PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf Splashcomics: Cap Horn 1: Die gen Osten gewandte Bucht [Splashcomics - Rezensionen]



Bernd Glasstetter
14.01.2011, 00:32
http://www.splashpages.de/php/images/rezensionen/rezension_mittel_13107.jpg

Tierra del Fuego. Das Land des Feuers. Bereits bei dem Namen Cap Horn dürften Freunde von Abenteuergeschichten aufmerken. Die Serie des Franzosen Christian Perrissin (El Nino, Der rote Korsar) und des Italieners Enea Riboldi entführt den Leser ans Ende der Welt.

Die gen Osten gewandte Bucht beginnt wie ein Western: drei Goldsucher sind auf auf der Flucht, eine Zweckgemeinschaft, die nicht lange hält. Mit zwei weiteren Handlungssträngen kommt Seefahrer-Romantik und Forschergeist ins Spiel. Das Ganze ergibt eine Mischung, die auf den ersten Seiten eher verwirrend ist, da keinerlei Zusammenhänge klar sind und nichts erklärt wird. Diese Handlungsfäden werden aber auf halber Strecke zu einem interessanten Abenteuer-Gemisch zusammengeführt.

Cap Horn besticht auf zwei Ebenen. Die Handlung ist lose in der argentinischen Geschichte verankert und vermengt die Lebensläufe verschiedener historischer Personen. Die Goldsucher um Johannes Orth sind auf der Flucht vor Schergen von Julio Popper, der seinerseits in Feuerland Gold gefunden und daraufhin ein lokales Imperium aufgebaut hat, um seine Claims zu verteidigen. Der Skipper Jason Low basiert auf dem Seemann und Reiseschriftsteller Joshua A. Slocum, der mit seinem Einhand-Segler als erster Mensch die Welt umschiffte. Auch die französische Misson am Cap Horn und der englische Missionar Reverent Thomas Bridges sind geschichtlich belegt. Bridges setzte sich intensiv mit den Yámana, den Ureinwohnern, auseinander. Ihr Kampf mit den Krankheiten der Zivilisation führte zum Genozid eines ganzen Indianer-Stamms. All dies steckt in der Handlung, auch wenn es bei der ersten Lektüre nicht unmittelbar offenkundig wird, und hebt die Serie aus dem gewohnten Abenteuer-Einerlei deutlich hervor.

Die zweite Ebene, die bei Cap Horn voll überzeugt, ist die Zeichenkunst von Riboldi. Sein realistischer Strich und seine gefühlvolle Farbgebung, die gekonnt mit dem Einfall von Licht spielt, machen den Band zu einem Augenschmaus. Sehr oft lässt er einfach nur die Schönheit der Natur Feuerlands wirken: malerische Buchten, prächtige Gebirgszüge, raue See - teilweise hart an der Grenze zu Hollywood-Kitsch und der Ästhetik von Prospekten aus dem Reisebüro, aber insgesamt wunderschön gelungen.

Dieser Band wurde im ZACK Magazin in Fortsetzungen vorabgedruckt. Aufgrund seiner Struktur mit den verschiedenen Handlungssträngen und der Tatsache, dass sich der Leser in der ersten Hälfte viele Fragen stellt, weil er sich das meiste selber zusammenreimen muss, war dies Gift für die Geschichte. Hier, in einem Guss, kommt sie zur vollsten Entfaltung. Insgesamt keine besonders actiongeladene, sondern eher ruhige Erzählung, die aber sehr fasziniert.




Weiterlesen... (http://www.splashcomics.de/php/rezensionen/rezension/13107/cap_horn_1_die_gen_osten_gewandte_bucht)