Die Sprechblase 238

August 2018
€ 9,90
43. Jahrgang
Nr. 238


INHALT
3 Vorwort, Abos, Impressum
5 TUNGA-Zeichner
Edouard Aidans
16 BIBER-PATROUILLE
18 QRN ruft Bretzelburg
23 HARRY-Magazin: Rezensionen,
News, Generation Lehning, Heimische
Superhelden
42 Bernhard Schaffer
44 MAC COY
46 Wer ist Don Rosa?
50 Comic v. Heinz Wolf und G. F.
52 Sechs edle Disney-Hommagen
54 THANOS - Starlins irrer Tyrann
60 MICHEL VAILLANT-Comic
64 Helga Wäscher im Interview
76 BILLY JENKINS ist zurück
78 Westernautor Jonny Pegg
86 Die Romancovermaler
R. Sieber-Lonati und G. König
90 Zwei außergewöhnliche
Propagandacomics
93 Leserbriefe
97 Heiner Jahnkes Archiv


Leserbriefe:
Gerhard Förster
[email protected]

Bestellungen und Abonnements:
Stefan Schlüter
[email protected]

Abo-Preise für Deutschland und Österreich:
€ 35,60 (4 Ausgaben)
€ 68,- (8 Ausgaben)
Im 4er Abo ist die SPRECHBLASE weiterhin zum alten Preis von EUR 8,90 erhältlich, im 8er Abo wird´s noch günstiger!

Web-Site:
die-neue-sprechblase.at
Die Sprechblase - Das offizielle Diskussionsforum

Seite 44 von 44 ErsteErste ... 3435363738394041424344
Ergebnis 1.076 bis 1.089 von 1089
  1. #1076
    Roger Stern hat auch einen sehr guten Doctor Strange geschrieben.

    Übrigens führte Gerry Conway, einer der produktivsten Marvel-Autoren der 1970er, den Qualitätsverlust in diesem Jahrzehnt

    auf die Explosion des Verlagsausstoßes zurück (anstatt ca. zehn monatliche Titel in den Sechzigern mitunter das siebenfache – Magazine stärker eingerechnet, weil sie mehr Arbeit verursachten – in den Siebzigern),
    auf das dadurch entstandene allgemeine Chaos (wer macht diesen Monat welches Heft?) und
    auf die fehlende führende Hand, die die vielen neuen Autoren, die größtenteils am Anfang ihrer Karriere standen, hätte anleiten müssen.

    So, jetzt aber weiter im Text:

    Als Gekloppe Mode war

    Die jüngeren Leser werden es vermutlich nicht wissen, aber Anfang der 1970er-Jahre stand die westliche Medien-Welt einige kurze Augenblicke lang im Bann einer knackigen Kung Fu-Welle.
    Der kurzlebige Boom wurde durch die Action-Filme des Schauspielers und Kampfsportlers Bruce Lee ausgelöst und durch die populäre TV-Serie Kung Fu mit David Carradine in der Hauptrolle des Kwai Chang Caine verstärkt.
    Carl Douglas bescherte dem Phänomen sogar einen eigenen Welthit: Kung Fu Fighting.

    Obwohl Roy Thomas nicht viel von dem wie er sagte "prätentiösen Unsinn" der TV-Serie hielt, zeigte er sich offen für den Vorschlag von Marvel-Texter Steve Engelhart, die Rechte an der Figur des Kwai Chang Caine zu erwerben, um aus ihr den Star einer neuen Comicheft-Reihe zu machen. Sein Versuch schlug fehl, Engelhart und Zeichner Jim Starlin erfanden eine eigene Figur und Thomas bemühte sich mit mehr Erfolg um die Rechte an dem insbesondere aus der Romanwelt bekannten "Devil Doctor" Fu Manchu.
    Er hoffte auf den Synergie-Effekt. Seinen unbekannten Kung Fu-Kämpfer wollte er jedenfalls nicht ohne den Beistand einer namhaften Figur der Popkultur auf die Leserschaft loslassen.

    Shang Chi, der Master of Kung Fu wurde in der 15. Ausgabe einer Reprint-Reihe namens Special Marvel Edition vorgestellt, verkaufte sich prächtig und bekam nach einem weiteren Auftritt in der Nummer 16 bereits im April 1974 sein erstes eigenes Heft, Master of Kung Fu 17 (die Special Marvel Edition wurde eingestellt und die Nummerierung beim Master fortgesetzt).

    Ähnlich wie Thomas verfuhr eineinhalb Jahre später auch die Konkurrenz DC als sie die Serie Richard Dragon, Kung Fu-Fighter mit Coverdatum Mai 1975 startete.
    Dragon war bereits Held einer eigenen Romanheftreihe. Doch bescherte der damit eventuell verbundene Popularitätsschub der Serie nicht mehr als 18 Nummern (bis Coverdatum Dezember 1977).

    Die über hundert erschienenen Ausgaben Master of Kung Fu reichen zeitlich weit über das Ende des Kung Fu-Booms hinaus und sind zumindest ein Indiz auf deren Qualität. In Anbetracht der Lebensdauer des Kung Fu-Heftes von Bastei sind solche Rückschlüsse allerdings mit Vorsicht zu genießen.

    Ich habe versucht, die komplette Comic book-Reihe in ihrer Omnibus-Version möglichst ohne größere Unterbrechungen zu lesen und das ist mir im Wesentlichen gelungen. Das spricht für sie, denn wenn’s mir zu mittelmäßig oder gar schlecht wird, brauche ich zwischendurch mal ein paar gute Comics, um den Qualitätsabfall zu kompensieren (prinzipiell lese ich aber alles, was ich kaufe, auch schlechte Comics bis zur letzten Seite.

    Davon morgen mehr ... und ein paar Bilder obendrein.

  2. #1077

    Lightbulb

    Die frühen Geschichten sind weder Perlen noch Rohdiamanten, aber doch ansehnlicher Schmuck: sie glänzen durch die Zeichnungen Jim Starlins, auch wenn der noch nicht auf der Höhe seiner Kunst ist, und einigen von Steve Engelhart kurzweilig erzählten, aber simplen Plots. Das ganze ist nettes Lesefutter, doch dürfte kaum ein Fan auf die Idee kommen, diesen Heften einen Ehrenplatz in seiner Comic-Vitrine zu reservieren.

    Auf den ersten in den Omnibussen ebenfalls nachgedruckten Leserbriefseiten* wird hin und wieder auf die philosophischen Momente der Serie verwiesen, doch ist davon nicht wirklich viel zu spüren. Roy Thomas wird darüber ähnlich gedacht haben wie über die Kalenderspruch-Philosophie der Fernsehserie (siehe gestriger Post). Später wird sich Texter Doug Moench bemühen, der einen oder anderen Geschichte durch gleichnishafte Darstellung etwas Tiefgang zu verleihen, aber auch das ist eher erzählerischer Kniff als ernstgemeinte Lektion.
    Egal, zurück zu den kurzweilig-simplen Frühwerken.

    Schnell ist dort eine Qualitätssteigerung auszumachen, besonders als der bereits erwähnte Engelhart-Nachfolger Doug Moench und der noch am Anfang seiner Karriere stehende, aber sich am Master of Kung Fu flugs steigernde Zeichner Paul Gulacy übernehmen.

    Ab den 30-er Nummern und mit der ersten sich über mehrere Hefte ziehenden Storyline wird klarer, welche Richtung die ursprünglich etwas orientierungslos wirkende Serie einschlagen soll.
    So wird Held Shang-Chi von einem Ausgabe für Ausgabe unfreiwillig in seine Abenteuer stolpernden Wanderer (und darin ist er Kwai Chang Caine aus der TV-Serie Kung Fu sehr ähnlich) zu einer Mischung aus Bruce Lee und fernöstlichem James Bond - ja, er arbeitet sogar für den Geheimdienst Ihrer Majestät - ohne dabei lächerlich zu wirken (gar nicht so einfach, wenn man mit Handkante gegen Maschinengewehre antritt).
    Moench und Gulacy dürften sich mit dieser Zusammenarbeit für den 1992 bei Dark Horse und Jahre später in Übersetzung bei Feest USA erschienenen Bond-Dreiteiler Serpent’s Tooth empfohlen haben. Und so sind die Momente, die beim Leser mannigfaltige Kinoerinnerungen wecken, beim Master of Kung Fu eng getaktet, schon weil nicht wenige der von Filmfan Gulacy dargestellten Figuren Hollywood-Größen wie Marlene Dietrich oder Marlon Brando nachempfunden sind.

    Den krönenden Abschluss der Moench/Gulacy- Zusammenarbeit am Master feiern die beiden mit einem in der Nummer 50 endenden Sechsteiler (mit den zahlreichen Prologen und dem Epilog zu dieser Geschichte sind’s rund ein Dutzend Fortsetzungen).
    Gegeben wird eine der vielen und hier die vorerst letzte Vater-Sohn-Konfrontation Shang Chi versus Fu Manchu und die zeigt den klassischen und in etwa zeitgleich durch Darth Vader und Luke Skywalker ebenfalls aufgelegten Vater-Sohn-Konflikt in seiner extremsten Form: hier das personifizierte Böse, da die personifizierte Unschuld.
    Man darf diesen Vielteiler wohl ohne Übertreibung das Magnum Opus der Serie nennen, ihre beste Geschichte in über hundert Heften, ein spektakulärer Schwanengesang, mit dem die Zusammenarbeit Moench/Gulacy – wie der Amerikaner so schön sagt – mit einem Knall und nicht mit einem Wimmern endet. Natürlich nur, was Shang-Chi betrifft. Die beiden sorgen noch für eine Menge Lesevergnügen und hierunter sind dann – ich komme auf den Anfang des Posts zurück - einige echte Juwelen wie Six from Sirius.

    Nach seiner Arbeit am Master verschwindet Paul Gulacy für eine Weile in der Werbung und gestaltet für die Comics vorübergehend nur Kleinteiliges wie Titelbilder. Ein schmerzlicher Verlust, denn nach seinem Abgang wandert der Master of Kung Fu-Leser durch ein Tal der Tränen.
    Permanent wechseln die Zeichner, werden Termine gerissen, so dass die Lücken mit sogenannten "Fill-in Issues" gestopft werden müssen, also Material, das just für solche Gelegenheiten lang in der Schublade liegt und nichtssagend genug sein muss, in jede erzählerische Kontinuität eingefügt werden zu können.

    Für eine Übergangsphase wechseln sich der Kanadier Jim Craig und der junge Mike Zeck bei den Vorzeichnungen ab, bis letzterer den Bleistift für eine Folge von rund 30 Ausgaben übernimmt.
    Beide konnten Gulacy zwar nicht das Wasser reichen, aber Zeck hielt ein anständiges Niveau, besonders wenn seine Zeichnungen von Gene Day getuscht wurden.
    In den Nummern 71-101 wird dem Leser locker-flockiges Popcorn-Kino auf Papier geboten, wobei Doug Moench einen inhaltlichen Richtungswechsel vollzieht: Shang-Chi, angewidert von den Realitäten des Spionagedienstes, verlässt den MI-6 und abenteuert sich privat durchs Leben. Seine Weggefährten folgen ihm und gründen eine Art Detektei, die nur noch moralisch einwandfreie Aufträge anzunehmen beabsichtigt.
    Der Höhepunkt auch dieses zweiten großen Laufs von Master of Kung Fu-Heften ist wieder ein und damit der zweite vorläufig letzte Fu Manchu-Mehrteiler.
    In sieben Fortsetzungen, die man erneut um einige Hefte Prolog ergänzen kann, bekämpft Shang-Chi erneut seinen renitenten Vater. Erfreulicherweise auf zumindest ähnlich hohem Niveau wie zu Gulacy-Zeiten.
    Die besten Storys dieser Serie sind tatsächlich diese ganz speziellen familiären Auseinandersetzungen. Sicher auch, weil Fu Manchu kein Olrik ist und Moench ihn nicht durch Überbeanspruchung abnutzt.


    *= Der Nachdruck der Leserbriefseiten ist ein Segen.
    Nicht nur, dass hier viele kluge Kommentare zur Serie zu lesen sind, unter den Verfassern der Fan-Post findet sich auch der eine oder andere Name, den man Jahre später in den Credits von Marvel-Geschichten wiederentdeckt, hier z.B. Peter Gillis, Ralph Macchio und Bob Rodi.



    MORGEN:
    Ein Märtyrer der Comics?
    Geändert von felix da cat (02.03.2018 um 11:48 Uhr)

  3. #1078
    Ein Märtyrer der Comics?

    Nachdem Gene Day bereits längere Zeit als Tuscher des Master of Kung Fu tätig war, wird er in der Nummer 100 erstmals und ab Ausgabe 102 ständiger Bleistift-Vorzeichner der Serie, nach Jim Craig der zweite Kanadier in dieser Position. Wobei das Wort "ständig" die Situation nicht korrekt beschreibt. Da Day es bevorzugt, seine Vorzeichnungen selbst zu tuschen, werden die Abgabetermine für ihn zu einem Quell steten Kummers.
    Häufig müssen andere Zeichner den Ausputzer geben, werden die bereits im gestrigen Post erwähnten Fill-in-Issues zwischengeschaltet.

    Days Zeichnungen sieht man ihren Zeitaufwand an.
    Ein besonderes Faible scheint er für Statuen und Endlos-Treppen gehabt zu haben, denn er setzt diese in jeder möglichen und auch manch unmöglichen Situation ins Bild. Dies und einiger weiterer Schnörkel verleihen seinen Panels einen geradezu barocken Look. Der Betrachter kann sich entweder an der schieren Komplexität seiner Zeichnungen erfreuen oder von der Überladenheit der Panels erschlagen fühlen.

    Chefherausgeber Jim Shooter war von Days unkonventionellen, von Jim Steranko inspirierten Layouts nicht begeistert. Er forderte Day auf, lesefreundlicher zu zeichnen. Als der Zeichner dann noch hörte, dass geplant sei, Master of Kung Fu einzustellen, soll ihn das hart getroffen haben. Er liebte die Serie.

    Es ist eine Kontroverse darüber ausgebrochen, was sich in diesen Tagen des Jahres 1982 in den Marvel Offices abspielte. Moench und Shooter sind sich spinnefeind, aber einiges spricht dafür, dass Shooters Aussagen Day betreffend, korrekt sind.

    So betont er, er habe Days Master of Kung Fu-Layouts zwar kritisiert, aber diesen nicht gefeuert. Er wollte ihm andere Arbeit geben. Das klingt glaubwürdig, denn nach seinem Ab- oder Rückzug vom Master erschienen zwei von Day gezeichnete Ausgaben der Marvel-Star Wars-Reihe (Nummern 68 und 69, Coverdaten: Februar und März 1983).

    Ob sich der Stresslevel Days durch das Ende des Master of Kung Fu erhöhte und zu dem beitrug, was folgte, wird wohl niemand sagen können.
    Day hatte bereits seit langem Probleme mit seiner Niere. Außerdem berichtet seine Frau, die Abgabetermine hätten ihn so unter Dampf gehalten, dass er quasi an den Zeichentisch gefesselt war. Er habe kaum geschlafen, seine Zeit so gut wie nur in den eigenen vier Wänden verbracht, habe nur von Nikotin und Koffein gelebt.

    Seine letzte veröffentlichte Zeichnung dürfte sein spektakuläres Cover für Detective Comics 527 (Coverdatum Juni 1983) sein. Irgendwann in den Tagen nach dessen Fertigstellung bricht er beim Überqueren einer Straße zusammen, Herzinfarkt.
    Day starb am 23. Dezember 1982, er wurde nur 31 Jahre alt.

    Doug Moench ging dies natürlich nahe.
    Für seine Zusammenarbeit am Master of Kung Fu habe er zu dem in Kanada lebenden Day zwar nur telefonischen Kontakt gehabt, der Zeichner habe mit ihm aber stundenlange Gespräche geführt, was ihn wegen dessen Zeitproblemen immer wieder in Erstaunen versetzte.
    Erst später erfuhr er, dass Day auch während dieser Gespräche permanent getuscht hat.

    Day war ein außergewöhnliches Talent, das nur noch ein paar Stufen bis ganz nach oben zu gehen hatte. Man sah das Potenzial, ahnte, dass er sich an die Spitze vorarbeiten konnte, aber in Erinnerung bleiben wird er wohl nicht durch zeichnerische Brillanz sondern seine grafische Extravaganz.

    Die Moench/Day-Folgen sind vor allem auf dieser Ebene interessant.
    Die Storys liefern weiterhin solide Unterhaltung, doch viele Highlights finden sich nicht mehr in den späten Nummern.
    Die Hefte nach Ab- oder Rückzug Days sind ein qualitatives Desaster. Und so endet die Serie - anders als die Moench/Gulacy-Zusammenarbeit - mit einem Wimmern und keinem Knall.
    Moench hatte keine Lust mehr, wechselte zu DC und überließ es anderen Textern, die Serie abzuwickeln. Sie wurde mit der Nummer 125 eingestellt (Coverdatum Juni 1983).

    Der vierte Master of Kung Fu-Omnibus schließt mit einigen im Jahr 1988 in der Superhelden-Anthologie Marvel Comics Presents veröffentlichten 8-seitern von dem zwischenzeitlich zu Marvel zurückgekehrten Moench und Neal Adams-Klon Tom Grindberg, sowie dem 1990 herausgegebenen Prestige Formal-Titel Bleeding Black, von Moench und den Gene Day-Brüdern Dan und David.
    Der Name Dan Day wird zumindest den Insidern durch die ebenfalls in Zusammenarbeit mit Doug Moench für Eclipse produzierte Serie Aztec Ace ein Begriff sein.
    Obwohl der Zeichenstil der beiden überlebenden Brüder dem Genes ähnelt, erreichten diese weder sein künstlerisches Niveau noch seine Popularität.


    Nächste Woche: Deadly Hands of Kung Fu - Das Magazin!
    Geändert von felix da cat (03.03.2018 um 09:13 Uhr)

  4. #1079
    Mitglied Avatar von Schock
    Registriert seit
    02.2001
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    566
    ich interessiere mich nicht die Bohne für Kung-Fu Comics, aber es macht einfach tierisch Spaß, deine Ausführungen zu lesen.


  5. #1080
    Danke!
    Versuche, die Trockenzeit bis zur nächsten SB sinnvoll zu überbrücken, das rumorende Lesevolk bei Laune zu halten. Man weiß ja, wie leicht Panik ausbricht.

  6. #1081
    Mitglied Avatar von franque
    Registriert seit
    07.2011
    Beiträge
    3.545
    Ich bin ein großer Marvel/DC Fan und habe bis jetzt die Martial Arts-Serien ignoriert, weil mich das Genre kaum interessiert (hatte bisher nur die "Iron Fist" Epic Collections, aber auch bislang nur kurz angelesen). Aber nach deinen Lobeshymnen habe ich jetzt mal Omnibus 1 geordert. Raro war von der Serie ja auch offenbar sehr angetan.
    You had me at Jim Steranko-haftes Artwork.

  7. #1082
    Mitglied Avatar von frank1960
    Registriert seit
    09.2011
    Ort
    Gummizelle
    Beiträge
    8.219
    Ich hab mir damals fleißig Basteis KungFu gekauft, nicht so sehr wegen Shi-Kai oder Tea-Lung; vielmehr haben mich die Berichte und Bilder bzgl. des kleinen Drachen (Nein, nicht Grisu) interessiert. Freilich sind die nicht nur als Überbrückung zu verstehenden Notizen aus der chinesischen Provinz sehr lesenswert. Gene Days Schicksal is schon traurig; wenn man sich Porträts von ihm ansieht, wirkt er schon früh vergeudet.
    Ach wär Ich doch ein Junge noch wie einst
    Mit Bastei-Gruß,
    Euer Frank

  8. #1083
    Mitglied Avatar von franque
    Registriert seit
    07.2011
    Beiträge
    3.545
    Das Bastei-Heft hatte ich auch ein paar Mal, fliegt noch irgendwo im Altpapier rum. Eine positive Erinnerung habe ich da nicht wirklich dran.

  9. #1084
    Zitat von franque:
    Ich bin ein großer Marvel/DC Fan und habe bis jetzt die Martial Arts-Serien ignoriert, weil mich das Genre kaum interessiert (hatte bisher nur die "Iron Fist" Epic Collections, aber auch bislang nur kurz angelesen). Aber nach deinen Lobeshymnen habe ich jetzt mal Omnibus 1 geordert. Raro war von der Serie ja auch offenbar sehr angetan.
    You had me at Jim Steranko-haftes Artwork.
    Ups ... schnell umbestellen: wenn du Paul Gulacy in Topform sehen willst, bestelle Omnibus 2! In der 1 steht er ganz am Anfang seiner Karriere.
    Übrigens:
    Leider tuschte Gulacy seine Arbeiten aus Zeitgründen selten selbst.
    Die Qualitätsunterschiede zwischen selbst- und fremdgetuschten Arbeiten sind zum Teil gewaltig.

    Erwähnenswert noch, dass es einen Shang-Chi-Nachgang gab. Eine bei Marvel Max erschienene, wieder von Moench/Gulacy produzierte 6-teilige Mini-Serie, die nicht in der Omnibus-Reihe nachgedruckt wurde. Texter und Zeichner waren hier aber bereits weit von ihrer Bestform entfernt.

    Fun-Facts:
    Die ersten Kampfsportler bei Marvel waren weder Shang-Chi noch Iron Fist, sondern ...

    auf der Seite der Guten Karnak von den Inhumans, auf der Seite der Bösen: Batroc the Leaper (Captain America-Schurke).


    Schreibe ich jetzt einfach mal so, ohne zu prüfen, ob es noch ältere gegeben hat.
    Wer will, kann ja mal nachforschen und seine Erkenntnisse teilen.

    Bastei-Kung-Fu:
    Habe ich mir nie gekauft, nur mal durchgeblättert und angelesen. Mein sicher nicht ausgewogenes Urteil war, dass hier das Gekloppe weit vor einer lesbaren Handlung stand.
    Aber um das wirklich zu beurteilen, müsste ich das richtig gelesen haben.

  10. #1085
    Vielleicht noch einen Lesetipp:

    Der meiner Meinung nach beste Kung Fu/Kampfsport-Comic (zumidnest von denen, die ich gelesen habe) ist Immortal Iron Fist von Brubaker und Fraction.

  11. #1086
    Mitglied Avatar von franque
    Registriert seit
    07.2011
    Beiträge
    3.545
    Omnibus 2 und die weiteren werden ziemlich sicher folgen; ich hatte das auch soweit verstanden, dass die richtigen Goodies erst nach 1 kommen. Ich bin aber ein Chronologie-Sucker.

  12. #1087
    Deadly Hands of Kung Fu

    Deadly Hands of Kung Fu gehört mit seinen 33 Heften zu den erfolgreicheren Magazinen der Marvel-Geschichte.
    Das mag angesichts der 94 Ausgaben Crazy, ganz besonders aber den 235 Nummern Savage Sword of Conan übertrieben erscheinen, doch sind Marvel-Magazine häufig bereits im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Nummernbereich eingestellt worden.*

    Die komplette Magazinreihe wurde nun in zwei Omnibusse von jeweils mehr als 1.000 Seiten gepackt.
    Im ersten dieser beiden Schwergewichte befinden sich die Ausgaben 1-18, im zweiten die Nummern 19-33 der Deadly Hands of Kung Fu. Plus Extras in beiden Wälzern.

    Heute und morgen werde ich mein Augenmerk auf den ersten Omnibus richten, allerdings nicht ohne ein paar Aussagen zur gesamten Magazinreihe zu treffen.

    Die erste Nummer der monatlich erschienenen Deadly Hands trägt das Coverdatum April 1974.
    Die meisten Hefte der Reihe enthalten zwei Comicstorys sowie zahlreiche Artikel über Kung Fu-Idole und –Filme.
    Der Comicteil der frühen Magazine eröffnet in der Regel mit Geschichten des bereits durch seine eigene Comic Book-Reihe bekannten Master of Kung Fu, Shang-Chi.
    Die zweite, exklusiv für Deadly Hands kreierte, meist am Ende des Heftes zu findende Serie heißt Sons of the Tiger.
    Einige, besonders die frühen Titelbilder gestaltete Neal Adams.
    Dieses wirkt durch den scheinbar ohne Fremdeinwirkung rasant rückwärts stürzenden Cowboy unfreiwillig komisch, doch sind seine Cover für das Magazin in aller Regel sehr gut gelungen.

    Das Master of Kung Fu-Feature ist überraschend schwach.
    Die durchgehend von Doug Moench getexteten Geschichten lesen sich wie die bereits im Zusammenhang mit der Comic Book-Reihe erwähnten Fill-in Issues und wie für diese üblich, geben sich auch hier die Zeichner die Klinke in die Hand. Von einer Jim Starlin-Story abgesehen ist die Grafik dieser Serie nicht weiter erwähnenswert.

    Erzählt werden harmlose, mal mehr, mal weniger unterhaltende Geschichten, die keinerlei nachhaltige Wirkung auf die Hauptfiguren der Serie entfalten.
    Für diese doch recht fade Suppe gibt es einen Grund. Als Archie Goodwin kurzzeitig Herausgeber von Deadly Hands wird, räumt er in einem Editorial freimütig ein, dass in den Shang Chi-Geschichten des Magazins der Status Quo dieser Serie gewahrt bleiben muss, also keine entscheidenden Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Dies begründet er mit der um ein Vielfaches höheren Auflage der Comic Books. Würde sich der Status Quo einer Serie im Magazin verändern, würde sich ein großer Teil der Leserschaft - nämlich der, der nur die Comic Books liest - vor den Kopf gestoßen fühlen, weil er von diesen Änderungen ausgeschlossen wäre.
    Doug Moench arbeitete hier also mit Handicap. Und leider wusste er nicht immer damit umzugehen.

    Das lässt Besseres für die für das Magazin selbst geschaffene Serie Sons of the Tiger erhoffen.
    Hier musste keine Rücksicht auf eine Comic Book-Reihe genommen werden, denn die Serie lief nur in Deadly Hands of Kung Fu.
    Dennoch sollte sie das allgemeine Niveau weiter senken.

    Bei den Sons of the Tiger handelt es sich um ein multiethnisches Trio, bestehend aus dem weißen Bob Diamond, dem schwarzen Abraham "Abe" Brown und dem mit ostasiatischen Wurzeln versehenen Lin Sun.
    Nachdem deren Kampfsport-Trainer, Meister Kee, ermordet wurde, begeben sich die drei auf einen Rachefeldzug gegen die Täter, die Silent Ones, eine fernöstliche Verbrechensorganisation.
    Dabei behilflich ist ihnen ihr Tiger-Amulett, das ihre Kräfte durch gemeinsames Berühren und Rezitieren eines Eides vervielfacht. Nun ja, manchmal läuft das so.
    Manchmal scheinen sie den ganzen Klimbim auch nicht zu brauchen.
    Eigentlich wird der Leser hier schon relativ orientierungslos, denn wie die drei nun an ihre Kräfte gelangen will kein Autor so recht verraten. Der Amulett-Trick ist zwar dem Laternen-Trick bei Green Lantern abgeschaut, wird aber bei den Sons nur nach Lust und Laune des jeweiligen Texters genutzt und das sind zu Anfang Gerry Conway und Denny O'Neil.

    So weit, so konfus.
    Aber es ist alles noch viel schlimmer:
    Zunächst einmal sind die frühen Geschichten der Tiger-Söhne ein Aneinanderreihen endloser Kampfszenen. Gefühlt zwei Drittel einer Story wird gekickt, geboxt und gekickboxt.
    Und als wäre das nicht schon einfallslos genug, ist die nur hin und wieder aufscheinende Handlung häufig unlogisch, klischeebeladen und wirkt erratisch. Denn nicht selten verlieren die Texter dieses Serials den doch recht dick geknüpften Faden (Rache an den Silent Ones) und damit der Leser die Hoffnung, dass dieser jemals wieder aufgegriffen wird.
    Als die Serie endlich an einen Texter übergeben wird, der sie dauerhaft betreut, keimt Hoffnung auf.
    Vorübergehend.
    Denn wenn man glaubt, es kann nur noch besser werden, man habe die Talsohle erreicht, finden die Sons of the Tiger garantiert ein Loch, in das sie tiefer stürzen können.

    Morgen geht's weiter!


    * = für die, die es genau wissen wollen, alle Marvel-Magazin-Serien, die über 25 Nummern hinauskamen:
    1.
    Savage Sword of Conan ............................................ 235 Ausgaben
    2.
    Crazy Magazine .................................................. ....... 94 Ausgaben
    3.
    Epic Illustrated .................................................. ........ 34 Ausgaben
    Marvel Preview/ab Ausgabe Nr. 25: Bizarre Adventures ... 34 Ausgaben
    5.
    Deadly Hands of Kung Fu ............................................ 33 Ausgaben
    6.
    Planet of the Apes .................................................. .... 29 Ausgaben
    7.
    The Rampaging Hulk/ ab Nr. 11 The Hulk! ..................... 27 Ausgaben (1998/99 gab es eine zweite Serie mit 6 Ausgaben)
    Geändert von felix da cat (11.03.2018 um 20:39 Uhr)

  13. #1088
    Fortsetzung vom Vortage:

    Bill Mantlo übernimmt das Texten der Sons of the Tiger.
    Obwohl der Newcomer zur ursprünglichen Handlung – der Verfolgung der Silent Ones - zurückfindet, gibt er diese vollends der Lächerlichkeit preis, als die Helden auf den Drahtzieher ihres Ungemachs stoßen, dem Boss der Silent Ones. Der ist eine der vielen kosmischen Entitäten, von denen die Marvel-Hefte in den 1970er-Jahren schier platzen.
    Was aber zu Serien wie Starlins Warlock oder seinem Captain Marvel passt wie ein Handschuh, wirkt bei den Sons of the Tiger völlig deplatziert.
    Gottgleiche Über-Wesen sind und bleiben die Baustelle kosmischer Superhelden oder von Göttern wie Thor.
    Der Ihr-seid-Schachfiguren-in-einem-viel-größeren-Spiel-Plot wirkt bei den durch und durch erdverbundenen, ja eher in die Kategorie Handkanten-Schläger fallenden Sons of the Tiger abwegig.
    Straßenkämpfer im Weltall!

    Dass die Sons ab der Nummer 6 (November 1974) von George Perez gezeichnet werden, ist bei alldem nur ein schwacher Trost, zumal der spätere Starzeichner hier sichtbar am Anfang seiner Karriere steht und seine Seiten noch nicht überzeugen.

    All diesen Schwächen zum Trotz scheinen die frühen Nummern gut angenommen worden zu sein, denn schon bald war geplant, den Deadly Hands ein zweites Magazin an die Seite zu stellen: Iron Fist.
    Diese Figur debütierte in Ausgabe 15 der Reihe Marvel Premiere (Mai 1974) und erhielt nach dort insgesamt elf Test-Auftritten ihre eigene Comic Book-Reihe (Coverdatum der Nr. 1: November 1975).
    Iron Fist war noch mitten in seiner Marvel Premiere-Erprobungsphase als geplant wurde, ihn zum Star seines eigenen Magazins zu machen.
    Wäre es so gekommen, hätte er wahrscheinlich keine eigene Comic Book-Reihe erhalten.
    (Hier der erste Iron Fist-Masterworks-Band mit dem Cover von Marvel Premiere 15)

    Allem Anschein nach entschied man sich erst in letzter Sekunde gegen eine Veröffentlichung des neuen Magazins, denn für die erste Iron Fist-Nummer wurde nicht nur bereits geworben, sie wurde in diversen Marvel-Heften sogar als "bereits erschienen" gelistet.
    Begründet wurde der Rückzieher mit künstlerischen Bedenken. Man sei mit der ersten Ausgabe so ganz und gar nicht zufrieden gewesen, heißt es in einem Vorwort eines Deadly Hands of Kung Fu-Hefts.

    Immerhin wurde die Iron Fist-Story, die in der ersten Ausgabe des zurückgehaltenen Magazins erscheinen sollte, in Deadly Hands of Kung Fu abgedruckt und siehe da: sie übertraf qualitativ so ziemlich alles, was man bis dahin im Heft zu sehen bekam. Zu lesen war eine kurzweilige Story von David Anthony Kraft und Tony Isabella mit ansehnlichem Artwork von Rudy Nebres. Eine Erklärung für diesen Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten: es solle sich hier um eine völlig überarbeitete Geschichte handeln.
    Stellt sich die Frage, warum man diese überarbeitete Version nicht in eine mit etwas Verzögerung veröffentlichte erste Iron Fist-Magazinausgabe gepackt hat.

    Möglich scheint mir, dass die Verkaufszahlen des Deadly Hands-Magazins nicht mehr so prickelnd wie zu seinen Anfangszeiten aussahen und man befürchtete, dass der Markt ein weiteres Kung Fu-Heft nicht annehmen würde. Möglich auch, dass sich die beiden Hefte ihre Leser gegenseitig abspenstig machen würden.
    Das Thema Kung Fu ließ sich nicht schrankenlos ausbeuten.

    Ein paar weitere, unregelmäßig erscheinende Iron Fist-Geschichten finden sich in den Zehner-Nummern des ersten Omnibus und Rudy Nebres sollte auch Master of Kung Fu-Geschichten zeichnen wie hier in der Nummer 17 ... womit wir fast am Ende dieses Klotzes von einem Buch angekommen wären.

    Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass dieser erste Omnibus die einzig erschienene Ausgabe des Deadliest Heroes of Kung Fu-Magazins beinhaltet, ein Heft ohne Comicteil, gefüllt ausschließlich mit Artikeln, Fotos und Illustrationen zum Thema.
    Nur was für Vollständigkeits-Fanatiker.

    Auch soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Deadly Hands of Kung Fu kurzzeitig auf Deutsch erschien, kurioserweise im Taschenbuchformat, der Titel konsequent übersetzt als Die tödlichen Hände des Kung Fu.
    Einige der Cover dieses Taschenbuchs sind Exklusivanfertigungen für den Williams Verlag (man sieht es!), aber es gibt auch Titelbildübernahmen wie dieses stimmungsvolle Luis Dominguez-Gemälde.
    Wenn ich mich recht erinnere - ich habe wohl nur ein, zwei Mal in das Taschenbuch reingeguckt, daher bin ich mir nicht mehr sicher - sahen die Teile innen grässlich aus. Zumeist nur zwei Panels auf einer Seite, was wirkte, als sei hier ein besonders fauler Zeichner am Werk gewesen.
    Aber ich kann mich täuschen. Ist schon vierzig Jahre her.

    Irgendwann nächste Woche: Der zweite Omnibus (dann mit mehr Abbildungen; leider hatte ich dieses Wochenende weniger Zeit für die "viereckigen Bilder" als ursprünglich vorgesehen)
    Geändert von felix da cat (11.03.2018 um 21:36 Uhr)

  14. #1089
    Heute ganz viel, damit ich das Thema in einem letzten großen Rutsch zum Abschluss bringe.

    Der zweite Deadly Hands of Kung Fu-Omnibus beinhaltet die Ausgaben 19 bis 33 und damit die letzten Hefte der Magazinreihe sowie eine Story der Daughters of the Dragon (= Töchter des Drachen) aus Bizarre Adventures.
    Auch dieser Band bietet weit über 1.000 Seiten ... ich scheue mich zu schreiben: Lesespaß.

    Der zweite Omnibus beginnt passend zum Inhalt der Hefte mit der Nummer 19, denn in dieser Ausgabe verändert sich erstmals das Serienangebot des Magazins.
    Nun steht anstelle des Master of Kung Fu ein Iron Fist-Comic - zumindest für die Dauer eines Sechsteilers - am Anfang jedes Heftes und die Sons of the Tiger lösen sich auf, um Platz für den White Tiger zu schaffen.

    Das Iron Fist-Serial ist im Gegensatz zum im Omnibus Nummer 1 abgedruckten in Wort und Bild einfach verständlichen Erstling mehr als irritierend.
    Die Probleme beginnen mit den Zeichnungen von Rudy Nebres. Eigentlich recht nett anzusehen, sind viele von ihnen schwer zu entschlüsseln, man möchte fast sagen: dekodieren, denn nicht wenige müssen erst einmal mühsam wie ein geheimer Code geknackt werden. Wie verwirrend eine Nebres-Seite sein kann, sieht man hier.

    Nebres scheint viel Wert auf eine dynamische Darstellung seiner Kampfszenen gelegt zu haben, was ihn wohl dazu verleitet hat, die Bildränder fast sämtlicher Actionsequenzen zu sprengen.
    Auch wenn ein in das nächste Panel ragender Arm eine passende bildliche Metapher für überbordende Action ist, sollte bei der Dosierung solcher Effekte Maß gehalten werden.
    Nebres jedoch wählt die volle Dröhnung: seine Panels überlappen viel zu häufig und seine kaum mehr entwirrbaren Menschen-Knäuel erschweren bis verunmöglichen ein Auseinanderhalten der Figuren.
    Das ist schade, denn Nebres hat sichtbar viel Energie in diese Zeichnungen gesteckt.
    Aber über solche Seiten kann das Auge des Lesers nur noch stottern, was den von Nebres beabsichtigten dynamischen Effekt konterkarriert.

    Ironisch könnte man anmerken, dass der Inhalt des Iron Fist-Serials mit dessen Bildern harmoniert, denn die Story von Texter Chris Claremont ist ebenso konfus wie es die Panels von Nebres sind.
    Der Autor erzählt eine verwirrende und verwirrte Geschichte von Figuren, die tot oder doch-nicht-ganz-so-tot sind, vom Weiterleben (oder Weitertotsein?) in einer Art Limbo, eine Geschichte in der wohl auch das aufmerksamste Publikum spätestens im dritten Teil den Überblick verliert.
    Ein chaotischer Esoterik-Quark, der vom Leser viel Geduld abverlangt und ihn für diese am Ende nicht belohnt.

    Für ein kleines Flackern am Ende des Tunnels sorgen überraschenderweise die Sons of the Tiger … durch ihr Verschwinden.
    Wie oben erwähnt löst sich die Truppe in Deadly Hands of Kung Fu 19 auf, nicht ohne dass sich zwei ihrer Mitglieder (Bob und Lin Sun) gegenseitig noch einmal mächtig was auf die Omme geben, weil sie die selbe Frau begehren.
    Nicht, dass man den beiden bis dato eher freundschaftlich verbundenen Helden ein dermaßen unreifes Verhalten zugetraut hätte, aber irrwitziges Handeln gehört nun mal zu den Standards dieser Serie.

    An die Stelle des neurotischen Trios tritt Hector Ayala, der das in einem Wutanfall demonstrativ hinweggeworfene magische Amulett eines Tiger-Sohns (mal ehrlich: wie könnte man solche Idioten mögen?) findet und der mittels diesem zum White Tiger wird.
    Auch diese Origin-Story lässt nichts Gutes erahnen.
    Als Ayala das Amulett berührt, überkommt ihn nicht nur diese wilde Tiger-Kraft, nein, er wechselt auch – simsalabim – direkt von den Straßenklamotten in ein maßgeschneidertes Superhelden-Kostüm (die Straßenklamotten verschwinden derweil … irgendwohin?!?).
    Nicht nur, dass man von einem auf ein etwas älteres Publikum zielenden Comic der 1970er Jahre (und das waren die Marvel-Magazine) etwas mehr erwarten dürfte als einen solch banalen Zaubertrick, die Verwandlung selbst passt überhaupt nicht in die gesamte Kontinuität, denn das Amulett hatte bei keiner der vorherigen Anwendungen einen Kleiderwechsel bewirkt!
    Doch abgesehen von diesem weiteren Aberwitz sollte sich die Serie gar nicht mal schlecht entwickeln.

    Ayala hat ein konfliktreiches Familienleben, das der auch an dieser Serie textende Bill Mantlo halbwegs interessant darstellt. So finden sich in zwei, drei White Tiger-Geschichten mehr persönliche Interaktionen als in der gesamten Sons of the Tiger-Serie.
    Ayala ist alles andere als eine Frohnatur. Er leidet unter seiner negativen Weltsicht, kämpft als White Tiger aber dennoch für ein bisschen mehr Gerechtigkeit, zumindest auf nachbarschaftlichem Terrain. Hier erinnert einiges an die Ditko-Version des Spider-Man und dem unter Ägide des Altmeisters als Verlierertyp gezeichneten Peter Parker.
    Konsequenterweise wird der White Tiger nach Einstellung der Deadly Hands zu einem häufigen Gaststar der frühen Peter Parker, the Spectacular Spider-Man-Hefte (nicht zuletzt, weil auch diese Serie von Bill Mantlo getextet wurde).

    George Perez zeichnet die ersten beiden Folgen des neuen, wahrscheinlich ersten puerto-ricanischen Superhelden, dann sagt er den Deadly Hands vorübergehend "Good-bye", um den Fantastic Four zweidimensionales Leben einzuhauchen.
    Perez‘ Seiten sind in den vielen Monaten seiner Tätigkeit für Deadly Hands of Kung Fu zwar durchaus attraktiver geworden, doch noch kann er durch den einen oder anderen kompetente Kollegen ersetzt werden.
    Als Perez nach ein paar Monaten der Untreue für eine Folge des White Tiger gereifter zurückkehrt, lässt dies den Fan nach mehr dürsten und vielleicht auch wehmütig an die guten, alten Zeiten seiner ersten Tiger-Geschichten denken, die es so nie gab.

    Ansonsten wartet der zweite Omnibus zur Ablösung des Iron Fist-Serials mit einen weiteren Sechsteiler der Serie Master of Kung Fu auf, dieser wesentlich weniger verworren als sein Vorgänger. Außerdem einige kürzere Iron Fist-Auftritte und einen immerhin gut gezeichneten Oneshot von Pat Broderick sowie eine Bruce Lee-Comic-Biografie (in der Nummer 28; über den Umweg Bruce Lee sehen wir auf diese Weise einmal Green Hornet in einem Marvel-Magazin). Weitere Fortsetzungsgeschichten werden mit dem von Tony DeZuniga routiniert in Szene gesetzten historisierenden Dreiteiler Swordquest Saga sowie den eingangs erwähnten Daughters of the Dragon präsentiert.

    Die Daughters sind - heute würde man vielleicht sagen - der Gender-Gegenentwurf zu den Sons of the Tiger oder einfacher: eine Kung Fu-Serie mit weiblichen Protagonisten.
    Aus einigen in den Deadly Hands-Heften zu lesenden etwas undurchsichtig formulierten Anmerkungen meine ich herauslesen zu können, dass die Daughters als Zweitserie im letztlich nicht veröffentlichten Iron Fist-Magazin geplant waren. Wäre durchaus passend, weil darin eine gewisse Symmetrie liegen würde: Deadly Hands mit den Söhnen des Tigers und Iron Fist mit den Töchtern des Drachen.
    Jedem Hulk seine She-Hulk!

    Erwähnenswert hier, dass die Daughters von Marshall Rogers gezeichnet wurden, der durch seine nach Texten von Steve Engelhart gestalteten Batman-Storys eine gewisse Popularität erlangte. Hier kann er mit seinen eher steifen Zeichnungen nicht überzeugen. Seine oft langgliedrigen, schlaksigen Figuren erinnern mich immer ein bisschen an den Renaissance-Maler El Greco, dessen Markenzeichnen genau diese Langgliedrigkeit, der von ihm dargestellten Personen ist.
    Nicht mein Geschmack. Sein Batman hätte ohne Inker Terry Austin sicher nicht so toll ausgesehen.

    Die Deadly Hands werden mit der Nummer 33 (Coverdatum Februar 1977) eingestellt.
    Eine wohl noch für sie fertiggestellte Daughters of the Dragon-Geschichte, die in Bizarre Adventures 25 (Mai 1981, eine lange Wartezeit!) zum Abdruck kam, beschließt diesen Omnibus.

    Fazit

    Wie konnte dieses Magazin mit seinem qualitativ wie quantitativ mäßigen Comicteil für auch nur 33 Ausgaben überleben?
    Nahezu alle namhaften Autoren, die für Deadly Hands schrieben, von Gerry Conway über Bill Mantlo bis zu Chris Claremont, standen damals am Anfang ihrer Karriere, ebenso Zeichner wie Paul Gulacy und George Perez. Daher erscheint der Comicteil des Magazins fast wie ein Testfeld für neue Talente.
    Das war sicher aus der Not geboren, da Marvel Anfang der 1970er seinen Ausstoß an Comics – seien es nun Comic Books oder Magazine – drastisch erhöhte und man einstellte was schreiben und zeichnen, aber auch was nicht schreiben und nicht zeichnen konnte. Man vertraute wohl auf das Modethema Kung Fu und dass es ein eigenes Publikum ziehen konnte, das die Schwächen der Comic-Neulinge übersah.
    Dass die Einstellung des Magazins in etwa in die Zeit des Abklingens der Kung Fu-Welle fällt, würde belegen, dass man damit nicht so falsch gelegen hätte.

    Wahrscheinlich boten die zahlreichen in Deadly Hands veröffentlichten Artikel einen nicht zu unterschätzenden Kaufanreiz auch für Kampfsport-Fans, die den Comics im Heft reserviert bis gleichgültig gegenüberstanden.
    Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man die auch in den beiden Deadly Hands-Omnibussen nachgedruckte Fanpost liest*.
    Kommentare zu den Comics und den Artikeln, Bekenntnisse zum Kampfsport und zu den in Deadly Hands erschienenen Comicserien halten sich in etwa die Waage.
    Zudem gab es damals wohl noch viele Marvel-Komplettsammler, die die von schlechten Geschichten verursachte Pein mannhaft ertrugen und treuherzig auch den größten Mist weiter kauften, solang er nur von Marvel geschi… wurde.

    * = Einige interessante Namen auch auf diesen Leserbriefseiten: von dem bereits im Zusammenhang mit der Master of Kung Fu-Comic Book-Reihe erwähnten, stets lange Fanbriefe schreibenden späteren Marvel-Texter und –Editor Ralph Macchio bis zum Superhelden-Parodist Fred Hembeck finden sich hier später prominente Namen.
    Geändert von felix da cat (19.03.2018 um 14:17 Uhr)

Seite 44 von 44 ErsteErste ... 3435363738394041424344

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •