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Thema: Rezensionen & Besprechungen

  1. #176
    Stefan Erlemann bei Media Mania überDie Weiße Tigerin 3 - Die fünfte Glückseligkeit von Didier Conrad:

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    Der dritte Teil der Abenteuer von Alix, der hübschen Spionin Maos, überrascht. Es geht härter, grausamer und viel weniger witzig zu als in den ersten beiden Abenteuern. Zwar gibt es durchaus komische Momente, doch die Morde und Todesfälle, Folterungen und Grausamkeiten beherrschen deutlich das Bild.
    Auch in puncto Erotik geht es weniger albern und lustig zu, eher bedrohlich und vulgär. Wären nicht die wundervollen Zeichnungen, die herrlichen Ansichten von San Francisco, die rasanten Ereignisse, die den Leser schnell in ihren Bann ziehen, die Irritation schlüge auf die Bewertung nieder.

    [...]

    „Die fünfte Glückseligkeit“ ist ein spannendes Abenteuer. Mit gewohnt grandiosen Bildern überrascht Didier Conrad mit einer weniger witzigen, dafür aber ungemein spannenden Geschichte, die den Leser begeistert. Wer jedoch eine nahtlose Fortsetzung der Geschichte erwartet hat und den Stil von „Im Geheimdienst des Großen Steuermanns“ und „Seidenschlipse auf Pfirsichhaut“ nicht missen will, sollte vorsichtig sein mit dem dritten Teil, er ist ein ganz anderes, völlig neues, doch im Sinne der Ausbildung der Spionin Alix packendes, mitreißendes Abenteuer. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht, denn Teil vier und fünf sind in Frankreich bereits erschienen.
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  2. #177
    Thomas Kögel bei Comicgate über Bis in den Himmel von Jiro Taniguchi:


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    Jiro Taniguchi erzählt in seinem gewohnt ruhigen Stil eine verstörende Geschichte: Was wäre, wenn das Bewusstsein eines Menschen in Körper eines anderen Menschen wechseln würde? In Hollywood macht man aus solchen Fragen lustige Body-Switch-Komödien (wie z.B. aktuell mit 17 Again). Bei Taniguchi dagegen wird daraus ein sensibles Charakterdrama. Beinahe alle Beteiligten leiden unter der neuen Konstellation: die Eltern des jungen Takuya, die ihren eigenen Sohn nicht wiedererkennen, genauso wie Ehefrau und Tochter von Kazuhiro Kubota, die um ihren verstorbenen Mann und Vater trauern, als plötzlich dieser plötzlich vor ihrer Tür steht - allerdings in Gestalt des jungen Motorradfahrers Takuya.

    [...]

    Trotzdem ist Bis in den Himmel empfehlenswert, auch wenn es wohl nicht Taniguchis bestes Werk ist. Seine filigranen Schwarz-Weiß-Bilder sind wie immer ein Genuss und dank ihrer bodenständigen Charaktere ist die unwahrscheinliche Geschichte jederzeit glaubwürdig und nachvollziehbar. Shodoku (das Manga-Label von Schreiber & Leser) hat sich erstmals dazu entschlossen, die Seiten zu spiegeln, also nicht die originale japanische Leserichtung beizubehalten. Puristen werden das bemängeln, doch vielleicht kann es den ein oder anderen Leser zum Kauf bewegen, der sonst einen Bogen um Comics aus Asien macht.
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  3. #178
    Comickunst über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

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    Philippe Richelle erzählt hier vom Leben in einer deutschen Kleinstadt während des Faschismus – über Nazis und Kommunisten, Widerstandkämpfer und Mitläufer, scheinbar brave Bürger und politisch Verfolgte. Durch den Blick auf den Alltag der Menschen und die persönlichen Veränderungen, die die politischen begleiten, wird die Atmosphäre der damaligen Zeit gut nachfühlbar. Auch die Zeichnungen von Beuroit, dessen Stil an eine Mischung aus Juillard und Loustal erinnert, fangen die Atmosphäre der dreißiger Jahre gut ein.

    Der vorliegende erste Band ist auf den Comicfestivals von Angoulême, Montreal und Genf mit diversen Preisen ausgezeichnet worden. 10 Bände, sagen die Autoren, seien geplant. In Frankreich liegen bislang drei vor, der vierte erscheint demnächst. In Deutschland will Schreiber & Leser den zweiten Band im Oktober publizieren – er spielt in Paris. Und in Band 3 geht es um eine Frau, die wie Sophie Scholl mit illegal verteilten Flugblättern zum Widerstand aufruft.
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  4. #179
    Largo Winch Band 11 „Golden Gate” & Band 12 „Shadow” rezensiert bei Comic Radio Show.

  5. #180
    Christian Endres über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    [...]

    Französische Künstler beschreiben das deutsche Bürgertum und die deutsche Gesellschaft in den frühen 30ern - kann das gut gehen? Es kann, und es geht. Historische Stoffe egal welchen Mediums sind dann exzellent, wenn sie einem ein Gefühl für das Leben in der jeweiligen Zeit vermitteln, in der sie spielen – ein Gespür für die Art und Weise, wie die Menschen und ihre Umgebung ticken (bzw. getickt haben). Sehr schön auch, wie Philippe Richelle die kontinuierlich steigende Beliebtheit des Nationalsozialismus als ständiges Hintergrundrauschen mitlaufen lässt und so zunächst auf zwei Ebenen erzählt: auf einer politischen und sozialen, und auf einer persönlichen und fokussierten, wenn es um Martin und seine Freunde, sein Leben und seine Probleme geht. Nach Hitlers Machtübernahme kollidieren die beiden Ebenen – und die atmosphärische Story wird so spannend, dass man den zweiten Band gar nicht erwarten kann (in Frankreich sind bis dato vier Alben erschienen, der zweite deutsche Band ist für die Frankfurter Buchmesse im Herbst geplant).

    Bei Schreiber & Leser ist man „sehr überzeugt von der Serie“, wie Rossi Schreiber verrät. Deshalb hat man „Unter dem Hakenkreuz“ direkt ein großformatiges Hardcover-Album spendiert, in dem Jean-Michel Beuriots unaufdringliches, aber sehr gefälliges Artwork schön zur Geltung kommt.

    Ein toller Einstand für eine viel versprechende Serie.
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  6. #181
    Christian Meyer in Choices über „Inspektor Canardo 11 – Sterbenswörtchen” von Sokal:

    Seit den späten 70er Jahren gibt es den Bogart-mäßigen Inspektor Canardo, eine im Trenchcoat steckende lakonische Ente. Nach längerer Pause in den 90er Jahren hat dessen Schöpfer Sokal wieder einen soliden Jahresrhythmus und ist inzwischen bei 18 Alben – 17 gibt’s auf Deutsch – angelangt. Die bislang fehlende Nummer 11 „Sterbenswörtchen“ wurde gerade nachgereicht: Canardo soll einem Sterbenden das Versteck seines Schatzes entlocken, da stirbt er. Gut, dass Canardo gerade einen Prototyp einer Zeitmaschine testen soll. So kann er dem Nazigold im besetzten Frankreich nachspüren. Haarsträubende Story, wildes Gehopse in der Zeit, ein wenig mit der Brechstange, aber wie immer souverän mit morbidem Charme erzählt.

  7. #182
    Christian Meyer in der Septemberausgabe Choices über „Bis in den Himmel” von Jiro Taniguchi:

    Jiro Taniguchis Mangas sind eine Klasse für sich.
    Berührend und einfühlsam und in einem gescheiten, lebensnahen Sinn philosophisch erzählt - und dabei oft packend wie Thriller -, betrachten sie das Leben von seiner ernsten Seite und sind unaufdringlich getragen von einem Humanismus, der das Merkmal jeder wirklichen Kunst ist. Das gilt auch für den neuesten bei uns veröffentlichten Taniguchi: »Bis in den Himmel«.

    Am Anfang steht ein Unfall. Der junge Motorradfahrer Takuya Onodera wird auf nächtlicher Straße von einem Lieferwagen erfasst und bewusstlos ins Krankenhaus gebracht. Dort liegt er wochenlang im Koma, die Ärzte haben wenig Hoffnung. Aber dann geschieht ein Wunder: Takuya erwacht, die bereits verloren geglaubte Gehirntätigkeit kehrt zurück. Auch sein Gedächtnis belebt sich wieder, doch es gibt irritierende Rätsel auf. Denn im Körper des jungen Takuya erwacht nicht dessen Bewusstsein zu neuem Leben, sondern das des 42jährigen Lieferwagenfahrers Kazuhiro Kubota, der an den Folgen des Unfalls gestorben ist. Der Körper des einen, die komplette innere Persönlichkeit des anderen. Und lauter Konflikte. Weil die Welt den Körper Katuyas vor sich sieht, wird Kazuhiro zunächst in dessen Alltag und Familie gedrängt - und beginnt in einem ihm fremden Leben, sein eigenes infrage zu stellen. Was macht unsere Identität aus? Wer sind wir wirklich?

    Taniguchis Manga beginnt als eine spannungsvolle Reflektion über eine doppelte Identitätsirritation und mündet in ein hochemotionales Drama um die Frage nach dem richtigen Leben in einer Zeit, die ihren inneren Zusammenhang und ihre Werte verliert. Gewisse Ähnlichkeiten mit Motiven aus dem Film »Ghost« sind vorhanden, aber das ist ja nichts Schlechtes. Eine Lektüre mit Sogwirkung, phantastisch und bewegend.

  8. #183
    Julia Krause bei RoterDorn über „Bis in den Himmel” von Jiro Taniguchi:

    [...]

    Hier liegt eine sehr ernste, dabei aber auch spannende und ansprechende Geschichte vor. Das Grundthema ist sehr realistisch, also der Unfall, der Heilungsprozess und die Welt von heute. Ungewöhnlich ist dabei die Geschichte des ruhelosen Geistes, der noch etwas erledigen möchte, bevor er sich endgültig verabschiedet. Das wirft einige Probleme auf. Einmal ist da natürlich Takuya, der seinen Körper gerne alleine nutzen und in sein altes Leben zurückkehren möchte, sich aber verantwortlich fühlt und sich auch davor fürchtet, Kazuhiro zu verlieren, dem er inzwischen geistig nahe gekommen ist. Dann stehen alle Beteiligten vor dem großen Problem Kazuhiros Frau die Umstände zu erklären und vielleicht auch dessen kleiner Tochter, die ihnen sicherlich kein Wort glauben würden.
    Hinter diesem Hintergrund und dem Leben, das beide Männer vorher geführt haben, entwickelt sich langsam aber sicher die Geschichte, die einen bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Das kommt sicher auch von den gut gezeichneten Bildern, die sehr realistisch wirken. Hier wurde viel Wert auf Mimik und einen abwechslungsreichen Hintergrund gelegt, sodass man sehr viel an den Bildern ablesen kann. Das Ende ist rund und genauso, wie es sein musste, die Geschichte damit perfekt zu ihrem Abschluss gebracht worden.

    Alles in allem liegt hier ein ansprechender und ernster Manga vor, der durch ein aktuelles und dennoch berührendes Thema und gut gezeichnete Bilder zu überzeugen weiß. Dieser Band ist damit sehr zu empfehlen!
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  9. #184
    Joanna Lenc bei RoterDorn über „Liebe und andere Lügengeschichten” von Kiriko Nananan:

    Das Thema Liebe ist in vielen Mangas ein wichtiger Bestandteil. Besonders die weiblichen Leser mögen es sich in romantischen Geschichten zu verlieren, unabhängig davon, ob sie gleichgeschlechtlicher Natur sind oder nicht. Viele davon sind durch ihre direkte Art für Erwachsene geeignet und teilweise auch durch den Inhalt nichts für Kinder. „Liebe und andere Lügengeschichten“ gehört ebenfalls zu dieser Sparte.

    Ogasawara hat keinen Job und trotzdem viel Geld. Das kommt daher, weil er als Prostituierter arbeitet und sich älteren Frauen anbietet. Während des Geschlechtsakts schließt er seine Augen und stellt sich vor, dass er eigentlich mit einem jungen Mädchen, das er am Tag zuvor in der Stadt oder in einer Bar getroffen hat. Doch plötzlich öffnet er seine Augen. Ein großer Fehler, wie er bemerken muss, denn ihm kommt alles hoch und er muss sich auf der Toilette übergeben. Er kann nicht mehr aufhören an die Bilder zu denken, schafft es nicht sein Ekelgefühl beim Duschen fortzuschaffen und doch weiß er, dass er es wieder machen wird, denn das Geld ist sehr verlockend.
    Ähnlich ergeht es einem jungen Mädchen, dass ihr Geld auf die selbe Art und Weise verdient. Sie möchte ebenfalls nicht auf den Luxus verzichten und freut sich über ihre Kleidung und die Tatsache, dass sie eine Badewanne in der Wohnung hat und nicht nur eine Duschkabine. Nach einem Gespräch mit ihrer Freundin beginnt sie jedoch über Liebe und Zärtlichkeit nachzudenken und hört damit auch nicht auf, als sie bei ihrem nächstes Freier ist. An diesem Tag ist etwas anders, denn während der alte Mann schläft nimmt sie das Geld von ihm und verspricht sich nie mehr zu prostituieren.

    Solche und ähnliche Geschichten gibt es zu Hauf in diesem Manga. Sie haben alle einen ähnlichen Inhalt und vermitteln die selbe Botschaft: Liebe gibt es nicht, alles ist eine Lüge. Ob das eher dazu anregen soll die Lüge darin zu erkennen oder ob die Mangaka tatsächlich glauben machen will, dass Liebe doch nur eine Fassade ist, mag man nicht beurteilen. Leider fehlt dabei der Aspekt Gefühl gänzlich, denn die meisten Storys sind lustlos gestaltet, vermitteln kaum eine Regung von Gefühl, die auch nur annähernd etwas mit Liebe zu tun hat. Um Sex dreht sich dabei alles, aber es ist mehr abstoßend als erotisch und auch von den Zeichnungen her bekommt man bis auf eine nackte Brust nichts zu sehen. Zudem sind die Bilder so schlicht und frei von jeglichen Details, dass man schon nach spätestens zwei Geschichten nicht mehr weiter lesen möchte. Einen kleinen Einblick auf das, was den Leser im Inneren erwartet, bekommt man schon auf dem Deckblatt, detaillierter sind die Bilder nicht.

    Wer auf eiskalte Liebe ohne Gefühl mit käuflichem Sex und keinen Details steht, der mag mit dem Manga etwas anfangen können. Wer allerdings auch etwas Niveau in seinem Regal stehen haben möchte, der sollte von diesem Werk die Finger lassen
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    Geändert von Philipp Schreiber (11.09.2009 um 20:54 Uhr)

  10. #185
    Alexander Frank im titel magazin über „Liebe und andere Lügengeschichten” und Blue von Kiriko Nananan:

    [...]
    Zuerst sticht der reduzierte, aber sehr effektvolle Zeichenstil Nananans ins Auge, der viel Leere auf den weißen Seiten lässt und damit den mal schwungvollen, mal knittrigen Konturlinien Raum und den schwarzen Flächen Gewicht gibt. Da die Panels häufig Details von Gegenständen oder Ausschnitte von Gesichtern zeigen, wirken die Bilder manchmal ornamental abstrakt oder zeichenhaft. Ein typisches Element sind auch Panels, die nur Schrift auf weißem oder schwarzem Hintergrund enthalten. Im japanischen Original entsteht so wohl eine fließende Nähe zwischen Schriftzeichen und Bildzeichen.

    Gemüse statt Geschnulze

    Die beiden in der Reihe shodoku veröffentlichten Bände haben etwa den gleichen Umfang. Liebe und andere Lügengeschichten enthält 23 kurze, blue nur eine lange Erzählung. Alle Geschichten handeln von der Liebe oder ihrer Abwesenheit, von Anziehung und Anstoßung, von Hoffnung und Enttäuschung. Der Anspruch der Autorin ist dabei offensichtlich, Sentimentalitäten und Kitsch zu vermeiden und hinein ins wirkliche Leben zu greifen. In der Episode „Ein freier Tag – Teil 2“ führt sie vor, wovon sie sich absetzen will: Nach einer kurzen dramatischen Verwicklung halten sich die beiden Liebenden in den Armen und es regnet Blütenblätter vom Himmel – nach dem geschwungenen Band mit der Aufschrift „Ende“ wird dem Leser aber klar, dass dies nur der Comic im Comic war. Dessen Leserin klappt ihn voller Empörung über das biedere Geschnulze zu und macht sich im Kühlschrank auf die Suche nach einem länglichen Gemüse.
    [...]
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  11. #186
    Heiner Lünstedt bei Highlightzone über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    [...]

    Doch insgesamt schildert Beuriot sehr sensibel das Aufkommen des Nationalsozialismus und vermeidet allzu starke Schwarzweißmalerei, was sich vor allem in der differenzierten Charakterisierung von Martins Vater niederschlägt. Dieser ist zunächst glühender Hitler-Anhänger und todtraurig als während einer Führerrede das (“minderwertige französische“) Radio den Geist aufgibt. Doch als schließlich zum Boykott jüdischer Geschäftsleute aufgerufen wird, geht ihm das deutlich zu weit.

    Doch um dabei nicht mitzumachen, reicht die Zivilcourage dann doch nicht aus, denn die Geister die Herr Mahner rief spuken nun in SA-Uniformen überall auf den Straßen herum. Einziges Manko des Bandes, ist dass die Geschichte gerade am spannendsten Punkt aufhört.
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  12. #187
    Stefan Erlemann bei Media Mania überDie Weiße Tigerin 4 - Raubkatze auf dem Dach von Didier Conrad und Wilbur:

    [...]

    Didier Conrad und Sylvie Commenge - hier als Wilbur firmierend - haben alles richtig gemacht. Sie nutzen die historische Kulisse für wunderschöne Bilder, garnieren das Ganze mit grandiosen Charakteren, fiesen Dunkelmännern, skrupellosen Geschäftemachern, grausamen Agenten, geilen Briten und niederträchtigen kommunistischen Bonzen so gekonnt, dass man sich einfach nur wohl fühlte in dieser Agentengeschichte.

    In puncto Spannung ist dieses Abenteuer der beste Serienband der "Weißen Tigerin". Auch die historische Authentizität ist mit dem Kampf Tschiang Kai-shecks gegen Mao gut ausgewählt und geschickt verfremdet. Und wer will nicht Alix dabei zusehen, wie sie die erlauchten neunundneunzig Druckpunkte anwendet, um einen Mann gefügig zu machen - oder besser gesagt, um jeden Gegner in ein willenloses Häufchen Elend zu verwandeln. Allein die Tatsache, dass ein Gegenspieler des Formats eines Francis Flake (siehe Band eins und zwei) fehlt, enttäuscht ein wenig - aber dennoch, Teil vier ist besser als seine Vorgänger und erreicht fast Perfektion.
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  13. #188
    Michael Hüster bei Comic Radio Show überDie Weiße Tigerin 4 - Raubkatze auf dem Dach von Didier Conrad und Wilbur:

    Im vierten Band der Serie „Die Weiße Tigerin“ gibt es ein Wiedersehen mit Tigerin-Kämpferin und Agentin Alix Yin Fu. Erneut eilt sie von Auftrag zu Auftrag. Da sie diese in der Regel erfolgreich abschließt, haben ihre Gegner meistens nicht viel zu lachen. Allerdings ist die Agentin, die im Prinzip für zwei Auftraggeber unterwegs ist (für die geheimnisvolle unbekannte Tigerin Oberin von der Triade der Weißen Tigerinnen und für den kommunistischen Geheimdienst in Person ihres Leiters Kang Sheng) auch manchmal etwas widerspenstig und führt die Befehle nicht immer wunschgemäß aus. Das bringt einen gewissen Kang Sheng gelegentlich ziemlich auf die Palme …

    [...]

    Fazit: „Raubkatze auf dem Dach“ ist eine von Seite 1 bis 48 durchgehend interessante Geschichte. Die Autoren haben ein Maximum an Handlung und Personen in das Album gepackt. Die Story ist dadurch sehr vielschichtig, aber ohne die Auflistung der wichtigsten Personen vor Seite 1, hätte ich erheblich Mühe gehabt, die Figuren zuzuordnen und den Ablauf zu verstehen.

    Triaden, Bürgerkrieg, mächtige Politiker und Militärs, inländische und ausländische Agenten in verschiedenen Lagern, sexy Heldin, das alles ist sehr förderlich für eine gute Story. Aber: die starken Hintergründe wollen irgendwie nicht so richtig zu den Semifunny-Figuren passen.
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  14. #189
    Andreas Alt im titel magazin über Dick Herrison – der 7. Schrei von Didier Savard:

    [...]
    Ein Comicalbum zu zeichnen, kann Monate lange mühevolle Arbeit bedeuten. Gegenüber dem großen visuellen Medium, dem Film, hat der Künstler trotzdem einen klaren Vorteil: Er muss keine Drehorte suchen, keine Kulissen bauen und Requisiten besorgen, bei Außenaufnahmen nicht auf die richtigen Lichtverhältnisse warten. Das alles entsteht in seinem Kopf, wenn auch häufig mit Unterstützung von Fotodokumenten, und er braucht zur Umsetzung nur Papier und Bleistift. In seiner Serie Dick Herrison erweckt der Comiczeichner Didier Savard das Frankreich der frühen 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit großer Leidenschaft zum Leben: Es ist für ihn eine Welt, in der sich die allmählich bröckelnde Pracht alter Herrensitze mit Elementen des Art Deco und der industriellen Moderne mischt.

    [...]

    Die höchst kompliziert konstruierte, ziemlich altmodische Krimihandlung interessiert Savard freilich nur in zweiter Linie. Er zitiert nicht nur grafisch mit Hingabe, sondern auch bei seiner Story: Immer wieder stellt er Bezüge zu einem großen französischen Krimiautor her: Leo Malet – bis dahin, dass er einen der Expeditionsteilnehmer Leon Malhet tauft. Auch Malet ließ seine Bücher im Frankreich der 30er- und 40er-Jahre spielen, auch er hatte einen Hang zu verwickelten Plots. Damit ergibt sich implizit ein weiterer Bezug: Mehrere Romane Malets wurden von Jacques Tardi in Comics umgesetzt, einem Meister der Ligne Claire, der mit seiner Grafik ein noch eigenartigeres Zeitkolorit hervorzurufen versteht. Wobei man Savard bescheinigen kann, kein Tardi-Epigone zu sein – er teilt nur dessen ästhetische Vorlieben.

    [...]
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  15. #190
    Lars Wilhelm in der Animania 07/2009 über „Bis in den Himmel” von Jiro Taniguchi:

    Im April 2009 erschien bei Shodoku, dem Manga-Label von Schreiber & Leser, mit dem Einzelband Bis in den Himmel der nunmehr vierte Jiro-Taniguchi-Titel des Verlages – übrigens erstmals gespiegelt in westlicher Leserichtung nach Art der Taniguchi-Releases von Carlsen Manga. Der Meister der leisen Töne nimmt diesmal einen tragischen Verkehrsunfall zum Ausgangspunkt für eine weitere seiner psychologisch ausgefeilten Charakterstudien. Wie ein Wilder braust der Teenager Takuya Onodera auf seiner Honda Enduro durchs nächtliche Tokio. Seine Spritztour findet ein jähes Ende, als er mit seiner Maschine frontal in einen entgegenkommenden Lieferwagen rast.

    Sowohl Takuya als auch Kazuhiro Kubota, der Fahrer des Transporters, werden daraufhin schwerverletzt in die Notaufnahme eingeliefert. Dort erwacht der Junge nach einem über drei Wochen andauernden Überlebenskampf aus dem Koma. Allerdings erkennt er weder Familie noch Freunde wieder. Er besitzt nun sogar völlig andere Erinnerungen und hält sich für Kazuhiro, der in dem Moment verstarb, in dem er selbst erwachte ...

    Jiro Taniguchi erkundet in Bis in den Himmel Kazuhiros Seelenleben: Gefangen in Takuyas Körper versucht der Familienvater, sich in das private Umfeld seines „Gastgebers“ einzufinden und muss gleichzeitig an seine Frau und Tochter denken, die er zuletzt völlig vernachlässigt hatte. Während Takuyas Bewusstsein langsam wieder zurückkehrt, versucht Kazuhiro mit seiner Familie ins Reine zu kommen, solange ihm die Zeit dazu bleibt. Mit gewohnter Eindringlichkeit erzählt der Ausnahme-Manga-ka diese ungewöhnliche Geschichte in seinem realistischen, detailreichen Zeichenstil und liefert damit einmal mehr wunderschönen Lesestoff der anspruchsvolleren Art ab.

  16. #191
    Stephan Schunck bei Splashcomics überDie Weiße Tigerin 4 - Raubkatze auf dem Dach von Didier Conrad und Wilbur:


    [...]

    Meinung:
    Kurzweilige Geschichtsstunde gefällig? Historisch sicherlich nicht in jedem Fall belegbar, in Band vier von "Die Weiße Tigerin" auf jeden Fall mit realen Personen gewürzt, versucht Alix Yin Fu ihre Pflichten und Unberührtheit zu erfüllen beziehungsweise zu bewahren. Didier Conrad schreibt - mit Unterstützung von Sylvie Commenge - und zeichnet Spionagethriller mit unglaublicher Leichtigkeit und einem humoresken Augenzwinkern, dass der reale - gar nicht so lustige - geschichtliche Background seiner Story sehr weit in den Hintergrund rückt. Hatte man bei Band 3 "Die fünfte Glückseligkeit" das Gefühl, dass die bösartige Hintergründigkeit der früheren Geschichten etwas zu kurz kommt, findet Didier in der Zusammenarbeit mit Wilbur (Sylvie Commenge) zu alten Stärken zurück.

    "Raubkatze auf den Dach" knüpft in jeder Beziehung an die allerbesten Traditionen von "Helden ohne Skrupel" an und ist mehr als kurzweilige Unterhaltung.

    Fazit:
    Intelligente und witzige Unterhaltung im Stil der klassischen Funnies. Aber Achtung - hinter den niedlichen Gesichtern verbirgt sich knallharte, abwechslungsreiche - und sehr komische Action.
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  17. #192
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    [...]

    Meinung:
    [...]

    Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot beschreiten mit "Unter dem Hakenkreuz" einen ganz eigenen Weg, diesen Teil der Historie aufzuarbeiten. "Amoures Fragiles" - so der viel treffendere Originaltitel der Serie - beschäftigt sich im ersten Band damit, wie die Bevölkerung und vor allem die Jugend schleichend mit dem Bazillus des faschistischen Gedankenguts infiziert wird, lange einfach die Augen vor den entsetzlichen Schlussfolgerungen verschließt und sich zunehmend mit der "neuen" Situation abfindet und auch anfreundet. Oberflächlich die Geschichte einer unerfüllten Liebe ist "Unter dem Hakenkreuz" ein Apell, sich frühzeitig und ernsthaft mit der politischen Gesamtlage auseinanderzusetzen und nicht einfach die Augen zu verschließen.

    Wer hat nicht schon von Zeitzeugen gehört, man habe nichts gewußt, man habe das Ausmaß der Greueltaten nicht wahrgenommen. "Der letzte Frühling" zeigt auf, dass das eigentlich gar nicht möglich gewesen sein konnte. Richelle scheut sich nicht, auch heikle Themen anzupacken, "Westminster" (mit Delitte) ist ein gutes Beipiel dafür. Mit Beuriot hat er einen Vertreter klassischer Zeichenkunst an seiner Seite. "Unter dem Hakenkreuz" hat zu Recht verschiedene Auszeichnungen bekommen, man darf gespannt sein, ob diese Geschichte auch in Deutschland die ihr zustehende Würdigung erfährt.

    Fazit:
    Lehrreiche Geschichte, schön und entsetzlich zugleich, der man vielleicht einen anderen deutschen Titel gewünscht hätte.
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  18. #193
    Andreas Fisch bei Comicradioshow über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Dieser Band ist groß, nein, riesig. Selbst ein großformatiges Heft überragt er noch um 2 bzw. 2,5 cm. Damit hat man bei Beuriot & Richelles Auftakt der Reihe „Unter dem Hakenkreuz. Band 1: Der letzte Frühling“ einen wirklich eindrucksvollen Band aus dem Verlag Schreiber & Leser in Händen.
    [...]

    Die Charakterisierung der Figuren und Nebenfiguren bietet eine gelungene Auswahl der Stimmungen des Jahres 1932.
    Der von den Nazis überzeugte Vater etwa, der gute Juden und das Internationale Judentum unterscheidet, jedoch an den Drohgebärden der SA-Männer scheitert, dieser Überzeugung während der Juden-Boykotttage durch einen Einkauf zu folgen.
    So kommen unterschiedliche Motive, Naziparolen zu verbreiten ins Spiel: Angst, gesellschaftlich glänzen können, der Fokus auf einzelne Erfolge und hoffnungserweckende Reden der nationalsozialistischen Partei und die unheimliche Selbstverständlichkeit, unreflektiert mit dem Mainstream mitzuschwimmen.

    [...]
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  19. #194
    Valerie Ponell beim Hessischen Rundfunk Online über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    [...]

    Dokumentation eines schleichenden Wandels

    "Unter dem Hakenkreuz. Der letzte Frühling" ist der erste von geplanten zehn Bänden eines anspruchsvollen, nicht in erster Linie unterhaltenden, Erwachsenencomics. Er beginnt leise und bildet doch durch die Entwicklung seiner Charaktere intensive Stimmungen ab. So dokumentiert die Bildergeschichte den schleichenden Wandel, der sich in Deutschland wie Frankreich Anfang der Dreißiger Jahre vollzieht. Der Zeichenstil ist jedoch gewöhnungsbedürftig: Die Figuren wirken recht kantig und unemotional. Das mag einerseits für eine Liebesgeschichte als eher störend empfunden werden, andererseits passt es zum Konzept der Geschichte: Obwohl die Beziehung zwischen Martin und Katharina den roten Faden bildet, geht es doch wohl eher darum, den gesellschaftlichen und politischen Wandel im Dritten Reich aufzuzeigen. Das schaffen die Macher von "Unter dem Hakenkreuz" gekonnt und auf eine leise Weise, die das Grauen umso erschreckender abbildet.
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  20. #195
    Michael Klein im Stadtmagazin LIVE! (Saarland) über „Bis in den Himmel” von Jiro Taniguchi:

    Jiro Taniguchis Mangas sind eine Klasse für sich. Berührend und einfühlsam und in einem gescheiten, lebensnahen Sinn philosophisch erzählt - und dabei oft packend wie Thriller -, betrachten sie das Leben von seiner ernsten Seite und sind unaufdringlich getragen von einem Humanismus, der das Merkmal jeder wirklichen Kunst ist.

    Das gilt auch für den neuesten bei uns veröffentlichten Taniguchi: »Bis in den Himmel«. Am Anfang steht ein Unfall. Der junge Motorradfahrer Takuya Onodera wird auf nächtlicher Straße von einem Lieferwagen erfasst und bewusstlos ins Krankenhaus gebracht. Dort liegt er wochenlang im Koma, die Ärzte haben wenig Hoffnung. Aber dann geschieht ein Wunder: Takuya erwacht, die bereits verloren geglaubte Gehirntätigkeit kehrt zurück. Auch sein Gedächtnis belebt sich wieder, doch es gibt irritierende Rätsel auf. Denn im Körper des jungen Takuya erwacht nicht dessen Bewusstsein zu neuem Leben, sondern das des 42jährigen Lieferwagenfahrers Kazuhiro Kubota, der an den Folgen des Unfalls gestorben ist. Der Körper des einen, die komplette innere Persönlichkeit des anderen. Und lauter Konflikte.

    Weil die Welt den Körper Katuyas vor sich sieht, wird Kazuhiro zunächst in dessen Alltag und Familie gedrängt - und beginnt in einem ihm fremden Leben, sein eigenes infrage zu stellen. Was macht unsere Identität aus? Wer sind wir wirklich? Taniguchis Manga beginnt als eine spannungsvolle Reflektion über eine doppelte Identitätsirritation und mündet in ein hochemotionales Drama um die Frage nach dem richtigen Leben in einer Zeit, die ihren inneren Zusammenhang und ihre Werte verliert. Gewisse Ähnlichkeiten mit Motiven aus dem Film »Ghost« sind vorhanden, aber das ist ja nichts Schlechtes. Eine Lektüre mit Sogwirkung, phantastisch und bewegend.

  21. #196
    Jens Essmann im titel magazin über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Keine Stolpersteine, leider
    Eine neue Serie über das Leben im Deutschland der NS-Zeit, der trotz aller guten Ansätze leider schnell der Biss und die eigenen Ideen ausgehen.

    Mit Anlauf...

    Fast acht Jahre musste man auf die deutsche Übersetzung von Amours fragiles warten. Leider wird die Vorfreude schnell gehemmt, denn der Verlag Schreiber & Leser hat sich als Titel zu dem dreist reißerischen Unter dem Hakenkreuz hinreißen lassen, womit das zur französischen Überschrift (der Originaltitel bedeutete Zerbrechliche Lieben) spannungsvoll gestaltete Coverbild einen Großteil seiner Kraft einbüßt. Wenn im Original mit leichter Hand Bewegung zwischen den ängstlich suchenden Blick des Protagonisten im Vordergrund, den zerknautschten, in seine Richtung steuernden Nazi-Häschern und zwei ein- bzw. ausfahrenden Zügen gebracht wird, lastet hier der bleischwere Titel über der sich ansonsten erst langsam entfaltenden Dramatik der Szene.

    [...]

    ... auf Opas Sofa

    Überall lauert hier die Moral der Geschichte, und dass sie zumeist nur lauert, bleibt der Verdienst von Beuriot, dessen Nüchternheit im Strich zusammen mit der blass verträumten Kolorierung und klaren Kompostion den oft etwas hölzernen Charakteren hier und da einen Funken Ironie gönnt. Die durchgehend klassische Seitenaufteilung gepaart mit der deutlich am Film geschulten „Kameraführung“ und „Schnittfolge“ von Panel zu Panel schaffen die einem so seltsam bekannte Form von wohliger Nostalgie alter Kinostreifen, bei denen man sich trotz noch so schrecklicher Themen und Problemstellungen stets behaglich und sicher fühlt. Und diese Distanz – wie von einer mehrmals vererbten Couch aus – ist es auch, die die mit dem Holzhammer konzipierten Typen der Geschichte mal einfach und klobig, mal aber auch markant und augenzwinkernd schlicht wirken lässt. In jedem Fall wird die wachsende Gefahr sowohl für Martins Leben als auch für seine Liebe zu Katharina stets im gedämpften Ton des schon lange von anderen durchlebten Schreckens gefühlt. Alles befährt hier oft befahrene Straßen, routiniert und reibungslos. Und am (natürlich offen bleibenden) Ende seufzt es einem sanft entgegen: "Es ist ja nur ein Comic." Leider.
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  22. #197
    Christian Endres über „Unter dem Hakenkreuz 2 – Ein Sommer in Paris” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:


    [...]

    Auch im zweiten Album von »Unter dem Hakenkreuz« fängt Autor Philippe Richelle wieder gekonnt die Stimmung der Periode ein, in der »Ein Sommer in Paris« angesiedelt ist. Seinen Hauptcharakter Martin hat er dafür reifen lassen und in eine neue Umgebung und eine neue Clique verpflanzt – der Belastung durch seine Heimat auf der anderen Seite des Rheins entkommt Martin aber auch in Paris nie richtig. Genau genommen ergeben sich sogar nur noch neue Probleme für den jungen Deutschen. Und dann sind da außerdem nach wie vor die Frauen, die dem jungen Deutschen auch in der Stadt der Liebe und gegen Ende der Dreißiger Jahre starkes Kopfzerbrechen bereiten.

    Zu Richelles Auge für Stimmungen und menschliche Beziehungen kommt noch Jean-Michel Beuriots ruhiges, aufgeräumtes Artwork, das ebenfalls gehörig dazu beiträgt, das vielschichtige Porträt der Menschen und allgemein der Veränderungen in jenem Sommer 1939 in Paris einzufangen.

    Zusammen mit dem ersten Band wahrscheinlich die stimmungsvollste Albenveröffentlichung des Jahres.
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  23. #198
    Jan Fischer bei Librikon über „Bis in den Himmel” von Jiro Taniguchi:

    [...]

    Taniguchi erzählt langsam, ganz behutsam tastet er sich durch die Innenwelten seiner Protagonisten, nicht, als erlebten sie gerade eine mysteriöse Körpertauschgeschichte, eher so, als wäre seine Geschichte ein Autorenfilm. Dass zwei Geister irgendwie in einen Körper gezaubert wurden? Ist halt so. Damit hält er sich nicht weiter auf. Interessanter ist, wie die Witwe des Verstorbenen mit der Trauer klarkommt. Wie Takuyas Freundin und seine Eltern damit umgehen, dass im Körper ihres Sohnes und Freundes ein Vierzigjähriger zur Untermiete wohnt. Oder was genau eigentlich den Unfall verursacht hat. Denn eigentlich ist es das, worum die Protagonisten in „Bis in den Himmel“ die ganze Zeit rotieren: Den dunklen Punkt des Unfalls. Was ist passiert? Warum? Erst, als das geklärt sich, kann Kubota sich verabschieden.

    Taniguchi hat sich einen seltsamen stilistischen Hybriden gezüchtet: Seine Handlung, Bildführung und sein Personal hat er aus dem Manga, trotzdem stehen seinen präzisen, schattenlosen Linienwelten klar erkennbar in der belgofranzösischen Comictradion. Die Hintergründe sind gleichzeitig präzise und scheinen ständig im Nebel zu verschwinden, die Figuren, die er davor setzt, sind mit starkem Stift gezeichnet und stechen hervor, als wären sie das einzig Reale, das einzige, was sich nicht ständig verflüchtigt.

    Taniguchi ist einer der Mangaautoren, derjenigen Zeichner, die sich eine Namensnennung auf den Umschlägen ihrer Alben erkämpft haben und die sich in anderen, ernsteren Welten bewegen als Manga-Fastfood à la Dragon Ball, noch mehr: er ist einer der Mangaautoren, deren Alben zumindest teilweise auch in Europa, vor allem in Deutschland zu bekommen und einigermaßen erfolgreich sind und dank seiner europäischen Teile das Mangabild, das hierzulande immer noch herrscht – bunt, action, dumm – langsam, Stück für Stück umkrempeln.
    Komplette Rezension

  24. #199
    Michael Klein im Stadtmagazin LIVE! (Saarland) über „Unter dem Hakenkreuz 1 – Der letzte Frühling” von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Geschichte anschaulich erfahrbar zu machen, ist seit je das Anliegen des historischen Romans gewesen. »Unter dem Hakenkreuz« ist in diesem Sinn ein historischer Comic, und ein hochgelungener.

    Deutschland 1932/33, die unmittelbare Zeit vor und nach der Machtergreifung Hitlers. Der Gymnasiast Martin steht kurz vor dem Abitur, liest viel und träumt von einem anschließenden Germanistikstudium und vom Theater. Er ist verliebt in die hübsche Katharina, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt. Gelegentlich trifft er sie zufällig, aber Martin ist zu schüchtern, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Freilich kann er nur knapp seine Eifersucht verbergen, wenn er Katharina in Gesellschaft anderer junger Männer sieht.
    Ansonsten rasselt Martin wiederholt mit seinem Vater zusammen, weil der ein Anhänger Hitlers ist und sich von den Nazis in Krisenzeiten politische Ordnung und das Ende der Massenarbeitslosigkeit verspricht. Martins Vater triumphiert, als Präsident Hindenburg im Januar 1933 durch das Ermächtigungsgesetz Hitler die Macht in die Hände legt, den demokratischen Staat in eine Diktatur umzuwandeln.

    Binnen weniger Monate ändert sich die Atmosphäre im Land bis in alle Bereiche des Alltags. Einschüchterung, Nötigung, Gewalt, das Drangsalieren Andersdenkender greifen um sich und sind schließlich an der Tagesordnung. Wie Martin erfährt, ist Katharina Jüdin. Mit Entsetzen erlebt er, wie die Juden, gegen die sich Hitlers Rassenwahn richtet, zunehmend brutal schikaniert und ausgegrenzt werden, ebenso alle, die mit ihnen befreundet sind oder auch nur beruflich mit ihnen zu tun haben – und keinen Grund sehen, daran etwas zu ändern. Vor der Praxis von Katharinas Vater, der von Beruf Arzt ist, wird ein SS-Mann postiert, der alle Patienten am Betreten des Hauses hindert.
    Martins Vater, inzwischen selbst über Hitlers Rigorosität und Unterdrückung halb und halb erschrocken, zugleich aber opportunistisch und obrigkeitstreu, verbietet seinem Sohn jeglichen weiteren Kontakt zu Katharina. Martin, der Hitlers Politik verachtet und besser als sein Vater deren Konsequenzen durchschaut, steht vor einem schweren Konflikt. In dem zunehmend von Unterdrückung, Willkür und Angst beherrschten Land, in dem er jetzt lebt, ist die simple Freundschaft zu Katharina keine private Angelegenheit mehr; sie bedeutet, dass er sich entscheiden muss: vor der Gewalt der Nazis ein für allemal kuschen oder sich offen – unter Lebensgefahr - gegen das Regime stellen.

    Szenarist Philippe Richelle und Zeichner Jean-Michel Beuriot gelingt das Kunststück, eine veritable Geschichtslektion mit einer spannenden und graphisch ungemein geglückt umgesetzten Geschichte zu verbinden. Zeitkolorit und das Eingreifen des Staatsterrors in alle gesellschaftlichen Bereiche werden plastisch und präzise nachvollziehbar geschildert, die Figuren sind plausibel, lebenswahr und durchaus differenziert entwickelt, und der grundlegende Konflikt Martins, in den uns dieser Comic einführt, ist zeitlos und stellt seine Fragen an uns alle. Band 2 der Reihe ist bereits in Vorbereitung, und das ist eine gute Nachricht.

  25. #200
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Ein Fall für Inspektor Canardo – Die Frau ohne Gesicht” von Benoît Sokal:

    Story:
    [...]

    Meinung:

    Canardo ohne Liebesgeschichte - das kann nicht sein - und so ist es auch bei "Die Frau ohne Gesicht". Deutlich inspiriert von den den Traumhochzeiten archaischer Königsfamilien, versteht es Sokal, dem Glamour der Hochglanzgazetten zu entgehen und eine ganz eigene Version dieser märchenhaften Veranstaltungen zu präsentieren.

    Eine leicht angeschlagene Ente auf den Spuren von Humphrey Bogart und Robert Mitchum in deren bester Rolle als Detektiv Philip Marlowe in einem weiteren skurrilen Fall kann nicht zu einem Happy End führen - und alles andere wäre mehr als unerwartet. Sokal versteht es ganz einzigartig, seine tierischen Protagonisten durch ein melancholisches Drama zu führen, selbst zwischenzeitliche Highlights wie die herzogliche Traumhochzeit werden durch die pessimistischen Kommentare von Canardo ins rechte Licht gerückt.

    Und das dramatische Ende der Geschichte ist in dieser Form kaum vorhersehbar - außer man hat auch schon die anderen siebzehn Bände von "Ein Fall für Inspektor Canardo" gelesen - dann weiß man, dass Sokal für jede Überraschung gut ist.

    Fazit:
    Melodram und trotzdem ein tierisches Vergnügen.
    Komplette Rezension

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