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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf Splashcomics: Die Wolke [Splashcomics - Rezensionen]



Bernd Glasstetter
06.12.2010, 00:40
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"Atomkraft, nein danke" - so Sigmar Gabriel, der aktuelle SPD-Parteivorsitzende und ehemalige Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherzeit, im Vorwort der Taschenbuch-Ausgabe von Anike Hages Romanadaption Die Wolke. Ein Slogan, der in der Zeit nach der Katastrophe von Tschernobyl in aller Munde war. Knapp ein Jahr nach dem Reaktorunfall in der Ukraine veröffentlichte 1987 der Ravensburger Verlag den Near-Future-Science-Fiction-Thriller für Jugendliche. Dieser wurde mehrfach preisgekrönt, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 1988, und fast zwanzig Jahre später von Gregor Schnitzler fürs Kino verfilmt.

So lange es Atomkraftwerke gibt, ist die Aussage der Geschichte stets aktuell. Anike Hage, die vor allem durch ihre Sport-Manga-Serie Gothic Sports bekannt ist, schafft es, die beklemmende, deprimierende Atmosphäre der Vorlage gekonnt in Bilder umzusetzen. Ihre Zeichnungen sind ausgereift und halten Vergleichen mit Werken japanischer Mangaka stand. Typische Merkmale wie große Kulleraugen, niedliche Figuren und teils ruckartige Szenen werden mit einem Stil realisiert, der durch einen sehr feinen Strich und den akzentuierten Einsatz von Panelfolgen, die mal weiß, mal tiefschwarz oder gerastert sind, geprägt ist.

Die Story beginnt mit ansatzloser Action, doch der Leser findet sich recht schnell zurecht. Ein Manko könnte sein, dass Jugendliche, die sich mit dem Thema Atomkraft und der Gefährlichkeit bisher noch nicht auseinandergesetzt haben, etwas überfordert sind, da eine gute Portion Grundwissen vorausgesetzt wird. Als beispielsweise einem Mädchen beim Kämen die Haare ausfallen, wird dies nicht erklärt.

Wie das Buch, stimmt der Manga den Leser nachdenklich. Während im ersten Teil der Handlung, als die Flucht vor der Wolke passiert, noch etwas Action geboten wird, geht es in der zweiten Hälfte um die Auswirkungen der Katastrophe und damit für Manga-Verhältnisse fast schon statisch zu. Janna fühlt sich wie eine Aussätzige. Ihre Familie ist zerstört. Die Gesellschaft geht spürbar anders mit ihr um. Sie hat nichts mehr außer ihrem Leben. Die Zukunft ist ungewiss. Ihr Freund Elmar, der ebenfalls verstrahlt wurde, bringt es auf den Punkt: "Jetzt heißt es, dieses beschissene Leben so schnell wie möglich hinter sich zu bringen."

Am 23.05.1986 erschien ein Text als großformatige Anzeige in der Wochenzeitung Die Zeit. Vier Wochen nach der Tschernobyl-Tragödie wurde das Nichtstun der Regierung angeprangert. Aus dieser Anzeige wird vor Beginn des Mangas und am Ende zitiert.


"Jetzt werden wir nicht mehr sagen können, wir hätten von nichts gewusst. Wir können nicht fliehen und emigrieren. Die Welt wird immer mehr zu unserem eigenen Gefängnis. Zum Gefängnis des atomaren Fortschritts. […] Dieses Mal vergessen wir es nicht."




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