szmtag Ligne Claire und École Marcinelle
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    Mitglied Avatar von zaktuell
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    Ligne Claire und École Marcinelle

    Im Ehapa-Forum hat sich aus diesem Thread eine Diskussion um die beiden klassischen belgischen Comic-Traditionen (siehe Thread-Titel) entsponnen, die mir nun hier einen eigenen Thread wert erscheinen.

    1938 wurde das Magazin Spirou (Dupuis) gegründet, 1946 folgte das Magazin Tintin (Lombard), 1959 schliesslich das Magazin Pilote (Asterix, Dargaud). Aus der Konkurrenzsituation dieser drei grossen franco-belgischen Magazin-Klassiker entstand eine für das Medium bedeutende eigenständige Comicproduktion (Näheres dazu unter den Stichworten Spirou, vor allem aber Tintin und Pilote in der Wikipedia).

    Diese Comickultur beruht auf den beiden Grundströmungen Ligne Claire (Tintin) und École Marcinelle (Spirou), die ursprünglich eng mit den jeweiligen Magazinen verbunden sind.
    Zitat Zitat von Andreas C. Knigge in: Comics - Vom Massenblatt ins multimediale Abenteuer, rororo 6519, S. 196
    Erst Mitte der fünfziger Jahre begannen sich die Unterschiede durch Zeichnerwechsel und gegenseitige künstlerische Beeinflussungen zu verwischen.
    Dadurch ergibt sich, warum das jüngste der grossen drei Magazine, Pilote, in dieser 'Stil-Kunde' keine grundlegende Bedeutung hat: Erst Ende der fünfziger Jahre gegründet, rekrutierte Pilote Zeichner und Autoren, die vorher bei Tintin und/oder Spirou gearbeitet hatten (oder bei den Zeichnern und Autoren dieser beiden Magazine 'in die Lehre' gegangen waren, in deren Studios gearbeitet hatten o.ä.). So liefen in Pilote also bereits beide Strömungen zusammen, was möglicherweise eine Ursache dafür war, dass Pilote im Vergleich der grossen drei das innovativste, jüngste, frechste, frischeste Magazin war.

    Die Ligne Claire ist ein Begriff, der 1976 von dem Holländer Joost Swarte (siehe COMIXENE 74/75) eingeführt wurde und den Stil des Tintin-Schöpfers Hergé beschreibt. Typische Stil-Merkmale sind funktionale, präzise Konturlinien, monochrome, flächige Farbgebung und der weitgehende, wenn nicht gar völlige Verzicht auf Straffuren, Farbverläufe, Schatten, Raster o.ä. Diese formale, zeichnerische Klarheit hat seine Entsprechung in der Art der Erzählung, die ebenso gradlinig, funktional, schnörkellos erfolgt. Hergé hatte bei dem nach seiner Erfolgsserie Tintin (Tim und Struppi) benannten Magazin die Position des 'künstlerischen Leiters' und gründete 1950 das 'Studio Hergé'. Dadurch hat er eine Reihe von Künstlern (Bob de Moor, Jacques Martin, Roger Leloup, E.P. Jacobs, u.v.m.) massgeblich beeinflusst. Ende der 70er Jahre, als die 'Stilvermischung' mit der 'École Marcinelle' längst vorangeschritten war, kehrten eine Reihe von jungen Künstlern (Swarte (s.o.), Yves Challand, u.a.) zu Hergés 'reiner Lehre' zurück und bescherten dem Stil als 'Nouvelle ligne claire' eine Renaissance. - Es hat den Anschein, als ob nicht nur der Begriff Ligne Claire, sondern auch seine Definition erst im Zuge dieser Renaissance entstanden und erst die (rückblickende) Betrachtung führte zur Formulierung der Stilmerkmale, die dann -nun postuliert- bei der 'Nouvelle ligne claire' strenger und konsequenter beachtet und angewandt wurden als seinerzeit von Hergé selbst und seinen Mitarbeitern. Die inzwischen aufgekommene Sekundär-Beschäftigung mit dem Medium mag dabei möglicherweise auch eine Rolle gespielt haben.

    Interessant bei dem Versuch, beiden Zeichentraditionen in der Sekundärliteratur nachzuspüren, ist die Tatsache, dass die École Marcinelle im Ggs. zur Ligne Claire in dem französischen Standardwerk schlechthin, Gaumers und Moliternis Dictionnaire mondiale de la Bande Dessinée, keinen eigenen Stichwort-Eintrag hat. Auch sonst wird der Begriff 'École Marcinelle' in vielen Sekundär-Texten verwendet, dabei aber kaum erklärt. Im Gegenteil finden sich zum Teil wiedersprüchliche Aussagen. Das beginnt schon damit, dass der Ursprung des Begriffs -im Ggs. zu dem der 'ligne claire'- (mir) nicht bekannt ist: Keine Jahreszahl, kein 'Analog-Swarte' war zu finden. Da der Begriff aber in den meisten Fällen seiner Verwendung als Gegenbegriff zur ligne claire auftaucht, liegt die Vermutung nahe, dass er irgendwann nach 1976 eben als solcher aufkam (wie wir noch im Folgenden sehen werden, stimmt diese 'Gegenbegrifflichkeit' streng genommen so allerdings nicht). Aus den -wie bereits erwähnt teilweise widersprüchlichen- Aussagen zur École Marcinelle lässt sich das folgende Bild herauskristalisieren: 'Urvater' der École Marcinelle war -analog zu Hergé- Jijé, der bei Spirou seit der Übernahme der Titelserie zum 'massgeblichen' Zeichner wurde. Jijé leitete nach dem zweiten Weltkrieg die jungen Spirou-Zeichner zwar an, liess ihnen aber die Freiheit, ja ermutigte sie sogar dazu, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Ein 'ästhetisches Dogma' wie bei Tintin unter Hergé gab es also bei Spirou unter Jijé nicht. Zwar lassen sich durchaus stilistische Ähnlichkeiten bei den Arbeiten von zB Peyo, Franquin, Will und Tillieux ausmachen, deren Ursache dürften aber wohl eher in der Zusammenarbeit der Zeichner bzw. ihrer teilweise auch räumlichen Nähe (auch während der Arbeit) zueinander liegen. Anzumerken ist noch, dass die Entwicklung eigener, individueller Stile der einzelnen Künstler sich nicht nur auf die Zeichnungen beschränkte, sondern auch auf die Erzählweise erstreckte.

    Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass die Ligne Claire einen mehr oder weniger klar definierten Stil beschreibt, während die École Marcinelle eine Schule bezeichnet, deren 'Lernziel' die Entwicklung eines eigenen Stils ist. Beides als Gegenbegriff zueinander zu verwenden, ist also im Grunde nicht wirklich korrekt (zur Verdeutlichung: Das wäre, als würde man einen einzelnen, bestimmten Baum -wie zB eine Eiche- als Gegenbegriff zu dem Wort 'Mischwald' verwenden).

    Soweit meine 'auf die Schnelle' gewonnenen Recherche-Ergebnisse in aller Kürze (naja, relativ). Sicherlich ist dabei das ein- oder andere in der Verkürzung nur 'halbwahr' geraten, aber das Ganze ist auch weniger als 'Festschreibung' gedacht, als mehr zur Diskussionsgrundlage. Interessante Ergänzungen erhoffe ich dabei zum Beispiel(!) von Hergé-Spezialisten in Bezug auf die Frage, ob und wenn ja in wieweit dessen von mir in aller Vorsicht apostrophierte 'reine Lehre' tatsächlich von ihm wie dogmatisch festgeschrieben, formuliert, angewandt und von (Studio-)Mitarbeitern (und 'nur Magazin-Weggefährten') gefordert wurde.
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  2. #2
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    Tja, wenn dem wirklich so ist, dann ist der Begriff "Ecole Marcinelle" als stilistische Abgrenzung unbrauchbar. Das wäre schade, denn: ES GIBT EINEN GEMEINSAMEN STIL, der um das Magazin Spirou (Dupuis) herum entstanden ist, zumindest bezogen auf die Semi-Funnies. Dieser Stil blieb aber nicht auf Dupuis beschränkt. Erfolgreiche Beispiele: Spirou und Fantasio/Gaston/Marsupilami (Jijé, Franquin u.a.), Johann und Pfiffikus/Schlümpfe (Peyo), Old Nick und Schwarzbart (Remacle), Harry und Platte (Will), Jeff Jordan (Tillieux), Boule und Bill (Roba), Lucky Luke (Morris, Goscinny), Asterix (Uderzo, Goscinny), Isnogud (Tabary, Goscinny), Minimenschen (Seron), Percy Pickwick (Bédu u.a.), Yakari (Derib), ... Wobei das nicht irgendein Stil neben anderen geblieben ist - wir reden hier teilweise von Ikonen der Unterhaltungsindustrie! Und deshalb wäre ein zusammenfassender, klar umrissener Begriff nützlich.

    Kennzeichen aus meiner Sicht:

    A. Zeichnerisch
    1) karikaturhaft gezeichnete Figuren
    2) Detailreichtum
    3) Bewegungslinien
    4) Darstellung von Gefühlen (spritzende Schweißtropfen etc.)
    5) häufige Verwendung der Zentralperspektive
    6) Panelgrenzen werden eingehalten
    7) Benutzung von Schraffuren, Schatten u.ä.

    B. Erzählerisch
    1) starke Betonung der - oft ausgefallenen - Charaktere
    2) keine Verwendung von anthropomorphen Tierfiguren à la Donald Duck
    3) Betonung von "Nebensächlichkeiten" jenseits der Story-Hauptlinie
    4) Verwendung der comic-typischen Sprechblasen
    5) Parodien menschlicher Schwächen
    6) Geschichten sind in sich abgeschlossen, erfordern keine Vorkenntnisse
    7) für Kinder verständlich, oft aber auch für Erwachsene attraktiv
    8) die Parodie ist gegenüber der Spannung mindestens gleichgewichtig

    Bitte nicht dogmatisch zu verstehen. - Der Kriterienkatalog wäre komplett, wenn tatsächlich nur die obigen Serien (und die vielen mit ihnen verwandten) erfaßt würden. Welche weiteren gemeinsamen Kennzeichen lassen sich ausmachen?

  3. #3
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Zitat Zitat von Kaschi
    Mir ist natürlich klar, daß Barks nicht zur Ligne Claire gehört. Aber - mit Sicherheit zufällige - Parallelen gibt es. Ich hab's gern konkret: z.B. Häuserwände, Mobiliar, andere Hintergrund-Utensilien sind bei Barks genauso wie bei der Ligne Claire meist schlicht gehalten, auf ihre Grundformen reduziert. Sie sind offenbar für den Zeichner nicht weiter wichtig. Das ist bei Franquin und Co. völlig anders.

    Ansonsten gibt es natürlich erhebliche Unterschiede zwischen Barks und Ligne Claire, schon klar.

    Ich wollte damit nur sagen, in welche "Turbulenzen" man geraten kann, wenn die Begriffe nicht genügend scharf umrissen sind.
    "z.B. Häuserwände, Mobiliar, andere Hintergrund-Utensilien sind bei Barks genauso wie bei der Ligne Claire meist schlicht gehalten, auf ihre Grundformen reduziert."
    Gerade die Vertreter der Ligne Claire legten Wert auf die die naturgetreue Darstellung von Utensilien. Es gibt umfangreiche Ausstellungen und Dokumentationen über Hergés Akribie und Detailreichtum. E.P. Jacobs ließ die Arbeit an Blake und Mortimer wochenlang ruhen, bis er die Abbildung eines tokyoter Hydranten als Vorlage hatte.

    © Die "Nouvelle Ligne Claire" kehrte nicht zur reinen Lehre Hergés zurück. Chaland berief sich ausdrücklich auf Jijé als Vorbild.

  4. #4
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    Ich hab' mir jetzt nochmal "Reiseziel zum Mond" (Tim und Struppi, Hergé) und zum Vergleich "Im Banne des Z" (Spirou, Franquin) vorgeknöpft. Es ist in der Tat so, daß Hergé die Gegenstände, um die sich die Geschichte gerade dreht, sehr detailliert, geradezu akribisch genau gezeichnet hat. Irgendwo habe ich mal von der Nähe zu technischen Zeichnungen gelesen. In dem genannten Album finden sich sehr detailliert beispielsweise eine Raketenanlage, ein Jeep, ein Telegramm, ein Telefon-Tischchen, ein Kernreaktor, eine Kommandozentrale, ein Skelett, ein Feuerwehrzug und übrigens tatsächlich eine technische Zeichnung der Rakete. Ziemlich schlicht dagegen die von mir gemeinten Hintergrund-Utensilien: z.B. alle Arten von Böden, Tischen, Wänden, Türen, das Gebirge, in dem Tim herumklettert ...
    Bei Franquin hingegen schimmern bei den Hausmauern die Bausteine durch, Reklame ist zu sehen, Fensterläden hängen schief, wenn Innenwände dargestellt werden, sind sie nie eintönig wie bei Hergé, die Beschaffenheit des Bodens ist meistens erkennbar, Autotypen sind identifizierbar, das Mobiliar hat stets einen bestimmten Stil und charakterisiert damit die Eigentümer (im genannten Band allerdings nur wenig - es sind dort kaum Möbel zu sehen). Von den viel, viel lebendigeren, ausdrucksstärker gezeichneten Figuren ganz zu schweigen.

  5. #5
    Mitglied Avatar von zaktuell
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    Zitat Zitat von Mick Baxter
    (...) © Die "Nouvelle Ligne Claire" kehrte nicht zur reinen Lehre Hergés zurück. Chaland berief sich ausdrücklich auf Jijé als Vorbild.
    Quelle?

    PS: Der Name 'Chaland' wurde von mir aus der Erinnerung zur NLC hinzugerechnet. Möglich, dass ich da irrte und er nicht dazu gehörte. Möglich auch, dass er sowohl Hergés Stil nachahmte als auch (dann in anderen seiner Werke) Jijé...
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  6. #6
    Mitglied Avatar von zaktuell
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    Zitat Zitat von langhaar!
    (...)So, hab' gerade mal im Krägermann einen Artikel zur Ligne Claire durchgelesen.
    "[Swarte] kreierte an diesem Tag den Begriff Ligne Claire. Swarte verstand darunter [] eine zeichnerische Ausrichtung[]"

    Herge selbst hat dann den Aspekt der Lesbarkeit ergänzt. (...)
    In der von mir für den Eingangspost beackerten Literatur war eigentlich fast überall übereinstimmend auch die Erzählebene als Ligne Claire-Definitions-Kriterium mindestens erwähnt. Wobei einige sogar andere kritisieren, weil diese den inhaltlichen Aspekt nicht gleichwertig sondern 'nur' nachgeordnet beschrieben... - Den aussagefähigsten Text dazu erinnere ich im Corian-Lexikon, an dass ich zZt aber nicht für genaueres Nachschlagen dran komme. Ab Montag wieder...
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  7. #7
    Mitglied Avatar von zaktuell
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    Zitat Zitat von Kaschi
    (...) Irgendwo habe ich mal von der Nähe zu technischen Zeichnungen gelesen. In dem genannten Album finden sich sehr detailliert beispielsweise eine Raketenanlage, ein Jeep, ein Telegramm, ein Telefon-Tischchen, ein Kernreaktor, eine Kommandozentrale, ein Skelett, ein Feuerwehrzug und übrigens tatsächlich eine technische Zeichnung der Rakete. (...)
    Ja, auch davon war zuweilen in der Literatur zu lesen (hatte ich nur aus 'nicht-ausufer-Gründen' bisher nicht erwähnt). In der LC spielte Technik(-gläubigkeit) für einige der Sek.-Autoren eine fast schon definitions-immanente Bedeutung und wurde auch zur Abgrenzung gegen die ÉM benutzt: Man erinnere sich zB an den Umgang mit Technik bei Franquin: Bereits in Spirou und der Roboter, extremer noch bei Gastons 'wahnwitzigen' Erfindungen, gerät in der ÉM Technik ausser Rand und Band, erzeugt Anarchie und Chaos. Ganz im Gegensatz zum Technik-Verständnis bei der LC...
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  8. #8
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    Zitat Zitat von zaktuell
    Quelle?
    Witzbold. Das ist 15-20 Jahre her. Ich weiß doch heute nicht mehr, wo das stand. In den üblichen Quellen halt (COMIC FORUM oder sowas), wo Chaland interviewt wurde.

    PS: Der Name 'Chaland' wurde von mir aus der Erinnerung zur NLC hinzugerechnet. Möglich, dass ich da irrte und er nicht dazu gehörte. Möglich auch, dass er sowohl Hergés Stil nachahmte als auch (dann in anderen seiner Werke) Jijé...
    Die Nouvelle Ligne Claire bestand aus Chaland, Clerc und Benoit. Und nur Benoit ist zeichnerisch an Hergé orientiert, Chaland und Clerc haben nichts damit zu tun (schau dir doch mal die expressiven, gummiartigen Figuren an). Allerdings wird das reaktionäre Weltbild der Ligne Claire ausgiebig parodiert.

  9. #9
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    Zwei Fragen:

    1) Was meint Ihr denn nun zu obigem Kriterienkatalog? Stimmen die Einzelpunkte, muß noch was dazu? Wie könnte man den umschriebenen Stil nennen, wenn "Ecole Marcinelle" offenbar nicht brauchbar ist?
    2) Warum gerade das Belgien, genauer Wallonien der Nachkriegszeit? In dieser auf rund 20 Jahre begrenzten Phase und in diesem relativ kleinen Gebiet wurden, wie gesagt, mehrere Ikonen der Unterhaltungsindustrie geschaffen, die von dort aus um die halbe Welt zogen und heute populärer denn je sind. Wären ein oder zwei geniale Einzelpersonen die Keimzelle gewesen, könnte man von Zufall sprechen. Aber das war ja eine ganze, äh, "Bande", die Bande dessinée (autsch!). Darumherum entwickelte sich eine eigenständige, sehr lebendige Comic-Kultur (wobei ich natürlich beide Richtungen meine), die zumindest in Europa ihresgleichen sucht. Also: hat jemand eine Idee oder gibt es entsprechende Erklärungen, warum gerade da und gerade damals?

  10. #10
    Mitglied Avatar von zaktuell
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    Zitat Zitat von Kaschi
    Zwei Fragen:

    1) Was meint Ihr denn nun zu obigem Kriterienkatalog?
    Jo, find ich jut.
    Zitat Zitat von Kaschi
    (...) Wie könnte man den umschriebenen Stil nennen, wenn "Ecole Marcinelle" offenbar nicht brauchbar ist?
    Peter? Klaus? Detlef?
    Oder 'Ligne Non-Claire' (=unklare Linie)?
    Zitat Zitat von Kaschi
    2)(...) Aber das war ja eine ganze, äh, "Bande", die Bande dessinée (autsch!).
    Zitat Zitat von Kaschi
    (...) Also: hat jemand eine Idee oder gibt es entsprechende Erklärungen, warum gerade da und gerade damals?
    Da kam wohl so eins zum anderen: Die grössere Offenheit fürs Medium (als zB in Deutschland, darum da und hier nicht), die Begeisterung für die amerikanischen Comic-Importe, die dann, als der Nachschub an 'Originalen' ausblieb, durch einheimische Produktion ersetzt wurden, der 'Ausnahme-Künstler' Hergé, die Konkurenz-Situation der Magazine Tintin und Spirou (Konkurenz führt ja bekanntlich oft zu besonderen Leistungen auf beiden Seiten - so verdankt die Entstehung des Mediums ja auch einen nicht unwichtigen Teil der Konkurenz zwischen Heasts und Pulitzers Zeitung(en))...
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  11. #11
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Zum Kriterienkatalog: die von Zaktuell der E.M. zugerechneten realistischen Comics fallen da ja raus. Und wahrscheinlich gibt es massenhaft Comics, die mit der Ècole Marcinelle nichts zu tun habern, auf die die Kriterien ebenfalls zutreffen.
    Wem ist damit geholfen,wenn du eine (nach Meinung der Forum-User) wasserdichte Definition bastelst? In Belgien denken sie vielleicht ganz anders darüber (z.B. tatsächlich personengebunden). Es gibt ja auch zu anderen Ausprägungen von Comics keine ein- und ausschließenden Definitionen.

  12. #12
    Mitglied Avatar von zaktuell
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    Zitat Zitat von Mick Baxter
    (...) die von Zaktuell der E.M. zugerechneten realistischen Comics (...)
    Hoppla? Ich hab nix zugerechnet. Hatte das als Frage aufgeworfen...
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  13. #13
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    Zitat Zitat von Mick Baxter
    Zum Kriterienkatalog: die von Zaktuell der E.M. zugerechneten realistischen Comics fallen da ja raus.
    In der Tat. Die "realistischen" Serien stellen ja auch einen völlig anderen Stil dar. Deshalb habe ich mich auf die Semi-Funnies beschränkt.

    Zitat Zitat von Mich Baxter
    Und wahrscheinlich gibt es massenhaft Comics, die mit der Ècole Marcinelle nichts zu tun habern, auf die die Kriterien ebenfalls zutreffen.
    Wenn sie den gleichen Stil benutzen, müssen sie auch nicht notwendigerweise mit Dupuis in Verbindung stehen. So wie etwa Blues heutzutage keineswegs mehr nur in den USA gespielt wird...

    Zitat Zitat von Mick Baxter
    Wem ist damit geholfen,wenn du eine (nach Meinung der Forum-User) wasserdichte Definition bastelst? In Belgien denken sie vielleicht ganz anders darüber (z.B. tatsächlich personengebunden). Es gibt ja auch zu anderen Ausprägungen von Comics keine ein- und ausschließenden Definitionen.
    Ich weiß nur, daß ein solcher Begriff in der Sekundärliteratur von größerem Nutzen wäre als ein unklarer, verwirrender. Ob solche Diskussionen von den "Comic-Päpsten" zur Kenntnis genommen werden, weiß ich allerdings nicht. Eher wohl nicht. Insoweit hättest Du recht.

  14. #14
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    École Marcinelle ist ebenso verwirrend wie "Neue Frankfurter Schule". Da kannst du ja auch versuchen, ein paar Australier dazuzudefinieren.

  15. #15
    Mitglied Avatar von langhaar!
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    @Kaschi

    Ich kann mit deinem Kriterienkatalog wenig anfangen.
    Das allerwichtigste Kriterium - den Strich - erwähnst du gar nicht.
    Dynamisch und locker muss dieser sein.
    Meines Erachtens kann man das zwar sehen, aber relativ schwer beschreiben.
    Vor allem nicht als Laie (Nichtzeichner).

    Für die Hälfte deiner Punkte unter B habe ich Gegenbeispiele, auch für A gibt es welche bei einigen Punkten .
    Du kennst eher die gängigen Serien, oder?

    Frohe Ostern
    Ralf

  16. #16
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Vielleicht gehören deine Gegenbeispiele ja gar nicht zur École Marcinelle. Solange man sich nicht einig ist, was alles E.M. ist, kann man auch keine gültigen Krtiterien erstellen.

  17. #17
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    Meine Version:
    Den Kern des Marcinelle-Stils bilden Franquin, Tillieux und Peyo um 1958, als man ihre Zeichnungen nur mit Mühe auseinanderhalten konnte. (Bei Franquin kann man überlegen, ob seine Gaston-Comics der 70er Jahre überhaupt noch dazugehören.) Und dann ergänzt man schrittweise die anderen Zeichner: Will hatte einen eigenen Stil, der später immer ausgeprägter wurde, Morris ist unverwechselbar, Jije gehört sowieso dazu (auch wenn "Blondin et Cirage" eher unbekannt ist).

  18. #18
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Ich würde vor allem Jidéhem, Roba und Walthéry noch dazuzählen.

  19. #19
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    Sowieso.

    Wenn man Waltherys "Natascha" und Roger Leloups "Yoko Tsuno" vergleicht, sieht man sehr schön, wer zu welcher Traditionslinie gehört.

  20. #20
    Mitglied Avatar von zaktuell
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    Zitat Zitat von Mick Baxter
    Ich würde vor allem Jidéhem, Roba und Walthéry noch dazuzählen.
    Die (Definitions-)Kriterien anzweifeln, aber trotzdem selbst anwenden passt irgendwie auch nicht recht zusammen...?!
    Gruss!,liver
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  21. #21
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    Unhappy

    Zitat Zitat von langhaar!
    Das allerwichtigste Kriterium - den Strich - erwähnst du gar nicht.
    Dynamisch und locker muss dieser sein.
    Meines Erachtens kann man das zwar sehen, aber relativ schwer beschreiben.
    Vor allem nicht als Laie (Nichtzeichner).
    Ralf
    Dynamisch und locker muß der Strich sein - richtig. Aber woran macht sich das fest? Ich habe versucht, mit den Punkten 1 (karikaturhaft), 3 (Bewegungslinien), 4 (graphische Darstellung von Gefühlen) und 7 (Schatten, Schraffuren ...) das in konkrete Arten zu zeichnen zu fassen. Zusammengenomen erzeugen sie m.E. den Eindruck von Dynamik und Lockerheit. Wenn jemand das zeichnerisch genauer fassen kann, nur zu ...

    Übrigens meine ich, eine gewisse Seelenverwandschaft zwischen den Semi-Funnies aus Marcinelle und umzu - toller Ausdruck! :-( und den Tati-Filmen zu erkennen. Das Nicht-Perfekte ist gerade das Liebenswerte, das Perfekte ist bedrohlich. Auch das ein deutlicher Unterschied zur Ligne Claire, allerdings auf der Ebene der Interpretation.

    Ansonsten bestätigen die letzten Beiträge mich in meiner Auffassung, daß eine klare Begriffsbestimmung nützlich wäre.

  22. #22
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    Zitat Zitat von langhaar!

    Für die Hälfte deiner Punkte unter B habe ich Gegenbeispiele, auch für A gibt es welche bei einigen Punkten .
    Du kennst eher die gängigen Serien, oder?

    Ralf
    Mach's doch mal konkreter. So unbestimmt kann ich da nun wieder wenig mit anfangen. Im übrigen möchte ich nochmal betonen, daß ich die Punkte nicht dogmatisch verstanden haben will. Natürlich kann ein und derselbe Zeichner auch verschiedenste Stile benutzen, miteinander mischen oder weiterentwickeln. Bei "Tif et Tondue/Harry und Platte/Gin und Fizz" z.B. ist, glaube ich, 'ne Menge Ligne Claire mit drin, oder? Die Serie kenne ich nur ein bißchen.

    Einen Gesamtüberblick über die frankobelgische Comic-Szene habe ich nicht, schon gar nicht über die jüngere. Aber ein paar mehr als die oben angeführten kenne ich durchaus. Ich wollte nur die Bekanntesten nehmen, um den gemeinten Stil zu umreißen.

  23. #23
    Mitglied Avatar von langhaar!
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    Zitat Zitat von Kaschi
    Dynamisch und locker muß der Strich sein - richtig. Aber woran macht sich das fest? Ich habe versucht, mit den Punkten 1 (karikaturhaft), 3 (Bewegungslinien), 4 (graphische Darstellung von Gefühlen) und 7 (Schatten, Schraffuren ...) das in konkrete Arten zu zeichnen zu fassen. Zusammengenomen erzeugen sie m.E. den Eindruck von Dynamik und Lockerheit. Wenn jemand das zeichnerisch genauer fassen kann, nur zu ...
    Beim Strich geht es wirklich nur um die blanken Linien.
    Wie schwungvoll sind diese gezeichnet, wie flüssig und wie rund sind sie, welche Strichstärken werden verwendet, wie oft wird angesetzt ...
    (Sagte ich schon, dass man das als Laie zwar sehen, aber nur schwer beschreiben kann?)
    Das hat nichts damit zu tun, ob Bewegungslinien verwendet werden oder nicht, ob karikiert wird oder Gefühle dargestellt werden.

  24. #24
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    O.k. Verstanden. Aber da bin ich natürlich auch mit meinem Latein am Ende ...

  25. #25
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Zitat Zitat von zaktuell
    Die (Definitions-)Kriterien anzweifeln, aber trotzdem selbst anwenden passt irgendwie auch nicht recht zusammen...?!
    Ich habe überhaupt keine der von Kaschi genannten Kriterien angewendet.
    Roba, Jidéhem und Walthéry haben nun mal ganz konkret in den 50er Jahren mit Franquin und Peyo zusammengearbeitet. Bei stilistisch sehr verwandten Zeichnern wie Macherot, Berck und Derib ("Attila") wäre ich mir da schon bei der Zuordnung zur École Marcinele nicht so sicher. Gehört man schon zur Schule, wenn man den Stil (womöglich Jahrzehnte später) kopiert?

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