Der alte Muff, der uns Deutschen ja gar nicht gut getan hatte, mußte weg. Auch wenn es vielleicht unwichtig erscheint in so einem kleinen Heftchen, eine Veränderung anzustreben, war ich mir der Verantwortung bewußt, wie viele Kinder diese Inhalte lesen würden. Auch bin ich stets der Meinung, auf allen Niveaus, auch den unscheinbar erscheinenden, sich selbst treu zu bleiben.

6. Wer entwickelte die Geschichten und gab es hierbei Vorgaben von Salamander?

Ich hatte keine Vorgaben und entwickelte und dichtete die Geschichten, so wie die Bilder

7. Wie war die Zusammenarbeit mit Salamander?

Der damalige Werbeleiter Herr Pfitzer war meine Kontaktperson. Er war freundlich, mochte meine Arbeiten, nur bewies er am Ende keinen Mut, als durch interne Personalveränderungen in der Werbung, mein Stil und Aussage von heute auf morgen nicht mehr gewollt waren.

8. Die Zeit nach Heinz Schubel war eine sehr stürmische. Sie waren die erste von mehreren Künstlern, die sich innerhalb von kürzester Zeit ablösten. Warum endete ihr Engagement nach nur 3 Geschichten so schnell?

Ich sagte es bereits. Obwohl ich eine ausführliche Darlegung meiner Ansichten vorlegte, gab es keine Gesprächsmöglichkeit.

9. Wissen Sie wie Ihre Geschichten bei den damaligen Lesern ankamen?

Keine Ahnung.

10. Der Kinderbuchverlag Esslinger veröffentlicht zu Beginn des Jahres 2010 den dritten Sammelband mit ihren 3 Geschichten in einer sehr schönen Werksausgabe. Freut es sie wenn nach einer so langen Geschichte Ihre Lurchihefte immer noch neue Leser finden?

Ja, natürlich. Kann man so einen Band erwerben?

11. Wie verlief Ihre künstlerische Entwicklung nach dem Engagement bei Salamander?

Ich illustrierte im Laufe der Jahre 120 Kinderbücher,5 Zeichenfilme für das Bayrische Fernsehen, ein Lehrauftrag für das Institut für Graphische Gestaltung, München.
Dabei eine stete Entwicklung meiner freien Arbeiten, viele Ausstellungen und Publikationen, so daß ich jetzt ausschließlich von meinen freien Arbeiten lebe.

12. Wir danken Ihnen für das Gespräch.