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Thema: Rezensionen & Besprechungen

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  1. #1

    Rezensionen & Besprechungen

    Christian Meyer in der Printausgabe der choices:

    „Tod eines Mörders“, die neueste Comicerzählung von Loustal &
    Paringaux, ist wieder eine klassische, hart gekochte Noir-Story. Der Killer Louis
    hat Krebs im Endstadium. Jetzt will er nur noch seine vor langer Zeit verlassene
    Tochter finden. Ein letzter Gang, der eine lange Blutspur hinterlässt und
    unsentimental erzählt wird (Schreiber & Leser, 72 Seiten, farbig, HC, 19,95 €).
    Geändert von Philipp Schreiber (30.01.2007 um 12:31 Uhr)

  2. #2
    Thomas Nickel im Online Magazin g wie gorilla über Taniguchis Wanderer im Eis:

    Ganz unscheinbar lag er da - etwas überformatig, blau mit einem mächtigen Elch auf der Titelseite, ganz verloren zwischen all den anderen Mangas mit ihren langhaarigen Schwertschwingern, metrosexuellen Depri-Knaben, halbnackten Heldinnen und aufgedonnerten Schulmädchen. Selbst der vergleichsweise hohe Preis von 15 Euro konnte da nur kurz schrecken - wenige Blicke ins Innere des Comics besiegelten die Kaufentscheidung, und ausführliches Lesen bestätigte, dass es eine gute Idee war, die 15 Euro zu investieren. Und im folgenden werde ich mal darlegen, warum das so ist...
    Mehr im kompletten Artikel.
    Geändert von Philipp Schreiber (30.01.2007 um 12:33 Uhr)

  3. #3
    Brigitte Schönhense bei Splashcomics über Der Selbstmordclub von Usamaru Furuya:

    Story:
    31. Mai 2001, 54 Mädchen stellen sich, an den Händen haltend, in einer Reihe auf dem Bahnsteig auf. Der Zug fährt ein. Gemeinsam werfen sich die 54 Schülerinnen vor den Zug und hinterlassen fassungslose Zeugen in einem grausamen Szenario. Wie durch ein Wunder überlebt ein einziges Mädchen. Saya ist gerade mal um die 18 Jahre alt, des Lebens müde und das hier ist ihre Geschichte.

    Meinung:
    Wie kam es zu diesem kollektiven Selbstmord? Warum möchte Saya ihrem Leben ein Ende setzen? Antworten zu diesen Fragen werden dem Leser in diesem Band langsam und behutsam eröffnet und trotzdem bleibt ihm dabei noch genug Raum für die eigenen Gedanken und Spekulationen.
    Besonders faszinierend ist der Aufbau des Plot. Geschickt spielt der Mangaka mit unterschiedlichen Zeitebenen, um mit jeder weiteren Seite mehr der Ereignisse zu enthüllen. [...]
    Mehr im kompletten Artikel.

  4. #4
    Brigitte Schönhense bei Splashcomics über Jiro Taniguchis Der Wanderer im Eis:

    Story:
    Der Mensch und die Natur. Jiro Taniguchi beschäftigt sich in sechs völlig voneinander unabhängigen Geschichten mit dieser Thematik und entführt seine Leser in die Zeit von 1890 bis Ende des 20.Jahrhunderts. Die Helden dieser Geschichten sind ganz normale Männer ihrer Zeit, ob als Goldgräber, Meeresforscher, Student oder auch Jäger und Abenteurer unterwegs, bestreiten sie ihr Leben entweder im Einklang mit der Natur, die die Grundlage ihres Überlebens darstellt oder aber von Angesicht zu Angesicht mit den Naturgewalten und ihren Geschöpfen.

    Meinung:
    Detailverliebtes und sehr naturgetreues Artwork erwartet euch, wenn ihr diesen Mangaband aufschlagt. Was Jiro Taniguchi da zu Papier bringt ist schlicht weg beeindruckend. Die Natur mit all ihren Facetten, ob nun wild, unberechenbar, gefährlich und lebensbedrohlich, auf der anderen Seite aber auch friedlich, still, wunderschön und einzigartig, setzt der Mangaka in einem realistischen Stil ausdrucksstark und aufwendig um. [...]
    Mehr im kompletten Artikel.

  5. #5
    Brigitte Schönhense bei Splashcomics über Blue von Kiriko Nananan:

    Story:
    Die introvertierte Kayako Kirishima freundet sich mit der, meist durch Schweigsamkeit glänzenden Masami Endo an. Für Kayako ist diese Freundschaft etwas ganz besonderes, denn sie verliebt sich in Masami. Zwischen den beiden entwickeln sich zarte Bande und eine gemeinsame Zukunft in Tokio, nach dem Schulabschluss, steht in Planung. Doch eines nachts nimmt Kayakos neue Freundin nachts einen geheimnisvollen Anruf entgegen. Plötzlich ist Masami nicht mehr die selbe. Sie wirkt bedrückt und befangen und verschwindet am darauf folgenden Tag sang und klanglos ohne ein Wort des Abschieds gegenüber ihrer Freundin oder ihren Eltern. [...]

    Meinung:
    Der Mangaband "Blue" den der Schreiber und Leser - Verlag hierzulande unter seinem Label "Shodoku" veröffentlicht glänzt vor allen Dingen durch seine einfühlsame Erzählung. In großformatigen Panels konzentriert sich die Mangaka auf das Wesentliche ihrer Storyline, nämlich die Charaktere. Gesichtsausdrücke und Gesten werden sehr stark in den Fokus genommen, um die Gefühle und Emotionen der Figuren zum Ausdruck zu bringen und dem Leser verständlich zu machen. Die Autorin legt in dieser Darstellung der Gefühle und der Visualisierung der Atmosphäre und der Stimmung zwischen den Figuren ihr Hauptaugenmerk. Vieles kommt einfach ohne Wort aus und dann wird auch gänzlich auf Dialoge verzichtet. [...]
    Mehr im kompletten Artikel.

  6. #6
    Lese-Tipp im Stadtmagazin doppelpunkt zu Blue, Kwan Gaya Sonne und Mond und Der Wanderer im Eis:

    Bereits lange vor dem aktuellen Manga-Boom versuchten sich hierzulande einige Verlage an fernöstlichen Comics – allerdings zu relativ hohen Preisen und in europäischer, seitenverkehrter Leserichtung. Damit ließen sich zu wenig LeserInnen gewinnen, und das Experiment wurde meist schnell wieder beendet. Auch bei Schreiber & Leser fanden sich so nach den Comics von Zeichner Ryoichi Ikegami (u. a. Crying Freeman) kaum noch Manga im Programm. Nun, nach über zehn Jahren, präsentiert der Verlag mit dem neuen Label "Shodoku" wieder einige fernöstliche Comics in seinem Programm. Während sonst mit Mangas meist ein sehr junges Publikum angesprochen werden soll, werden hier anspruchsvollere Bildgeschichten für ein ältere LeserInnen präsentiert. Ein Anspruch dem Blue durchaus gerecht wird. Während das Thema von Kiriko Nananans Manga – eine Schülerin stellt fest, dass sie für ihre Klassenkameradin mehr als nur freundschaftliche Gefühle empfindet – nach nichts Neuem klingt, kann die Umsetzung der Geschichte um so mehr überzeugen: Die einfühlsame Darstellung der Charaktere, die ruhig erzählte, realistische Handlung und der schlichte und elegante Strich, der dank zurückhaltendem Einsatz von Rasterfolien durch weiße und schwarze Flächen besticht, machen aus Nananas im Jahr 1996 entstandener ersten langen Comicgeschichte ein durchweg überzeugendes Leseerlebnis und eine gelungene deutschsprachige Erstveröffentlichung der anerkannten Autorin.

    Vom Anspruch fällt da Sonne und Mond, ein koreanischer Manhwa von Kwan Gaya, ein wenig ab, da es sich bei dieser im Mittelalter angesiedelten Story um eine Aneinanderreihung diverser Kampfszenen handelt. Doch die Skurrilität der Personen und der Handlung sowie insbesondere die völlig desinteressiert durch das Geschehen wandelnde Hauptfigur geben dieser auf drei Bände angelegten Serie einen besonderen Reiz und sorgen für ungewöhnliche und gute Unterhaltung.

    Neben diesen bereits erschienenen Bänden sind unter dem Label Shodoku mit Der Mann aus der Tundra weiterhin ein Band von Jiro Taneguchi, einem preisgekrönten Zeichner, der unter anderem auch schon mit Moebius zusammen arbeitete und der hier Geschichten von Männern im Kampf mit der Natur erzählt, geplant, sowie Der Selbstmordclub, ein Horrordrama, in dem Usamaru Furuya von den Abgründen des japanischer Schulalltags erzählt.
    Geändert von Philipp Schreiber (03.02.2007 um 15:24 Uhr)

  7. #7
    Marcus Koppers bei micomics.de über Grandville 1 von Bryan Talbot:


    [...] Bryan Talbot entwickelt ein wirklich vielschichtiges Szenario.
Doch damit nicht genug. Fast alle auftretenden Figuren werden von Tieren dargestellt. Somit ist Grandville auch eine moderne Fabel. Der Autor spielt geschickt mit den Erwartungen an bestimmte Tiere und besetzt die Rollen entgegengesetzt. So wird der loyale Assistent des Inspektors von einer Ratte verkörpert. Die wenigen Menschen, die in diesem Comic auftreten sind versklavt und werden abwertend als Teignasen bezeichnet.
[...]

    Unter diesem Genremix schlummert tief versteckt äußerst zeitgenössische Kritik. Hauptgegner ist die Bushregierung, die nach den Anschlägen vom 11. September, die Bryan Talbot hier auf seine ganz eigene Art verarbeitet, den Krieg gegen den Terrorismus ausrief. Trotz der sehr kritischen Töne bleibt Grandville sehr unterhaltend und schafft es die Spannung konstant auf hohem Niveau zu halten.
Das Artwork ist ebenso gelungen wie die zahlreichen popkulturellen Anspielungen. Hin und wieder wirkt eine Kolorierung zu grell, so verschwinden einige Details in gewaltigen Explosionen. Ansonsten sind die Bilder relativ explizit und verschleiern kaum etwas. Gerade in den Actionsequenzen wird deutlich, dass es sich bei Grandville eindeutig um einen Comic für Erwachsene handelt. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Proportionen der Tiere. Hin und wieder wirken aufrecht gehende Nashörner und Ratten der gleichen Größe einfach befremdlich. Dies liegt jedoch in der Natur der Sache und ist nicht dem Talent des Zeichners geschuldet.
    … in einer edlen Ausgabe!
    Schreiber & Leser würdigt diesen außergewöhnlichen Comic mit einer Ausgabe, die den Leser schon beim Betrachten in Staunen versetzt. Noch bevor man das Buch aufgeschlagen hat, verharrt man ehrfürchtig und betrachtet das im Retrolook gebundene und geprägte hochwertige Hardcover. Ein edles Papier und satte Farben runden die erstklassige Aufmachung ab. In einem umfangreichen Nachwort lässt man die Geschichte des Steampunk Revue passieren.
    Fazit
    Packender Comic für Fans von rasanten Geschichten mit einer Botschaft. Durch die edle Aufmachung auch ein ideales Geschenk, das jeden Leser mit Anspruch begeistern wird.
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  8. #8
    Mod Comicgate-Forum, ansonsten SysOp Avatar von Asher
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    Ich erlaube mir, auf die Rezension von Der Selbstmordclub durch Thomas Kögel bei Comicgate aufmerksam zu machen. Bitte löschen, falls Fremdeinträge nicht erwünscht sind.

    Furuya erzählt auf sehr einfühlsame Weise von verletzlichen und verzweifelten Teenagermädchen, die sich nur in einer eingeschworenen Gemeinschaft verstanden fühlen und letztlich so weit gehen, sich kollektiv umzubringen. [...]
    Der Selbstmordclub ist über weite Strecken eine sehr atmosphärische, moderne Horrorfabel, die es durchaus in einigen Momenten schafft, dem Leser eine Gänsehaut zu verpassen. Doch leider will Furuya obendrein auch schockieren und provozieren. Da wird dann mit Kinderpornographie kokettiert und eine weibliche Version des gekreuzigten Jesus gezeigt. Ziemlich billige Schockeffekte, die gar nicht nötig gewesen wären und beim Leser einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Schade, denn dies ist ohne Zweifel ein außergewöhnlicher Manga, der auch Leser anspricht, die sonst einen Bogen um japanische Comics machen. Beinahe ein kleines, düsteres Meisterwerk, aber eben nur beinahe.
    Komplette Rezension
    Geändert von Philipp Schreiber (02.07.2007 um 15:11 Uhr) Grund: Link zur Rezension hinzugefügt

  9. #9
    Die Comicradioshow über Djinn6: Die Schwarze Perle von Dufaux:

    Bei Schreiber & Leser erschien soeben der sechste Band der Serie Djinn. Djinn erzählt die Geschichte von der ebenso jungen wie schönen Engländerin Kim Nelson, die sich auf den Spuren ihrer Großmutter Jade, der Favoritin des letzten osmanischen Sultans befindet. Ebenso wie Jade ist Kim ein Djinn. Die Spuren der Vergangenheit und die Suche nach Reichtum treiben sie unermüdlich an …

    [...]

    Djinn ist eine geheimnisvolle Story in fernen exotischen Gefilden, deren Reiz in der Person der Heldin Kim Nelson zu suchen ist, die durch freizügige Auftritte reichlich Erotik versprüht, aber vor allem auch in der ungewöhnlichen Handlung besteht.
    Geändert von Philipp Schreiber (31.01.2007 um 12:33 Uhr)

  10. #10
    Die Comicradioshow über Der Wanderer im Eis:

    Toller Manga aus dem Hause Schreiber und Leser

    Einen wirklich sehr schönen Manga habe ich kürzlich bei Schreiber und Leser entdeckt: „Der Wanderer im Eis“ von Jiro Taniguchi. Und da man wirklich selten herausragende Mangas unter der Massenware der fernöstlichen Comics entdeckt, ragt „Der Wanderer im Eis“ wohltuend hervor. Sowohl die Geschichten als auch die sehr detailreichen Zeichnungen sind Klasse. [...]
    Mehr in der kompletten Rezension.

  11. #11
    Matthias Schneider bei intro.de über Blue von Kiriko Nananan:

    Heute sei sie erstaunt darüber, mit welch unkonventionellen Ideen sie – gerade einmal 23-jährig – ihren Manga “Blue” realisierte. So Kiriko Nananan in einem Interview über ihren Comic, den sie vor zehn Jahren produzierte und der nun auf deutsch vorliegt. Je länger sie über die Story spricht, umso mehr werden die autobiografischen Züge deutlich. Eigentlich wollte die Japanerin schon zu ihrer Schulzeit “Blue” zeichnen, in der sie sich – wie ihre Protagonistin Kirishima – zu einer Mitschülerin hingezogen fühlte und sich die Frage stellte, ob sie verliebt sei. Ihre selbst erfahrene Unsicherheit, freundschaftliche und homoerotische Gefühle voneinander trennen zu können, hat sie in ihren Manga eingearbeitet, der an einem Gymnasium für Mädchen spielt.

    Trotz der Thematik ist “Blue” kein voyeuristischer Schulmädchenreport, sondern ein intimes Bekenntnis der Autorin und Zeichnerin, das durch eine feinfühlige und klare Erzählweise eine eigenwillig fesselnde Stimmung evoziert. Dem dynamischen Mainstream-Manga diametral entgegengesetzt, bleibt in Nananans Panels die Zeit stehen. Die Hintergründe sind minimalistisch gestaltet, meist als weiße Fläche, vor denen die Figuren grafisch reduziert abgebildet sind. Sie sind ihrem Umfeld entrückt und völlig auf sich und ihr Gefühlsleben konzentriert. Der disparate innere Zustand der Protagonistinnen wird in ihrer Darstellung gespiegelt, in der sie stets angeschnitten oder mit dem Gesicht abgewendet abgebildet sind. “Blue” ist ein außergewöhnlicher Comic, der sich von der großen Masse der Manga abhebt. Sowohl erzählerisch als auch grafisch ist es Nananan grandios gelungen, die entschwindenden Gefühle der Selbstfindung ausdrucksstark einzufangen.
    Originalrezension bei intro.de

  12. #12
    Jürgen Schickinger in der Badischen Zeitung vom 30.1.2007 zu Jiro Taniguchi Der Wanderer in Eis:

    Die Kräfte derTrapper schwinden

    Erst sechs, dann fünf, dann vier . . . Ein Schlittenhund nach dem anderen fällt dem Wolfsrudel zum Opfer, das dem Gespann von Henry und Bill nachstellt.
    Schon seit zwei Wochen ziehen die Trapper durchs verschneite Alaska, um eine adlige Leiche an die Küste zu überführen. Außer den Hunden schwinden aber auch die Munition, die Verpflegung und die Kräfte der Trapper. Zudem ist da noch diese dreiste rote Wölfin, die den Hunden den Kopf verdreht, bis sie freiwillig ins Verderben rennen . . . „Der Wanderer im Eis“ enthält sechs Abenteuer des mehrfach preisgekrönten Zeichners Jiro Taniguchi.
    Er erzählt sie so dicht und spannend wie einst Jack London. In stimmungsvollen Schwarzweißzeichnungen schildert der Japaner die Unerbittlichkeit und Faszination der Natur. Er verzichtet auf hektische Bildschnitte und Effekthascherei.

    Sein Band bildet den Auftakt einer neuen Mangareihe, die sich an erwachsene Comicfreunde richtet. Die müssen die Geschichten allerdings –
    wie im Original - von hinten nach vorn durcharbeiten. So viel Authentizität muss sein!

  13. #13
    Janwillem Dubil bei Der Albrecht über Blutprinzessin von Jean-Patrick Manchette und Max Cabanes:


    Wertung: ★★

    Hinter „Blutprinzessin“ steckt geballte Prominenz: Die Vorlage stammt vom populären Krimiautor Jean-Patrick Manchette, visuell umgesetzt wurde sie von dem hochdekorierten Zeichner Max Cabanes und das Skript adaptierte Doug Headline. Letzterer ist allerdings eher für seinen coolen Künstlernamen, als für herausragende Arbeit bekannt. Die Handlung spielt in den 1950ern und beginnt mit der gescheiterten Entführung der siebenjährigen Alba, der Nichte eines mächtigen Waffenhändlers. Auf diesem Ereignis aufbauend, entwickelt sich ein doppelbödiges Intrigenspiel um falsche Identitäten, bei dem der Leser recht schnell selbst nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht. Will er aber auch gar nicht, denn Figuren und Geschichte präsentieren sich dermaßen unspektakulär, dass sich schnell reines Desinteresse einstellt. Die Zeichnungen sind zwar schick, wurden aber für die Veröffentlichung im Buchformat so verkleinert, das Opulenz und Details kaum eine Chance haben. Gepflegte Langeweile also, die zu produzieren es scheinbar großer Namen bedarf.
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  14. #14
    Moderator Avatar von LeGuy
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    Hino Horror 1 und 2 bei Comicgate:
    Hino Horror ist sicher nichts für Leser mit schwachen Nerven und empfindlichem Magen. Wer aber ungewöhnliche Horrorcomics sucht und auch bereit ist, sich mal zu ekeln, kommt hier voll auf seine Kosten. Diese Reihe dürfte mit zum Heftigsten gehören, was in diesem Bereich erschienen ist. Gut zwanzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung in Japan sind diese fiesen Perlen des Makabren nun auch auf deutsch verfügbar.
    Hier geht's zur Rezi

  15. #15
    Björn Backes bei Buchwurm über "Poison Ivy 2: Flying Tigers" von Yann / Berthet:


    [...]

    Persönlicher Eindruck

    Dem äußerst sympathischen Auftakt der neuen Reihe beim Schreiber & Leser-Verlag folgt im zweiten Teil bereits eine ziemlich skurrile, teils auch recht durchgeknallte Fortsetzung, bei der die Handlung weitestgehend vom makaberen Humor des Autors geprägt wird und beinahe die gesamte Ausrichtung der Story auf den außergewöhnlichen Situationen, die infolge dessen entstehen, fußen lässt.

    [...]

    Daher darf man sich zu guter Letzt auch gerne zum Resümee hinreißen lassen, dass diejenigen, die "Sumpfblüte" jüngst in ihrem Favoritenkreis Einlass gewährt haben, "Flying Tigers" höchstwahrscheinlich gar nicht mehr entkommen lassen wollen. Ein ganz spezieller Humor mag zwar gewissermaßen als Voraussetzung für die innige Beziehung zum zweiten Teil von "Poison Ivy" gelten, doch da ein solcher unter Comic-Fanatikern definitiv zum Handgepäck gehört, ist dieser Hinweis fast schon wieder hinfällig. Nun denn, Freunde des intelligenten Humors, hier erwartet euch eine neue Herausforderung!
    Komplette Rezension bei Buchwurm
    Geändert von Philipp Schreiber (06.09.2007 um 14:02 Uhr)

  16. #16
    Zuzanna Jakubowski im goon Magazin über den "Casanova Komplex" von Yoji Fukuyama:

    Next Stop Uroshima

    Yoji Fukuyama zeichnet in »Der Casanova Komplex« ein groteskes Sittenportrait

    Die Liebe älterer Herren zu jungen Mädchen in blau-weißer Schuluniform ist ein breit verbreitetes Japan-Klischee mit allzu realen Wurzeln in der Teenage-Prostitution und Pädophilie, die – mal mehr, mal weniger selbstreferentiell – in Mangas immer auch aufzufinden ist. Yoji Fukuyama, dessen Manga »Mademoiselle Mozart« erfolgreich als Musical aufgeführt und dessen von der konzisen Form des Haiku inspirierter Band »A Day in the Life of Mr. F« 2001 mit dem Japan Media Art Preis ausgezeichnet wurde, nimmt sich dieser Klischees kritisch an und überzieht sie in einem furiosen Spektakel. Ein namenloser älterer Herr steigt durch Zufall in der Provinzstadt Uroshima aus dem Zug. Der Name der Stadt spielt dabei auf ein in Japan allseits bekanntes Märchen vom armen Fischer Urashima Taro an, der nach der Rückkehr von einer fantastischen Reise feststellen muss, dass er ein Menschenalter lang von Zuhause fort war. Auch in Uroshima vergeht jede Nacht eine Jahreszeit, und die Realität verschwimmt immer wieder vor den Augen des Protagonisten. Obwohl beunruhigt, findet er sich doch schnell damit ab, denn in der kleinen Provinzstadt wird so viel und so beiläufig gevögelt, wie man sich anderswo die Hände schüttelt. Aber im Paradies der alten Herren sind auch die alten Frauen unersättlich, und so wird der Protagonist schnell selbst zum Opfer der Begierde anderer: Sexphantasien, Kastrationsängste und Splatter-Visionen vermischen sich zu einer höchst grotesken und ironischen Höllenfahrt eines alternden Casanova.
    Rezension bei goon Magazin
    Geändert von Philipp Schreiber (03.09.2007 um 21:59 Uhr)

  17. #17
    Thomas Dräger bei parnass über "Verbotenes Glück" von Griffo / van Hamme:

    Beim ersten Durchblättern wirkt dieser Comic sehr alt. Der Eindruck bleibt auch nach dem Lesen erhalten, aber von einer anfänglich „naja, wirkt das alt“ wandelt sich das Gefühl um den sachlich richtigen Ausdruck „alt“ in eine „so gut waren alte Comics“ Einsicht.

    [...]

    „Das verbotene Glück“ ist und will eine gezeichnete Version der in Huxleys Buch präsentierten Dystopie sein. Aber van Hamme ist sehr viel näher an der Realität, was dem Leser nach nur wenigen Seiten fast schmerzlich bewusst wird. Der Comic liest sich wie eine leicht ironisch/satirisch übersteigerte Version der deutschen Version des realen Kommunismus, bleibt aber nicht im für Wessies ungefährlichem weil nicht gelebten Osten. Ferien gibt es auf Zuteilung, wer viel fragt wird ausgegrenzt, wer der Idee des Staates nutz, wird durch Privilegien belohnt. Andersdenker werden subtil aber erbarmungslos aus der Gesellschaft gedrängt. Da stößt einem das Wasserjoggen im massenkompatiblen Billigurlaub aus der Dauerfernsehwerbung doch bitter auf - ist „Das verbotene Glück“ wirklich nur eine erfundene Geschichte?

    [...]

    Alles Gute bringt in der Gesamtausgabe die schon bei Feest begonnene Albenreihe zum Ende. Als Einzelbände waren die beiden ersten Bände mit ihren losen Episoden etwas zu lehrmeisterlich und der dritte Band wäre deplatziert wie eine verspätete Entschuldigung. Als Gesamtausgabe wirkt alles geplant und rund - wieder ein angenehm alter Aspekt bei der heute auf Fortsetzungszwang designten Produktionen auch aus Frankreich. Van Hammes Schlusswort aus dem Jahr 2000 ist beruhigend kritisch. In angenehmen Ton deutet er auf die immer noch aktuelle Aussage seiner fast dreißig Jahre alten Geschichte hin.


    Für Freunde des gesellschaftskritischen Science-Fiction im Stil der Klassiker „1984“ und „Schöne neue Welt“ mit ausdrücklicher Leseempfehlung.
    Komplette Rezension
    Geändert von Philipp Schreiber (03.09.2007 um 21:54 Uhr)

  18. #18
    Bernd Glasstetter bei splashcomics über Die Stadt und das Mädchen von Jiro Taniguchi:

    Story:
    Als die 14-jährige Megumi Sakamato in Tokio verschwindet, wendet sich ihre Mutter an einen alten Freund der Familie, Takeshi Shiga.
    [...]

    Meinung:
    Jiro Taniguchi ist ohne Frage ein Star des japanischen Comics und begeistert immer wieder durch seine Graphic Novels. Ob „Vertraute Fremde“ oder das hier veröffentlichte „Die Stadt und das Mädchen“, Taniguchi erzählt Geschichten, die ans Herz gehen und die so ganz anders sind, als alles, was man im Mangabereich zu kennen meint. Die typischen Stilmittel fehlen und das macht es für westliche Leser, die Mangas noch nicht kennen, in diese Form der Comics einzusteigen. Taniguchis Comics sind hier vermutlich die am Besten geeigneten für einen Neueinstieg.

    [...]

    Die verbissene Suche von Takeshi Shiga ist natürlich die treibende Kraft hinter der Geschichte und es ist mal wieder so, dass man einen Taniguchi nur schwer aus der Hand legen kann. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen, es werden immer wieder neue und interessante Charaktere eingebunden und es wird einfach nie langweilig. Über 300 Seiten zu lesen mag zunächst eine große Herausforderung sein, aber man wird sich wundern, wie schnell man durch das Buch durch ist und wie sehr man gerne wissen würde, was an Geheimnissen nicht offenbart wurde. Taniguchi ist ein Meister der Andeutungen, hinterlässt beim Leser die Annahme, dass da noch etwas ist in dieser Geschichte, das er vielleicht übersehen hat, oder das die Geschichte in eine noch interessantere Richtung treibt.

    [...]

    Die Zeichnungen wiederum sind eine Klasse für sich. Klare Linien, klar erkennbare Charaktere (was bei Mangas auch nicht selbstverständlich ist) und ein unglaubliches Gefühl für Details zeichnen diese aus.

    Fazit:
    Taniguchis Geschichten sind unglaublich intensiv erzählt, sie reißen den Leser einfach mit und da ist „Die Stadt und das Mädchen“ keine Ausnahme. Hier darf man einfach nicht vorbei gehen, hier muss man zugreifen. Egal, ob man nun Mangaleser oder traditioneller Leser ist. Man wird einfach begeistert sein. Auch dieser Comic ist einfach ein Klassiker der herausragenden Comic-Erzählkunst.
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  19. #19
    Stephan Schunck bei splashcomics über Der Janitor 1: Der Engel aus Valletta von Boucq / Sente:

    Story:
    [...]

    Und so wird Pater Vince der Janitor Trias - Trias, weil der dritte Janitor den Geheimdienst verlassen hat.
    Sein erster Auftrag soll Trias nach Davos auf den alljährlich stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel führen. Der Gipfel, auf dem in entspannter Atmosphäre Politiker und Wirtschaftler die globalen Fragen der Weltgeschichte dikutieren. Wenn es um das große Geld geht, dann ist der Vatikan natürlich auch dabei
    [...]

    Meinung:
    [...]

    Spannung kommt vor allem durch die oben geschilderte Erwartungshaltung auf und die Hinweise auf die unterschiedlichen Gruppen und Personen, die in Davos aufeinander treffen werden. Noch unvorstellbar ist, wie diese Handlungsstränge im Folgeband zum Abschluss kommen sollen. Aber die Erwartungshaltung ist groß. Neben einer faszinierenden Thematik, sind Boucq´s Zeichnungen einmal mehr ein grafisches Highlight.

    Fazit:
    Geschichten um den Vatikan - egal ob historisch oder neuzeitlich - sind immer lesenswert, und sein es nur aus voyeuristischen Beweggründen.
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  20. #20
    Björn Backes bei Buchwurm über Hino Horror 1 - Red Snake von Hideshi Hino:


    Hideshi Hino ist ein hierzulande noch recht unbekannter Manga-Autor, der sich in der asiatischen Heimat zuletzt mit seinen völlig verstörten Horror-Storys einen Namen gemacht hat. Geprägt von der schaurigen Welt Lovecrafts, der Edo-Zeit und nicht zuletzt auch Splatter-Streifen wie "The Texas Chainsaw Massacre", hat er in den vergangenen Jahren mehrere Einzelbände veröffentlicht, die nicht nur über den guten Geschmack hinausgingen, sondern ihm auch den Ruf einer der kontroversesten Personen in der Welt der Illustrationen einbrachte.

    [...]

    Persönlicher Eindruck

    [...]

    Die Frage, die sich in "Red Snake" gleich mehrfach stellt, ist die nach dem eigentlichen Horror-Szenario. Ist es nun tatsächlich das abschreckende Gemetzel im zweiten Teil oder doch eher das erschreckende Miteinander der Familie, das einem permanente Schauder über den Rücken jagt? Erschreckend ist nämlich, dass man sich nach einer Weile so sehr an die Familienumstände gewöhnt, dass man sie innerhalb der Geschichte als normal empfindet und dabei ausschließlich das abschließende Blutbad als Stein des Anstoßes betrachtet. Bei genauerer Betrachtung spiegelt sich der Horror jedoch in ganz unterschiedlichen Ebenen wider. Das arme Kind, das miterleben muss, wie seine Familie sich mit völlig sinnentleerten Alltagsaufgaben beschäftigt, dazu eben jene abstrusen Handlungen, die das Leben seiner merkwürdigen Angehörigen erfüllen, und natürlich die letzten Endes fast schon befreiende gegenseitige Hinrichtung, die den Jungen prinzipiell zum ersten Mal von seinem unbewussten Makel befreit und ihn zum ersten Mal in die Freiheit entlässt.

    [...]

    Klar ist indes auch, dass der "Hino Horror" sicherlich nichts für sanfte Gemüter ist; sowohl grafisch als auch inhaltlich zeigt sich der Autor von seiner extremsten Seite, lässt derweil aber auch keinen Zweifel an seiner Genialität auf diesem Gebiet. Die Zielgruppe ist folglich klar definiert, doch darf sie sich über einen wirklich lohnenswerten Beitrag zum derzeit neu aufblühenden Horror-Genre freuen. "Red Snake" ist nämlich allemal empfehlenswert für diejenigen, denen es nicht krank genug sein kann. Wer sich dadurch angesprochen fühlt, sollte ergo nicht lange zögern und einen Blick in dieses kleine Schmuckstück werfen.
    Komplette Rezension bei Buchwurm
    Geändert von Philipp Schreiber (17.09.2007 um 15:59 Uhr)

  21. #21
    Moderator Avatar von LeGuy
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    Rezension von Gipfel der Götter 1 bei Comicgate:

    [...]
    Ob das Thema Alpinismus wirklich genug hergibt, um eine Geschichte zu tragen, die auf fünf dicke Bände ausgelegt ist, wird sich noch herausstellen. Doch wenn Yumemakura und Taniguchi die Spannung halten können, die sie im ersten Band aufbauen, könnte es am Ende auf ein Meisterwerk hinauslaufen.
    [...]
    http://www.comicgate.de/content/view/863/51/

  22. #22
    Martin Höche bei der Comic Radio Show über Hino Horror 4 – The Collection 1 von Hideshi Hino:

    Das Kabinett des Hideshi Hino
    Autoren werden in Interviews gern gefragt, woher sie ihre Inspiration nehmen. Bei Hideshi Hino, dem Zeichner von Horror-Mangas, möchte man vielleicht gar nicht wissen, welchem Hirn diese Geschichten entspringen. In The Collection 1 gibt uns Hideshi Hino aber trotzdem, ob wir wollen oder nicht, einen ersten Einblick in sein Seeleninnenleben und zeigt eine Auswahl an zum Teil autobiographisch gefärbten Kurzgeschichten. Und wieder stellt sich, wie so oft bei Hideshi Hino die Frage, nach den Schnittmengen von Genie und Wahnsinn

    [...]

    Der Band endet, wie er anfing – Aufgerissene Augen, schelmisches Grinsen und eine Einladung, die man auch als Drohung begreifen kann: Tschüs, bis zum nächsten Mal.
    Komplette Rezension

  23. #23
    Martin Höche bei der Comic Radio Show über Gipfel der Götter 1 von Jiro Taniguchi:

    Habu Yoshi und wie ihn die Welt sah
    Wenn ein japanischer Fotograph in der nepalesischen Hauptstadt Katmandu einen Fotoapparat findet, dann ist das ungefähr so bedeutend, als würde in Tokio ein Teller mit Sushi umfallen. Wenn es sich bei dem Apparat aber um das Modell handelt, dass der Bergsteiger George Mallory 1924 bei seiner Mount Everest Expedition mit sich führte, bei der er verschollen ging, dann könnte mehr dahinterstecken.

    [...]

    Es ist die immerwährende Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Helden, die Taniguchi und Yumemakura in Gipfel der Götter erzählen. Aus verschiedenen Perspektiven geschildert, entsteht so das Gemälde eines Menschen, der ganz nach oben will, der es nicht leicht hat, dem es aber auch nicht gerade leicht gemacht wird. Eingerahmt von atemberaubenden Bergpanoramen und fesselnden Kletterpartien – Der Berg ruft.
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  24. #24
    Stefan Pannor bei satt.org über "Der Ausreisser" von Hideo Azuma:

    Sind autobiografische Comics meist ernst? Seltsam, dass man diese Frage fast aus dem Stand mit „Ja“ beantworten möchte. Es ist der große Schatten von selbsterlebten Dramen wie Craig Thompsons „Blankets“, Marjanne Satrapis „Persepolis“ oder (etwas weiter gedehnt) Art Spiegelmans „Maus“, der den Blick auf die vielen originär komischen Autobiografien verdeckt, die von Comiczeichnern in den letzten vierzig Jahren produziert wurden.

    [...]

    Azuma erzählt, wie er, schwer gestresst und alkoholabhängig, alles hinschmeisst und beschliesst, als Penner im Park und vor der Stadt zu leben. Ohne Geld, ohne Papiere, ohne Rückzugsmöglichkeit. Azuma lebt von Müll, geklautem Essen, gefundenem Kleingeld und billigstem Fusel. Monatelang.

    Das könnte ein Drama sein. Weil aber Azuma seine Geschichte im klischeehaft typischsten aller Manga-Stile verarbeitet (grosse Augen, kleine Nasen und kaugummiartig elastische Figuren), möchte die Tragik des Geschehens nicht richtig einklicken. Und das ist gut so. „Der Ausreißer“ schildert einen der schlimmst-denkbaren Niedergänge in der westlichen, auf Arbeit und Leistung orientierten Kultur.

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    Komplette Rezension

  25. #25
    Zuzanna Jakubowski im goon Magazin 24 über Jiro Taniguchi:

    Die Liebe zum Hintergrund

    Jiro Taniguchis poetische Autorenmangas erfassen in kleinen Gesten individuelle und gesellschaftliche Zusammenhänge

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    Auch die wiederkehrenden Themen und Motive des Aufwachsens und der Selbstfindung in einer von Anonymität bestimmten Gesellschaft, die autobiographischen Zwischentöne und die feinfühligen Charakterportraits hat das umfassende Werk des vielfach ausgezeichneten japanischen Mangaka mit dem in der westlichen Welt zuletzt szenebestimmenden Genre gemein. Schuf Taniguchi zu Beginn seiner Karriere noch klassische Fortsetzungsgeschichten im Stil der üblichen – vor speedlines und close-ups strotzenden – Krimi-, Samurai- und Science-Fiction-Genres, entwickelte er schon in den 1980ern seinen unverkennbaren, von den frankobelgischen Comics beeinflussten Realismus abseits von Bambiaugen und Stachelhaarfrisuren.

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    Ungewöhnlich für den üblicherweise durch Handlung und Dialog vorangetriebenen Manga ist Taniguchis – den bandes dessinées entnommene – Liebe zum Hintergrunddetail, vor dem die Figuren beinahe verwechselbar werden.
    Großstadtdschungel, Kleinstadtidylle und wilde Natur werden auf dem Papier lebendig; klare Linien, ausladende Tableaus und intime Perspektiven bestimmen die Panels.
    Die wahre Kunst dabei besteht darin, den universaltypischen Figuren – der schönen Frau mittleren Alters, dem erschöpften Geschäftsmann, dem eigenbrötlerischen Naturburschen, dem entfremdeten Jungen oder dem kessen Schulmädchen – in kleinen Gesten Individualität zu verleihen. Ein Kunststück, das Taniguchi meisterlich beherrscht. Er lässt seinen Figuren viel Raum, zeigt sie dem Leser gerade auch in handlungsfreien Momenten der Kontemplation – im Wasser treibend, am Fuß eines Berges stehend oder den Wolken nachschauend –, so dass sie trotz idealtypischer Oberfläche an Tiefe gewinnen.
    Rezension im goon Magazin Ausgabe 24 Winter 2007 (PDF) S. 74

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