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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "rpm" von Martina Lenzin



kiki_magic
10.02.2011, 23:26
Nicht nur richtet der seit letztem Jahr bestehende Hamburger Comicladen Strips & Stories (http://www.strips-stories.de/) den ersten Teil der am 18. Februar anstehenden Releaseveranstaltung anlässlich des Erscheinens dieses Debuts aus, auch hat Ladenbetreiber Hans Ebert in seinen Newsletter eine Besprechung des Bandes eingebunden, die man nicht nur als Werbung, sondern wohl auch als Rezension verstehen kann:

"Vielleicht ging es euch genauso? Das Entdecken von guter Musik jenseits des Mainstreams verlief parallel mit dem Entdecken von spannenden Comics, die mit gewohnten Gewohnheiten brachen und die einem halfen, manches etwas besser zu verstehen. Der bisher enge und eingeschränkte Blick auf die Welt wurde so erweitert und bestimmte Fragen nach einem besseren Leben im Falschen tauchten auf. Wir lernten, dass man Dinge selbst organisieren muss, um etwas zu erleben und dass dies in kollektiven Strukturen oftmals besser funktioniert. Gleichzeitig musste man auch früher oder später eingestehen, dass subkulturelle Orte und Veranstaltungen oftmals nicht als Gegenkonzept funktionierten. Die Widersprüche einer Gesellschaft, in der auch kulturelle und künstlerische Produkte zur Ware gemacht werden, machten auch vor den kleinen Szenebiotopen nicht halt oder andersherum gesagt: gesellschaftliche Auswirkungen von emanzipatorischen und subkulturellen Gegenkonzepten blieb nahezu aus bzw. wurden diese ins Bestehende integriert und somit ihrer Relevanz beraubt.

Aber was hat das mit dem Comic zu tun? Es kommt selten vor, dass ein Comic relativ eng mit der eigenen Geschichte verbunden ist, bzw. Fragen stellt, mit denen man sich wie eben beschrieben jahrelang herumgeschlagen hat. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass Martina Lenzin mit 'rpm' nun eine "kleine Geschichte des Post-Punk" beim Berliner Verlag reprodukt veröffentlicht hat und diese viele der oben genannten Fragen wieder aufgreift - genauso wie die Verbindung von Comic und Musik.
Auch wenn auf dem Buchrücken verschiedenen Plattencover der Ära zwischen '77 und '83 neugezeichnet wurden, geht es im Buch nicht um The Pop Group, Devo oder The Slits, sondern um The Does, eine fiktive Band und deren Label Counterproduct, an denen die Fragen und Widersprüche der Szene exemplarisch behandelt werden. Die Zeichnerin erzählt dabei im Stile der bereits bekannten 'Astra-Stuben Chronicles' vom Versuch, alternative Strukturen in Form von Zines, Plattenläden bis hin zu besetzen Häusern zu schaffen, die sich den gesellschaftlichen Zwängen entziehen und widersetzen: D.I.Y. - Do It Yourself als Lebensentwurf bzw. als politisches Gegenkonzept. Sie zeigt dabei die ProtagonistInnen einerseits während des Thatcherismus in England und lässt sie Jahrzehnte später noch einmal reflektierend zu Wort kommen. So gelingt es, ein umfassendes Bild der Debatten und Entwicklungen vom Aufbruch bis zum Ausverkauf des Post-Punk nachvollziehen zu können. Eine besondere Stärke des Buches ist es, die Handlung nicht - wie bei Comics leider allzu oft der Fall - im luftleeren Raum stattfinden zu lassen, sondern dass die Arbeits-, Lebens- aber auch Liebesverhältnissen Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Verfasstheit zulassen, gerade die Nebenfiguren sind dabei sehr gelungen. Die Handlung wird dabei relativ idealtypisch dargestellt und die Autorin verheimlicht ihre Sympathien und ihre Haltung nicht. Dies kippt jedoch nicht ins Kitschige, da Widersprüche und das Scheitern gegen die Übermacht der kapitalistischen Verhältnisse durchaus kritisch thematisiert werden.
Ein Buch also keineswegs nur für Musiknerds oder zum nostalgischen Gebrauch. Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam mit der Linda die Releaseparty für 'rpm' ausrichten werden."

Dirk Rehm
11.02.2011, 01:00
Besten Dank! Hier noch mal der komplette Hinweis auf die beiden Veranstaltungen am kommenden Freitag in Hamburg:

"rpm" – Signierstunde und Releaseparty in Hamburg

Am Freitag, dem 18. Februar wird Martina Lenzin ab 18 Uhr zur Feier des Erscheinens von "rpm" eine Signierstunde in der Comicbuchhandlung Strips & Stories in Hamburg geben.

http://www.reprodukt.com/images/editorial/9783941099463.jpg

Anschließend wird die Zeichnerin in der Galerie Linda zur VJane und lädt ihre Gäste zu Musikvideobeschallung, Feier und Buchkauf ein.

Strips & Stories, Seilerstraße 40, D-20359 Hamburg-St. Pauli
email: [email protected], www.strips-stories.de

Kunst- und Kulturverein LINDA eV Hamburg, Seilerstraße 36, D-20359 Hamburg-St. Pauli
email: [email protected], www.chezlinda.de

Spong
11.02.2011, 08:17
"Es kommt selten vor, dass ein Comic relativ eng mit der eigenen Geschichte verbunden ist, bzw. Fragen stellt, mit denen man sich wie eben beschrieben jahrelang herumgeschlagen hat."

Endlich mal ein autobiografischer Comic! Das lob ich mir!

Dirk Rehm
15.02.2011, 23:53
Ole Frahm am 15. Februar in der "Frankfurter Rundschau":


Tims unheimliche Seite

Und es geht doch: Die Comiczeichner Martina Lenzin und Charles Burns reflektieren die Jugendkultur jenseits der Kommerzialisierung.

Jugendkultur heute ist fest in der Hand kommerzieller Interessen. Nach Alternativen suchen zwei Comiczeichner auf sehr unterschiedliche Weise und setzen neue Maßstäbe für die Graphic Novel. Martina Lenzin zeichnet in ihrem Debüt „RPM“ die Geschichte des Post-Punk nach und beweist, dass der Comic ein ausgezeichnetes Medium auch zur Bergung vergessener historischer Momente ist.

Mehr: http://www.fr-online.de/kultur/literatur/tims-unheimliche-seite/-/1472266/7195958/-/index.html

kiki_magic
16.02.2011, 10:55
Ole Frahm am 15. Februar in der "Frankfurter Rundschau":
Obwohl auch auf der Webseite der FR anders ausgewiesen, ist dieser Artikel am 16. Februar, also einen Tag später, erschienen.