Die Sprechblase 241

Oktober 2019
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44. Jahrgang
Nr. 241


INHALT
3 Vorwort, Abos, Impressum
5 Das war Helmut Nickel
16 Die drei mit dem Stift
18 Interview mit Steff Murschetz
zu "50 Jahre U-COMIX"
21 HARRY-Magazin: Rezis, News,
Generation Lehning
38 100 Jahre ZORRO
48 Zorro in Wien (Heinz Wolf)
50 Stephan Hagenows neuer Stil
52 "Überleben" (Comic v. Alex Toth)
58 Steve Ditko Teil 2
66 20 Jahre Wick Comics (Interview)
74 Bücher zu Lonati & FLEDERMAUS
78 Leserbriefe
82 Heiner Jahnke


Leserbriefe:
Gerhard Förster
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  1. #1076
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    Zitat von franque:
    Ich bin ein großer Marvel/DC Fan und habe bis jetzt die Martial Arts-Serien ignoriert, weil mich das Genre kaum interessiert (hatte bisher nur die "Iron Fist" Epic Collections, aber auch bislang nur kurz angelesen). Aber nach deinen Lobeshymnen habe ich jetzt mal Omnibus 1 geordert. Raro war von der Serie ja auch offenbar sehr angetan.
    You had me at Jim Steranko-haftes Artwork.
    Ups ... schnell umbestellen: wenn du Paul Gulacy in Topform sehen willst, bestelle Omnibus 2! In der 1 steht er ganz am Anfang seiner Karriere.
    Übrigens:
    Leider tuschte Gulacy seine Arbeiten aus Zeitgründen selten selbst.
    Die Qualitätsunterschiede zwischen selbst- und fremdgetuschten Arbeiten sind zum Teil gewaltig.

    Erwähnenswert noch, dass es einen Shang-Chi-Nachgang gab. Eine bei Marvel Max erschienene, wieder von Moench/Gulacy produzierte 6-teilige Mini-Serie, die nicht in der Omnibus-Reihe nachgedruckt wurde. Texter und Zeichner waren hier aber bereits weit von ihrer Bestform entfernt.

    Fun-Facts:
    Die ersten Kampfsportler bei Marvel waren weder Shang-Chi noch Iron Fist, sondern ...

    auf der Seite der Guten Karnak von den Inhumans, auf der Seite der Bösen: Batroc the Leaper (Captain America-Schurke).


    Schreibe ich jetzt einfach mal so, ohne zu prüfen, ob es noch ältere gegeben hat.
    Wer will, kann ja mal nachforschen und seine Erkenntnisse teilen.

    Bastei-Kung-Fu:
    Habe ich mir nie gekauft, nur mal durchgeblättert und angelesen. Mein sicher nicht ausgewogenes Urteil war, dass hier das Gekloppe weit vor einer lesbaren Handlung stand.
    Aber um das wirklich zu beurteilen, müsste ich das richtig gelesen haben.

  2. #1077
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    Vielleicht noch einen Lesetipp:

    Der meiner Meinung nach beste Kung Fu/Kampfsport-Comic (zumidnest von denen, die ich gelesen habe) ist Immortal Iron Fist von Brubaker und Fraction.

  3. #1078
    Mitglied Avatar von franque
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    Omnibus 2 und die weiteren werden ziemlich sicher folgen; ich hatte das auch soweit verstanden, dass die richtigen Goodies erst nach 1 kommen. Ich bin aber ein Chronologie-Sucker.

  4. #1079
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    Deadly Hands of Kung Fu

    Deadly Hands of Kung Fu gehört mit seinen 33 Heften zu den erfolgreicheren Magazinen der Marvel-Geschichte.
    Das mag angesichts der 94 Ausgaben Crazy, ganz besonders aber den 235 Nummern Savage Sword of Conan übertrieben erscheinen, doch sind Marvel-Magazine häufig bereits im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Nummernbereich eingestellt worden.*

    Die komplette Magazinreihe wurde nun in zwei Omnibusse von jeweils mehr als 1.000 Seiten gepackt.
    Im ersten dieser beiden Schwergewichte befinden sich die Ausgaben 1-18, im zweiten die Nummern 19-33 der Deadly Hands of Kung Fu. Plus Extras in beiden Wälzern.

    Heute und morgen werde ich mein Augenmerk auf den ersten Omnibus richten, allerdings nicht ohne ein paar Aussagen zur gesamten Magazinreihe zu treffen.

    Die erste Nummer der monatlich erschienenen Deadly Hands trägt das Coverdatum April 1974.
    Die meisten Hefte der Reihe enthalten zwei Comicstorys sowie zahlreiche Artikel über Kung Fu-Idole und –Filme.
    Der Comicteil der frühen Magazine eröffnet in der Regel mit Geschichten des bereits durch seine eigene Comic Book-Reihe bekannten Master of Kung Fu, Shang-Chi.
    Die zweite, exklusiv für Deadly Hands kreierte, meist am Ende des Heftes zu findende Serie heißt Sons of the Tiger.
    Einige, besonders die frühen Titelbilder gestaltete Neal Adams.
    Dieses wirkt durch den scheinbar ohne Fremdeinwirkung rasant rückwärts stürzenden Cowboy unfreiwillig komisch, doch sind seine Cover für das Magazin in aller Regel sehr gut gelungen.

    Das Master of Kung Fu-Feature ist überraschend schwach.
    Die durchgehend von Doug Moench getexteten Geschichten lesen sich wie die bereits im Zusammenhang mit der Comic Book-Reihe erwähnten Fill-in Issues und wie für diese üblich, geben sich auch hier die Zeichner die Klinke in die Hand. Von einer Jim Starlin-Story abgesehen ist die Grafik dieser Serie nicht weiter erwähnenswert.

    Erzählt werden harmlose, mal mehr, mal weniger unterhaltende Geschichten, die keinerlei nachhaltige Wirkung auf die Hauptfiguren der Serie entfalten.
    Für diese doch recht fade Suppe gibt es einen Grund. Als Archie Goodwin kurzzeitig Herausgeber von Deadly Hands wird, räumt er in einem Editorial freimütig ein, dass in den Shang Chi-Geschichten des Magazins der Status Quo dieser Serie gewahrt bleiben muss, also keine entscheidenden Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Dies begründet er mit der um ein Vielfaches höheren Auflage der Comic Books. Würde sich der Status Quo einer Serie im Magazin verändern, würde sich ein großer Teil der Leserschaft - nämlich der, der nur die Comic Books liest - vor den Kopf gestoßen fühlen, weil er von diesen Änderungen ausgeschlossen wäre.
    Doug Moench arbeitete hier also mit Handicap. Und leider wusste er nicht immer damit umzugehen.

    Das lässt Besseres für die für das Magazin selbst geschaffene Serie Sons of the Tiger erhoffen.
    Hier musste keine Rücksicht auf eine Comic Book-Reihe genommen werden, denn die Serie lief nur in Deadly Hands of Kung Fu.
    Dennoch sollte sie das allgemeine Niveau weiter senken.

    Bei den Sons of the Tiger handelt es sich um ein multiethnisches Trio, bestehend aus dem weißen Bob Diamond, dem schwarzen Abraham "Abe" Brown und dem mit ostasiatischen Wurzeln versehenen Lin Sun.
    Nachdem deren Kampfsport-Trainer, Meister Kee, ermordet wurde, begeben sich die drei auf einen Rachefeldzug gegen die Täter, die Silent Ones, eine fernöstliche Verbrechensorganisation.
    Dabei behilflich ist ihnen ihr Tiger-Amulett, das ihre Kräfte durch gemeinsames Berühren und Rezitieren eines Eides vervielfacht. Nun ja, manchmal läuft das so.
    Manchmal scheinen sie den ganzen Klimbim auch nicht zu brauchen.
    Eigentlich wird der Leser hier schon relativ orientierungslos, denn wie die drei nun an ihre Kräfte gelangen will kein Autor so recht verraten. Der Amulett-Trick ist zwar dem Laternen-Trick bei Green Lantern abgeschaut, wird aber bei den Sons nur nach Lust und Laune des jeweiligen Texters genutzt und das sind zu Anfang Gerry Conway und Denny O'Neil.

    So weit, so konfus.
    Aber es ist alles noch viel schlimmer:
    Zunächst einmal sind die frühen Geschichten der Tiger-Söhne ein Aneinanderreihen endloser Kampfszenen. Gefühlt zwei Drittel einer Story wird gekickt, geboxt und gekickboxt.
    Und als wäre das nicht schon einfallslos genug, ist die nur hin und wieder aufscheinende Handlung häufig unlogisch, klischeebeladen und wirkt erratisch. Denn nicht selten verlieren die Texter dieses Serials den doch recht dick geknüpften Faden (Rache an den Silent Ones) und damit der Leser die Hoffnung, dass dieser jemals wieder aufgegriffen wird.
    Als die Serie endlich an einen Texter übergeben wird, der sie dauerhaft betreut, keimt Hoffnung auf.
    Vorübergehend.
    Denn wenn man glaubt, es kann nur noch besser werden, man habe die Talsohle erreicht, finden die Sons of the Tiger garantiert ein Loch, in das sie tiefer stürzen können.

    Morgen geht's weiter!


    * = für die, die es genau wissen wollen, alle Marvel-Magazin-Serien, die über 25 Nummern hinauskamen:
    1.
    Savage Sword of Conan ............................................ 235 Ausgaben
    2.
    Crazy Magazine .................................................. ....... 94 Ausgaben
    3.
    Epic Illustrated .................................................. ........ 34 Ausgaben
    Marvel Preview/ab Ausgabe Nr. 25: Bizarre Adventures ... 34 Ausgaben
    5.
    Deadly Hands of Kung Fu ............................................ 33 Ausgaben
    6.
    Planet of the Apes .................................................. .... 29 Ausgaben
    7.
    The Rampaging Hulk/ ab Nr. 11 The Hulk! ..................... 27 Ausgaben (1998/99 gab es eine zweite Serie mit 6 Ausgaben)
    Geändert von felix da cat (11.03.2018 um 20:39 Uhr)

  5. #1080
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    Fortsetzung vom Vortage:

    Bill Mantlo übernimmt das Texten der Sons of the Tiger.
    Obwohl der Newcomer zur ursprünglichen Handlung – der Verfolgung der Silent Ones - zurückfindet, gibt er diese vollends der Lächerlichkeit preis, als die Helden auf den Drahtzieher ihres Ungemachs stoßen, dem Boss der Silent Ones. Der ist eine der vielen kosmischen Entitäten, von denen die Marvel-Hefte in den 1970er-Jahren schier platzen.
    Was aber zu Serien wie Starlins Warlock oder seinem Captain Marvel passt wie ein Handschuh, wirkt bei den Sons of the Tiger völlig deplatziert.
    Gottgleiche Über-Wesen sind und bleiben die Baustelle kosmischer Superhelden oder von Göttern wie Thor.
    Der Ihr-seid-Schachfiguren-in-einem-viel-größeren-Spiel-Plot wirkt bei den durch und durch erdverbundenen, ja eher in die Kategorie Handkanten-Schläger fallenden Sons of the Tiger abwegig.
    Straßenkämpfer im Weltall!

    Dass die Sons ab der Nummer 6 (November 1974) von George Perez gezeichnet werden, ist bei alldem nur ein schwacher Trost, zumal der spätere Starzeichner hier sichtbar am Anfang seiner Karriere steht und seine Seiten noch nicht überzeugen.

    All diesen Schwächen zum Trotz scheinen die frühen Nummern gut angenommen worden zu sein, denn schon bald war geplant, den Deadly Hands ein zweites Magazin an die Seite zu stellen: Iron Fist.
    Diese Figur debütierte in Ausgabe 15 der Reihe Marvel Premiere (Mai 1974) und erhielt nach dort insgesamt elf Test-Auftritten ihre eigene Comic Book-Reihe (Coverdatum der Nr. 1: November 1975).
    Iron Fist war noch mitten in seiner Marvel Premiere-Erprobungsphase als geplant wurde, ihn zum Star seines eigenen Magazins zu machen.
    Wäre es so gekommen, hätte er wahrscheinlich keine eigene Comic Book-Reihe erhalten.
    (Hier der erste Iron Fist-Masterworks-Band mit dem Cover von Marvel Premiere 15)

    Allem Anschein nach entschied man sich erst in letzter Sekunde gegen eine Veröffentlichung des neuen Magazins, denn für die erste Iron Fist-Nummer wurde nicht nur bereits geworben, sie wurde in diversen Marvel-Heften sogar als "bereits erschienen" gelistet.
    Begründet wurde der Rückzieher mit künstlerischen Bedenken. Man sei mit der ersten Ausgabe so ganz und gar nicht zufrieden gewesen, heißt es in einem Vorwort eines Deadly Hands of Kung Fu-Hefts.

    Immerhin wurde die Iron Fist-Story, die in der ersten Ausgabe des zurückgehaltenen Magazins erscheinen sollte, in Deadly Hands of Kung Fu abgedruckt und siehe da: sie übertraf qualitativ so ziemlich alles, was man bis dahin im Heft zu sehen bekam. Zu lesen war eine kurzweilige Story von David Anthony Kraft und Tony Isabella mit ansehnlichem Artwork von Rudy Nebres. Eine Erklärung für diesen Widerspruch ließ nicht lange auf sich warten: es solle sich hier um eine völlig überarbeitete Geschichte handeln.
    Stellt sich die Frage, warum man diese überarbeitete Version nicht in eine mit etwas Verzögerung veröffentlichte erste Iron Fist-Magazinausgabe gepackt hat.

    Möglich scheint mir, dass die Verkaufszahlen des Deadly Hands-Magazins nicht mehr so prickelnd wie zu seinen Anfangszeiten aussahen und man befürchtete, dass der Markt ein weiteres Kung Fu-Heft nicht annehmen würde. Möglich auch, dass sich die beiden Hefte ihre Leser gegenseitig abspenstig machen würden.
    Das Thema Kung Fu ließ sich nicht schrankenlos ausbeuten.

    Ein paar weitere, unregelmäßig erscheinende Iron Fist-Geschichten finden sich in den Zehner-Nummern des ersten Omnibus und Rudy Nebres sollte auch Master of Kung Fu-Geschichten zeichnen wie hier in der Nummer 17 ... womit wir fast am Ende dieses Klotzes von einem Buch angekommen wären.

    Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass dieser erste Omnibus die einzig erschienene Ausgabe des Deadliest Heroes of Kung Fu-Magazins beinhaltet, ein Heft ohne Comicteil, gefüllt ausschließlich mit Artikeln, Fotos und Illustrationen zum Thema.
    Nur was für Vollständigkeits-Fanatiker.

    Auch soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Deadly Hands of Kung Fu kurzzeitig auf Deutsch erschien, kurioserweise im Taschenbuchformat, der Titel konsequent übersetzt als Die tödlichen Hände des Kung Fu.
    Einige der Cover dieses Taschenbuchs sind Exklusivanfertigungen für den Williams Verlag (man sieht es!), aber es gibt auch Titelbildübernahmen wie dieses stimmungsvolle Luis Dominguez-Gemälde.
    Wenn ich mich recht erinnere - ich habe wohl nur ein, zwei Mal in das Taschenbuch reingeguckt, daher bin ich mir nicht mehr sicher - sahen die Teile innen grässlich aus. Zumeist nur zwei Panels auf einer Seite, was wirkte, als sei hier ein besonders fauler Zeichner am Werk gewesen.
    Aber ich kann mich täuschen. Ist schon vierzig Jahre her.

    Irgendwann nächste Woche: Der zweite Omnibus (dann mit mehr Abbildungen; leider hatte ich dieses Wochenende weniger Zeit für die "viereckigen Bilder" als ursprünglich vorgesehen)
    Geändert von felix da cat (11.03.2018 um 21:36 Uhr)

  6. #1081
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    Heute ganz viel, damit ich das Thema in einem letzten großen Rutsch zum Abschluss bringe.

    Der zweite Deadly Hands of Kung Fu-Omnibus beinhaltet die Ausgaben 19 bis 33 und damit die letzten Hefte der Magazinreihe sowie eine Story der Daughters of the Dragon (= Töchter des Drachen) aus Bizarre Adventures.
    Auch dieser Band bietet weit über 1.000 Seiten ... ich scheue mich zu schreiben: Lesespaß.

    Der zweite Omnibus beginnt passend zum Inhalt der Hefte mit der Nummer 19, denn in dieser Ausgabe verändert sich erstmals das Serienangebot des Magazins.
    Nun steht anstelle des Master of Kung Fu ein Iron Fist-Comic - zumindest für die Dauer eines Sechsteilers - am Anfang jedes Heftes und die Sons of the Tiger lösen sich auf, um Platz für den White Tiger zu schaffen.

    Das Iron Fist-Serial ist im Gegensatz zum im Omnibus Nummer 1 abgedruckten in Wort und Bild einfach verständlichen Erstling mehr als irritierend.
    Die Probleme beginnen mit den Zeichnungen von Rudy Nebres. Eigentlich recht nett anzusehen, sind viele von ihnen schwer zu entschlüsseln, man möchte fast sagen: dekodieren, denn nicht wenige müssen erst einmal mühsam wie ein geheimer Code geknackt werden. Wie verwirrend eine Nebres-Seite sein kann, sieht man hier.

    Nebres scheint viel Wert auf eine dynamische Darstellung seiner Kampfszenen gelegt zu haben, was ihn wohl dazu verleitet hat, die Bildränder fast sämtlicher Actionsequenzen zu sprengen.
    Auch wenn ein in das nächste Panel ragender Arm eine passende bildliche Metapher für überbordende Action ist, sollte bei der Dosierung solcher Effekte Maß gehalten werden.
    Nebres jedoch wählt die volle Dröhnung: seine Panels überlappen viel zu häufig und seine kaum mehr entwirrbaren Menschen-Knäuel erschweren bis verunmöglichen ein Auseinanderhalten der Figuren.
    Das ist schade, denn Nebres hat sichtbar viel Energie in diese Zeichnungen gesteckt.
    Aber über solche Seiten kann das Auge des Lesers nur noch stottern, was den von Nebres beabsichtigten dynamischen Effekt konterkarriert.

    Ironisch könnte man anmerken, dass der Inhalt des Iron Fist-Serials mit dessen Bildern harmoniert, denn die Story von Texter Chris Claremont ist ebenso konfus wie es die Panels von Nebres sind.
    Der Autor erzählt eine verwirrende und verwirrte Geschichte von Figuren, die tot oder doch-nicht-ganz-so-tot sind, vom Weiterleben (oder Weitertotsein?) in einer Art Limbo, eine Geschichte in der wohl auch das aufmerksamste Publikum spätestens im dritten Teil den Überblick verliert.
    Ein chaotischer Esoterik-Quark, der vom Leser viel Geduld abverlangt und ihn für diese am Ende nicht belohnt.

    Für ein kleines Flackern am Ende des Tunnels sorgen überraschenderweise die Sons of the Tiger … durch ihr Verschwinden.
    Wie oben erwähnt löst sich die Truppe in Deadly Hands of Kung Fu 19 auf, nicht ohne dass sich zwei ihrer Mitglieder (Bob und Lin Sun) gegenseitig noch einmal mächtig was auf die Omme geben, weil sie die selbe Frau begehren.
    Nicht, dass man den beiden bis dato eher freundschaftlich verbundenen Helden ein dermaßen unreifes Verhalten zugetraut hätte, aber irrwitziges Handeln gehört nun mal zu den Standards dieser Serie.

    An die Stelle des neurotischen Trios tritt Hector Ayala, der das in einem Wutanfall demonstrativ hinweggeworfene magische Amulett eines Tiger-Sohns (mal ehrlich: wie könnte man solche Idioten mögen?) findet und der mittels diesem zum White Tiger wird.
    Auch diese Origin-Story lässt nichts Gutes erahnen.
    Als Ayala das Amulett berührt, überkommt ihn nicht nur diese wilde Tiger-Kraft, nein, er wechselt auch – simsalabim – direkt von den Straßenklamotten in ein maßgeschneidertes Superhelden-Kostüm (die Straßenklamotten verschwinden derweil … irgendwohin?!?).
    Nicht nur, dass man von einem auf ein etwas älteres Publikum zielenden Comic der 1970er Jahre (und das waren die Marvel-Magazine) etwas mehr erwarten dürfte als einen solch banalen Zaubertrick, die Verwandlung selbst passt überhaupt nicht in die gesamte Kontinuität, denn das Amulett hatte bei keiner der vorherigen Anwendungen einen Kleiderwechsel bewirkt!
    Doch abgesehen von diesem weiteren Aberwitz sollte sich die Serie gar nicht mal schlecht entwickeln.

    Ayala hat ein konfliktreiches Familienleben, das der auch an dieser Serie textende Bill Mantlo halbwegs interessant darstellt. So finden sich in zwei, drei White Tiger-Geschichten mehr persönliche Interaktionen als in der gesamten Sons of the Tiger-Serie.
    Ayala ist alles andere als eine Frohnatur. Er leidet unter seiner negativen Weltsicht, kämpft als White Tiger aber dennoch für ein bisschen mehr Gerechtigkeit, zumindest auf nachbarschaftlichem Terrain. Hier erinnert einiges an die Ditko-Version des Spider-Man und dem unter Ägide des Altmeisters als Verlierertyp gezeichneten Peter Parker.
    Konsequenterweise wird der White Tiger nach Einstellung der Deadly Hands zu einem häufigen Gaststar der frühen Peter Parker, the Spectacular Spider-Man-Hefte (nicht zuletzt, weil auch diese Serie von Bill Mantlo getextet wurde).

    George Perez zeichnet die ersten beiden Folgen des neuen, wahrscheinlich ersten puerto-ricanischen Superhelden, dann sagt er den Deadly Hands vorübergehend "Good-bye", um den Fantastic Four zweidimensionales Leben einzuhauchen.
    Perez‘ Seiten sind in den vielen Monaten seiner Tätigkeit für Deadly Hands of Kung Fu zwar durchaus attraktiver geworden, doch noch kann er durch den einen oder anderen kompetente Kollegen ersetzt werden.
    Als Perez nach ein paar Monaten der Untreue für eine Folge des White Tiger gereifter zurückkehrt, lässt dies den Fan nach mehr dürsten und vielleicht auch wehmütig an die guten, alten Zeiten seiner ersten Tiger-Geschichten denken, die es so nie gab.

    Ansonsten wartet der zweite Omnibus zur Ablösung des Iron Fist-Serials mit einen weiteren Sechsteiler der Serie Master of Kung Fu auf, dieser wesentlich weniger verworren als sein Vorgänger. Außerdem einige kürzere Iron Fist-Auftritte und einen immerhin gut gezeichneten Oneshot von Pat Broderick sowie eine Bruce Lee-Comic-Biografie (in der Nummer 28; über den Umweg Bruce Lee sehen wir auf diese Weise einmal Green Hornet in einem Marvel-Magazin). Weitere Fortsetzungsgeschichten werden mit dem von Tony DeZuniga routiniert in Szene gesetzten historisierenden Dreiteiler Swordquest Saga sowie den eingangs erwähnten Daughters of the Dragon präsentiert.

    Die Daughters sind - heute würde man vielleicht sagen - der Gender-Gegenentwurf zu den Sons of the Tiger oder einfacher: eine Kung Fu-Serie mit weiblichen Protagonisten.
    Aus einigen in den Deadly Hands-Heften zu lesenden etwas undurchsichtig formulierten Anmerkungen meine ich herauslesen zu können, dass die Daughters als Zweitserie im letztlich nicht veröffentlichten Iron Fist-Magazin geplant waren. Wäre durchaus passend, weil darin eine gewisse Symmetrie liegen würde: Deadly Hands mit den Söhnen des Tigers und Iron Fist mit den Töchtern des Drachen.
    Jedem Hulk seine She-Hulk!

    Erwähnenswert hier, dass die Daughters von Marshall Rogers gezeichnet wurden, der durch seine nach Texten von Steve Engelhart gestalteten Batman-Storys eine gewisse Popularität erlangte. Hier kann er mit seinen eher steifen Zeichnungen nicht überzeugen. Seine oft langgliedrigen, schlaksigen Figuren erinnern mich immer ein bisschen an den Renaissance-Maler El Greco, dessen Markenzeichnen genau diese Langgliedrigkeit, der von ihm dargestellten Personen ist.
    Nicht mein Geschmack. Sein Batman hätte ohne Inker Terry Austin sicher nicht so toll ausgesehen.

    Die Deadly Hands werden mit der Nummer 33 (Coverdatum Februar 1977) eingestellt.
    Eine wohl noch für sie fertiggestellte Daughters of the Dragon-Geschichte, die in Bizarre Adventures 25 (Mai 1981, eine lange Wartezeit!) zum Abdruck kam, beschließt diesen Omnibus.

    Fazit

    Wie konnte dieses Magazin mit seinem qualitativ wie quantitativ mäßigen Comicteil für auch nur 33 Ausgaben überleben?
    Nahezu alle namhaften Autoren, die für Deadly Hands schrieben, von Gerry Conway über Bill Mantlo bis zu Chris Claremont, standen damals am Anfang ihrer Karriere, ebenso Zeichner wie Paul Gulacy und George Perez. Daher erscheint der Comicteil des Magazins fast wie ein Testfeld für neue Talente.
    Das war sicher aus der Not geboren, da Marvel Anfang der 1970er seinen Ausstoß an Comics – seien es nun Comic Books oder Magazine – drastisch erhöhte und man einstellte was schreiben und zeichnen, aber auch was nicht schreiben und nicht zeichnen konnte. Man vertraute wohl auf das Modethema Kung Fu und dass es ein eigenes Publikum ziehen konnte, das die Schwächen der Comic-Neulinge übersah.
    Dass die Einstellung des Magazins in etwa in die Zeit des Abklingens der Kung Fu-Welle fällt, würde belegen, dass man damit nicht so falsch gelegen hätte.

    Wahrscheinlich boten die zahlreichen in Deadly Hands veröffentlichten Artikel einen nicht zu unterschätzenden Kaufanreiz auch für Kampfsport-Fans, die den Comics im Heft reserviert bis gleichgültig gegenüberstanden.
    Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man die auch in den beiden Deadly Hands-Omnibussen nachgedruckte Fanpost liest*.
    Kommentare zu den Comics und den Artikeln, Bekenntnisse zum Kampfsport und zu den in Deadly Hands erschienenen Comicserien halten sich in etwa die Waage.
    Zudem gab es damals wohl noch viele Marvel-Komplettsammler, die die von schlechten Geschichten verursachte Pein mannhaft ertrugen und treuherzig auch den größten Mist weiter kauften, solang er nur von Marvel geschi… wurde.

    * = Einige interessante Namen auch auf diesen Leserbriefseiten: von dem bereits im Zusammenhang mit der Master of Kung Fu-Comic Book-Reihe erwähnten, stets lange Fanbriefe schreibenden späteren Marvel-Texter und –Editor Ralph Macchio bis zum Superhelden-Parodist Fred Hembeck finden sich hier später prominente Namen.
    Geändert von felix da cat (19.03.2018 um 14:17 Uhr)

  7. #1082
    Mitglied Avatar von Markus_1969
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    Zitat Zitat von felix da cat Beitrag anzeigen
    In der nächsten SB wird mein Artikel zur Spirou-Story QRN ruft Bretzelburg erscheinen.
    so, ich hab die neue Sprechblase durch.
    Wieder mal ein abwechslungsreiches Heft!
    Meine Highlights: Teil 1 des Aidans-Artikels und natürlich der Bericht über Bretzelburg.

  8. #1083
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    Danke dir! Man tut, was man kann.

  9. #1084
    Mitglied Avatar von Markus_1969
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    In der neuen Sprechblase konnten wir den Aidans-Artikel fertig lesen – unglaublich, was du hier wieder an Zeit für die Recherche rein gesteckt hast!
    Vor allem die Passage um DeKezel fand ich sehr interessant… und auch dass Marc Hardy, den ich sehr schätzte, für Aidans gearbeitet hat.
    Toller Bericht – tolles Heft – Danke!

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