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  1. #1

    Auch das noch: Zensur in Disney-Comics

    Schon als Kind hat es mich immer gestört, wenn beim Lesen mitten in einem gut gezeichneten, spannenden Comic plötzlich ein paar schlecht gezeichnete Panels auftauchten, in denen irgendwas Albernes, unter dem Niveau der Geschichte Liegendes passierte, das zudem auch meist keinen Sinn ergab.
    Ich vermute als Zeichner Perego. Erschienen diese Comics also bereits im Original sinnentstellt? Oder gibt es unzensierte Versionen? Und nach welchen Kriterien wurde zensiert, da ja sinnlose Gewalt trotzdem noch häufig im LTB vorkommt?
    Ich habe gerade so eine Geschichte gelesen, in LTB 36, Der mysteriöse Mister Moster, Seiten 28/29: Donald sieht sich bei einem der Ausgeraubten die zurückgebrachten Geldscheine an. (Zensur an) Der lacht ihn aus, dabei reißt ihm das Jackett auf. Donald, kindergartenmäßig: "Sehn Sie, das haben Sie nun davon, daß Sie so blöd gelacht haben!" Der Andere will sich daraufhin umziehen. Doch als er wiederkommt, (Zensur aus), hat er sich auch Schnurr- und Stoppelbart abrasiert und die Schnauze verlängert. Auf Seite 56, gleiche Geschichte, ist ein zumindest inhaltlich akzeptables weiteres Beispiel. Trotzdem ist es so, als würde man kurz in ein Paralleluniversum zappen und dabei die eigentliche Geschichte verpassen. Oder als hätte ein Laie ein klassisches Gemäldes etwas "überarbeitet". Ich würde zu gern wissen, was da ursprünglich stand!
    Geändert von Capture Futain (30.05.2005 um 13:31 Uhr)

  2. #2
    Tja, mir fällt da in erster Linie das berümte Beispiel aus der Daniel-Ullenspiegel-Saga ein, in der Donald, statt sich selbst, auf Anweisung des Ullenspiegels, einen Stromschlag zu verpassen, nur am Telefon wartet und einschläft. Sonst könnte ein Leser Donald nacheifern. Aber IMO waren beide Gags genauso dämlich.

    Für Weitergehendes unterschreib bitte die imaginäre Petition über eine Neuauflage des Hunolsteinschen "Ehapa durchleuchtet". Darin gibt es noch mehr zum Thema zu finden. Plattnase gibt uns aber sicher gleich einen kurzen Abstract.

  3. #3
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    ein "abstract"?

  4. #4
    Anderes Wort für Kurzreferat.

  5. #5
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    extrakt? abriss? kenne ich.

    aber "abstract" war mir neu. steht aber im duden, also wirds stimmen.

  6. #6
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    Ja - der Hinweis auf "Ehapa durchleuchtet" war goldrichtig! Dort habe ich die Bilder aus dem "Mister Moster" schon auf S. 11 behandelt.

    Zu diesen Einschubbildern ist folgendes zu sagen: Genauso wie bei uns werden auch in Italien alte Geschichten immer wieder nachgedruckt. Die Stories aus den alten LTBs sind in Italien ursprünglich im TOPOLINO erschienen, und zwar als Fortsetzungsstories. Wenn eine Taschenbuchgeschichte deutlich über 30 Seiten lang ist, kann man i.d.R. von einer ursprünglichen Fortsetzungsgeschichte ausgehen. Ein Großteil dieser Geschichten wurde von vornherein als Fortsetzungs-Story konzipiert, d.h. jeder Teil begann wieder mit einem Splash Panel nebst Überleitungstext (man kennt diese Machart ja bereits von den amerikanischen WDC-Heften, etwa von Paul Murry). Und in Italien war es außerdem üblich, daß eine Fortsetzungs-Trennstelle mit einem kurzen Text endete, die den Leser auf den folgenden Teil neugierig machen sollte.

    In Italien hatte man sich entschlossen, Nachdrucke alter Geschichten in einer eigenen Reihe, den "Grandi Classici" zu veröffentlichen, die genau unseren LTBs entsprechen. Und wenn eine alte Geschichte nun in einem Schub erschien, machten die Fortsetzungs-Trennstellen keinen Sinn mehr und wurden von Perego mit "Verlegenheitsbildern" aufgefüllt. Es handelt sich also eigentlich nicht um "Zensur", sondern nur um Füllstoff (was allerdings oft in die Hose ging). Diese Perego-Bilder wurden also nicht extra für die deutschen Fassungen kreiert, sondern bereits für die italienischen Nachdrucke. Und nachdem man in Deutschland erst seit 1965 italienisches Material verwendet hat, hat man von vornherein gleich die Nachdrucke herangezogen. Wie bereits erwähnt: aus den italienischen Nachdruck-Reihen entstanden "unsere" LTBs.

  7. #7
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    Ein abstract steht z.B. vor wissenschaftlichen Aufsaetzen als Kurzzusammenfassung/Inhaltsangabe. Da muss man schon nicht den ganzen Artikel durchlesen um festzustellen, dass er nix taugt (*). Hab ich auch schon im Donaldisten gesehen, meine ich.

    Und nicht vergessen: Mittwoch ist Peregos Wiegenfest!

    (*) Um Missverstaendnissen vorzubeugen: Damit wollte ich nicht ausdruecken, dass "Ehapa durchleuchtet" nix taugt, im Gegenteil, das Werk hat zumindest bei mir einen Ehrenplatz im Regal.

  8. #8
    @Plattnase: Ich beherzige hiermit Flinthearts Rat und unterschreibe die Petition.

    In der Tat, wenn ich bei dieser Geschichte die Perego-Bilder nicht mitlese, macht die Geschichte wieder Sinn. Außer dem Umstand, daß Donalds Gegenüber nicht nur die Kleidungsfarbe, sondern auch Haartracht und Gesichtsform geändert hat. Und die Seite 56 ist ja komplett eingefügt worden. Man hätte das nicht tun müssen, da es hier ja nicht darum ging, die Seitenaufteilung zu erhalten. Worum dann?

    Und wie lange waren eigentlich die italienischen und deutschen Taschenbücher gleich?
    Jedenfalls bin ich froh, doch die kompletten Geschichten gelesen zu haben.

    @Dr.Dulle: Was für ein Wiegenfest?

  9. #9
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    Zitat Zitat von Capture Futain
    @Dr.Dulle: Was für ein Wiegenfest?
    Das neunzigste! (Siehe den Faden "Geschichte gesucht")

  10. #10
    Hab's gefunden, danke!

  11. #11
    Mitglied Avatar von Don van Horn
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    ich glaube, gelegentlich wurden manche Sachen in bestimmten Ländern zensiert (siehe Don rosa, in SLSM wurden einige Pistolen umgeändert etc.)

    aber die Zensur, die mir als erstes einfällt ist die in der Geschichte, in der Barks die foranschreitende Umweltverschmutzung anprangte (Mir ist schon wieder der Name der Geschi entfallen.

    Story: In einem arg verschmutzten See macht das Fähnlein Fieselschweif ein paar Übungen. Um im See überhaupt überleben zu können, müssen sie sich mit Fett eincremen (zuviel industirelle Abwässer). Im See finden sie zunächst eine Katzenfischart, die mutiert ist, sodass sie jetzt wie ein Hund bellt und auch an Land springen kann, und kurze Zeit später eine Art Drache, der nur aus Müll besteht. Beide Kreaturen essen für ihr Leben gerne Müll und werden als Lösung des Umweltproblemes angesehen. Nach dem Mittelteil (die missglückte Jagd nach dem Drachen von einem Jäger) kam das Ende: es regnete, die Katzenfische und der Drache starben sofort.

    ECHTES ENDE: Zwei Wissenschaftler geben berkannt, das die Wesen gestorben sind, weil die Verschmutzung des Wassers durch den Regen von 100 auf 98 Prozent abnahm, woraufhin das Fähnlein im Schlusspanel wieder zu den Übungen antrat, diesmal allerdings mit Teer eingecremt, um zu überleben.

    ZENSUR: Plötzlich war der See vollkommen rein und das Fähnlein konnte ohne Probleme darin baden.

    da wurde ein echtes Problem einfach unter den Tisch gekehrt, so, als ob man sagen will "Das regelt sich doch eh von alleine wieder"

  12. #12
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    Von dieser Story gibt's zwei Varianten: "Das Ungeheuer vom Schwefelsee" (DDT 212) von K. Wright sowie "Der Dampfdrache vom Schwefelsee" (TGDD 200) von Jippes.

  13. #13
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    Zitat Zitat von Plattnase
    Von dieser Story gibt's zwei Varianten: "Das Ungeheuer vom Schwefelsee" (DDT 212) von K. Wright sowie "Der Dampfdrache vom Schwefelsee" (TGDD 200) von Jippes.
    Willst du uns damit sagen, dass die eine Variante so endet und die andere mit dem vermeindlich zensierten Ende?

    Achja: Ich hätte auch gerne eine Neuauflage von "Ehapa Durchleuchtet".
    Geändert von St.Jimmy (30.05.2005 um 17:45 Uhr)

  14. #14
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    Zitat Zitat von St.Jimmy
    Willst du uns damit sagen, dass die eine Variante so endet und die andere mit dem vermeindlich zensierten Ende?
    ja.

    in der BL ist ebenfalls die zensierte version.

  15. #15
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    Zitat Zitat von Capture Futain
    In der Tat, wenn ich bei dieser Geschichte die Perego-Bilder nicht mitlese, macht die Geschichte wieder Sinn. Außer dem Umstand, daß Donalds Gegenüber nicht nur die Kleidungsfarbe, sondern auch Haartracht und Gesichtsform geändert hat. Und die Seite 56 ist ja komplett eingefügt worden. Man hätte das nicht tun müssen, da es hier ja nicht darum ging, die Seitenaufteilung zu erhalten. Worum dann?
    Ich kann zu dieser Story nur sagen, daß sie erstmals 1955 erschienen ist und zwar als Vierteiler [TOP. #108-111] mit der Stückelung 16 + 14 + 15 + 15 = 60 Seiten. Trotz Perego-Einschüben kommt die "Kompaktfassung" nur auf 59 Seiten. Vielleicht mußte Perego die Seite 56 einschieben, um die Story auf eine bestimmte Länge zu strecken (LTBs sind bekanntlich meist auf 254 Seiten standardisiert). Oder wollte er sich ein Zubrot verdienen.

    Genauso hirnlos sind ja die Perego-Einschübe im "ewigen Feuer der Königin Kalhoa" (LT 2, S.41 oben).

    Aber auch guten Zeichnern sind ja bei Fortsetzungsgeschichten schon ähnliche Fehltritte passiert. Man denke an Paul Murry in der Geschichte mit den "Ananasräubern" (MM 21-23/67), wo die "Menehunes", ein Eingeborenen-Zwergvolk, am Ende des ersten Kapitels vollkommen anders aussehen als im weiteren Verlauf der Geschichte.

    In späteren Jahren wurden italienische Fortsetzungsgeschichten übrigens ohne solche Einschübe abgedruckt, oft sogar mit den echten Fortsetzungs-Trennbildern. Beispiel: "Die Bürgermeisterwahl" (DDT 114), wo die beiden Kapitel sogar durch eine andere Geschichte unterbrochen werden!

    Und wie lange waren eigentlich die italienischen und deutschen Taschenbücher gleich?
    Nach meinen Unterlagen gibt es mindestens bis in den 70er Nummernbereich der LTBs exakte Übereinstimmungen mit italienischen "Classici"-Bänden.

  16. #16
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    Zitat Zitat von Plattnase
    Von dieser Story gibt's zwei Varianten: "Das Ungeheuer vom Schwefelsee" (DDT 212) von K. Wright sowie "Der Dampfdrache vom Schwefelsee" (TGDD 200) von Jippes.
    Eigentlich gibt es sogar drei, nämlich noch die von Giovan Battista Carpi ("Das Ungeheuer vom Schwefelsee", s. "Der Vater der Ducks"), die zeichnerisch freier ist, da er nur die Texte und nicht Barks' Vorzeichnungen vorliegen hatte. Auch diese Variante enthält das "ungeschönte" Originalende.

  17. #17
    Zitat Zitat von Plattnase

    In späteren Jahren wurden italienische Fortsetzungsgeschichten übrigens ohne solche Einschübe abgedruckt, oft sogar mit den echten Fortsetzungs-Trennbildern. Beispiel: "Die Bürgermeisterwahl" (DDT 114), wo die beiden Kapitel sogar durch eine andere Geschichte unterbrochen werden!
    Oder in DDT 76, da rahmen die beiden Kapitel alle anderen Geschichten ein, was mir sehr gut gefiel. Aber auch da, wo die Kapitel direkt aneinandergereiht werden, ist diese Methode eleganter, weil nachvollziehbar.

    Zitat Zitat von Plattnase
    Nach meinen Unterlagen gibt es mindestens bis in den 70er Nummernbereich der LTBs exakte Übereinstimmungen mit italienischen "Classici"-Bänden.
    Also quasi bis zur Aufgabe der Vorgeschichten?

  18. #18
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    Vorlagen für alte LTBs waren die "Classici prima serie".

    http://coa.inducks.org/magazine.php/x/it/CWD

    Die Classici seconda serie, von denen aber nur wenige eins zu eins übernommen wurden, gibt es heute noch, allerdings ohne Rahmengeschichte, und seit geraumer Zeit auch ohne Thema.

    http://coa.inducks.org/magazine.php/x/it/CD

  19. #19
    Zitat Zitat von Don van Horn
    aber die Zensur, die mir als erstes einfällt ist die in der Geschichte, in der Barks die foranschreitende Umweltverschmutzung anprangte
    Wobei man anmerken muß, daß Barks die Änderung (auf redaktionelle Anweisung hin) selbst vorgenommen hat. So gesehen sind beide Fassungen genuiner Barks, auch wenn er mit dem entschärften Schluß nicht gerade glücklich war.

  20. #20
    Hallo, allerseits!
    Wie ist das eigentlich mit den Eingriffen bei Barks-Geschcihten, die Verleger, Redakteure usw. bei den Nachdrucken in den USA selbst vorgenommen haben, also ab den späten 60er Jahren: wurden die dann auch im europäischen Markt übernommen? Ist das irgendwo dokumentiert?
    Ich vermute, das Thema Zensur ist eine komplizierte Angelegenheit, bei den vielen verschiedenen Disney-Verlagen auf der Welt.
    Werden grundlegende Eingriffe, wie z.B. das Entfernen von Waffen (etwa in der Uncle-Scrooge-Story "The Treasure of Marco Polo") von Disney-USA "zentral gesteuert"?
    Falls da jemand ein paar gute Links kennt, wäre ich sehr dankbar.

  21. #21
    Heute sicherlich nicht mehr. Disney selbst vergibt ja wohl nur noch Lizenzen für die Nutzung "ihrer" Figuren. Dahe denke nicht, dass die sich bei Egmont einmischen könnten, zumal für sie dabei ja auch nichts rausspringen würde.

    Die zensierten Geschichten aber wohl gekommen, Capture Futain hat ja schon Beispiele genannt. Wahrscheinlich hat man sich direkt bei der Entstehung (oder direkt danach) der Geschichte eingeklinkt und Veränderungsvorschläge/befehle gemacht. Das war dann "die" Geschichte, die man dann auch an andere Verläge verkauft hat.

  22. #22
    Zitat Zitat von DuckDich
    Werden grundlegende Eingriffe, wie z.B. das Entfernen von Waffen (etwa in der Uncle-Scrooge-Story "The Treasure of Marco Polo") von Disney-USA "zentral gesteuert"?
    Nicht direkt. Daß bei uns dieselben Stellen zensiert sind, liegt daran, daß Ehapa die Druckvorlagen der amerikanischen Carl Barks Library übernommen hat. Ob die Geschichte bei uns ohne diese Eingriffe abdruckfähig wäre, ist noch eine andere Frage.

    Bei Barks scheint Disney die Dinge mittlerweile etwas relaxter zu sehen. Aber ich vermute, es gibt noch diverse Gottfredson-Storys, bei denen ein Nachdruck schlichtweg unmöglich wäre.

    Ansonsten: Die meisten Waffenretuschen in europäischen Veröffentlichungen wurden von Egmont aus eigener Entscheidung vorgenommen. Auch bei "Marco Polo" ging es Disney eigentlich weniger um die Waffen als um die politische Aussage.

  23. #23
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    Auch bei "Marco Polo" ging es Disney eigentlich weniger um die Waffen als um die politische Aussage.
    Ich kenn die Geschichte nicht - was ist denn die politische Aussage?

  24. #24
    Es geht ziemlich unverschlüsselt um den Vietnamkrieg bzw. die Umwälzungen in Kambodscha. Da sind die Amis etwas empfindlich.

  25. #25
    Mitglied Avatar von Daggi Duck
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    Ich konnte diese Zensur auch nicht ausstehen. Es ist doch unglaublich, dass man annimmt, "Gewalt"szenen könnten die Leser zum Nachahmen animieren. Das ist so unglaubhaft wie kindisch.

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