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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf Splashcomics: Samurai Band 5: Die Insel ohne Namen [Splashcomics - Rezensionen]



Bernd Glasstetter
25.12.2010, 00:10
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Mit Die Insel ohne Namen beginnt der zweite Geschichtenzyklus von Jean-Francois di Giorgio und Frédéric Genêt um den Samurai Takeo. Allerdings wird dieser Zyklus nur halb so lang werden, wie der erste, bei dem Takeo versuchte hinter das Geheimnis des 13. Propheten zu kommen, und wo am Ende gegen ein ganzes Imperium aufmarschiert wurde. Ganz so groß scheint der Rahmen ab Band 5 nicht zu werden. Dafür sorgt allein schon die Wahl des Schauplatzes: eine Insel, und wie der Titel schon verrät, ohne Namen.

Auf der Insel selbst lastet ein Fluch unbekannter Herkunft. Eine unheilbare und tödliche Krankheit befällt regelmäßig die Inselbewohner, der Regen verdirbt die Ernte und jedes Jahr kommt eine Bande von Yakuzas auf das Eiland, um ein seltsames Ritual zu pflegen. Die Yakuzas und die Insulaner wählen sich jeweils einen Champion aus ihren Reihen und lassen sie dann gegeneinander antreten. Gewinnen die Einheimischen, wird ihnen der Zins erlassen, den sie sonst zahlen müssten. Anscheinend eine eher entfernte Möglichkeit, den bisher obsiegte wohl immer der Mann der Yakuzas.

Diese Randereignisse interessieren die Hauptfigur weniger, ist er doch aufgrund der Suche nach seinem Bruder auf der Insel gelandet und wird zunächst zufällig für den Champion der Dorfbewohner gehalten. Natürlich kommt es auch zur Konfrontation mit den Yakuzas, was kaum nach seiner Ankunft gleich für Spannungen sorgt. Weltbewegend ist die Geschichte dann nicht mehr, denn wer das folgende nicht kommen sieht, hat wirklich einen ordentlichen Balken vor den Augen. Aber die so selbstverständliche Entwicklung stört so gar nicht.

Die Insel ohne Namen erzählt eine einfache Geschichte, die nicht unnötig kompliziert ist und einem Zeit lässt die außerordentlich sehenswerten Zeichnungen von Frédéric Genêt zu bestaunen. Es steckt einiges an Liebe zum Detail in seiner Darstellung des feudalen Japans und jeder einzelne Aspekt scheint wirklich authentisch zu sein. Es muss einiges an Recherche in die Zeichnungen gesteckt worden sein und wer tatsächlich Fehler entdecken möchte, müsste sich erst einmal in die Materie vertiefen. An Eindrücken ist der Band jedenfalls reich. Ein Fischerdorf mit mehreren Booten vor Anker, die Kirschblüten in ihrer vollsten Pracht. Auf der anderen Seite, der zunächst düstere Beginn auf der Insel, als Takeo die Felsen erklimmt und dabei über die aufgehäuften Leichen der an der Krankheit verstorbenen Bevölkerung stolpert. Wie zur Wiedergutmachung des ersten Eindrucks dann die schöne Szene eines alten Paares, welches an den Klippen auf grünem Gras sitzt und in einem Regen aus Blütenblättern den Ausblick auf das Meer genießt. Aber auch schnelle Schwertkämpfe und dynamsiche Actionszenen werden gut und realistisch umgesetzt. Wer dann noch ganz genau hinschaut bekommt neben der eigentlichen Geschichte einiges vom Leben der Inselbewohner und damit auch der damaligen Zeit mit.

Durch das Blättern durch die schönen Zeichnungen bekommt der Band fast den Charakter einer meditativen Übung, die von der ruhigen Geschichte wie ein Murmeln im Hintergrund getragen wird. Wer mehr sehen möchte, hat natürlich auch dafür die Möglichkeit. Dezent sind Andeutungen an den ersten Zyklus enthalten und auch innerhalb der Yakuzas scheinen gegenläufige Interessen zu herrschen, die womöglich im nächsten Band noch bedeutsam werden können. Ein wenig gedulden muss man sich dabei aber schon, denn Band 6 ist gerade erst in Frankreich bei Soleil Productions erschienen.

Samurai ist nicht die einzige Zusammenarbeit von Jean-Francois di Giorgio und Frédéric Genêt. 2003 begannen sie die Serie Mygala, die jedoch im Gegensatz zu Samurai in einem Science Fiction-Szenario à la Aliens angesiedelt ist und es bisher auch nur auf zwei Bände gebracht hat. Da ist man mit Samurai schon ein wenig weiter und alle Freunde klassischer japanischer Schwertkämpferaction werden es ihnen danken.

Ein paar unebene Stellen hat der Band allerdings auch. Die Geschichte setzt so sehr auf bekannte Elemente, die man beispielsweise aus japanischen Klassikern, wie Yojimbo oder Die Sieben Samurai kennt, dass man erst im Nachhinein über kleine Ungereimtheiten stolpert. Anfangs ist zum Beispiel der Favorit der Yakuza vor seiner Abreise vollkommen unmotiviert in einen Schwertkampf verwickelt, der einfach seine Fähigkeiten mit dem Katana verdeutlichen soll. Und was eigentlich genau der Plan war, als einer der Dorfbewohner erklärt, die Yakuzas werden dieses Jahr nicht kommen, weil er deren Favoriten ausfindig gemacht hat, wird ebenfalls nicht klar. Ebenfalls störend sind ein paar offensichtliche Schreibfehler, die ein sorgfältigeres Lektorat hätte finden müssen.


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