szmtag Das beste populärwissenschaftliche Sachbuch
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  1. #1
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    Das beste populärwissenschaftliche Sachbuch

    Welches populärwissenschaftliche Sachbuch ist das beste überhaupt? Diese Frage wollen drei Wissenschaftsjournalisten und Autoren im September klären (siehe auch die Splashbooks Newsmeldung). Natürlich kann die Wahl, an der nur das zahlende Publikum im Royal College teilnehmen kann, nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Die Veranstalter bezwecken damit auch eher, die Debatte anzustoßen. Was macht ein gutes Wissenschaftsbuch aus? Muß es möglichst viel Wissen enthalten? Oder sollte es einen kohärenten Überblick über ein Fachgebiet bieten? Ist die "Schreibe" des Autors entscheidend, oder doch eher seine Kompetenz und Erfahrung auf dem jeweiligen Fachgebiet?

    Diese Diskussion wollen wir auch hier im Forum führen. Welches populärwissenschaftliche Sachbuch hat Euch am besten gefallen? Was war daran so besonders gut - und was an anderen vielleicht besonders schlecht? Wir sind gespannt auf Eure Argumente, Eure Maßstäbe und natürlich Eure Favoriten.

    Bis dann,

    scribble
    Geändert von scribble (26.09.2006 um 02:00 Uhr)
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  2. #2
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    Dann mache ich mal den Anfang:

    Mich haben nicht zuletzt Wissenschaftsbücher fasziniert, die die fachliche Diskussion sinnvoll in eine Rahmenhandlung einbetten. Ein Beispiel ist das Cambridge-Quartett von John L. Casti. Der Autor läßt darin bei einem fiktiven Dinner kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fünf der klügsten Köpfe der damaligen Zeit - J. P. Snow, Alan Turing, J. B. S. Haldane, Erwin Schrödinger, Ludwig Wittgenstein- über die Möglichkeit debattieren, ob Maschinen denken können. Casti beschäftigt sich also mit einer Frage, die heute aktueller ist denn je: Können Computer denken? Ist so etwas wie künstliche Intelligenz überhaupt möglich? Und wenn es neben uns noch andere Entitäten gibt, die denken können, was bedeutet das für unser Selbstverständnis als Menschen?

    Seine fünf Protagonisten erlauben dem Autor, das ganze Spektrum der Meinungen darzustellen. Alan Turing sieht keinen Grund, warum Maschinen nicht denken können sollten. Unser Gehirn ist Materie und den Gesetzen der Physik, Biologie und Chemie unterworfen. Also müßte auch unser Denken, unser Bewußtsein, unser ganzes Sein prinzipiell mathematisch nachvollziehbar sein - und prinzipiell müßten auch Maschinen dazu in der Lage sein. Ludwig Wittgenstein auf der anderen Seite sieht im menschlichen Denken, im menschlichen Bewußtsein etwas am Werk, was der rationalen Betrachtung entzogen ist, und was Maschinen prinzipbedingt nicht haben und nie haben können. Der Autor legt sich dabei nicht fest und läßt seine Leser ihre eigene Meinung bilden.

    Eine Rahmenhandlung anderer Art benutzt Robert Gilmore in Die geheimnisvollen Visionen des Herrn S.. Wohl jeder kennt die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, in der der geizige und misantrophische Scrooge Besuch von den Geistern der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht bekommt. Bei Gilmore hat der Geschäftsmann Scrooge kein Auge für die Schönheit und die Faszination der Natur - bis ihn des Nachts dreimal Geister aufsuchen. Den Anfang machen die Geister der klassischen Wissenschaft, die Geister von Energie und Entropie. Darauf folgt der unstete Geist der Zeit, der Scrooge in eine Welt des Wandels und der Dynamik entführt. Den Abschluß bildet ein Geist, der noch merkwürdiger und verrückter ist als die vorherigen. Und fast ohne es zu merken ist der Leser mit Gilmore auf eine Reise durch die Physik gegangen, von Energie, Impuls und Erhaltungssätze über Bewegung, Gleichgewichte und Realität bis zu den merkwürdigen Phänomenen, die mit Begriffen wie "Quanten" verbunden sind. Dabei verzichtet der Autor fast völlig auf mathematische Formeln, so daß auch der interessierte Laie keine Schwierigkeiten haben sollte, die Reise nachzuvollziehen.

    Das dritte Beispiel, das ich an dieser Stelle anführen möchte, ist Der Strom, der bergauf fließt von William Calvin. Eine Bootsfahrt von Wissenschaftlern durch den Grand Canyon bietet den Hintergrund für Gespräche über Evolution, Neurologie, die Entwicklung des Menschen und die Faszination der Natur ganz allgemein. Mit diesem dicken Wälzer (immerhin gute 700 Seiten) begründete Calvin seinen Ruf als ebenso genialer Erzähler wie Wissensvermittler. Während der Colorado sich durch die Schichten der Erdgeschichte gräbt und an den Reisenden die Evolution quasi von der Entstehung des Lebens bis heute vorbeizieht, arbeitet sich das Buch von der Grundidee der Evolution über die biologische Evolution und die Entwicklung des menschlichen Gehirns bis zur kulturellen Evolution vor.

    Ein guter Autor kann mit einer Rahmenhandlung sein Buch zum einen strukturieren, zum anderen aber auch seine Leser gut bei der Stange halten. Wir sind auf Geschichten gepolt, und wenn wir die bekommen, nehmen wir wenn es denn sein muß auch noch etwas wissen mit Und wenn sich ein Autor als literarischer Erzähler der Rahmengeschichte als ebenso trittfest und kreativ erweist wie in seinem wissenschaftlichen Fachgebiet - was kann besseres passieren?

    Bis dann,

    scribble
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  3. #3
    Mitglied Avatar von Jahwe
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    Das populär-wissenschaftliche Buch, dass ich einfach umwerfend fand, ist
    "Das egoistische Gen" ("The Selfish Gene") von Richard Dawkins.

    Seine Überlegung geht dahin, Gene als selektionsunterworfen zu betrachten.
    Dies hat zur Folge, dass sogar Verhaltensweisen eben nicht nur angelernt sind, sondern durch den Genwettstreit "angeboren" sind.
    Körper in der Natur sind also auch nur Überlebensmaschinen für die Gene, bzw. des Genoms.

    Das ganze Buch strotzt vor britischem Humor - verliert aber trotzdem nicht den Anspruch der Wissenschaftlichkeit. Auch wenn seine Thesen vielleicht schon überholt sind, ist das Buch auch für Genbiologieidioten wie mich äußerst lesenswert.

    Ein weiteres Buch, was ich grade lese und was bis jetzt einen guten Eindruck macht, ist "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" von Oliver Sacks.
    Der New Yorker Neurologieprofessor beschreibt darin die skurillsten Fälle, die ihm unter gekommen sind. Machmal lustig, manchmal traurig, aber in jedem Fall verblüffend, weil bereits geringste Hirnschädigungen die größten Auswirkungen auf die körpereigene Chemie haben und zu unglaublichen Ergebnissen führen. Dazu schreibt Sacks einen Stil, der nicht nur "doktorhaft" daherkommt, sondern behutsam den Fällen angepasst ist.
    Geändert von Jahwe (13.11.2006 um 13:23 Uhr)

  4. #4
    Mitglied Avatar von Jahwe
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    weiss nicht, ob der thread noch aktuell ist, aber für die galerie:
    grade gelesen: richard p. feynman - qed. die seltsame theorie des lichts

    der beste beweis, dass wissenschaftliche bücher einfach nur gut geschrieben sein können. saugeil.

  5. #5
    Mitglied Avatar von Maunzilla
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    "Gödel, Escher, Bach - ein endloses geflochtenes Band" von D. Hofstadter. Das habe ich in meiner Jugend mal gelesen. Es ist sehr faszinierend, wie der Autor es versteht, Musik, Mathematik, Malerei und Philosophie miteinender zu verweben. Man kommt zwar oft ins Grübeln, aber es ist trotzdem sehr vetsändlich geschrieben.
    "Was ist das denn für ein Tier?" - "Das ist ein Maunzilla. Beachten Sie es nicht weiter."

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