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Thema: Rezensionen & Besprechungen

  1. #226
    Oliver Ristau in ver.di PUBLIK 04/2010 über die Serie "Unter dem Hakenkreuz" von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Deutschland, 1932: Der junge Martin steht vor dem Abitur und verliebt sich in die jüdische Nachbarstochter Katharina. Bald bekommen beide die politischen Auseinandersetzungen jener Zeit zu spüren, denn die sich ausbreitende nationalsozialistische Ideologie trifft nicht nur auf einen bei der Bevölkerung vorherrschenden Nationalstolz, sondern auch auf ausgeprägten Antisemitismus.

    Amours Fragiles, so der Originaltitel der französischen Comic- Reihe, handelt aber in erster Linie von zerbrechlichen Liebesbeziehungen. Blickt der erste Band noch mehr auf die politischen Aspekte, befasst sich der zweite Teil Ein Sommer in Paris, in dem Martin seiner Katharina nach Frankreich folgt, stärker mit den Beziehungen der Hauptfiguren.

    Ein dritter Teil dieser fein und anspruchsvoll gezeichneten Erzählung in dezenter Farbgebung ist bereits angekündigt.

  2. #227
    Matthias Hofmann bei Splashcomics über Jessica Blandy 1 – Enola Gay/ Dr. Zack / Garden of Evil von Renaud und Jean Dufaux:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Mit Jessica Blandy kehrt eine für Deutschland tot geglaubte Serie aus den 80er Jahren auf den Markt zurück. Ein einziger Band erschien 1992 bei Ehapa und dann war Schluss. Insgesamt 24 Alben dieser bemerkenswerten Serie sind jedoch in der Originalausgabe erschienen, die es lohnt zu entdecken. Zum Glück startet in Frankreich in diesem Jahr die Gesamtausgabe und so kommen zeitgleich mit den Franzosen auch die deutschen Comicfans in den Genuss der neuen Edition.

    Jessica Blandy versprüht eine starke Aura der Zeit, in der die Serie erschaffen wurde. Die Klamotten und Föhnfrisuren könnten so manchem aus TV-Serien wie Miami Vice bekannt vorkommen. Die Stories drehen sich um moderne Themen: korrupte Politiker, Serienmörder, Satansanbeter kommen ebenso vor, wie degenerierte Hinterwäldler oder durchtriebene Drahtzieher, die über Leichen gehen.

    [...]

    Aus heutiger Sicht wirken manche Szenen der vorliegenden Geschichten etwas arg klischeehaft, aber als die Serie auf den Markt kam, hatte sie die Funktion eines Eisbrechers. Renaud und Dufaux knacken Tabus und zeigen moderne Themen, die man bis dahin nur aus hard-boiled detective Romanen oder Filmen gekannt hatte. In den ersten Bänden ist Jessica noch nicht die ganz harte Frau, die sie später sein wird, zu sehr ist sie Spielball des Geschehens. Dennoch hat sie indirekt die Fäden in der Hand und spielt eine durchaus starke Frauenrolle, die den Leser fasziniert.

    [...]

    Fazit:
    Jessica Blandy ist wieder da. Das alte Ehapa-Album kann man getrost wegwerfen, denn die neue Serie hat alles, was eine mustergültige Gesamtausgabe ausmacht. Schön editiert mit einem Bonus-Artikel zur Serie, ist sie ein gelungener Beitrag für die nicht zu üppig vorkommende Spezies der realistischen Krimi-Comics. Die Heldin ist tough und sexy. Die Geschichten sind direkt, spannend und extrem unterhaltsam. Mehr davon!
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  3. #228
    Marco Behringer bei Splashcomics über Barbara Teil 1 (von 2) von Osamu Tezuka:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    [...]

    Der Auftakt von Tezukas surrealem Satire-Trip ist sicherlich autobiographisch geprägt. Denn der Protagonist ist ein dandyhafter und erfolgsverwöhnter Schriftsteller. Wie weit aber die neurotischen sexuellen Triebstörungen Mikuras autobiographisch geprägt sind, bleibt wohl ein Geheimnis. Faktisch erinnert die Thematisierung von sexuellen Abgründen an die Werke des Filmregisseurs Stanley Kubrick (Lolita, Uhrwerk Orange, Eyes Wide Shut).

    Tatsächlich ist die Geschichte sehr selbstreflexiv und selbstkritisch geschrieben. Tezuka erzählt seine vielschichtige Geschichte in einem flapsigen und satirischen Erzählton. Die Handlung lebt in erster Linie von der Spannung zwischen Mikura und Barbara, deren Entwicklung der Manga-Großmeister in einfühlsamen Charakterskizzen psychologisch nachgeht. Dabei schlüpfen die Protagonisten in unterschiedliche Rollen: Wer als jeweiliger Retter auf den Plan tritt, kann sich von Episode zu Episode ändern.

    [...]

    Barbara liest sich flüssig und leicht, ist amüsant und trotzdem noch lehrreich. Denn Tezuka streut Zitate aus der klassischen Literaturgeschichte in die Dialoge und verweist auf literarische (Puschkin) und kulturgeschichtliche (Mythologie des klassischen Altertums) Vorbilder. Sein dynamischer Strich passt hervorragend zum flapsigen Erzählstil und dem dynamischen Erzähltempo. Dass er aber jederzeit auch (sur)realistisch zeichnen kann, beweist Tezuka in einzelnen, herausragenden Panels. Seine schwarzweißen Zeichnungen pendeln zwischen reduzierten, cartoonhaftem und mangatypischem Kitsch (Figuren) sowie detailiertem Realismus (Hintergründe). Mikuras surreale Abenteuer visualisiert der Japaner teilweise durch verzerrte und verschwommene Darstellungen. Bemerkenswert sind auch die vielen auffallenden Ornamente und feinen Schraffuren.


    Fazit:
    Tezukas Barbara ist ein zeitloses Meisterwerk, das zu Recht das Label „Graphic Novel“ trägt. Das bohèmenhafte, surreale und satirische Beziehungschaos unterhält durch eine rasant erzählte und komplexe Story, schlagfertige Dialoge, gelungene Zeichnungen und ist keinesfalls nur eingefleischten Manga-Lesern zu empfehlen – im Gegenteil: Barbara ist (eher) an ein erwachsenes Publikum gerichtet.
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  4. #229
    Marcus Offermanns bei Splashcomics überDie Sandkorntheorie von François Schuiten und Benoît Peeters:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    [...]

    So verrückt wie sich die Story um die aus dem Nichts erscheinenden Steine und den sprudelnden Sand anhört, mit zunehmender Dauer zieht "Die Sandkorntheorie" den Leser immer mehr in seinen Sog. Zum einen weiß der Stil des Comics absolut zu überzeugen. Tolle Zeichnungen zeigen einen interessanten urbanen Ort. Im weiteren Verlauf der Geschichte lernt der Leser weitere Bereich dieser wunderbaren Parallelwelt kennen, die gleichsam fesselnd wirken, wie die Stadt Brüsel. Neben dem optischen Eindruck ist es die inhaltliche Ebene, die fasziniert. Rätselhafte Ereignisse, komische Typen und ein leichter Mystery-Touch wirken hervorragend zusammen. Spätestens wenn Mary ihre Arbeit aufnimmt und die Fremden aufspürt, kommt ordentlich Zug in die Story und die Spannung steuert auf den Höhepunkt zu.

    Zeichnerisch ist "Die Sandkorntheorie" nach einem ganz eigentümlichen Muster konzipiert. Auf grauem Papier gedruckt, bleiben die Bilder farblos. Die grau schwarzen Zeichnungen zeigen zudem nur wenig weiß. Dieses optische Stilmittel ist mit dem Inhalt verknüpft, denn nur der Sand und die Steine sind erscheinen strahlend weiß. Durch markante Strich-Zeichnungen erschaffen die Autoren beziehungsweise der Zeichner eine urbane, technisierte Welt, die den Stil des 19. und anfänglichen 20. Jahrhunderts nachempfunden ist. Die Technik sowie der Kleidungsstil wirken also "etwas in die Jahre gekommen" werden aber durch eine Vermischung mit futuristischen Bauwerken aus ihrem Kontext gerissen. So entsteht eine ganz eigentümliche utopische Welt, die ein wenig an die Stadtpanoramen aus Fritz Langs "Metropolis" erinnern. Die Architektur nimmt einen großen Platz im zeichnerischen Schaffen der Autoren ein, was sie in den einzelnen Geschichten ihrer Geheimnisvollen Städte" mehrmals zeigen. Jedem dem "Die Sandkorntheorie" gefällt, sein die anderen Werke des Zyklus empfohlen. Neben den ansprechenden und fantasievollen Inhalten sind vor allem die künstlerischen Zeichnungen hervorzuheben, die das Werk von Schuiten und Peeters ausmachen.

    Fazit:
    "Die Sandkorntheorie" ist voller Symbole und fantasievoller Inhalte. Die tollen Zeichnungen einer postmodernen Stadtlandschaft und die künstlerisch philosophische Geschichte über Gleichgewicht und Bestimmung ziehen den Leser schnell in ihren Bann und überzeugt durch eine sinnige Auflösung. Auch nach dem Lesen beschäftigt die "Sandkorntheorie" aufgrund seiner tiefgründigen Storyline.
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  5. #230
    Stephan Schunck bei Splashcomics über „Unter dem Hakenkreuz 3: Maria” von Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Spätestens seit die Anne-Frank-Stiftung mit "Die Suche" - einem Comic im Zeichenstil Hergés - versucht hat, die Verbrechen und Greul des Dritten Reichs einer jüngeren Generationen nahe zu bringen, hat sich diese Thematik auch in der Welt der bunten Bilder etabliert. Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot beschreiten mit "Unter dem Hakenkreuz" einen ganz eigenen Weg, diesen Teil der Historie aufzuarbeiten.

    Im dritten Teil beleuchten die beiden ein weiteres dunkles Kapitel des 2. Weltkrieges. 1943, der Krieg ist ganz offensichtlich verloren, der Widerstand im Volk wächst, gleichzeitig versucht das Naziregime, eine Atmosphäre des Misstrauens zu erzeugen. Jeder bespitzelt jeden, persönliche Animositäten führen zu Verleumdungen und Anklagen, die rücksichtslos und ohne Ansehen der Person zu Verurteilungen führen. In diesem Umfeld kann niemand mehr Nachbarn, guten Freunden oder Kollegen vertrauen, kleinste Hinweise führen zu Verhaftungen durch die Gestapo - und auch Maria bleibt nicht davon verschont.

    Richelle und Beuriot verstehen es, diese bedrückende Atmosphäre einzufangen und in eine spannende Rahmenhandlung einzubinden. Bedrückend ist auch die Offensichtlichkeit und Vorhersehbarkeit des Ausgangs der Geschichte, die ganz zwangsläufig in der Katastrophe endet.

    Fazit:
    Lehrreiche Geschichte, schön, irgendwie romantisch und entsetzlich zugleich.
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  6. #231
    Michael Hüster bei Comic Radio Show überLargo Winch 14: Im Namen des Dollar von Philippe Francq und Jean van Hamme:

    Es ist vollbracht. Die Serie Largo Winch liegt mit dem Erscheinen des 14. Albums „Im Namen des Dollar“ jetzt komplett bei Schreiber & Leser vor. Wenn zwar mittlerweile auch ziemlich politisch korrekt, so ist die Serie und ihr Held immer noch unvergleichlich gut. Die typischen Sexszenen gibt es im vorliegenden Album eher weniger, wenngleich die Autoren am Ende des Bandes dann doch nicht ganz darauf verzichten möchten. Aber natürlich geht es wieder, wie sollte es bei Largo auch anderes sein, um viele Dollars und kriminelle Betrugsszenarien.

    [...]

    Mit dem Zyklus „Der Preis des Geldes“ und „Im Namen des Dollar“ hat Jean van Hamme wieder eine starke Story aus dem knallharten Firmenbusiness präsentiert, die Zeichner Philippe Francq mit seinen dynamischen und klassischen Zeichnungen sowie seiner typischen farbenfrohen Kolorierung wieder sehr schön in Szene gesetzt hat.

    Largo Winch ist immer wieder spannend – kurzweilig – sehenswert!
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  7. #232
    Anne Hahn bei Weltexpress über „Unter dem Hakenkreuz 3: Maria” von Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot:

    Berlin (Weltexpress) - Der dritte Band ist da!! Ja, wir sind immer noch begeistert – und diesmal wurde gar geweint! Der dritte Band setzt wiederum 1943 im Südosten Frankreichs ein, Martin spielt Tennis und orakelt in Gartenlokalen über den Stand der Dinge, bis ihn eine Nachricht nach Deutschland ruft – sein Vater ist gestorben. Während er ohne große Trauer seinen Vater zu Grabe trägt, fragt sich Martin, was wohl aus Maria, der Gefährtin der Pariser Tage geworden ist ...

    Und an dieser Stelle, auf Seite 12, beginnt die unheilvolle Geschichte Marias, die mit ihrer kleinen Tochter Alicia bei einem Doktor in Rheinland-Pfalz untergekommen ist. Sie ist seine Privatsekretärin und schaut genau hin, was um sie herum passiert – Widerstand, Wegschauen oder Verrat und Denunziation sind die düsteren Geflechte unter dieser Diktatur, die keinen entkommen lassen. Wie sich Maria verhält, wie weit sie dabei geht und mit welchen Konsequenzen, soll hier nicht vorweggenommen werden – auch wenn wir für den Rest des Buches auf Martin verzichten müssen und bereits dem 4. Band entgegen harren – erschauen Sie sich diesen tragischen Seitenzweig der Geschichte selbst, der trauriger und dramatischer kaum sein kann! Was wird wohl bald folgen? Wir bangen und bleiben dran!
    Originale Rezension

  8. #233
    Dave Schläpfer bei Comic Check über die Serie "Unter dem Hakenkreuz" von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    [...]
    Mit der Serie «Unter dem Hakenkreuz» (Schreiber & Leser, Band 1 zirka 40 Franken, Band 2 zirka 34 Franken) ist Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot ein grosser Wurf gelungen. Mit einem angenehm unaufdringlichen Zeichenstil wird anhand der Biografie eines mittelmässig an Politik interessierten Jünglings, der im Grunde einfach sein Leben leben und glücklich werden will, aufgezeigt, wie Deutschland sukzessive auf die Katastrophe zusteuerte. Wie die Bevölkerung sich darauf einliess, wie mancher es ahnte, wie gewiss einige davor warnten, und wie man doch nichts dagegen unternahm, unternehmen wollte, unternehmen konnte. Der an den Anfang des ersten Bandes «Der letzte Frühling» gesetzte Prolog wirft einen Blick voraus ins Jahr 1943 und lässt erahnen, dass die Geschichte für den Protagonisten möglicherweise durchaus tragisch ausgehen könnte. Hier schliesst der dritte Band «Maria» an, dessen Erscheinen noch auf das Frühjahr 2010 anberaumt ist.

    «Unter dem Hakenkreuz» besticht vor allem durch seine komplex und keineswegs frei von Widersprüchen gestalteten Figuren sowie die differenzierte historische Betrachtungsweise: Auch wenn – und vielleicht gerade weil – der Autor Franzose ist, hält ihn das etwa im zweiten Band «Ein Sommer in Paris» keineswegs davon ab, auch mit dem braunen Gedankengut sympathisierende eigene Landsmänner auftreten zu lassen. Stark! (scd)
    Originale Rezension

  9. #234
    Marco Behringer bei Comicgate überDie Sandkorntheorie von François Schuiten und Benoît Peeters:

    Gewichtsverlust trotz opulenter Speisen? Aus dem Nichts auftauchende Steine, deren Gewicht (6793 Gramm) eine Primzahl ergeben? Sand, der sich in der Wohnung anhäuft und niemand weiß, warum? Das sind die mysteriösen Zutaten in Die Sandkorntheorie. Das Album gehört dem Zyklus Die Geheimnisvollen Städte an und setzt sich deshalb in utopisch-phantastischer Weise mit der Mode- und Kunstgeschichte genauso auseinander wie mit architektonischen, stadtgeographischen und technischen Themen. Die Altmeister des frankobelgischen Comics François Schuiten (Zeichnungen) und Benoît Peeters (Text) sind auf diesem Gebiet also bereits ein eingespieltes Team. Ihre neueste Arbeit kann aber auch unabhängig von den bisherigen Werken oder als Einstieg gelesen werden, da kein Vorwissen nötig ist.

    [...]

    Die Geschichte ist atmosphärisch sehr dicht und durch die verschiedenen Protagonisten komplex erzählt. Doch das Ganze wird nie unübersichtlich oder konfus. Bei der Lektüre denkt man schnell an die frühen Arbeiten von Enki Bilal/Pierre Christin (Die Stadt, die es nicht gab, Ehapa), nur unpolitischer, oder an Moebius (Die Hermetische Garage, Cross Cult), nur weniger bizarr und satirisch. Aber die größte Verwandtschaft dürfte wohl mit Daniel Hulets Trilogien Immondys und Extra Muros (beide Ehapa) vorliegen, weil auch Die Sandkorntheorie durch graustufige Charakterskizzen und trotz utopisch-fantastischer Elemente in Punkto Szenario einen realistischen Bezug aufweist - zum Beispiel ein Jugendstil-Haus.

    Überhaupt sorgen die detailverliebten und architektonisch exakten Zeichnungen für eine gewisse Bodenhaftung. Eine Innovation liegt grafisch darin begründet, dass die Bilder schwarz-grau und nur die fantastischen Elemente wie die Steine oder Sand in weiß gesetzt sind. Das sorgt für ein ganz neues Seherlebnis, wenn sich das strahlende Weiß gegen das Grau-Schwarz abhebt. Dass das Ganze auch mehr als bloßer Effekt ist, erklärt sich selbstredend dadurch, dass es sich bei den weißen Phänomenen um die fantastischen Turbulenzen handelt, die den "grauen Alltag" außer Kraft setzen.

    [...]

    Die Komplexitätstheorie geht davon aus, dass ein einzelnes Sandkorn eine ganze Lawine auslösen kann. Der Titel findet in der Geschichte dementsprechend eine Auflösung. Auch deshalb ist Die Sandkorntheorie als Meisterwerk einzustufen. Die spannend erzählte, verschachtelte Geschichte ist geist- und kenntnisreich. Sie wird aber auch durch phänomenale und handwerklich lupenreine Bilder ergänzt, die eine ganz eigene Welt erschaffen. Das ist unterhaltsame und ganz große Comickunst. Und nach rund zwei Jahren - und unzähligen Coverentwürfen später - liegt die deutsche Ausgabe nun auch bei Schreiber & Leser vor. Danke!
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  10. #235
    Marco Behringer bei suite101 über die Serie "Unter dem Hakenkreuz" von Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle:

    Über zehn Jahre brauchten der Autor Philippe Richelle und der Zeichner Jean-Michel Beuriot für ihre Recherchen zu den ersten drei Bänden von Unter dem Hakenkreuz, die bei Schreiber & Leser erschienen sind. In dieser ungewöhnlichen erzählten Serie richten zwei französische Künstler ihren Blick in der literarischen Tradition eines Klassikers wie Balzac oder Flaubert auf Nazi-Deutschland. Richelle ist hierzulande bereits durch seinen Polit-Thriller Westminster (Comicplus) bekannt.

    [...]

    Dichte Erzählung und multiperspektivische Sicht
    Richelle erzählt seine Geschichte in einer dichten Atmosphäre. Das Lebensgefühl dieser Epoche wird dadurch spürbar, indem er auf eine schwarzweiß-Charakterzeichnung seiner Figuren zugunsten einer nuancierten verzichtet. Natürlich wird es dem Leser schon einfach gemacht sich mit den Protagonisten zu identifizieren, die den Nationalsozialismus ablehnend gegenüber stehen. Martin beispielsweise wird NS-Offizier, obwohl er stets die Verherrlichung der NS-Ideologie seines Vaters abgelehnt hat. Auf diese Weise erzeugt der Autor ein authentisches Bild über diesen Zeitabschnitt.

    [...]

    Feiner Strich und helle Farben
    Beuriot, der in Deutschland noch unbekannt ist, überzeugt durch seinen grazil-feinen Strich: Jede Linie sitzt an seinem Platz. Die Zeichnungen wirken aufgrund der haudünnen Striche nie überfrachtet, obwohl sie eine Detailfülle aufweisen. Die außergewöhnlichen Zeichnungen werden durch eine herausragende Kolorierung ergänzt. Charakteristisch ist außerdem eine flächige, nur geringfügig nuancierte, Kolorierung von Scarlett Schmulkowski. Ein Mattes Orange, verschiedene, helle Braun- und Grüntöne dominieren und erzeugen die passende Stimmung zur Erzählung Richelles. Man merkt sowohl der Erzählung als auch dem Artwork an, dass ihre Urheber dafür über zehn Jahre recherchiert haben. Die ausdauernde Arbeit hat sich gelohnt.

    In jedem Panel werden die Stimmung und das Lebensgefühl aus dem Nationalsozialismus wach. Unter dem Hakenkreuz ist im Gegensatz zu belehrenden Titeln wie Die Entdeckung oder Die Suche kein didaktischer Schulcomic, sondern eine unterhaltsame Lektüre. Der Perspektivwechsel im dritten Band, von Martin zu Maria, sorgt dafür, dass die Spannung weiterhin aufrechterhalten bleibt. Auch die Hardcoverausgabe im Überformat mit den gelungenen Coverillustrationen von Denis Bodart erfreut den Comicliebhaber. Die Auftaktband wurde jedenfalls völlig zu Recht mit zahlreichen Preisen überhäuft.
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  11. #236
    Thomas Dräger in ZACK Nr. 132 über „Die Sandkorn Theorie” von François Schuiten und Benoît Peeters:

    Ein arabisch anmutender Hüne verunglückt in Brüssel und es ereignen sich unerklärliche Phänomene in dieser von traditioneller Architektur und Luftschiffen geprägten Metropole. Hier ein aus dem Nichts auftauchender Stein, dort Sand in einer Hochhauswohnung – es beginnt harmlos. Langsam entwickelt sich diese Geschichte, und die dezente Einfärbung mit nur zwei Farben unterstreicht das eigentümliche Flair dieses Comics. Mary von Rathen, eine junge Frau mit Geschichte, soll die Rätsel auflösen. Das Mysterium spielt in Altbauhäusern, futuristischen Palästen und verfallenen Baracken, dabei entgeht kaum ein Panel dem Hang des Zeichners zum Ornament. Auf den letzten Seiten nähert sich Mary ihrem Ziel und die Aussage eines ihrer Reisebegleiters „Jetzt beginnt die wahre Reise“ fasst das Gefühl der Geschichte gut zusammen: Sie ist im Fluss. Das der Schluss ein richtiges Ende bedeutet, hätte man bei dieser Geschichte nicht erwartet. „Die Sandkorn Theorie“ ist einer der Comics, über die man wenig schreiben möchte, da sie gelesen werden sollten.

    Für Fans von Mystery, die von Scully und Mulder nicht wissen kann.

  12. #237
    Stephan Schunck bei Splashcomics überLargo Winch 14: Im Namen des Dollar von Philippe Francq und Jean van Hamme:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Was will man mehr, auch er zweite Teil von "Der Preis des Geldes" ist wieder ein typischer "Largo Winch" - spannender Wirtschaftskrimi inklusive Mord gewürzt mit einer gehörigen Prise Erotik. Nachdem es im ersten Teil so aussah, als ob ihn alle seine Freunde verlassen hätten und er sich ohne sie in den Wirrungen dieses Falles hoffnungslos verstrickt hätte, kann Largo Winch jetzt wieder auf sein gesamtes Team zurückgreifen - und das ist gut so.

    In gewohnt souveräner Manier erzählt van Hamme auch diese Geschichte seines Protagonisten, sieht man mal einmal davon ab, dass es irgendwann ein wenig unglaublich wird, dass ein Mann wie Largo Winch ein ums andere Mal in derartige Verbrechen verwickelt wird. Nichts desto trotz, Francq und van Hamme gelingt es immer wieder die Geschichten um den jungen Milliadär nachvollziehbar, atmosphärisch dicht und äußerst spannend zu erzählen.

    Immer wieder ein Tip für alle diejenigen, die Abenteuer á la "Andy Morgan","IRS", "Bruno Brazil", und, und lieben. Ein lebendiger Klassiker.

    Fazit:
    Largo Winch - ein echter Klassiker
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  13. #238
    Annette Knebel bei Leser-Welt über „Die Sandkorn Theorie” von François Schuiten und Benoît Peeters:

    Die Grundidee der Handlung

    [...]

    Beurteilung der Zeichnung / Textdarstellung
    Die Zeichnungen sind hier in ihrem Rohzustand belassen worden, also ohne Kolorierung, was für einen heutigen Comic – sofern es sich nicht um eine Graphic Novel oder einen japanischen Manga handelt – doch eher untypisch und gewagt ist. Der Atmosphäre allerdings sind diese oft düsteren, mit viel Schwarz gehaltenen Bilder sehr zuträglich. Da die Seiten nicht weiß, sondern hellgrau eingefärbt sind, müsste man hier - um ganz genau zu sein - von einer schwarz-grauen statt schwarz-weißen Optik sprechen. Wortwörtliche Highlighter sind einzig die mit den unerklärbaren Phänomenen in Verbindung stehenden Personen und Gegenstände, welche mit schneeweißer, lackähnlicher Farbe aus dem einheitlichen Grau-Schwarz heraus leuchten.

    [...]

    Sehr gut gefiel mir, wie die beängstigende Stimmung durch das Autorenduo immer wieder mit wahrhaftig luftigen, zum Schmunzeln einladenden Szenen aufgelockert wird. Da kann es schon mal vorkommen, dass der hagere, intellektuelle Brillenträger Constant, der in seiner Wohnung mit gleichschweren Steinen zugepflastert wird, den in die Lüfte abhebenden Koch Maurice wortwörtlich an die Leine nimmt, während sie zusammen einen Ausflug über die Dächer von Brüsel unternehmen und dabei die altjüngferliche Elsa mit gleich zwei bärtigen Herren im Bett liegen sehen…

    [...]

    Aufmachung des Comics
    [...]


    Fazit
    "Die Sandkorntheorie" bietet einen ebenso eigentümlichen wie abenteuerlichen Mix aus nostalgisch-technisiertem Ambiente und orientalischer Mystik, als ob Jules Vernes Szenarien auf die aus "1001 Nacht" treffen würden. Die Handlung weiß durchaus zu fesseln, allerdings kann ich nicht leugnen, dass ich den Schluss sehr enttäuschend fand. Eine eventuelle Fortsetzung würde die unzureichende Auflösung erklären.
    Die nichtkolorierte, skizzenhafte Optik kommt für einen gängigen Comic zu eigenwillig und unkonventionell daher, um sie uneingeschränkt empfehlen zu können. Deshalb sollte man vor dem Kauf unbedingt einen Blick auf die Zeichnungen werfen. Dies kann entweder beim Comichändler geschehen oder auf der Verlagshomepage, wo sich eine 2-seitige Leseprobe und ein Trailer befinden.

    Meine Bewertung ist ein Mittelwert aus 3 Sternen für den Inhalt und 4 Sternen für die Zeichnungen.

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  14. #239
    Anita Lehmeier im SI Style Blog überCoronado von Jacques Loustal und Dennis Lehane:



    „Heute werde ich aus dem Gefängnis entlassen. Mein Vater holt mich ab in einem gestohlenen Buick Skylark. Im Handschuhfach hat er ein paar Gramm Koks und auf dem Rücksitz eine Hure namens Mandy”

    Was für ein Anfang!! Drei Sätze, und schon ist man mittendrin in der Action. Wer so zügig auf den Punkt kommt ist der Autor Dennis Lehane. Der 45-jährige Bostoner wurde bei uns bekannt, nachdem seine Krimis den Weg auf die Leinwand gefunden hatten. In "Mystic River" von Altmeister Clint Eastwood holte Sean Penn einen Oscar, in Martin Scorseses "Shutter Island" halten wir Leonardo DiCaprio für einen heissen Kandidaten für ein Goldmännchen, und in "Gone Baby Gone" spielte Casey Affleck unter der Regie seines Bruders Ben Affleck hinreissend.

    Den dunkelschwarzen Krimi CORONADO nun hat der Franzose Loustal, ein Weltklasse-Zeichner, kongenial illustriert. Loustal lässt die Figuren mit wenigen Strichen lebendig und plastisch werden, er beherrscht wie einst Hitchcock das Wechselspiel von Licht und Schatten und hat den Kniff mit Perspektive, Clos up und Totale drauf, dass man sich beim Lesen in einem Film fühlt. Typisch für Loustal: Amerikanische Strassenkreuzer, intime Interieur-Szenen und seltsames Getier, das sich stets irgendwo im Bild tummelt. Das knapp 100-seitige Comics-Kunststück in erstklassiger Druckqualität verdanken wir dem Verlag Schreiber & Leser. Ein Verlagshaus, das sich Freude der Comic-Kunst unbedingt merken müssen.
    Originale Rezension

  15. #240
    Daniel Wüllner bei Comicgate über Barbara Teil 1 (von 2) von Osamu Tezuka:

    Vor allem bekannt für seine Animationsfilme Astro Boy und Kimba, der weiße Löwe, erscheinen langsam aber sicher auch Osamu Tezukas Mangas auf dem deutschen Markt. Der Großmeister des japanischen Comics entwickelte neben den moralisch angehauchten Kindercomics auch den gekiga, den Manga für Erwachsene, ständig weiter und führte diese scheinbar entgegen gesetzten Welten immer näher aneinander heran. Nachdem mit Kirihito bei Carlsen Comics bereits ein Werk aus dieser Schaffensphase Tezukas übersetzt wurde, folgt nun der Schreiber und Leser Verlag mit Barbara, einer Geschichte, die meisterlich zwischen Ästhetik und Slapstick, zwischen Erotik und Literatur oszilliert.

    [...]

    Entstanden ist Barbara in einer kreativen Umbruchsphase (1973-74), in der sich Tezuka von den cartoonigen Zukunftsvisionen und utopischen Märchenwäldern löst, aber noch nicht ganz bei den Biografien (wie z.B. Adolf) und Dokumentationen seiner späten Phase angekommen ist. Die Figuren, die er Mitte der Siebziger Jahre erschaffen hat, sind fast ausschließlich gespaltene Persönlichkeiten, die das Böse, den Konflikt, in sich selbst tragen. Auch der Protagonist in Barbara, der Autor Yosuke Mikura, fällt in diese Kategorie. Obgleich die Frauen ihm wegen seinem Erfolg zu Füßen liegen, fühlt er sich nur vom Abnormalen angezogen.

    [...]

    Tezukas Meisterschaft im Erzählen fußt auf seiner Fähigkeit, unterschiedlichste Ansprüche zu bedienen, zu verbinden, ohne ihnen dabei ihre Wucht zu nehmen, ohne sie zu einem Erzählbrei verkommen zu lassen. So wird im ersten Band von Barbara fröhlich weiter mit Literaturzitaten um sich geschleudert, Alkohol in rauen Mengen konsumiert, perversen Fantasien hinterher gegeifert, und sehr viel geschrieben. All das findet immer nur einen Schritt vom Wahnsinn entfernt statt.
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  16. #241
    Christian Endres über „Unter dem Hakenkreuz 3: Maria” von Philippe Richelle und Jean-Michel Beuriot:


    Comics, die sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigen, gibt es viele – einer der derzeit besten Titel ist nach wie vor Unter dem Hakenkreuz von Szenarist Philippe Richelle und Zeichner Jean-Michel Beuriot. Bei Schreiber & Leser ist inzwischen das dritte großformatige Hardcover-Album dieser Ausnahmeserie erschienen. Hinter dem Band mit dem schlichten Titel Maria verbirgt sich wieder ein großartiger, vielschichtiger, historisch präziser und menschlich berührender Comic, der seine beiden schon hervorragenden Vorgänger noch einmal toppt.

    Wieder konzentrieren sich Richelle und Beuriot auf einen eher kleinen, privaten Ausschnitt des Themans, wenn sie den Blick in die deutsche Provinz wandern lassen, um zu zeigen, dass und wie selbst hier weit fernab der europäischen Metropolen der Schatten des Nazi-Regimes den Alltag der Menschen auf dem Land verdunkelt. Denn auch im Hinterland passt die Gestapo scharf auf, ist das Misstrauen der Menschen – früher ganz normale Freunde und Nachbarn wie überall – untereinander groß. Trotzdem haben einige Menschen den Mut zum Widerstand, egal wie gering er sein mag, egal wie wenig sie damit ausrichten können. Sie müssen und wollen einfach etwas tun – und handeln. Doch der Preis für Mut und Tatendrang ist groß, wenn man nicht mal dem Bürgermeister oder seinen langjährigen Kollegen oder Nachbarn trauen kann in diesen finsteren Zeiten …

    Richelle und Beuriot zeigen: Es müssen nicht immer gleich der Holocaust oder der Zweite Weltkrieg sein. Ihr Unter dem Hakenkreuz ist auch mit dem dritten schön aufgemachten deutschen Album wieder ein brillanter historischer Comic, der sich mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus beschäftigt. Richelle erzählt mit viel Gespür für den sensiblen Stoff und historische Stimmigkeit die Geschichte einfacher Menschen in dieser traurigen Ära, die Beuriot mit seinem feinen, fast grazilen Artwork gekonnt zu Papier bringt.

    Ein stimmiges, unbedingt empfehlenswertes Zeitzeugnis, das sich auch diesmal nicht scheut, die Bitterkeit und die Abgründe – und Gefahren – des einfachen Lebens zu Hochzeiten des Nationalsozialismus zu zeigen.
    Originale Rezension

  17. #242
    Annette Knebel bei Leser-Welt über Barbara Teil 1 (von 2) von Osamu Tezuka:

    Die Grundidee der Handlung

    [...]

    Beurteilung der Zeichnung / Textdarstellung
    Was Walt Disney für den Comic, bedeutete der 1989 verstorbene Osamu Tezuka für den Manga – ein Urgestein der Branche. Mit mehr als 700 Titeln begründete er in Japan den Begriff des modernen, anspruchsvollen Manga für Erwachsene, wie wir ihn heute kennen. „Barbara“ entstand 1973. Nach eigenen Worten wurde Tezuka durch Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ zu diesem Werk inspiriert. Die Optik in „Barbara“ ähnelt allerdings mehr einer herkömmlichen, schwarz-weiß gezeichneten Graphic Novel als dem, was wir uns gemeinhin unter einem Manga vorstellen, zumal die Zeichnungen in dieser Ausgabe komplett gespiegelt sind, um sie unseren Lesegewohnheiten anzupassen. Osamu Tezukas Strichführung ist kraftvoll, dynamisch, variantenreich und sehr ausdrucksstark.

    Seinen Figuren verpasst er überwiegend ein westliches Äußeres, wobei sein Hauptprotagonist Mikura mit buschigen Augenbrauen, markanten Gesichtszügen, krummer, langer Nase, schwarzer Sonnenbrille und Zigarette im Mund den Inbegriff des intellektuellen, elitären Schriftstellers darstellt. Wenn Mikura dem Leser seine verborgene, „abartige sexuelle Triebstruktur“ gesteht, wuchern im Hintergrund haarige, eklige Pflanzenranken, während sein Gesicht schwarz überschattet ist und die Pupillen geweitet und starr ins Leere blicken (Seite 10).
    Barbara mit spitzem Stupsnäschen, einem wilden, wuscheligen Pagenschnitt, hautengen, vor Schmutz starrenden Stretchhosen, die ihre langen Beine und makellosen Rundungen vorteilhaft unterstreichen, ist optisch genauso super getroffen, um ihren frechen, nachlässigen, sexuell aufreizenden Charakter hervorzuheben.
    Besondere Gedanken machte sich Osamu Tezuka über das Aussehen von Barbaras Mutter. Da diese Metapher für die griechische Göttin Mnemosyne ist, hat er ihre Gestalt genauso rund und wallend wie die berühmte „Venus von Willendorf“ – eine der ältesten Darstellungen einer Frau – wiedergegeben.

    Die irren bzw. wirren Geschehnisse spiegeln sich zumeist in einem verzerrten, schiefen Strich oder in karikierten Darstellungsformen wider; so bestehen die Köpfe der umstehenden, schnatternden Menschenmasse bei einer Preisverleihung beispielsweise nur noch aus übergroßen Mündern (Seite 25). Als weitere Ausdrucksform bedient sich der Mangaka der Panels, die – je haarsträubender und turbulenter die Handlung – langgezogen wie ein Negativ-Filmstreifen sein können oder auch von mosaikförmiger Zusammensetzung (Seite 130).

    [...]

    Aufmachung des Manga
    [...]


    Fazit
    In „Barbara“ schließen sich Anspruch und Unterhaltung zum Glück nicht gegenseitig aus. Wer eine Vorliebe für durchgeknallte, groteske oder skurrile Plots hat, ist hier goldrichtig. Eine Beziehungsgeschichte im eigentlichen Sinne – wie der Klappentext vermuten lässt – darf man jedoch nicht erwarten. Zu meinem Leidwesen wurde der Manga komplett gespiegelt, um ihn unseren Lesegepflogenheiten anzugleichen, ansonsten ist seine Aufmachung aber hervorragend und lässt keine Wünsche offen.
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  18. #243
    Marco Behringer bei Splashcomics überSun Village von Inio Asano:

    Story:
    [...]

    Meinung:
    Liebhaber von Gekiga – anspruchsvollen Erwachsenenmangas – haben in Inio Asano einen talentierten Autor gefunden. Nach dem großen internationalen Erfolg von What a Wonderful World!, (Egmont Manga) bestehend aus lose zusammenhängenden Stories, legt Inio Asano nun mit Sun Village eine abgeschlossene Geschichte vor.

    [...]

    Der junge Autor konnte schon im Alter von 20 Jahren auf ein erstaunlich reifes Werk zurückblicken. Den hier vorliegenden Gekiga Hikari no machi – deutsch Sun Village – veröffentlichte er im Alter von 23 Jahren. Asano erzählt von emotionaler Härte und sozialer Kälte, von lebensüberdrüssigen Teenagern und gescheiterten Eltern. Doch das ganze wird nie zu einer kulturpessimistischen Depression, weil er stets das Ganze mit Humor und Augenzwinkern verbindet und ein einzigartiges Einfühlungsvermögen beweist, das man bei einem so jungen Künstler nicht erwartet. Trotz dessen Beteuerung, dass alle Figuren frei erfunden seien, wirkt der Erzählton doch sehr selbstreflexiv und es würde nicht verwundern, wenn ein kleiner Teil der Geschichte autobiografisch geprägt wäre.

    Wer lediglich düstere Psychodramen oder Gewaltorgien erwartet, wird deswegen enttäuscht. Denn die Geschichten sind in einem gelassenen, oft heiteren Ton erzählt, der eine angenehme Distanz zu dem Geschehen aufbaut.

    [...]

    Auch die Zeichnungen sind überdurchschnittlich gut. Asanos Strich sorgt für realistische Zeichnungen, die die dichte Stimmung der Erzählung passend bebildert. Detailreiche Straßeneinstellungen vermitteln ein spürbares Gefühl für Sun Village und seine skurrilen und merkwürdigen Bewohner. Im Gegensatz zu vielen anderen Mangas wirkt auch die Ästhetik sehr reif – ohne den üblichen Kitsch und die übertriebene Darstellungsweise.


    Fazit:
    Mit Sun Village ist Asano ein philosophisches Kaleidoskop gelungen, das heiter erzählt und mit Bravour gezeichnet vor allem ein heranwachsendes und erwachsenes Publikum anspricht. Da reift ein virtuoses Erzähltalent heran, so dass auch Manga-ferne Leser ausnahmsweise zumindest einen Blick in das Buch werfen sollten. Für Gekiga-Fans ist das Buch ohnehin Pflichtlektüre.
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  19. #244
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    Christian Schlüter in der Frankfurter Rundschau über die Packard Gang:

    http://www.fr-online.de/in_und_ausla...Film-Noir.html

  20. #245

  21. #246
    Michael Hüster bei ComicRadioShow über I.R.$. 12 – Im Namen des Präsidenten von Desberg und Vrancken:

    [...]

    Für europäische Verhältnisse ist es sicher ungewohnt, dass ein Mitarbeiter einer Finanzbehörde wie ein Geheimagent agiert und nicht selten von seiner Schusswaffe Gebrauch macht. Aber gerade dieses Szenario ist das Besondere an der Serie, die stilistisch an erfolgreiche Serien wie XIII und Largo Winch angelehnt ist.



    Doch am Ende dieses IR$-Zyklusses geht es nicht mehr um Steuererklärungen: Die Geister der Vergangenheit lassen Larry B. Max nicht los. Mehr als zehn Jahre ist es her, dass sein Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam - und nun war es angeblich Mord. Um Licht in das Dunkel der Vergangenheit zu bringen, braucht Larry B. Max die Hilfe des LAPD in Gestalt von Inspektorin Trina Cash.

    [...].

    Aber auch sonst ist dieser 12. Band ein Band der finalen Abrechnungen, und so springen diverse wichtige Mitwirkende über die Klinge, darunter auch Larrys ehemals große Liebe Gloria alias Kate Absynth …

    Das von Stephen Desberg geschriebene Szenario ist sehr spannend und das Album ist handwerklich sauber von Bernard Vrancken gezeichnet, zudem schön koloriert! IR$ ist eine durchaus empfehlenswerte Serie! Schöne Frauen und die Welt der Superreichen sorgen für viel Glamour und auch der Sex kommt nicht zu kurz.
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  22. #247
    Michael Nolden im Comic Blog über Die Weiße Tigerin 6 – Die Mikado-Strategie von Wilbur und Didier Conrad:


    [...]

    Der muntere Cartoon-Stil der Reihe täuscht. In Die weiße Tigerin geht es oftmals nicht nur knallhart zur Sache, auch ernste Themen werden nicht ausgespart. Eigentlich ist das Agentengeschäft bereits eine ernste Angelegenheit. Aber die Welt rüstet zum Dritten Weltkrieg. Vor der Kulisse eines zerstörten Hiroshima (6.8.1945, erster Atombombenabwurf der USA über einer japanischen Stadt) unterhalten sich zwei amerikanische Agenten über das Ausmaß der Vernichtung.

    [...]

    Didier Conrad bleibt seinem lockeren Strich treu. Fans der Reihe dürfen sich neben Alix auch auf ein Wiedersehen mit dem Dreifarbigen Drachen Rousseau freuen, einem französischen Agenten, der immer noch ein Faible für den Kommunismus hat. Conrad hat hier eindeutig weniger Kulisse zu zeichnen als sonst. Die Szenen konzentrieren sich verstärkt auf die handelnden Personen und spielen in Zimmern oder Zellen. In vereinzelten Szenen zeigt Conrad sein atmosphärisches Können, wenn der Leser einen japanischen Garten, das zerstörte Hiroshima oder ein nächtliches Shanghai zu sehen bekommt.

    Wilbur, der die Geschichte gemeinsam mit Conrad verfasst hat, macht den Umschwung in der Richtung, in der die Weiße Tigerin bisher lief, mit dieser Ausgabe noch deutlicher. (Wilbur stieg erst mit Band 4 in die Serie ein. Zuvor schrieb Yann am Manuskript von 1 und 2. Den dritten Band bewältigte Conrad allein.) Viele ernsthafte Szenen, manchmal mit einer gewissen Brutalität, stellen sich neben einen schwarzen Humor. Letzterer zeigt sich besonders, als ein Amerikaner nach dem Verbleib der Leiche eines Japaners sucht. Durch die Typisierung der einzelnen Figuren entsteht eine Mixtur aus Vernunft und Irrsinn. Alix und ihre Freunde tun ihr Übriges, damit die Waage nicht unkontrolliert zum Wahnsinn absinken kann.

    [...]

    Durchweg spannend und mit guten Einfällen inszeniert, nur nicht mehr ganz so humorvoll wie zu Beginn der Reihe.
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  23. #248
    Christopher Franz im Titel Magazin über die neue Reihe s&l noir:


    Aller guten Dinge ...

    Mit einem kleinen Paukenschlag startet der Münchner Comic-Verlag Schreiber&Leser sein neues Krimi-Label s&l noir. Drei Titel, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, bilden einen vielversprechenden Auftakt.

    [...]

    In Coronado stellt Loustal erneut sein zeichnerisches Können unter Beweis. Als Vorlage diente die Erzählung Bis Gwen von Dennis Lehane.

    [...]

    Der Hauptakzent dieser solide erzählten und mit je zwei Bildern pro Seite recht schnell ausgelesenen Geschichte liegt klar auf dem Grafischen. Und eben dort liegt auch das Talent Loustals. Die Farbigkeit der Zeichnungen ist beeindruckend, scheinbar leuchten sie aus sich selber heraus. Die Bilder, gemäldegleich und im Moment nur mit den Arbeiten Enki Bilals oder Lorenzo Mattottis vergleichbar, ziehen den Leser in ihren Bann und wirken lang über das kurze Lesevergnügen hinaus.

    Ein Klassiker in neuem Kleid

    Zugegeben: Es fällt schwer sich an den Nestor Burma Emmanuel Moynots zu gewöhnen, wenn man die Comic-Adaptionen Jacques Tardis kennt. Dieser hat vorerst das Interesse daran verloren, weitere Episoden dieser ebenso erfolgreichen wie trivialen Krimireihe des Pariser Autors Léo Malet zu produzieren.

    [...]

    Dass der Band nicht ganz im Gros des Mittelmaßes versinkt, hat er der Romanvorlage Malets aus dem Jahr 1955 zu verdanken. Dieser hat mit seiner 15-bändigen Reihe Die neuen Geheimnisse von Paris (frei nach Eugène Sue) ein Trivialepos geschaffen, das weit über seinen literarischen Anspruch hinaus Bekanntheit erlangt hat. Seine Hauptfigur, der Privatdetektiv Nestor Burma, der in jeder Geschichte in einem anderen Pariser Arrondissement ermittelt, wird in diesen frühen Vorläufern der heute so beliebten Regionalkrimis immer wieder in undurchsichtige Fälle verwickelt, aus denen er sich stets charmant und mit ein wenig Glück rettet. Die Adaptionen Tardis verstärkten den Reiz der Bücher. Moynot hingegen liefert reine Auftragsarbeiten ab, die weitestgehend von Tardi inspiriert scheinen. Vielleicht hätte an dieser Stelle mehr künstlerische Freiheit Wunder gewirkt?

    Auf der schiefen Bahn

    Als wahres Kleinod hingegen erweist sich der Band Die Packard Gang von Marc Malès, der in Deutschland bisher durch zwei Comic-Biografien zu Dashiell Hammett und Ernest Hemingway nur mäßige Bekanntheit erlangt hat. In SW-Zeichnungen breitet er auf 144 Seiten die Geschichte um Barton, einen alternden und einsamen Polizisten im Amerika der 1950er Jahre, aus.

    [...]

    Was den Band zu einem ersten Höhepunkt der Reihe macht, ist die Erzählweise, die trotz der gradlinigen, stets vorhersehbaren und klischeehaften Handlung den Leser durch ihr fast schon filmisches Voranschreiten in den Bann zieht. Bilder des Film Noir flackern unweigerlich vor dem inneren Auge auf, genauso wie man sich von den teilweise unübersichtlichen und durch schwarze Flächen verschatteten Zeichnungen an klassische Krimi-Comics wie Will Eisners Spirit oder Dick Tracy erinnert fühlt.

    Die drei Bände sind, besonders in ihrem Dreiklang, ein Highlight dieses Comic-Sommers. Wegen ihrer Heterogenität sind sie aber auch jeder für sich uneingeschränkt zu empfehlen. Auch Moynots Nestor Burma hat sicherlich eine Chance verdient …
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  24. #249
    Lars von Törne im Tagesspiegel über Sun Village von Inio Asano:

    SCHÖNER SCHEITERN
    Jagd nach dem Glück

    „Sun Village“ zeigt einen Manga-Star in Bestform.

    Eigentlich wollen sie alle das Gleiche: Geborgenheit, eine sinnvolle Aufgabe, verlässliche Beziehungen. Und doch schaffen es nur die wenigsten Menschen in Inio Asanos Erzählung „Sun Village“ (Schreiber & Leser, 214 Seiten, 14,95 Euro), ihr Leben in den Griff zu kriegen.

    In kraftvollen Szenen führt der 1980 geborene und in Deutschland bislang kaum bekannte Autor vor, wie viele unterschiedliche Arten des Scheiterns es gibt. Nach und nach legt er die Lebensgeschichten der Bewohner einer japanischen Neubausiedlung offen, deren aus der Bahn geratene Leben mehr miteinander verbindet, als man anfangs vermutet. Alltag und Abgrund liegen dicht beieinander.

    Vor hyperrealistischen Kulissen und mit klar konturierten Figuren erzählt der neue Star des anspruchsvollen Erwachsenen-Mangas von menschlichen Hoffnungen und Enttäuschungen. Zunehmend verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Sympathieträgern und Antihelden, zärtliche Szenen und schonungslose Gewalt wechseln einander ab. Aus fragilen Freundschaften ergeben sich fast magische Glücksmomente, die meist nicht von Dauer sind.

    Am Schluss von so viel Realismus steht eine fantastische Traumsequenz: das hoffnungsvolle Finale einer großartigen Erzählung und ein Plädoyer dafür, die Suche nach dem Glück niemals aufzugeben.
    Originale Rezension
    Geändert von Philipp Schreiber (12.08.2010 um 11:56 Uhr)

  25. #250
    Marco Behringer bei Suite 101 über Shutter Island von Dennis Lehane und Christian De Metter:


    Der spannend erzählte, aber auch vorhersehbare, Psycho-Thriller kann vor allem visuell durch eine dichte Atmosphäre und künstlerische Bilder überzeugen

    Im letzten Jahrzehnt war es meist anders herum: Zuerst der Comic, dann der Film. Im Fall von Shutter Island ist es noch verzwickter. Schließlich war bereits der Psycho-Thriller von Star-Regisseur Martin Scorsese eine Adaption – und zwar des gleichnamigen Romans von Dennis Lehane. Von ihm stammt außerdem die Vorlage zu Clint Eastwoods Oscar prämierten Werk Mystic River. Nun hat sich Lehane mit einem Zeichner zusammengetan, um aus seinem Bestseller einen Comic zu machen. Seine Wahl fiel auf Christian De Metter, der in Deutschland noch unbekannt ist, während er in Angoulême 2004 für das beste Album (Le Sang des Valentines; Edition Casterman) bereits mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

    [...]

    Visuell unterhaltsam

    Während die Story nicht über den Durchschnitt des Genres herausragt, können De Metters Bilder auf ganzer Linie überzeugen. Die realistischen, leicht skizzenhaften Bleistiftzeichnungen hat der Comickünstler nicht getuscht, wodurch alles plastischer wirkt als mit harten, schwarzen Konturen. Hinzu kommen nuancenreiche braun bis grünliche Aquarellfarbtöne die den Crime Noir-Charakter in perfekter Weise in die Comicwelt übertragen. Bis auf die bunten Traumsequenzen Teddys, in denen auch die Konturen der Panels aufgelöst werden, beschränkt sich De Metter auf sein geniales und facettenreiches Lichtspiel, das viele andere Comickünstler mit hundert Farben nicht hinbekommen.

    [...]

    Insgesamt ist es der Comic-Adaption somit sehr gut gelungen den durchschnittlichen Psycho-Thriller in das reizvolle Gewand des Crime Noirs zu kleiden. Inhaltlich haben weder Lehane mit seinem Original oder der Comic-Adaption, noch Scorsese mit seiner Kino-Adaption die Grenzen des Genres erweitern können.
    Komplette Rezension

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