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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Finix - Interview mit Marc bei PPM



Couper
15.04.2010, 19:26
Hier ein ganz neues Interview mit Marc bei PPM:

http://www.ppm-vertrieb.de/news.php?products_id=342&osCsid=4a6af78a92e3543290050b56b3e46884

zaktuell
15.04.2010, 20:31
Da an anderer Stelle das Epsilon-Interview kritisiert wurde: Mir zumindest hat bei Marcs Interview eher 'nachfragen' gefehlt und zwar direkt aus dem Interview selbst sich ergebend:
1.) Es wird mehrmals das 'Konstrukt' Verein/Verlag angesprochen (von Marc selbst). Es wird aber nicht erläutert, wie dieses Konstrukt denn eigentlich konstruiert ist. Das hätte der Interviewer nachfragen können.
2.) Zur Wirtschaftlichkeit gibt es mMn widersprüchliche Aussagen* im Interview. Diese durch Nachfragen aufzulösen, hat mir auch gefehlt.

Und drittens: 'Kein Bild ohne Bildunterschrift' lautet eine alte Journalistenregel, die leider zunehmend unberücksichtigt bleibt. Ich hätte schon gern gewusst, wer auf den 'Team-Bildern' wer ist...

* zum einen erwecken Aussagen wie zB "Der reine Verkaufserlös deckt bei weitem noch nicht die Kosten." als ob der Verein regelmässig Verlags-Verluste ausgleichen muss, andererseits finden sich Aussagen wie zB "Dennoch kann man mit einer soliden Kalkulation auch diese Titel wirtschaftlich vermarkten", die eben eher den Eindruck erwecken, dass der Verlag selbst ohne Vereins-Bezuschussungschon Gewinn erzielt. Sind, wie gesagt nur Beispiel, es finden sich noch mehr Aussagen, die zT eher in die eine Richtung, zT eher in die andere deuten.

Mick Baxter
16.04.2010, 06:12
Mir zumindest hat bei Marcs Interview eher 'nachfragen' gefehlt und zwar direkt aus dem Interview selbst sich ergebend:
1.) Es wird mehrmals das 'Konstrukt' Verein/Verlag angesprochen (von Marc selbst). Es wird aber nicht erläutert, wie dieses Konstrukt denn eigentlich konstruiert ist. Das hätte der Interviewer nachfragen können.
2.) Zur Wirtschaftlichkeit gibt es mMn widersprüchliche Aussagen* im Interview. Diese durch Nachfragen aufzulösen, hat mir auch gefehlt.
Das wäre auch durch Nachfragen nicht klarer geworden.

zaktuell
16.04.2010, 06:56
Weil?

mschweiz
16.04.2010, 08:57
Das Vereinsziel ist, abgebrochene Albenserien fortzusetzen und den Sammlern bekannt und zugänglich zu machen. Für die Finanzierung dieser Aktivitäten gibt es einerseits den jährlichen Mitgliedsbeitrag, in der Hauptsache aber die Möglichkeit für Mitglieder, als Investor dem Verein 100 Euro zur Verfügung zu stellen und dafür im Gegenzug die nächsten (bis zu) 10 Alben als Freialben zu bekommen. Das ist eine Win-Win-Situation: Der Investor bekommt die Alben etwas günstiger, für den Verlag bleibt ungefähr die Hälfte übrig. Es steckt aber auch viel Idealismus dahinter, denn als "nur-Mitglied" könnte man die Alben etwa zum selben Preis und dazu selektiv erwerben. Als Verein diskutiert man im Forum und bei Finixer-Treffen Verlagsaspekte und jedes Mitglied kann sich im Verlag engagieren, sei es in der Produktion, bei Comicbörsen, bei der Gestaltung der Webseite oder sonstwie.

Der Verlag kümmert sich um die eigentliche Produktion der Alben, also Lizenzen, Übersetzung, Lektoring, Lettering, Layout, Produktionsleitung, ggf. Digitalisierung und deren Vertrieb (im Wesentlichen über den Großhandel). Wir haben den Sonderfall, dass die Produktion bis auf den eigentlichen Druck durch Vereinsmitglieder selbst gestemmt wird; dies ist aber keine Satzungsbedingung. In einem Fall wurde uns z.B. eine dt. Übersetzung von einem Dritten überlassen.

Zur Wirtschaftlichkeit: Es ist kein großes Geheimnis, dass bei Auflagen und Albenpreisen wie bei Finix Comics mind. 2/3 bis 3/4 der Auflage verkauft werden muss, um eine schwarze Null zu erreichen. Das war bei einigen Titeln wie Pioniere der Neuen Welt und Quetzalcoatl recht schnell der Fall, andere sind davon noch ziemlich entfernt. D.h. ein Teil des investierten Geldes ist in Form der noch nicht verkauften Alben gebunden und steht daher für die Produktion neuer Alben nicht zur Verfügung. Dieser Geldmangel wird durch die regelmäßige Reinvestition vieler Investoren verringert bzw. behoben. Und das ist aus wirtschaftlicher Sicht der Hauptaspekt des Verein / Verlag Konstrukts.

Mit "solider Kalkulation" ist z.B. gemeint, dass man sich genaue Gedanken darüber macht und dazu entsprechende Meinungen / Informationen einholt, wie hoch die Auflage und der Albenpreis wohl optimal sein sollten, damit ein Titel möglichst kein (großer) Verlusttitel wird andererseits aber lange genug ohne Nachdruck zur Verfügung steht. Und diese Vorstellungen gilt es dann, beim Lizenzgeber durchzubekommen, der natürlich an einer möglichst hohen Auflage interessiert ist, da die Höhe der Lizenzgebühren sich danach richten. Oder Maßnahmen / Verhandlungen, um die Produktionskosten möglichst klein zu halten. Und auch eine Kosten / Nutzenanalyse für die Vermarktung (auf welchen Börsen wie präsent sein, Flyer in welcher Häufigkeit und Auflage etc.)

Ich hoffe, dass die Fragen damit beantwortet sind?

hipgnosis
16.04.2010, 09:08
Das Konstrukt Verein/Verlag ist im Grunde genau das was die Namen aussagen. ;)

Verein - weil eingetragener Verein mit allen Drumherum - und Verlag - weil zusätzlich ein Gewerbe auf den Verein angemeldet wurde.



Für mich sind die Aussagen der Wirtschaftlichkeit hingegen überhaupt nicht widersprüchlich! :D
Hier ins Detail zu gehen würde wirklich lange dauern - da hat Mick schon ganz recht, daß dies in einem kurzen Interview gar nicht machbar ist.



"Der reine Verkaufserlös deckt bei weitem noch nicht die Kosten."Dies bedeutet, daß die Gesamtausgaben immer noch weit über den reinen Verkaufserlösen unserer Alben liegen - und somit nur durch die Investorengelder gedeckelt werden können.

Das ist aber auch ganz logisch - denn einerseits tragen wir eben auch Titel, die von Beginn an, auf Finix-Subvention ausgerichtet wurden.
Und andererseits muss man natürlich auch erstmal unglaublich viele Kosten im Voraus stemmen, um so eine Produktionssteigerung wie unsrige anlaufen zu lassen.
Wir bezahlen manche Lizenzen 1 Jahr im Voraus - und wir sind schon lange in der 2011er Planung.
Da kommen ganz schnell mal ein paar Tausender zusammen, die wir nicht mit dem Erlös unserer aktuellen Titel komplett deckeln können.

Dann hat natürlich ein Verlag auch laufende Kosten - die mittlerweile eine Grössenordnung erreicht haben, die unser Budget doch sehr limitieren.

Insofern muss der Verein - allen voran die Investoren - selbstverständlich die Verlagsverluste ausgleichen, aber das war uns allen lange im Voraus bekannt und wir rechneten gar mit viel grösseren Verlusten, als daß sie nun wirklich eingetreten sind.


Und in dieser Hinsicht trifft dann auch der zweite Teil deiner Frage zu:


"Dennoch kann man mit einer soliden Kalkulation auch diese Titel wirtschaftlich vermarkten"Nur durch eine solide Kalkulation ist Finix Comics überhaupt soweit gekommen. Zwar wird bei uns schon jeder Titel auf eine "Schmerzgrenze" berechnet um eben ein Produkt anzubieten, was den Kaufpreis nicht in Höhen treibt, wo es einfach keinen Spaß mehr macht die Comics noch zu erwerben.
Dennoch - oder trotz allem - haben wir einige unglaublich "starke" sprich - verkaufsträchtige Titel - dabei, die hätten jedem anderen Kleinverlag sicherlich gut zu Gesicht gestanden - mit denen haben wir auch gutes Geld "verdient".

Es ist ja ein allgemeiner Irrglaube, daß unsere Produktionsbedingungen "billiger" wären als bei anderen Kleinverlagen - ich weiss gar nicht, warum sich dieses Gerücht bei manchen so im Kopf verankert hat! ;)

Unsere Produktionskosten bewegen sich auf genau demselben Niveau eines normalen Kleinverlegers - mit dem einzigen Unterschied, daß Finix Comics eben nicht von den Einnahmen "leben" muss, bzw. die Mitglieder des Vereins!
Und trotz genau dieser absolut gleichen Voraussetzungen, haben wir Titel veröffentlicht die deutliche Gewinne erwirtschaften - also wären sie auch für jeden anderen Kleinverleger profitabel.

Nur das wir wahrscheinlich den Kunden eine bessere Preis-/Leistung offerieren, da wir eben nicht auf diesen Gewinnn ausgerichtet sind und somit nicht die deutlich höheren Ausgaben pro Album, wegen der Qualität derselben (Fadenbindung, Frequenzmodulation, teures Papier, dickes Cover, Einschweissen in Folie usw.), in den Verkaufspreis der Alben 1:1 einfliessen lassen.

idur14
16.04.2010, 09:51
Also mir hat das Interview sehr gut gefallen. Sehe das auch, dass man nicht alles in so einem Interview erklären kann. Das würde zu viel Platz und Zeit benötigen. Folgende Punkte hätten mich noch detaillierter interessiert:

Der tatsächliche Entstehungsprozess des Vereins (vielleicht gibts ja mal sowas wie jetzt von Comic +)
Etwaige Verflechtungen zu anderen (größeren?) Verlagen
Der tatsächliche Entstehungsprozess der Comics (nicht so sehr die Verhandlungen mit Lizenzgebern)
Wer die abgebildeten Personen sind (evtl. auch/nur mit ihrem Forumsnamen hier?)

Ansonsten ist es für mich völlig klar, dass der Verein irgendwie eine Mischung aus tatsächlicher Wirtschaftlichkeit und Liebhaberei ist. Deshalb sehe ich es halt auch nicht ganz so, dass Titel, die jetzt etwas gebracht haben, auch von anderen Kleinverlegern so einfach versucht hätten werden können. Die haben halt nicht die Garantie, dass dann die Mitglieder wieder etwas nachschiessen, wenn es vorerst daneben geht. Zwar könnten auch diese versuchen, die Finanzierung so aufzubauen, haben sie aber halt nicht.

Ollih
16.04.2010, 10:29
@idur14

Ich denke, wenn es Finix eine längere Zeit geben sollte, wovon ich fest überzeugt bin ;-) , werden wir sicherlich mal über eine Historie von Finix nachdenken. Jetzt ist es dafür noch zu früh. Das bietet sich vielleicht zu unserem 10-jährigen Bestehen an. :)
Es ist in der Tat angedacht den Entstehungsprozess eines Comics auf unserer Homepage zu dokumentieren. Wann das sein wird kann ich aber noch nicht sagen.
Zu den Leuten auf den Bildern: Dafür brauchen wir natürlich das Einverständnis der abgebildeten Personen. Ich bin auf dem ersten Gruppenbild ganz links zu sehen.

Im übrigen gibt es bei uns im Verein keine Garantie dafür, dass die Mitglieder auch weiterhin regelmäßig Investitionen tätigen. Dass sie es tun, liegt meiner Meinung daran, dass wir verlässlich pro Monat mindestens einen hochwertigen Titel bringen, von dem alle Mitglieder wissen, dass es ihn ohne unsere Aktivitäten wohl nie mehr auf dem deutschen Markt gegeben hätte. Das bringt gute Laune und fördert eine Art corporate identity. In dem Maße wie wir anfangen würden in unserer Arbeit nachzulassen, würden wir auch zwangsläufig weniger Investorengelder bekommen.

zaktuell
16.04.2010, 14:01
Vorbemerkung: Eigentlich zielte meine Bemerkung gar nicht auf die Antworten, der für mich offenen Fragen, sondern mir ging es um die Qualität des Interviews, bzw. des Interviewers. Umso mehr natürlich mein Dank für die ausführlichen Antworten :top:
Aber WENN wir so nun doch auch ins Inhaltliche zu Finix gekommen sind, hätt ich nochmal ne Frage bzgl. des Konstruktes:

Ein Verlag ist ja i.A. ein Unternehmen, dessen Ziel die Erwirtschaftung von Gewinnen ist, während ein Verein eher eine Interessengemeinschaft ist.
Wer ist denn beim Verlag jetzt der 'Unternehmer'? Marc oder der Verein oder beide 50:50 oder noch andere mit im Boot? Oder anders gefragt: Angenommen, der Verlag geht pleite oder schreibt nur noch dicke, fette, schwarze Zahlen: Wer haftet dann für den Verlust bzw. streicht die Gewinne ein? Und wie ist der Status der Vereinsmitglieder, die aktiv mitarbeiten? Sind das quasi 'Angestellte' des Verlags, die vom Verlag auch für ihre Arbeit bezahlt werden (und sei es nur mit 'symbolischen' Beträgen, derartige Honorare sind ja frei verhandelbar) oder leisten die ihre Arbeit quasi im Rahmen ihres Vereinslebens und der Verein stellt dann die Arbeitsergebnisse dem Verlag zur Verfügung? - Zum Verständnis: Ich denke, ich kann mir das alles in der praktischen Arbeit vorstellen und auch mit welcher Motivation und inneren Haltung, wer was tut. Was mir nicht klar ist, ist der 'offizielle' formale Aspekt des Konstrukts Verlag/Verein.

Und dann noch ne Anmerkung, weil hipgnosis diese Frage stellte: "Es ist ja ein allgemeiner Irrglaube, daß unsere Produktionsbedingungen "billiger" wären als bei anderen Kleinverlagen - ich weiss gar nicht, warum sich dieses Gerücht bei manchen so im Kopf verankert hat!" - Ich denke, das liegt daran, dass diejenigen, die Eure Produktionskosten als 'billiger' vermuten, Kosten für zB Übersetzung/Lettering u.Ä. mit unter 'Produktionskosten' fassen und davon ausgehen, dass diese Arbeiten von Vereins-Mitgliedern mit viel Idealismus gemacht und daher nicht oder nur minimal vergütet werden, was dann natürlich die Produktionskosten senken würde - im Vergleich zu zB Ehapa/Carlsen, die solche Arbeiten 'tarifgerecht' bezahlen müssen. Ist das nicht so?

idur14
16.04.2010, 17:01
Oder auch, dass manches in Kooperation mit Splitter gemacht wird und man damit Skalenerträge erzielt, oder lieg ich da falsch? Sowas könnten andere "kleinere Verlage" auch tun, tun sie aber halt nicht.

@ollih: Es freut mich, dass da was kommt. Was das Bild betrifft meinte ich auch nur die im Forum vertretenen Personen. Was nutzt es mir wenn da einer dabei ist, der Karl Kent heisst und der ist hier nie vertreten.;) Ich habe immer gerne ein Bild von den Leuten mit denen ich kommuniziere. Bin halt ein visueller Typ.

Was die Finanzierung betrifft meinet ich halt es lässt sich leichter was auf 300 (früher halt weniger) Schultern stemmen als auf 2. Das sollte dann auch zaktuells Antwort sein. Ich glaube dass man zuerst den Vorschuss einbringt und aus diesem Ausgaben macht. Oder zumindest in der Satzung festlegt, das NAchschüsse zu bringen sind. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass da groß Kredite aufgenommen werden.

hipgnosis
16.04.2010, 19:59
Ich beantworte mal einige Punkte ohne direkt zu zitieren - OK!

Also das Konstrukt genau aufzudröseln habe ich nicht soviel Lust drauf - da man zu sehr ins Detail gehen müsste - und das werde ich in einem Internetforum sicherlich nicht tun! ;)

Der Verlag ist auf den Finix Comics e.V. angemeldet und ich bin als gesetzlicher Vertreter auf dem Gewerbeschein eingetragen.

Die Haftung liegt also beim Verein - der als juristische Person fungiert.

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Bei uns werden auch manche Arbeiten vergütet - allerdings bisher nicht das Lettering/Lektorat, daß sind bisher kostenlose Mitgliedszuarbeiten.

Bei den Übersetzungen ist es geteilt - da kommt es darauf an - wer die Übersetzung macht.

Der Produktionsleiter bekommt natürlich seine Arbeit bezahlt. Und auch für Layout/Werbung usw. wird etwas gezahlt!

Das Ganze bewegt sich auf dem Niveau eines Kleinverlegers, der viele Arbeiten ja auch in Eigenregie erledigt. (Übersetzung/Lektorat - teils Lettering/Layout) je nach dem was der jeweilige Kleinverleger technisch selbst erledigen kann.

Natürlich kann ich das nicht mit Ehapa/Carlsen oder Splitter/Cross Cult vergleichen, die ihre Mitarbeiter anders vergüten.
Diesen Vergleich wollte ich auch nicht ziehen! ;)

Die reinen Lizenzkosten und die Druckkosten haben wir allerdings genau wie "alle" Verlage zu leisten - da kommen wir aufgrund der kleinen Auflagen, gar deutlich schlechter weg wie Carlsen/Ehapa

Im Schnitt liegen aber unsere gesamten Produktionskosten, von denen die reinen Personalkosten nur ein kleiner Teil sind, auf gleichem Niveau anderer Kleinverlage!

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Unsere "Kooparation mit Splitter" bezieht sich alleinig auf den gemeinsamen Druckort - und das wir da natürlich logistische Vorteile (gemeinsame Auslieferung) bekommen - und an deren Papierpreisen partizipieren.

Ansonsten sind das völlig getrennte Verlagsschienen - nur eben ist Horst unser Produktionsleiter! ;)

Im Übrigen profitieren viele deutsche Verlage oftmals durch Druckkooparationen mit dem Lizenzgeber - auf die wir aufgrund unserer selbst auferlegten Produktqualität völlig verzichten!

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Das mit der Verteilung auf "viele Schultern" mag rein aus finanzieller Sichtweise, erstmal das Risiko vermindern, bzw. vom einzelnen besser zu stemmen sein - keine Frage.

Aber es verringert in keinsterweise den Herstellungspreis eines Albums - noch erleichtert es die Produktion.

Ganz im Gegenteil - muss man enorm viel mehr Zeit aufbringen, daß alles zu koordieren, als wenn z.b. ein-zwei "potente" Leute das ganze in Eigenregie stemmen würden - und für eventuelle Verluste ihr Geld quasi "sponsorn" ;)

Wie gesagt - nicht falsch verstehen - ich will hier nicht den Vorteil des Vereins kleinreden.
Nein - nein, gerade deswegen entschieden wir uns ja für diese Konstellation!

Aber man muss einfach wissen - das alles dadurch keinen Cent günstiger wird - eher noch teurer. Aber es ein deutliches "Plus" an Aufwand, Verwaltung, Versand usw. kostet - als bei der normalen Gewerbeform anderer Kleinverleger.

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Aber man kann die Freude mit vielen netten Leuten teilen - das entschädigt für viele Aufwände! :D

zaktuell
16.04.2010, 21:15
Erstens:
(...) Also das Konstrukt genau aufzudröseln habe ich nicht soviel Lust drauf - da man zu sehr ins Detail gehen müsste - (...) Das mit der Lust, kann ich verstehen...

Zweitens:
(...) da man zu sehr ins Detail gehen müsste - und das werde ich in einem Internetforum sicherlich nicht tun! ;) (...) Dass Du hier keine 'intimen Details' preisgeben kannst und willst kann ich AUCH verstehen, solche will ich Dir auch nicht entlocken. Aber bis zu einem bestimmten Punkt sind Vereins- und Unternehmensstrukturen ja kein Geheimnis und für die Gewinnung weiterer Mitglieder ist etwas Transparenz sicherlich auch von Vorteil.

Aus beidem folgt nun mal meine 'Zusammenfassung' (damit DU die Arbeit nicht hast), in meinen Worten (damit es nicht eine 'offizielle Erklärung' ist) und auch nur für mich, ob ich das richtig sehe und verstanden hab. Als Antwort genügt mir dann ein 'Ja, das ist so ungefähr richtig', wobei die Betonung auf 'ungefähr' liegt. Fehler/Irrtümer kannst Du, vor allem gröbere Fehler solltest Du korrigieren, aber musst Du natürlich nicht, wenn es 'Betriebsinterna' beträfe, die keinen was angehen. Also:

Der Verein besteht aus Mitgliedern und Investoren. Mitglieder zahlen Mitgliedsbeiträge, diese finanzieren die Vereinsarbeit (ggf. anfallende Überschüsse fliessen als 'Investition' in den Verlag, siehe das Folgende). Investoren machen, wie der Name schon sagt, Investitionen. Diese sind zweckgebunden und fliessen zu 100% in den Verlag zur Albenproduktion. Dem Verein gehört der Verlag zu 100%. Sollte die Verlags-Bilanz ins Minus rutschen, der Verlag also Verluste machen, muss also der Verein dafür grade stehen, d.h. im Zweifel dessen Mitglieder. ABER: Der Verlag kann eigentlich keine Verluste machen, weil er nur Geld ausgibt, welches bereits eingenommen wurde, eben durch die Investitionen der Investoren.
Der Verlag ist demzufolge im Grunde ein 'Werkzeug' des Vereins, das dem Vereinsziel (Fortsetzung eingestellter Comic-Serien) dient.

Der Verlag hat auf der Einnahmenseite also -im Ggs. zu anderen Verlagen- neben dem Verkaufserlös noch die Investitionen des Vereins, arbeitet ansonsten aber wie jeder andere Verlag, mit dem Unterschied, dass einige Arbeiten im Rahmen der Vereinsarbeit erledigt werden und nicht oder nur minimal entlohnt werden.*
Da der Verlag zwar Gewinne erwirtschaften darf, ein Verein aber (soweit ich weiss) nicht, fliessen Gewinne wieder dem Vereinszweck zu, d.h. mit ihnen werden die nächsten Projekte finanziert**.

Prinzipiell sieht es also so aus: Investoren finanzieren die Alben-Produktion. Kommt durch den Verkauf der Alben nicht genug wieder rein, um die Vertriebs-und Produktionskosten zu decken, entsteht dem Verlag kein Minus, da er ja quasi mit ausreichend Plus angefangen hat. Kommen die Kosten durch den Verkauf wieder rein, wird das Investitionsgeld wieder 'frei' und in die nächste Produktion gesteckt. Kommt durch den Verkauf sogar mehr wieder rein als Kosten waren, wird auch dieser Gewinn wieder in neue Projekte gesteckt (oder gleicht die Verluste aus anderen Projekten aus, damit die dortigen Investitionsgelder auch wieder 'frei' werden, um wieder in die nächsten Projekte gesteckt werden zu können).

SO stell ich mir das Ganze jetzt vor. Ist das soweit UNGEFÄHR(!) richtig?
Wenn ja noch diese zwei Fragen:
* 1.) Wenn Arbeiten nicht oder nur gering entlohnt werden, gibt es dann wenigstens einen anderen Ausgleich? zB: Mitglied x ist zwar kein Investor, investiert aber seine Zeit, sein Know-how, seine Arbeitskraft in besonderer Weise und bekommt dafür dieselbe Vergünstigung (10 Frei-Alben) wie die, die Geld investieren. Oder etwas in der Art.
** 2.) Ist das so oder dürften Verlagsgewinne auch wieder in die Vereinskasse zurückfliessen und damit zB den Verein in die Lage versetzen, seine Mitgliedsbeiträge herab zu setzen?

Kater Paustian
16.04.2010, 21:53
Bin ziemlich erstaunt, was für umfangreiche Statements hier binnen eines Tages auflaufen.
Das Interview ist ein Interview (und ich finde ein Gutes), und da jetzt wegen Inhalten nachzuhaken ist eigentlich überflüssig.

Zu jedem Interview, zu jedem Thema, in jedem Medium, hat jeder interessierte Leser immer noch die ein oder andere Frage im Hinterkopf die der Interviewer dummerweise nicht gestellt hat. Da ist es wurscht, ob es um Comics, Film, Musik oder Fußball geht.
Bei populären Themen wie z.B. Fußball wird nur eben viel mehr berichtet als über Comics, und was mir Herr Magath im kicker nicht verraten hat, erzählt er mir dafür vielleicht in der Sportbild.

Umso wichtiger ist es, jede Gelegenheit zur Werbung in eigener Sache zu nutzen. Beim 10.Interview von Marc fragt keiner mehr nach dem Inhalt des Ersten.
Hoffen wir also doch, daß es bald zehn Interviews werden :D

Im Übrigen ist das wie mit Theaterkritiken: lieber eine schlechte Kritik als keine Kritik

Schade fand ich allerdings auch die fehlenden Namen unter den Bildern.
Sind die Fotos für das Interview entstanden? Dann kann man eigentlich vom Einverständnis der Beteiligten ausgehen.
War das Foto ein privater Schnappschuss der zur Verfügung gestellt wurde, so könntet Ihr doch mal kurz die Betreffenden anmailen, ob man das hier nachholen kann.

Ich hoffe, ich kann mich dann in Erlangen auch mit Euch ablichten lassen - ich arbeite dafür noch an meinem Zeitplan :D

Gruß an alle

zaktuell
16.04.2010, 22:11
(...) und da jetzt wegen Inhalten nachzuhaken ist eigentlich überflüssig. (...)
Es lag zwar ursprünglich nicht in meiner Absicht, inhaltlich nachzufragen, aber es ergab sich halt so. Und ich würde es generell begrüssen, wenn offensichtlich vorhandene Interessen von einigen nicht von anderen als 'überflüssig' bewertet würden. Was interessant und/oder überflüssig ist, ist individuell unterschiedlich und wer's nicht braucht: Der nächste Thread ist immer nur einen Link-Klick entfernt. Dadurch ist man schneller weg als es braucht eine 'überflüssig'-Bemerkung zu tippen. Insofern sind solche Bemerkungen tatsächlich überflüssig ;)

cass lipter
16.04.2010, 23:17
Schade fand ich allerdings auch die fehlenden Namen unter den Bildern.
Sind die Fotos für das Interview entstanden? Dann kann man eigentlich vom Einverständnis der Beteiligten ausgehen.
War das Foto ein privater Schnappschuss der zur Verfügung gestellt wurde, so könntet Ihr doch mal kurz die Betreffenden anmailen, ob man das hier nachholen kann.

Die Fotos habe ich 2008 bei unserem ersten Erlangen-Treffen gemacht.

Als Finix-Mitglied kannst Du Dir die Bilder im internen Forum anschauen. Dort findest Du auch Bildunterschriften. Schau mal im Thread "Comic Salon Erlangen 2008" ab Beitrag #326.

hipgnosis
17.04.2010, 13:16
Die Fotos sind einfach die am besten zu verwendeten, die ich dem Interviewer überhaupt in der Kürze anbieten konnte - und die Namen stehen da nicht drunter, da das Ganze derart zwischen "Tür und Angel" geschah, daß weder ich selbst noch der Interviewer darüber nachdachte. ;)

Ich wollte auch nicht die abgebildeten Finixer "prominenter" präsentieren - als all die anderen, nur weil die sich nicht zufällig auf dem Foto wiederfanden.



Zaktuell - so in etwa stimmt deine Annahme, nur im Detail stecken halt die Fehler! :D

Sind aber keine allzu gravierenden die es hier aufzuschlüsseln gäbe.

Im Prinzip wurde mit den Startinvestitionen die ersten Projekte anfinanziert und nun wird durch Verkaufserlöse + Neuinvestitionen das Programm finanziert.

Das ein Verein keinen Gewinn erwirtschaften darf ist natürlich Quatsch ;)

Aber es stimmt, daß ein anfallender Gewinn im Falle Finix umgehend reinvestiert würde, da die Mitglieder sich verschrieben haben, keinen "persönlichen Gewinn" zu erzielen - der Verein/Verlag darf selbstverständlich das Geld nur so horten :p Dafür bezahlen wir ja Steuer - je mehr Einnahmen, je grösser die Freude unseres Staates.

Die Entlohnung der Aktiven des Produktionsteams, welche nicht finanziell beteiligt werden, besteht selbstverständlich aus Freialben aller Titel - und die Freude mitarbeiten zu können und sich so eventuell einen Namen in der Branche machen zu können - was ein paar Leuten ja mittlerweile auch schon gelungen ist!

zaktuell
17.04.2010, 13:35
:thx:

Mick Baxter
18.04.2010, 00:47
@ zaktuell: Du stellst dir alles ein bißchen komplizierter vor, als es wirklich ist. Zum Beispiel gibt es keine getrennte Kassen für Verein und Verlag. Wozu auch? Also sind keine Regeln notwendig, welche Ein- und Ausgaben wo genau verbucht werden müssen und wie ein Ausgleich geschaffen wird. Natürlich darf ein Verein Gewinne machen, er darf sie nur nicht an die Mitglieder ausschütten (zumindest nicht für's Mitglied sein).
Im übrigend läßt das Konzept von Finix gar keine Gewinne zu. Denn wir veröffentlichen ja Serien, die wegen schlechter Verkäufe abgebrochen wurden. Und je länger wir das betreiben, desto unwahrscheinlicher wird es, eine schwarze Null zu schreiben.