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Thema: Mosaikmythen

  1. #26
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    Ich kann aus meiner Erinnerung hier folgendes dazu beitragen. Meine Eltern hatten so 3 oder 4 Quellen aktiviert um sicherzustellen, dass ich jeden Monat wenigstens ein aktuelles Heft bekam. Ab ca. 1985, genau kann ich das nicht mehr sagen, war es dann so, dass ich die meisten Hefte doppelt oder dreifach bekam. Besonders in Erinnerung ist mir, dass ich 4 Exemplare des Heftes 8/85 hatte.

  2. #27
    Mitglied Avatar von CHOUETTE
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    Zitat Zitat von Max schwalbe Beitrag anzeigen
    In den 1980ern hatte also ca. jeder 17. Einwohner der DDR, Säuglinge und Greise mit eingerechnet, ein eigenes Mosaikheft! Heißt, in vielleicht jedem fünften Haushalt lag das aktuelle Mosaikheft herum.
    Das kann tatsächlich hinkommen. In meiner Klasse sammelten drei von fünfzehn Kindern das Mosaik.
    Greise und Säuglinge muss man mit einrechnen, denn erstere besorgten häufig das Heft und letztere lebten, da Einzelkinder damals in der Minderheit waren, häufig mit Geschwistern zusammen im gleichen Haushalt. Und aus Mangel an Alternativen verirrte sich auch in so manchen Nichtsammlerhaushalt das eine oder andere Heft, einst gekauft als Quengelware oder als Mitbringsel.
    Die Hochrechnung verdeutlicht aber auch, dass es tatsächlich Mangelware war. Zumindest lokal. Denn wenn eben zwölf von fünfzehn Kindern kein Heft bekommen konnten, ist das Mangel. Selbst wenn man runterrechnet, ist es immer noch die Hälfte.
    Geändert von CHOUETTE (16.08.2017 um 08:35 Uhr)

  3. #28
    Ökonomie ist bei genauerem Betrachten grundsätzlich nichts anderes als die (möglichst effektive) Verwaltung des Mangels, egal in welchem System. Streng genommen ist jedes Produkt, das einen Preis hat, Mangelware. Sonst hätte es keinen Preis. Wir sind nicht in der Lage, jeden Bürger mit einem einen Porsche 911 zu versorgen. Es ist wirtschaftlich nicht einmal möglich, 1% der Leute mit Porsche zu versorgen. Was für eine unglaubliche Mangelwirtschaft!
    Ich bezweifel auch, dass es wirtschaftlich gelänge, heute jeden Haushalt mit Mosaik versorgen. Um das zu erreichen, müsste die Auflage über 20 Mio hefte betragen und der Heftpreis so niedrig sein, dass es niemandem zu teuer ist. Also 60 Cent vielleicht. Bin gespannt wie lange der Verlag das durchielte, ohne bankrott zu gehen ^^

    P.S. was der Begriff "Mangelwirtschaft" in Bezug auf die DDR meint, ist eher die ungeschickte Verwaltung des Mangels. Geld zu sparen, nützte nur bedingt etwas, wenn im Laden das Regal leer war, also kein Gegenwert verfügbar war. So konnte keiner wirklich planen. Und das ausgerechnet in der Planwirtschaft! @Dedunu: Dass man teilweise gar nichts hatte und dann plötzlich gleich die doppelte oder vierfache Menge, ist dann so ein Effekt. Mein Opa hatte auch 3 Auspuffanlagen für den Wartburg in seiner Garage, während im laden das Regal meistens leer war und wer dann wirklich akut nen Auspuff brauchte, bekam keinen.
    Geändert von Max schwalbe (16.08.2017 um 14:40 Uhr)

  4. #29
    Mitglied Avatar von CHOUETTE
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    Zitat Zitat von Max schwalbe Beitrag anzeigen
    Streng genommen ist jedes Produkt, das einen Preis hat, Mangelware. Sonst hätte es keinen Preis. Wir sind nicht in der Lage, jeden Bürger mit einem einen Porsche 911 zu versorgen. Es ist wirtschaftlich nicht einmal möglich, 1% der Leute mit Porsche zu versorgen. Was für eine unglaubliche Mangelwirtschaft!
    Naaa, deine Mangel-Definition ist aber schon ein bissel gewagt. Bist du mit folgender einverstanden? Wenn ein Produkt zum festgelegten Preis nicht ausreichend vorrätig ist, dass es von allen Interessenten zu diesem Preis mit vertretbarem Aufwand erworben werden kann, dann liegt ein Mangel vor.
    Und so war's damals mit dem Mosaik. Zumindest in meiner Gegend.
    Und am 365. Tag erhob er sein Glas und sagte in seinem feierlichsten Ton: "Darauf wollen wir trinken - dass es nicht noch besser wird!"

  5. #30
    Mitglied Avatar von Pegasau
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    Zitat Zitat von Max schwalbe Beitrag anzeigen
    Ökonomie ist bei genauerem Betrachten grundsätzlich nichts anderes als die (möglichst effektive) Verwaltung des Mangels, egal in welchem System. Streng genommen ist jedes Produkt, das einen Preis hat, Mangelware. Sonst hätte es keinen Preis. Wir sind nicht in der Lage, jeden Bürger mit einem einen Porsche 911 zu versorgen. Es ist wirtschaftlich nicht einmal möglich, 1% der Leute mit Porsche zu versorgen. Was für eine unglaubliche Mangelwirtschaft!
    Quatsch.
    Mir sind Porsches zum Beispiel sch...nurzegal.
    Von mir aus braucht's die auch gar nicht zu geben.
    Aus meiner Sicht gibt es also einen eklatanten Porscheüberschuss!
    Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.

  6. #31
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    Zitat Zitat von Max schwalbe Beitrag anzeigen
    @Dedunu: Dass man teilweise gar nichts hatte und dann plötzlich gleich die doppelte oder vierfache Menge, ist dann so ein Effekt. Mein Opa hatte auch 3 Auspuffanlagen für den Wartburg in seiner Garage, während im laden das Regal meistens leer war und wer dann wirklich akut nen Auspuff brauchte, bekam keinen.
    Im Bezug auf PKW Ersatzteile gab es sogar mal einen offiziellen Aufruf, diese nicht zu horten, da das Horten als Ursache für den Mangel ausgemacht wurde. Eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.
    Was ich mit meinem Post eigentlich sagen wollte ist, dass es ab Mitte der Achtziger zumindest in Dresden Süd eine deutlich erhöhte Verfügbarkeit des Mosaik gab obwohl die Auflage in der Zeit nicht signifikant angestiegen ist. Entweder lag es an nachlassendem Interesse oder an einer geänderten regionalen Verteilung.
    Ansonsten ist der Begriff Mangelwirtschaft eigentlich nur als Synonym für die realsozialistische Planwirtschaft in Gebrauch und bedeutet, es ist mehr Geld als Ware da. Mehr Geld als Porsche verfügbar habe ich nicht. Bzw. kann ein System, bei dem sich der Preis nach der Nachfrage richtet eigentlich nie zur Mangelwirtschaft werden.
    Geändert von Dedunu (16.08.2017 um 17:50 Uhr)

  7. #32
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    In den großen Städten, allen voran Berlin, war es oft besser mit der Versorgung (auch mit Mosaik), als in den kleinen Gemeinden oder Dörflein. Je nach dem wo ihr zu der Zeit gelebt habt, hattet ihr also so ein anderes Empfinden was Mangel oder Nichtmangel anging. Bei den Hegenheften war es dann nochmal ein Unterschied zum Abrafaxemosaik, sowohl von der Auflage, als auch von der Beliebtheit und ein wirklicher Mangel war da nicht nur in den Randgebieten sondern auch in der Hauptstadt spürbar. Ausnahme konnten Zeiten sein, wo die DDR besonders glänzen wollte (zu Messen, Weltfestspielen, Massentreffen etc.) wo zuvor gehortete Sachen dem Markt gezielt zugeführt wurden um dem Besucher die Mangelwirtschaft nicht ganz so offensichtlich aufzuzeigen.

  8. #33
    Moderator Mosaik und Leipziger Comicgarten Forum Avatar von ali@thowi
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    Beim alljährlichen Tag der Journalisten im August in Berlin konnte ich sogar mal eine Originalzeichnung aus der Don-Quixote-Serie erwerben. Dafür war aber viel Warten und Drängeln erforderlich.

  9. #34
    Zitat Zitat von CHOUETTE Beitrag anzeigen
    Naaa, deine Mangel-Definition ist aber schon ein bissel gewagt. Bist du mit folgender einverstanden? Wenn ein Produkt zum festgelegten Preis nicht ausreichend vorrätig ist, dass es von allen Interessenten zu diesem Preis mit vertretbarem Aufwand erworben werden kann, dann liegt ein Mangel vor.
    Und so war's damals mit dem Mosaik. Zumindest in meiner Gegend.
    Angenommen, es gibt 10 Mosaikhefte und 20 Leute, die Mosaik toll finden. Dann hast du zwei Möglichkeiten. Entweder, du bestimmst willkürlich (im fairsten Fall per Los), wer die 10 Hefte bekommt. Oder, die 10 Leute mit dem meisten Geld in der Tasche bekommen die Hefte und die anderen gehen leer aus. Nun wird das eine als "Mangelwirtschaft" bezeichnet, das andere nicht, obwohl in beiden Fällen genau 50% der Interessenten kein Mosaik bekommen. Auf dieses Paradoxon wollte ich hinaus.

    Mangelts an Ware, sind die anderen Schuld. Mangelts am Geld, ist man (zumindest teilweise) selber schuld. Und das ist gut so, denn es bedeutet, dass jeder seine eigenen Geldausgaben selber und zuverlässig planen kann. Was einerseits effektiv ist und andererseits auch zu mehr Zufriedenheit führt. Fair ist das ganze natürlich nur, wenn die Kapitaleinkünfte eines Jeden auch fair verteilt sind. Was im Kapitalismus eher unwahrscheinlich ist. Aber das führt jetzt wohl zu weit ...

  10. #35
    Mitglied Avatar von CHOUETTE
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    Zitat Zitat von Max schwalbe Beitrag anzeigen
    Angenommen, es gibt 10 Mosaikhefte und 20 Leute, die Mosaik toll finden. Dann hast du zwei Möglichkeiten. Entweder, du bestimmst willkürlich (im fairsten Fall per Los), wer die 10 Hefte bekommt. Oder, die 10 Leute mit dem meisten Geld in der Tasche bekommen die Hefte und die anderen gehen leer aus. Nun wird das eine als "Mangelwirtschaft" bezeichnet, das andere nicht, obwohl in beiden Fällen genau 50% der Interessenten kein Mosaik bekommen. Auf dieses Paradoxon wollte ich hinaus.
    Laut deiner These gäbe es gar keinen Mangel, sofern auch nur ein einziges Produkt existiert. Man könnte ja der Meistbietende sein. Wenn man dafür nicht das Geld hat, selber schuld. Sagst du.

    Das gibt's, das ist dann aber eben eine Auktion. Und wenn jede Ware nur noch per Auktion wegginge, das wäre ein Spaß. Mir reicht der Stress im Supermarkt am Freitag vorm verlängerten Wochenende jetzt schon. Wenn ich dann noch auf alle Produkte bieten müsste ...
    Geändert von CHOUETTE (17.08.2017 um 15:22 Uhr)
    Und am 365. Tag erhob er sein Glas und sagte in seinem feierlichsten Ton: "Darauf wollen wir trinken - dass es nicht noch besser wird!"

  11. #36
    Obiges Beispiel mit den 20 heften war doch nur ein vereinfachtes Modell. In der Praxis gibt es natürlich etliche Abstufungsmöglichkeiten zwischen den beiden genannten Extremen. Aber, die Idee ist witzig, Auktionssupermärkte, DAS wäre was für meine Oma, die wirft mir schon jetzt immer vor, ich würde so dumm sein weil ich nicht sämtliche Aldi-Prospekte ständig studiere und Schnäppchen ausmache. Verlässliche, langfristig stabile Preise sind schon was wert, damit versuchte die DDR ja auch, eine materielle Planungssicherheit zu suggerieren, während der Wessi ständig unter Inflation und Preisschwankungen litt. Ich leide auch immer bei dem Gedanken, wann die nächste Mosaikheft-preiserhöhung kommen wird und wie hoch sie sein wird


    Ha, damit wäre ich wieder beim Thema: Das Mosaik soll in fünf Jahren fünf Euro kosten

  12. #37
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    Zitat Zitat von Max schwalbe Beitrag anzeigen
    Ha, damit wäre ich wieder beim Thema: Das Mosaik soll in fünf Jahren fünf Euro kosten
    Hä? Wer sagt denn das?
    Und am 365. Tag erhob er sein Glas und sagte in seinem feierlichsten Ton: "Darauf wollen wir trinken - dass es nicht noch besser wird!"

  13. #38
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    Max schwalbe

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