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  1. #1
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    LTB 44 - Phantomias fliegt wieder

    Der – Gott sei Dank – von Silly Symphony ins Leben zurück gerufene Tradition, alte LTB’s zu rezensieren, will ich mich anschließen! Ich habe mir „Phantomias fliegt wieder“ von 1977 zur Brust genommen.


    Onkel Dagobert schlägt zurück:

    Onkel Dagobert soll eine schottische Diamantenmine verlieren aufgrund eines seltsamen Gesetzes, wonach ein Besitz nach 50 Jahren an seinen ursprünglichen Besitzer zurückfällt. Ausgerechnet die Panzerknacker können ein entsprechendes Dokument vorweisen, im Gegensatz zu Dagobert, der die Mine einst beim Billardspiel gewonnen hatte. Doch am Ende stellt sich heraus, dass Onkel Dagobert der rechtmäßige Erbe ist . . .


    Perego at his Best! Die Zeichnungen sehen nicht so kantig und schablonenhaft aus wie bei vielen seiner Vorgeschichten, sondern sprühen jenen nostalgischen Charme aus, der mich zum Fan seiner Zeichnungen machte. Natürlich reichen sie nicht einmal ansatzweise an andere Zeichner heran; allerdings, selbst wenn man die Zeichnungen für nicht gelungen erachtet, die Geschichte ist gelungen. Besonders der kühle Charme des britischen Gentlemans Sir Herald und seiner 1000-Trick-Tasche seines Vetters lohnen die Geschichte.


    Phantomias ist wieder da!: Nun kommen wir zum Titelhelden des Taschenbuches.

    Onkel Dagobert leidet an Klaustrophobie aufgrund der Tatsache, dass er immer wieder gegen seine Wände rannte – und dies tat er, weil er auf Platz zwei der größten Skarabäus-Sammler zurückgefallen war, weil Klaas Klever den Skarabäus von Ramses gefunden hat. Dies die etwas komplizierte Einleitung der Geschichte. Und sie geht ebenso surreal weiter: zwecks Erholung fahrt Onkel Dagobert aufs Land – mitsamt seinen Neffen, die dazu per aufgeschlitzter Reifen gezwungen werden. Nachdem Dagobert seine Neffen eingeweiht hatte und diese sein durchsichtiges (!) Zelt aufgebaut haben, plant Donald, Klaas Klever den Skarabäus zu stehlen, damit Onkel Dagobert zur Rückkehr bewegt werden kann. Er schafft dies auch, und Onkel Dagobert ist zur Rückkehr bereit. Unglücklicherweise wird Onkel Dagobert in Entenhausen des Diebstahles des Skarabäus bezichtigt und eingesperrt. Donald als Phantomias befreit Onkel Dagobert und beweist der Entenhausener High Society die Existenz von Phantomias.


    Bereits der Anfang ist äußerst schwer zu verstehen, und auch weiter bestimmt eine gewisse Unlogik die Geschichte. Wieso wird Phantomias, der sich als Dieb zu erkennen gibt und gleich ein zweites Mal vor Zeugen stielt, als Held gefeiert? Wie hätte Onkel Dagobert als Ehrenmann den Skarabäus behalten können? Wieso zieht sich Onkel Dagobert, reichster Mann der Welt, zurück, wie ein kleines Kind, dass man sein Schäufelchen und Eimerchen im Sandkasten weggenommen hat? Wieso ist Klaas Klever der Loser, wo er doch bestohlen wurde? Hätte dieser den Skarabäus vorher gestohlen, wäre es etwas anderes gewesen, aber so . . . Insgesamt wirkt die Geschichte unlogisch und unkonzipiert.
    Dass es trotzdem kein Flop wurde, liegt an zwei Dingen. Zum einen an den Gags, die in dieser Geschichte einfließen, z.B. die Dialoge der Katzen und Hunde, Donalds Auftreten vor Gericht, Düsentriebs Reaktion auf Donalds Beschreibung, wie er den Raketengürtel einsetzt, etc. Zum anderen natürlich Donalds Einsätze als Phantomias. Man merkt richtig, dass es Donald genießt, dieses zweite Leben . . . Hier ist nix mit Flügeln der Gerechtigkeit oder Batman of Duckburg, Phantomias ist ein Rächer und handelt aus purem Eigennutz. Dass die Leute nicht an die Existenz von Phantomias glauben und ihn für einen Roboter halten, erklärt sich daraus, dass diese Geschichte an „Phantomias schlägt wieder zu“ aus LTB 41 anknüpft – wie diese Geschichte von Guido Martina geschrieben, jedoch statt von Scarpa von Massimo de Vita gezeichnet.


    Etwas Surrealismus (lt. Wikipedia: Es werden absolut reale Dinge in völlig abstrusen Zusammenhängen dargestellt; so dass es dem Betrachter nicht mehr möglich ist zwischen Traum und Realität zu unterscheiden) scheint in der nächsten Geschichte einzusetzen. Der von Bausmaßnahmen in seinem Keller genervte Onkel Dagobert erhält beim Versuch, eben diese zu stoppen eine herbe Niederlage vor dem Stadtrat. Beim Versuch, sich bei seinem Geld zu entspannen, stellt er bei seinem Geld eine erhöhte Temperatur fest. Nun kommt er nicht auf die Idee, dass dies mit vorher genannten Baumaßnahmen zu erklären wäre, sondern denkt allen Ernstes, sein Geld hätte Fieber und zieht allerlei Spezialisten zu Rate, darunter auch einen alten Medizinmann, der ihm rät, sein Geld den Drei Prüfungen in der Wüste zu unterziehen.

    So zieht Onkel Dagobert allen Ernstes mit zwei Riesenkörben, gezogen von einer Mini-Dampflok, in die Wüste, um sein Geld dem Feuerring, dem Bocksprung und der Höllenposaune zu unterziehen. Nach diesen Rosskuren ist das Geld endlich geheilt, und Onkel Dagobert kommt zurück nach Entenhausen - um dort zu erfahren, dass durch die Baumaßnahmen ausgetretener heißer Dampf den Inhalt des Geldspeichers aufgeheizt hat . . .


    In dieser Geschichte wimmelt es nur so von Schwachsinn – doch es war nur ein Traum! Und zwar schon in der Geschichte, nicht in der Zwischengeschichte! Daher kann man über die Geschichte rückblickend nur noch lachen, wie Onkel Dagobert „Geldfieber“ und „des Geldes Fieber“ im Traum so richtig durcheinander gebracht hat. Und die Gags sind einfach nur herrlich: ein Fieberthermometer im Geld, Professoren, die das Geld mit dem Stethoskop abhören, die Heilmethoden des Medizinmannes (Aderlass am Geld ), eine riesige Bockherde, die Ducks werden durch eine Riesenposaune gepustet, die immer weiter schrumpfende Lok etc . . . Die Geschichte ist zum Totlachen! Die beste Geschichte des Bandes! Übrigens ist auch hier Massimo de Vita der Zeichner, Autor war Rodolfo Cimino.


    Hiernach geht es bergab – aber nur etwas. Bei Gold im Weltraum, ebenfalls von Cimino und de Vita, stellt Onkel Dagobert Schimmelentwicklung an seinem Geld fest.

    Abhilfe soll ein Trip in den Weltraum schaffen, wodurch Onkel Dagobert seinen gesamten Geldspeicher zu einer Rakete umbauen lässt und samt Neffen in den Weltraum reist. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass er nicht mehr reichster Mann der Erde sein kann, wenn er nicht mehr auf der Erde ist! Daher düst er zurück auf die Erde (der Schimmel wird nicht mehr erwähnt), wo die Panzerknacker die Rakete stehlen, aus Treibstoffmangel auf einer winzigen Insel landen, dort gestellt werden und schließlich in einem Gefängnis in der Umlaufbahn landen . . .


    Im Weltraum spielt nur ein Teil der Geschichte und – man glaubt es, angesichts heutiger LTB’s, kaum – es taucht nicht ein Alien auf! Allerdings lahmt die Geschichte an anderer Stelle etwas: aus den Geld fressenden Insekten, dem Weltraum und vor allem dem Schimmel, der ab der Hälfte der Geschichte nicht mehr erwähnt wird, hätte man viel mehr machen können. Stattdessen wird ab der Rückkehr aus dem Weltall eine neue Geschichte über die Panzerknacker und der einsamen Insel erzählt, die nur über das gemeinsame Motiv der Geldspeicher-Rakete zusammengehalten wird – daraus hätte man wohl in heutiger Zeit zwei kurze Geschichten gemacht . . .
    Doch genau ab da wird die Geschichte richtig gut! Gag auf Gag folgt, Geld als Grillfeuer, obwohl man genug Möbel im Geldspeicher sieht, Onkel Dagoberts Panik im Hafen, die neue Gefängnis-Rakete – Spaß zum Lesen macht’s. Im ersten Teil der Geschichte war lediglich die Geschichte mit dem Ramm-Bock („Hat da einer geklopft? Wer da?“) wirklich amüsant.
    Insgesamt eine gute Durchschnittskost.


    Massimo De Vita zum vierten – und die zweite Geschichte aus diesem LTB, wo Martina der Autor war; und die zweite Geschichte mit Phantomias. Im Gegensatz zur ersten Phantomias-Geschichte des Bandes weiß Phantomias ist phänomenal aber zu überzeugen.

    Um nicht für seinen Onkel ungeliebte Arbeiten zu übernehmen, schleicht sich Donald durch sein Versteck im Keller zu Herrn Düsentrieb, wo er sich zwei neue Erfindungen abholt: einen alles zerschneidenden und wieder zusammen klebenden Zweifarbenstift und Allesschläfer-Pillen. Währenddessen lässt Onkel Dagobert Tick, Trick und Track die Möbel eines im Gefängnis gestorbenen Lateinlehrers abholen. Ja, man ahnt es: dieser Lateinlehrer saß nicht wegen des Beugens von Verben und Grammatik, sondern des Gesetzes dort. Tagsüber lehrte er seine Schüler Latein, nachts Taschendiebstähle – vor 20 Jahren. In Mexiko eingebuchtet, kehren diese allerdings zurück, um die Beute ihres Lehrers zu holen. Vize, Primus, Sekundus, Quintus und Sextus (wo sind Tertius und Quartus? ) entführen so nacheinander die gesamte Familie Duck, da diese im Nachlass des Lehrers einen versteckten, zunächst nicht deutbaren Hinweis gefunden haben, und sperren sie in ihre alte Lateinschule ein. Man erahnt es: Donald alias Phantomias schläfert seine Familie mit Allesschläfern ein, bricht mit dem Zweifarbenstift aus und setzt die Banditen außer Gefecht. Hiernach setzt eine der meiner Meinung nach besten Schatzsuchen der LTB-Geschichte ein, der Schlüssel ist „Sursum Corda“ („Erhebet die Herzen“). Keine Frage, dass Phantomias den Schatz findet.


    Diese Story lebt, abgesehen von den lateinischen Namen, weniger von den Gags als von der Story. Man rätselt, was „Musrus Adroc QQQQQQQQQQQQQ“ heißen könnte, man ist erstaunt und fasziniert von der Schatzsuche, genauso wie über die Namen der Schüler, und dass mal nicht Aliens oder Schmuggler oder Leute mit heruntergezogenen Augenbrauen, sondern Lateinschüler nebst Lehrer die Bösewichte sind/waren und dass hier auch ein Protagonist, eben der Lehrer, explizit mit „verstorben“ angegeben ist (selten bei Disney-Comics), werten diese Story enorm auf.


    Mein erstes LTB, das ich je las, und auch eines meiner Lieblinge. Es GIBT zwar Bessere, aber dieses LTB gehört zu den Besseren. Auch die Vorgeschichte passt – trotz aller negativen Meinungen zu Peregos Zeichenstil - perfekt zu allen Geschichten (nur vor „Gold im Weltraum“ ist ein kleiner Sprung) und ich kenne kaum ein LTB, dass man so gut in einem Guss lesen konnte wie dieses hier.

    Vorgeschichte
    (Script: Gian G. Dalmasso / Zeichnungen: Giuseppe Perego / Storycode: I CWD 63-A / Premiere: 01.09.1975)
    Onkel Dagobert schlägt zurück
    (Script: Abramo + Gian P. Barosso / Zeichnungen: Giuseppe Perego / Storycode: I TL 821-C / Premiere: 22.08.1971 als "Zio Paperone e il giubileo scozzese")
    Phantomias ist wieder da!
    (Script: Guido Martina / Zeichnungen: Massimo de Vita / IS TL 822-A / Premiere: 1.Teil: 29.08.1971; 2.Teil: 05.09.1971 als "Il doppio trionfo di Paperinik")
    Die drei Prüfungen in der Wüste
    (Script: Rodolfo Cimino / Zeichnungen: Massimo de Vita / Storycode: I TL 809-A / Premiere: 30.05.1971 als "Zio Paperone e la febbre dell'oro")
    Gold im Weltraum
    (Script: Rodolfo Cimino / Zeichnungen: Massimo de Vita / Storycode: I TL 804-A / Premiere: 25.04.1971 als "Zio Paperone e la soluzione orbitale")
    Phantomias ist phänomenal
    (Script: Guido Martina / Zeichnungen: Massimo de Vita / Storycode: IS TL 835-A / Premiere: 1.Teil: 28.11.1971; 2.Teil: 05.12.1971 als "Paperinik e la scuola del krimen")

    Zusammen erschienen diese Geschichten erstmals in dem italienischen "I Classici di Walt Disney prima serie", Band 63: "Il Trionfo di Paperinik" im September 1975. Die deutsche Erstveröffentlichung war im Januar 1977.

    (Daten – nicht Einfärbungen! – übernommen von www.ltb-online.de und inducks
    Geändert von T.A.F.K.A.T. (22.10.2005 um 13:42 Uhr) Grund: 'n paar Inducks-Daten hinzugefügt

  2. #2
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    Bei der Geschichte "Die 3 Prüfungen in der Wüste" sieht man übrigens wieder einmal deutlich M. de Vitas Affinität zu Barks: die Professoren, die das Geld untersuchen, sind eindeutig eine Adaption der Wissenschaftler aus "Weihnachten für Kummersdorf" (TGDD 3) ...

  3. #3
    Toll, dass die Rezensionsidee aufgegriffen wird!
    Leider habe ich dieses LTB nicht zur Hand - ich würde gern auch meinen Senf dazu geben. Werde vielleicht mal am Kiosk danach Ausschau halten...

    @Treviris:
    Wie machst Du das mit den Spoilern? Muss ich unbedingt kopieren...

  4. #4
    Mitglied Avatar von T.A.F.K.A.T.
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    @Silly Symphony: das kann man in Beiträgen nicht zeigen! Geh mal bei meinem Beitrag auf Zitat, dann siehst Du die Spoiler-Zeichen, die so aussehen wie die Zitat-Zeichen

  5. #5
    Mitglied Avatar von langhaar!
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    Das funktioniert analog zum Ziteiren, nur dass man statt QUOTE SPOILER nimmt.

    also

  6. #6
    Supertoll! Danke Euch beiden! Werd' ich ab jetzt auch anwenden.

  7. #7
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    Zitat Zitat von langhaar!
    Das funktioniert analog zum Ziteiren, nur dass man statt QUOTE SPOILER nimmt.

    also
    Ach, den Spoiler probiere ich jetzt nicht aus, steht ja eh bloß wieder sinnloses blabla drin!

  8. #8
    Vor 14 habe ich dieses LTB gekauft,plus 10 andere.
    Die Storys finde ich alle sehr gut,ausser die erste.

  9. #9
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    Was hast du an der ersten auszusetzen?
    mfg, Gerhard

  10. #10
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    Dieses LTB zählt auch zu meinen Favoriten, weil Donald Phantomias hier für eigene Rachezwecke benutzt. Donald ist egoistisch und deshalb passt dieser Phantomias gut zu ihm.

    Wofür dieser neue Superman Phantomias, der so einen selbstlosen Donald widerspiegelt. So ist er doch garnicht.

    Donald wäre doch viel zu faul um in kühlen Nächten sich zum Retter für die Gerechtigkeit zu stilisieren.

  11. #11
    Mitglied Avatar von Lupo
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    Etwas verspätet zwar, doch leider liegt mir Band 44 nur in einer vielgelesenen und entsprechend zerfledderten Ausgabe vor, und ich mußte mir die einzelnen Seiten erst mühsam aus dem Umzugskarton zusammensuchen.


    Onkel Dagobert schlägt zurück:
    Das sind solche Geschichten, für die ich Perego trotz seiner arg begrenzten zeichnerischen Fähigkeiten lieben lernte. Ich finde, daß er sich in seinen langen Geschichten meist wesentlich mehr Mühe gibt als in den Rahmenhandlungen, was sich vor allem in einer großen Detailverliebtheit äußert, und diese macht andere Mängel wie z. B. falsche Proportionen wieder wett.
    Die Handlung ist logisch aufgebaut und unterhaltsam, und so bleibt unter dem Strich zwar kein Highlight, aber eine unterhaltsame und lesenswerte Geschichte.


    Phantomias ist wieder da!:
    Zunächst schließe ich mich der Ansicht an, daß die Story wirklich hanebüchen und unlogisch ist. Nachdem KK angibt, er habe Phantomias gesehen, stellt der Richter fest: Es gibt keinen Dieb, deshalb liegt auch kein Diebstahl vor. Hä? Ist der Tatbestand des Diebstahls nicht zunächst mal an einen entwendeten Gegenstand geknüpft? (By the way: Daß die Prozeßdauer und die Verurteilung eines Verdächtigen in Entenhausen vor allem vom Speiseplan und den Freizeitaktivitäten des Richters abhängig ist, hat mich früher oft irritiert und mein Gerechtigkeitsempfinden sehr ins Wanken gebracht )
    Dann: Warum wird der Prozeß nicht weitergeführt, wo doch nicht nur Phantomias' Existenz feststeht, sondern auch die Tatsache, daß er wirklich der Dieb ist? Und warum verliert KK den Titel des "findigsten Sammlers", wo doch nicht nur jeder weiß, daß er den Skarabäus tatsächlich gefunden hat, sondern auch, daß er ihm von Phantomias gestohlen wurde?
    Auch verstehe ich nicht ganz, warum anfangs alle Welt von Phantomias' Nichtexistenz überzeugt ist. Zwar tritt am Ende von Band 41 ein Phantomias-Roboter auf, doch bestehen dort nach meinem Empfinden keine Zweifel daran, daß es auch einen echten Phantomias gibt (schon gar nicht bei Dagobert). Auch die Rahmenhandlung läßt nicht darauf schließen, als hielte man Phantomias für eine nicht reale Person. Wieder mal ein Übersetzungsfehler?

    Doch zum positiven: Phantomias ist wieder da! Und es ist der wahre Phantomias, nicht jener Batman-Verschnitt, der Nacht für Nacht durch Entenhausen streift und die Polizei arbeitslos macht, sondern der Rächer der Entrechteten, Donalds zweites Ich, das zuerst einmal seine eigenen Interessen verfolgt.
    Insgesamt eine ziemlich verwirrende und sinnfreie Geschichte, die allein vom Charisma des Phantomias zusammengehalten wird.


    Die drei Prüfungen in der Wüste:
    Das ist eine Geschichte mit Format, eine jener herrlich abstrusen Abenteuer-Geschichten, wie sie für jene Zeit charakteristisch sind. Spannend, abwechslungsreich und vor allem vor Gags strotzend, wirklich ein echter Höhepunkt. Treviris' Ausführungen möchte ich höchstens insoweit ergänzen, als daß es sich auch dann um eine Spitzengeschichte handeln würde, wenn sie sich nicht als Traum erweisen würde.


    Gold im Weltraum:
    Wie Treviris schon schrieb, krankt die Story ein wenig daran, daß es eigentlich zwei sind: Einmal die Flucht in den Weltraum, dann die Geschichte mit den Panzerknackern auf der Insel... teile ich sie in diese beiden Teile auf, dann gefällt mir der zweite wesentlich besser, eine typische Panzerknacker-LTB-Story, die ich - wie auch die Prüfungen in der Wüste - als genretypisch bezeichnen möchte. De Vita hat in dieser Ära ebensoviel Anteil am Stil des LTB wie Scarpa.


    Phantomias ist phänomenal:
    Treviris hat im Grunde alles geschrieben. Eine von vorne bis hinten spannende, unterhaltsame Geschichte mit einem Phantomias in Bestform. Für mich nicht nur die beste Geschichte des Bandes, sondern auch eine der besten mit Phantomias überhaupt.


    Ich habe die ersten drei Phantomias-Bände immer als eine Art Trilogie betrachtet, als in sich abgeschlossenen Erzählzyklus. In Band 41 erlebten wir, wie der Rächer entstand und erste Erfolge feierte, In Band 44 seine Rückkehr und den Kampf um die öffentliche Anerkennung und schließlich in Band 57 den krönenden Abschluß, indem ihm mit der Phantomime eine gleichwertige Rivalin gegenübergestellt wurde. Fast alles, was danach erschien, entfernte sich von dieser Grundidee, die einzige spätere Geschichte, die ich noch als kanonisch ansehe, ist "Der verschwundene Totempfahl" in Band 75, mit der sich der Ur-Phantomias verabschiedete.

    Meine Reihenfolge:
    1. Phantomias ist phänomenal
    2. Die drei Prüfungen in der Wüste
    3. Gold im Weltraum
    4. Onkel Dagobert schlägt zurück
    5. Phantomias ist wieder da!
    Freitag ist Freutag - ist Fix-und-Foxi-Tag

  12. #12
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    In der Geschichte "Gold im Weltraum" möchte ich besonders die Szene auf S. 182 hervorheben, in der Dagobert die Reste seiner Geldscheine auf eine Schaufel kehrt: "Ich will die Asche in einer Urne beisetzen!"

    Übrigens die einzige Stelle im gesamten Disney-Werk, in der das Thema "Feuerbestattung" - wenn auch karikierend - angesprochen wird.

    Wen's interessiert: Die Story gibt's auch als Heftfassung in MM 30-32/75.

  13. #13
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    Zitat Zitat von Lupo
    die einzige spätere Geschichte, die ich noch als kanonisch ansehe, ist "Der verschwundene Totempfahl" in Band 75
    ...der ja eigentlich der zweite Teil eines (zugegebenermassen eher lose zusammenhängenden) Zehnteilers ist.

    http://coa.inducks.org/story.php/x/IS+TL++906-A//

  14. #14
    Die Geschichte mit dem Lateinlehrer gehört zu meinen liebsten
    Geschichten und den Skarabäus hab ich auch x-mal gelesen.

  15. #15
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    Eigentlich ist LTB 44 eine Mogelpackung. Nachdem in LTB 41 Donald Alter Ego Phantomias eingeführt wurde, lacht selbiger Charakter schon 3 Bücher später erneut den Leser vom Cover an.
    Mogelpackung deswegen, weil nur 2 der 5 Geschichten in diesem Band von Phantomias handeln. Nach heutigem Standart ist eine Phantomias-Geschichte pro Band Pflicht, für damalige Verhältnisse hätte ich aber zumindestens mit einem ganzen Band voller Phantomias-Geschichten gerechnet, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gab es auch bestimmt schon genügend Vorlagen aus Italien, die man hätte nutzen können. Nicht umsonst gibt es noch immer 2 unveröffentlichte Phantomias-Storys von De Vita.
    Jedenfalls macht LTB 44 da weiter, wo LTB 41 endete, Phantomias ist immer noch mehr im Auftrag von Donalds Interessen unterwegs, als das er seine neu entdeckten Fähigkeiten zur Gunst der Allgemeinheit nutzt. Donalds schon nicht kleines Selbstbewusstsein expandiert noch mehr, versteckt er sich doch allzu gern hinter dem Namen seines "Freundes" Phantomias und prahlt mit dessen Intelligenz, Kraft und Ausdauer und das er und Phantomias doch soviel gemeinsam haben. Er gefällt sich so sehr in der Rolle des Rächers und lässt es sich auch nicht nehmen, Angst und Schrecken unter seinen Feinden (zu diesem Zeitpunkt ist dies in erster Linie seine eigene Verwandschaft) zu verbreiten, da hält er auch mal jemanden gerne mal eine Pistole vors Gesicht, weil dieser es gewagt hat, ihn schief anzuschauen.
    Ich persönlich finde die beiden Storys in diesem Band etwas schwächer, da die Geschichten doch etwas unglauwürdig erscheinen, das wird besonders in der Geschichte "Phantomias ist wieder da!" deutlich. "Phantomias ist phänomenal", die letzte Geschichte des Bandes ist da schon etwas besser, gehört aber nicht zu meinen Lieblingsgeschichten. Allerdings kristallisiert sich hier schon heraus, dass der Zeichner Massimo De Vita die zukünftigen Geschichten von Phantomias fast im Alleingang illustrieren wird. Wahrlich keine schlechte Wahl.

    Fazit: Sieht man mal von der m. M. nach grottenschlechten Perego-Story am Anfang des Bandes ab, ist LTB 44 ein recht nettes Lesevergnügen, zumal es fast nur Zeichnungen von De Vita enthält. Die anderen Storys, in denen es nicht um Phantomias geht, sind vielleicht nicht jedermanns Sache, ich persönlich fand da noch "Gold im Weltraum" am besten. Ansonsten gehört dieser Band nicht wirklich zu meinen Favoriten.

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