szmtag The Untold Story
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  1. #1
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    The Untold Story

    Hat irgendwer das Buch "Marvel Comics - The Untold Story" von Sean Howe bestellt oder gar bereits gelesen? Ist kürzlich bei HarperCollins erschienen (auf englisch natürlich) und wird drüben iin USA eifrig rezensiert. Und die halten das Buch alle für phänomenal. Leider kann man das Werk in einer hiesigen Buchhandlung nicht mal eben durchblättern oder anlesen. Zudem interessiert mich vorrangig Marvel in den 60er und teilweise in den 70er Jahren. Es heißt aber auch, wie der Autor die jüngere Vergangenheit aufrollt, sei ebenfalls äußerst lesenswert.

    Ich hänge keinen Link an - gebt einfach "Marvel Howe Untold Story" ein, und Ihr findet eine Menge.

  2. #2
    Moderator DCFanpage Forum; Manager Splashbooks Avatar von comicfreak
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    Ich habe den Band für Splashbooks rezensiert. Mein Fazit ist, dass es interessant zu lesen ist, aber viele eigentlich interessante Fakten meiner Meinung nach fehlen.

  3. #3
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    Vielen Dank für den Hinweis. Diesen Text hat mir die Suchmaschine leider nicht geliefert. Deine Rezension ist für mich auch auf jeden Fall aussagekräftiger als die US-Reviews, die ich gelesen habe.

    Allerdings hilft mir Dein Urteil nicht wirklich weiter. Wer eine Verlagsgeschichte von 70 Jahren oder so auf 500 Seiten verarbeitet, muß zwangsläufig auch Dinge weglassen. Die Frage wäre: Ist das schlüssig, worauf sich Sean Howe beschränkt hat? Was sagt er damit aus?

    Aber da ich vieles aus der Marvel-Geschichte noch nicht weiß, muß ich mir das Buch offenbar besorgen. Auf eine deutsche Übersetzung kann man ja vermutlich nicht hoffen.
    Geändert von Peter L. Opmann (12.11.2012 um 22:27 Uhr)

  4. #4
    Moderator DCFanpage Forum; Manager Splashbooks Avatar von comicfreak
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    @Peter
    Was mich eben störte war, dass er gewisse Dinge nicht erwähnte. Er erwähnt Clive Barker und Hellraiser, geht aber nicht auf die Gründung des Razorlin-Imprints ein. Genauso erwähnt plötzlich Marvel UK, ohne die Gründung zu erwähnen. Das sind Dinge, die man jeweils in ein, zwei Sätzen hätte erledigen können.

    Hauptsächlich konzentriert er sich natürlich auf die Geschichte von Marvel Comics an sich. Und das ist schlüssig. Er konzentriert sich dabei vor allem auf Stan Lee und Steve Gerber. Auch andere Personen kommen vor, doch die beiden bilden die rote Linie, die alles miteinander verbinden. Ein Kauf lohnt sich also.

  5. #5
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    Zitat Zitat von comicfreak Beitrag anzeigen
    Ein Kauf lohnt sich also.
    So war das bei mir angekommen.

    Vielleicht schreib' ich in Kürze nochmal, wie mir das Buch gefallen hat.

  6. #6
    Moderator DCFanpage Forum; Manager Splashbooks Avatar von comicfreak
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    Tun dat. Bin auf deine Meinung gespannt.

  7. #7
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    Jetzt habe ich mir das Buch besorgt. Schon eigenartig, daß einem solchen Thema so ein gebundenes, dickes Buch gewidmet wird (übrigens ohne jegliche Illustrationen, aber mit seitenweise Quellennachweisen) - das würde es in Deutschland wohl nicht geben. Nach erstem Querlesen habe ich den Eindruck, daß Sean Howe eher faktenorientiert, weniger analytisch schreibt. Aber das muß ja nicht schlecht sein.

    Leider werde ich nicht dazu kommen, das Buch in wenigen Tagen konzentriert durchzulesen. Es besteht aus fünf Teilen und 21 Kapiteln - vielleicht schaffe ich täglich ein Kapitel. Aber ich schreibe auf jeden Fall, was mir so auffällt.

  8. #8
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    So, mal anfangen.

    Das Buch beginnt mit einem "Prologue", in dem die entscheidende Krise geschildert wird: Timely Comics ist 1961 so gut wie am Ende; Stan Lee erfindet zusammen mit Jack Kirby mit dem Mut der Verzweiflung eine völlig andere Superheldentruppe, die Fantastischen Vier, und hat sofort Riesenerfolg.

    Kapitel 1 erzählt dann die Entwicklung von Martin Goodmans Zeitschriftenverlag von Anfang an. Er sprang immer auf den Erfolgszug auf: Als Comicbooks aufkamen, machte er auch welche. Als Superhelden in den Comics auftauchten, produzierte er auch Superheldencomics (speziell "The Submariner", "The human Torch" und vor allem "Captain America"). Als in den 50er Jahren Horrorcomics das große Ding wurden... alles klar.

    Wir erfahren, daß das Golden Age tatsächlich eine Goldgräberzeit war. Goodman wurde mit seinen Comicheften zum Millionär und zog mit seinem Verlag ins Empire State Building ein. Howe thematisiert auch das Verhältnis von Redakteuren und Freelancern. Das Kapitel endet etwa im Jahr 1954, als die US-Comicindustrie mit der "Schmutz und Schund"-Kampagne im Gefolge von Werthams Buch "Seduction of the Innocent" ihren Niedergang erlebte.

    Ich muß sagen, ich hatte gedacht, ich weiß nur wenig über die Zeit vor 1961 bei Marvel. Aber vieles klang für mich doch so ungefähr vertraut. Neu war mir allerdings, daß Timely (Marvel) schon damals der zweite große Comicverlag neben DC war. Das Zugpferd - das war für mich wieder weniger überraschend - war Captain America, allerdings nur bis etwa Kriegsende.

  9. #9
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    Das zweite Kapitel ist gleich ein ganz zentrales. Beschrieben wird die Zeit zwischen Frühjahr 1961 und Anfang 1966. Im Frühjahr 1961 soll Martin Goodman die legendäre Golfpartie mit DC-Herausgeber Jack Liebowitz gespielt haben, bei der er erfuhr, daß Superheldencomics, speziell der neue Titel "Justice League of America", jetzt wieder ein gutes Geschäft seien. Anfang 1966 verließ Steve Ditko Marvel.

    Ich finde, daß hier etwas Wichtiges fehlt. Die neue Superheldenära begann bekanntlich bereits mit "Showcase" # 4 (über den neuen Flash) 1956. Vermutlich hat Goodman Flash und Green Lantern und andere Silver Age-Comics nicht gekannt, aber Stan Lee bestimmt. Wie haben sie ihn beeinflußt? Darüber schreibt Howe nichts. Lee erhielt den Auftrag, etwas wie JLA zu kreieren. Aber "Fantastic Four" waren völlig anders. Sie wurden direkt aus den Horror- und Monstercomics entwickelt, die Timely zu dieser Zeit produzierte. Sie waren Helden wider Willen, mit denen unter dem Einfluß kosmischer Strahlen schreckliche Dinge passierten. Auch wie sich Lee von DC absetzte, wie er es schaffte, statt Kindern Jugendliche und speziell Studenten für seine Serien zu begeistern, läßt der Autor weitgehend offen.

    Es war jedenfalls so: Gleich nach den ersten "Fantastic Four"-Ausgaben kamen Berge von Leserpost. Daran merkte Lee noch schneller als an den Verkaufszahlen, daß er ins Schwarze getroffen hatte. Später trat er auch als Redner an Universitäten auf, die Superhelden wurden psychologisch interpretiert (große Mode Mitte der 1960er Jahre), Storyinhalte wurden in avantgardistischen Theaterstücken zitiert, die Pop Art nahm sich Marvel-Comics zum Vorbild, Federico Fellini wollte Stan Lee unbedingt persönlich treffen, und "Village Voice" oder "New York Herald Tribune" berichteten über die neue Superhelden-Welle.

    Wieder ist mir in dem Kapitel vieles nicht neu. Aber es wird gut beschrieben, wie Lee die Serien miteinander verknüpfte, den Eindruck erweckte, ein gutes Dutzend Superhelden lebe tatsächlich in New York, und damit das Marvel-Universum erschuf. Das gab es bei DC offenbar nicht. Thor, Iron Man, Giant Man und Wasp verlassen die Avengers übrigens vor allem deshalb, weil die Bezüge zu ihren Soloserien für Lee zu kompliziert wurden.

    Was ich nicht wußte: John Romita war in den 50er Jahren der Captain America-Zeichner gewesen und mußte mühsam zu Marvel zurückgeholt werden. "Daredevil" hatte es damals als Serie auch bereits gegeben, wurde jetzt aber völlig neu konzipiert. Die Rolle von Flo Steinberg (Lees Sekretärin, die sich vor allem mit der Beantwortung von Leserbriefen Verdienste erwarb; laut Howe kamen täglich 500 Briefe) war mir nicht klar. Die Probleme mit Steve Ditko und Wally Wood kannte ich nicht im einzelnen. Gut wird übrigens der "Marvel-Touch" beschrieben, die seltsame Arbeitsteilung, wonach der Zeichner die Story großenteils mitentwickelt, Lee aber am Ende nur durch das Einfügen der Dialoge noch korrigiert oder ihr sogar eine andere Richtung gibt. Lee und Kirby konnten das in Vollendung.

    Howe bietet leider wenig Zahlen. Generell sagt er, daß bis Mitte der 60er Jahre Comics nicht das große Geschäft für Timely waren, sondern Herrenmagazine. Im Zeitschriftenbusiness wurde die Comicredaktion, obwohl sie so viel Aufsehen erregte, nicht recht ernst genommen. Einmal heißt es, die Copyverkäufe lagen bei 35 Millionen jährlich; Lee habe diesen Ausstoß verdreifacht. Da hätte mich zumindest interessiert, was DC verkaufte.
    Geändert von Peter L. Opmann (08.12.2012 um 19:42 Uhr)

  10. #10
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    @Peter
    DC wird zwar im Laufe des Buches mehrere Male erwähnt, doch letzten Endes ist dies ein Marvel-Buch. Da wirst du konkrete Zahlen von der Konkurrenz nicht kriegen.

  11. #11
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    Drittes Kapitel: Es geht um die Zeit bis 6. März 1970, an dem Jack Kirby Marvel den Rücken kehrte.

    Dieser Abschnitt enthält deutlich mehr Neues für mich als die vorherigen. Das wichtigste Ereignis ist der Verkauf von Martin Goodmans Zeitschriftenverlag (Timely oder dann Marvel ist nur die Comicabteilung) an die Perfect Film & Chemical Corporation (offenkundig ein Mischkonzern) im Juni 1968. Das war der Übergang von einem Familienunternehmen zu einer gemanagten Firma. Damit teilt sich die Geschichte in Vorgänge in der Redaktion und rein wirtschaftliche Entscheidungen über den Verlag. Manager war zunächst Martin Ackerman und dann, bereits 1969, Sheldon Feinberg.

    Noch 1967 war das große Thema, daß Marvel zwar noch nicht ganz so viele Comics verkaufte wie DC, aber eventuell nur wegen eines fehlenden eigenen Vertriebs. Das war der Grund dafür, warum die Serien „Strange Tales“, „Tales to Astonish“ und „Tales of Suspense“ jeweils zwei Superheldenserien mit je zehn Seiten Umfang brachten (das kennt man aus der Williams-Zeit vor allem von den Serien „Hulk“ und später „Iron Man“). Marvel konnte nur wenige Hefttitel auf den Markt bringen. Mit Perfect Film kam schließlich ein eigener Vertrieb, viele neue Serien waren möglich, aber ironischerweise wurde 1968 eine Marktsättigung festgestellt, der dann unter anderem „X-Men“, „Doctor Strange“ und „Captain Marvel“ zum Opfer fielen. Aus Spargründen wurde die Seitenzahl der Comics von 20 auf 19 reduziert (das bedeutete weniger Honorar für die Zeichner).

    1968 war bekanntlich auch das Jahr kultureller und politischer Umwälzungen in den USA. Marvel reagierte darauf, im Gegensatz zu DC: Schwarze tauchten zunehmend in den Comics auf (etwa der Superheld Black Panther), Studentenproteste (siehe die Vorgänge an der Berkeley University) wurden thematisiert. Aber den Progressiven war das zu wenig. Vor allem konnte sich Stan Lee nicht zu einer klaren Haltung zum Vietnamkrieg durchringen. GIs waren eine der wichtigsten Lesergruppen der Marvels. Der Silver Surfer scheiterte laut Howe vor allem deshalb, weil er für 1968 nicht radikal genug war. Die Begründung, die Verkaufszahlen seien nicht rechtzeitig bekannt geworden oder zunächst falsch interpretiert worden, ist offenbar ein Märchen.

    Sehr deutlich wird, dass der Erfolg der Marvel-Comics unmittelbar zu Geldstreitigkeiten führte. Carl Burgos, Joe Simon und später Jack Kirby klagten (alle vergeblich) Rechte an ihren Comicfiguren ein. Alle verließen schließlich Marvel. (Anmerkung: Burgos ist der Schöpfer von "Human Torch", Simon und Kirby von "Captain America"; in diese Reihe gehört noch Bill Everett, Schöpfer von "Sub-Mariner", der früh starb.) Was ich nicht wusste: Warnendes Beispiel war Jerry Siegel, der Erfinder von Superman, damals über 60, der bei Marvel in einem Bürowinkel als Korrektor arbeitete, um nicht zum Sozialfall zu werden. Im Vergleich zu ihm verdiente Jack Kirby sehr gut, aber ein riesiges Merchandisegeschäft mit seinen Figuren startete, an dem er mit keinem Cent beteiligt war. Roy Thomas erfand keine neuen Figuren, sondern recyclete bewußt alte wie den 40er-Jahre-Helden Vision, weil ihm klar war, dass er keinerlei Erfolgsbeteiligung bekommen würde. Kirby legte neue Serienentwürfe in die Schublade und wechselte mit ihnen schließlich zu DC.

    Die Ausbeutung der Zeichner geht übrigens nicht auf einen finsteren Plan von Stan Lee zurück, der um 1968 zwar schon bekannt, aber auch nur ein kleiner Angestellter war. Das war gängige Praxis in der gesamten Branche.

    Was noch in diesem Kapitel steckt: das Auftauchen der Ausnahmekünstler Jim Steranko und Neal Adams, der neuen Autoren Gary Friedrich und Archie Goodwin, wie John Romita Steve Ditko ersetzte, wie Don Heck Stück für Stück seine Arbeit verlor, Gene Colan, John Buscema und Dick Giordano werden vorgestellt, schließlich der Politik-Lehrer Chris Claremont. Howe geht auf den selbstironischen Marvel-Titel „Not Brand –Echh“ ein, die grundsätzlich lustige Arbeitatmosphäre im Bullpen und nennt wieder ein paar wenige Verkaufszahlen: 40 Millionen Marvel-Comics wurden pro Jahr verkauft (leider keine Jahresangabe; bezieht sich wohl auf 1966). Zum Vergleich: DC verkaufte monatlich sieben Millionen, hatte allerdings 48 Hefttitel, deutlich mehr als Marvel. Wie gesagt, 1968 ging’s bergab.
    Geändert von Peter L. Opmann (10.12.2012 um 13:49 Uhr)

  12. #12
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    Zitat Zitat von comicfreak Beitrag anzeigen
    @Peter
    DC wird zwar im Laufe des Buches mehrere Male erwähnt, doch letzten Endes ist dies ein Marvel-Buch. Da wirst du konkrete Zahlen von der Konkurrenz nicht kriegen.
    Naja, das Buch stammt von einem unabhängigen Journalisten. Ich denke, Verkaufszahlen ließen sich recherchieren, sowohl bei Marvel als auch bei DC. Manchmal nennt er ja auch welche. Aber er interessiert sich anscheinend nicht genug dafür. Für mich wäre iinteressant: Wie groß waren die Verlage zu welcher Zeit wirklich?

  13. #13
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  14. #14
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    @ Hate: Danke für die Links. Wenn ich heute abend Zeit habe, versuche ich mal, Zeitreihen zu bilden.

    Man sieht schon mal: Im Golden Age steht Captain America neben Superman gar nicht schlecht da. 1946 taucht er in der Liste nicht mehr auf.

    1974 sind Marvel-Serien wie Spider-Man oder Hulk wieder ganz oben dabei - freilich mit nur etwa einem Drittel, einem Viertel der Auflage der 40er Jahre. Da muß ich aber bei Howe erst noch weiterlesen.

    Übrigens: Vor einiger Zeit habe ich mal mit Hilfe der Marvel Fan Page von Maxithecat folgende Publikationsliste erstellt, die zeigt, wie Marvel ins Silver Age startete:

    1954 Captain America endet mit # 78 (September)

    1955 Sub-Mariner Comics endet mit # 42 (Oktober)

    1961 Fantastic Four startet mit # 1 (November) monatlich

    1962 Tales to Astonish # 27 (Januar) mit Ant-Man (Oneshot)
    Incredible Hulk startet mit # 1 (Mai) zweimonatlich
    Journey into Mystery ab # 83 (August) mit Mighty Thor monatlich
    Tales to Astonish ab # 35 (September) mit Ant-Man monatlich
    Amazing Spider-Man startet in Amazing Fantasy # 15 (September/Oneshot)
    Strange Tales ab # 101 (Oktober) mit Human Torch monatlich

    1963 Amazing Spider-Man startet mit # 1 (März) zweimonatlich
    Incredible Hulk mit # 6 (März) eingestellt
    Tales of Suspense ab # 39 (März) mit Iron Man monatlich
    Sgt. Fury startet mit # 1 (Mai) zweimonatlich
    Uncanny X-Men startet mit # 1 (September) zweimonatlich
    Avengers startet mit # 1 (September) zweimonatlich
    Amazing Spider-Man ab September monatlich
    Tales to Astonish ab # 49 (November) mit Giant-Man monatlich

    1964 Strange Tales ab # 117 (Februar) mit Human Torch/Doctor Strange monatlich
    Daredevil startet mit # 1 (April) zweimonatlich
    Avengers ab Juli monatlich
    Sgt. Fury ab Juli monatlich
    Tales to Astonish ab # 60 (Oktober) mit Giant-Man/Hulk monatlich
    Tales of Suspense ab # 60 (Dezember) mit Iron Man/Captain America monatlich

    1965 Tales to Astonish ab # 70 (August) mit Hulk/Sub-Mariner monatlich
    Strange Tales ab # 135 (August) mit Nick Fury, Agent of S.H.I.E.L.D./Doctor Strange
    Uncanny X-Men ab November monatlich

    1966 Daredevil ab Januar monatlich
    Mighty Thor startet mit # 126 (März/bisher Journey into Mystery)

    1968 Captain America startet mit # 100 (April/bisher Tales of Suspense)
    Incredible Hulk startet mit # 102 (April/bisher Tales to Astonish)
    Invincible Iron Man startet mit # 1 (Mai/bisher Tales of Suspense)
    Sub-Mariner startet mit # 1 (Mai/bisher Tales to Astonish)
    Doctor Strange startet mit # 169 (Juni/bisher Strange Tales)
    Nick Fury, Agent of S.H.I.E.L.D. startet mit # 1 (Juni/bisher Strange Tales)
    Spectacular Spider-Man startet mit # 1 (Juli/Magazin) vierteljährlich
    Silver Surfer startet mit # 1 (August) zweimonatlich
    Geändert von Peter L. Opmann (10.12.2012 um 13:28 Uhr)

  15. #15
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    Ich vergaß zu erwähnen: Wir sind jetzt am Ende des ersten Teils des Buchs, das den Titel „Creations and Myths“ trägt. Mit Kapitel 4 beginnt der zweite Teil: „The Next Generation“.

    Stan Lee hebelte den Comics Code aus, indem er Harry Osborn, eine wichtige Spider-Man-Nebenfigur, zum Drogenabhängigen machte. Die Folge: Jetzt war auch bei Horror-Comics mehr möglich, und sofort kamen „Tomb of Dracula“ oder „Werewolf by Night“ auf den Markt. Howe merkt an, dass die innovative Phase bei Marvel vorbei war. Die Erfolgsrezepte wurden dupliziert, oder man reagierte auf Zeitströmungen wie etwa Women’s Lib, indem man Superheldinnen-Titel raushaute, die sogar von Frauen geschrieben waren. Stan Lee nahm ein Jahr frei, in dem er ein Filmdrehbuch schrieb, das aber nie realisiert wurde.

    Geschäftlich gab es 1970 eine wichtige Entwicklung: DC und Marvel einigten sich, den Umfang der Comic Books von 36 auf 52 Seiten und den Preis von 20 auf 25 Cent zu erhöhen. Marvel kehrte jedoch nach nur einem Monat zum alten Coverpreis zurück, während DC bei 25 Cent blieb. Das war laut Howe der letzte Impuls, der Marvel zum größten Comicverlag in USA machte. Damit war es aber mit dem „David gegen Goliath“-Image vorbei. Jedenfalls ging Martin Goodman mit der gesamten Redaktion essen, um den Sprung an die Spitze zu feiern – direkt gegenüber den DC-Büros, damit man dort auch mitbekam, daß Marvel Grund zur Freude hatte…

    Perfect Film & Chemical wurde zu Cadence Industries, und Vorstandschef Feinberg machte Stan Lee kurz nach seinem Sabbatjahr zum Präsidenten von Marvel. Der forcierte darauf sofort Schwarz-weiß-Magazine wie „Dracula lives“ (oder – unerwähnt – „Savage Sword of Conan“). Die Zahl der Hefttitel bei Marvel lag inzwischen bei 40 (noch etwas weniger als DC). Lee sah sich vor dem Druck nur noch die Covers an und hatte es sonst überwiegend mit Geschäftszahlen zu tun, was ihm eigentlich nicht gefiel. Nebenbei verkaufte der Sohn des Alt-Verlegers, Chip Goodman, eifrig Filmrechte an Marvel-Stoffen.

    Wieder werden etliche Mitarbeiter erwähnt, die um 1970 neu zu Marvel stießen: Gerry Conway (damals erst 17), die Zeichner Barry Smith (ein Brite) und Rich Buckler, sowie die Autoren Steve Englehart, Steve Gerber, Marv Wolfman und Len Wein.
    Geändert von Peter L. Opmann (10.12.2012 um 17:36 Uhr)

  16. #16
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    Ich hatte schon befürchtet, der interessante Teil des Buchs sei vorbei: Stan Lee nicht mehr in der Redaktion, die Erfolgsrezepte der Serien wurden nur noch kopiert. Aber die erste Hälfte der 70er Jahre war, laut Sean Howe, bei Marvel sehr turbulent.

    Neue Kräfte veränderten die Marvel-Superheldenwelt von Grund auf. Don McGregor machte aus „Jungle Action“ (mit dem Black Panther) die erste Serie mit ausschließlich schwarzen Protagonisten. Steve Gerber erfand einen einzigartigen Monster-Helden namens Man-Thing mit äußerst abgedrehten Charakteren um ihn her einschließlich einer Funnyfigur namens Howard the Duck. Der inzwischen 20jährige Gerry Conway begann, Monumente umzustoßen: Er tötete Gwen Stacy in Amazing Spider-Man (ursprünglich eine Idee von John Romita), weil er die Figur zu langweilig fand und meinte, ein kaputter Typ wie Peter Parker brauche eine ebenso kaputte Freundin, nämlich MJ Watson. Damit verstieß er auch gegen eine Hauptregel von Stan Lee, daß es in den Serien nämlich nur „die Illusion von Veränderung“ geben dürfe. Lee sagte den empörten Fans, die Entscheidung, Gwen aus der Serie zu schreiben, sei „hinter seinem Rücken“ gefallen. In Wirklichkeit hatte er die Wirkung der Entscheidung unterschätzt; wenn er eine Serie nicht selbst schrieb, so Howe, interessierte er sich letztlich nicht für sie.

    Conway dachte sich auch einen völlig neuen Antihelden aus, den Punisher, beeinflußt von traumatisierten heimgekehrten Vietnamsoldaten, der alle bisherigen Superheldenregeln mißachtete. Die Zeichner Jim Starlin, Frank Brunner und Alan Weiss regten ihre Phantasie durch reichlich Drogentrips an. Sehr psychedelische Serien, in der sich Helden zum Beispiel in „Gott“ verwandelten, waren Warlock, Captain Marvel und Doctor Strange (naheliegend).

    Auf der Businessebene tat sich ebenfalls einiges. Die Firma Transworld Features mit Manager Al Landau übernahm Marvel. Chip Goodman wurde aus dem Geschäft gedrängt. Martin und Chip Goodman stiegen wenig später neu ins Comicgeschäft ein und gründeten Atlas Comics, wo Zeichnern höhere Page Rates als überall sonst gezahlt wurden, sie ihre Originalzeichnungen behalten durften und sogar Rechte an ihren Figuren erhielten (!). Stan Lee sah sich genötigt, allen freien Mitarbeitern bei Marvel mitzuteilen, so gut wie bei ihm werde es ihnen langfristig nirgendwo gehen. Mike Friedrich, Jim Starlin und Frank Brunner taten sich zusammen und gründeten in Kalifornien ein wegweisendes Fanzine, „Star Reach“, in dem sie noch extremere Drogencomics veröffentlichten. Die Underground-Szene war aufgeblüht.

    Roy Thomas wurde von all diesen Entwicklungen hin und her gerissen. Er hielt laut Howe den Laden am Laufen, seitdem Lee sich als Präsident und später als Herausgeber von der Tagesproduktion verabschiedet hatte. Thomas redete mit Engelszungen, um gute Leute bei Marvel zu halten, war aber selbst der Versuchung ausgesetzt, etwa zu DC zu gehen. Seine Frau hatte ihn schon einmal verlassen, weil er offenkundig mit Marvel verheiratet war. Jetzt war sie zwar zurückgekehrt, aber die Probleme blieben. Am Ende stolperte er über einen Streit: Nachdem Zeichner falsche Angaben darüber gemacht hatten, wie viel sie bei DC verdienten, um ihr Marvel-Honorar in die Höhe zu treiben, beschlossen Stan Lee und DC-Chefredakteur Carmine Infantino, ihre Honorarregelungen gegenseitig offenzulegen. Thomas protestierte dagegen und zog die Konsequenzen.

  17. #17
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    Ja, das war dann auch der Moment, wo ich jedwegen Respekt Stan Lee gegenüber verloren habe. So maßgeblich er mit dazu beitrug, Marvel Comics zu dem zu machen, was es heute ist, nach seiner Zeit als Schriftsteller hat er sich teilweise sehr rückgratslos verhalten.

  18. #18
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    @ comicfreak: Ich warte mal mit einem Urteil, bis ich das Buch durchgelesen habe.

    Das sechste Kapitel hat nach meinem Geschmack einige Längen. Es handelt etwa vom selben Zeitraum wie das vorige und erzählt die Geschichte noch ein Stück weiter bis Ende 1975. Noch einmal geht es um einige ungewöhnlich geschriebene Serien (X-Men, Defenders, Champions, Warlock). Howe beschreibt den Inhalt so ausführlich, daß ich vermute, das sind wohl seine eigenen prägenden Leseerfahrungen gewesen.

    Aber es gibt auch noch andere Themen. Zunächst wurde Redakteur Roy Thomas durch Len Wein und Marv Wolfman ersetzt – Wein übernahm die Comic Books, Wolfman die Magazine. Das führte später zu Konflikten mit Gerry Conway, der sich übergangen fühlte.

    Conway hatte delikate Aufträge von Stan Lee zu erfüllen: Gwen Stacy sollte zurückkehren. Also ließ er einen Klon von ihr in Amazing Spider-Man auftauchen. Später wurde auch Peter Parker zum Klon. Stan Lee sah sich die Storyline an und sagte: „Das wird nicht funktionieren.“ Aber Conway hatte die deadlines im Nacken.

    Marvel strengte sich an, jüngere Leser zu gewinnen, zunächst vor allem durch die neuen X-Men (Autor: Chris Claremont, ein freiberuflicher Texter). Zugleich stellte sich heraus, daß generell die Bezüge zwischen den Serien im Marvel-Universum so kompliziert wurden, daß die Kontinuität immer schwerer zu wahren war. Lee betreute einst im Alleingang acht Serien, jetzt waren es 54.

    Jack Kirby kehrte 1975 zu Marvel zurück. Sein Stil passte nicht zu DC, insbesondere seine Interpretation von Superman war auf harsche Kritik gestoßen. Sein „Fourth World“-Universum, das er im Alleingang schrieb und zeichnete (New Gods, Forever People), war geschäftlich ein Mißerfolg. Bei Marvel wurde er mit offenen Armen wieder aufgenommen. Etwa zur gleichen Zeit fuhren die Goodmans ihren Verlag Atlas gegen die Wand. Aber das waren keine wirklich guten Nachrichten für Marvel. Mitte der 70er war eine schwere Zeit für Comics in den USA. Sie verkauften sich nicht mehr gut. Das Geschäft verlagerte sich zunehmend in Comic Shops, wo die Hardcore-Fans sich noch eindeckten. Cadence Industries warf – vor allem in Person von Vizepräsident Jim Galton – einen genaueren Blick auf die Marvel-Verkaufszahlen. Galton stellte fest, daß Marvel Verluste von zwei Millionen Dollar angehäuft hatte, und feuerte Al Landau.

    Ende 1975 kam Jim Shooter, damals 24 Jahre alt, von DC.
    Geändert von Peter L. Opmann (12.12.2012 um 22:27 Uhr)

  19. #19
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    Das siebte Kapital bringt nicht viel Neues. Jim Shooter kam zu Marvel, war aber erstmal nur Korrektor. Wie das vor sich ging, hat er selbst in seinem Blog (www.jimshooter.com) erzählt. Howe fügt dem nichts hinzu – es ist nicht sehr schmeichelhaft für DC.

    Shooter lag mit zwölf Jahren längere Zeit im Krankenhaus und las einen Haufen DC- und Marvel-Comics. Er beschloß, für DC zu schreiben, denn die Marvels von Stan Lee waren genial, und DC brauchte dringend Hilfe. Shooter wurde tatsächlich von Mort Weisinger (einer „heimtückischen Kröte“, so Howe) mit Scripts von Superboy oder Legion of Superheroes beauftragt, merkte aber schließlich, es würde vielleicht wirklich Spaß machen, stattdessen für Marvel zu schreiben. Nach der Schule wurde er tatsächlich von Marvel engagiert – eben als höchst gewissenhafter Korrektor. Wichtig wird Shooter erst in Teil drei des Buchs.

    Es wird in diesem Abschnitt viel über das kreative Chaos Mitte der 70er Jahre bei Marvel berichtet. Verpaßte deadlines, ständiger Kampf gegen Termine, wie das auch schon in Kapitel 6 ausführlich dargelegt wurde. Teils geniale, teils absolute Müll-Storys. Howe erweckt den Eindruck, es fehlte jemand, der die Redaktion mit harter Hand führte. Len Wein und Marv Wolfman waren dafür nicht geeignet, Gerry Conway hatte zwar guten Willen, schaffte es aber nicht, weil die Mitarbeiter nicht mehr gewohnt waren, Aufträge akkurat auszuführen. Zu allem Überfluß war Marvel in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Jim Galton verhandelte mit Roy Thomas über eine mögliche Rückkehr.

  20. #20
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    Kapitel 8 handelt von der kurzen Zeitspanne, in der Archie Goodwin, ein in der Branche sehr respektierter Profi, Marvel-Chefredakteur war. Sein Vorgänger Gerry Conway wurde Freelancer und mit einigen wichtigen Serien betraut. Steve Gerber, der „Howard the Duck“ schrieb, war laut Howe als Letzter aus der wilden Zeit der ersten Hälfte der 70er Jahre übrig geblieben. Ein exaktes Datum habe ich nicht gefunden, aber vermutlich hatte Goodwin den Job etwa ein Jahr, bevor ihn dann Jim Shooter buchstäblich stürzte.

    Es ist wiederholt von Reibungen zwischen dem Cadence-Management und der Redaktionsebene die Rede. Die Geschäftsleute wunderten sich zwar, warum so viele Marvel-Freelancer in letzter Zeit zu DC gewechselt waren, aber hatten keinerlei Verständnis, als Goodwin vorschlug, man solle sie besser bezahlen, sie sozialversichern und ihnen ihr Artwork zurückgeben. Gerber erhielt damals für eine Howard-Ausgabe (einer von Marvels Spitzentiteln) gerade mal 400 Dollar Honorar.

    Jim Galton und auch Stan Lee wollten aus Markennamen wie Spider-Man mehr Geld herauspressen (durch Serien wie „Spider-Woman“ oder „Peter Parker, the Spectacular Spider-Man“) und durch Kooperationen mit Hollywood die Verkäufe ankurbeln. Das führte zu dem „Star Wars“-Comic, eine Idee von Roy Thomas – den Riesenerfolg des Films konnte allerdings niemand voraussehen. In eine ähnliche Richtung ging ein „Kiss“-Comic, den allerdings Steve Gerber nicht so schrieb, wie das Management wünschte. Durch einen Deal mit CBS und Universal TV kamen Spider-Man und Hulk 1977 ins Fernsehen und ins Kino. Marvel schaffte mit Hilfe dieser Cross-Promotion, vor allem aber durch den Erfolg von „Star Wars“, schließlich den Turnaround.

    Das Frauenbild in den Marvels änderte sich, was an Marvel Girl (Jane Grey) besonders deutlich wurde: Sie kam mit der Phönix-Kraft, einer Urkraft des Universums, in Berührung und wurde zu einer schier grenzenlos mächtigen Superheldin. Bei Lee waren Superheldinnen, so merkt Howe süffisant an, immer hübsch anzusehen gewesen und mußten gerettet werden. Was nicht im Buch steht (jedenfalls nicht an dieser Stelle): Die Marvel-Superhelden hypertrophierten allgemein und verwandelten sich in Super-Superhelden (den Startpunkt kann ich nicht benennen), was leider nicht annähernd so lustig ist wie Tex Averys „King-size Canary“.

    Noch bevor er den Chefredakteurs-Thron bestieg, dachte Shooter bereits angestrengt darüber nach, wie er den Marvel-Bullpen unter Kontrolle bekommen konnte. Stars, die neben der Redaktion her ihr eigenes Ding machten, wie Jack Kirby, Roy Thomas, Steve Gerber oder Marv Wolfman, sollte es nicht mehr geben. Shooter wollte die Redaktion so organisieren, wie das bei DC üblich war, und er ließ laut Howe jeden bei Marvel spüren, daß er den Job unbedingt wollte. Ende 1977 starb überraschend John Verpoorten, der hauptsächlich hinter der Einhaltung der deadlines her gewesen war. Er fühlte sich krank, ging in sein Apartement, setzte sich in seinen Schaukelstuhl und wurde tot aufgefunden – mit 37 Jahren. Deshalb sollte die Ernennung von Shooter zum Chefredakteur eigentlich verschoben werden. Aber Stan Lee plauderte es auf einer Weihnachtsfeier doch aus.
    Geändert von Peter L. Opmann (16.12.2012 um 22:44 Uhr)

  21. #21
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    Nun beginnt Teil drei des Buchs, „Trouble Shooter“. In Kapitel 9 fällt wiederum auf, daß Howe detailliert den Inhalt einzelner wichtiger Marvel-Comics schildert. So eingehend behandelt er klassische Marvel-Comics der 60er Jahre im vorderen Teil des Buchs nicht.

    Aber auch die wirtschaftliche Entwicklung der Firma wird beleuchtet. Auch unter Shooter gab es bei Marvel keine Tantiemen für Autoren und Zeichner. Folglich setzte sich der beständige Zustrom und frustrierte Exitus von Künstlern fort. Herausgeber Stan Lee bemühte sich weiter um Filmdeals, insbesondere nachdem Richard Donners „Superman“ (mit Marlon Brando und Christopher Reeves) ein Überraschungserfolg geworden war. CBS winkte aber trotz ordentlicher Einschaltziffern der „Hulk“-Serie ab: Man wolle kein Cartoon-Sender werden. Andere Sender und Produktionsfirmen zeigten ebenfalls kaum Interesse an Marvel-Stoffen.

    Was sich schon angedeutet hatte: Marvel kam in Gesprächen mit Comichändlern zu der Überzeugung, dass dem Direktvertrieb in Comicläden die Zukunft gehörte und nicht der Kiosk-Schiene. Comics wurden bei Marvel jetzt „Graphic Novels“ genannt. Hier werden interessante Zahlen genannt: 1979 verkaufte Marvel nur sechs Prozent seines Ausstoßes über Comicläden. Aber die Umsätze dort waren von 300 000 Doller (1974) und 1,5 Millionen Doller (1976) auf 3,5 Millionen Dollar gewachsen. In Comicläden gab es im Gegensatz zum Grosso, wo nur 20 bis 40 Prozent der Comics effektiv verkauft wurden, keine Remittenten.

    Auch die Cross-Promotion setzte sich fort. Marvel-Comics waren zu dieser Zeit oft „Werbung für etwas anderes“, wie es Howe ausdrückt. Beispiele: Die Helden „ROM Spaceknight“, „Micronauts“ und „Shogun Warriors“ waren Actionfiguren nachempfunden. Gut liefen Filmcomics wie „Star Wars“ und „Battlestar Galactica“. In den 60er Jahren hatte sich die Marvel-Redaktion noch regelmäßig darüber lustig gemacht, dass DC endlose Variationen ihrer Serienstars vom Super-Hund bis zum Super-Pferd auf den Markt warf. Jetzt erfand Stan Lee in kürzester Zeit „She-Hulk“, als das Hulk-Copyright in Gefahr zu geraten schien.

    Howe weist darauf hin, dass Ende der 70er Jahre zwei Ausnahmekünstler bei Marvel anheuerten: Frank Miller und Bill Sienkiewicz. Die Serien „Iron Man“ (mit einem alkoholsüchtigen Tony Stark), „Daredevil“ und „X-Men“ erlebten bemerkenswerte Storylines. Es wird aber auch angemerkt, dass die meisten Serien Routinearbeit waren mit Standard-Kampfszenen und geschwätzigem Erzähltext.

    Von Shooter selbst ist vorerst nicht so viel die Rede. Er nahm durchschnittliche Comics in Kauf, wenn die Produktionstermine eingehalten wurden. In zwei Ausgaben von „X-Men“ und „Avengers“ griff er persönlich ein, weil ihn das Ende nicht zufriedenstellte. Es ging um das Schicksal von Phönix, beziehungsweise von Ms. Marvel.

    Shooter gewann zudem den Machtkampf mit Roy Thomas, der weiter von Kalifornien aus als Freelancer schrieb, aber redaktionelle Sonderrechte verlangte. Shooter setzte durch, dass auch seine Scripts vom zuständigen Redakteur genehmigt werden mußten. Außerdem wurde ihm untersagt, parallel für DC zu arbeiten. Nach einem letzten persönlichen Gespräch mit Galton, Lee und Shooter nahm Thomas seinen Hut und heuerte umgehend bei DC an.

  22. #22
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    Kapitel 10 ist das bisher kürzeste. Wir sind jetzt im Jahr 1980.

    Auf der geschäftlichen Ebene entwickelten sich die Verkäufe in den Comicläden – ohne zwischengeschalteten Großhandel – sehr erfreulich. Der Disco-Comic „Dazzler“ wurde allein über diese Schiene verkauft, und zwar 400 000mal. Vorher hatte man „Savage She-Hulk“ als Verkaufshit angesehen, aber über Kioske und Läden zusammen nur 250 000 Exemplare verkauft. Da die Umsätze stiegen, dachte Marvel nun über eine bessere Bezahlung der Autoren und Künstler nach. Darüber wurde stellvertretend mit Jim Starlin verhandelt. DC stieg nun auch ins direct sales-Geschäft ein.

    Im redaktionellen Bereich wird der Newcomer Frank Miller – neben John Byrne – hervorgehoben. Miller kam 1977 als Fan aus Vermont nach New York und trat in Kontakt mit Neal Adams und Jim Shooter. Adams gab ihm zwar viele Tips, riet ihm aber von einer Comiczeichnerkarriere ab. Shooter sah Potential in Miller und gab ihm die Serie „Daredevil“, die Miller sofort zu einem Verkaufserfolg machte. Byrne übernahm derweil „The Fantastic Four“. Beide waren zugleich Autor und Zeichner.

    Am Ende des Kapitels wird erwähnt, dass Marvel anstrebte, Jack Kirby in das anstehende 20jährige Jubiläum der „Fantastic Four“ einzubinden. Tatsächlich erfuhr Kirby nichts davon, sein Rechtsanwalt untersagte dem Verlag jedoch, mit Kirbys Namen zu werben. Byrne hatte für FF # 236 ein Cover mit Stan Lee und Jack Kirby, umgeben von den maßgeblichen Helden und Schurken der Serie, gezeichnet und musste Kirby dann herausretuschieren. Kirby begann stattdessen gemeinsam mit Steve Gerber, die Serie „Destroyer Duck“ zu produzieren, um damit Marvels Superhit „Howard the Duck“ anzugreifen.

  23. #23
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    Jetzt kommen mehrere kurze Kapitel. In Kapitel 11 verbreitet sich Howe zunächst über den Inhalt von „Daredevil“ in der Frank-Miller-Phase. Miller ließ unter anderem Elektra sterben und erhielt darauf Morddrohungen von Lesern.

    Jack Kirby gab 1982 ein Interview, in dem er Stan Lee die Autorschaft an sämtlichen Marvel-Superhelden absprach. Auch Spider-Man habe er sich ausgedacht, behauptete Kirby. Lee widersprach und stellte klar, er habe sich immer als Angestellter von Marvel gefühlt und halte es für unehrenhaft, nun den Verlag zu verklagen, weil man damals nicht angemessen bezahlt wurde.

    DC machte derweil bei Tantiemenregelungen endlich Nägel mit Köpfen: Bei mehr als 100 000 verkauften Exemplaren erhielten Autor und Zeichner zusammen vier Prozent vom Gewinn. Marvel zog nach, ohne aber den Begriff „Tantiemen“ zu verwenden (auf englisch „royalties“, also eigentlich „Geld, das dem König zusteht“). Verwendet wurde stattdessen der Begriff „incentives“, also etwa „Prämien“.

    Miller spielte darauf das Verlagswechsel-Spiel. Er ging zu DC, erhielt dort mehr Geld sowie eine besondere Namensnennung bei seiner neuen Serie „Ronin“ und Rechte an der Figur.

    Aber auch Marvel machte kurz darauf einen wichtigen Schritt: Jim Shooter gründete „Epic Comics“; beim gleichnamigen Magazin und anderen Veröffentlichungen unter dieser Marke erhielten die Künstler eine Gewinnbeteiligung und behielten ihre Urheberrechte.
    Geändert von Peter L. Opmann (18.12.2012 um 21:40 Uhr)

  24. #24
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    (Leider bin ich jetzt drei Tage nicht zum Lesen gekommen. Aber jetzt geht's weiter.)

  25. #25
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    Im 12. Kapitel steht Shooters Führungsstil im Mittelpunkt. Er dachte inzwischen über einen Big Bang nach, den Versuch, das Marvel-Universum völlig neu zu starten. Bei Serien, die sich schlecht verkauften, wirkte er auf jeden Fall darauf hin, Protagonisten oder andere wichtige Charaktere sterben zu lassen und mit neuen Figuren, die frei von den Regeln der Continuity waren, neu zu beginnen. Das betraf etwa „Thor“, „Masters of Kung Fu“ und „Moon Knight“. „Spider-Woman“ sollte ohnehin sterben...

    Das war meist für die jeweiligen Autoren und Zeichner schwer zu verdauen, da sie die Serien in der Regel jahrelang betreut hatten. Shooter war darüber vor allem im Konflikt mit Redakteur Doug Moench, aber die Geschichte wird von Beteiligten und Zeugen unterschiedlich erzählt. Die übrigen Angestellten schreckten davor zurück, sich mit Shooter anzulegen. Moench ging am Ende zu DC.

    Das Marvel-Universum war nicht mehr zu handhaben, obwohl nun die Arbeit am „Official Handbook of the Marvel Universe“ begann, was ein Knochenjob gewesen sein muß. Interessant fand ich, daß offenbar die Presse an der Sache Anteil nahm. Die Marvel Redaktion konnte sogar Pressekonferenzen veranstalten und zu Spekulationen über verschiedene Serien Stellung nehmen. Deutsche Medien würden in einem solchen Fall wohl nicht mal eine Pressemitteilung anlesen.

    Howe resumiert, Marvel Comics bekam zu dieser Zeit ein Bösewicht-Image - „the Evil Empire“. Aber um 1982 war Marvel insgesamt wieder profitabel. Wie zu lesen ist, bedeutete „schlecht verkaufen“ damals, daß eine Serie durchaus noch Gewinn machte. 1981 hatten die Umsätze immerhin um 20 Prozent zugenommen. Marvels erste Miniserie, „Marvel Super Hero Contest of Champions“, kam auf den Markt.

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