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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studie in Smaragdgrün (Neil Gaiman & Rafael Albuquerque)



JRN
12.03.2020, 20:07
Endlich, endlich ist der Band raus ... und hat gleich einen neuen Dantes-Erstverkaufstagsabverkaufsrekord aufgestellt [was nicht wirklich überraschend ist].
Es müssten also eine Menge Exemplare in Umlauf sein ... lasst hören, ob und - wenn "ja": warum ihr zufrieden seid.

Mit 1000 Grüßen,
der Übersetzer

Gagel
13.03.2020, 11:52
Ich werde mir mein Exemplar heute nachmittag abholen. Ich bin gespannt.

Alex73
14.03.2020, 11:49
Wurde denn der Band an die Shop Besteller schon verschickt?

j-dantes
14.03.2020, 12:22
Nein, dieser Band wurde noch nicht an die Shopbesteller verschickt, da das Paket vom Vertrieb erst heute angekommen ist. Ich muß mal mit dem Vertrieb reden, daß wir die Bücher gerne erhalten würden, bevor selbige im Handel erhältlich sind. Leider haben wir in den letzten Monaten die Bücher immer erst erhalten, nachdem sie schon einige Tage im Handel waren. Dafür ein großes Sorry an alle Vorbesteller und Abonnenten! Wir geloben Besserung!

Poch
25.03.2020, 15:04
Nein, dieser Band wurde noch nicht an die Shopbesteller verschickt, da das Paket vom Vertrieb erst heute angekommen ist. Ich muß mal mit dem Vertrieb reden, daß wir die Bücher gerne erhalten würden, bevor selbige im Handel erhältlich sind. Leider haben wir in den letzten Monaten die Bücher immer erst erhalten, nachdem sie schon einige Tage im Handel waren. Dafür ein großes Sorry an alle Vorbesteller und Abonnenten! Wir geloben Besserung!

Wurden die mittlerweile verschickt? Oder ist Josch momentan voll mit seinem eigentlichen Job als Krankenpfleger ausgelastet (wofür ich vollstes Verständnis hätte)?

Edit: Hat sich erledigt. Der Band (und auch Usagi Yojimbo - Yokai) kam gerade bei mir an. :)

Clawfinger1986
29.03.2020, 13:27
Meine Kurzrezi zum Band:

Eine Studie in Smaragdgrün

Das Programm vom Dantes Verlag wächst fleißig weiter, scheinbar ohne jeden Qualitätsverlust. Mit Neil Gaiman und Rafael Albuquerque trumpft man nun gleich mit zwei ganz großen Namen auf. Aber werden Sie ihrem Ruf auch gerecht? Eindeutig ja.

Erzählt wird eine Sherlock-Holmes-Geschichte in einer Alternativwelt, in welcher "die großen Alten" an der Spitze der Gesellschaft stehen und die Menschheit beherrschen. Damit verbinden Gaiman/Albuquerque also die Werke von zwei der beliebtesten Autoren überhaupt: Arthur Conan Doyle und H.P. Lovecraft. Was im ersten Moment ein wenig seltsam anmutet, funktioniert im Ergebnis ganz hervorragend. Mehr sollte man über die Geschichte auch gar nicht sagen, die wirklich mit einer ganz tollen und unerwarteten Wendung aufwartet. Das Ganze ist jedenfalls spannend geschrieben und genial bebildert.

Der Band steckt voller Anspielungen zu allen möglichen Arbeiten anderer Autoren, was einem als Leser mal mehr, mal weniger offensichtlich klar wird. Der Kommentar von Anne M. Pillsworth sowie der Glossar des Übersetzers helfen selbst ungebildeten Menschen wie mir dabei, möglichst viele davon zu erkennen. Präsentiert wird alles in einem schicken Hardcover, das im extra großen Format (wie zum Beispiel auch die Spawn Origins Collection von Panini) daherkommt.

Im Grunde habe ich nur einen einzigen Kritikpunkt: Der Ausflug in diese besondere Welt ist leider viel zu schnell wieder vorbei. Und eine Fortsetzung scheint es nicht zu geben. "Studie" ist offenbar eher als kurzer Blick in eine Alternativwelt gedacht, nicht als Beginn eines großen Epos.

Vielleicht könnte der Verlag dann wenigstens das andere Material von Neil Gaiman nach Deutschland holen, das bei anderen Verlagen keine Heimat findet. Dark Horse hat da ja noch so einiges im Angebot...

JRN
29.03.2020, 14:09
Re-Post meiner Antwort im Nachbar-Thread (http://www.comicforum.de/showthread.php?70882-Welche-Comics-habt-ihr-heute-gelesen-Der-gro%DFe-Review-Thread&p=5614946&viewfull=1#post5614946):

Clawfinger1986 :

Puuh, Dein "scheinbar" in der ersten Zeile hat mein Herz kurzfristig zum Stillstand gebracht ... aber nach kurzem Weiterlesen bin ich jetzt fast sicher, dass Du "anscheinend" meinst. Beruhigend.

Und: Der Band beruht auf einer in sich abgeschlossenen Kurzgeschichte. Es gibt also tatsächlich bisher keine Fortsetzung. Gaiman hat alles erzählt, was er erzählen wollte ... also wird es von ihm absehbar auch keine Fortsetzung geben.

Einige der Dark-Horse-Titel haben wir uns tatsächlich schon genauer angeguckt ... ein paar davon sind nicht so doll, ein paar andere aber grandios [was nicht an Gaimans Vorlagen liegt, sondern an den jeweiligen Szenaristen ... Eine Studie ... ist IMHO auch deswegen so brillant, weil die beiden Rafaels (Albuquerque und Scavone) an Gaimans Text praktisch nichts verändert haben (sie haben nur die beschreibenden Passagen in Bilder übersetzt)]. Will sagen: Wenn sich Eine Studie ... gut verkauft [und es sieht gerade ganz danach aus], wird es wohl immer mal wieder eine weitere Gaiman-Perle bei Dantes geben ...

Wie immer:

:thx:

Mit 1000 Grüßen,
der Übersetzer

God_W.
29.03.2020, 20:04
Hey, "Reposten" (nicht Restposten) kann ich auch:

Dauernd liest man irgendwo was über Gaiman! Werde mich in Kürze auch endlich mal auf mein erstes Werk von ihm stürzen müssen. Nein, die Studie in Smaragdgrün wird das nicht sein, aber keine Angst, als Lovecraft Fanboy muss ich mir die sowieso irgendwann holen. Wird aber vermutlich eher Herbst werden.

:D

JRN
29.03.2020, 22:09
Da zwingt mich der Mann doch glatt zu einem Re-re-Repost:

"Kein Problem. Bis zum Herbst ist es ja nicht mehr soo lange hin ..."

Das gibt mir aber Gelegenheit, noch etwas Inhaltliches beizutragen ...

Ich hatte ja nun in den letzten Jahren ein paar der "großen Namen" unter den Erzählern auf dem Tisch ... und unter diesen sticht Gaiman eindeutig heraus.
Keine Ahnung, ob es mir in meinen Übersetzungen gelingt, die ursprünglichen sprachlichen und stilistischen Eigenheiten der Schreiber immer nachvollziehbar widerzuspiegeln [dem stehen zu kleine Blasen und mangelnde Ausdrucksmöglichkeiten z.B. für Slang oder einen Südstaatendialekt entgegen], aber es gibt sie:
Alan Moore ist "barock", seine Spache schwer und überladen; er verwendet extrem viele mehrfach konnotierte Worte [also Ausdrücke, die Assoziationen in drei oder mehr Richtungen wachrufen (was ihre deutschen Entsprechungen in der Regel nicht tun)]; Ellis experimentiert oft, schlüpft immer wieder in neue Rollen und will dann jedes Mal anders übersetzt werden; Delano ist der Meister der Verkürzung [seine Figuren verschlucken Silben, reden grundsätzlich Dialekt, Slang oder Jargon, wobei aber immer eine Anspielungsebene da ist (literarische und Filmdialogzitate sowie Songtexte ... wie früher auf dem Schulhof)], Ennis ist zwar ähnlich anspielungsreich, aber irgendwie glatter, "runder", vielleicht auch stärker zuspitzend, übertreibend [vor allem die auch bei Delano vorhandene Ironie wird sprachlich deutlicher herausgearbeitet]; Mills Stil grenzt an die Schreibe der "Stream of Consciousness"-Autorinnen und Autoren, er ist extrem wandlungsfähig und scheint manchmal den Promoter in sich nicht im Griff zu haben; Sakai ist ein methodischer Handwerker, der aber schöne und zugleich funktionale "Werkstücke" drechselt, ohne je ein Wort zu viel zu schreiben ... und Gaiman? Der ist gleichzeitig präzise und elegant. Wie ein Florettfechter oder eine Ballerina. Wie Heine ... nur ohne den Spott.

Obwohl Eine Studie in Smaragdgrün auch nicht gerade ohne Anspielungen ist, hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten, den Text blasengerecht zu übersetzen. Englisch wie aus dem Lehrbuch. Gleichzeitig hatte ich so stark das Gefühl, dass hier Watson [also Conan Doyle] schreibt, dass ich nachgeguckt habe, wie die betreffenden Stellen in A Study in Scarlet lauten ... und da ist nichts abgeschrieben oder zitiert. Gaiman trifft einfach den Ton ... und zwar so, dass du glaubst, den Text schon einmal gelesen zu haben, ohne dass dies der Fall ist. Das ist, in Ermangelung eines passenderen Ausdrucks, einfach nur ... schön [im Sinne von "kunstschön", "erhaben"].

Wie gesagt: Ich weiß nicht, ob es mir gelingt, all das in meinen Übersetzungen zu vermitteln.
Was Gaiman angeht, kann ich sagen, dass einige seiner literarischen Werke dringend neue Übersetzungen brauchen.
Will sagen: Wer Gaiman nur auf Deutsch liest, sollte eventuell "uninspiriert" erscheinende Arbeiten nicht vorschnell dem Autor anlasten...

Über den Lovecraft-Einfluss in Eine Studie in Smaragdgrün schreib' ich hier jetzt mal nix, denn der liegt auf einer anderen Ebene. Ich müsste spoilern ...

Mit 1000 Grüßen,
JRN

Gerwulf
02.04.2020, 07:23
Ich möchte an dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an den Verleger Josch und den Übersetzer JRN aussprechen.

Dieses kleine feine Album hat mir unfassbar viel Freude bereitet beim lesen.
Wann habe ich überhaupt schon einmal permanent beim Lesen immer wieder ins Glossar blicken dürfen, um dann mit vielen neuen interessanten und witzigen Anmerkungen, immer tiefer in diese Geschichte einzutauchen
Ich bin als Freund des viktorianischen Zeitalter und somit auch großer Fan von Holmes, aber auch V.von F.., Stoker, Stevenson und auch Poe und Lovecraft, eh vorbelastet.
Dennoch ist und war es einfach und Lesevergnügen der Extraklasse.
Der Ton der Erzählung ist einfach sehr stimmig und ich kann mich sehr gut auf diese phantastischer Erzählung einlassen.
Das Highlight sind und bleiben für mich die kleinen grafischen Werbespots am Anfang eines jeden Kaptiels, selten so herzhaft geschmunzelt über die ganzen Anspielungen und diesen Wortwitz.

Für mich bis jetzt das beste Album des Jahres.

Und nun kommt der neue Usagi an die Reihe, der gestern mit der Post kam.

Macht weiter so und bleibt alle gesund!

JRN
02.04.2020, 12:28
Gerwulf :

Vielen Dank für das Dankeschön und die lobenden Worte.
Und ja: Die Werbeanzeigen, die [auch schon in der Kurzgeschichte] die Kapitel eröffnen, sind kleine Meisterwerke verdichteter Kurzprosa.

Bleib selbst auch gesund ... und außerdem zahlungsfähig und lebensfroh.

Mit 1000 Grüßen,
JRN

robert 3000
18.04.2020, 22:01
Ich habe den Band jetzt fertig gelesen, und hab dann festgestellt, dass ich in der letzten Zeit echt viel von Dantes gelesen habe. :D
Und ich jetzt auch noch einen Usagi lesen darf auf den ich mich sehr, sehr freue.

Ich würde aber zu dem Band Studie in Smaragdgrün echt eine Meinung hören von jemanden der sich da auskennt.
Der Band ist dermaßen voll mit Anspielungen das ich eigentlich voll überfordert war sobald ich zum denken begonnen habe.

Bis fast zum Schluss hin hab ich mich echt gut unterhalten gefühlt. Eigentlich sogar sehr, sehr gut. Die Zeichnungen sind toll.
Die Atmosphäre die aufgebaut wird ebenso. Auch die mMn sehr witzigen "Anzeigen" zu Beginn jedes Kapitels sind super witzig.

Knackpunkt war dann die Namensnennung des Doktors. Also des Mörders. Das kehrte dann eigentlich schlagartig alles gelesene irgendwie um.
Und obwohl eigentlich immer etwas vakant war in der Story hatte es mich dann doch überrascht und dann war eigentlich wieder alles klar.
Alles so wie es scheint, alles umgekehrt oder wie jetzt? - ungefähr so lässt mich dieser Comic zurück.
Und das auf eine angenehme Weise. Also nicht so, dass man es nicht verstanden hätte. Nur kann ich es nicht wirklich "greifen".

Tolle Story. Tolle Zeichnungen.
Super Leselektüre.
kann es nur jeden empfehlen

Und ich würde hier echt gerne eine Rezi von Rezimeister lesen. (ich mein dich god_w) :rolleyes:

robert 3000
18.04.2020, 22:02
Bleib gesund, zahlungsfähig und lebensfroh

Der Spruch gefällt mir außerordentlich gut.

God_W.
19.04.2020, 01:29
Und ich würde hier echt gerne eine Rezi von Rezimeister lesen. (ich mein dich god_w) :rolleyes:

Huch! Danke für die Blumen!
Zu dem Band werde ich zu 100% irgendwann ein paar Zeilen hier lassen, aber da ich den noch nicht mal besitze wird das vermutlich eher Herbst werden.

Allerdings hast Du da doch selbst gerade eine sehr schöne Rezi eingestellt, die ehrlich gesagt für ein ganz schönes Jucken in den Fingern sorgt sich den Band endlich zu greifen! :top:

Mit Anspielungen ist das immer so eine Sache. Oftmals gehen ganz viele an einem vorbei, ohne dass man das überhaupt mitbekommt. Aber solange man einige findet über die man sich freuen kann macht das Ganze ja dennoch immensen Spaß, gerade weil man gar nicht weiß, was man ggf. verpasst hat. Wenn ich mir den Werbeslogan von Smaragdgrün so anschaue habe ich da auch immense Lücken. Ich habe Holmes-Mäßig zwar Unmengen an filmischem Material, sowohl in S/W als auch in Farbe gesichtet, aber zu meiner Schande noch keine einzige Originalstory gelesen. Damit verstehe ich dahingehend schon mal ganz sicher nicht alles, was vielleicht irgendwo angedeutet wird. Von Lovecrafts Werk habe ich Adaptionen in allen möglichen Medien gesichtet und ca. zwei Drittel bis drei Viertel seines Werkes gelesen. Den Rest spare ich mir absichtlich noch auf, damit ich noch ein bisschen was zu entdecken habe :D. In der Richtung bin ich also gefestigter.

Dazu kommt: Mein Erstkontakt mit Mr. Gaiman in Comicform steht noch aus, falls der also irgendwo Bezug oder eine kleine Anspielung auf eins seiner eigenen Werke gibt tappe ich da vollkommen im Dunkeln. Aber das werde ich bald ändern, denn Band vier des bislang herausragenden Miracleman liegt ziemlich weit oben auf meinem Lese-K2 und auch der Sandman wartet zum größten Teil bereits im Regal auf mich.

Also lieber @robert 3000 (http://www.comicforum.de/member.php?29672-robert-3000): Bitte weiter fleißig Deine Meinung Posten, gerne auch einige Zeilen umfangreicher, aber auch so hat das doch schon ordentlich Lust auf die Lektüre gemacht! Viel mehr kann eine noch so lange Besprechung auch nicht bewirken. ;) Ich empfinde das eh schon als kleinen Ritterschlag, dass so ein "alter Hase" wie Du gerne meine Newbie-Meinung liest. :cool:

JRN
19.04.2020, 08:53
God_W. :

Auch wenn Eine Studie in Smaragdgrün stark den besonderen, poetisch-nostalgischen Geist atmet, der vielen Werken des Dreamkings zu Eigen ist, musst Du kein einziges seiner anderen Werke gelesen haben, um dieses genießen und seinen spezifischen Charme erfassen zu können.

Grundsätzlich gilt: Du wirst nicht glücklich sterben, ohne nicht zumindest ein paar der klassischen Kurzgeschichten mit Sherlock Holmes gelesen zu haben. Die Werkausgabe vom Haffmanns Verlag (https://www.amazon.de/Sämtliche-Erzählungen-Romane-Sherlock-Holmes/dp/B003BK6B54) ist im deutschen Sprachraum die beste ihrer Art . Holmes macht am meisten Spaß, wenn er chronologisch "entdeckt" wird ... und seinen ersten Auftritt hat er in [i]Eine Studie in Scharlachrot. Es ist, wie angesichts des Titels unschwer zu deduzieren ist, genau dieser eine Holmes-Roman, dessen vorherige Kenntnis das Lektüreerlebnis von Eine Studie in Smaragdgrün noch einmal deutlich erhöht - auch wenn Gaimans Geschichte im Prinzip auch ohne jedes Vorwissen funktioniert.

Was Lovecraft angeht, so reicht es IMHO aus, dass Du schon einmal von der Existenz des Cthulhu-Mythos gehört hast ... und davon, dass einige der Großen Alten und der Älteren Götter versuchen, auf die Erde zurückzukehren, um "wieder" zu herrschen [was immer das genau bedeuten mag]. Mindesdens ebenso wichtig ist, dass Du mit dem Inhalt gewisser Schlüsselwerke von Mary Wollstonecraft Shelley, Bram Stoker, Ambrose Bierce, Robert W. Chambers und Robert Louis Stevenson sowie der Politik des viktorianischen Imperialismus einigermaßen vertraut bist. Für alles andere gibt es hinten im Band ein hoffentlich nicht allzu ausführlich geratenes Glossar vom Autor dieser Zeilen.

:D

Mit 1000 Grüßen,
JRN

robert 3000
19.04.2020, 10:55
So viele Anspielungen kann man bei den Comics von Dante gar nicht verpassen. Dank der massiven umfangreichen Anmerkungen. (die ich immer gerne lese)

JRN
19.04.2020, 11:45
robert 3000 :

Danke für die Blumen ... aber ich versuche schon, mich auf Sachverhalte zu beschränken, die entweder für ein Verständnis der Handlung unerlässlich sind [weil die meisten unserer Titel schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und ihre Autoren sich kulturellen Gruppen zugehörig fühlten oder fühlen, deren Themen und Diskursformen heute nicht mehr jedem vertraut sind] - oder die einen Einzelaspekt noch einmal in ein anderes, für ein deutschsprachiges Publikum nicht naheliegendes Licht rücken. Das heißt nicht, dass nicht in allen Dantes-Titeln auch noch massig Verweise und Anspielungen enthalten sind, die unsere Leserinnen und Leser selbst aufspüren müssen...

Diese "Entdeckerfreude" gehört für mich zur Lektüre von Graphischer Literatur einfach dazu. Comiclesen fördert IMHO das "In-die-Breite-Denken". Das ist dieser Ausdrucksform "eingeschrieben".

Mit 1000 Grüßen,
JRN

God_W.
19.04.2020, 17:10
@God_W. (https://www.comicforum.de/member.php?u=223796) :

...
Grundsätzlich gilt: Du wirst nicht glücklich sterben, ohne nicht zumindest ein paar der klassischen Kurzgeschichten mit Sherlock Holmes gelesen zu haben. ...

Mit 1000 Grüßen,
JRN
Dessen bin ich mir natürlich bewusst und auf der Agenda steht das natürlich. Es gibt aber auch noch so viele andere tolle Sachen, die entdeckt werden wollen und alles gleichzeitig geht halt nicht. Aber wenn "Die Studie in Scharlachrot" sowieso der ideale Einstiegspunkt ist werde ich die zuvor mal sichten, wenn auch wohl erstmal nur als e-book für 49 Cent :D.

JRN
19.04.2020, 18:45
God_W. :

Nur zu.
Eine Sache solltest Du vielleicht noch wissen ... abgesehen von The Hound of the Baskervilles sind die anderen drei Holmes-Romane klassische Abenteuergeschichten mit einer Holmes-Kurzgeschichte als "Rahmen". Das heißt: Holmes und Watson kommen in weiten Teilen der Handlung nicht vor. Das wird Dich wahrscheinlich nicht stören [aufgrund der Einblicke in lokale und kulturelle Gegebenheiten aus unterschiedlichen Gegenden des Empires bzw. der Englisch sprechenden Welt vielleicht sogar besonders begeistern], Du solltest aber darauf vorbereitet sein, dass Arthur Conan Doyle seinen Holmes tatsächlich erst in den auf den zweiten Roman [The Sign of Four] folgenden Kurzgeschichten zu voller Entfaltung bringt ...

Mit 1000 Grüßen,
JRN

Huckybear
24.04.2020, 19:26
Das Autorenteam macht gleich mit einem nächsten Projekt bei Dark Horse weiter
https://www.darkhorse.com/Comics/3006-240/Hidden-Society-1
Sieht gut aus wie immer bei Rafael Albuquerque, passt hier optisch aber überhaupt nicht ins Dantes Programm
Obwohl :
https://www.cbr.com/hidden-society-2/

Pickie
01.05.2020, 18:21
Das hat aber Spaß gemacht!

Nach dem letzten Kapitel war ich überrascht - ja entsetzt -, dass es nicht weiterging, brauchte dann aber nur noch den Kommentar dahinter zu lesen und diesen Thread noch mal zu überfliegen, um RUNDUM ZUFRIEDEN zu sein. :)

(Ein kleines Träumchen von mir ist es, mal in original "The Strand"-Magazinen die Kurzgeschichten zu lesen, vielleicht täte es auch die oben empfohlene Werkausgabe ... Problem: Genug Zeit und Muße über - mindestens - MONATE zu haben! Oh well, one day ...)

JRN
01.05.2020, 20:57
Pickie :

Vielen Dank für das Formulieren und Hinterlassen einer Rückmeldung. Noch dazu einer positiven!

:thx:

Ja, ging mir auch so, dass ich eine laute innere Stimme niederkämpfen musste, die "mehr, mehr" forderte.
Die alten The Strand-Ausgaben dürften schwierig zu beschaffen sein. Aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen ...

:D

Mit 1000 Grüßen,
JRN

Tribble
19.05.2020, 16:41
Ui, habe erst gerade von der Veröffentlichung mitbekommen. Werde ich mir wohl bei Gelegenheit anschaffen müssen (irgendwie hatte ich ja immer bei Splitter mit ihm gerechnet, aber ich will ja nicht wählerisch sein).


Wenn sich Eine Studie ... gut verkauft [und es sieht gerade ganz danach aus], wird es wohl immer mal wieder eine weitere Gaiman-Perle bei Dantes geben ...Fragen wir doch mal andersrum: Wenn sich die Band so gut verkauft… wie sehe es denn dann mit weiteren Holmes-Perlen aus?

Es gibt ja noch so einige Comics, die mit dem Detektiv etwas frei umgehen, und sich sicherlich gut in euer Verlagsprogramm einfügen würden.

Ich denke da z.B. an The Seven-Per-Cent Solution (https://www.idwpublishing.com/product/sherlock-holmes-the-seven-per-cent-solution) (basierend auf dem Roman „Sherlock Holmes und der Fall Sigmund Freud“ von Nicholas Meyer, vermutlich besser bekannt durch seine Verfilmung „Kein Koks für Sherlock Holmes“) der sich mit seiner Drogensucht und seiner Verbindung zu Professor Moriarty beschäftigt, L'ultime Défi de Sherlock Holmes (https://www.bedetheque.com/serie-24323-BD-Ultime-Defi-de-Sherlock-Holmes.html) (basierend auf „Der letzte Sherlock-Holmes-Roman“ von Michael Dibdin), in dem es ebenfalls um seine Drogensucht und Jack the Ripper geht, oder (es müssen ja nicht nur Literatur-Adaptionen sein) das etwas ältere Scarlet in Gaslight (https://www.huffingtonpost.ca/entry/sherlock-holmes-meets-dra_b_1156351?guccounter=1&guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmRlLw&guce_referrer_sig=AQAAAM4OeoxlKOeC3fGm7xnX-1QYA6v5Dj0hd2tWGLa5G_dBDCW4JwiwwksnKXiaug9t11kFpyU facEQFrTfkLeoyZhZY1bomqqLaegUKo-2gwJ6jWuSjZz9ua3DNnH0ml7gewSC32MOugpIUi4uBkhMLvUDx Xv1FQUEVzHHhQ9p3aSM) und dessen Fortsetzungen, in dem es Holmes mit Dracula, dem Unsichtbaren und Konsorten zu tun bekommen.


Eine Sache solltest Du vielleicht noch wissen ... abgesehen von The Hound of the Baskervilles sind die anderen drei Holmes-Romane klassische Abenteuergeschichten mit einer Holmes-Kurzgeschichte als "Rahmen". Das heißt: Holmes und Watson kommen in weiten Teilen der Handlung nicht vor. Das stimmt so nicht ganz. Es ist richtig, dass sowohl bei „Eine Studie in Scharlachrot“ als auch „Das Tal der Angst“ die komplette zweite Hälfte jeweils aus einer großen Rückblende besteht, die die Motive des Täters beleuchten, und in der Holmes und Watson nicht vorkommen.

Bei „Das Zeichen der Vier“ sieht die Sache jedoch anders aus. Hier wird dem Täter zwar auch ausführlich Platz eingeräumt seine Vorgeschichte zu erklären, aber dies ist nur ein einziges Kapitel. Unser Duo aus der Baker Street ist hier eindeutig die treibende Kraft über den gesamten Roman.

Dafür ist Holmes jedoch in „Der Hund der Baskervilles“ für einen großen Teil der Handlung abwesend, und lässt Watson alleine bei den Ermittlungen.



Holmes macht am meisten Spaß, wenn er chronologisch "entdeckt" wird ... und seinen ersten Auftritt hat er in Eine Studie in Scharlachrot.Obwohl ich dir im Prinzip zustimme, merkt man der Studie teilweise doch an dass es ein Erstling war und vieles noch nicht richtig ausgebaut ist (plus der eben angesprochene Punkt, dass Holmes in der Hälfte der Geschichte gar nicht auftaucht).

Sofern es also darum geht Holmes für sich zu entdecken (und nicht nur, mögliche Anspielungen in Gaimans Geschichte besser zu verstehen) würde ich eher mit den Fällen aus dem ersten Kurzgeschichtenband (Die Abenteuer des Sherlock Holmes) anfangen, um zu prüfen, ob sie einem gefallen. Den Roman sollte man danach dann aber zügig nachholen.

JRN
19.05.2020, 17:32
Tribble :

Willkommen bei Dantes.
Da auch Äthermechanik (https://www.dantes-verlag.de/gesamtprogramm/apparat/äthermechanik/#cc-m-product-11377401621) in gewisser Weise eine Holmes-Geschichte ist, schließe ich nicht aus, dass Josch sich auch in Zukunft immer mal wieder entscheidet, eine weitere Detektivgeschichte zu bringen ...

Ja, The Sign of Four bin ich in der Tat nicht gerecht geworden. Mein Beitrag, aus dem Du zitierst, sollte ja vor allem God_W. und anderen Holmes-noch-nicht-Kennern helfen, sich im Conan-Doyle-Oeuvre zurechtzufinden. Und normalerweise hätte ich ihm ebenfalls empfohlen, mit dem ersten Kurzgeschichtenband anzufangen - aber eben nicht zur Vorbereitung auf Eine Studie in Smaragdgrün.
Ich denke, Du wirst mir zustimmen, nachdem Du die Gaiman-Geschichte gelesen hast.

Ich hab' ja auch [in einem Nachbarthread] schon versucht, God_W. The Sign of Four schmackhaft zu machen ... und mir würde auch noch ein weiterer, schnellfüßiger Grund einfallen, warum gerade diese zweite Holmes-Erzählung den Lesegenuss von Eine Studie in Smaragdgrün noch einmal steigern könnte, aber das wird er sicherlich alles bald selbst herausfinden ...

:D

Ich freu mich auf Deinen Lektürebericht ...

Mit 1000 Grüßen,
der Übersetzer

Tribble
21.05.2020, 14:56
Den Aetheric Mechanics habt ihr auch? Ich muss euer Verlagsprogramm wirklich mehr im Auge behalten. (Und jetzt hadere ich mit mir, ob ich mir das Teil noch einmal auf Deutsch anschaffen soll.) Aber okay, dann füge ich meiner Liste von Gestern noch Ellis' Adaption vom Sussex Vampire (https://www.tor.com/2011/12/23/a-vampire-in-middle-england-warren-ellis-sherlock/) hinzu.

Was ich in meinem letzten Post außerdem noch vergessen hatte, aber vielleicht den ein oder anderen hier interessieren könnte: Neil Gaiman bietet die eurem Album zugrundeliegende Kurzgeschichte kostenlos auf seiner Homepage an (https://www.neilgaiman.com/Cool_Stuff/Short_Stories) (natürlich auf Englisch).

JRN
21.05.2020, 17:59
Tribble :

Ja. Dass wir einen großen Teil unserer potenitiellen Kundschaft nicht erreichen würden [weil Englisch halt mehr Leute lesen können als Französisch oder Japanisch], war uns von Anfang an klar. Wir versuchen halt, die "Doppelkäufer" durch Aufmachung, Verarbeitung und andere kleine Gimmicks erst zu ködern und dann zu trösten [Eine Studie in Smaragdgrün ist zum Beispiel ein wenig größer als die Originalausgabe].

:D

Dass die Gaiman-Story sowohl im Original als auch in der deutschen Übersetzung im Netz frei nachzulesen ist, hatte ich, glaube ich, schon mal irgendwo erwähnt [vermutlich im alten Panini-Forum] - ich erinnere mich nur noch daran, dass ich davon abgeraten hatte, die deutsche Übersetzung zu lesen, weil sie ... nun, nicht besonders gut ist. Das gilt aber natürlich nicht für das brillante Original. Darum vielen Dank für den Link.

Mit 1000 Grüßen,
JRN

Comic_Republic
03.07.2020, 22:13
https://www.buchreport.de/news/autobiografisches-und-genre/

Die Studie wurde zu den 20. besten Comics gewählt

JRN
04.07.2020, 00:15
Comic_Republic :

Vielen Dank, dass Du den Link auch hier eingestellt hast ... hier passt er natürlich am besten hin ...

:D

Mit 1000 Grüßen,
JRN

God_W.
04.07.2020, 11:38
Kann ich nur bestätigen, ein fabelhafter Band! Muss unbedingt mal ein paar Zeilen zu schreiben. Jetzt feiern wir aber erstmal den Geburtstag meiner Frau.

God_W.
24.07.2020, 22:34
Eine Studie in Smaragdgrün

https://up.picr.de/39078429kg.jpg

Von dem weithin bekannten Neil Gaiman hab ich noch nicht wirklich viel gelesen und Rafael Albuquerque war mir bislang noch gänzlich unbekannt. Beides soll sich jetzt ändern. Mittlerweile hab ich damit begonnen einen Blick in Gaimans Opus Magnum, das Sandman Universum zu werfen und mit den American Vampires habe ich mir einen weiteren Vertigo-Klassiker besorgt, an dem Mr. Albuquerque fleißig mitgearbeitet hat. Hätte ich beides nicht sowieso schon vorgehabt, die Studie in Smaragdgrün hätte mich vermutlich davon überzeugt selbiges zu tun.

In der Welt von H. P. Lovecrafts Großen Alten meine ich mich ganz gut auszukennen und interessiert wie ich immer bin habe ich mir als vorbereitende Lektüre dann auch noch Arthur Conan Doyles erste Sherlock-Story Eine Studie in Scharlachrot zu Gemüte geführt, die kannte ich bislang höchstens in filmischer Adaption. So vorbereitet wagte ich mich an das vom Dantes Verlag in gewohnt schicker und wertiger Aufmachung gestaltete Hardcover.
https://up.picr.de/39078430tm.jpg
Gerade mal schlanke 92 Seiten, wovon 15 schon von Sketchbook, Kommentar und Glossar in Anspruch genommen werden bringt die Geschichte mit sich und dennoch schaffen es Gaiman und Albuquerque in solch vergleichsweise kleinem Umfang eine faszinierende Welt zu erschaffen, eine perfekte Symbiose zwischen Lovecraft und Conan Doyle, in der ich sooo gerne noch sooo viel mehr erleben möchte! Geboten wird hier aber erst einmal eine verzwickte kleine Kriminalgeschichte, die im ganz großen Stil mit der Erwartungshaltung des Lesers spielt und ja, ich gebe es zu, mir ging es da nicht anders als Mrs. Pillsworth im anhängenden Kommentar – die Herren haben mich astrein hinters Licht geführt und meine Gehirnwindungen einmal auf links gedreht. Fast vergessen, auch die wundervollen Kapiteleinleitenden Seiten, die eine ganze Flut allseits bekannter „Helden“ in neuem Licht erscheinen lassen sind ganz großes Kino, genau wie der gesamte Band!

9/10

Und bevor jemand fragt, nein, ich hatte noch keine Zeit das gleichnamige Brettspiel anzutesten, aber meine Gattin hat das Regelheft schon mal gelesen. :D
https://up.picr.de/38639632lt.jpg
VG, God_W.

JRN
24.07.2020, 23:09
God_W. :

Um hier den Schröpfer V. Tepes zu zitieren:
"Sie! Sie haben mit andern viel Zeit vertan?
Dann lassen sie endlich den Besten ran!"

In diesem Sinne:
Vielen Dank für die spoilerfreie Rezi. Freut mich einmal mehr, dass Du den Kauf und die Lektüre eines Dantes-Produkts offenbar nicht bereut hast.

:D

Mit 1000 Grüßen,
JRN

God_W.
24.07.2020, 23:45
Sehr richtig! Bislang habt Ihr mich noch nicht einmal enttäuscht und Dantes steigt mehr und mehr in meinem Verlagsranking auf! Viermal seid Ihr aktuell noch auf meinem Lese-K2 vertreten und eine Vorbestellung ist platziert. Gibt also noch weitere Chancen für Auf- oder Abstieg. :D

Kal-L
25.07.2020, 19:25
Du sprichts mir mit deiner Rezi aus dem Herzen God_W. zwar kenne ich mich nicht mit Werken von Lovecraft aus (Ich hab noch nichts von ihm gelesen, was sich vielleicht mal ändert) aber Conan Doyles Sherlock Holmes hab ich komplett gelesen. Weshalb der Band ein ganz besonderer Genuss war nicht nur wegen dem wunderbar düsteren Artwork.

Zardoz
19.08.2020, 22:47
Vielleicht ist es etwas unfair. Nach den gänzlich lieblos gestalteten „Northlanders“-„Deluxe“-Sammelbänden aus dem dem Panini-Verlag, deren editorischer Wert sich darin beschränkt, in einem Fall, die zusammengehörenden Einzelhefte erstmals vollständig hintereinander abgedruckt sowie Inhaltsangabe und sämtliche Titel der Erzählungen weggelassen zu haben, las ich die „Studie in Smaragdgrün“, was dazu beitrug, dass der Glanz dieser Ausgabe umso heller erstrahlte. Aber selbst mit einem Tag Abstand hat die Begeisterung nicht nachgelassen.


Neil Gaiman macht seinem Ruf alle Ehre. Ich hatte vor geraumer Zeit die „Studie in Scharlachrot“ von Arthur Conan Doyle gelesen. Die graphische Erzählung in der Adaption von Rafael Scavone knüpft daran an und spielt bewusst mit den Erwartungen des Lesers. Es gibt Hinweise, sogar deutliche. Einige habe ich gesehen, andere nicht. Letztendlich bin ich reingelegt worden. So ist das eben, wenn das Gehirn versucht, Dinge zusammenzufügen, die einfach nicht zusammenpassen. Chapeau, Mr. Gaiman! Angemerkt sei, dass Kenntnisse des Werkes von Lovecraft zwar nicht schaden und den Spaß vergrößern können, aber keineswegs erforderlich sind. An dieser Stelle erscheint es angezeigt, auf die hervorragende Arbeit des Verlages hinzuweisen. Am Ende des Bandes befindet sich ein umfassendes Glossar mit Erklärungen und Darstellungen der Zusammenhänge. Sehr informativ ist darüber hinaus der Kommentar von Anne M. Pillsworth, der kaum Fragen offen lässt. Das i-Tüpfelchen, was das Werk aus der Masse deutlich abhebt, stellt die Übersetzung dar. Es finden sich viele kleine Anmerkungen zu den mehrdeutigen englischen Worten, die Gaiman ganz bewusst einsetzt und für die es im Deutschen keine gleichwertige Entsprechung gibt. Dem unkundigen Leser, dem wie mir diese Feinheiten der Sprache ansonsten verborgen geblieben wären, erschließt sich damit eine neue Welt. Nochmals Chapeau, Herr Nielsen.


Das Artwork ist grandios. Selbst wer kein Fan von Rafa Albuquerque ist, wird schnell bemerken, dass ein kleines Meisterwerk vor ihm liegt. Die Zeichnungen tragen die unheimliche, dunkle Atmosphäre der Geschichte sowie das Bedrückende, die Schwere der „elisabethanischen“ Epoche und bringen sie erst richtig zur Geltung. Visuell ein Genuss. Gleiches gilt für die Kolorierung.


Nur eine Kleinigkeit hat mir nicht so gut gefallen. Ich habe zunächst überlegt, ob ich sie
Überhaupt erwähnen soll, mich dann aber doch dazu entschlossen, weil sie die Qualität des Werkes nicht schmälern kann. Es ist nur eine Petitesse, noch dazu stark subjektiv geprägt. Es geht um die „weiße“ Schrift des Glossars. Sie lässt sich vor dem gewählten, teilweise hellgrauen Hintergrund nicht besonders schön lesen. Das war es aber auch schon mit der Kritik.


Fazit:
Klare, eindeutige Leseempfehlung! Wenn alle Verlage und Mitarbeiter so engagiert und qualitativ hochwertig arbeiten würden, müsste man sich um die Zukunft der Comics keine Sorgen machen.

JRN
20.08.2020, 10:23
God_W. , Kal-L , Zardoz :

:thx: :thx: :thx:

Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll ...

Außer, dass wir an der Sache mit der Lesbarkeit arbeiten ...
Hier kann ich nur um Nachsicht mit Josch bitten, der als Autodidakt noch Erfahrungswerte sammelt. Nicht alles, was am Schirm gut lesbar ist, schmeichelt den Augen auch auf dem Papier.
Wir arbeiten daran.

Mit 1000 Grüßen,
JRN

Gagel
20.08.2020, 10:25
Fazit:
Klare, eindeutige Leseempfehlung! Wenn alle Verlage und Mitarbeiter so engagiert und qualitativ hochwertig arbeiten würden, müsste man sich um die Zukunft der Comics keine Sorgen machen.

Da sekundiere ich doch gerne!

JRN
24.08.2020, 11:58
Weiterhin:

:thx:

Josch hat in Erfurt verlauten lassen, dass sich Eine Studie in Smaragdgrün gerade der 90%-Abverkaufsmarke nähert [bei vierstelliger Auflage]!
Das ging [und geht] tatsächlich unerwartet schnell.
Da die Frage, ob es und wann und zu welchen Konditionen zu einer Neuauflage kommt, nicht allein von Josch entschieden wird, sollten diejenigen, die sich bereits sicher sind, das Teil "demnächst" erwerben zu wollen, jetzt vielleicht nicht mehr allzu lange warten ...

Mit 1000 erfreuten Grüßen,
der Übersetzer

God_W.
25.08.2020, 21:58
Glückwunsch! Bei den ganzen positiven Besprechungen, auch in der Presse, war das aber ja fast zu erwarten.

robert 3000
31.12.2020, 13:36
Der Band ist dermaßen voll mit Anspielungen das ich eigentlich voll überfordert war sobald ich zum denken begonnen habe.

Bis fast zum Schluss hin hab ich mich echt gut unterhalten gefühlt. Eigentlich sogar sehr, sehr gut. Die Zeichnungen sind toll.
Die Atmosphäre die aufgebaut wird ebenso. Auch die mMn sehr witzigen "Anzeigen" zu Beginn jedes Kapitels sind super witzig.

Knackpunkt war dann die Namensnennung des Doktors. Also des Mörders. Das kehrte dann eigentlich schlagartig alles gelesene irgendwie um.
Und obwohl eigentlich immer etwas vakant war in der Story hatte es mich dann doch überrascht und dann war eigentlich wieder alles klar.
Alles so wie es scheint, alles umgekehrt oder wie jetzt? - ungefähr so lässt mich dieser Comic zurück.
Und das auf eine angenehme Weise. Also nicht so, dass man es nicht verstanden hätte. Nur kann ich es nicht wirklich "greifen".

Tolle Story. Tolle Zeichnungen.
Super Leselektüre.
kann es nur jeden empfehlen

Es ist zwar unüblich, aber es ist mir dann doch irgendwie wichtig.

Ich habe den Band jetzt zum 2ten mal gelesen und durch das Wissen vom ersten Mal war die Story (natürlich) klarer und echt gut zum lesen.
(obwohl ich auch schon recht viel vergessen hatte - vor allem Kleinigkeiten)

Die Story ist echt extrem dicht aufgebaut. Durch die vielen Anspielungen und Verwendung von historischen Personen (fiktive und reale) erhält die Story etwas
historisches und reales.

Mir hat der Comic schon beim ersten mal sehr gut gefallen, aber beim zweiten Lesen war der Band noch besser, da sich dort dann (fast) alles erschlossen hat.

einzig
wer bitte ist denn dann der Major? - James Moriarty?

trotz dieser für mich bisher offenen Fragen
der Band ist echt spitze

10 von 10 Punkten

JRN
31.12.2020, 14:15
robert 3000 :

Der Major ist Sebastian Moran ... der, den Du am Beginn der Erzählung für Doktor Watson halten sollst, weil er den Ich-Erzähler gibt, weil er aus Afghanistan heimgekehrt ist und eine Verwundung mit sich herumschleppt.
Sebastian Moran wurde von Conan Doyle in "Das leere Haus" (https://de.wikipedia.org/wiki/Das_leere_Haus) ins Holmes-Universum eingeführt. [Alles Weitere zu ihm in dem verlinkten Wikipedia-Stichwort ... obwohl ich Dir zuraten würde, lieber die Kurzgeschichte zu lesen ...]

Mit 1000 Grüßen,
JRN

robert 3000
31.12.2020, 14:44
ah danke

und ich habe die Abkürzung am Brief für ein J.M und nicht für ein S.M gelesen.

JRN
02.01.2021, 17:23
robert 3000 :

Hey! Ich bin der, der gerade eine Sehschwäche hat!

:D :D :D

Mit 1000 Grüßen,
JRN

robert 3000
02.01.2021, 17:59
Das S ist aber echt auch gemein geschrieben. :D

JRN
11.03.2021, 10:04
Hier (https://comicgate.de/rezensionen/der-leuchtende-trapezoeder/) mal wieder ein Link zu einem Artikel, in dem kein Dantes-Titel erwähnt wird ...

... es geht aber um H.P. Lovecraft, dessen Werk ja auch von Gaiman in Eine Studie in Smaragdgrün interpretiert wird.
Zur von Florian Schwebel im Artikel gestellten Frage, warum Lovecraft gerade jetzt von so vielen Neuleserinnen und Neulesern entdeckt wird, habe ich zwei Thesen: zum einen, weil es mit dem Internet ein riesiges Tentakelmonster in unser aller Leben geschafft hat [und Erzählungen von Verschwörungen sowie die Furcht vor der Wiederkehr "dunkler Mächte", die uns in den Wahnsinn treiben wollen, damit eine reale Grundlage erhalten hat], zum anderen, weil "Rassismus" endlich als Thema verstanden wird, das uns alle betrifft [und nicht nur diejenigen, die sich für "Sklaverei als historisches Phänomen" oder Genozide interessieren].
Besonders zur zweiten These sagt Gaiman in dem für April bei uns angekündigten Nur wieder das Ende der Welt (https://www.dantes-verlag.de/gesamtprogramm/neil-gaiman-bibliothek/nur-wieder-das-ende-der-welt/#cc-m-product-11553510021), einem weiteren Titel, in dem er sich auf subtile Art mit Lovecrafts Weltsicht auseinandersetzt, auch noch etwas.

Damit dieser Beitrag jetzt nicht zu reiner Werbung verkommt:
Eigentlich wollte ich nur meiner Freude über einen intelligent geschriebenen und anregenden Essay Ausdruck verleihen ...

:top:

Mit 1000 Grüßen,
JRN

Borusse
11.03.2021, 12:18
Ob Lovecraft nach der von Suhrkamp schon vor Jahrzehnten vorgelegten Edition, worauf etliche Werke und der Autor mehrfach in diversen Feuilletons abgehandelt wurden, seitdem noch nerdig war, sei mal dahin gestellt.

Ansonsten ein gutes Essay, das stimmt. Ich habe aber eher als Rassismus diese Verachtung für eine Landbevölkerung in dünn besiedelten Gebieten wahrgenommen (alles Inzucht, grenzdebil usw.). Die Hauptfiguren sind vielfach Trottel. Solche die in Horrorfilmen natürlich in den dunklen Keller tappen.;)

JRN
11.03.2021, 15:45
Borusse :

Das stimmt. Aber die "naiven Horrortrottel" sind ja nun gerade nicht Lovecraft-spezifisch. Die finden sich auch bei Bierce, Poe und vielen ihrer Zeitgenossen ... und ihre weiblichen Gegenstücke in der britischen Schauerliteratur [all die reichen Erbinnen, die Mönchen, Vampiren und anderen Monstren zum Opfer fallen]. Doyles Sherlock Holmes war ja auch deswegen so besonders, weil darin zwar alle klassischen Elemente der Schauerliteratur vorkommen, ihnen aber mit wissenschaftlichen Methoden zu Leibe gerückt wird.

Und mit dem Motiv "Grenzdebile Landbevölkerung" erlaubt sich Gaiman in Nur wieder das Ende der Welt den einen oder anderen Spaß ...

:D

Mit 1000 Grüßen,
JRN