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Thema: 100 Jahre Rolf Kauka

  1. #1
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    100 Jahre Rolf Kauka

    Amheutigen 9. April wäre Rolf Kauka 100 Jahre alt geworden. Ich weiß nicht, ob esin den Feuilletons der Zeitungen am Wochenende entsprechende Beiträge gab.Online findet man: http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-geburtstag-des-comic-herausgebers-rolf-kauka-100.htmlund auch in der Schweiz gab es einen kurzen Artikel inklusive einer schönenSchwarzweiß-Aufnahme von ihm am Schreibtisch mit bekannter Pose: https://www.srf.ch/kultur/literatur/...erium-aufbaute
    Inder Radiosendung kommt der Comic-Experte Wolfram Knorr zu Wort, der u. a. überWill Eisner (2009) publiziert hat und Verfasser des Buches „Monster, Movies,Macht und Massen“ (2000) ist.
    Dafällt mir ein, dass ich noch nie die Original-Stimme von Rolf Kauka gehört habe(außer den zehn Sekunden auf Youtube). In den 1960er und frühen 70er Jahren,auf dem Höhepunkt seines Ruhms, ist er doch sicherlich fürs Radio oder Fernseheninterviewt worden. Weiß jemand, ob es davon Mitschnitte gibt. Der 100.Geburtstag wäre sicherlich auch für einen Sender wie den Bayrischen Rundfunkein guter Anlass zu drehen, eine längere Dokumentation über den Fix+Foxi-Verlegerund vor allem über seine Mitstreiter im Verlag zu drehen. Schade, dass man die Chancenicht genutzt hat.
    Ohne direkten Hinweisauf den runden Geburtstag erscheint am 14. September 2017 die Sondermarke derDeutschen Post innerhalb der Serie „Tag der Briefmarke“, Motiv: Fix & Foxiauf Waveboards (70+30 Cent); die beiden Füchse erscheinen im modernenZeichenstil.



  2. #2
    fuxiger Teilzeit-SysOp Avatar von Markus
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    Es ist schade, dass die mediale Resonanz recht begrenzt blieb- Liegt wohl auch daran, dass der neue Lizenzgeber keine Impulse für das heutige Jubiläum zustaqnde brachte. Einen weiteren veröffentlichte die Morgenpost heute:

    http://www.morgenpost.de/vermischtes...Universum.html

  3. #3
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    Noch eine kleine Anmerkung mit Bezug zu sächsischen Heimat von „Onkel Rolf“: DerTitel „Kunterbunt“ bzw. „Eulenspiegels Kunterbunt“ scheint mir inspiriert wordenzu sein von einer Kinderzeitschrift, mit der Kauka in Sachsen vielleicht aufwuchs.Es ist ja auf Kaukapedia nachzulesen, dass er als Jugendlicher in den Zeitungen„Weißenfelser Tageblatt“ und „Leipziger Neuesten Nachrichten“ erste Cartoonsveröffentlichte. Albert Enzian lieferte hierfür die entsprechenden Belege, undim Jahrbuch Deutsche Comicforschung 2014 wurde darüber berichtet. Für die LNNgab es in den 1920er und 1930er Jahren eine vierzehntägliche Beilage im Format23,2 x 15,5 cm, die „Hans Kunterbunt“ hieß. Die Farbseiten und der abwechslungsreiche Inhalt dürfte den Kindern damals sehr gefallen haben.
    Diegenauen bibliographischen Beigaben bei ZDB lauten:
    IDN:017190916
    Titel:Hans Kunterbunt : heitere, nachdenkliche und seltsame Geschichten
    Beil.zu: Leipziger neueste Nachrichten und Handelszeitung
    Erschienen:Leipzig : Herfurth
    Erscheinungsverlauf:1.1926 – 16.1941[?]
    Anmerkungen:Verantw. Red.: Erhard Rühle
    Periodizität:14-tägl.
    Mikrofilm-Ausg.:Berlin : Staatsbibliothek, 1999
    ZDB-ID:11918664
    Dem jungen Paul Rudolf dürfte das „kunterbunte“ Heftchen sicherlich nicht unbekanntgeblieben sein. Vielleicht inspirierte ihn in den 1950er Jahren – neben dem passenden Namen– die redaktionelle Mischung der Beiträge mit zweiseitigen Comics, Rätseln,Fotos jugendlicher Leser und illustrierten Kurzgeschichten, als er seine ersten eigenen Comichefte konzipierte bzw. inhaltlich füllen musste.
    Zu dem Heft und zu dem darin vertretenen Zeichner CarlE. Fischer siehe auch: http://members.aon.at/zeitlupe/hanskunterbunt.html,außerdem: Eckart Sackmann: Cefischer. In: Deutsche Comicforschung 5 (2009), 84–98.
    Einenlaunigen online-Artikel gab es gestern auch auf einer Markranstädter Seite,gepaart mit dem Vorwurf, dass die dortigen Stadtoberen bislang keine Straße nachihrem berühmten Sohn benannt haben: http://nachtschichten.eu/2017/04/09/9044/
    Geändert von Old Pauli (10.04.2017 um 12:31 Uhr)

  4. #4
    Probleme habe ich mit der immer wieder auftauchenden Bewertung, die Füchse wären zu "brav und bieder" gewesen für eine sich ändernde Zeit. Dazu ist zu sagen, dass diese Veränderung erst in den 70ern wirklich zum Tragen kam (u.a. als Folge der 68er) und sich im Durchschnittsbewußtsein verankerte. Die "ordentlichen" Füchse der 50er und 60er sollten nach Kaukas Intention sich ja gerade von den teils brutalen US-Comics absetzen, und reale Gewalt hatte man ein paar Jahre zuvor in Europa genug erlebt. Außerdem bestand FF nicht nur aus den beiden Brüdern. Gerade in der Frühzeit des Heftes ist ihr Gegenspieler Lupo oft ein richtiger Mistkerl und dabei trotzdem oder deswegen ein Liebling der Leser! Und was war bei Disney los? Was die Hefte betrifft, ist doch bitteschön die hosentragende Micky Maus, Freund eines Polizeikommissars und treuer Verehrer seiner Minnie, die Spießerfigur par excellence! In den Filmen war das ein wenig anders.

    Bemerkenswert finde ich, wie brav und bieder die Relaunch-Versuche im 3. Jahrtausend angegangen wurden. Die Stories, die man da auf die Kinder losgelassen hat, sind im Vergleich zu den 50ern und 60ern richtig konservativ, Abenteuergeschichten ohne Ecken und Kanten mit farblosen Charakteren, politisch korrekt weichgespült ohne gröbere Gewaltdarstellungen etc.

    Alles Ansichts- und Interpretationssache. Aber wie schon zur Ausstellung in Hannover angemerkt, große Analyse darf man zur Zeit nicht erwarten.

    PS: @Old Pauli - Bitte nimm doch eine andere Schrift, mit der Deinen hat die Forensoftware offenkundig ihre Schwierigkeiten und killt Leerzeichen. Oder Deine Tastatur ist kaputt.

  5. #5
    Mitglied Avatar von Horatio
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    Zitat Zitat von fixundfertig Beitrag anzeigen
    Bemerkenswert finde ich, wie brav und bieder die Relaunch-Versuche im 3. Jahrtausend angegangen wurden. Die Stories, die man da auf die Kinder losgelassen hat, sind im Vergleich zu den 50ern und 60ern richtig konservativ, Abenteuergeschichten ohne Ecken und Kanten mit farblosen Charakteren, politisch korrekt weichgespült ohne gröbere Gewaltdarstellungen etc.
    Ich finde das etwas über einen Kamm geschert.

    Wer sich die von mir geschriebene Geschichte „Einer wird gewinnen“ (FF 8/2008) genauer ansieht, sollte eigentlich Nuancen entdecken, mit denen ich bewusst FF wieder in frühere Erzählbahnen lenken wollte.
    Eine ganze Seite widmete sich dem direkten Duell zwischen FF und Lupo, in dessen Verlauf Letzterer einiges erleiden musste, u. a. von einem Baumstamm begraben wurde, und umfangreich bandagiert abzog. Das zum Thema „grobe Gewaltdarstellung“.
    Lupo war hier mal wieder der hinterhältige und eigennützige Gauner und Gegenspieler zu FF, die die zentrale Rolle spielten.
    Es gab auch ein Panel, in dem FF spontan losrannten, sodass ein Zuschauer zur Seite springen musste und sie als „Rüpel“ bezeichnete.
    Auch das Verhältnis von Eusebia zu FF hatte ich in zwei Bildern auf der ersten Seite konfliktträchtiger angelegt. Und dass Fix’ offenbar Eusebias Rat, lieber was lernen zu gehen, lachhaft fand, sollte eigentlich nicht „brav“ wirken. *

    Aber ich scheine meine Sicht auf FF wohl nicht erfolgreich rübergebracht zu haben. Oder es wurde nicht aufmerksam genug gelesen.

    Doch ich gebe dir Recht: Das erzählerische Potenzial, das im FF-Universum steckt, wurde bei den Relaunches im Großen und Ganzen nicht ausgeschöpft – und übrigens in der FF-Zeichentrickserie auch nicht.


    ----
    * Wo ich grade dabei bin, werde ich im entsprechenden Thread auch noch zum Ende der Geschichte Stellung nehmen.
    Horatio

  6. #6
    @Horatio: Ich räume ein, dass ich diesen Relaunch gar nicht vollständig besitze, u. a. auch nicht das angesprochene Heft, und schon gar nicht alle Geschichten präsent habe. Mit grober Gewaltdarstellung meinte ich nicht, dass jemanden ein Baumstamm trifft oder man der Oma freche Antworten gibt, sondern Szenen wie z. B. die, wo FF (in den 60ern) den Lupo in einen Topf mit Verdünnungsbrühe stecken, worauf dieser völlig missgestaltet, oben dünn, unten dick, das Weite sucht. Auch kann man z. B. - nicht nur bei den Füchsen - Gewalt an oder durch Eingeborene/n im Kindercomic des 3. Jahrtausends mit der Lupe suchen. Oder, wenn die Schwarzen die Bösen sein müssen, koloriert man sie auf weiß um, wie es etwa in der Micky Maus passiert ist.

  7. #7
    Mitglied Avatar von Horatio
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    Zitat Zitat von fixundfertig Beitrag anzeigen
    Bemerkenswert finde ich, wie brav und bieder die Relaunch-Versuche im 3. Jahrtausend angegangen wurden. Die Stories, die man da auf die Kinder losgelassen hat, sind im Vergleich zu den 50ern und 60ern richtig konservativ, Abenteuergeschichten ohne Ecken und Kanten mit farblosen Charakteren, politisch korrekt weichgespült ohne gröbere Gewaltdarstellungen etc.
    Zitat Zitat von fixundfertig Beitrag anzeigen
    Mit grober Gewaltdarstellung meinte ich [...] Szenen wie z. B. die, wo FF (in den 60ern) den Lupo in einen Topf mit Verdünnungsbrühe stecken, worauf dieser völlig missgestaltet, oben dünn, unten dick, das Weite sucht. Auch kann man z. B. - nicht nur bei den Füchsen - Gewalt an oder durch Eingeborene/n im Kindercomic des 3. Jahrtausends mit der Lupe suchen. Oder, wenn die Schwarzen die Bösen sein müssen, koloriert man sie auf weiß um, wie es etwa in der Micky Maus passiert ist.
    Die gelegentlichen Gewaltexzesse und rassistischen Auswüchse in früheren Comics waren voll daneben. Genauso wie übrigens die textlichen Entgleisungen vom alten Kauka (Stichwort "Siggi"). Da sind mir "politisch korrekt weichgespülte" Geschichten von heute zehn Mal lieber.
    Gesellschaftlich relevante Themen kann man auch im Comic heute in politisch korrekter Weise thematisieren.
    Horatio

  8. #8
    Zitat Zitat von Horatio Beitrag anzeigen
    Gesellschaftlich relevante Themen kann man auch im Comic heute in politisch korrekter Weise thematisieren.
    Das fehlte noch ... Fix und Foxi im Schulterschluss mit der Willkommenskultur. Die gutmenschlichen Initiativen der Tugendterroristen wollen "böse" Wörter wie "Zigeuner" und "Neger" aus Kinderbuch-Klassikern (Otfried Preußler) entfernen, und ihnen ist die Hexenverbrennung in "Hänsel und Gretel" suspekt. Ich sage immer, dümmer geht immer. Es wird übersehen, dass man Aggression und Diskriminierung in der Welt nicht durch Totschweigen und Umbenennen beseitigt.

    Und Kinder brauchen und wollen z. B. auch böse Monster, die böse Monster bis zum Schluss bleiben. Heute entpuppen sie sich meistens als ganz liebe Kuscheltiere, sobald man sie erst näher kennengelernt hat. Das ist eine abartige Schönfärbung der Realität.

  9. #9
    Mitglied Avatar von Horatio
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    Zitat Zitat von fixundfertig Beitrag anzeigen
    Das fehlte noch ... Fix und Foxi im Schulterschluss mit der Willkommenskultur. Die gutmenschlichen Initiativen der Tugendterroristen wollen "böse" Wörter wie "Zigeuner" und "Neger" aus Kinderbuch-Klassikern (Otfried Preußler) entfernen, und ihnen ist die Hexenverbrennung in "Hänsel und Gretel" suspekt. Ich sage immer, dümmer geht immer. Es wird übersehen, dass man Aggression und Diskriminierung in der Welt nicht durch Totschweigen und Umbenennen beseitigt.

    Und Kinder brauchen und wollen z. B. auch böse Monster, die böse Monster bis zum Schluss bleiben. Heute entpuppen sie sich meistens als ganz liebe Kuscheltiere, sobald man sie erst näher kennengelernt hat. Das ist eine abartige Schönfärbung der Realität.
    Es ist schon damit etwas erreicht, aufzuzeigen, welches Übel in überkommenen Denkmustern, u. a. im Schwarz-Weiß-Denken, liegt. Vielen Dank für deinen aufschlussreichen Beitrag dazu.
    Geändert von Horatio (17.04.2017 um 13:43 Uhr)
    Horatio

  10. #10
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    Ja, das war sehr aufschlussreich.
    Um auf die Frage von Arno zurückzukommen: Die Pressemitteilungen nach dem Tod von Rolf Kauka am 13. September 2000 waren sehr knapp gefasst. Ich hatte etwas mit Leukämie in Erinnerung. In Sprechblase Nr. 190, April 2003, Seite 38, schreibt Alexandra Kauka, dass ihr Mann sich einer Chemotherapie unterziehen müsse, in einem späteren Brief (ebd.), dass er durch das Feltys Syndrom sehr geschwächt sei. – Das ist eine schwere Form der Arthritis.

  11. #11
    Zitat Zitat von Horatio Beitrag anzeigen
    Es ist schon damit etwas erreicht, aufzuzeigen, welches Übel in überkommenen Denkmustern, u. a. im Schwarz-Weiß-Denken, liegt. Vielen Dank für deinen aufschlussreichen Beitrag dazu.
    Ja, das kann ich zurückgeben.
    Wenn Du das vertiefen möchtest, kann ich Dir dieses Buch empfehlen, ein Kapitel behandelt "Die Sprache der Märchen: Negerkönige und Chinesenmädchen":
    https://www.amazon.de/dp/3421046174

  12. #12
    Mitglied Avatar von Horatio
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    Zitat Zitat von fixundfertig Beitrag anzeigen
    Ja, das kann ich zurückgeben.
    Wenn Du das vertiefen möchtest, kann ich Dir dieses Buch empfehlen, ein Kapitel behandelt "Die Sprache der Märchen: Negerkönige und Chinesenmädchen":
    https://www.amazon.de/dp/3421046174
    Danke für deinen erneut sehr aufschlussreichen Beitrag und deine Thilo-Sarrazin-Buch-Empfehlung. Nun weiß ich zweifelsfrei, wo deine Denkmuster ideologisch einzuordnen sind. (Der von dir verwendete Begriff „Tugendterroristen“ hätte mir eigentlich Indiz genug sein müssen.)

    Mit den „überkommenen Denkmustern“ habe ich deine gemeint. Das wollte ich in meinem vorigen Beitrag aufzeigen.

    Da ich keine Lust habe, mir meine Forumsbesuche von deinen ungebetenen und hier völlig überflüssigen (gesellschafts)politischen Ansichten vermiesen zu lassen, setze ich dich jetzt auf meine Ignorierliste.
    Horatio

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