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  1. #651
    @ Kulturerbe

    Ich habe allgemeines Interesse, aber ich hätte gern auch ein paar Kaufempfehlungen. Ich lese Mangas tatsächlich nur auf Deutsch und Englisch, daher werde ich wohl nicht so viel Auswahl haben. Mich interessieren auch Titel, die noch nicht lizenziert worden sind, denn auf sie würde ich sonst gar nicht aufmerksam werden und es besteht immer eine Chance, dass sie später noch lizenziert werden. Zum Thema Zeitreisen fand ich z.B. auch Ihotose Box und Man in the Window interessant.

    @ Alita

    "Die Stadt, in der es mich nicht gibt" kenne ich leider schon, aber die anderen Mangas werde ich mir mal ansehen.

    @ Mia

    Die Mangas sehen alle sehr gut aus (habe sie gleich unterstützt). Es wäre schön, wenn nach Miyako weitere Shojo/Josei Mangas mit Zeitreisen erscheinen würden.
    Geändert von MangaForever (20.12.2017 um 13:38 Uhr)

  2. #652
    Mitglied Avatar von Mia
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    Zitat Zitat von MangaForever Beitrag anzeigen
    @ Mia

    Die Mangas sehen alle sehr gut aus (habe sie gleich unterstützt). Es wäre schön, wenn nach Miyako weitere Shojo/Josei Mangas mit Zeitreisen erscheinen würden.
    Danke fürs unterstützen. Man kann nur das beste hoffen.
    TP meinte erst noch sie hätte da noch keine anderen im Blick, wo vor ner Zeit das bei ILS gefragt wurde.
    Bei Kaze + Carlsen wurden sie btw auch gewünscht.
    Muss ja nicht alles ähnliche bei einem Verlag kommen. Finde ich auch oft eher unpraktisch und zeitgleich würden sie so wohl eh nicht kommen.

    Der Shonen ist ansich auch sehr schön für das Thema und gut für einen Einzelband umgesetzt.

  3. #653
    Habe sie bei den anderen Verlagen auch gleich mal unterstützt. Beim Shonen Titel hast du mich jetzt auch überzeugt. Erst hat mich der Fußball etwas abgeschreckt, aber Manga sieht nach näherer Betrachtung ganz gut aus.

  4. #654
    Mitglied Avatar von Mia
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    Zitat Zitat von MangaForever Beitrag anzeigen
    Habe sie bei den anderen Verlagen auch gleich mal unterstützt. Beim Shonen Titel hast du mich jetzt auch überzeugt. Erst hat mich der Fußball etwas abgeschreckt, aber Manga sieht nach näherer Betrachtung ganz gut aus.
    Schön zu hören, meine es gab auch noch einen anderen Shonen/Seinen den mal jemand wünschte, aber ich komme da im Moment nicht drauf. Vielleicht stolpere da wieder mal drüber.

    Mir fiehl jetzt noch ein anderer Josei mit ähnlichen Thema ein: (Da gehts mit um Zeitmanipulation, ob er so auch richtig reißt kann so nicht sagen..)

    Antinomie von Maro Sakura

    Hier mein Wunschpost: (wieder ganz unten xd)
    http://comicforum.de/showthread.php?...=1#post5245788

  5. #655
    Hallo zusammen,

    ich muss mich entschuldigen, ich habe in den letzten Wochen leider keine Zeit für den Thread gehabt. Ich hoffe in baldiger Zukunft wieder regelmäßiger diesen Thread mit Inhalt befüllen zu können. Ich lese natürlich weiterhin viele Manga, ein Großteil davon ganz gut bis mittelmäßig, wenige herausragend, aber mir fehlt leider selbst für diese manchmal die Zeit, ausgiebiger darüber zu schreiben. Ich möchte auch weiterhin über viele tolle und bis dato weder bei den westlichen Verlagen noch bei Scanlation-Gruppen sonderlich beachtete Serien berichten und versuche das zumindest bei einem Teil der Manga, die mir zusagen, im Laufe der Zeit so gut es geht, in die Tat umzusetzen.

    Ich spreche wie oben erwähnt aus Erfahrung, wenn ich sage, dass Zeit für ein Hobby im Alltag meist als kostbares Gut zu betrachten ist, deshalb besonders noch einmal vielen Dank an alle, die hier trotz Zeitmangel, die sicher viele von uns plagen, ab und zu reingucken. Ich finde Manga als visuelle Ausdrucksform, als Medium Geschichten zu erzählen, faszinierend und dank der Breite an behandelten Themen nur selten ermüdend und freue mich mit jedem, der diese Ansicht teilt. Wenn dieser Thread helfen kann, diese Faszination weiter zu befeuern oder zumindest ab und an mit neuen Impulsen wachzukitzeln, wäre das schön.

    Nachstehend zumindest ein paar aktuelle Cover von Serien, die ich hier bereits einmal erwähnt habe und die ihre Qualität in meinen Augen bis dato hervorragend halten können:


    Der großartige Abschlussband von Hengoku no Schwester.

    Hengoku no Schwester von Takeyoshi Minoru
    erscheint beim Verlag Shōgakukan
    In 6 Bänden abgeschlossen
    Erscheinungsjahr: 2015




    Hakumei to Mikochi von Kashiki Takuto
    erscheint beim Verlag Enterbrain
    bisher 6 Bände, fortlaufend
    Erscheinungsjahr: 2013





    Arte von Ōkubo Rei
    Erscheint beim Verlag Tokuma Shoten
    bisher 8 Bände, fortlaufend
    Erscheinungsjahr: 2014




    Gift +- von Nagate Yuka
    erscheint beim Verlag Nihon Bungeisha
    bisher 10 Bände, fortlaufend
    Erscheinungsjahr: 2015




    Ihotose Box von Miyao Ikumi
    erscheint im Magazin Evening beim Verlag Kōdansha
    bisher 2 Band, fortlaufend
    Erscheinungsjahr: 2017



    PS. Wer Ideen hat oder selber vorstellen möchte, bitte jederzeit. Ich freue mich darüber.

  6. #656
    Ich hoffe ja, dass ein deutscher Verlag (Altraverse vllt?) sich Arte schnappt. Dieser Titel sieht unglaublich gut aus und reizt mich sehr. Erinnert an Kaoru Moris Werke. :3
    Avatarcopyright @Guilt|Pleasure/Kahira - Motiv: Poseidon Lynch - for personal use only

    Blogownerin von Mikku-chan / A world full of words
    Manga-Liste:MyAnimeList.net // J-Drama-Liste:MyDramaList.info
    ehem. Rezensentin (2013-2017) bei Leser-Welt, Bereich Manga & homoerot. Lit.
    Lifejournal CF Blog

  7. #657
    Die Cover von Hengoku no Schwester und Hakumei to Mikochi sehen toll aus
    Mangawünsche:
    It's my Life, Hinekure Chaser, Sennen Meikyuu no Nana Ouji, Ogeha, Hidoku Shinaide , Alles von Rei Toma, Tableau Gate, Sougiya Riddle, Somali to Mori no Kami-sama, Mori no Takuma-san, Kudamimi no Neko , Dead Tube, Hana yori mo Yaiba no Gotoku, Baby Baby(Kotoko Ichi), Kuroa Chimera, Kunisaki Izumo no Jijou, Shoujo Gensou Necrophilia , Alles von Miwako Sugiyama, Alles von Tomu Ohmi, Mother Keeper, Jinbaku Shounen Hanako-kun , Otona Keikenchi, Hibi Chouchou, Im - Great Priest Imhotep , Lotte no Omocha!, Happy Sugar Life, Kirihara Mika no Yuuutsu, Stravaganza - Isai no Hime, Alles von Owaru , Alles von Pedoro Toriumi , Alles von Kanda Neko, Koi to Uso, Simple Hot Chocolate, Seifuku de Vanilla Kiss, Sarusuberi Danshi Koutou Gakkou!!,Alles von Eri Sakondo, Hatsukoi Monster, Alles von Rin Miasa, Alles von Naki Ringo/Aoki Spica, Shiri Fechi Nanka ni Sukarete Tamaru ka, Tongari Boushi no Atelier, Himitsu no Akuma-chan, Alles von Matoba, Graineliers, Kyou no Cerberus, Akazukin-chan wa Ookami-san o Nakasetai!, Soul Liquid Chambers, Fast alles von Hachi Itou, Versailles of the Dead, Killing Stalking, Hinako Note, Kuromike Yokidan/Mysterious Story of Kuromike...



  8. #658
    Arte muss nach Deutschland , entweder MC oder Carlsen

  9. #659
    Mitglied Avatar von Timcampy
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    Arte würde ich auch gerne hier haben da ich die Serie auch sehr interessant finden.

    Bei Hakumei to Mikochi finde ich den Anime bisher einfach großartig ich würde den Manga auch sehr gerne hier haben (oder auch auf englisch)

  10. #660
    Hallo zusammen,

    heute möchte ich die Manga-Umsetzung einer Literaturvorlage aus dem Jahr 1926 vorstellen. Es handelt sich dabei um

    Panorama-t
    ō kitan (dt. etwa "Die merkwürdige Geschichte der Panorama-Insel") von Edogawa Ranpo (Romanvorlage) und Maruo Suehiro (Manga-Umsetzung)
    erschienen beim Verlag Kadokawa Enterbrain
    Einzelband
    Erscheinungsjahr: 2008



    Inhaltsangabe:
    Die Geschichte erzählt von dem erfolglosen, in seine Utopien vernarrten Schriftsteller Hitomi Hirosuke in der Übergangszeit zwischen Taishō- und Shōwa-Periode, 1926 - 1927. Eines Tages erfährt Hitomi, dass sein guter Freund Komoda Genzaburō aus Schultagen, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, verstorben ist. Seines eigenen trostlosen Daseins überdrüssig, fasst Hito kurz entschlossen den gewagten Plan, in die Rolle seines toten Freundes zu schlüpfen und mit dessen beachtlichem Vermögen seine utopischen Fantasien zu verwirklichen. Doch wird er die Nahestehenden des Verstorbenen mit seiner Scharade täuschen können?

    Eigene Meinung:
    Was sich zunächst ein bisschen wie die Prämisse eines Disney-Familienfilms über Zwillinge anhört, ist eine psychologisch vielschichtig und visuell wuchtvolle Adaption eines Romans des wohl unbestritten bekanntesten Meisters japanischer Mystery- und Krimigeschichten. Edogawa Ranpo hat einen von dem westlichen Auge oft unbemerkten aber beständigen Einfluss auf japanische Werke im Mystery- und Krimibereich, seine Ideen, oftmals in der Prämisse grotesk, verstörend, aber sehr spannend und gekonnt balanciert zwischen Mystik und Deduktion, werden alle Jahre wieder adaptiert oder referenziert.

    Auch die Geschichte von der Panorama-Insel spielt mit einem universell zugänglichen Gedanken, mit dem sich wohl fast alle Menschen schon einmal beschäftigten - was würde ich machen, wenn ich unglaublich viel Geld hätte, wenn ich damit machen könnte, was ich will? Diese naiv-fantastische Vorstellung verkommt hier jedoch zu einer Röhre, durch die sich die unglaublichen, schier überbordend dekadenten Utopien des Hochstaplers Hitomi zwängen. Das Werk schildert ein dem Leser alllzeit offenbartes Versteckspiel rund um den beschriebenen Identitätsdiebstahl. Den nötigen Stressfaktor bilden wachsendes Misstrauen und Argwohn von Familie und Geschäftspartnern des verstorbenen Komoda. Es ist für mich spannend, wie sich die Spirale in den Wahnsinn, die den unwillkürlichen Niedergang der Figuren begleitet, dreht und dreht. Der Mysteryaspekt ist hier bereits Jahre alt und doch für mich zeitlos.

    So zeitlos, wie die Geschichte ist, so anachronistisch fühlt sich bisweilen die visuelle Interpretation von Maruo an. Fast jede wichtige Seite könnte in meinen Augen auch ein altes Filmplakat sein. Oder eine moderne Ukiyo-e-Interpretation, die trieft vor Wollust und Wahnsinn. Wo der Künstler in seinen anderen Werken sonst irgendwo zwischen Surrealismus und deutschem Expressionismus wütet, ist die Panorama-Insel trotzdem eines seiner für die Allgemeinheit zugänglichsten Werke, finde ich, sowohl was den moderaten Grad von Sex und Gewalt, als auch die stringente Erzählweise angeht. Das ist auch der Grund, warum ich mir dieses Werk ausgesucht habe, um es hier vorzustellen. Der Eroguro-Aspekt hält sich im Großen und Ganzen sehr bedeckt, wenn auch dieser Band nicht ganz von pompös-dekadenten Sexeskapaden und der einen oder anderen Ekelszene verschont geblieben ist. Aber man weiß ja am Ende auch, was man kauft, wenn Maruo auf dem Cover steht.

    Der Zeichenstil, die Ästhetik der Geschichte, sie soll hier jedoch nicht anwidern, nicht erregen, sondern viel mehr provokant zum Fantasieren antreiben. Was hier an wenig subtiler Symbolik, an wirklich bombastischer Bildsprache aufgefahren wird, haut mich um. Wie detailliert und sauber, ohne große Abkürzungen, einfach mit viel Arbeitseifer gezeichnet wurde, das lässt einen sehr staunen darüber und auch ein wenig bedauern, dass Maruo so spät entdeckt und einem Großteil des Manga-Publikums durch seine gewöhnungsbedürftige Ausrichtung auch immer verwehrt bleiben wird. Das ist hier für mich auch der größte Pluspunkt, diese dem Inhalt der Vorlage natürlich naheliegende völlig ausufernde Fantastik in Bildern. Ich will nicht zu viel verraten, aber es ist wunderschön und verstörend zugleich, was sich auf der Insel herumtreibt und ein Schauspiel darbietet. Orgien, Wahnsinn, Pfauenfedern und Unterwassertunnel, Dekadenz, Artistik und fremdartige Kostüme. Panorama-Szenen, an denen man länger hängen bleibt als einem vielleicht lieb ist.

    Das Ende der Geschichte hätte für mich persönlich noch etwas stärker sein können, es taucht eine bekannte Figur aus Edogawas Repertoire auf und der Band endet. Und wieder, auch zum Schluss, grobe Symbolik, die so grell schillert, dass es einen fast erschlägt. Ich mag das hier aber, hier, in dieser verrückten Geschichte eines Träumers, der einen Zirkus oder besser, einen ganzen Freizeitpark, ach was, einen Garten Eden der Illusionen oder all das und mehr, auf einer kleinen Insel im Pazifik entstehen lassen möchte. Und dabei skrupellos über alle Hürden hinwegrollt.

    Die Geschichte ist, soweit ich weiß, in Frankreich und den USA in Übersetzung erschienen, aber scheinbar auch in beiden Ländern lange out of print. Wer aber die Chance hat, noch gebraucht an dieses Buch zu kommen, sollte den Titel lesen. Zumindest dann, wenn einen die Verbildlichung roher menschlicher Zügellosigkeit und Lebenseuphorie samt einer zugegeben im Vergleich wenig einfallsreichen, aber dafür gekonnt erzählten Rollentausch-Thrillergeschichte nicht abschreckt.

  11. #661
    Mitglied Avatar von Smoke
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    Danke für die tolle Vorstellung Kulturkerbe.
    Der Titel sieht sehr interessant aus. Bei der Story musste ich ganz kurz an den talentierten Mr. Ripley denken.
    Die Zeichnungen sind wunderschön und sehr detailreich und hauen einen um. Hier ist die Leseprobe.


  12. #662
    Hallo Smoke,

    danke dir fürs Lesen und vor allem für das Bereitstellen der Leseprobe. Bei so einem Titel im Grunde obligat. Man kann es im Sample leider nicht erkennen, aber später in der Geschichte, auf der Hedonisteninsel, werden alle möglichen visuellen Verrücktheiten aufgefahren. Das fand ich sehr faszinierend und amüsant. Da gibt es Lokomotiven, bei denen der Dampf aus Elefantenrüsseln kommt oder Menschen, die in Schwanenbooten mitten auf dem Wasser ungezügelt ihren Orgien frönen, mit Gleitern wie Vögel am Himmel schweben, in altertümliche Kleidung gehüllt merkwürdige Artistik aufführen, etc.

    Es gibt in der Geschichte auch einige Verweise auf Literatur und Kunst, allen voran Edgar Allan Poe.

    Ein schöner, ungewöhnlicher Titel, der leider außerhalb Japans derzeit so schwer zu bekommen ist. Aber ich freue mich sehr, wenn dir die Vorstellung gefallen hat. Vielleicht sieht sich ja ein deutscher Verlag den Titel an. Es ist, wie gesagt, einer der zugänglichsten von Maruo, der größtenteils abseits der avantgardistischen Eroguro-Szene flaniert.

  13. #663
    Hallo zusammen,

    ich möchte heute einen Titel vorstellen, der es meisterlich versteht, kindliche Begeisterung in Erwachsenen zu wecken.

    Toshokan no aruji (dt. "Der Chef der Bibliothek") von Shinohara Umiharu
    erschienen beim Verlag Hōbunsha
    abgeschlossen in 15 Bänden
    Erscheinungsjahr: 2011



    Inhaltsangabe:
    In der Kinderbibliothek "Tachiaoi" arbeitet ein unscheinbarer Brillenträger wortkarg und brüsk zwischen den Buchregalen. Sein Name ist Mikoshiba und trotz seines forschen Auftretens, scharen sich Jung und Alt um diesen fähigen Bibliothekar. Denn durch seine Leseempfehlungen werden die Kunden der Bibliothek nicht nur in fantastische Welten entführt, auch ihre ganz alltäglichen Probleme finden ihre Lösung oft in den Geschichten, die Mikoshiba ihnen grimmig in die Hand drückt.

    Eigene Meinung:

    Ich liebe es zu lesen. Ich denke, das habe ich mit dem Großteil der Manga-Leser hier gemein. Ich liebe die Macht der Worte, ich liebe die Möglichkeit, mich an einen Ort zu träumen, wenn es der Autor versteht, mit den Worten geschickt zu spielen. Ich liebe Bücher, den Duft der bedruckten Seiten, den Anblick der ordentlich gereihten Buchrücken. Und ich liebe Bibliotheken. Ich liebe die Idee dahinter, ich will und wünsche, dass Bücher allen zugänglich sind. Ich glaube im Lesen, in Büchern, in den dort vermittelten Werten, in ihrer reflektierenden Fantastik, in ihrer Kraft zu heilen und zu lehren, liegt das Fundament einer aufgeklärten und freien, fähigen Gesellschaft. Was ich sagen will, ich liebe das Thema, das dieser Manga inne hat. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und fokusiert sich speziell auf Geschichten für Kinder. Eine kleine, privatgeführte Bibliothek für Kinder, das ist der sympathische Dreh- und Angelpunkt, der wiederkehrende Schauplatz dieser fünfzehnbändigen Reihe.



    Dort arbeitet wie in der Inhaltsangabe erwähnt ein recht forscher junger Mann mit Pilzkopffrisur. Mikoshiba fehlt das, was in Japan allgegenwärtig und im Servicebereich unabdingbar ist, nämlich Kundenfreundlichkeit. Trotzdem vermag er es durch seine Kompetenz und sein Fachwissen, durch die Fähigkeit, eine Situation und einen Menschen blitzschnell zu durchschauen, eine subtile Anleitung zum Lösen der offenkundigen Probleme an die Hand zu geben. Nach diesem Prinzip sind die Kapitel grundsätzlich aufgebaut. Es wird eine Figur oder eine Situation beschrieben, die irgendwie in Kontakt mit den Mitarbeitern oder Kunden der Bibliothek stehen, dann wird eine entsprechende real existierende Kindergeschichte dazu genutzt, eine Analogie zur aktuellen Problematik zu ziehen und sie entsprechend zu lösen. Dieses Schema gibt es zwar, aber es wird auch immer mal wieder durchgerüttelt.

    Die für die Analogien herangezogenen Kindergeschichten reichen von westlichen Literaturklassikern bis zu japanischen Kinderbuchautoren. Diese Referenzen auf reale Bücher sind für mich persönlich immer der Höhepunkt der Kapitel, die Geschichten werden kurz erzählt oder zumindest so umrissen, dass man sie auch dann nachvollziehen kann, wenn das Original nicht bekannt ist. Ich will behaupten, hier findet man Anregungen, noch einmal tiefergehend in Kinder- und Jugendliteratur zu schmökern. Ich kannte nicht alle hier vorgestellten Titel und habe einiges mitnehmen und lernen können. Die verschiedenen Kapitel sind dabei sehr einfühlsam und ruhig erzählt (teilweise fast tragisch), aber stets durchsetzt mit einfachem Humor und einer angenehmen und passenden "Unschuld", letzteres vor allem durch die vor Optimismus strotzenden Kinder, die in der Bibliothek ein und ausgehen, letzteres durch den Tsundere-Charakter von Mikoshiba selbst.



    Als kleines Beispiel für den Ablauf sei ein Kapitel genannt, in dem eine Mutter, die durch den Druck ihres dauerhaft abwesenden Ehemannes und der strengen Schwiegermutter viel zu übervorsichtig mit ihrem Sohn umgeht und ihn auf Schritt und Tritt bewacht. Durch gewisse Umstände kommt es dazu, dass Mikoshiba dieser Mutter die Geschichte von der Wunderbaren Reise von Nils Holgerson zum Lesen mitgibt. Nach der Lektüre des Buches sieht diese Mutter in dem davonziehenden Nils eine Analogie zu ihrem eigenen Jungen. Und lernt dabei, dass es sehr wohl wichtig sein kann, dass ein Kind eigene Erfahrungen macht und sich selbst zu behaupten versucht.

    Neben Mikoshiba gibt es einige leicht zu mögende wiederkehrende Charaktere, die alle für sich und in Interaktion für mich interessant sind. Sie entsprechen im Grunde bekannten Archetypen, aber funktionieren als Team der Bibliothek einfach sehr gut. Ja, sie sind ein Team. Und der Humor kommt in diesem Team nie zu kurz, das ist wichtig, da die behandelten Themen teilweise schon nicht ganz ohne sind, auch die referenzierten Kindergeschichten können eine Schwere mit sich bringen (bspw. "Der glückliche Prinz" von Oscar Wilde). Die Dialoge zwischen dem forschen Mikoshiba und dem einzigen erwachsenen Stammkunden der Bibliothek Miyamoto, einer herzensguten Seele, der leider oft unverdient einen drauf kriegt, sind köstlich zu lesen.



    Was der Titel hervorragend vermag, ist, die Liebe für Bücher, für das Lesen und auch die Wichtigkeit davon dem Leser zu vermitteln. Im Titel wird öfter davor gewarnt, Kinderliteratur als Literatur ausschließlich für Kinder abzutun oder es wird bereut, dass die Charaktere in ihrer eigenen Kindheit nicht die Möglichkeit wahrnahmen, Kinderbücher zu lesen als sie noch selbst Kinder waren sondern leider erst als Erwachsene. Die Geschichte handelt zwar von Literatur für Kinder, sie ist aber für Erwachsene geschrieben, die Probleme sind (meist) Erwachsenenprobleme und es wird bemüht versucht, in Erwachsenen die Liebe, die Passion zu entfachen, für Kinder- und Jugendliteratur. Wie wichtig es ist, aus all diesen klugen, witzigen und einfühlsamen, fantastischen Geschichten zu lernen. Und dieser Lernprozess kann immer stattfinden, das wird bereits im ersten Kapitel klar gemacht, auch wenn man schon lange über die Bücherregale hinweggucken kann.

    Ich empfehle diese Serie absolut allen, die das Lesen lieben. Denjenigen, die episodische, einfühlsame und doch gutgelaunte Slice-of-Life-Geschichten mit tollen Charakteren mögen. Ich empfehle diese Geschichte allen, die etwas lernen wollen. Über Kinderbücher. Über die erzieherische Kraft und das Potential von Literatur. Und vielleicht auch über sich selbst. Bei mir hat es funktioniert.

    PS. Der Titel erscheint auch in Frankreich unter dem Titel "Le Maitre des livres" beim Verlag Komikku.


  14. #664
    Moderator Anime- und Mangaforum Avatar von Alita
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    Danke fuer den Bericht. Der Manga hoert sich interessant an. Kurze Frage noch: Werden die Geschichten, wie hier Niels Holgerson, auch im Manga dargestellt? Wenn ja, auch individuell, d.h. Niels Holgerson hat einen anderen Zeichenstil als irgendwelche Samuraigeschichten?

  15. #665
    Mitglied Avatar von Yellowbird13
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    Danke für die Vorstellung!

    Der Toshokan no Aruji ist wieder ein Titel ganz nach meinem Geschmack. Da er sowohl in den USA als auch bei uns kaum jemals erscheinen wird werde ich mir die französische Ausgabe mal anschauen.

    Eine Frage hätte ich allerdings auch noch: Gibt es neben den Einzelepisode auch noch eine (grobe) Rahmengeschichte oder bleibt es bis zum Schluss beim vorgestellten Muster?
    To quote the poets... we're fucked - Master Ren, Monstress

  16. #666
    Hallo zusammen,

    tut mir Leid, ich habe erst jetzt die Fragen gesehen. Euch beiden, Alita, Yellowbird13, vielen Dank für euer Interesse.

    Danke fuer den Bericht. Der Manga hoert sich interessant an. Kurze Frage noch: Werden die Geschichten, wie hier Niels Holgerson, auch im Manga dargestellt? Wenn ja, auch individuell, d.h. Niels Holgerson hat einen anderen Zeichenstil als irgendwelche Samuraigeschichten?
    Ich hoffe, ich verstehe die Frage richtig. Die realen Literaturgeschichten werden handlungstechnisch vorgetellt, manchmal mehr, manchmal weniger tiefgehend, meist jedoch eher ein Umriss, es gibt auch entsprechende Illustrationen dazu, diese weichen aber generell eher nicht großartig vom eigentlichen Zeichenstil des Titels ab, es bleibt bei diesem sympathischen, runden jedoch wenig anspruchsvollen, stets angenehmen Seinen-Zeichenstil. Die Bilder zu den literarischen Vorlagen haben meist so eine Art dunkleren "Erzählfilter", aber es ist nicht so, dass klassisch japanische Geschichten jetzt im Ukiyo-e-Stil und die Europäischen im Kupferstich erzählt werden.

    Eine Frage hätte ich allerdings auch noch: Gibt es neben den Einzelepisode auch noch eine (grobe) Rahmengeschichte oder bleibt es bis zum Schluss beim vorgestellten Muster?
    Ich würde sagen, die Rahmengeschichte ist die Fortentwicklung der Charaktere. Es ist nicht so, dass es ein richtiges "Ziel" gibt, am Ende des Tunnels, es gibt lediglich Etappenziele, wenn Charaktere sich etwas innerhalb der Handlung vornehmen. Die Lebenswelt der Charaktere, der Mitarbeiter und Kunden und ihr Umfeld kennenzulernen, das ist die Rahmengeschichte, sie tragen die Geschichte und die darin vorkommenden Einzelschicksale weiter. Bspw. die Besitzerin der Bibliothek, die von sich behauptet, todkrank zu sein und bald sterben zu müssen und nur weiterleben zu können, wenn sie regelmäßig neue, aufregende Bücher empfohlen bekommt (das alles mit einem Augenzwinkern), bei der man nicht weiß ob es stimmt oder nicht oder aber die aufkeimenden Gefühle zwischen einer Mitarbeiterin der Bibliothek und dem oben erwähnten erwachsenen etwas tollpatschigen Stammkunden. Später wird auch die Vergangenheit von Mikoshiba weiter beleuchtet, seine Familie, der Grund, warum er Bibliothekar geworden ist, etc.

    Ich weiß nicht, ob du das als über die Bände hinweggreifende Rahmenhandlung zählen lässt, aber es ist bei dieser Art "Slice of Life" wahrscheinlich meistens so, dass die Weiterentwicklung bestehender und Einführung neuer interessanter Charaktere den primären Antrieb der Handlung darstellen.


    Entschuldigt, dass diese Punkte aus der Vorstellung nicht bereits deutlicher hervorgegangen sind. Wenn noch weitere Fragen sind, gerne jederzeit!

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