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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf Splashcomics: Tim & Struppi Farbfaksimile 13: Der Sonnentempel [Splashcomics - Rezensionen]



Bernd Glasstetter
14.01.2011, 00:32
http://www.splashpages.de/php/images/rezensionen/rezension_mittel_13115.jpg

Der Sonnentempel erschien erstmals 1944 in schwarzweiß in der Zeitschrift Le Soir; in den Jahren 1947/48 dann in der vorliegenden kolorierten Fassung. Wie schon in den Die Sieben Kristallkugeln wird in diesem Klassiker der Comickunst Action und Atmosphäre großgeschrieben. Hergé gelingt es wunderbar die für das Land Peru charakteristischen Elemente einzufangen, von der exotischen Tierwelt bis hin zu imposanten und abenteuerlichen Landschaften und der alten Inkakultur. Natürlich perfekt verquickt mit der üblichen Dosis Humor: so legt sich Kaptain Haddock hier fatalerweise mit einem Lama an und Schulze und Schultze machen Bekanntschaft mit der Urform von Guano. Neben solchen liebenswert altmodischen Possen greift Hergé diesmal aber auch wieder in die Trickkiste des surrealen Humors: in einer wundervollen kleinen Traumsequenz beugt sich der kurzsichtige Bienlein mit seinem Pendel über ein Fischglas aus dem Lilien mit Totenköpfen wachsen. Ein Panel weiter schrumpft Bienlein auf Kniehöhe zusammen, während sich Haddock in einen Inka-Krieger verwandelt, der von Tim mit "Herr Inka" angeredet und nach seinem Jagdschein gefragt wird. Das ganze spielt sich auf einer Art Theaterbühne ab mit gemaltem Hintergrund (wobei bezeichnenderweise ein Lama im Hintergrund um die Ecke lugt). Im letzten Panel der Sequenz schließlich trifft Tim eine Feuerbrunst von oben mitten ins Gesicht. Haddock hat sich inzwischen in einen Inkakrieger verwandelt und proklamiert: "Das Feuer des Himmels komme über dein Haupt!" Worauf Tim durch einen Sonnenstrahl aufwacht, der ihm mitten ins Gesicht scheint.

Der Sonnentempel war die erste Geschichte, die im 1946 neu gestarteten Tintin-Magazin erschien und setzte eine Geschichte fort, die bereits zwei Jahre zuvor begonnen wurde. Inspiriert wurde Hergé durch reale Orte in Peru, wie die hoch in den Anden liegende uralte Inkastätte Machu Picchu, vor deren Kulisse sich der Showdown des Abenteuers abspielt. Anstatt persönlich dort hinzureisen, holte sich der Künstler wertvolle Anregungen im Kunsthistorischen Museum in Brüssel. Dort fand er zahlreiche Artefakte aus Peru, die er direkt in das Abenteuer einbaute, wie z.B. die mumifizierten Schädel, die sich auch auf dem Cover des Albums finden, oder eine ungewöhnliche Portrait-Vase in Kopfform, die Tim an einer Stelle mit einem lebenden Indianer verwechselt. Auch das wunderschöne im ligne claire-Stil gehaltene Bild auf der Titelinnenseite der Inka-Gottheit INTI basiert auf einem Original-Steinrelief. In unterschiedlichen Magazinen holte sich Hergé darüber hinuas weitere Informationen, die zur glaubwürdigen Darstellung der exotischen Welt Perus beitrugen: so fand er im National Geographic Magazine Darstellungen von Inka-Priestern und des rituellen Schlangentanzes und in einer Illustrierten Geschichte der Eisenbahn interessante Darstellungen der peruanischen Bergeisenbahnstrecken, die in Der Sonnentempel zum Schauplatz einer dramatischen Action-Sequenz werden.

Auch diesmal wurde Hergé wieder von seinem damaligen Assistenten (und heute ebenfalls zum Comicaltmeister avancierten) E.P. Jacobs unterstützt, der Hergé nicht nur bei der intensiven Recherche half - welche er später in seinem eigenen Blake und Mortimer-Abenteuer Das Geheimnis von Atlantis (1955) ebenfalls nutzte - sondern einer Anekdote zufolge seinem Lehrmeister auch in einem typisch peruanischen gestreiften Poncho Modell stand!

Der Sonnentempel ist in vielfacher Hinsicht eines der schönsten Tim und Struppi - Abenteuer. Mehr noch als sein Vorgänger, lebt die Story von seinem abenteuerlichen Schauplatz, mit seinen Bergpässen, reißenden Flüssen, Wasserfällen, Schneefeldern, Lawinen, Höhlen oder Dschungelgebieten und wartet am Ende mit einem einfallsreichen Höhepunkt auf. Obwohl die Tintinologen kritisch anmerken, dass hier fälschlicherweise eine Sonnenfinsternis der nördlichen Hemisphäre und nicht eine der südlichen dargestellt wird, ist und bleibt das Lesen dieses Abenteuers ein unvergessliches Erlebnis, das sich ähnlich gelungen nur in Abenteuerfilmen wie Jäger des Verlorenen Schatzes finden lässt.

Weiterlesen... (http://www.splashcomics.de/php/rezensionen/rezension/13115/tim__struppi_farbfaksimile_13_der_sonnentempel)

Mick Baxter
14.01.2011, 09:36
Eine Rezension, die lang und breit erklärt, was in der Geschichte passiert, aber nicht, worin sich das Faksimile und die reguläre Ausgabe unterscheiden? Fünf, setzen!

Kaschi
14.01.2011, 16:12
Ganz so oberlehrerhaft möchte ich mich nicht äußern, aber auch mich interessieren hier eher die Besonderheiten, die die Faksimile-Ausgabe enthält. Hab' nämlich als "Nicht-Tintologe", der die gängigen Alben jedoch gelesen hat, etwas ratlos in den Faksimiles geblättert, ohne mich zum Kauf durchringen zu können.

Mick Baxter
14.01.2011, 21:37
Nu, wenn man den hohen Preis (17,90 €) negativ vermerkt, sollte man doch erwähnen, daß man die Geschichte auch für 9,00 € als Softcover kriegen kann. Und dann darf man nicht verschweigen, daß sich die Bände nicht nur durch die Bindung unterscheiden.