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Thema: Comicgate-Kamingespräch: "Wie geht's dem deutschen Comic?"

  1. #1

    Comicgate-Kamingespräch: "Wie geht's dem deutschen Comic?"

    In drei Teilen diskutieren wir beim COMICGATE-KAMINGESPRÄCH ausführlich den Zustand und die internationale Konkurrenzfähigkeit des gegenwärtigen deutschen Comics.

    Lizenzen für deutsche Comics werden mittlerweile in alle Welt verkauft, deutschsprachige Künstler wie Ulli Lust und Reinhard Kleist stauben Nominierungen für angesehene Comicpreise (und teils gar die Preise selbst) in Frankreich und den USA ab – ist der deutsche Comic mittlerweile international konkurrenzfähig? Nicht ganz, meint wohl Flix, der kürzlich in einem Interview für das Magazin Wired das Statement abgab, dass deutsche Comickünstler mehr Haltung entwickeln müssten und sich allzu sehr im Autobiografischen ergehen. Hat er da Recht?

    Wie es um den deutschen Comic 2014 im internationalen Vergleich steht, diskutierten die Comicgate-Autoren Andi Völlinger, Cristian Straub, Carsten Moll, Christian Muschweck, Benjamin Vogt, Till Felix, Daniel Wüllner und Michel Decomain.
    Hier geht's los!

    Lest rein und diskutiert gerne mit - hier im Forum oder per Kommentarfunktion auf Comicgate.de!
    Geändert von wencotex (17.02.2015 um 17:43 Uhr)

  2. #2

  3. #3
    Mitglied Avatar von Mayaca
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    Die Diskussion ist interessant und ergibt einen schönen Überblick über die deutsche Comicszene allerdings tut man sich in Deutschland mit Zahlen schwer, genauer mit Verkaus- und Umsatzzahlen. Es wird theoretisch auf alles einen Blick geworfen aber um das Geld einen großen Bogen gemacht. Wieviele Comics werden verkauft und wieviel wird umgesetzt? Wurde dieses Jahr mehr umgesetzt als letztes Jahr? Ich denke, dass dies keine unwesende Variable für die Zustandsbeschreibung der deutschen Comicszene ist.

  4. #4
    Ich habe das Kamingespräch gestern gelesen und fand vieles nachdenkenswert.

    Mir kam der Gedanke, ob Comicslesen nicht dem digitalen Wandel zum Opfer fällt. Die Anerkennung für das Medium wäre wohl inzwischen da, aber Comics verlieren in der Konkurrenz zu den neuen Medien, und Comics auf dem Tablet lesen ist noch unattraktiver als Bücher. Es bleibt nur der harte Kern an Fans, der schon in den 1970er und 80er Jahren Genuß aus Comics gezogen hat. Das ist in meinen Augen zumindest ein Faktor, den man mitberücksichtigen muß.

    Wie ist da die Lage in den Comichochburgen Frankreich, Belgien, Holland, Japan oder in den USA?

  5. #5
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    warum habt ihr nicht peer meter als ausnahme ins gespräch gebracht?? er hat sich für seine geschichten verschiedene zeichner gesucht

    und erik schreibt auch nicht unbedingt für die masse und denkt sich eigene geschichten aus

  6. #6
    Nicht erwähnt in der Diskussion, welche Rolle es spielen könnte, dass zumindest ein Teil der deutschen Comicschaffenden selbst die Möglichkeiten ihres Mediums unterschätzt oder nicht begreift. Beispielsweise klingelt mir dieses Statement hier, gemacht ausgerechnet im Künstlerbereich des Comicforums, in dem Leute unterwegs sein sollten, die WIRKLICH mit ihrem Medium was anfangen können sollten, bis heute in den Ohren (sorry Till):

    Hier profitiert das Buch definitiv von der Prosaform, weil das tatsächliche und emotionale Chaos, in dem sich alle Beteiligten während der geschilderten Stunden befinden, kaum derart adäquat in Comicform transportiert hätte werden können...
    (Zitat Till Felix, Quelle siehe hier)

    Wenn ein (Gross?)Teil der deutschen Künstlerschaft schon so loszieht, dann reduziert sich der deutsche Comic logisch auf Kammerspiel, genau wie der deutsche Film.
    Vielleicht würde der eine oder andere deutsche Comicschaffende auch davon profitieren, (a) mehr in Richtung Manga zu schielen (diese dogmatischen Grenzziehungen hab ich eh nicht begriffen) und (b) mehr in Richtung Film, und (c) sich einfach mal trauen, Sachen auszuprobieren, statt an den ewig gleichen altbackenen Vorbildern dialoglastigen Erzählens hängenzubleiben?
    Zefix nochmal.

    Ansonsten kann ich selbst grade ein Lied davon singen, gegen welche Wand man eigentlich steht auf dem deutschen Comicmarkt, wenn man die Dreistigkeit besitzt, etwas von grundauf *Eigenes* ins Leben zu rufen, mit vollem Risiko, ohne etablierte Namen und Marken im Hintergrund, ohne eine Bugwelle aus Gegenwartsbezügen, ohne fettes, klar und deutlich meilenweit lesbares Label "intellektuell anspruchsvoll" obendrauf, aber dafür genau im in der Diskussion so lauthals geforderten Genrebereich.
    Man kriegt schon fast das Gefühl, es sei ein Verbrechen, sich überhaupt auf den Markt zu wagen.
    Keiner hat Anspruch auf Erfolg, schon klar, aber darum geht es hier nicht, sondern um von vorneherein fehlendes Interesse, das schon beim Fachjournalismus seinen Anfang nimmt (hatte ich euch Comicgate-Leuten nicht sogar mal vor einiger Zeit in eigener Sache eine Mail geschrieben, und nicht mal Antwort bekommen?).
    Sogar im Künstlerbereich selbst spürt man das: Interesse konzentriert sich dorthin, wo auf Bekanntes aufgesetzt wird (Romanadaption, (Auto-)Biographie, Geschichte - hurraaah!). Kaum jemand hierzulande traut offenbar sich selbst oder einem Typen aus der deutschen Nachbarschaft ernsthaft Kreativleistung zu, da hält man sich lieber an Altbewährtes, da weiss man, was man hat.

    Dass in der Diskussion ein Daniel Lieske mit seiner "Wormworld Saga" (Genre lupenreine Fantasy, sehr erfolgreich) nicht mal Erwähnung findet, passt gut in die Selbstwahrnehmung einer Szene, die sich anscheinend ad infinitum selbst bejammern muss, während sie gleichzeitig alles dafür tut, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind.

    Mir egal, ich gehör da nicht dazu, und mach weiter, solang ich noch 'nen Stift halten kann.

  7. #7
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    Zitat Zitat von helmut Beitrag anzeigen
    Ansonsten kann ich selbst grade ein Lied davon singen, gegen welche Wand man eigentlich steht auf dem deutschen Comicmarkt, wenn man die Dreistigkeit besitzt, etwas von grundauf *Eigenes* ins Leben zu rufen, mit vollem Risiko, ohne etablierte Namen und Marken im Hintergrund, ohne eine Bugwelle aus Gegenwartsbezügen, ohne fettes, klar und deutlich meilenweit lesbares Label "intellektuell anspruchsvoll" obendrauf, aber dafür genau im in der Diskussion so lauthals geforderten Genrebereich. (...)

    (...) Interesse konzentriert sich dorthin, wo auf Bekanntes aufgesetzt wird (Romanadaption, (Auto-)Biographie, Geschichte - hurraaah!). Kaum jemand hierzulande traut offenbar sich selbst oder einem Typen aus der deutschen Nachbarschaft ernsthaft Kreativleistung zu, da hält man sich lieber an Altbewährtes, da weiss man, was man hat.
    Aber "Genre" bedeutet ja ebenfalls "Altbewährtes". Da wird doch erst recht "auf Bekanntes aufgesetzt".

  8. #8
    @Hate: das bezieht sich auf den Inhalt des Interviews, wo unter anderem ein Mangel an Eigenproduktionen (soll heissen: NICHT Adaptionen von Hohlbein-Fantasy oder Aufreiten auf Game of Thrones usw., sondern wirklich Neuem - so habe ich es jedenfalls verstanden) in den verschiedenen etablierten "Standard-Consumer"-Genres wie Fantasy beklagt wird. Und da konstatiere ich einfach - teils egozentrisch, okay, aber ich bin halt nunmal notgedrungen am involviertesten, was meine eigene Arbeit betrifft: *wenn* es gemacht wird, dann interessiert es kein Schwein, bei der Presse angefangen.

    Ich lasse mich aber gern eines besseren belehren, mein Beispiel ist halt nur das einzige, das ich gut kenne.

  9. #9
    Mitglied Avatar von Mayaca
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    @Peter L. Opmann
    Comixoloy ist sehr erfolgreich
    http://www.deutsche-startups.de/2013/01/15/comixology-mad-dog-comics/
    Das neue Medium arbeitet nicht gegen den Comic, sondern für ihn, wenn man es richtig anstellt.
    Wer diesen Trend verschläft wird früher oder später auf die Heartcore_Fans angewiesen sein.

  10. #10
    Mitglied Avatar von Simulacrum
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    Jedenfalls frage ich mich, ob es sich nicht lohnt, Comics parallel als E-Book anzubieten und vorzuhalten. Dann wäre ein später Serieneinstieg für mich attraktiver, wenn bereits ein oder zwei Titel verlagsvergriffen sind und sich ein Nachdruck für den Verlag nicht mehr rechnet.
    Geändert von Simulacrum (22.12.2014 um 09:33 Uhr)

  11. #11
    Ich habe zwar gesagt, daß ich Comics nicht gut am Bildschirm lesen kann. Aber meine Bemerkung war trotzdem nicht gegen die digitalen Medien gerichtet. Mir ist klar, daß die Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Da blicke ich weniger auf "Wormworld" als auf die Auflagenentwicklung des "Micky Maus"-Magazins oder das Verschwinden eines Großteils des Kioskangebots etwa vom Bastei Verlag. Die Kaminrunde hat jedenfalls, glaube ich, nur von gedruckten Comics gesprochen.

  12. #12
    Moderator Carlsen Manga
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    Sehr interessantes Gespräch!
    Was mir auffällt (ist aber nicht wertend gemeint): deutschsprachige Manga wurden in der Runde nicht diskutiert, obwohl gerade diese von den Autor(inn)en und Zeichner(inn)en oft als Genre-Unterhaltung (Romance, Boys Love, Thriller, Fantasy, Science Fiction...) geschaffen werden. Zumindest was Comics in den buchhändlerischen Märkten - jenseits Pressevertrieb also - betrifft, dürften Manga-Eigenproduktionen noch am ehesten ein Mainstream-Publikum jenseits von Graphic Novel & Co. sowie Knubbelnasen bekannter Stars wie Ralf König erreichen...
    Geändert von Kai Schwarz (22.12.2014 um 14:46 Uhr)
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  13. #13
    Moderator COMIX ⋅ Internationaler Comic-Salon Erlangen Avatar von Martin Jurgeit
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    Zitat Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
    (...) Wie ist da die Lage in den Comichochburgen Frankreich, Belgien, Holland, Japan oder in den USA?
    Auch in Frankreich/Belgien oder den USA ist die Situation nicht so viel besser als bei uns - alles nur auf einem "etwas" erträglicheren Level. Gravierend besser ist die Situation nur in Japan, wo von Top-Bänden immer noch zwei oder drei Millionen Exemplare REGELMÄSSIG verkauft werden. Von manchen Serien können so kummuliert an die 15 oder sogar 20 Millionen Exemplare pro Jahr verkauft werden!

    Es fällt aber auf, dass es sich hierbei beinahe ausschließlich um Shōnen-Serien handelt, die möglichst breit vom Zielpublikum aufgestellt sind (Action/Abenteuer/Comedy-Mix) und oft parallel in diversen Medien bzw. Kunstformen (Manga, Anime, Computerspiel) präsent sind. Inhaltlich entsprechen diese Stoffe auf Europa übertragen am ehesten den klassischen Semi-Funnies wie "Tim und Struppi", "Asterix" oder "Spirou und Fantasio".

    Nur leider gibt es (derzeit) kaum deutsche Genre-Comics, die konsequent in diese Richtung steuern. Aber da, wo das dann doch in Ansätzen mal ausprobiert wird wie bei "Alisik", da ist dann auch gleich ein wirklicher Erfolg zu verzeichnen, was zu denken geben sollte. Es ist auch kein Zufall, dass der "Alisik"-Autor aus dem "Mosaik"-Umfeld stammt ...

  14. #14
    Mitglied Avatar von Huckybear
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    Zitat Zitat von Martin Jurgeit Beitrag anzeigen
    ...Nur leider gibt es (derzeit) kaum deutsche Genre-Comics, die konsequent in diese Richtung steuern. Aber da, wo das dann doch in Ansätzen mal ausprobiert wird wie bei "Alisik", da ist dann auch gleich ein wirklicher Erfolg zu verzeichnen, was zu denken geben sollte. Es ist auch kein Zufall, dass der "Alisik"-Autor aus dem "Mosaik"-Umfeld stammt ...

    Meinst Du auch wegen Ria,das UPgrade oder Disney Italia Sachen wie Mad Sonja usw. ?
    Die Ochsentour Studioarbeit und/oder Ausbildung kann einer späterern kommerzielle Ausrichtung und deren Erfolg eigentlich nur erträglich sein ?
    Ich finde sowieso den angesprochenen Teamgedanken , also weg von den reinen Einzelkämpfern nicht ganz unwichtig.
    Ein (oder mehrere) Spezialisten für Script und Text und einer oder eben mehrere für die Zeichnerische Umsetzung.
    Dies ist doch auch bei vielen Mangas in Japan der Fall, wo ein Team dran arbeitet samt Helferleinen.
    Das ist aktuell bei den dt. Eigenproduktionen abseits der (Biographien oder Themencomics) auf die im Kamingespräch anfangs als Beispiel eingegangen wurde , nun ebenfalls immer mehr verstärkt zu beobachten.
    Das dort auch mindestens jetzt wirklich zwei dran sitzen.
    Das war früher noch wesentlich seltener zu beobachten


    Warum sind eigentlich nicht vermehrt dt. Genrecomics so wie bei unseren Nachbarn in den Niederlanden gerade aus dem Epppomagazin aktuell möglich ?
    Diese wiederum vom Schaufenster dort auch gleich mal nach Frankreich und Belgien von BD Must exportiert werden.oder als Lizenz auch in Deutschland landen.
    Schwimmt das jetzt alles gerade allein im Sog des Storm Universums und wird getragen und zusammen gehalten vom Eppomagazin ?
    Stehen diese Einzelkämpfer ohne Zuordnung dort deswegen Vermarktungstechnisch und von der Aufmerksamkeit her so am besten im Schaufenster und im Windschatten eines Bestsellers, als wenn sie einzeln mal hier und dort veröffentlicht werden ?
    Würde z.B ein historischer Genrecomic wie Hauptmann Veit bsw. dort deswegen so eine breitere Aufmerksamkeit bekommen als verloren und alleinstehend bei uns ?
    Geändert von Huckybear (22.12.2014 um 19:48 Uhr)

  15. #15
    Alligator SysOp Avatar von tillfelix
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    Beispielsweise klingelt mir dieses Statement hier, gemacht ausgerechnet im Künstlerbereich des Comicforums, in dem Leute unterwegs sein sollten, die WIRKLICH mit ihrem Medium was anfangen können sollten, bis heute in den Ohren (sorry Till):

    (Zitat Till Felix, Quelle siehe hier)
    Ach herrje... schade, dass Du den Spruch allgemein bezogen verstanden hast. Ich hatte lediglich zum Projekt von Jenny gemeint, dass es hier deutlich schwieriger und UMFANGREICHER gewesen wäre, die Zustände auf dem Schlachtfeld adäquat abzubilden, weil ich um ihre Situation als Lehrerin, Mutter und Nebenbei-Autorin/Illustratorin und auch wegen einem eigenen 360-Seiten-Projekt weiß, wie viel Zeit einem mit den ganzen Verpflichtungen einfach zum Zeichnen fehlt.

    Nu verstehe ich aber auch Deine Bestürzung darüber, dass ich trotz Deiner guten Argumente bei dem Punkt geblieben bin o_O

  16. #16
    Mitglied Avatar von Red Kite
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    Zitat Zitat von Kai Schwarz Beitrag anzeigen
    Sehr interessantes Gespräch!
    Was mir auffällt (ist aber nicht wertend gemeint): deutschsprachige Manga wurden in der Runde nicht diskutiert, obwohl gerade diese von den Autor(inn)en und Zeichner(inn)en oft als Genre-Unterhaltung (Romance, Boys Love, Thriller, Fantasy, Science Fiction...) geschaffen werden. Zumindest was Comics in den buchhändlerischen Märkten - jenseits Pressevertrieb also - betrifft, dürften Manga-Eigenproduktionen noch am ehesten ein Mainstream-Publikum jenseits von Graphic Novel & Co. sowie Knubbelnasen bekannter Stars wie Ralf König erreichen...
    Ist absolut richtig. Das Thema hatten wir aber für ein späteres Kamingespräch angedacht und daher erst mal außen vor gelassen. Der interessante Punkt hierbei wäre ja, dass die deutschsprachigen Manga zwar eigentlich Mainstream-Ansprüche stellen, bei uns aber eher die im Diskurs marginalisierte Gegenbewegung zu den weitaus etablieren Graphic Novels darstellen. Diese seltsame Umkehrung von Mainstream und Alternativcomic ist schon ziemlich speziell für Deutschland und betrifft ja auch nicht nur Manga. Dazu dann hoffentlich mehr im neuen Jahr.

  17. #17
    Moderator Carlsen Manga
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    @Red Kite: Da bin ich sehr gespannt drauf! Tatsächlich "betrifft" das ja nicht nur Manga und Comics, sondern z.B. auch Romane: zumindest "gefühlt selten" werden auch Fantasyromane und Krimis jenseits der einschlägigen Fachmagazine besprochen. Wobei sich die Frage stellt: Wo (jenseits von z.B. ANIMANIA oder ALFONZ, sowie natürlich online) sollte ein solcher Diskurs über Genretitel überhaupt realistisch geführt werden können? Im Feuilleton von FAZ, SZ, SPIEGEL & Co. wäre das wohl eher nicht zu erwarten... Am ehesten vielleicht noch im TAGESSPIEGEL.

  18. #18
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    Zitat Zitat von Huckybear Beitrag anzeigen
    Ich finde sowieso den angesprochenen Teamgedanken , also weg von den reinen Einzelkämpfern nicht ganz unwichtig.
    Ein (oder mehrere) Spezialisten für Script und Text und einer oder eben mehrere für die Zeichnerische Umsetzung.
    Da stellt sich dann die Frage, wem bei einer Zusammenarbeit die Rechte an der Figur gehören.

    Was passieren kann, wenn man die Rechte aufteilt, sieht man an der verhinderten "Isabella"-Gesamtausgabe von Finix. Und an der Serie waren nur 4 Comiczeichner beteiligt.

    Oder die Prozesse zwischen Neil Gaiman und Todd McFarlane um die "Spawn"-Nebenfigur "Angela"

  19. #19
    Mitglied Avatar von Manx cat
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    Vielleicht sollte man das im Vorfeld vertraglich regeln. Nur, dass junge, optimistische Paare selten an die Querelen denken, die das Alter mit sich bringt.

    Was Isabella angeht:
    Lieber ist mir, dass es Isabella überhaupt gibt, als dass diese Künstler nie zueinander gefunden hätten. In meinen Augen der Höhepunkt in Franquins UND Wills Schaffen.

  20. #20
    @Till:
    Ach soooooooo.
    Kontext und Formulierung waren so, dass sogar Jenny das so verstanden hat. Wir haben damals drüber gechattet ...

    Zitat Zitat von Till
    Allerdings bleib ich dabei: es ist kaum derart adäquat umzusetzen. Wenn ich mir beispielsweise die Flucht von Lentulus anschaue: da ist innerhalb von zwei oder drei Absätzen sehr eindrucksvoll beschrieben, wie im entstehenden Chaos sein Pferd scheut, plötzlich kein Platz mehr zum Ausweichen ist, er fällt, dann beim Versuch aufzustehen viele auf seinen Schild treten, ihm dabei der Arm gebrochen wird, er dann sich mühsam hochkämpft, in der Enge hin und hergeschubst wird, immer wieder gegen harte Gegenstände gedrängt wird, überall sind Körper, omnipräsente Panik...

    Klar lässt sich das irgendwie in Bilder pressen. Aber ich glaube, dass das Eindringliche verloren ginge.
    Soooo leicht sollte man dich da eigentlich nicht rauswuseln lassen. Das liesst sich für mich schon seeehr nach grundlegenden Zweifeln an den Möglichkeiten des Mediums, ganz danach, als würdest du ihm die Fähigkeit, eine tiefergehende Ebene der Emotionalität zu erreichen, einfach nicht zutrauen ... zumal dieser Tenor im weiteren Verlauf unseres Kurzdisputs ja eigentlich erhalten blieb.
    Wenn es diese Zweifel tatsächlich geben sollte, und eben nicht nur bei dir, sondern auch bei anderen, eventuell sogar einer Mehrheit der Comicschaffenden hier, dann wäre eine gewisse thematische Eingeschränktheit des deutschen Comics jedenfalls nicht weiter überraschend.

    Das in der Diskussion ausgeklammerte Mangathema ist mir übrigens auch negativ aufgestossen.

    Ich bin gespannt, was die Kaminrunde im nächsten Jahr dann bringen wird.

  21. #21
    Zitat Zitat von Martin Beitrag anzeigen
    warum habt ihr nicht peer meter als ausnahme ins gespräch gebracht?? er hat sich für seine geschichten verschiedene zeichner gesucht

    und erik schreibt auch nicht unbedingt für die masse und denkt sich eigene geschichten aus
    Gerade weil Peer Meter, wie du so treffend schreibst, eine Ausnahme ist, es uns aber um die Regel ging, spielt er in der Diskussion keine große Rolle. Und wir haben uns im Gespräch speziell auf die großen Verlage mit gewisser Finanzausstattung und merklichem Einfluss auf den Markt konzentriert, Erik veröffentlicht seine Genrecomics jedoch online und bei Epsilon, den ich trotz beachtlichen Outputs klar zu den Kleinverlagen zählen würde.


    Zitat Zitat von helmut Beitrag anzeigen
    Dass in der Diskussion ein Daniel Lieske mit seiner "Wormworld Saga" (Genre lupenreine Fantasy, sehr erfolgreich) nicht mal Erwähnung findet, passt gut in die Selbstwahrnehmung einer Szene, die sich anscheinend ad infinitum selbst bejammern muss, während sie gleichzeitig alles dafür tut, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind.
    Stimmt nicht. "Wormworld Saga" wird im Kamingespräch gleich zu Beginn in meinem ersten Beitrag als einer der wenigen gegenwärtigen deutschen Genrecomics genannt. Als Printcomic ist der Comic meines Wissens aber nicht annähernd so erfolgreich wie in der Digitalversion. Dennoch schön, dass Tokyopop sich an den Titel gewagt hat.
    Geändert von wencotex (23.12.2014 um 12:39 Uhr)

  22. #22
    Mitglied Avatar von Pegasau
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    Kurzer Hinweis aus eigener Sicht:
    In dem Kamingespräch heißt es bei Andi Völlinger:
    "... fehlen mir als Genrefan deutsche Fantasy-, SciFi-, Krimi-, Abenteuer-, Funny-, Horror- und Actioncomics..."

    Tja, "Luzian Engelhardt" beispielsweise deckt all diese Genres ab. Albenweise.
    Kennt man offensichtlich nicht.
    Schade.
    Passt also doch, was Helmut schrieb:
    Zitat Zitat von helmut Beitrag anzeigen
    Ansonsten kann ich selbst grade ein Lied davon singen, gegen welche Wand man eigentlich steht auf dem deutschen Comicmarkt, wenn man die Dreistigkeit besitzt, etwas von grundauf *Eigenes* ins Leben zu rufen, mit vollem Risiko, ohne etablierte Namen und Marken im Hintergrund, ohne eine Bugwelle aus Gegenwartsbezügen, ohne fettes, klar und deutlich meilenweit lesbares Label "intellektuell anspruchsvoll" obendrauf, aber dafür genau im in der Diskussion so lauthals geforderten Genrebereich.
    Man kriegt schon fast das Gefühl, es sei ein Verbrechen, sich überhaupt auf den Markt zu wagen.
    Keiner hat Anspruch auf Erfolg, schon klar, aber darum geht es hier nicht, sondern um von vorneherein fehlendes Interesse, das schon beim Fachjournalismus seinen Anfang nimmt (hatte ich euch Comicgate-Leuten nicht sogar mal vor einiger Zeit in eigener Sache eine Mail geschrieben, und nicht mal Antwort bekommen?).
    Sogar im Künstlerbereich selbst spürt man das: Interesse konzentriert sich dorthin, wo auf Bekanntes aufgesetzt wird (Romanadaption, (Auto-)Biographie, Geschichte - hurraaah!). Kaum jemand hierzulande traut offenbar sich selbst oder einem Typen aus der deutschen Nachbarschaft ernsthaft Kreativleistung zu, da hält man sich lieber an Altbewährtes, da weiss man, was man hat.
    Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.

  23. #23
    @Pegasau:
    Zitat Zitat von Pegasau Beitrag anzeigen
    Kurzer Hinweis aus eigener Sicht:
    In dem Kamingespräch heißt es bei Andi Völlinger:
    "... fehlen mir als Genrefan deutsche Fantasy-, SciFi-, Krimi-, Abenteuer-, Funny-, Horror- und Actioncomics..."

    Tja, "Luzian Engelhardt" beispielsweise deckt all diese Genres ab. Albenweise.
    Kennt man offensichtlich nicht.
    Schade.
    Für dich gilt wie für Helmut: Erst gründlich lesen, dann Text und Autor auseinandernehmen.

    In meinem Kamingespräch-Beitrag steht vor dem von dir zitierten Satz: "Deutschsprachige Genrecomics bei den Mainstreamverlagen kann man an zwei Händen abzählen:" und weiter davor "Wenn ich überdenke, was für Comics von deutschsprachigen Künstlern in den letzten Jahren bei den großen und mittelgroßen Verlagen rausgekommen sind". Und in meinem Posting direkt über deinem steht:
    Und wir haben uns im Gespräch speziell auf die großen Verlage mit gewisser Finanzausstattung und merklichem Einfluss auf den Markt konzentriert, Erik veröffentlicht seine Genrecomics jedoch online und bei Epsilon, den ich trotz beachtlichen Outputs klar zu den Kleinverlagen zählen würde.
    Das erklärt, warum "Luzian Engelhardt" und weitere Epsilon-Eigenproduktionen wie auch Titel von Weissblech, Gringo, Zwerchfell, Schwarzer Turm usw. nicht erwähnt werden. Denn, wie ich im dritten Teil des Kamingesprächs schreibe, "die deutschen Indie-Verlage leisten hier ja schon einiges, aber denen fehlen natürlich die finanziellen Mittel für angemessenes Marketing und Honorare".

  24. #24
    Mitglied Avatar von Pegasau
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    @wencotex:
    Zitat Zitat von wencotex Beitrag anzeigen
    @Pegasau:
    Für dich gilt wie für Helmut: Erst gründlich lesen, dann Text und Autor auseinandernehmen.
    Habe ich, drum weiß ich auch, dass das Gespräch unter der Überschrift "Wie geht's dem deutschen Comic?" läuft, und nicht "Wie geht's den deutschen Comics in den Mainstreamverlagen?"!
    Also habe ich doch frech angenommen, es ginge prinzipiell um ALLE deutschen Comics bei ALLEN Verlagen.

    Zitat Zitat von wencotex Beitrag anzeigen
    In meinem Kamingespräch-Beitrag steht vor dem von dir zitierten Satz: "Deutschsprachige Genrecomics bei den Mainstreamverlagen kann man an zwei Händen abzählen:"
    Hm, kennst du deinen eigenen Text nicht mehr?
    Das tut es nämlich nicht!
    Das steht dahinter!!!

    Aber nix für ungut.
    Mein verirrtes Posting hier in diesem Thema war nur eine persönliche Anmerkung. Nicht so wichtig.
    Vergiss es einfach.
    Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.

  25. #25
    Mitglied Avatar von Huckybear
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    Wie schon woanders geschrieben :
    Warum stellt eigentlich keiner einen künstlichen Zusammenhang zwischen den ganzen hreausragenden neuen Einheimischen Genrecomics der bei den Mainstreamverlagen wie bsw. Wormworld, Ria, Gung Ho, Malcom Max ,Steam Noir, das Upgrade usw. für Vermarktungszwecke her und betitelt diese mit einem griffigen Namen als Neue Comics aus dt. Landen und eben als Erkennungs-und Qualitätsigel MADE IN GERMANY ?
    Sicher gibt es überhaupt gar keinen direkten Zusammenhang, Rechte oder gar Verlage ausser das es Einheimische Künstler sind.
    Aber die Aussenwirkung als reines Erkennungsmerkmal wäre doch enorm nach einer Zeit könnte sich jeder auch im Aiusland sofort etwas darunter vorstellen, nachfolgende neue Genrekünstler könnten sich hierbei mit Ihren Projekten orientieren und sich ggf. ebenfalls leichter darüber vermarkten lassen.
    Geändert von Huckybear (29.12.2014 um 23:09 Uhr)

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