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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf Splashcomics: Serpieri Collection: Druuna 1 [Splashcomics - Rezensionen]



Bernd Glasstetter
16.01.2011, 00:03
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Ende des Jahres 2010 erschien etwas unbemerkt der erste Band der neuen Serpieri Collection in der Edition Erotik des Verlags Schreiber & Leser. Als schon keiner mehr wirklich damit gerechnet hat, liegen erstmals in Deutschland die Geschichten der drallen Schönheit unzensiert in ihrer schrecklich schönen Gesamtheit in einer Hardcover-Ausgabe vor.

Rückblende. 1980er Jahre. Als die ersten Abenteuer von Druuna im Erwachsenenmagazin Schwermetall erscheinen, ist der Aufschrei groß. Anders als in Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien rufen diese Geschichten, deren Heldin mal mehr, mal weniger freiwillig zum Sexobjekt degradiert wird und in denen nicht selten Vergewaltigungsszenarien mindestens angedeutet werden, die Sittenwächter aufs Tapet. Der damalige Verleger (Alpha Comic) hatte mit Hausdurchsuchungen und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute: Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) zu kämpfen. Schließlich landete die Serie auf dem Index und wurde nur noch unter dem Ladentisch gehandelt. Alle späteren Albenversionen waren gekürzt oder ummontiert. Ein Unding für die Anhänger von Serpieris Zeichenkunst und alle Freigeister.

Viele Dekaden später kann man Morbus Gravis, unbestritten einer der wichtigsten europäischen Erotik-Comics, auf Deutsch in seiner vollen Pracht als Hardcoverausgabe genießen. Denn Serpieri kann zeichnen wie kein anderer. Sein feiner mit viel Schraffur arbeitender Strich hat hohen Wiedererkennungswert. Seine männlichen Figuren strotzen vor Testosteron und seine Heldin verstrahlt pure Erotik. Serpieri gilt weltweit als der "Master of the Ass". Kein anderer Zeichner inszeniert das nackte Hinterteil einer Frau, egal in welcher Position, so verführerisch wie er.

Bei einer Frau wie Druuna wird die Handlung zur Nebensache. Man kann sich sicher sein, dass ihr damals besonders die adoleszenten Leser reihenweise verfallen sind. Schwarze Zensur-Balken und gekürzte Seiten waren schlimm, aber der Anblick der knackigen Druuna verführte trotzdem zum Kauf der Comics.

Die Handlung selber ist aus heutiger Sicht ein typisches Endzeit-Szenario, eine Science Fiction-Horror-Mischung, wie sie in den Jahren davor durch Ridley Scotts Film Alien etabliert wurde. Einige Szenen erinnern sogar in ihrer Prägnanz an diesen Filmklassiker aus dem Jahre 1979, nicht dass das Design an die Konzepte von H.R. Giger erinnern würde, aber in der Art wie Spannung aufgebaut wird, wenn irgendwo ein Monster lauert, das gleich zuschlagen wird, kommt die Story dem Film sehr nahe.

Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass das Frauenbild Serpieris ganz klar fragwürdig ist. Auch die Brutalität und die Vermischung von Gewalt und Sex wird von dem Italiener auf die Spitze getrieben. Aber das nicht nichts gegen das, was noch kommt. Wer denkt, dass die beiden Abenteuer in diesem ersten Band extrem brutal und widerwärtig sind, der sollte sich bei der Lektüre der nächsten Ausgaben gut anschnallen. Serpieri lässt in dieser Serie kompromisslos die Sau raus - oder eher einen ganzen Saustall.

Der erste Band dieser Gesamtausgabe wird ergänzt durch 16 Seiten mit Original-Tuschezeichnungen aus der ersten Story. Eine nette Idee, aber man vermisst etwas einen zusätzlichen redaktionellen Beitrag. Über die Entstehungsgeschichte dieser Serie und gerade die Kontroversen in Deutschland könnte man einiges erzählen. Vielleicht wird das ja noch nachgereicht.




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