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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf Splashcomics: Münster - Wenn`s funkt und kracht [Splashcomics - Rezensionen]



Bernd Glasstetter
25.12.2010, 00:10
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Mit Münster - Wenn´s funkt und kracht aus dem Münsteraner Aschendorff Verlag liegt der erste Münster-Comic überhaupt vor. Als Zeichner fungiert der freischaffende Illustrator Florian Furtkamp. Den Text schrieben der Journalist Klaus Baumeister und die Universitätsangestellte Ina Brauckmeister, die schon Erfahrungen im Kurzgeschichten schreiben sammeln konnte.

Generell liegt hier ein beachtliches Debüt vor, das trotz einiger Mängel gut zu unterhalten weiss. Die Story ist charmant und witzig. Allerdings kommen auch große Handlungslücken vor, was zu etwas unlogischen Brüchen führt. So sind die Charakterwandlungen nicht geschildert, sondern setzen vielmehr auf einen Schlußeffekt. Da ein roter Faden fehlt, wirkt die Handlung sehr sprunghaft.

Manche Gags sind leider nur für Münsteraner verständlich oder für welche, die die Stadt kennen. Das ist sehr schade, da somit einem breiteren Leserkreis der Zugang etwas erschwert wird. Die Kneipennamen muss man nicht kennen, um die Gags zu verstehen, obwohl es hilft. Andere sind schwieriger. So ist Uwu Lena zu sehen, der im Internet mit seinem Song zu der Fußball-Weltmeisterschaft relative Bekanntheit erlangte. Der schwarze Schwan ist Petra, die internationale Berühmtheit erlangte und sogar die japanischen Medien auf sich aufmerksam machen konnte, weil sie sich in ein Tretboot in Schwanenform verliebt hatte. Den Gag "Mama, warum heißt der See so komisch?" kann man nur nachvollziehen, wenn man weiß, dass der See "Aasee" heißt. Und bitte mit langgezogenem "Aa" gesprochen (ohne Pause zwischen den beiden Buchstaben). Das ein Wochenblatt namens Na dann, welches viele für Studenten elementare Anzeigen enthält, immer um Punkt 12 erscheint, ist für einen Gag auch wichtig zu wissen.

Aber mit vielen Anspielungen auf zentrale Klischees kommt ein schöner leiser Humor vor, der auch andere überzeugen kann. So wird Bezug genommen auf die vielen Kirchen und deren Zusammenhang mit dem berühmten Münsteraner Wetter (so gibt es einen schönen Gag zu dem alten Sprichwort "In Münster regnet es oder es läuten die Glocken. Kommt beides vor, ist Sonntag"), die vielen Fahrräder (plattdeutsch: "Leezen"; Münster ist schließlich die Fahrradhauptstadt Deutschlands), der aus den Filmen und Romanen berühmte Privatdetektiv Wilsberg und die Tatort-Ermittler Thiele und Boerne.

Aber auch abseits von dem Lokalkolorit hat der Comic seinen Reiz. Vor allem die Zeichnungen punkten. Sie sind sehr von Mangas beeinflusst. Nicht nur was die Gesichter angeht, sondern auch, wie Reaktionen von Figuren anschaulich dargestellt werden, indem starke Verfremdungseffekte, die man auch aus Cartoons kennt, verwendet werden. So wachsen vor Zorn Vampirzähne, vor Schock schmilzt das Gesicht und der Rauch dampft aus den Ohren. Gerade in diesem Teilbereich gibt es viele schöne Einfälle, die nicht nur einem großen Teil des Humors ausmachen, sondern auch Nicht-Münsteraner für den Comic begeistern können. Leider sind die Dialogfelder manchmal etwas unglücklich angeordnet, so dass es etwas unklar ist wo eigentlich die Leserichtung ist.

Genrell ist die Stimmung des Bandes schon durch die Zeichnungen sehr liebevoll und humoristisch und voller Details (wie ein schlafendes Kaninchen im Fahrradständer). Die getackerte Bindung des Bandes allerdings wirkt sehr lieblos und billig, als ob man nicht wirklich zu seinem Produkt stehen würde.



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