Kapitel 13 deckt hauptsächlich das Jahr 1984 ab, das Jahr von „Secret Wars“. Hier gibt es viele für mich neue und überraschende Informationen (mit dieser Zeit bei Marvel habe ich mich noch nie näher beschäftigt).
Ausgelöst wurde alles indirekt von DC. Der Spielzeughersteller Kenner, bekannt für seine Star-Wars-Figuren, lizensierte 1983 einige DC-Comichelden, darunter Superman und Batman. Mattel sicherte sich daraufhin Marvel-Rechte, wollte aber seine Actionfiguren mit Hilfe einer spektakulären Comicveröffentlichung in den Markt drücken. Der Titel „Secret Wars“ war eine Marketing-Idee – das klang angeblich für Kinder spannend. Jim Shooter sollte sich nun dazu passend eine Story ausdenken.
Er wollte ja eigentlich den Big Bang; hier warf er zumindest alle namhaften Marvelfiguren in einen Topf und ließ sie einfach gegeneinander kämpfen – ungeachtet der Regeln des Marvel-Universums. Diese Story, schreibt Howe, stand im Gegensatz zu allem, was bisher Marvel-Comics ausgemacht hatte. Sie wurde kaum moralisch begründet, und die Bösen waren einfach die Bösen, mit Ausnahme des Molekül-Manns, einer alten Figur aus „Fantastic Four“ # 20, die genauer ausgearbeitet wurde. Shooter sagte, die Serie solle nur den Kids zeigen, wozu die Spielfiguren gut sind. Am Marvel-Universum änderte sich freilich damit nichts.
Gleichzeitig mit „Secret Wars“ kam auch „Amazing Spider-Man“ # 252 in den Verkauf, die erste Ausgabe, in der das schwarze Spider-Man-Kostüm auftaucht. Man vermutete, es werde den Fans nicht gefallen, und Shooter wollte schon anordnen, daß es in # 253 wieder verschwindet. Aber Mattel gefiel es: So konnte man zwei verschiedene Spider-Man-Figuren verkaufen. Zur Überraschung aller war ASM # 252 ein großer Verkaufserfolg. Massen von Comicfans müssen sich in den Comicläden gedrängt haben, um diese Ausgabe zu ergattern; wenige Tage nach Verkaufsstart wurde sie für 50 Dollar gehandelt.
Howe schreibt nun zum wiederholten Mal, daß sich endlich die Verkaufszahlen von Marvel besserten (genaue Zahlen gab es schon länger nicht mehr). Sehr erfolgreich war zu dieser Zeit auch „Thor“, geschrieben und gezeichnet von Walt Simonson. Marvel-Verkaufsleiterin Carol Kalish wird erwähnt, die damals noch unter 30, und zugleich Super-Comicfan und ein enormes Verkaufstalent war. Die Redaktion stand ihr jedoch reserviert gegenüber, weil man Kreativität höher achtete als die Sprache der Verkaufszahlen.
Der Erfolg von Marvel mündete jedenfalls in einen Anruf von Warner-Manager Bill Sarnoff bei Shooter, mit der er ihm anbot, sieben DC-Serien zu übernehmen, die sich überhaupt nicht verkauften: Superman, Batman, Wonder Woman, Green Lantern, New Teen Titans, Legion of Superheroes und Justice League of America. Shooter sah darin kein Problem, da er ja das Marvel-Universum ohnehin neu starten wollte. Aber ein Aufschrei in der Branche, Marvel werde damit eine marktbeherrschende Stellung bekommen, hielt den Verlag dann doch von dem Deal zurück. Howe berichtet jedenfalls, Kenner habe zwar mit den DC-Figuren Gewinn gemacht, aber die DC-Comics seien damals in den roten Zahlen gewesen.
Noch ein Detail vom Beginn des Kapitels: Jack Kirby stritt sich immer noch mit Marvel über Urheberrechte, unter anderem die Erfindung von Thor. Stan Lee sagte, er habe vorgeschlagen, den Donnergott zur Comicfigur zu machen, und niemand habe je vorher nordische Götter in Superheldencomics verwendet. Lee: „Also wenn das mir nicht das Recht gibt zu behaupten, daß ich das erfunden habe, dann weiß ich nicht, was.“ Howe merkt hier an, 1957 habe es bei DC eine Story namens „Der magische Hammer“ gegeben; darin habe ein Mann diesen Hammer gefunden, der ihm die Kontrolle über Blitz und Donner verlieh. Zeichner war damals Jack Kirby.



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