Also für mich hat der Name "Spirou" absoluten Nostalgie-Faktor, denn die Spirou & Fantasio-Comics waren neben Asterix und Lucky Luke in meiner Kindheit und Jugend meine Lieblingscomics. Ich habe bestimmt mal irgendwo gelesen, dass die früher Pit und Pikkolo genannt wurden, das ist aber nicht in meiner Erinnerung gängen geblieben, und jetzt kommt's mir so vor, als würde ich es zum ersten Mal hören. Ich kenne auch niemanden persönlich, dem Pit und Pikkolo mehr sagen würde als Spirou. Das Marsupilami ist sowieso in aller Munde.
Ich finde es seltsam, dass Französisch hierzulande so wenig verkaufsfördernd ist, während die amerikanischen Superhelden ihre Namen alle behalten dürfen und damit prächtig ankommen.
Und bei dieser Diskussion hier wird mir wieder bewusst, wie dringend ich Französisch lernen sollte, damit mir das alles egal sein kann. Wenn ich das Lucky Luke(?)-Beispiel oben ansehe, wie in diesen Texten früher rumgemurkst wurde, da wird mir echt anders.
Dieses harmlose Beispiel ist für Dich Rumgemurkse? Na denn: Tätäää! Tusch!
Übrigens, die Maschinenschrift, einfach wunderbar.
Ach wär Ich doch ein Junge noch wie einst
Nun ja, ich arbeite als Übersetzer, und ich würde nie einer Figur, weil mir danach ist, regelmäßigen Whiskeygenuss und Spielsucht andichten, wenn das nicht da steht, noch würde ich es weglassen, wenn es da stünde. Jetzt aber mal hallo, geht's noch? Genauso würde ich nicht irgendwelche Versicherungen dazuerfinden oder weglassen. Ich weiß nicht, was an dem Beispiel harmlos sein soll.
In jeder Hinsicht harmlos und auch inhaltlich durchaus sinnvoll, da klar wird daß Malone den Geldnachschub für seinen exzessiven Lebenswandel braucht. In einem Western einem Gauner Whiskygenuß und Kartenspiel "anzudichten" ist weiß Gott kein Sakrileg sondern genrebedingt, was anderes wäre es natürlich Spirou zum Trinker und Spieler zu machen.![]()
Eiwei, ich kenne das Original der betreffenden Lucky Luke - Stelle nicht, aber vermute hier sehr, dass es schon um die Frage geht, ob man werkgetreu übersetzt, oder ob es legitim ist, etwas hinzuzuerfinden. In der Tat ist das eine Ermessensfrage. Es geht letzlich darum, ob man ein Werk eher als solches ansieht oder als Rohmaterial, um ein neues Produkt frei nach eigenem Gutdünken zu erzeugen. Gerade im Comicbereich ist letzteres - zumindest früher - nicht so unüblich. Wenn man so will: Kunst vs. Ware. Die end- und allgemeingültige Entscheidung dieser Frage gibt es wohl nicht unbedingt, ich weiß aber, was ich vorziehe.
ein säufer ist er anscheinend wirklich: allerdings frag ich mich natürlich was bei kauka dann in der nächsten sprechblase stand ...
![]()
Und das ist eben das verbreitete Vorurteil bei vielen Comiclesern. Carlsen: Kunst - Kauka: Ware. Und das stimmt so ganz einfach nicht, denn sehr viele Carlsen-Texte weichen ähnlich stark vom Originaltext ab wie frühere Kauka/YPS/wasauchimmer-Fassungen. Das ist oft eine schlichte Notwendigkeit, da viele Wortspiele/Anspielungen etc. schlecht bis gar nicht ins Deutsche übertragbar sind.
Durch das Maschinenlettering früherer Magazinfassungen waren viel längere Texte möglich als beim ästhetischeren, aber platzraubenden Handlettering, wodurch die alten Versionen manchmal mehr "Tiefe" hatten als spätere Albenfassungen - besonders bei Percy Pickwick sticht das im Vergleich zu den YPS-Fassungen ins Auge, wo die Carlsen-Texte sehr viel kürzer und schlichter ausgefallen sind.
Geändert von Zyklotrop (06.02.2013 um 10:20 Uhr) Grund: Ausgelassenen Buchstaben eingefügt. ^^
Ächz, gefunden!
Bei Kauka steht: "...von mir bekommst du keinen Cent mehr! Das ist mein letztes Wort, Frank Malone!"
"All right, Boston! Du hast deine Grabrede gehalten!"
(Das waren Zeiten! Man konnte eine Reise an den Großen Bärensee in Amerika zum Stamme
der Chipewyan gewinnen und Familie Feuerstein machte Werbung für Milky Way)
Ach so, vergessen zu erwähnen: FF Super Bnd. 23 - Der Scout des Satans
Geändert von frank1960 (06.02.2013 um 17:56 Uhr) Grund: ach so, vergessen zu erwähnen
Ach wär Ich doch ein Junge noch wie einst
Mich erstaunt ja immer wieder Deine Chuzpe, bestimmte Dinge derart verallgemeinert zu postulieren. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass Du sehr viel mehr Kauka-Texte als Originaltexte gelesen hast und vermutlich auch eher wenige Serien in allen drei Versionen (Kauka, Carlsen UND Original). Selbst wenn diese Unterstellungen und Vermutungen nicht zutreffen, bezweifel ich doch stark, dass Du für eine Aussge wie 'sehr viele Carlsen-Texte weichen ab', die nötigen Texte kennst, um das beurteilen zu können. Ich hab mich ja -besonders bei Andy Morgan*- auch mit Textvergleichen beschäftigt, aber meine diesbezüglichen Erkenntnisse sind auch nur 'Stichproben', die MIR nicht ausreichen würden, das derart zu generalisieren.
Aber ich weiss ja eigentlich, wenn auch in anderen Zusammenhängen, dass es gradezu Deine Parade-Disziplin ist, sich weit aus dem Fenster zu lehnen...
*A propos Andy Morgan: Es gibt mindestens eine Stelle bei Carlsen, die nicht nur belegt, sondern beweist, dass der Carlsen-Übersetzer sich zuweilen den Job einfach gemacht hat, indem er einfach den Koralle-Text 1:1 übernommen -also abgeschrieben, statt übersetzt- hat. An dieser Stelle hat der Koralle-Text nämlich so gar nichts mit dem Originaltext zu tun, das KANN da also keine 'zufällige' Gleichübersetzung sein... - Und ich vermute(!), dass die Carlsen-Texte zuweilen auch deshalb einfach kürzer ausfallen, weil der Originaltext gar nicht benutzt und übersetzt wurde, sondern ne frühere dt. Übersetzung einfach umformuliert wurde. So blieb dann alles, was bei der zugrunde liegenden ersten dt. Textfassung schon wegfiel oder verändert wurde, logischerweise auch im darauf basierenden 'neuen' Text unberücksichtigt. So verflachte dann -in Bezug auf den Originaltext- die Übersetzung noch zusätzlich.
Geändert von zaktuell (06.02.2013 um 17:50 Uhr)
Gruss!,liver
- Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Rechtsthemen -
Support your local dealer.
-Unterstütz Deinen örtlichen Kleingewerbetreibenden-
- © 2000-2013 by: Oliver Manstein [Disclaimer] -
Geändert von Mick Baxter (06.02.2013 um 19:00 Uhr)
Das ICOM-Heft zum Gratis Comix Tag jetzt herunterladen (7,3 MB)!
War aber auch nicht immer so, gerade die Marvel Helden wurden ja früher auch eingedeutscht ("Die Spinne", ect.") und auch manche weniger populären DC-Helden, "Batman" und "Superman" durften hingegen ihre Namen behalten.
Natürlich hat auch Carlsen so einiges verbrochen (siehe dazu aktuell auch diesen Beitrag), aber Kauka und von ihm geprägte Mitarbeiter hatten sich halt noch mehr Freiheit, und dies zu einem Großteil auch aus Respektlosigkeit den Künstlern gegenüber genommen. Und das haben diese teilweise auch entsprechend übel genommen. Siehe Asterix-Verbot für Kauka, oder auch eine Aussage Hermanns von 1985, wiedergegeben im Bonusteil zweier aktueller Ausgaben bei Kult Editionen (Jeremiah GA 2 und noch ein Andy Morgan):Er bezog sich damit auch auf eine Rick Master Geschichte, die im Zack (unter Wiechmann) zu zwei kürzere Einzelgeschichten umgedichtet wurden, wobei bei der einen noch manche Personen falsche Bärte verpasst bekamen, damit es nicht auffällt.Die Deutschen verfügen zwar über große Qualitäten, für die Produktion von Comics taugen sie aber nicht viel. Ohne auf andere zu hören, wollen sie alles besser machen. Sie respektieren dein Werk nicht, weil sie in dem Moment, wo sie es gekauft haben, der Meinung sind, damit alles tun zu können, was ihnen in den Kram passt.
Geändert von Susumu (06.02.2013 um 19:53 Uhr)
Beim (noch unveröffentlichten) Sprechblase-Interview zog Hermann über Carlsen und Kult her, unter anderem weil er die "deutschen" Titel Andy Morgan und Bos-Maury verabscheut. Besonders bei zweiterem kann er sich nicht erklären, warum man den Titel durch das Weglassen des Is verunstaltet hat, Bois heißt ja bekanntlich Wald, während Bos überhaupt nichts bedeutet. Wo ist hier der "Respekt vor dem Künstler", der bei diesen Änderungen nie gefragt wurde?
@zaktuell
Lieber zakki, wenn Du annimmst daß ich in Ermangelung von Französischkenntnissen bei den genannten Serien nur die diversen deutschen Textfassungen vergleichen kann, so hast Du sicherlich recht. Wobei man bei eingedeutschten Namen und typisch deutschen Kalauern auch ohne Kenntnis des Originals davon ausgehen kann, daß das so in diesem nicht vorzufinden ist. Wenn ich trotzdem von manchmal stark veränderten Texten bei Carlsen spreche, so musst Du bedenken daß Carlsen nicht nur französische Comics veröffentlicht. Bei den US-Titeln z.B. konnte ich sehr, sehr oft direkt mit dem Original vergleichen. Z.B. Uwe Antons Übersetzungen - grauenvoll. Wurde bei der aktuellen Panini-Ausgabe von "Knightfall" leider wieder benutzt.
Quark, auch hier handelte es sich in der Regel um redaktionelle Notwendigkeiten, z.B. in der Vor-Alben-Ära das Material aufs verkaufbare Taschenbuchformat umzumontieren. Gerade das abgebildete Lucky Luke-Beispiel zeigt daß das Artwork kaum darunter gelitten hat. Auch bei den "Carlsen Pockets" wurde seinerzeit ummontiert. Wer hat sich empört? Niemand. Anscheinend macht es einen Unterschied, ob es Knigge oder Kauka macht. Auch der Vorwurf der "künstlichen Verlängerung" trifft es nicht wirklich, denn oft kann ein Sachverhalt in einer anderen Sprache bedeutend kürzer oder länger zum Ausdruck gebracht werden, wodurch abweichende Textlängen in der Übersetzung keine Seltenheit sind.
Geändert von Zyklotrop (06.02.2013 um 20:12 Uhr) Grund: Ergänzung.
Die Sache mit Bo(i)s-Maury ist wenigstens noch soweit verständlich, da es sonst sicher genug Koffer geben würde, die Bois dann wie Joseph Beuys aussprechen würden. Wenn man bedenkt, dass eine deutsche Molkerei mal sich bei ihrem Frischkäse "ganz französisch" geben wollte, Unsummen in Fernsehwerbung investierte, in denen den Leuten zig Mal pro Spot vorgequatscht wurde, dass das "T" am Ende des Namens stumm zu bleiben hat, und ihr Produkt letztendlich doch von "Bressot" auf "Bresso" umtaufen musste, ist das schon irgendwie nachvollziehbar.
"Boah-Maury" hätte jetzt aber auch nicht sonderlich prickelnd ausgeschaut, da hat man den Namen halt lieber gleich verfremdet. Gibt schlimmere Sünden. "Bos-Maury" wirkt wenigstens noch stilvoll. "Jacky Kottwitz" klingt beispielsweise in meinen Ohren ganz schauderhaft, hat sich aber nun leider so verfestigt, dass der Name aus Wiedererkennungsgründen weiterhin beibehalten werden muss.
Oh nein, selbst der Urvater der Superhelden schrieb sich in seiner deutschen Anfangszeit mit zwei "n" am Ende.
Und war in seiner Privatidentität als "Klaus" bzw. "Karl Kent" unterwegs, stets begleitet von seiner Reporterkollegin "Luise Lang" (in den drei "Suoermann"-Heften von 1950 und in "Buntes Allerlei").
Auch das ist so nicht ganz korrekt, diese "Rick Master"- Geschichten erschienen nicht als Einzelgeschichten sondern in Fortsetzungen und auch erst nach Wiechmann in Zack.
Man brauchte dort damals noch ein gutes halbes Jahr um von solchen Kürzungen wieder wegzukommen.
Von ähnlichen Überlegungen hat man sich auch bei deutschen Titeln wie "Halk" oder "Rip Korby" leiten lassen... aber worauf ich eigentlich hinauswollte: auch bei den ach so künstlerisch-intellektuellen Nobelverlagen ist der Comic nicht weniger Ware als er es für Kauka & Co. war. Wenn es einer -vermuteten- besseren Verkaufbarkeit dient, wird nach wie vor munter verändert, ohne sich viel um den Willen der Künstler zu scheren.
Das sind doch die Typen die "Klatsch Klatsch" sagen, anstatt in die Hände zu klatschen.
Richtick! Was erlauben sich deutsche Vollkoffer, Namen für ihren eigenen Zungenschlag zurechtbiegen
zu wollen?! So etwas ist z.B. Franzosen oder Amis erlaubt, aber doch nicht uns!
Ach wär Ich doch ein Junge noch wie einst
Im Comic-Stammtisch haben wir mehrfach detailliert auch Kauka-Übersetzungen im Vergleich zu anderen thematisiert:
http://www.comicforum.de/showthread....ic-Stammtisch-!!
Dabei gab es positive (Schlümpfe, Kokomiko=Marsupilami),
http://www.comicforum.de/showthread....ie-Schl%FCmpfe
http://www.comicforum.de/showthread....pilami-Special
aber auch heftige Negativbeispiele (Old Nick, Spirou/Bretzelburg),
http://www.comicforum.de/showthread....t-und-Old-Nick
http://www.comicforum.de/showthread....u-und-Fantasio
die den Eindruck erwecken, als ob es den betreffenden Übersetzern nicht nur um bessere Verkaufbarkeit gegangen wäre.
Damit meinst du zum Beispiel mich. Ich kenne Donald Duck als Duck und nicht als Dack, das war zu einer Zeit, in der wir Levis-Jeans trugen und Nike-Schuhe trugen so wie man sie spricht. Viele Englische Wörter haben wir selbstverständlich eingedeutscht. Was sollte daran eigentlich so schlimm sein?
„Ein großer Krieger? Groß machen Kriege niemanden." (Yoda in Star Wars Episode V)
Mein Blog: http://maltestageblog.blogspot.com/
Gratis IPad und IPhone-App: Vorlesegeschichte für Kinder "Die Maus & der Riese"
http://itunes.apple.com/de/app/maus-...472630944?mt=8
Gruss!,liver
- Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Rechtsthemen -
Support your local dealer.
-Unterstütz Deinen örtlichen Kleingewerbetreibenden-
- © 2000-2013 by: Oliver Manstein [Disclaimer] -
Lesezeichen