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Thema: Rezensionen & Besprechungen

  1. #201
    Marco Behringer bei Textem über Jeronimus Erster Teil – Ruhe vor dem Sturm von Jean-Denis Pendanx und Christophe Dabitch:

    [...]

    Mit dem mehrteiligen Historienepos rekonstruiert der Autor Christoph Dabitch zusammen mit dem Zeichner Jean-Denis Pendax eine der größten Miseren in der Historie der Schifffahrt. Im Oktober 1628 verlässt die „Batavia“, ein sogenanntes „Retourship“ der Vereinigten Ostindischen Compagnie den Amsterdamer Hafen, um eine Überseereise nach Java zu machen. Auf dieser Seereise erhält der Leser einen tiefen Einblick in die Alltagskultur von Seefahrern unterschiedlicher Klassen. Das oft – gerade im Comicbereich – glorifizierte Bild der Seefahrt wird dadurch von seinen Trugbildern entkleidet: Langeweile, Krankheiten, Schlägereien, Gefahren durch das Klima, wenige Momente der Ablenkung. So sieht die Schifffahrt bei Dabitch und Pendax aus.

    [...]

    Das alles erzählt Dabitch in einer ausgewogenen Mischung von knappem Erzähltext und Dialogen (Sprechblasen). In den belebteren Szenen hält er sich durchaus zurück und lässt Pendanx durch dessen Bilder erzählen. Ein besonderes Merkmal der narrativen Struktur ist außerdem, dass Dabitch des Öfteren eine selbstreflexive Distanz zur Erzählung aufbaut, indem er Zweifel einwirft, Wissenslücken durch Vermutungen angibt, den weiteren Verlauf der Erzählung durch Andeutungen vorwegnimmt und wissenswerte Zusatzinformationen in den Erzähltext einfügt. Das ist im Comic – auch bei Graphic Novels – selten.

    Dabitch bekommt mit Pendanx genau den richtigen Künstler zur Seite gestellt. Selten wie in „Jeronimus“ bekommt man eine derart perfektionierte und wohl geordnete Panelanordnung präsentiert: vor allem tief-breite, hoch-schmale und quadratähnliche Panels werden einer Komposition gleich musikalisch angeordnet und geben den richtigen Takt für die Erzählung vor. Dass Pendanx die gesamte Klaviatur der Comicsprache beherrscht, beweist er mit spielerischen Zooms, Schwenks, Schnitten sowie in Text-Bild-Scheren und Schuss-Gegenschuss-Einstellungen. Seine realistischen Zeichnungen veredelt er mit impressionistischen Farben, die er vielleicht mit Öl- oder Acrylfarben aufgetragen hat.

    Das ungewöhnliche Format ist überraschend handlich im Vergleich zu vielen anderen sperrigen Graphic Novels, und für knapp 19 Euro erhält man großzügige 80 Seiten Lesestoff. Etwas Zusatzmaterial über Autor und Zeichner oder ein Making-of, wie es sich bei anderen Verlagen etabliert hat, hätte allerdings auch dieser Graphic Novel nicht geschadet.
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  2. #202
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    Rezension zu "Djinn - Die Favoritin (Dufaux/Miralles); Band 1":

    http://www.leser-welt.de/index.php?o...tik&Itemid=148

  3. #203
    Benjamin Vogt bei Comicgate über Jeronimus Erster Teil – Ruhe vor dem Sturm von Jean-Denis Pendanx und Christophe Dabitch:

    Nach einer wahren Geschichte erzählen Christophe Dabitch und Jean-Denis Pendanx in einer mehrteiligen Saga von der Jungfernfahrt der Batavia, dem im frühen 17. Jahrhundert prächtigsten Schiff der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC). Von Beginn an lassen die beiden Kreativen hier keinen Zweifel darüber aufkommen, dass bei dieser Unternehmung etwas gehörig schiefgelaufen sein muss, doch der Leser bekommt erstmal nur Andeutungen geliefert. Dass die bereits reichen, um einen gebannt weiterblättern zu lassen, liegt an der äußerst bedrohlichen Atmosphäre, die hier nach und nach aufgebaut wird.

    So weiß man schon zu Anfang, dass die Batavia und ihre Besatzung ihr Ziel niemals erreichen werden und dass der sich an Bord befindliche Holländer Jeronimus Cornelisz einen negativen Wandel vollziehen wird. Von einer „furchtbaren Expedition“, einem „Menschenexperiment“ ist die Rede, Cornelisz selbst, so klingt an, werde schon bald zum Monster.

    [...]

    Jean-Denis Pendanx setzt diesen hervorragenden Comic in malerische Bilder um, die tatsächlich sehr an alte Gemälde erinnern und deswegen perfekt zu dieser Seefahrer-Story passen. Prägend für diesen ersten Teil von Jeronimus sind aber sicherlich nicht die zugegeben schönen Bilder, sondern die Off-Texte, die die Handlung begleiten und die voller Dramatik stecken. Schließlich skizzieren sie die sich bedächtig verändernde Persönlichkeit der Hauptfigur, die auf dem Schiff zum geschickten „Schauspieler“ mutiert, dafür jedoch gar nicht „prädestiniert“ schien. Allein die Wortwahl in der erzählerischen Stimme erzeugt mit ihrem Wissen über den Ausgang ein so mulmiges Gefühl beim Lesen, wie ich es selten bei einem Comic hatte. Grund genug also, sich diesen tollen ersten Band mal genauer anzusehen.

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  4. #204
    Heiner Lünstedt in der Sprechblase Nr. 216 über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Diese mehrfach prämierte französische Comicgeschichte beginnt 1942 an der Cote D´Azur, doch die dortigen Ereignisse bilden lediglich den Prolog. In “Unter dem Hakenkreuz“ erzählen Autor Jean-Pierre Beuriot (“Westminster“) und Zeichner Jean-Michel Beuriot davon, wie der junge Martin Mahner Anfang der Dreißiger Jahre in einer rheinischen Kleinstadt (als Vorlage für viele Gebäude diente allerdings Aachen) zwar von den immer stärker präsenten Nazis angeekelt ist, doch zugleich auch mit den ganz normalen Problemen eines Heranwachsenden konfrontiert wird. Neben Krach mit den stockkonservativen Eltern gehört natürlich auch reichlich Herzschmerz, der etwas an Seifenopern erinnert, dazu.

    Doch insgesamt schildert Beuriot sehr sensibel das Aufkommen des Nationalsozialismus und vermeidet allzu starke Schwarzweißmalerei, was sich vor allem in der differenzierten Charakterisierung von Martins Vater niederschlägt. Dieser ist zunächst glühender Hitler-Anhänger und todtraurig, als während einer Führerrede das (“minderwertige französische“) Radio den Geist aufgibt. Doch als schließlich zum Boykott jüdischer Geschäftsleute aufgerufen wird, geht ihm das deutlich zu weit. Doch um dabei nicht mitzumachen, reicht die Zivilcourage dann doch nicht aus, denn die Geister die Herr Mahner rief spuken nun in SA-Uniformen überall auf den Straßen herum. Einziges Manko des Bandes ist, dass die Geschichte gerade am spannendsten Punkt aufhört.

  5. #205
    Michael Nolden im Comicblog überInspektor Canardo 18 - Die Frau ohne Gesicht von Sokal:

    Canardo lässt es sich gut ergehen. Leben und leben lassen, so könnte sein Motto lauten. Deshalb kann er auch nicht nein sagen, als Galinka, eine Vertreterin des horizontalen Gewerbes ihn bittet, sie nach Hause zu fahren. Natürlich versucht sie beiläufig Canardo herumzubekommen, doch der Detektiv kann sich einen derart teuren Abendabschluss nicht leisten.

    [...]

    Sokal entwirft ein kleines, aber feines Ränkespiel wie auch Verwirrspiel um die Vorlieben des Thronfolgers von Belgamburg. Mit einer gewissen Süffisanz, den Canardo mit seinem Spötteln transportiert, schildert Autor und Zeichner Sokal das ziemlich unspektakuläre Leben bei Hofe, zeigt dem Leser ein Paar (wirklich nur zwei) auf der Lauer liegende Paparazzi und die Gespräche hinter den verschlossenen der (sehr kleinen) Macht.

    [...]

    Die Frau ohne Gesicht wird zum Bindeglied der einzelnen Bestandteile der Handlung. Keine Brücke, eher eine Kette, an der unterschiedliche Fraktionen aus unterschiedlichen Gründen zerren. Eine der besten Szenen findet sich in einer Begegnung zwischen der Herzogin und Galinkas ehemaligem Zuhälter. Der Mann vom Kiez wundert sich sehr, dass eine Herzogin in Sachen Unterweltsprache ebenso viel zu bieten hat wie er. Überhaupt hat Sokal mit der Herzogin einen Drachen erschaffen, der irgendwie an die eiserne Lady erinnert. In einer Verfilmung hätte man hier eine Anwärterin auf den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle.

    Durchgehend im bekannten Sokal-Stil gezeichnet, entführt die Frau ohne Gesicht den Leser in die Abgründe der Adelskreise und der niederen Politik. Gewohnt bissig, mit pechschwarzem Humor ausgestattet, bietet auch die 18. Folge von Inspektor Canardo beste Krimiunterhaltung.
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  6. #206
    Michael Nolden im Comicblog über Der Janitor 3 – Begegnung in Porto Cervo von François Boucq:

    [...]

    Nach den vergleichsweise rasant erzählten Ereignissen der beiden Vorläuferbände schaltet Yves Sente hier einen Gang zurück. Bruder Vince, ein Beschützer und Agent im Dienste des Vatikans (man könnte sagen, dass er zu einer Art Inneren Abteilung gehört) ist die Kernfigur. Er ist jung, charmant, gut aussehend, sportlich, mutig, den Frauen nicht abgeneigt, kurzum: Wie kommt solch ein Mensch in den Schoß der Kirche?

    Yves Sente nimmt den Leser mit in die Vergangenheit von Vince. Dieser erzählt einer an ihm (als Mann) nicht uninteressierten Journalistin, woher er kam und wie seine Verbindung zur Kirche entstanden ist. Diese Schilderungen, mit Unterbrechungen vorgetragen (und von Francois Boucq illustriert), sind mindestens ebenso spannend wie die Ereignisse in der Gegenwart. Kaltes Braun und Grau färbt die Erinnerungen und grenzt sie deutlich ab. Man könnte im Zusammenhang mit dem Aufbau der einzelnen grafischen Abschnitte von einem prachtvollen Bilderbogen sprechen.

    [...]

    Die Gesichter der auftretenden Figuren sind filmisch, sie wirken wie gecastet, wie es auf neudeutsch heißt. Jede noch so kleine Rolle wurde mit einem Charakterkopf besetzt. Hier wird nichts mal eben über den Kamm geschert. Die entsprechenden Blickwinkel und Perspektiven sorgen für optimales Kameragefühl. Boucq zeichnet mit höchstem Sinn für Realismus, gerade so, als seien die Handlungsorte recherchiert und in jedem Detail so existent. Bilder, wie auch die Geschichte selbst, strahlen eine leise Dramatik aus, eine Dramatik, die in einem Finale gipfelt, das man so nicht hätte erwarten können.

    Ein sehr guter dritter Teil der Reihe, der einerseits den bestehenden Handlungsstrang fortführt, andererseits auch eine Wende durch neue Hintergrundinformationen und neue Charaktere vorstellt. Sehr spannend, ohne die große Action-Keule zu schwingen. Ein Vorkenntnis der bisherigen Handlung ist erforderlich.
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  7. #207
    Matthias Hofmann bei Splashcomics über Jeronimus Erster Teil – Ruhe vor dem Sturm von Jean-Denis Pendanx und Christophe Dabitch:

    Story:
    Vorweg: Es ist eine wahre Geschichte, die hier als Grundlage dient. Die Handlung des ersten Bandes setzt ein im Juli 1629 und wird von der dritten Seite an rückblickend erzählt.

    [...]

    Meinung:
    Das deutsche Ruhe vor dem Sturm trifft den Inhalt der Geschichte fast besser als der französische Originaltitel, der so viel bedeutet wie „Ein neuer Mann“ oder „Ein neuer Mensch“. Gleich zu Beginn wird der Rahmen für die Handlung vorgegeben: Amsterdam war der größte Handelsplatz in Europa. In Holland wurden die Börse und der Kapitalismus erfunden. Das Land lebte in Wohlstand und Freiheit. Amsterdam galt als weltoffen und tolerant. Freigeister und Verfolgte aus aller Welt suchten hier Zuflucht. Die Batavia erreichte ihr Ziel Java nie. Der Name des Schiffs wurde zum Symbol für jene furchtbare Expedition zu der Inselgruppe vor Australien. Für das Menschenexperiment des Holländers Jeronimus Cornelisz, der zunächst so gar nicht für diese Rolle prädestiniert schien.

    [...]
    Die Zeichnungen von Pendanx setzen das Ambiente des 17. Jahrhunderts, sei es durch die authentische Kleidung, sei es die Darstellung der Häuser, gekonnt um. Das Setting wirkt gut recherchiert, was kein Wunder ist, wurde als Inspiration doch das meisterhafte Sachbuch Der Untergang der Batavia von Mike Dash herangezogen. Dash hat nicht nur die Tragödie um das Schiffsunglück und den Zerfall der gestrandeten Menschen zusammengefasst, sondern auch die Lebensbedingungen in den kontemporären Städten und Kolonien anhand von Tagebuchaufzeichnungen oder Archivunterlagen genau recherchiert.

    [...]

    Der erste Teil der auf drei Bände angelegten Geschichte von JERONIMUS hat Tiefenwirkung. Die Lektüre lässt den Leser eintauchen in die Geschichte einer tragischen Schiffsreise, von dem Hintergrund einer bahnbrechenden Epoche, dem Beginn des neuzeitlichen Kapitalismus des 17. Jahrhunderts. Das Schicksal des gescheiterten Apothekers Jeronimus bestimmt durchdringend die unheimliche Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Seite. Das Resultat ist ein packendes Leseerlebnis, dass noch lange Zeit nach Beendigung der Lektüre anhält.

    Schreiber & Leser hat diesen Band mit einem Graphic Novel-Aufkleber versehen. Ein Etikett, das ziemlich gut passt. Dieser Eindruck wird verstärkt durch das eher unübliche kleinere Format, so ein Zwischending zwischen Album und Buch (25 x 19,5 cm).

    Fazit:
    Eine tragische Geschichte aus der Seefahrer- und Kolonialzeit des 17. Jahrhunderts, die spannend aufbereitet ist. Die Wirkung der gemalten Zeichnungen und ihre impressionistische Colorierung entfaltet sich für viele spätestens beim zweiten Blick. Ruhe vor dem Sturm ist der bemerkenswerte Start einer Trilogie, die viele Leser verdient hat. Auch wenn die Geschichte in groben Zügen bekannt ist; nach 80 Seiten will man wissen, wie es weitergeht.
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  8. #208
    Jochen Garcke bei Comicradioshow über Jeronimus Erster Teil – Ruhe vor dem Sturm von Jean-Denis Pendanx und Christophe Dabitch:

    Wege ins Unglück

    Mit der Serie Jeronimus erscheint bei Schreiber & Leser ein für Comics eher ungewöhnliches Genre. Es handelt sich im Grunde um einen historischen Bericht über die Fahrt und den Schiffbruch des niederländischen Schiffes "Batavia". Autor Christophe Dabitch hat die historischen Quellen und die neueren Bücher zu den Geschehnissen in ein lesenswertes Szenario umgesetzt welches vom Zeichner Jean-Denis Pendanx mit malerischen Bildern, passend zu der damaligen Zeit, illustriert wurde.

    [...]

    Diese historischen Begebenheit ist äußerst bewegend, aber hat auch viel von einem spannenden Roman vor exotischer Kulisse. Das Besondere sind die bestürzenden Geschehnisse nach dem Schiffbruch vor der australischen Küste im Jahre 1629. Dort fängt der Comic auch mit einer erstmal unverständlichen Szene an. Auf diesen zwei Seiten, wie in der ganzen Geschichte, spielt Jeronimus Cornelisz eine wesentliche Rolle. Der Rückentext des Comics lautet nicht ohne Grund "Das mehrteilige Epos erzählt die wahre Begebenheit vom Unterkaufmann Jeronimus Cornelisz, dem gläubigen Bürger, der zum Monster wird."

    [...]

    Dargestellt wird dies von Pendax in realistischen Bildern, die durch ihre Farbgestaltung an Ölgemälde anlehnen und dadurch eine passende historisierende Wirkung haben.

    [...]

    Auf ähnlich hohen Niveau arbeitet der Szenarist Dabitch hier. Er nutzt zum einen direkte Dialoge, laut Mike Dash sind diese oft in historischen Dokumenten zu finden, bei denen sich Dabitch sicherlich auch bedient hat.

    [...]

    Ich bin dem Reiz dieser Reise ins Unglück schon länger erlegen. Aber ein solcher Bericht in Form eines Comic kann durch die graphische Umsetzung ein richtiges "Bild" der historischen Ereignisse liefern, was ein Buch alleine so nicht kann. Insbesondere wenn es eine so gelungene Kombination von Szenario und Zeichnungen ist.
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  9. #209
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Unter dem Hakenkreuz 2 – Ein Sommer in Paris” von Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    [...]

    Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot beschreiten mit "Unter dem Hakenkreuz" einen ganz eigenen Weg, diesen Teil der Historie aufzuarbeiten. Der zweite Teil von "Amoures Fragiles" - so der viel treffendere Originaltitel der Serie - beschäftigt sich mit dem Schicksal der Deutschen, die noch vor Ausbruch des zweiten Welkrieges nach Frankreich ausgewandert sind. Das diese Flucht durchaus auch Schattenseiten hatte, ist wohl vielen in der Form nicht bekannt gewesen.

    [...]

    "Unter dem Hakenkreuz" hat zu Recht verschiedene Auszeichnungen bekommen, man darf gespannt sein, ob diese Geschichte auch in Deutschland die ihr zustehende Würdigung erfährt.

    Fazit:
    Lehrreiche Geschichte, schön, romantisch und entsetzlich zugleich, vor allem wenn man die Historie kennt.
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  10. #210
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Die Weiße Tigerin 5 – Das Jahr des Phönix” von Didier Conrad und Wilbur:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Man nehme einen Haufen real existierender Personen, einen Mythos, der unwillkürlich an James Bond erinnert und paare das Ganze mit der hübschen, aber nicht weniger gefährlichen Agentin Alix Yin Fu. Das sollte schon fast reichen um zusammen mit Conrads Zeichenstil ein kurzweiliges Lesevergnügen zu ermöglichen.

    In "Das Jahr des Phönix" funktioniert das aber nicht so recht. Vielleicht fehlen einfach grundsätzliche Hintergründe der englischen Kolonialpolitik und der chinesischen Ränkespiele der damaligen Zeit, um das Ganze wirklich zu verstehen.

    Die eigentliche Geschichte ist simpel und ist mit Abstand der schwächste Band von "Die Weiße Tigerin". Daran können auch die laszive Erotik, die in nette Bilder verpackte Gewalt und der offensichtlich an Daniel Craig angelehnte skrupellose englische Agent nichts ändern.

    Fazit:
    Mit Abstand der bisher schwächste Band der Serie.
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  11. #211
    Jons Marek Schiemann bei Splashcomics über „Strain 5 – Vendetta” von Ryoichi Ikegami und Buronson:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Zu Beginn erinnert der Band mehr an eine Soap Opera als an einen Thriller und die Familiengeschichte kann auch nur jemand nachvollziehen, der die voran gegangenen Bände kennt.

    [...]

    Die dramaturgischen Höhepunkte kommen erstaunlich undramatisch daher. Vor allem die Versöhnungsszenen sind schwach. Überspitzt formuliert: "Ach, übrigens, entschuldige das ich dich töten wollte." "Schon gut, lass uns essen gehen." Das ist unglaubwürdig. Ebenso ein Mordopfer, das von Kugeln durchsiebt noch einen längeren Monolog anstimmt. Na ja, wer sonst keine Sorgen hat... Man kann den Eindruck bekommen, das die Autoren keine Zeit mehr hatten und möglichst schnell fertig werden wollten. Dadurch hat der Band viel verschenktes Potential.

    Zeichnerisch bietet der Band nichts besonderes. Die Zeichnungen sind solide, aber ohne spezielle kreative Ideen. Wer die "Crying Freeman" Bände von dem selben Zeichner Ryoichi Ikegami kennt, wird enttäuscht sein. Im Vergleich zu "Crying Freeman", der immerhin einige interessante Perspektiven bot, ist "Strain" sogar schwach.

    Fazit:
    Für den Abschlussband einer Actionserie erstaunlich undramatisch und enttäuschend.
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  12. #212
    Ralf Palandt bei Highlightzone über „Unter dem Hakenkreuz 2 – Ein Sommer in Paris” von Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot:

    Mit "Ein Sommer in Paris“ liegt der zweite Teil der Geschichte “Unter dem Hakenkreuz“ auf Deutsch vor. Im frankobelgischen Raum konnte die Comic-Serie von Anfang an die Kritiker überzeugen. Der erste Band wurde mit dem Prix du Jury oecuménique d´Angouleme 2002, dem Second lauréat au prix de la ville de Genève 2001 und dem Bédélys d´Or Montréal 2001 ausgezeichnet. Von den 10 geplanten Bänden sind in Frankreich bereits vier erschienen. Auch in Deutschland wurde der erste Band mit dem Titel “Der letzte Frühling“ sehr positiv aufgenommen (z.B. von Fritz Göttler in der SZ vom 23.06.2009: “Es ist die große französische Tradition der Comic-Erzählung, die hier gepflegt wird, …“). Daher waren die Erwartungen an die Fortsetzung natürlich sehr hoch.

    [...]

    Im Mittelpunkt der Erzählung stehen die zerbrechlichen Beziehungen der Menschen zueinander, allen voran die unerfüllte Liebe Martins zu Katharina. Daher drückt der französische Serien-Titel “Amours Fragiles“ besser den Kern der Geschichte aus, als der deutsche. Dabei gelingt es Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot in eher stillen als lauten Tönen ihre Figuren als vielfältige Persönlichkeiten mit feinen Nuancen und Gefühlen zu zeigen. Die Serie setzt sich wohltuend von vielen Vorgängern ab, die eher zur Schwarzweiß-Malerei neigen (vor allem bei den negativen Figuren, wie Nazis und Mitläufern).

    Doch auch der Serien-Titel “Unter dem Hakenkreuz“ hat seine Berechtigung. Autor und Zeichner verbinden die Liebesgeschichten mit der Zeitgeschichte des Dritten Reiches. Laut des deutschen Herausgebers Schreiber & Leser brauchten Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot über zehn Jahre für ihre Recherchen zu den ersten drei Bänden. Der Nationalsozialismus ist hier kein x-beliebiger Hintergrund einer billigen Effekthascherei. Die Beiden zeigen unaufdringlich, wie die Ereignisse in den Alltag der Protagonisten mehr oder weniger drastisch einfließen und von ihrem Leben zunehmend Besitz ergreifen. Die sensible Erzählweise und der Auftritt differenzierter Figuren vermitteln eine Ahnung, wie ein Leben damals vielleicht verlaufen ist.

    Erschreckend an “Ein Sommer in Paris“ ist die Aktualität des Gezeigten. Wenn Menschen durch Arbeitslosigkeit ihre Würde genommen wird, sie verbittern, und schließlich ihre Beziehungen zerbrechen, dann sind das Erfahrungen, die unzählige Arbeitslose seit Jahren wieder und wieder durchmachen müssen. Eine Politik, die mit Steuergeldern den Bankmanagern deren astronomisch-hohen Boni und weiterhin unverantwortliche Spekulationen ermöglicht, anstatt dem Volk zu Lohn und Brot zu verhelfen, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Inwieweit sind Menschen bereit ihre Überzeugungen und Werte zu verkaufen, um dem Elend zu entgehen? Die Frage, ob man, angesichts der Existenzbedrohung, für einen Staat zum Spitzel werden soll oder darf, stellte sich nicht nur in den 1930/40er Jahren, sondern wird auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch diskutiert.
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  13. #213
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Black OP 6” von Labiano und Desberg:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Zu viel darf man vom Inhalt eigentlich gar nicht verraten und das soll an dieser Stelle auch nicht geschehen. Desberg greift ein Kapitel der amerikanischen Geschichte heraus, das - wenn auch fiktiv - so oder in anderer Form absolut vorstellbar und nachvollziehbar ist.

    Neben einem durchaus nachvollziehbaren politischen Aspekt ist "Black Op" vor allem die ganz persönlichen Geschichte zweier vermeintlicher Jugendfreunde. Auch wenn man das Gefühl hat, Sergio Leone hätte das Drehbuch geschrieben - zu offensichtlich sind die erzählerischen Parallelen, in Rückblenden wird die Vergangenheit beleuchtet, unterschiedliche Zeitebenen versuchen aktuelle Geschehnisse zu erklären - gelingt es Desberg eine Geschichte glaubhaft zu erzählen, die ihres gleichen sucht.

    Hugues Labiano, der auch schon mit Serge Le Tendre, Daniel Jacquett(Rodolphe) und Jean Dufaux zusammengearbeitet hat, setzt Desbergs Szenario im klassischen Stil aufs Feinste um. Insgesamt also der schon fast erwartete finale Höhepunkt einer wirklich außergewöhnlichen Geschichte.

    Eine Empfehlung ohne Wenn und Aber.

    Fazit:
    Serio Leone sollte sich nach dieser Geschichte die Finger lecken.
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  14. #214
    Michael Nolden im Comicblog über „Die Weiße Tigerin 5 – Das Jahr des Phönix” von Didier Conrad und Wilbur:

    [...]

    Komödiantisch, aber alles andere als zum Lachen. Die vorliegende Episode einer Reihe, die bisher Humor, Action und Spannung gut in Einklang bringen konnte, setzt hier fast vollständig auf die ernsten Seiten des Geheimdienstgeschäfts. Der Auftakt zeigt sofort die Grundrichtung der Handlung auf. Diese Richtung wird nicht nur beibehalten, sondern geht steil bergauf. Mit der Flucht aus China müssen zugunsten ihrer Herrin eine Menge Tigerinnen ihr Leben lassen. An dieser wie auch vielen anderen Stellen ist keine Gelegenheit für Spaß. Ähnlich wie Daniel Craig einen Bond auf den Kopf stellte, sorgt Wilbur, der Ersatz für seinen Vorgänger Yann, für ungewohnten Wind. Im 4. Teil der Reihe war diese Wende zu mehr Realismus nicht so stark spürbar.

    Grafisch bleibt Didier Conrad der bisherigen Linie treu. Wo der Humor im Szenario fehlt, kann Conrad immer noch mit seinen Bildern punkten. Es mag für einen Leser ungewohnt sein, einen wirklich handfesten Thriller in dieser Form zu lesen, aber die Härte wird auf diese Art etwas unterdrückt. In einer realistischen Darstellung könnte die vorliegende Geschichte auf Augenhöhe mit Reihen wie Largo Winch mitspielen.

    [...]

    Tolle Spionagethrillerunterhaltung! Conrad und Wilbur schlagen eine noch härtere Gangart ein. Die Schule scheint für Alix Yin Fu endgültig vorüber zu sein. Wer ernsthafte Spannungsunterhaltung im Cartoon-Gewand mag, dem sei der 5. Teil der Reihe um die weiße Tigerin wärmstens ans Herz gelegt.
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  15. #215
    Frank Willmann bei Kalaschnikow über "Der Ausreisser" von Hideo Azuma:

    Berlin (Kalaschnikow) - Der Ausreißer ist mein erster Manga. Als klassischer Leser und Freund der Graphic Novel sind mir Mangas bisher nicht auf den Tisch gekommen. Das sollte sich nun mit dem Ausreißer ändern. Das Werk ist autobiografisch, es erzählt die Geschichte des erfolgreichen Mangazeichners (Mangaka) Hideo Azuma, der plötzlich und unerwartet seine Arbeit und seine Familie im Stich lässt. Er geht zum Zigaretten holen weg und lässt alles hinter sich liegen. Beeindruckend, verstörend, mutig.

    Er schlägt sich obdachlos und binnen kurzem auch als Alkoholiker, durchs Leben. Schlussendlich landet er auch noch in der Psychiatrie und nimmt den Weg der Schmerzen, um wieder ans Ende des Tunnels zu gelangen, um neuen Atem zu schöpfen. Das ist philosophisch, tief, und kommt glücklicherweise nicht ohne Witz daher.

    Das ist der eigentliche Wert des Buches. Auch im tiefsten Dreck wartet doch ein Witz, der es wert ist, gerissen zu werden.

    Die Geschichte bleibt ohne wirkliches Ende, das überlässt der kluge Mangaka seinem Leser. Ein feiner Schachzug, der uns mindestens 2 Alpträume schickt. Wo wir uns als ausgebeuteter Kapitalistenknecht beuteln lassen, oder im feuchten Wald mit anderen Pennern um die vollen Flaschen kampeln.

    Großer Lese-und Guck-Stoff- Manga, klasse Story, auch wenn die kleinen, fetten Comic-Figürchen anfangs für einen Nichtkenner gewöhnungsbedürftig sind.
    Originale Rezension

  16. #216
    Michael Nolden im Comicblog über „Largo Winch 13 – Der Preis des Geldes” von Philippe Francq und Jean van Hamme:

    [...]

    Jean van Hamme versteht es mit ungeheurer Präzision aus einer Sequenz, die auch einer Serie wie Dallas oder Denver Clan entsprungen sein könnte, einen dichten Thriller zu schaffen. Die Figur des Largo Winch ist jemand, der nicht alles weiß. Ausgestattet mit einem guten Herzen, einer kleinen Portion Naivität, großem Tatendrang und Mut, macht er sich daran, Rätsel zu lösen, die zunächst erst einmal weiter ausufern, bevor eine Lösung auch nur im Ansatz zu erkennen ist. Am allerwenigsten für Largo Winch.

    [...]

    Philippe Francq setzt die Handlungsvorgaben mit technischer Brillanz um. Dank Francqs Technik und Begabung sind nicht nur die Action-Szenen dicht geworden. Städte und Landschaften leben. Francq legt auf die kleinen Details wert, die es so selten in Comics zu sehen gibt. Simon und Freddy, Largos Freunde, verbringen den Abend trinken und erzählend zusammen. Der Leser sieht, wie sie sich auf dem Sofa vor dem Fernsehen lümmeln und Simon schließlich aufsteht. Der Blick auf diese Szene ist heimlich, als wäre der Leser still hinter ihnen im Raum. Es sind diese leisen Bilder, die den Leser heranziehen und auch einen Moment der Pause gönnen, bevor es rasante Verfolgungsjagden, Prügeleien und allerhand Überraschungen gibt.

    Francq zeichnet sehr fein, fragil (das hört sich noch zerbrechlicher als nur zerbrechlich an). Seine Figuren kommen mit wenigen Tuschestrichen aus. Gesichter sind häufig kantig, Frauen vielleicht etwas stereotyp, solange sie jünger sind. Francqs Kulissen sind großartig, seine Perspektiven mit dem Blick eines Kameramanns gewählt. Kurzum, die vorliegende Ausgabe ist wieder ein Beweis für den Erfolg der Reihe, der neben der von Van Hamme straff erzählten Handlung auch in den tollen Bildern von Francq zu finden ist.

    Ein ungewöhnlicher Auftakt wird zu einem ungewöhnlichen Thriller. Largo Winch ist wieder in Bestform. Innerhalb der USA gilt es, Intrigen und noch schlimmere kriminelle Machenschaften aufzuklären. Unvorhersehbar, voller packender Wendungen und mit tollen Bildern ist Der Preis des Geldes ein Top-Thriller.
    Komplette Rezension

  17. #217
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Largo Winch 13 – Der Preis des Geldes” von Philippe Francq und Jean van Hamme:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Feindliche Übernahmen, Werksschließungen, Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer, Globalisierung und Manipulation von Managern sind längst keine Fremdworte mehr und so wundert es auch nicht, dass Jean van Hamme den Großindustriellen Largo Winch mit den Folgen dieser scheinbar unvermeintlichen wirtschaftlichen Transaktionen konfrontiert. Durchaus glaubhaft - und im Laufe der Geschichte auch nachvollziehbar - wird der Selbstmord des Industriellen vor laufender Kamera inszeniert, vielleicht etwas unglaubhafter ist, dass ausgerechnet der Chef des Großunternehmens W jedes Mal in den Schlamassel rutscht. Aber das ist nun mal so und davon lebt "Largo Winch" letztendlich auch - und das, gar nicht schlecht.

    Neben dem offensichtlichen Wirtschaftskrimi läuft allerdings auch im Privatleben von Largo Winch nicht alles nach Maß. Das alles zusammen ergibt wieder einen "Largo Winch" der Extraklasse, wie immer gekonnt von Philippe Francq in bester franko-belgischer Comic Manier umgesetzt. Es bleibt einfach unverständlich, warum ein Comic, der in Frankreich ein wahrer Renner ist, hierzulande kaum wirklich wahrgenommen wird.

    Typischerweise ist auch der Film "Largo Winch - Tödliches Erbe", dessen Geschichte auf den ersten vier Bänden der Serie beruht, in Deutschland nur als Video erschienen - ganz zu Unrecht, denn der Film ist wie die Comic Serie wirklich deutlich mehr als Mittelmaß.

    Fazit:
    Sergio Leone sollte sich nach dieser Geschichte die Finger lecken.
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  18. #218
    Stefan Erlemann bei Media Mania über „Die Weiße Tigerin 5 – Das Jahr des Phönix” von Didier Conrad und Wilbur:

    [...]

    Das Jahr des Phönix“ ist das fünfte Album der Serie „Die Weiße Tigerin“. Grafisch umgesetzt werden sämtliche Abenteuer, die ebenso kunstvoll wie markant auf die laszive Heldin zugeschnitten sind, von Didier Conrad. Er vermag es von der ersten Seite an den Leser mehr als zufrieden zu stellen. Nicht nur die schöne Heldin, auch die Bösewichter gelingen ihm famos, kaum eine Seite, die nicht zumindest das männliche Publikum mehr als fesselt.
    Seine historisch korrekten Ansichten von Straßenfluchten, Automobilen, Häuserzeilen und Lasterhöhlen sind so detailreich wie prägnant und machen es dem Betrachter leicht, das Album in den höchsten Tönen zu loben.

    Ganz anders sieht die Sache leider auf der erzählerischen Ebene aus. Hatte man nach drei Bänden noch erschreckt innegehalten, weil der geniale Yann nicht mehr als Autor firmierte, sondern Wilbur, sah man sich im vierten Album eines Besseren belehrt: Der Wechsel war gelungen, Wilbur vermochte die Leser zu begeistern und Yann fast vergessen machen.
    Leider trifft dies für das fünfte Album ganz und gar nicht zu. Wo ist die Lockerheit, wo der Humor, wo die leichte Linie der Handlung? Wo die tiefsinnigen Anspielungen, der Feingeist der Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und Faschisten, der die ersten vier Alben zu etwas Einmaligem auf dem Comicmarkt gemacht hatte?
    Stattdessen gibt es Leichen ohne Ende. Gleich mehrere Dutzend junge Frauen, viele Agenten, Unschuldige und Schuldige, Gute und Böse – immer wieder tritt brutale Gewalt an die Stelle der eleganten Art, die Alix bevorzugte. Sie legte in den ersten Alben zwar auch Hand an, tötete aber nicht.
    Hier geht es nicht mehr um Alix, ihre „Jadeblüte“ oder ihren Werdegang, sondern um eine harte, brutale Auseinandersetzung zwischen sich hassenden Lagern. Nur Alix und ihre wunderbare Naivität sind dabei fehl am Platz. Folgerichtig spielt sie fast eine Nebenrolle, tritt zur Seite und macht Agenten und Kommunisten Platz. Leider.

    Das fünfte Album kann grafisch überzeugen, enttäuscht jedoch in erzählerischer Hinsicht. Wilbur trifft den Ton der ersten vier Alben nicht und versetzt den Leser in eine völlig neue, wenig amüsante Welt. Ob das der Reihe nachhaltig schadet, muss man abwarten, die Fans der schönen Alix Yin Fu jedenfalls kommen noch ganz gut weg, ist doch die Grafikpracht von „Das Jahr des Phönix“ über jede Kritik erhaben.
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  19. #219
    Anne Hahn bei Kalaschnikow über die Serie "Unter dem Hakenkreuz" von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Berlin (Kalaschnikow) - Sie haben zehn Jahre lang recherchiert, will man dem Verlag glauben, um die ersten drei Bände ihrer Comic-Reihe „Unter dem Hakenkreuz“ zu schaffen. Und geschaffen haben sie ein wahres Kunstwerk! Der Autor Philippe Richelle stellt in einer einfachen und doch sehr subtilen Geschichte einen ganz normalen Jugendlichen vor, einen jungen Mann, der gerade sein Abitur beendet, durch eine deutsche Stadt streunt und verliebt ist. Martin hat Herz und Augen an eine neue Nachbarin verloren, die dunkelhaarige Katharina, Tochter des Arztes Braun. Soweit, so normal – nur die Zeit ist es nicht, denn das Ganze spielt „Unter dem Hakenkreuz“.

    [...]

    Die Darsteller des Comics wirken authentisch, ihre Gefühle sind heutig, oder ewig menschlich. Auch 1932 fuhren Verliebte Riesenrad und lümmelten auf Wiesen herum. Nur dass heute keine SA-Männer vorbeischlendern, die den kleinen Hund deiner Angebeteten abstechen, weil sie bemerken, dass diese eine Jüdin ist. Allmählich kippt die Geschichte ins Böse – und das ist genial, denn der Leser fragt sich ständig, wie hätte ich mich verhalten. Wo ist die Grenze, wie weit geht das Verständnis? Martin und Katharina werden daran gehindert, ein Paar zu sein. Schon der erste Band des Comics endet dramatisch und so spannend, dass man sofort nach dem 2. Teil greift. Dieser setzt im Dezember 1938 in Paris ein. Martin lebt unter der Bohème, will eigentlich seine Doktorarbeit schreiben, wird aber zunehmend in die Kreise der deutschen Emigranten integriert. Henry, der arbeitslose Schauspieler und dessen Freundin Maria leben Martin das bittere Los der Deutschen im Exil vor. Und Katharina taucht wieder auf, die sich jetzt Cathérine nennt. Wie sie sich über Wasser hält, ob es mit Martin diesmal klappt und was aus den Pariser Freunden wird, sollte sich jeder selbst erschauen! Wir warten gespannt auf den dritten und alle weiteren der auf 10 Bände angelegten Serie und empfehlen: Pflichtlektüre für den Deutsch und Kunstunterrichtunterricht ab 9. Klasse! Danach Aufsätze schreiben und zeichnen - Text und Illustrationen gleichwertig behandeln!

    Prädikat: besonders wertvoll
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  20. #220
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Cosa Nostra II – Die Spieler” von David Chauvel und Erwan LeSaëc:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Comic meets Geschichtsunterricht. Chauvel und Le Saec rollen die Historie des organisierten Verbrechens auf ihre eigene Art und Weise auf. Sie setzen - im Gegensatz zu den eher verherrlichenden und teils romantisierenden Beschreibungen der Mafia wie man sie aus filmischen Epen wie "Es war einmal in Amerika", "Good Fellas", "Die Unbestechlichen" oder der "Pate" kennt - historischen Fakten in eine Folge einfacher und unspektakulärer Bilder im klassischen Stil um.

    Der Werdegang der Protagonisten, die Motivation für ihr Handeln und die daraus oft zwangsläufigen, unausweichlichen Folgen werden akribisch, detailliert und ungeschönt beschreiben und dokumentiert. Diese Geschichten erfordern eine ungehörige Aufmerksamkeit, zu viele unterschiedliche Charaktere greifen in die blutigen Auseinandersetzungen ein, so dass man immer wieder gezwungen ist, zurückzublättern und ganze Passagen erneut zu lesen.

    Der äußere Rahmen der Geschichte wird durch eine "neutrale" Aufzählung der Geschehnisse gebildet - ohne den man leicht die Übersicht verlieren könnte. Dieser äußere Rahmen - die historischen Fakten - werden durch eher prosaische Dialoge, die versuchen, die Handlungen zu erklären, ergänzt.

    Das Resultat ist ein durchaus glaubhafte "historische" Abhandlung des sich formierenden organisierten Verbrechens.

    Fazit:
    Comic und Geschichte treffen in lebendiger Form aufeinander und das in einem ansprechenden und handlichen Format
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  21. #221
    Michael Hüster bei Comic Radio Show über Jessica Blandy 1 – Enola Gay/ Dr. Zack / Garden of Evil von Renaud und Jean Dufaux:

    [...]
    Die drei ersten Alben der Serie, die in diesem Band vereint sind, schlugen damals im Original ein wie eine Bombe. Das lag zum einen an den recht freizügigen erotischen Darstellungen, die natürlich schon selbst einen gewissen Reiz entwickeln, und zum anderen an der kompromisslosen Darstellung von Gewalt. Und natürlich wird der Leser auch von der optisch sehr ansprechenden und geheimnisvollen weiblichen Hauptfigur Jessica Blandy in den Bann gezogen. Jessica überlässt den Männern nicht die Hauptrolle.

    Jean Dufaux hat packende Szenarios entworfen, in denen das typische Personal des Krimis und des Thrillers im Hintergrund agiert, damit der Auftritt der Heldin ins rechte Licht gerückt wird. Renaud setzte das Ganze in sehr ansprechend Zeichnungen um, die farblich und optisch irgendwo zwischen XIII und Largo Winch angesiedelt sind. Schöne Serie.

    Ich hätte mir jedoch lieber ein Album-Format gewünscht.
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  22. #222
    Dave Schläpfer bei Comic Check über „Ein Fall für Inspektor Canardo – Die Frau ohne Gesicht” von Benoît Sokal:

    Canardo sagt nicht nein, als ihn die kurvenreiche Prostituierte Galina darum bittet, sie nach einem anstrengenden Arbeitstag in der Horizontale nach Hause zu fahren. Und ausnahmsweise trifft den dauernd schlotenden und saufenden Detektiv-Erpel im zerknitterten Trenchcoat diesmal tatsächlich keine Schuld, als es dabei zu einer massiven Kollision mit einem Sportwagen kommt. Die beiden gerammt Wordenen kommen in einem Luxusspital im Kleinherzogtum Belgamburg wieder zu sich. Beim Unfallverursacher handelt es sich um keinen Geringeren als Kronprinz Norbert von Belgamburg, das schwarze Schaf der versnobten und auf ihre Weise ziemlich degenerierten Adelsfamilie, für die Bigotterie zum Tagesgeschäft gehört. Selbstredend, dass das Geschehene auf keinen Fall publik werden darf.. Doch dass sich der ewiggeile Norbert ausgerechnet in Galina – die eine Schönheitsoperation der besonderen Art erhält – verkuckt hat, vereinfacht die Dinge nicht unbedingt.

    Sokal ist mit «Die Frau ohne Gesicht» (Schreiber & Leser, zirka 24 Franken) ein ironischer Kommentar zum verkorksten Dynastienleben geglückt. Canardo kommt so kaputt wie eh und je daher – leider spielt der tollpatschige Ermittler mit dem meistens richtigen Gespür fast nur eine Nebenrolle und löst den «Fall» (sofern es überhaupt einen gibt) quasi zufällig. Insgesamt plätschert die Story wie auch schon beim 17. Band entschieden zu sehr dahin und das Konzept (Erwachsenenplot bei Funnygrafik) ist inzwischen viel zu routiniert, als dass an die Sprengkraft der früheren Abenteuer angeschlossen werden könnte. Trotzdem eine kurzweilige Lektüre. (scd)
    Originale Rezension

  23. #223
    Thomas Dräger in ZACK Nr. 130 über die Serie "Unter dem Hakenkreuz" von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Weil im Zack-Forum die Serie „Es war einmal in Frankreich“ so positive Bewertungen erzielt, hier ein Blick auf die im selben Umfeld angesiedelte Reihe „Unter dem Hakenkreuz“. Zwei Geschichten um Deutsche, Juden und Franzosen und zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen. Wo „Es war einmal in Frankreich“ eine dreckige Welt voller Gewalt zeigt, ist hier eine zarte und unglückliche Liebe das zentrale Thema. Beuriot und Richelle stellen dem actionlastigen Thriller im Zack ein detailliertes Zeit- und Sittengemälde gegenüber. Martin Mahner flüchtet vor einer unerwiderten Liebe zu einer Jüdin nach Frankreich, um in Paris vielleicht auch seine Doktorarbeit zu schreiben. Doch zwischen arbeitslosen Schauspielern, agitierenden Exilanten, senilen Professoren und opportunistischen Künstlern verfliegt die Zeit und als Frankreich 1939 die Deutschen im Stadion von Colombes interniert, kehrt Martin in den sicheren Schoß seiner Familie zurück und wird damit wieder ein Teil Nazi-Deutschlands. Ruhig, wohl nahe am echten Leben mit nicht nur bösen Nazis und verdammt viel Informationen zum damaligen Leben in den authentisch ausgestatteten Bildern. Das totale Gegenteil zu Tarantinos „Inglourious Basterds“, die wunderbare Verbindung einer anrührenden Geschichte und Milieustudie – Geschichte für die linke und die rechte Hirnhälfte.

    Für Fans differenzierter Erzählungen, die dem Leser das Urteilen überlässt.
    Geändert von Philipp Schreiber (31.03.2010 um 14:05 Uhr)

  24. #224
    Peter Hetzler bei Comickunst über „Die Sandkorntheorie” von François Schuiten und Benoît Peeters:

    [...]

    Die Sandkorntheorie ist ein neues Album aus dem Zyklus der Geheimnisvollen Städte. Sie thematisierten die Grenzen von Architektur und Stadtentwicklung, kafkaeske Bürokratien und – wie in diesem Album – surreale Erscheinungen des Alltagslebens. Technik und Mode in Schuitens Comics entsprechen der des ausgehenden 19. Jahrhunderts, was ihnen eine sehr eigene, viktorianische Atmosphäre verleiht. Das wirkt auf den ersten Blick etwas bieder und konservativ, und ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber der Appetit kommt beim Essen. Die Unverwechselbarkeit der Zeichnungen geht einher mit Geschichten, die die Engländer mit dem Idiom very sophisticated charakterisieren würden.

    [...]

    Für seine Fans hat mit diesem Album eine lange Wartezeit ein Ende. Allen, die ihn nicht kennen, gibt das Album Gelegenheit, einen Blick in das Werk eines Künstlers zu werfen, dessen Arbeiten mit keinen anderen in der Comicwelt vergleichbar sind. 2002 erhielt Schuiten in Angoulême den Großen Preis für sein Lebenswerk.
    Komplette Rezension

  25. #225
    Marco Behringer bei Textem über Jeronimus Zweiter Teil – Schiffbruch von Jean-Denis Pendanx und Christophe Dabitch:

    [...]

    Auch im zweiten Band verwendet Dabitch eine abwechslungsreiche Mischung aus Voice overs und knappen Dialogen und fügt selbstreflexive Gedanken in seine Erzählung ein – zum Beispiel Vermutungen über das Psychogramm des Anti-Helden. Während der erste Band als Einleitung und Vorspiel gewertet werden kann, ist der zweite Band ein einziges Spektakel, das von einer nervenzerreißenden Spannung begleitet wird. Die Psychologisierung des Protagonisten und die dargestellte Alltagskultur auf dem Schiff machen diesen Ausschnitt aus der Mikrohistorie für den Leser lebendig.

    Pendanx’ Zeichnungen werden wie im ersten Band mit impressionistischen Farben kombiniert, die nach Öl- oder Acrylfarben aussehen. Die dichte narrative Atmosphäre verknüpft sich mit den Bildern zu einem einheitlichen Ganzen.
    Der Cliffhanger am Ende schraubt die Spannung noch mal ganz nach oben. Auf die Fortsetzung kann man gespannt sein.
    Komplette Rezension

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