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Bernd Glasstetter
10.12.2010, 00:12
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Wie das schön aquarellierte Cover nicht anders erwarten lässt, ist Götterboten ein waschechter Magical Girl-Manga. Frühe Inspirationen fand die Mangaka Lisa Santrau, wie viele ihrer Kolleginnen, mit Sailor Moon. Dieser Einfluss ist auch in Götterboten spürbar. Dabei ist der Rückgriff auf die griechische Mythologie gut überlegt und bietet ein Füllhorn an Möglichkeiten. Hermes landet auf der Erde, um mal wieder eine böse Seele einzufangen. Das eine Mal ist dann die Schülerin Chidori anwesend, bekommt Hermes Buch in die Hände und -simsalabim- hat sie die Hälfte von Hermes Kräften. Natürlich können von da an die beiden nur zu zweit böse Seelen austreiben und werden so notgedrungen zu einer anfangs ungewollten Zweckgemeinschaft.

Das ganze Treiben hat wirklich Charme. Auch deshalb, weil die Spannungen zwischen den beiden unübersehbar sind und dabei auch noch einige andere Gefühle für Verwirrung bei den Protagonisten sorgen. Das Gespann Chidori und Hermes ist sympathisch und ihre Kabbeleien sind einfach putzig. Um den Niedlichkeitsfaktor dann noch ein wenig höher zu schrauben, hat Hermes auch ein eigenes Maskottchen (eigentlich sein Lehrling) in Gestalt eines Kugelfisches (!!!). Und der hat so seine ganz eigenen Vorstellungen von gegenseitiger Zusammenarbeit, beziehungsweise der Friedensstiftung, wenn die Luft mal wieder brennt.

So viele Möglichkeiten es gibt, so wenig können sie zur Entfaltung kommen. Das Erzähltempo ist hoch und verpulvert manche Wendung im Sekundentakt. Details fallen da naturgemäß über Bord und ganz schlau wird man dadurch nicht aus den Charakteren. Ihre Motive und inneren Regungen herauszustellen, dazu fehlt die Zeit. Einzig der große Bogen ihrer gegenseitigen Gefühle kann geschlossen werden. Dies ist jedoch nichts, was außerhalb üblicher Schemata abläuft. Ein Dreieckskonflikt blitzt auf und ist genauso schnell überwunden. Einen großen Knalleffekt am Ende vermisst man und Finale mag man den Schluss auch nicht nennen. Die Geschichte zischt einfach vorbei und ist schon wieder beim nächsten Konflikt bevor man geblinzelt hat. Dementsprechend wenig Tiefgang ist vorhanden, wird bei einem Shojo-Manga allerdings auch nicht gerade erwartet werden.

So wie es bisher aussieht ist der Band abschließend, obwohl er eigentlich alle Zutaten zu einer Fortsetzung hätte. Da setzt dann auch schon die erste Verwirrung an. Die Autorin scheint unentschlossen, wohin die Reise gehen soll. Ein Oneshot, der gerne eine Serie wäre? Oder eine Serie, die sich im Korsett eines Oneshots wieder findet? Aus dieser Ambivalenz resultieren die meisten Schwierigkeiten mit der Handlung. Die Geschichte fällt mit der Tür ins Haus und strauchelt danach weiter voran. Zu Anfang kommt man ein paar mal ins Grübeln, ob man nicht vielleicht doch Band 2 in Händen hält, so sehr werden manche Inhalte gleich als gegeben vorausgesetzt. Auf der anderen Seite wird die beginnende, amouröse Beziehung zwischen Hermes und Chidori schon im letzten Drittel aufgegriffen und abgehandelt. Viel Zeit zum Entwickeln hat sie dabei leider nicht, denn zwischendrin muss der Hades besucht und die Erinyn gestellt werden. Durch die Beschränkung auf einen Band werden dann natürlich auch die vielen Möglichkeiten Makulatur.

Während die Zeichnungen der Personen sehr hübsch anzusehen sind und einen sicheren Strich verraten, hätten die Effekte, die eigentlich jede Zutat eines Manga sind, knalliger sein können. Mal ein paar Speedlinien, mal einige Wirbeleffekte und schraffierte Flächen reichen nicht. Die Verwandlung Chidoris in Hermes bessere Hälfte könnte imposanter rüberkommen und auch die Hintergründe könnten schöner sein, wenn denn vorhanden. Viele Panels kommen ganz ohne aus, wodurch die Figuren ohne Not recht isoliert dastehen. Man bekommt nicht viel mit vom Umfeld der beiden, was besonders schade ist, sobald sich die Handlung in den Hades verlagert. Einige angedeutete Plateaus und steile Wasserfälle in der Ferne stellen das erlebnisverwöhnte Auge nicht zufrieden. Gerade bei so einem Ort möchte man viel mehr Details und Tiefe.

Ebenso wie schon das kürzlich erschienene Daftball von Marika Paul und ebenfalls Grablicht von Daniela Winkler kommt Götterboten beim Knaur-Verlag heraus und hatte eine erste (Online-)Premiere bei Comicstars.de. Die Vorteile für den Verlag liegen auf der Hand. Er kann die Popularität eines Manga vorher im Internet austesten und hat unter Umständen gleich eine Stammleserschaft, die nicht nur das virtuelle, sondern vielleicht auch das gedruckte Produkt kauft. Außerdem gräbt man illegalen Plattformen, die Inhalte einfach ohne Erlaubnis kopiert ins Netz stellen, eventuell das Wasser ab. Hoffentlich profitieren die Mangaka und sonstigen Zeichner, die fleißig ihre Kapitel abliefern und online stellen, gleichfalls von dieser Symbiose. Das dabei qualitativ und sogar professionell Hochwertiges entsteht, lässt sich jedenfalls nicht abstreiten und freut die Comic-Künstler sicherlich.





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