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  1. #1

    Die oft sehr freien Übersetzungen von Dr. Erika Fuchs

    [QUOTE=Luk;5453810]Nein danke. Die Aufgabe einer Übersetzung ist es, den Originaltext gut und passend in die Zielsprache zu übertragen. Ein Übersetzer, der denkt, er, das große Genie, müsse sich jetzt dazu herablassen, das Werk irgendeines Pfuschers zu „retten“ und mit seiner supertollen, viel besseren und nicht zuletzt äußerst fremdschamerregenden Möchtegernpoesie zu füllen, hat sich den falschen Beruf ausgesucht und soll doch bitte selbst Texter werden.[/QUOTE]

    Wie siehst du in diesem Zusammenhang Erika Fuchs? Stichworte "Die Weihnachtswäsche", "Wilhelm Tell" und "Rütlischwur"...

  2. #2
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    Zitat Zitat von Ideeus Beitrag anzeigen
    Wie siehst du in diesem Zusammenhang Erika Fuchs? Stichworte "Die Weihnachtswäsche", "Wilhelm Tell" und "Rütlischwur"...
    Wenn man nur die Texte selbst betrachtet und die Existenz eines Originaltextes für einen Moment ausblendet, sind Erika Fuchs’ Texte oft genial, oft aber auch nicht. Manchmal sind sie sogar das Gegenteil davon. Der Rütlischwur aus der Weihnachtswäsche ist zwischen genial und mittelmäßig anzusiedeln, an passender Stelle eingesetzt, wichtiger Moment in der Geschichte, ein Zitat. Schlimmer ist es, wenn Charaktere an der unspektakulärsten Stelle der Geschichte anfangen, aus dem Stegreif geschwollenes Zeug zu labern. Siehe etwa das nervigste und überbewertetste Fuchs-Zitat aller Zeiten: „Schnurrli ...“ ach, ich möchte es nicht einmal ausschreiben. Zusammengefasst würde ich Erika Fuchs als gut, aber überbewertet beschreiben.

    Aus übersetzerischer Sicht, mit Blick auf den Originaltext, ist ihr Werk – und da dürften selbst bei Fuchs-Fans absolut keine Zweifel bestehen – eine absolute Katastrophe, ein Desaster. Sie hat ja auch keinen Hehl daraus gemacht, dass sie der Meinung war, Carl Barks’ Texte müssten von ihr verbessert, oder besser, ersetzt werden. Sie sagte auch einmal: „Ich lese freiwillig keine Comics. Wenn ich lese, will ich keine Bilder sehen.“ Und so jemanden hat Ehapa als „Grande Dame des Deutschen Comics“ bezeichnet ...

  3. #3
    Da fällt mir gerade ein: Jeder Düsentrieb-Jubiläumsband trägt den Titel „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“, welchselbiger dann von Ehapa als Zitat von Weltcharakter gefeiert wird, welches Einzug in die deutsche Alltagssprache gefunden haben soll. Seltsam nur, dass das angebliche Weltzitat vielleicht in zwei, drei Übersetzungen von Fuchs vorkommt (kann jemand alle Stellen aufzählen?) und seither in Comics anderer Übersetzer überhaupt nicht mehr verwendet wurde, von Eingang in die deutsche Sprache ganz zu schweigen. Trüge nicht jeder Jubiläumsband diesen Titel, würde sich niemand mehr an diesen Spruch erinnern.
    Geändert von Indiana Goof (21.08.2018 um 06:23 Uhr)
    Indiana Goof aka Maja Müller

  4. #4
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    Erst mal: Interessante Diskussion, die mit dem LTB 511 (bzw. aktuell den Spekulationen darüber) aber nichts zu tun hat. Ich habe es mal abgetrennt, auch wenn ich sicher bin, dass es ein ähnliches Thema schon gibt. Falls das so ist und es Bedarf gibt, würde ich diese Themen auch zusammenführen. Schauen wir mal.

    Zu „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“: Ich weiß nicht, wo ich die Grenze ansetzen würde, aber einfaches Googeln zeigt schon, dass der Spruch sich immerhin ziemlich verbreitet hat, mehr jedenfalls als manches klassische Zitat. Dass dieses Zitat von Ehapa überstrapaziert wird, kann man aber auch durchaus so sehen. (Und: "To be or not be" wurde von Shakespeare auch nur ein einziges Mal in seinem Werk verwendet - trotzdem kennt nahezu jeder das Zitat...)

    Interessant an diesem Zitat finde es, dass Dr. Erika Fuchs es ja nicht mal erfunden hat, sondern nur - mit absichtlich falschem Reim - das ansonsten weitgehend vergessene "Ingenieurlied" von Heinrich Seidel zitiert. Ähnlich wie der "Panzerknacker", der ja eigentlich mal ein heroischer Begriff aus dem Dritten Reich war und durch den deutschen Namen der Beagle Boys mehr oder weniger ins Lächerliche gezogen wurde.

    Das alles hat einen Teil der Sprache geprägt, und kulturell ist diese Verbindung aus Bekannten und Neuem/Fremden durchaus eine tolle Leistung. Als Übersetzung, und das sehe ich ähnlich wie Luk, ist das allerdings problematisch. Es gibt ja genug Fälle, wo Geschichten aufeinander aufbauten und das durch die Übersetzung nicht mehr deutlich wurde. Oder dass es schon auf eine Übersetzung im Jahr 1952 zurückgeht, dass wir uns immer noch damit schwer tun, dass Entenhausen in Amerika liegt (was aber in manchen Geschichten essentiell ist). Oder dass freie, der Geschichte nicht gerecht werdende oder sinnentstellende Übersetzungen in den LTBs oder auch mehrere Namen für dieselbe Figur damit entschuldigt werden, dass das ja gute Tradition seit Dr. Fuchs sei.

  5. #5
    Mitglied Avatar von Pickie
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    Es ist streckenweise keine Übersetzung, sondern eine Interpretation. Dadurch gibt es zwei schöne Werke. Wer Deutsch kann, hat beides zur Verfügung. Ich lese gerade - nach und nach - die Original-Fassung. Double fun.

    Zitat Zitat von NRW-Radler Beitrag anzeigen
    Es gibt ja genug Fälle, wo Geschichten aufeinander aufbauten und das durch die Übersetzung nicht mehr deutlich wurde. Oder dass es schon auf eine Übersetzung im Jahr 1952 zurückgeht, dass wir uns immer noch damit schwer tun, dass Entenhausen in Amerika liegt (was aber in manchen Geschichten essentiell ist).
    Dafür gibt es Experten, die das alles abgleichen und untersuchen. Manche davon bringen, so höre ich, dann eine dritte, wissenschaftlich anmutende Version unters Volk, wie sich das alles - wider Erwarten - doch miteinander vereinbaren lässt. Meh.
    Geändert von Pickie (21.08.2018 um 09:46 Uhr)

  6. #6
    Zitat Zitat von Luk Beitrag anzeigen
    Nein danke. Die Aufgabe einer Übersetzung ist es, den Originaltext gut und passend in die Zielsprache zu übertragen. Ein Übersetzer, der denkt, er, das große Genie, müsse sich jetzt dazu herablassen, das Werk irgendeines Pfuschers zu „retten“ und mit seiner supertollen, viel besseren und nicht zuletzt äußerst fremdschamerregenden Möchtegernpoesie zu füllen, hat sich den falschen Beruf ausgesucht und soll doch bitte selbst Texter werden.


    Nicht unbedingt. Es kommt drauf an, welches Werk übersetzt wird und an wen sich die Übersetzung richtet.

    Professionelle Übersetzer sollten in der Tat so genau wie möglich und so frei wie nötig übersetzen. Das gilt z.B. für den Übersetzer der Harry-Potter-Bücher oder eines wissenschaftlichen Fachartikels. Es gibt sogar extra einen Studiengang Übersetzungswissenschaften an der Uni.
    Dass diese Anforderung für Übersetzer von Disney-Comics nicht gelten, zeigt die Auswahl der Personen. Bregel oder Rohleder oder wie sie alle heißen, meinen ja, nur weil sie eine Fremdsprache beherrschen, können sie auch übersetzen.

    Kein Buch wurde so oft übersetzt wie die Bibel. Dieses Beispiel zeigt, dass verschiedene Übersetzungen Sinn ergeben. Eine aktuelle Neuübersetzung richtet sich an Leute von heute, weil niemand mehr Luthers Sätze wie „Selig sind die geistig Armen“ versteht. Wer die Texte verstehen will, für den ist eine freie Übersetzung in moderner Sprache das richtige. Für ein Bibelstudium hingegen ist vielleicht eine originalgetreuere Übersetzung besser geeignet.
    Also darf auch eine altbackene Übersetzung von Erika Fuchs überarbeitet werden.

    Disney-Comics richten sich an fröhliche Leute, die gerne Spaß haben und lachen. Insofern muss sich ein Übersetzer nicht exakt an den Originaltext halten. Die eingangs von LUK gestellte These ist also zu verwerfen. Ich lese 1000-mal lieber eine Don-Rosa-Übersetzung von Daibenzeiher als von diesem Rohleder oder wie der heißt. Wie vermutlich alle hier.
    Indiana Goof aka Maja Müller

  7. #7
    Mitglied Avatar von HerrHase
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    Naja, eine Übersetzung sollte in jedem Fall zumindest sinngemäß sein (auch wenn es, um beim Beispiel zu bleiben, eine Bibelneuübersetzung für Jugendliche oder Kinder ist). Und das ist bei Fuchs eben oft nicht der Fall. Sie hat durch ihre Texte manchmal die Geschichte selbst verändert, so dass es nicht mehr um Halloween geht, sondern um Rosenmontag oder zu Weihnachten die Geschenke am (Heiligen) Abend verteilt werden statt am nächsten Morgen etc. Dadurch widersprechen sich oft auch Bild und Text. Das finde ich schon grenzwertig und im Grunde auch nicht mehr in Ordnung. Ändert natürlich nichts daran, dass sie trotzdem eine sehr gute Texterin war und ihre Einfälle manchmal etwas Geniales hatten. Aber es waren eben mehr Neuinterpretationen als Übersetzungen, vergleichbar mit dem, was Kaukas Leute mit frankobelgischen Serien machten, nur eben auf ungleich höherem Niveau (wobei Fuchs zumindest die Ausgangssprache beherrschte, was bei Kauka ja des Öfteren nicht einmal der Fall gewesen sein soll).

  8. #8
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    Zitat Zitat von Indiana Goof Beitrag anzeigen
    Disney-Comics richten sich an fröhliche Leute, die gerne Spaß haben und lachen. Insofern muss sich ein Übersetzer nicht exakt an den Originaltext halten. Die eingangs von LUK gestellte These ist also zu verwerfen.
    Ich sehe da keine Herleitung zwischen deinen Punkten. Wenn der Originaltext schon lustig ist, gibt es keinen Grund, nicht originalgetreu zu übersetzen. Wenn der Originaltext (nach Ansicht des Übersetzers) nicht lustig ist, wäre der einzige Grund, nicht originalgetreu übersetzen, den Text (nach Ansicht des Übersetzers) lustiger zu machen. Das gehört aber nicht zur Aufgabe eines Übersetzers. Der soll den Text nämlich übertragen, nicht verbessern. Ganz abgesehen davon, dass nicht jeder Disney-Comic lustig sein soll.

  9. #9
    Zitat Zitat von Luk Beitrag anzeigen
    Aus übersetzerischer Sicht, mit Blick auf den Originaltext, ist ihr Werk – und da dürften selbst bei Fuchs-Fans absolut keine Zweifel bestehen – eine absolute Katastrophe, ein Desaster. Sie hat ja auch keinen Hehl daraus gemacht, dass sie der Meinung war, Carl Barks’ Texte müssten von ihr verbessert, oder besser, ersetzt werden.

    Aber hat nicht Barks selbst einmal gesagt, dass sie so übersetzt hat wie es von ihm gemeint war?! Ich meine, dies einmal irgendwo gelesen zu haben. Und man darf auch nicht vergessen, dass das DDSH einmal versucht hat, Barks Geschichten mit sehr nahe am Original übersetzten Texten abzudrucken und damit durchgefallen ist.

    Zitat Zitat von NRW-Radler Beitrag anzeigen
    ...und kulturell ist diese Verbindung aus Bekannten und Neuem/Fremden durchaus eine tolle Leistung. Als Übersetzung, und das sehe ich ähnlich wie Luk, ist das allerdings problematisch. Es gibt ja genug Fälle, wo Geschichten aufeinander aufbauten und das durch die Übersetzung nicht mehr deutlich wurde. Oder dass es schon auf eine Übersetzung im Jahr 1952 zurückgeht, dass wir uns immer noch damit schwer tun, dass Entenhausen in Amerika liegt (was aber in manchen Geschichten essentiell ist).
    Aber machen die Italiener nicht ähnliches, wenn sie die Ducks und Mauses zu Weihnachten Panettone essen und auf Befana treffen lassen?

  10. #10
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    Zitat Zitat von Ideeus Beitrag anzeigen


    Aber hat nicht Barks selbst einmal gesagt, dass sie so übersetzt hat wie es von ihm gemeint war?! Ich meine, dies einmal irgendwo gelesen zu haben. Und man darf auch nicht vergessen, dass das DDSH einmal versucht hat, Barks Geschichten mit sehr nahe am Original übersetzten Texten abzudrucken und damit durchgefallen ist.
    Aus einem Interview mit Gottfried Helnwein:
    Helnwein: Do you know, by the way, that your stories were translated into German quite brilliantly by a woman named Erika Fuchs?
    Barks: She must have been very good, because in my conversation with fans, I always had the impression, that the German readers best understood my humor, in contrast to the Italians, for example, where the spirit of my stories apparently was lost in the translation.


    Zwischen dem und „Sie hat so übersetzt, wie es von mir gemeint war“ liegen Welten. Von den gravierenden Änderungen hat ihm wahrscheinlich nie jemand erzählt. Viel mehr verloren gehen und verklärt werden konnte sein Originaltext in der deutschen Übersetzung nämlich gar nicht. Tut mir leid für ihn, insbesondere, weil er sehr viel bescheidener war als Erika Fuchs, die sich an die blöden Bildergeschichten setzt und den amerikanischen Scheißdreck mal ein bisschen vernünftiger macht. Dass die Neuübersetzungen durchgefallen sind, ist bei den berüchtigten Donaldisten in der Leserschaft, die Erika Fuchs bekanntermaßen fast religiös verehren, kein Wunder. Die machen ja sogar bei kleinen Korrekturen große Aufstände. Zum Glück hat das in letzter Zeit stark nachgelassen.


    Zitat Zitat von Ideeus Beitrag anzeigen
    Aber machen die Italiener nicht ähnliches, wenn sie die Ducks und Mauses zu Weihnachten Panettone essen und auf Befana treffen lassen?
    Nein. Die Geschichten werden ja von ihnen selbst geschrieben, das ist etwas grundlegend anderes als eine Neutextung einer schon vorliegenden Geschichte. Und Widersprüche gibt es so ja auch nicht. Wenn Entenhausen in der Geschichte in Italien liegt, liegt Entenhausen in der Geschichte in Italien. Hier liegt Entenhausen aber in der Geschichte in den USA, in der deutschen Neutextung der gleichen Geschichte aber in Deutschland.

  11. #11
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    Genauer: Es ist bei italienischen Geschichten eigentlich immer klar, dass Entenhausen in den USA liegt. Die USA sehen nur manchmal bemerkenswert italienisch aus und kennen auch erstaunlich viele italienische Bräuche.

  12. #12
    Zitat Zitat von Luk Beitrag anzeigen
    Aus einem Interview mit Gottfried Helnwein:
    Helnwein: Do you know, by the way, that your stories were translated into German quite brilliantly by a woman named Erika Fuchs?
    Barks: She must have been very good, because in my conversation with fans, I always had the impression, that the German readers best understood my humor, in contrast to the Italians, for example, where the spirit of my stories apparently was lost in the translation.


    Zwischen dem und „Sie hat so übersetzt, wie es von mir gemeint war“ liegen Welten.
    Gut zu wissen. Das englischsprachige Interview war mir nicht bekannt. In dem Text hieß es original "wie es gemeint war".

  13. #13
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    Zitat Zitat von Ideeus Beitrag anzeigen
    Gut zu wissen. Das englischsprachige Interview war mir nicht bekannt. In dem Text hieß es original "wie es gemeint war".
    Die offizielle deutsche Übersetzung ist die folgende:
    Helnwein:
    Wissen Sie eigentlich, dass Ihre Geschichten in Deutschland von einer Frau namens Erika Fuchs genial übersetzt wurden?
    Barks:
    Sie muss sehr gut gewesen sein, denn durch die Gespräche mit Fans hatte ich immer den Eindruck, dass die deutschen Leser meinen Witz am besten verstanden haben, im Gegensatz zu den Italienern z.B., wo der Geist dieser Geschichten in der Übersetzung offensichtlich verlorengegangen ist.

  14. #14
    Mitglied Avatar von Ṡṕèċťãcûĺúš
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    Da ist sehr viel heutige Sichtweise drin. Auch wenn ich bei Neuerscheinungen für eine möglichst wortgetreue Übersetzung plädiere, und auch finde, dass Zorngiebel in der Entenhausen-Edition nicht weiterhin Knackfuß oder sonstwie heißen soll: Fuchs' Übersetzungen haben immens dazu beigetragen, den Leser "abzuholen" und die Geschichten damit weniger fremd wirken zu lassen, als sie es sonst getan hätten.

    Zudem hatte Barks einen typisch amerikanischen Humor, der sich dem deutschen Leser ebenfalls kaum erschlossen haben wird.

    Heutzutage haben wir Globalisierung, man feiert Halloween usw., das Verständnis für Bräuche aus anderen Kulturen ist viel höher. Damals wäre man damit aber nicht durchgekommen. Und heute sind die Texte einfach Kulturgut. Wie gesagt, kleine Änderungen sollten schon drin sein, aber eine Neuübersetzung ist in den meisten Fällen doch eher unnötig.

    Was die Rosa-Neuübersetzungen angeht - da muss ich Rosa doch ein bisschen Ignoranz vorwerfen. Eben gerade deswegen, weil seine deutsche Fanbasis ohne Dr. Fuchs' Bemühungen womöglich nie so groß geworden wäre. Und weil viele US-englische Wendungen einfach auf Deutsch nicht funktionieren. Aber: Wenn ich so etwas lese wie einen Dagobert im 19. Jahrhundert, der zu zwei Longhorns ruft, "Hüh, ihr Michael Muhmachers"... dann wird mir etwas blümerant zumute. Insofern: Mir wäre es lieber gewesen, wenn man Bregels verhunzte Übersetzungen durch Neuversionen von Daibenzeiher ersetzt hätte.

    (Nichts gegen Jano, dessen Übersetzung von "Der Duck ohne Vergangenheit" mir viel Spaß gemacht hat. Bitte, können wir solche unterschwellige Angriffe, die mit der Arbeit des jeweiligen Individuums nur dem Anschein nach etwas zu tun haben und stattdessen bloßes Vehikel für persönliche Anfeindungen sind, nicht einfach lassen?)
    "Sehen Sie? Nicht alles, was rot ist, ist eine Tomate!"

  15. #15
    Zitat Zitat von HerrHase Beitrag anzeigen
    Naja, eine Übersetzung sollte in jedem Fall zumindest sinngemäß sein (auch wenn es, um beim Beispiel zu bleiben, eine Bibelneuübersetzung für Jugendliche oder Kinder ist). Und das ist bei Fuchs eben oft nicht der Fall. Sie hat durch ihre Texte manchmal die Geschichte selbst verändert, so dass es nicht mehr um Halloween geht, sondern um Rosenmontag oder zu Weihnachten die Geschenke am (Heiligen) Abend verteilt werden statt am nächsten Morgen etc. Dadurch widersprechen sich oft auch Bild und Text. Das finde ich schon grenzwertig und im Grunde auch nicht mehr in Ordnung.
    Deine suggerierte Annahme, aus der Verwerfung von LUKs These könne darauf geschlossen werden, dass die Übersetzungen von Erika Fuchs gut waren, entbehrt jeglicher Logik und ist ein Trugschluss.

    Müßig deshalb, darauf hinzuweisen, dass ich nie auch nur ansatzweise solchen Unsinn von mir gegeben habe. Erika Fuchs ist ja mithin dafür verantwortlich, dass heute jeder Geldspeicher in pet's Saftladen mit Edding verschmiert werden muss. Doch dazu später mehr, wenn ich wieder Zeit habe.
    Indiana Goof aka Maja Müller

  16. #16
    Zitat Zitat von Luk Beitrag anzeigen
    Das gehört aber nicht zur Aufgabe eines Übersetzers.
    Woher weißt du, was die Aufgabe von Peter Daibenzeiher war? Hast du seinen Arbeitsvertrag gelesen?
    Indiana Goof aka Maja Müller

  17. #17
    Mitglied
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    Zitat Zitat von Indiana Goof Beitrag anzeigen
    Woher weißt du, was die Aufgabe von Peter Daibenzeiher war? Hast du seinen Arbeitsvertrag gelesen?
    Ein Übersetzer überträgt Texte von einer Sprache in die andere. Mag sein, dass in Peter Daibenzeihers Vertrag etwas anderes steht, dann ist er eben kein Übersetzer.
    Zitat Zitat von Ṡṕèċťãcûĺúš Beitrag anzeigen
    Da ist sehr viel heutige Sichtweise drin. Auch wenn ich bei Neuerscheinungen für eine möglichst wortgetreue Übersetzung plädiere, und auch finde, dass Zorngiebel in der Entenhausen-Edition nicht weiterhin Knackfuß oder sonstwie heißen soll: Fuchs' Übersetzungen haben immens dazu beigetragen, den Leser "abzuholen" und die Geschichten damit weniger fremd wirken zu lassen, als sie es sonst getan hätten.
    Wenn Barks „dem Leser“ so unglaublich schwer im Magen lag, hätte er ihn halt nicht lesen sollen und nicht meinen, er hätte gerne eine Extrawurst und das Werk angemessen verkrüppelt, er würde doch so gerne „abgeholt“ werden. Das Werk muss sich nicht dem Leser anpassen.
    Zitat Zitat von Ṡṕèċťãcûĺúš Beitrag anzeigen
    Zudem hatte Barks einen typisch amerikanischen Humor, der sich dem deutschen Leser ebenfalls kaum erschlossen haben wird.
    Ebenso. Wenn Barks’ Humor „dem deutschen Leser“ so unglaubliches Kopfzerbrechen bereitet hat (Wie kann man das bitte nicht verstehen? Es ist ja nicht so, als käme bei Barks erst die Pointe und dann der Witz oder so was), dann hat er eben Pech gehabt. Wenn man sich die Texte umschreiben lässt, weil man lieber was anderes hätte, kann man auch gleich was anderes lesen.
    Zitat Zitat von Ṡṕèċťãcûĺúš Beitrag anzeigen
    Heutzutage haben wir Globalisierung, man feiert Halloween usw., das Verständnis für Bräuche aus anderen Kulturen ist viel höher. Damals wäre man damit aber nicht durchgekommen.
    Der Großteil der Fuchs-Verstümmelungen hatte mit anderen Bräuchen etc. aber nichts zu tun. Und in anderen Ländern hat man mit Sicherheit auch nichts Ähnliches veranstaltet.
    Zitat Zitat von Ṡṕèċťãcûĺúš Beitrag anzeigen
    Wie gesagt, kleine Änderungen sollten schon drin sein, aber eine Neuübersetzung ist in den meisten Fällen doch eher unnötig.
    Inwiefern ist eine Neuübersetzung unnötig, wenn der Text in der ersten „Übersetzung“ fast vollständig geändert wurde?
    Zitat Zitat von Ṡṕèċťãcûĺúš Beitrag anzeigen
    Was die Rosa-Neuübersetzungen angeht - da muss ich Rosa doch ein bisschen Ignoranz vorwerfen. Eben gerade deswegen, weil seine deutsche Fanbasis ohne Dr. Fuchs' Bemühungen womöglich nie so groß geworden wäre.
    ??? Was hatten denn die Rosa-Neuübersetzungen mit Fuchs zu tun? Außerdem hört man zwar immer wieder, dass Fuchs irgendeinen positiven Einfluss auf die Beliebtheit der Disney-Comics in Deutschland gehabt hätte, aber ich sehe nicht ein Indiz dafür.
    Zitat Zitat von Ṡṕèċťãcûĺúš Beitrag anzeigen
    Und weil viele US-englische Wendungen einfach auf Deutsch nicht funktionieren.
    Peter Daibenzeihers Änderungen gehen doch über die Änderung englischer Wendungen weit hinaus.
    Zitat Zitat von Ṡṕèċťãcûĺúš Beitrag anzeigen
    Aber: Wenn ich so etwas lese wie einen Dagobert im 19. Jahrhundert, der zu zwei Longhorns ruft, "Hüh, ihr Michael Muhmachers"... dann wird mir etwas blümerant zumute. Insofern: Mir wäre es lieber gewesen, wenn man Bregels verhunzte Übersetzungen durch Neuversionen von Daibenzeiher ersetzt hätte.
    Gab es wirklich Rosa-Übersetzungen von Bregel? Die Muhmacher-Übersetzung, also die von „The Cowboy Captain Of The Cutty Sark“, ist jedenfalls von Daibenzeiher.
    Geändert von NRW-Radler (23.08.2018 um 08:28 Uhr) Grund: Zitat mit zu persönlichen Inhalten entfernt.

  18. #18
    Ich hatte damals, als das DDSH Barks-Geschichten in neuer Uebersetzung zu veröffentlichen begann, sehr für die Fortführung dieses Projektes plädiert - im Gegensatz zu den DDSH-Puristen und -Komplettsammlern, die damals argumentierten, sie wollten nicht dieselben Geschichten nochmals im "ihrem" Heft.
    Mein Argument damals - wie heute: Barks' Texte und seine Zeichnungen bilden in den meisten Fällen eine Einheit, auf unterschiedlichste, vielfältigste Weise - beides ergänzte sich gegenseitig, der Poesie seiner Bildsprache entsprach die Poesie seiner Texte. Barks war ein Multitalent; zu seiner vollständigen Würdigung wäre eine möglichst kongeniale Neuübersetzung dringendst und endlich angezeigt!
    Frau Fuchs in Ehren, aber sie hatte für diese Tatsache offensichtlich keinerlei Verständnis. Nehmt also endlich ihre Uebersetzungen, "und gebt sie ihr mit in ihr Grab"!

  19. #19
    Zitat Zitat von Silly Symphony Beitrag anzeigen
    Barks war ein Multitalent; zu seiner vollständigen Würdigung wäre eine möglichst kongeniale Neuübersetzung dringendst und endlich angezeigt!
    Frau Fuchs in Ehren, aber sie hatte für diese Tatsache offensichtlich keinerlei Verständnis. Nehmt also endlich ihre Uebersetzungen, "und gebt sie ihr mit in ihr Grab"!
    Das ist natürlich kompletter Unsinn! Frau Dr. Fuchs hat in diversen Interviews gesagt, daß man ihre alten Texte überarbeiten und der aktuellen Sprache anpassen sollte. Sie selbst war nie gegen das Projekt. Ob die Neuübersetzungen sinnvoll waren, ist mehr als fraglich. Ich war, nachdem ich einige Geschichten dreifach (Englisch, Fuchs-Übersetzung, Neuübersetzung) gelesen hatte, von dem Projekt nicht mehr überzeugt und bin auch jetzt noch dagegen. Der Grund: es nimmt sich einfach nichts! Barks war an der einen Stelle besser, Fuchs an der anderen und die Neuübersetzung ganz selten mal wieder woanders. Natürlich habe ich auch manchmal gedacht, warum Frau Dr. Fuchs das so oder so gemacht hat. Manche Gags hätte sie ruhig wörtwörtlich übernehmen können, die hätten auch in Deutsch funktioniert. Macht es doch so wie ich: kauft Euch ein paar englische Barks-Geschichten und übersetzt sie selbst! Dann hat jeder seine Version mit der er gut leben kann.

  20. #20
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Zitat Zitat von Luk Beitrag anzeigen
    Außerdem hört man zwar immer wieder, dass Fuchs irgendeinen positiven Einfluss auf die Beliebtheit der Disney-Comics in Deutschland gehabt hätte, aber ich sehe nicht ein Indiz dafür.
    Hast du die 50er Jahre denn erlebt? Ohne die Übersetzungen von Erika Fuchs und ihren bildungsbürgerlichen Anspruch wäre die MICKY MAUS ein eher kurzlebiges Projekt gewesen.
    Das ICOM-Heft zum Gratis Comic Tag 2012 jetzt herunterladen (7,3 MB)!

  21. #21
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    Zitat Zitat von Mick Baxter Beitrag anzeigen
    Hast du die 50er Jahre denn erlebt? Ohne die Übersetzungen von Erika Fuchs und ihren bildungsbürgerlichen Anspruch wäre die MICKY MAUS ein eher kurzlebiges Projekt gewesen.
    Dann müsste der bildungsbürgerliche Anspruch aber auch bekannt gewesen sein. Meines Wissens nach wurde das Micky-Maus-Magazin damals als belangloser „Schund“ angesehen.

  22. #22
    Mitglied Avatar von Mick Baxter
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    Nein, Comics (die damals noch gar nicht so hießen) wurden als kinderverderbender Schund angesehen (von wegen "belanglos"), die MICKY MAUS war was Besseres, das man seinem Nachwuchs bedenkenlos in die Hand drücken konnte. So zumindest die Werbebotschaft. Und nicht alle Erwachsenen waren unbelehrbar.
    Das ICOM-Heft zum Gratis Comic Tag 2012 jetzt herunterladen (7,3 MB)!

  23. #23
    Zitat Zitat von Mick Baxter Beitrag anzeigen
    Ohne die Übersetzungen von Erika Fuchs und ihren bildungsbürgerlichen Anspruch wäre die MICKY MAUS ein eher kurzlebiges Projekt gewesen.
    Eine simple Behauptung, die keiner belegen kann. Fix und Foxi, Felix & Co. waren auch kein kurzlebigen Produkte, und die hatten keine Dr. Erika Fuchs.

    Zitat Zitat von Unca $crooge Beitrag anzeigen
    Macht es doch so wie ich: kauft Euch ein paar englische Barks-Geschichten und übersetzt sie selbst! Dann hat jeder seine Version mit der er gut leben kann.
    Und kauft auch gleich Dickens und Zola im Original und übersetzt sie selbst!
    Neuübersetzungen sind durchaus sinnvoll, bei Barks aus den von mir in Beitrag 18 genannten Gründen. Die Neuübersetzungen aus dem DDSH habe ich auch gelesen, die fand ich nicht wirklich gelungen. Da müsste ein wirklich guter Uebersetzer her, sonst wird das natürlich nichts.
    Geändert von Silly Symphony (24.08.2018 um 07:35 Uhr)

  24. #24
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    Zitat Zitat von Luk Beitrag anzeigen
    Aus übersetzerischer Sicht, mit Blick auf den Originaltext, ist ihr Werk – und da dürften selbst bei Fuchs-Fans absolut keine Zweifel bestehen – eine absolute Katastrophe, ein Desaster.
    Aus meiner Sicht als Übersetzer ist das Gegenteil der Fall.

    Grüße

  25. #25
    Auf wen geht eigentlich der Unsinn zurück, dass Dorette die Schwester Dagoberts sein soll, obwohl doch schon recht früh erklärt wurde, dass seine Schwestern eben Dortel und Mathilda heißen und KEINE von ihnen Dorette ist, die ja wiederum eine Verwandte von Emil Erpel ist - Dagobert aber eben NICHT ...

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