Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: 2009
Es ist vollbracht. Das dritte Volume der Liga der außergewöhnlichen Gentleman ist abgeschlossen, und die Century-Trilogie nach „1910“, 1969“ und „2009“ beendet. Es war ein langer Weg, der uns und die Liga durch das an die Dreigroschenoper angelehnte London am Anfang des 20. Jahrhunderts und durch das psychedelische „Swinging London“ in die harte Gegenwart des Jahres 2009 geführt hat.
Die Anzahl der Mitglieder der Liga sind ist zusammengeschrumpft. Während 1910 noch der Einbrecher A. J. Raffles und der Hellseher Thomas Carnacki mit von der Partie waren, sind nach 100 Jahren nun nur doch die „Unsterblichen“ Wilhelmina „Mina“ Murray, Orlando und der Abenteurer Allan Quatermain aus der ursprünglichen Besetzung übrig. Bislang konnte der reinkarnierende Schwarzmagier Haddo zwar zurückgedrängt werden, aber sein Plan der Schaffung eines Mondkindes (d.h. des Antichristen) steht immer noch.
Nachdem Mina 1969 nach dem von Drogen verursachten Psychotrip, bei dem sie Haddo auf der Astralebene bekämpfen konnte, verschwunden war, sind Allan Quatermain und Orlando in ihrer Verzweiflung getrennte Wege gegangen. Orlando, der dazu verdammt ist, in unregelmäßigen Abständen sein Geschlecht zu Wechseln, hat sich in das gestürzt, was er gut kann, und was ihm vertraut ist: Krieg. Auf den Schlachtfeldern der Welt hat der Unsterbliche Tod und Verderben gesät. Doch das ist nun vorbei. Nach einem Nervenzusammenbruch, bei dem er neben dem Feind auch seine ganze Einheit ausgelöscht hat, ist es wieder soweit. Er verwandelt sich nach und nach in eine Frau. Also begibt er sich nach London in die Basis der Liga, doch niemand ist zuhause. Kein Hinweis, was mit Mina oder Allan passiert ist. Plötzlich erscheint der Magier Prospero, der Orlando informiert, daß die Apokalypse unmittelbar bevorsteht.
Orlando beschließt, alles auf eine Karte zu setzen. Er wendet sich am dem Geheimdienst ihrer Majestät, doch dessen Leiterin „M“ ist nur schwer davon zu überzeugen, dem unsterblichen Wesen zu helfen. Doch als das Angebot stimmt, erhält Orlando die Information, daß Mina in einer Irrenanstalt lebt – und das seit 40 Jahren.
Kann Orlando sie aus ihrer Gefangenschaft in der Psychiatrie befreien? Und wo ist Allan Quatermain?
Fazit:
Wer Alan Moore liest, weiß, daß ihn keine leichte Kost erwartet. Die Werke sind gespickt mit jeder Menge Anspielungen und Anleihen aus Geschichte, Literatur und Musik, dazu meist aus einer sehr britischen Sichtweise. Wer den Anspruch hat, hier alles verstehen zu wollen, wird einen langen Weg vor sich haben. Daher ist es etwas schade, daß in den Bänden der Century Trilogie keine redaktionellen Anmerkungen vorhanden sind. Andererseits macht es Spaß, vieles selbst zu entdecken, zum Beispiel sei hier noch auf die umfangreichen Artikel bei Wikipedia zu dem Thema verwiesen.
Wie auch in den anderen Teilen der Trilogie hat Moore Figuren aus britischen Filmen und Büchern verwendet. In diesem Band gibt es Auftritte eines bekannten Doppelnull-Agenten, doch der Schwerpunkt liegt auf dem erfolgreichen britischen Literaturexport Harry Potter. Doch Fans des jungen Zauberers werden sich bei der Interpretation von Allan Moore ungläubig die Augen reiben.
Insgesamt läßt der Autor keinen Zweifel daran, was er von unserer modernen Zeit hält: nichts!
Besonders fällt dies auf, als Mina nach 40 Jahren geistiger Abwesenheit das London des Jahres 2009 betrachtet, sich an die hoffnungsvollen 60er erinnert und sich fragt, was aus all dem Enthusiasmus geworden ist...
Zu den Zeichnungen von Kevin O'Neill braucht man keine Worte mehr zu verlieren. Er ist DER Zeichner der Liga der außergewöhnlichen Gentleman. Punkt.
Man kann nur hoffen, daß sich die amerikanischen Rechteinhaber von „The Black Dossier“ einig werden, damit auch jener Band, der 1958 spielt, auch in anderen Ländern außer den USA publiziert werden kann, denn auch in „Black Dossier“ gibt es Querverweise und Anspielungen zur Century-Trilogie.




Zitieren




Lesezeichen