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    Manga von Sanae Rokuya

    US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Ein kleines abgeschottetes Königreich in einer lang zurückliegenden Zeit.

    Vier Jahre ist es her, seit der Thronfolger Prinz Yasuharu aus dem Palast floh um der drückenden Last der Verantwortung, das Land einmal regieren zu müssen, zu entgehen.

    Seitdem lebt er unter dem Namen Taichi in einem einsamen Anwesen. Nicht einmal Yoichi, den er einst von der Straße auflas und der ihm seither als treuer Freund zur Seite steht, weiß wer er in Wahrheit ist. Nur der örtliche Polizist Yasuda, der Yasuharu dabei hilft, sein Geheimnis zu hüten, kennt seine Identität.

    Nun liegt der König im Sterben, und am Hof gibt es Kräfte, die nicht darauf vertrauen wollen, dass Yasuharus Desinteresse an der Nachfolge anhalten könnte. Um sicherzugehen, dass der junge Prinz tatsächlich niemals wieder auftaucht, um den Thron zu beanspruchen, beauftragen sie zwei Attentäter damit, Yasuharu ausfindig zu machen und zu ermorden.

    Bewertung des Inhalts:

    Entgegen dessen, was die Inhaltsangabe vermuten lässt geht es in Sachen Action in diesem Manga alles andere als in die Vollen.

    Es gibt einige wirklich großartige Momente. Wenn Yasuharu

    das Schwert von Yasuda mit seinem Eßstäbchen aufhält, um einen der Attentäter zu retten und dabei nur mit Blicken, Worten und seiner Haltung eine unglaubliche Autorität ausstrahlt,

    denkt man spontan, dass jeder Zoll von ihm ein wahrer König ist.

    Es gibt einige sehr gelungene Rückblenden, wie das Kennenlernen von Taichi und Yoishi oder kurze Episoden aus der Vergangenheit der beiden potenziellen Attentäter.

    Und es gibt die eine oder andere starke Szene, von denen sich die meisten um Yasudu ranken. Insbesondere seine

    Festnahme, das anschließende Verhör sowie sein späteres Zusammentreffen mit Yasaharu

    sind intensiv und zeigen, dass in der Geschichte weitaus mehr Potenzial steckt als letztlich genutzt wurde.

    Es gibt zwar eine Fülle interessanter Protagonisten, allen voran die beiden potenziellen Attentäter, Yasadu und natürlich der junge Thronfolger wider Willen. Doch der Leser erfährt einen Großteil der Informationen über sie und ihre Beziehungen untereinander einfach nur dadurch, dass Person A diese Person B erzählt. Diese Form der Mitteilung wäre selbst in einem klassischen Roman auf Dauer ein wenig eintönig. In einem visuellem Medium wie einem Manga, das von der Kraft und dem visuellen Ausdruck insbesondere seiner Bildsprache lebt, ist das nur äußerst bedingt bis gar nicht angebracht, da es rasch Langeweile aufkommen lässt.

    Insbesondere über die eigentliche Hauptperson Prinz Yasuharu erfährt der Leser zudem viel zu wenig. Die Begründung, warum er aus dem Palast floh ist im Kern zwar traurig, aber gleichzeitig sehr unglaubwürdig.

    Ein Sechzehnjähriger leidet selbstredend unter dem Tod seiner Mutter, aber ein Prinz, der eine entsprechende Erziehung im Hinblick auf die Position des Königs erhalten hat, sollte nicht allein deswegen weglaufen wie ein kleines Kind, das nicht weiß, wie es weitergeht und sich zu Tode ängstigt.

    Da hätte ich mir wirklich etwas mehr an überzeugender Erklärung gewünscht. Leider bleibt mit Ausnahme dieses Momentes die gesamte Vergangenheit des Prinzen vor seiner Flucht völlig im Dunkeln. Insbesondere wird mit keiner Silbe erwähnt, wie sein Verhältnis zu seinem Vater ist. Als Leser kann man nur vermuten, dass es nicht das Beste gewesen sein kann, weil

    der Tod des Königs bei Yasaharu keinerlei Regung hervorruft. Keine Trauer, keine Reue, weil er in den letzten Minuten seines Vaters nicht bei ihm war - einfach gar nichts. Der Manga ignoriert schlicht und ergreifend die Tatsache, dass der tote König immerhin der Vater des Hauptprotagonisten war und macht einfach weiter im Programm, ohne sich auch nur für ein Panel damit aufzuhalten, was Yasaharu fühlt bzw. ob er überhaupt etwas fühlt und falls nicht, warum dem so ist.

    Die Beziehung zwischen dem Prinzen und dem Polizisten Yasuda hätte ebenfalls viel mehr Stoff zum Ausloten geboten. Denn sie reicht bis zur gemeinsamen Zeit im Palast zurück, und Yasuda ist eine interessante Persönlichkeit. Von ihm erfährt man dann auch das Meiste, wobei leider auch bei ihm einiges nur durch Erzählungen anderer vermittelt wird.

    Der Erzählfluss ist ruhig und plätschert streckenweise fast gemächlich vor sich hin. Es gibt wiederholt Momente, in denen es richtig loszugehen scheint. Doch zumeist ist die Action zu ende, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat. Man sieht den Beginn und das Danach, aber der Teil dazwischen, in dem der eigentlich (Schwert)Kampf, eine Hinrichtung, ein Überfall oder was auch immer stattfindet, wird mehr oder weniger komplett übersprungen.

    Mich persönlich stört dies weniger, da ich kein Fan von seitenlangen Fighting-Szenen bin. Indessen dürfte jemand, der diesbezüglich anders veranlagt ist, mit Fug und Recht enttäuscht sein, dass stets genau dann, wenn (endlich) Bewegung in die Sache reinkommt, einfach ausgeblendet wird.

    Das historische Setting ist nett, wird aber im Grunde kaum mehr in die Handlung eingebunden, als dass infolge der Zeit, in welcher die Geschichte spielt, Hinrichtungen, Schwertkämpfe und Folterungen zum normalen Alltag gehören. Die geheimnisvollen Kräfte am Hof, die Intrigen spinnen und die Ermordung des Prinzen beauftragen bleiben genau das: geheimnisvoll. Man sieht sie nur Schemenhaft, Namen fallen nicht, und wie es diesbezüglich weitergeht kann man lediglich vermuten, da

    der Manga am Schluss einfach einen Zeitsprung von zwei Jahren macht, in denen zwar sowohl in Yasuharus Land als auch im Nachbarreich sehr viel (politisch und kriegerisch) passiert. Dies jedoch wiederum nur verbal am Ende in einigen knappen Berichten zusammengefasst wird.

    Nichtsdestotrotz versteht die Geschichte durchaus zu gefallen. Neben interessanten Protagonisten und den eingangs erwähnten gelungenen Szenen enthält sie einige Twists, die man so nicht unbedingt erwartet hätte.

    In Sachen Yaoi sollte man aber auf jeden Fall jegliche Erwartung auf null reduzieren. Denn mit Ausnahme von einigen Küssen zwischen dem Hauptpairing passiert hier diesbezüglich absolut nichts. Eine zusätzliche (künftige) Beziehung zwischen zwei Nebencharas wird zwar impliziert, aber nur so verstohlen, dass man aufpassen muss, diese nicht zu überlesen.

    Bewertung des Artworks:

    Sanae Rokuya hat einen feinen Stil, der teilweise ein wenig skizzenhaft wirkt. Doch dazwischen präsentiert sie immer wieder Panels, die etwas detailreicher sind und gelegentlich einen schlichten Hintergrund zeigen, jedoch nur in sehr begrenztem Maß.

    Ihre Protagonisten sind attraktiv und vor allen Dingen nicht androgyn oder gar feminin. Eine gewisse Grundähnlichkeit zwischen einzelnen Personen ist wie so oft natürlich vorhanden. Aber die Mangaka bemüht sich erkennbar um eine Individualisierung, die über eine unterschiedliche Haarlänge hinausgeht, was ihr insbesondere bei Yasuda ziemlich gut gelungen ist.

    Fazit:

    Wer ein Faible für histroische Settings hat ohne gleichzeitig hohe Ansprüche an eine entsprechende visuelle Ausstattung und/oder (Schwert)Kämpfe etc. zu stellen und einen ruhigen Erzählfluss mag, für den könnte dieser Manga durchaus das Richtige sein.

    Auf wen das alles nicht zutrifft, der läuft Gefahr, die Geschichte als gepflegte Langeweile in schönen Bildern zu empfinden.

    Persönlich bewege ich mich irgendwo in der Mitte.

    Ich würde nicht so weit gehen, Red als Fehlkauf zu betrachten, da er einige Dinge an sich hat, die ich mag und in der richtigen Stimmung gelesen bei mir durchaus punkten kann. Doch ob ich ihn noch einmal kaufen würde, wäre wohl eher zu bezweifeln.

    Dies obwohl die US Ausgabe ein Großformat und einen separaten Hochglanzschutzumschlag hat, dessen Motiv mir wahnsinnig gut gefällt. Aber eine tolle Verpackung allein reicht halt dann doch nicht immer aus - auch wenn ich das Cover-Bild mit Freuden als Poster eingerahmt an meiner Wand hätte.
    Geändert von Sujen (07.09.2012 um 14:16 Uhr)

  2. #77
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    Don't Rush Love

    Manga von Mio Tennohji - US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Als sein Vater überraschend nach Übersee versetzt wird, muss Morino mitten im Schuljahr von einer regulären Schule in eine mit angeschlossenem Internat wechseln. Dort verliebt er sich Knall auf Fall in seinen Zimmergenossen Kusama. Dieser hat jedoch nur Augen für den Lehrer Kanzaki-Sensei.

    Die ersten beiden Kapitel dieses Mangas erzählen wie Morino und Kusama ungeachtet des anfänglichen inneren Widerstrebens des Letzteren am Ende ein Paar werden.

    Danach folgt ein Kapitel, in dem es zu den BL-typischen Missverständnissen und Unsicherheiten kommt.

    In den letzten beiden Kapiteln lernt der Leser dann zusätzlich noch Kusamas Zwillingsbruder Riichi kennen, der seit seiner Kindheit in ihren Onkel Seiji verliebt ist.

    Zum Schluss gibt es noch eine vierseitige Bonusstory, die sich wieder ausschließlich um Kusama und Morino dreht.

    Bewertung des Inhalts:

    Inhaltlich gibt es nichts, wodurch sich Don't Rush Love sonderlich auszeichnet. Die Geschichte ist reichlich klischeehaft, was durch den episodenhaften Aufbau nicht unbedingt verbessert wird.

    Solange Kusama und Morino im Zentrum des Geschehens stehen, ist der Manga trotzdem ziemlich unterhaltsam. Die Beiden haben eine nette Dynamik, und die Konstellation, dass Morino

    sich Kusama als Ersatz anbietet, damit dieser nicht länger seinen (sexuellen) Frust ob der Tatsache, dass er Kanzaki-Sensei nicht haben kann, abreagiert, indem er Nacht für Nacht ihr Zimmer verlässt und sich außerhalb der Schule durch die Gegend p..opp..t

    hat aus Sicht eines Yaoi Fans durchaus einen gewissen Charme.

    Aber ab dem Moment, in dem Kusamas identisch aussehender Zwillingsbruder Riichi samt seiner Leidenschaft für den Bruder seiner verstorbenen Mutter in den Fokus rückt, driftet die Geschichte in eine Mischung aus Kitsch, Pathos und Absurdität ab, die selbst für BL-Verhältnisse übertrieben dick aufgetragen ist.

    Dass sich ein Protagonist im zarten Kindesalter bereits in einen älteren Mann verliebt, taucht ja recht oft auf. Dass dieser ältere Mann sein Onkel und damit blutsverwandt ist, kommt ebenfalls häufiger vor. Aber dass besagter Onkel seinerseits

    jahrelang heimlich in seinen verstorbenen Schwager, sprich den Vater des Jungen verliebt war

    ist irgendwie dann doch mal ein Ticken too much.

    Leider bleibt bei diesen letzten beiden Kapiteln zudem auch der Humor, der bis dahin immer wieder aufblitzte und die Geschichte angenehm auflockerte, auf der Strecke. Dieser kehrt erst wieder in der kleinen, witzigen Bonusstory ganz am Schluss zurück.

    Indessen werden alle diese Mankos durch die Yaoi Parts hinreichend ausgeglichen - vorausgesetzt man gehört so wie ich zur Gruppe derer, die eine schwächelnde Handlung großzügig verzeihen, sofern es gleichzeitig ordentlich knistert und heftig zur Sache geht.

    Letzteres ist hier definitiv der Fall. Es gibt ziemlich viele Sexszenen, und alle sind überaus explizit und vom Härtegrad ohne weiteres mit Werken wie Finder vergleichbar. Man sieht wirklich alles oft und reichlich und vollkommen unzensiert.

    Bewertung des Artworks:

    Mio Tennohji hat einen Zeichenstil, an den man sich gewöhnen muss. Ihre Protagonisten haben unnatürlich lange Hälse und auch sonst stimmen die Proportionen oftmals überhaupt nicht. In manchen Panels haben die Jungs im Vergleich zu viel zu kleinen Köpfen klobige Körper mit überlangen Armen, und immer wieder werden ihnen viel zu große, abstehende Ohren verpasst.

    Interessanterweise sind die Yaoi Parts weniger fehlerbehaftet, so als hätte die Mangaka sich diesen mit einem Übermaß an Sorgfalt gewidmet.

    Gleiches gilt für die Close-Ups von Gesichtern, speziell der jeweiligen Semes. Diese schauen nämlich in der Regel auf ihre eigene Art und Weise sehr attraktiv und sexy aus und haben es drauf, sich mit intensiven Blicken auszudrücken.

    Zudem erkennt man im Verlauf des Manga betreffend die fehlerhaften Proportionen eine deutliche und sehr erfreuliche Verbesserung.

    Insgesamt betrachtet gefällt mir Mio Tennohjis Artwork trotz unverkennbarer Schwächen ziemlich gut. Es ist ausgesprochen individuell und hat einen hohen Wiedererkennungswert, was ich Beides überaus mag und schätze.

    Fazit:

    Wer einen Yaoi Manga vornehmlich um des Yaoi wegen liest und darüber hinaus keine allzu hohen Ansprüche an die Handlung stellt und mit dem individuellen Stil Mio Tennohjis zurechtkommt, kann mit Don't Rush Love vermutlich nicht allzu viel falsch machen.

    Alle anderen sollten sich eine Anschaffung zweimal überlegen, zumal die Ausgaben von 801 Media mit preislich um die EUR 13,00 wahrlich eine kostspielige Angelegenheit sind.
    Geändert von Sujen (07.09.2012 um 22:42 Uhr)

  3. #78
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    U Don't Know Me

    Manhwa von Rakun - US Ausgabe von Netcomics



    Inhalt:


    Seyun und Yoojin sind seit ihrer Kindheit eng befreundet. Obwohl sie als Jugendliche verschiedene Schulen besuchen verbringen sie nach wie vor ihre Freizeit miteinander und Seyun geht bei Yoojin zuhause ein und aus.

    Ist es wirklich nur Freundschaft, was die Beiden füreinander empfinden? Ist Seyun tatsächlich so zart und zerbrechlich wie seine äußere Erscheinung es vermuten lässt? Was ist mit den seltsamen Gerüchten, die über ihn die Runde machen? Kennt Yoojin seinen Freund wirklich, oder weiß er nur das, was er von ihm wissen soll und darf?

    Bewertung des Inhalts:

    Die Beschreibung klingt im ersten Moment wie eine 0815 BL-Story wie man sie schon zigmal gelesen hat.

    Doch U Don't Know Me ist weit mehr als das. Die Handlung ist sehr komplex und bezieht neben Seyun und Yoojin auch deren Familien und Freunde mit ein. Alle sind eigenständige, interessante Persönlichkeiten, insbesondere natürlich die beiden Hauptprotagonisten.

    Die Geschichte wird aus Seyuns Sicht erzählt, wodurch der Leser erstaunliche Einblicke in Facetten seines Lebens erhält, von denen Yoojin bis zum Schluss kaum mehr als eine vage Ahnung hat. Obwohl es infolge von Gerüchten relativ rasch bereits zu einer Situation kommt, in der Yoojin

    rücksichtslos über Seyun herfällt

    wird schon bald darauf klar, dass Seyun ohne weiteres

    in der Lage gewesen wäre, sich zu wehren - ja mehr noch, Yoojin im wahrsten Sinne des Wortes platt zu machen.

    Denn der schmale, zierliche Seyun benimmt sich lediglich gegenüber Yoojin und dessen Familie als wäre er ein sanftes, niedliches Rehkitz. Während er sobald er außerhalb ihrer Sichtweite ist

    mit einem Schmetterlingsmesser in der Tasche herumläuft und jeden, der ihm dumm kommt mit Fäusten auf die Bretter schickt, mag der auch doppelt so hoch und breit sein wie er selbst. Weswegen er in seiner eigenen Schule gleichermaßen respektiert wie gefürchtet wird.

    Doch davon soll Yoojin möglichst nichts wissen. Schließlich wünscht Seyun sich nichts mehr als mit Yoojin zusammen zu sein, und nachdem die anfänglichen Missverständnisse ausgeräumt und die zwei sich einig sind, dass sie viel füreinander empfinden, wird der ansonsten toughe Seyun in Yoojins Armen zu einem schnurrenden Kater - der genau weiß, was es will und wie er es bekommt. Nicht umsonst hat er sich

    jede Menge Tipps und Tricks von seinem Freund Sun geben lassen, der sich das Geld fürs zukünftige Studium damit verdient, dass er neben der Schule seine Körper verkauft.

    Natürlich gibt es auch hier die klassischen Unsicherheiten und (grundlosen) Eifersüchteleien. Doch sie sind ganz natürlich in die Handlung eingebettet, ohne aufgesetzt oder pathetisch zu wirken.

    Ganz wunderbar ist insbesondere auch die Darstellung von Yoojings Eltern. Sein Vater ist mit Seyuns Vater selbst eng befreundet, und seine Mutter hat sich stets einen zweiten Sohn gewünscht, der genauso wie Seyun ist. Ihre Interaktionen mit Seyoun sind wundervoll und ihre Reaktionen als sie erfahren, was zwischen ihrem Sohn und dessen Freund läuft gehören zu den zahlreichen starken Momenten. Wenn Yoojins Vater spontan

    seinen Sohn schlägt, weil dieser es gewagt hat, Hand an das "niedliche sanfte Rehkitz" Seyun zu legen, und er später, nachdem er begriffen hat, dass die beiden sich lieben, sich bei Seyuns Vater entschuldigt und ihn darum bittet, ihnen Seyun als "Schwiegersohn" zu überlassen

    ist das bewegend. Wenn Yoojins Mutter

    weint, weil sie nicht verstehen kann, wie das passieren konnte und von Seyun getröstet und um Verzeihung gebeten wird und sie aus Liebe zu Yoojin und Seyoun ihre Beziehung akzeptiert und ihnen gemeinsam mit ihrem Mann helfen will, was so weit geht, dass sie Seyun anbieten bei ihnen zu leben.

    ist das sehr menschlich und ergreifend.

    Neben all den gefühlvollen Parts gibt es immer wieder etwas Action, das sich vorrangig um Seyun dreht.

    Dessen bester Kumpel ist nämlich nicht nur der Enkel eines dubiosen Geschäftsmannes, sondern hat zudem einen älteren Bruder, der es auf Seyun abgesehen hat.

    Der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Im Gegenteil. Es gibt herrlich witzige Szenen. Insbesondere wenn Yoojins Vater einmal wieder meint, das süße unschuldige Lämmchen Seyun vor dem großen bösen Wolf Yoojin beschützen zu müssen, ist das einfach zu herrlich. Zumal es meistens umgekehrt ist und eigentlich Yoojin Derjenige ist, der im Zweifel Gefahr läuft, von Seyun nicht mittels eines gezielten Treffers auf den Solar Plexus niedergeschlagen zu werden.

    Yaoi gibt es reichlich, wobei Geschlechtsteile jedoch nur schemenhaft bis gar nicht gezeigt werden. Ob non-con enthalten ist, kann nicht so eindeutig beantwortet werden. Zwar gibt es diese eine Situation ziemlich am Anfang. Doch Seyun stellt kurz darauf in einer eindrucksvollen Szene klar, dass Yoojin nur tun konnte, was er tat, weil er es zugelassen hat, und wenn dabei

    die Klinge von Seyuns Schmetterlingsmesser unmissverständlich an Yoojins Hals liegt,

    klingt dies überzeugend, und wenn wenig später ein Flashback zeigt, was Seyun

    mit demjenigen gemacht hat, der Ursache des Gerüchtes war, welches Yoojin so aushaken ließ,

    wird die Überzeugung, dass dies in der Tat trotz allem wohl kein non-con war, zur Gewissheit.

    Bewertung des Artworks:


    Rakuns Zeichnungen sind überaus gelungen. Die Protagonisten sehen individuell aus, und die Blicke und Mienen sind wirklich ausdrucksvoll.

    Seyun iund Yoojin sind attraktiv und ziemlich verführerisch bzw. sexy.

    Hintergründe gibt es nur wenige, und die Bilder sind gelegentlich mal etwas klein geraten. Doch dies sind nur minimale Mankos.

    Fazit:

    U Don't Know Me ist ein toller Manhwa, der mehr als geeignet ist, mit den leider bei Manchen vorherrschenden Vorurteilen aufzuräumen, dass Werke aus Korea schlechter wären als solche aus Japan.

    Wären nicht die koreanischen Namen, ich ginge jede Wette ein, dass diese "Kritiker" nicht einmal merken würden, dass dies ein Mahwa und kein Manga ist. Zumal die Leserichtung hier von rechts nach links verläuft.

    Die Ausgabe von Netcomics ist sehr hochwertig gemacht. Allerdings wurde leider nicht das in dieser Rezi (sowie überall sonst) abgebildete (Vorschau)Cover verwendet. Das eigentliche Cover ist zwar auch nicht schlecht, und dass es sich über den gesamten Umschlag bis aufs hintere Cover erstreckt, ist hübsch gemacht. Doch von den Farben und der Körperhaltung her gefällt mir dennoch das Vorschau-Cover besser.

    Hinweis:

    Dieser Manhwa war eine Weile vergriffen, wurde jetzt aber von Netcomics neu aufgelegt. Man bekommt ihn mittlerweile auch wieder problemlos zum Beispiel hier bei

    booksdepository:

    http://www.bookdepository.co.uk/U-Do.../9781600091360

    oder zum regulären Preis über den

    amazonmarketplace

    http://www.amazon.de/U-Dont-Know-Me-...cm_cr-mr-title
    Geändert von Sujen (08.09.2012 um 16:33 Uhr)

  4. #79
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    The Man I Picked Up

    Manga von C.J. Michalski - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    The Man I Picked Up enthält insgesamt sieben Kurzgeschichten, von denen jeweils die ersten vier sowie die letzten drei nebst einer kurzen Bonusstory jeweils zusammenhängen.

    Aufhänger der ersten vier Geschichten ist die Schwulenbar Garcon, in der ausschließlich niedliche junge Männer als Kellner arbeiten, die gegen Bezahlung den Gästen auch weitere Dienste anbieten.

    In der ersten Geschichte lädt der Barbesitzer Takami seinen geschiedenen Freund Michiya zu einem gemeinsamen Wochenende in seiner Hütte in den Bergen ein. Dort trifft Michiya jedoch statt Tamaki den jungen Sumio an, mit dem er zudem in der Hütte eingeschneit wird.

    Die zweite Story handelt von dem jungen Kellner und Callboy Housaku Yamada, der eines Abends in einem neuen Gast den Sempai Tanako wiedererkennt, in den er in der Hifgschool heimlich verliebt war.

    Die dritte und die vierte Story drehen sich um die Beziehung zwischen dem Eigentümer des Garcon, Takami und den jungen Mann Kouta, den er eines Nachts verwundet vor der Tür findet und bei sich in der Bar aufnimmt.

    Die letzten drei Geschichten sowie die vierseitige Bonusstory ranken sich um einen Club von Highschülern, deren erklärtes Ziel es ist die Fahne der echten Männlichkeit hochzuhalten. Insbesondere der Vorsitzende Hanazono ist wild entschlossen sich stets wie ein echter Macho zu verhalten, um die Schmach seines weibisch klingenden Namens dadurch auszumerzen. Da erweist sich der süße Takeo, der sein Herz an Hanazono verloren hat, als echter Störfaktor. Denn Liebeskram ist nichts für harte Kerle - oder etwa doch?

    Bewertung des Inhalts:


    Die erste Geschichte ist niedlich. Die Idee, dass Takami

    ein Stelldichein zwischen Michiya und einem seiner Boys inszeniert, um seinen Freund in höchst eigenem Interesse auf den männlichen Geschmack zu bringen

    ist recht originell, und dass der

    der Schuss letzltich nach hinten losgeht, weil Michiya zwar durchaus auf den Geschmack kommt, allerdings mit Sumio statt Takami

    ist eine nette Wendung à la, wer anderen eine Grube gräbt.

    Lediglich die Tatsache, dass Sumio leider (wie so oft bei C.J. Michalski) aussieht als wäre er höchstens sechzehn, ist unerfreulich. Insbesondere weil es eine sehr grafische Sexszene gibt, in der er zudem noch jünger wirkt.

    Die zweite Geschichte ist extrem kurz. Doch da sie das Problem "wie soll sich was auf wenigen Seiten vernünftig entwickeln" dadurch löst, dass

    Housaku nicht der einzige war, der bereits in der Schule verliebt war, sondern Tanako ähnlich fühlte, sich aber nicht traute, sich an einen jüngeren Schüler "ranzumachen"

    werden einige Seiten eingespart, so dass die Geschichte trotz der Kürze in sich rund und stimmig ist. Lediglich das Ende kommt ein wenig abrupt.

    Der Uke ist hier zwar auch jung, sieht aber zumindest nicht minderjährig aus. Erneut gibt es Yaoi, aber diesmal etwas weniger grafisch.

    Die Stories drei und vier sind die Besten des Bandes. Der junge Kota, der offenbar

    Verbindungen zur Unterwelt hat, die jedoch nicht weiter beleuchtet werden

    ist ein Seme Marke knuffiger Teddybär. Dazu der smarte, selbstbewusste Takami als Uke, der stets bei allem die Kontrolle und die Zügel in der Hand hat. Dieses Pairing hat eine gute Chemie und Dynamik.

    Die Story rund um Kouta und Takami hätte ausreichend Potenzial gehabt, um einen Band komplett damit zu füllen. Hier wurde meines Erachtens zu viel Potenzial verschenkt, indem der Background von Kouta lediglich oberflächlich angekratzt wurde.

    Zudem sind die Yaoi-Szenen ausgerechnet bei diesen Beiden, von denen keiner unverhältnismäßig jung oder gar kindlich ausschaut, größtenteils relativ zahm. In einem Panel sieht man zwei Geschlechtsteile beim gemeinsamen Masturbieren. Ansonsten bleibt alles unterhalb der Taille dezent verborgen.

    Es hat fast den Anschein als würde C.J. Michalski weitaus lieber Yaoi-Szenen zeichnen, in denen der Uke sich vom Äußeren her im Grenzbereich zu Shota bewegt.

    Dieser Verdacht bestätigt sich spätestens bei den letzten drei Geschichten sowie der Bonusstory.

    Hier ist C.J. Michalski offensichtlich ganz in ihrem "Yaoi"-Element. Zwei blutjunge Uke, von denen der Erste nicht nur vom Äußeren her aussieht wie ein Fünfzehnjähriger. Denn laut Manga ist er ein Erstklässler auf der Highschool. Dies entspricht nach japanischem Schulsystem einem Schüler im Alter von 15. Demgegenüber ist der Seme nicht nur einige Klassen höher und damit im Vergleich deutlich älter, sondern er sieht optisch wie ein Erwachsener von über 20 aus.

    Dazu kommt die eindeutige - unangenehme - Darstellungsweise im direkten Zusammenhang mit Yaoi-Szenen.

    Hier ist insbesondere die letzte Seite der siebten Story extrem auffällig. Dort gibt es ein Panel, in dem der zweite Seme aus diesen Geschichten, der sehr groß ist und infolge einer Glatze noch erwachsener aussieht, seinen kleinen Uke, mit dem er gerade heftigen Sex im Bad hatte, über die Schulter geworfen trägt. Dabei sieht der Uke von der Größe aus wie höchstens Zehn, was dadurch noch betont wird, das seine Füße, die herabhängen, sehr klein und kindlich dargestellt werden, während die Beine seines Semes ausgewachsene Männerformen haben. Direkt daneben gibt es ein Bild, das Hanazono und Takeo gemeinsam im Bett zeigt, in dem sie gerade ebenfalls heftigen Sex hatten. Hanazono liegt gezeichnet als kräftiger, erwachsener Mann da, während Takeo als zarter kindlicher Junge dargestellt ist.

    Einmal davon abgesehen, sind diese letzten Geschichten sowohl inhaltlich als auch von der Umsetzung ziemlich misslungen. Die Charaktere sind völlig überzeichnet, die Handlung absurd, ja geradezu lächerlich. Offenbar sollen diese Stories als Comedy gedacht sein. Dies legt zumindest die Art der Darstellung nahe. Vielleicht kann ja auch der eine oder andere darüber lachen. Ich empfand es lediglich als furchtbar überdreht und albern. Die einzige ansatzweise lustige Szene war in meinen Augen die

    Begegnung mit der Mutter des zweiten Semes, die so gar nicht mütterlich aussieht, sondern eher ziemlich nuttig.

    Hanazone sieht an sich durchaus sehr attraktiv und männlich aus. Doch sein prolliges Machogehabe und insbesondere die Kombination mit diesem kindlichen Uke, sind einfach fürchterlich.

    Besonders schlimm ist dabei der Moment, als die beiden das erste Mal miteinander Sex haben. Wenn Hanazono seinen Uke, der gerade in diesen Szenen besonders jung gezeichnet ist

    im wahrsten Sinne des Wortes durchnagelt und dabei die berauschende "Erkenntnis" gewinnt, dass die Tatsache, dass er einen Jungen f*** die "Krönung und Bestätigung seiner eigenen Männlichkeit" ist

    zieht sich bei mir alles vor Widerwillen zusammen.

    Bewertung des Artworks:

    Die Geschichten in diesem Band sind zwischen 2006 und 2009 entstanden, und man kann an ihnen sehr gut ablesen, wie die Mangaka sich entwickelt und verbessert hat.

    Die Gesichter schauen durchweg hübsch und bei den erwachsen gezeichneten Protagonisten sehr attraktiv aus.

    Doch in den Stories von 2006 und 2007 hat C.J. Michalski definitiv noch erhebliche Probleme mit den Proportionen gehabt. Die Köpfe sind teilweise zu klein, dafür sehen Gliedmaßen, speziell Arme oftmals zu groß und unförmig aus. Gleiches gilt für die Körper als Ganzes.

    In den neueren Stories von 2009 stimmen die Proportionen zwar auch nicht immer. Doch die schlimmsten Fehler treten nicht mehr bzw. nur noch minimal auf.

    Auch diesbezüglich wäre es somit vorteilhafter gewesen, die Geschichte rund um den Barbesitzer Takami und seinen Lover Kouta auszubauen und daraus einen komplett eigenen Band zu machen. Denn diese sind nicht nur inhaltlich am besten, sondern zudem zeichnerisch die jüngsten und damit die gelungensten.

    Fazit:


    Die erste Hälfte dieses Manga, die sich um die Schwulenbar Garcon dreht, hat mir - trotz des etwas grenzwertigen Äußeren des Ukes in der ersten Story - ziemlich gut gefallen.

    Inhalt und Umsetzung der zweiten Hälfte rund um den Machoclub haben mir hingegen überhaupt nicht zugesagt, und die eindeutigen Shota Tendenzen haben mich massiv gestört.

    Ich bin gewiss nicht prüde, und ich billige jedem Leser einer fictionalen Geschichte grundsätzlich bis zum Beweis des Gegenteils zu, dass er Fantasy und Realität strikt und sauber in seinem Kopf trennt.

    Doch soweit es mich betrifft, finde ich keinerlei Gefallen an Shota.

    Ich mag es schon nicht sonderlich, wenn ein Uke, der minderjährig aussieht mit einem Seme gezeigt wird, der eindeutig erwachsen ist - und wenn der Uke zudem dann auch noch tatsächlich minderjährig IST, wird damit bei mir meine persönliche Grenze endgültig überschritten.
    Geändert von Sujen (09.09.2012 um 19:09 Uhr)

  5. #80
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    Sense & Sexuality

    Manga von You Higashino - US Ausgabe von Kitty Media



    Inhalt:

    Tokyo während der Taisho Ära (1912-1926). Die Kindheitsfreunde Matsatsugu und Kuniomi stammen aus reichen Familien und können daher ihre Zeit mit süßem Nichtstun verbringen. Dazu gehören regelmäßige Besuche in einem geheimen Club, in dem Männer, die so wie die Beiden, dem eigenen Geschlecht zugetan sind, Gleichgesinnte treffen können.

    Dort vereinbaren Matsatsugu und Kuniomi eines Abends einen erotischen Wettstreit der besonderen Art. Gemeinsam wollen sie fortan einen hübschen jungen Mann auswählen, den sie dann jeweils beide zu erobern versuchen. Wem dies als Erster gelingt, der ist der Sieger dieser Runde und das Spiel beginnt mit dem nächsten Ziel von vorn.

    So ist zumindest der aus einer trunkenen Laune heraus geborene Plan, der in der ersten Hälfte der Geschichte in drei Episoden umgesetzt wird.

    Doch sind amouröse Abenteuer dieser Art tatsächlich das, wonach Masatsugu und Kuniomi wirklich suchen?

    Warum weiter in die Ferne schweifen, wenn der Gute liegt so nah?

    Wäre da nicht das kleine Problem, dass keiner von Beiden bereit ist, jener Gute zu sein, der (unten) liegt.

    Der Klärung dieser entscheidenden Frage widmet sich die zweite Hälfte des Manga, die durchgehend erzählt wird.

    Bewertung des Inhalts:


    Bei solchen wer-legt-jemanden-zuerst-flach-Wetten drängt sich fast zwangsläufig beim Leser der Gedanke auf, dass dabei der "Gegenstand" der Wette ausgenutzt und seine Gefühle absichtlich verletzt werden. Protagonisten, die sich so verhalten, sind somit nicht unbedingt spontane Sympathieträger - im Gegenteil.

    You Higashino war sich dieses Problems offenbar deutlich bewusst und löst es elegant und sehr charmant einfach damit, dass

    alle drei Jungen, um die Matsatsugu und Kuniomi wetteifern, ihrerseits ohnehin ihr Herz bereits anderweitig vergeben haben, und es letztlich die jeweilige erotische Begegnung mit einem der Playboys ist, die dazu führt, dass die wahren Liebenden am Ende zueinander finden.

    Infolge dieser geschickte Vorgehensweise, werden Matsatsugu und Kuniomi bei allem nicht als skrupellose Verführer sondern als warmherzige, verständnisvolle und mitfühlende Helfer, Retter und Beschützer porträtiert.

    Das ist für den Leser überaus angenehm, denn dank dessen kann er frei von jeglichen Schuldgefühlen dazu stehen, diese beiden ebenso attraktiven wie charismatischen Playboys absolut hinreißend zu finden.

    Die drei Episoden, die sich um den amourösen Wettstreit drehen, unterscheiden sich durch unterschiedliche Settings.

    Einmal geht es um einen unschuldigen Grafensohn, dann um einen berühmten, doch unglücklichen Sänger und schließlich noch um einen Jungen, der als männliche Prostituierte in einem Bordell leben muss.

    Dadurch bleibt die Sache trotz der gleichen Zielstellung in Form der Eroberung, interessant und abwechslungsreich.

    Alle drei Episoden werden zugleich gefühlvoll und überaus erotisch dargestellt. Die jeweiligen Jungen, um die es geht, bleiben nicht eindimensional. Sie haben jeweils eine eigene Persönlichkeit und ein Leben, das sich durch die Begegnung mit Matsatsugu und Kuniomi zum Besseren wendet. In jeder Episode gibt es explizite Yaoi Szenen, die zudem unzensiert sind, jedoch keinerlei non-con enthalten, auch keines, das sich im romantisierten Graubereich bewegt.

    Die erste Hälfte ist bereits sehr gelungen, doch die zweite Hälfte toppt das noch einmal. Ab dem Moment, in dem Matsatsugu und Kuniomi sich endlich auf der eigentlichen Zielgeraden befinden, nimmt die Geschichte rasant an Fahrt auf. Da sie ab da durchgehend erzählt wird und sich insbesondere nicht damit aufhalten muss, neue Figuren und Settings einzuführen, kann sie sich voll und ganz auf die Entwicklung der Romanze zwischen den Hauptprotagonisten konzentrieren und hat daneben zudem ausreichend Platz um ein wenig Action um revoltierende Arbeiter aufzugleisen. Letzteres ist bei genauer Betrachtung zwar nicht unbedingt politisch korrekt, da

    die Arbeiter einfach nur als Aufrührer hingestellt werden, obwohl ihre Motive nicht ganz unberechtigt sind, und Matsatsugu später sogar ohne rechtliche Konsequenzen sogar die Arbeiter tötet, die Kuniomi verletzt haben.

    Aber nun gut, das waren andere Zeiten, die man nicht unbedingt mit heutigen (Moral)Vorstellungen bewerten kann.

    Emotional und spannend ist es auf jeden Fall, und in Sachen Yaoi wird in diesem zweiten Teil noch mehr geboten als im Ersten. Es geht überaus heiß und explizit und wiederum völlig unzensiert - und absolut non-con-frei zur Sache.

    Bewertung des Artworks:

    You Higashinos Zeichnungen sind traumhaft schön. Ihre Protagonisten sind attraktiv und insbesondere Kuniomi ist sehr männlich und geht vom Typ her ein wenig in Richtung von Asami aus Finder.

    Gelegentlich gibt es Hintergründe, die ebenso gut und detailliert dargestellt werden wie die Kleidung der Protagonisten. Denn selbstredend war man(n) zu der Zeit als Gentleman stets gut und vornehm gekleidet.

    Interessanterweise sind die Protagonisten selbst in den Sexszenen nie völlig entkleidet. Teilweise haben sie sogar ziemlich viel an, was einen reizvollen Kontrast zum erotischen Tun bildet.

    Fazit:

    Sense & Sexuality ist ein wunderbarer Manga, der ein Paradebeispiel dafür ist, dass explizites Yaoi wunderbar mit einer tollen gefühlvollen Handlung einschließlich Actionanteil verbunden werden kann, und zwar ohne jegliche Form von non-con.

    Dazu das exotische historische Setting und das wunderschöne Artwork, bei dem wirklich alles stimmt.

    Dieser Manga ist aus meiner Sicht der perfekte Einstieg in das Thema Yaoi.

    Einziges Manko: Er ist vergriffen, und da der US Verlag Kitty Media leider nicht mehr existiert, wird es definitiv auch keine Neuauflage geben. Man bekommt Sense & Sexuality allerdings noch gebraucht zu bezahlbaren Preisen.

    Ansonsten wäre dies ein Titel, der wie geschaffen ist, um in Deutschland zu erscheinen. Gewünscht habe ich ihn mir bereits bei Tokyopop, und vielleicht mag der eine oder andere diesen meinen Wunsch ja im Tokyopop Wunschthread hier im Forum unterstützen.
    Geändert von Sujen (09.09.2012 um 15:19 Uhr)

  6. #81
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    Hot Steamy Glasses

    Manga von Tatsumi Kaiya - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Takeo Aoba ist 29 und hat in seinem Leben scheinbar alles erreicht. Er leitet seine eigene erfolgreiche Firma, die gerade an der Börse notiert wurde, und er schwimmt im Geld. Indessen, was nützt all das, wenn Fumiyaki Suzuki, der Mann, den er seit 17 Jahren liebt, seine Gefühle nicht erwidert?

    Seit ihrer gemeinsamen Schulzeit sind sie befreundet, und seitdem drehen Takeos Gedanken und Gefühle sich ausschließlich um seinen Fumi-chan. Doch ganz gleich wie oft Takeo ihm seine Liebe auf dem silbernen Tablett darbietet, ihm vorschlägt, zu ihm in sein riesiges Penthouse zu ziehen, seine Arbeit als kleiner Beamter aufzugeben und sich von ihm auf Händen tragen zu lassen. Fumi-chan denkt nicht einmal im Traum daran, mit einem Kerl zusammen zu sein. Schon gar nicht mit einem, der nicht nur eine riesige Otaku-Sammlung von Moe Manga nebst Merchandise sein eigen nennt, sondern zudem auch noch äußerlich wie ein Otaku rumläuft.

    Wird Takeo bis ans Ende seiner Tage vergeblich um die große und einzige Liebe seines Lebens werben? Oder schafft er, seinen Fumi-Chan am Ende vielleicht doch von seinen Qualitäten und seinen tiefen, grenzenlosen Gefühlen für ihn zu überzeugen?

    Neben dieser Hauptgeschichte enthält der Manga noch eine 24seitige Bonusstory mit "umgekehrten Vorzeichen". Denn hier ist es der junge Schriftsteller Naomi Hirose, der sich vor (scheinbar) unerwiderter Liebe zu Aki Aoba (dem Cousin von Takeo Aoba aus der Hauptstory) verzehrt.

    Bewertung des Inhalts:

    Die Grundkonstellation von Hot Steamy Glasses mag klischeehaft sein, aber die Umsetzung ist richtig klasse.

    Das liegt zum einen an dem überaus unterhaltsamen Erzählstil, bei dem sich spritziger Wortwitz und trockener Humor die Klinke in die Hand reichen.

    Zum anderen gibt es neben den beiden auf ihre Art sehr charismatischen Hauptprotagonisten noch zwei weitere zentrale Figuren, die es so richtig in sich haben.

    Einmal Shogo Suzuki, seines Zeichens jüngerer Bruder von Fumiyaki, der im Verlauf der Geschichte in Takeos Firma anfängt. Schon vorher ist Shogo ein Fan von Takeo. Er steht uneingeschränkt auf dessen Seite und hilft ihm so gut er kann mit Tipps und Tricks, auch wenn er ganz offen die Meinung vertritt, dass Takeo sein Herz nicht an den selbstsüchtigen Fumi-chan verschleudern, sondern sich besser einen Lover suchen sollte, der netter ist und ihn mehr verdient.

    Einige Kapitel werden aus Shogos Sicht und seinem ganz subjektiven Blickwinkel erzählt, was ein witziges "anderes Licht" auf seinen "nervigen, egoistischen" Bruder Fumi-chan und den zugleich "bewundernswerten wie bemitleidenswerten" Takeo wirft und eine Reihe von Weisheiten und Erkenntnissen mit sich bringt, wie die, dass Liebe so blind macht, dass "selbst eine Pockennarbe zum niedlichen Grübchen wird."

    Daneben gibt es noch Reiko Kawahara, eine smarte Sekretärin in Takeos Firma, die kein Blatt vor den geschminkten Mund nimmt.

    Reiko -"Klar bin ich hinter dem Boss wegen seines Geldes her, aber das heißt nicht, dass ich es nötig habe, jemanden einzufangen, der einem anderen gehört, auch wenn ich nicht verstehe, was er ausgerechnet an Ihnen findet, wo Sie doch intellektuell so unterbelichtet und ansonsten völlig durchschnittlich sind" - Kawahara hat ebenso viele Haare auf den Zähnen wie auf dem cleveren Kopf, jedoch wie sich im Verlauf des Manga zeigt, befindet sich das Herz in ihrer wohlgeformten Brust durchaus auf dem rechten Fleck.

    Ihre verbalen Gefechte mit Fumi-chan, der diese seine persönliche Nemesis hasst wie die Pest, gehören zu den zahllosen Highlights dieses Mangas.

    Wobei der dickste Pluspunkt zweifellos an Takeo geht. Sein verliebter Otaku, der den Boden anbetet, über den sein Fumi-chan schreitet, ist eine unwiderstehliche Mischung aus einem beharrlichem Never-Give-Up-Typ und einem naiv-schüchternen Tollpatsch, der treffsicher jede Gelegenheit seinem Fumi-chan zu beweisen, was für ein toller Kerl er ist, vermasselt.

    Da mietet er extra ein riesiges Appartement und versteckt seine Otaku-Moe-Sammlung in der hintersten Abstellkammer, die er vorsorglich noch mit einem extra Schloss versieht, damit sein Fumi-chan nicht merkt, dass er all den Otaku Kram immer noch hat - und dann vergisst er nicht nur, die Tür abzuschließen, sondern ermuntert Fumi-chan direkt vor dieser Tür zu einer Besichtigung seiner Wohnung, worauf dieser - na klar, spontan das nächste Zimmer betritt, welches genau DAS ist, in dem der Otaku Krempel sich bis zur Decke stapelt.

    Takeos hilflose Verzweiflung, seine wortreichen Entschuldigungen und eifrigen Versuche, alles wieder gut zu machen, was er (vermeintlich) Falsches gesagt oder getan hat, haben etwas Rührendes an sich. So als würde ein niedlicher Hundewelpe ständig dafür Abbitte leisten, dass er nur ein kleines, anhängliches Hündchen ist und kein wilder Löwe.

    Fumiyaka hingegen hat eine Weile gebraucht, um bei mir Sympathiepunkte zu erwerben, weil er anfangs doch recht stark als jemand rüberkommt, der Takeo ausnutzt und rücksichtslos auf dessen Gefühlen herumtrampelt.

    Dieser Eindruck relativiert sich jedoch spätestens in zweiten Kapitel, das aus Fumi-chans Sicht erzählt wird und seine Situation und damit auch sein Verhalten für den Leser nachvollziehbar und damit zugleich ihn als Person verletzlicher und liebenswerter macht.

    Diese wechselnden Blickwinkel sind ein sehr geschickter Schachzug der Mangaka, zumal diese Wechsel jeweils auch mit einem Wechsel im Erzählstil verbunden sind. Auf diese Weise werden die verschiedenen Erzählperspektiven genutzt, um durch die Augen und den Mund verschiedener Personen völlig andere Blickwinkel auf ein und dieselbe Situation zu werfen. Das ist nicht nur sehr unterhaltsam, sondern erzeugt eine zusätzliche Dynamik.

    Das letzte Kapitel katapultiert die Protagonisten und den Leser auf dem Zeitstrahl drei Jahre in die Zukunft von Takeo, seinem Fumi-chan, Shogo und Reiko. Das ist ein sehr süßer Abschluss, der die ohnehin bereits ausgezeichnet gelungene Story perfekt abrundet.

    Die Bonusgeschichte ist ebenfalls sehr sweet und eine schöne Ergänzung.

    Es gibt in diesem Manga nur wenig Yaoi. Lediglich einige ganz dezente Szenen. Ein Bild, in dem ein Blow-Job gezeigt wird, bei dem man aber nur den Hinterkopf zwischen den geöffneten Beinen sieht, ist das Expliziteste.

    Bewertung des Artworks:

    Tatsumi Kaiya hat einen eher schlichten, dabei jedoch modernen Stil, der hervorragend zur Comedy-Atmosphäre dieses Werkes passt.

    Bei dieser Mangaka sind es weniger die Ausdrücke in Gesichtern und Augen, sondern die pointierten Dialoge und das exakte Timing des Humors das, was besonders herausragend ist.

    In Anbetracht dessen, dass ein Manga ein visuelles Medium ist, kann man das zwar an sich bemängeln. Aber einem dermaßen unterhaltsamen Werk kann man deshalb nicht ernsthaft böse sein.

    Fazit:

    Hot Steamy Glasses ist eine charmante und sehr humorvolle Ode an die Kraft der wahren Liebe, die am Ende siegreich ist, ganz gleich wie viele Jahre es dauert und wie viele Mühen erforderlich sind.

    Mich hat dieses Werk blendend unterhalten und ich werde es ganz gewiss noch viele weitere Male mit Genuss lesen und mich dabei köstlich amüsieren.

    Die Ausgabe von Digital Manga June ist sehr schick. Sie hat ein Großformat und einen separaten Hochglanzschutzumschlag, unter dem sich auf dem vorderen und hinteren Deckel jeweils noch ein kleiner witziger Bonus-Comic-Strip verbergen.

    Wer neugierig geworden ist und einen kleinen Blick in diesen Manga werfen will, kann dies dank der von amazon bereitgestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Hot-Steamy-Glas...1&sr=1-1-spell
    Geändert von Sujen (13.09.2012 um 18:00 Uhr)

  7. #82
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    Golden Prince and Argent King

    Manga von Kouko Agawa - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Nach dem Tod seiner Mutter erfährt Yuuki, dass er einer der beiden unehelichen Söhne eines verstorbenen Geschäftsmannes ist. Auf der Sterbebett hat sein Großvater dem legitimen Sohn und Erben Gai das Versprechen abgenommen, seine Brüder zu sich zu holen und für sie zu sorgen. Der ältere von den Beiden, Masumi lebt bereits eine Weile auf dem prächtigen Anwesen und besucht dieselbe Eliteschule, auf die nun auch der jüngere Yuuki geschickt wird.

    Während der offene, fröhliche Masumi versucht Yuuki zu helfen, sich in dieser für ihn so fremden Welt zurechtzufinden, fühlt dieser sich gegen seinen Willen zunehmend zu dem kühlen, unnahbaren Gai hingezogen.

    Bewertung des Inhalts:

    Die Inhaltsangabe von Golden Prince and Argent King impliziert eine inzestiöse Dreiecksgeschichte, was sich im Verlauf der Geschichte jedoch als "Zuviel Schaum - zu wenig Bier" erweist. Denn

    weder gibt es eine echte Dreiecksgeschichte, da Masumi zwar Gefühle fpr Yuuki hat, diese jedoch zu keinem Zeitpunkt ernsthaft erwidert werden. Noch gibt es Inzest, da Gai sich am Ende als Ergebnis eines Fehltritts der legitimen Ehefrau von Yuukis Vater - und damit als nicht blutsverwandt herausstellt.

    Von der Warte aus betrachtet ist dieser Manga somit letztlich eine Mogelpackung.

    Abgesehen davon bewegt sich die Geschichte konsequent auf den vertrauten Pfaden dessen, was im BL-Bereich der übliche Standard ist.

    Der Aufbau ist solide und abgesehen von einem kleinen Twist am Schluss, der für den Leser allerdings nicht sonderlich überraschend kommt, dementsprechend fad.

    Mit Drama und den üblichen Missverständnissen à la "Er geht mir aus dem Weg, weil er mich hasst" wird nicht gespart, und es wird sogar eine klassische non-con Situation eingebaut, aus welcher das Opfer Yuuki gerettet werden muss.

    Einzige Abweichung vom Schema-F ist dabei der Umstand, dass die Rettung in diesem Fall nicht durch den späteren Seme erfolgt. Aber keine "Bange", dieser bekommt natürlich auch die eine oder andere Gelegenheit, den kleinen, zarten Uke vor Schaden zu bewahren, bevor er ihn am Ende endlich in seine starken Arme schließen darf.

    Dass diese Geschichte trotz allem erstaunlich gut funktioniert verdankt sie der Tatsache, dass zumindest Gais Gefühlswelt ein wenig näher beleuchtet wird und es zudem einige schöne Momente gibt, in denen Gais Hund Julie im Mittelpunkt steht. Das Tier wirkt im Manga als Katalysator und als eine Art Mittelsmann (oder besser frau, da Julie weiblich ist). Denn

    über die gemeinsame Zuneigung zu Julie und vor allen Dingen die Tatsache, dass Yuuki der einzige Mensch außer Gai ist, zu dem Julie Vertrauen fasst, wird das Eis gebrochen und kommen sich die Beiden ganz langsam und behutsam emotional näher.

    Das fand ich anrührend und von der Umsetzung sehr gelungen.

    Daneben gibt es immer wieder andere schöne Momente, wie der Umstand, dass das alte Gewächshaus der Schule sowohl Gai als auch Yuuki am Herzen liegt und beiden als Rückzugsort dient bzw. in Gais Fall früher gedient hat, als er noch zur Schule ging.

    Obwohl Masumi für sich genommen sehr liebenswert ist, wäre es erzähltechnisch besser gewesen, ihn und alle mit ihm zusammenhängenden Teile rigoros zu streichen und stattdessen Gai und Yuuki mehr Raum für die Entwicklung ihrer Gefühle zu geben. Zumal die Tatsache, dass Matsumi

    von einem Moment zum nächsten in Yuuki verliebt ist

    völlig aus dem Nichts kommt und außerdem diese ganze Sache mit dem

    Mobbing, das Yuuki in der Schule durch Matsumis Fanclub erleiden muss

    dann weggefallen wäre. Denn sie dient ersichtlich nur dafür, Yuuki in eine Situation zu bringen, aus der er von Matsumi gerettet werden muss. Gerade diese Situation ist jedoch derart konstruiert und unlogisch, dass es besser gewesen wäre, auf sie zu verzichten.

    Dass Matsumis Fanclub Yuuki heimlich mobbt, ist eine Sache. Denn da er keine Beweise dafür hat, dass sie es sind, die ihm Müll ins Fach werfen etc. laufen sie nicht Gefahr, dadurch bei ihrem Idol Matsumi in Ungnade zu fallen. Dessen geliebten jüngeren Bruder jedoch vergewaltigen zu wollen, wo er danach mit dem Finger auf die Täter zeigen kann, macht für einen Fanclub absolut keinen Sinn. Denn damit würden sie sich der Verachtung und des Hasses gerade desjenigen aussetzen, um dessen Aufmerksamkeit und Freundschaft sie die ganze Zeit buhlen.

    Das ist ein gravierender Widerspruch in sich, der dadurch, dass diese Szene erkennbar nur einen Zweck verfolgt, nicht besser wird.

    Bewertung des Artworks:

    Kouku Agawa hat einen kräftigen Stil, der gelegentlich ein wenig zu statisch ist. Die Proportionen stimmen nicht immer ganz, insbesondere in den Totalen wirkt Gais Kopf manchmal einen Tick zu groß für seinen schmalen Körper. Abgesehen davon sieht Gai jedoch sehr attraktiv und männlich aus. Allerdings unterscheidet sich zwar optisch stark von dem als typischer Uke dargestellten Yuuki, sieht dafür aber dem potenziellen zweiten Seme Masumi wiederum etwas zu ähnlich.

    Hintergründe gibt es selten. Dafür sind Gesichtsausdrücke und Blicke zumeist sehr gelungen und das Artwork schaut insgesamt betrachtet hübsch und ansprechend aus.

    Fazit:

    Wer diesen Manga nicht ausschließlich in der Absicht liest, genau das zu bekommen, was die Inhaltsangabe verheißt, kann durchaus Gefallen daran finden. Vorausgesetzt er stößt sich nicht am konventionellen Aufbau, der jedes BL-Klischee akribisch abhakt sowie der Tatsache, dass es mit Ausnahme einer winzigen, dezenten Szene am Schluss keinerlei Yaoi zu bewundern gibt.

    Die Ausgabe von Digital Manga June hat ein Großformat und einen separaten Hochglanzumschlag. Jedoch könnte die Papierqualtät innen etwas besser sein. Die Seiten sind ein wenig dunkel und zudem ist die Oberfläche leicht angerauht.
    Geändert von Sujen (10.09.2012 um 16:52 Uhr)

  8. #83
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    Mr. Convenience

    Manga von Nase Yamato - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:


    Mr. Convenience enthält vier Stories, die sich um einen Convenience Store drehen, ein Geschäft, dessen Mitarbeiter gegen ein Honorar jede Tätigkeit von der Abflussreinigung über das Tragen von Einkäufen bis zum Hundeausführen übernehmen.

    In der ersten Geschichte bekommt der Store per E-Mail den Auftrag "Sei mein Freund." In der Annahme, dass es sich beim Verfasser um ein Kind handelt schickt man den jungen Shiba zur angegebenen Anschrift, das dieser blendend mit Kindern auskommt. Zu Shibas Überraschung stellt der Auftraggeber sich indessen als der einsame Geschäftsmann Aki Kirigaya heraus.

    Die zweite und dritte Story drehen sich um den Convenience Angestellten Ryuichi Miyashiro, dessen Aussehen immer wieder Kunden zur Annahme veranlasst, er hätte vielleicht Interesse, sich anderweitig etwas dazu zu verdienen. Einer von ihnen ist Taro Yamada. Doch anders als frühere Auftraggeber scheint ihn die deutliche Zurückweisung nicht zu stören. Im Gegenteil.

    Die vierte Story widmet sich wiederum Shiba und seinem Kunden Aki Kirigaya.

    Bewertung des Inhalts:


    Die Geschichten in Mr. Convenience sind locker-leicht und zuckerig mit einer bittersüßen Note.

    Die Tatsache, dass ein Mensch zwar erfolgreich im Beruf ist, jedoch niemanden hat, bei dem er sein Herz ausschütten und einmal ganz Mensch mit Schwächen, Fehlern und vor allen Dingen (Versagens)Ängsten sein kann, ist zwar nichts Neues. Doch es ist immer wieder traurig und bewegend zugleich.

    Shiba und Aki sind zwei interessante Persönlichkeiten, die in ihrem Leben völlig andere Prioritäten setzen und beide lernen müssen, einander so zu nehmen wie sie sind. Einige Momente gehen unglaublich ans Herz. So wie der als

    die Kinder Shiba beauftragen wollen, ihren fortgeflogenen Vogel zu suchen und ihm dafür Karamell Bonbons als Bezahlung anbieten, weil sie nichts anderes haben.

    Shiba ist ein so wundervoller, mitfühlender Mensch, dass man sich als Leser fragt, wieso Aki so lange benötigt, um ihn so anzunehmen und zu lieben wie er ist. Andererseits, ohne dieses Hin- und Her und alle damit verbundenen Unsicherheiten und Missverständnisse, wäre diese Geschichte bereits nach der ersten Seite zu Ende gewesen.

    Die beiden Protagonisten der zweiten Story sind demgegenüber zwar deutlich eindimensionaler und klischeehafter, aber nach wie vor sehr menschlich und liebenswert. Diese Story hält für den Leser zudem eine kleine Überraschung bereit. Von einem Twist zu sprechen wäre zwar zu viel, aber die Wendung kam zumindest unerwartet.

    Es gibt ein paar Yaoi Szenen, von denen eine zwischen den Beiden aus der zweiten Geschichte ziemlich explizit ist. Ansonsten bewegt sich alles im zahmeren Bereich, insbesondere sind die strategischen Körperstellen zumeist durch eine Hand oder ein Bein oder was auch immer verdeckt.

    Bewertung des Artworks:


    Nase Yamatos Zeichenstil ist sehr schön anzuschauen. Lediglich die Tatsache, dass ihre Ukes, unabhängig vom Alter, immer eine Spur zu jung ausschauen, ist immer wieder ein wenig irritierend, In der zweiten Geschichte geht es, das der Uke hier erst zwanzig und damit nach japanischem Recht noch minderjährig ist. Doch einen gestandenen Geschäftsmann von Mitte 30 wie Aki ein Milchbubi-Gesicht zu verleihen soll erkennbar einen Geschmack bedienen, den ich nicht unbedingt teile.

    Ansonsten gibt es nicht viel mehr zu bemängeln, als dass sich oftmals zu viele kleine Bilder auf einer Seite drängeln, wodurch diese rasch überladen wirkt. Doch das ist nun einmal Nase Yamatos Stil, bei dem auf großzügige Panelaufteilungen zugunsten von mehr Panels verzichtet wird. Zumindest bekommt man bei dieser Mangaka immer sehr viel Bildmaterial für sein Geld, was wiederum durchaus nicht allzu verkehrt ist.

    Fazit:


    Mr. Convenience ist locker-leichte Unterhaltung mit einer ordentlichen Portion Zuckerguss und Feel-Good-Garantie.

    Wer solche Art von charmanten und sexy angehauchten Geschichten rund um liebenswerte Charaktere und ihre mehr oder weniger alltäglichen Sorgen und Nöte, mag, kann hier meines Erachtens nach bedenkenlos zugreifen.
    Geändert von Sujen (11.09.2012 um 19:38 Uhr)

  9. #84
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    Yaoi - Anthology of Boys Love Stories Vol. 1

    Manga Storysammlung - US Ausgabe von Yaoi Press



    Inhalt:

    Dieser Sammelband enthält folgende drei Stories:

    The Price of Freedoom
    von Misa Inazaki (Autor) und Yishan Studios (Zeichner)

    Diese Geschichte erzählt von dem Halbdämonen Arden, der in einem Kuriosen-Zirkus ein trauriges Dasein als rechtloser Besitz des Eigentümers führt, der ihn öffentlich zur Schau stellt und ihn gemeinsam mit seinem Liebhaber, dem "Engel" Sephion regelmäßig quält und missbraucht.

    Dann erwirbt der Zirkusdirektor ein neues Monster, in dem Arden seinen Kindheitsfreund, Kumari, wiedererkennt.

    Gang Love
    von Sean Micheal William (Autor) und Studio Kosaru (Zeichner)

    Taku und Masa lebten früher im selben Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Heute gehören sie zwei rivalisierenden Straßengangs an. Doch immer noch verbindet sie eine besondere Erinnerung, die stärker ist als die Feindschaft zwischen ihren Banden.

    Deliverance
    von D.V.L. Spencer (Autor) und Amelia Woo (Zeichner)

    In einer stürmischen Nacht läuft dem ehemaligen Cop Liam im Wald ein splitternackter Junge in die Arme, der am ganzen Körper Verletzungen von alten und frischen Misshandlungen hat.

    Bewertung des Inhalts:

    Die erste Geschichte ist eine Parabel für falsche Menschlichkeit und die Verteufelung des Anderssein.

    Denn es sind das Monster und der Dämon, die sich in dieser Geschichte menschlich verhalten, während die Menschen und insbesondere der Engel ignorant, grausam und gleichgültig gegenüber anderen Wesen und deren Leid sind, das sie selbst verursachen.

    Die Freundschaft und spätere Liebe zwischen Arden und Kumari ist sehr bewegend.

    Das Monster Kumari gerät in Gefangenschaft als es nach seinem verschollenem Kindheitsfreund sucht. Der Halbdämon Arden gibt sich dem Engel für dessen sadistische Spiele hin, um Kumari zu schützen und opfert später sogar seine Flügel, um Kumari das Leben zu retten.

    Insbesondere im Vergleich zu den kaltherzigen Menschen und dem durch und durch verdorbenen Engel wirkt die grenzenlose Liebe zwischen den Wesen der Finsternis noch reiner und selbstloser.

    In dieser Geschichte gibt es mehrere Yaoi-Szenen, inklusive non-con und SM. Im Hinblick auf nackte Tatsachen sind diese zwar nicht explizit. Doch vom Härtegrad dessen, was geschieht, sind diese Parts, für mein Empfinden ziemlich heftig. Dem steht das sanfte, zärtliche Beisammensein der beiden Liebenden am Ende der Geschichte gegenüber, wodurch die vorhergehenden non-con Parts letztlich noch härter wirken, zumal sie in keinster Weise romantisiert werden.

    Die zweite Geschichte ist in Sachen Aufbau und Stimmung völlig anders geartet. Die wesentlichen Details erschließen sich hier nur langsam und es gab einige US Rezensenten, die laut eigenem Bekunden verwirrt waren. Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass diese Leser entweder viel zu rasch und oberflächlich über die Seiten gehetzt sind oder aber ungeübt in Sachen Manga sind.

    Denn die Erzählstruktur dieser Geschichte kommt der klassischen japanischen Art und Weise, das Geschehen und die Emotionen zu vermitteln, hier am nächsten. So gibt es in dieser Story für ein US Werk relativ wenig Begleittext und Dialoge. Stattdessen wird das Meiste über die Bildsprache mitgeteilt. So gibt es u.a. ein Panel, in dem die Unterleiber der Jungs gezeigt werden, die in diesem Moment dicht zusammenstehen, und man sieht wie sich Takus Hose an einer bestimmten Stelle beult. Im nächsten Panel sieht man Taku dann mit rotem Gesicht davon stürmen. Wer nun das erste kleine Panel nicht aufmerksam betrachtet und diese Beule entdeckt hat und die entsprechende geistige Schlussfolgerung zieht, versteht natürlich weder das nächste Panel, noch die sich generell anschließende Handlung.

    Da diese Art der nonverbalen Informationsmitteilung in dieser Geschichte sehr häufig eingesetzt wird, kann es passieren, dass Leser, die gewöhnt sind, dass ihnen alles durch Texte aufbereitet und serviert wird, damit nicht zurechtkommen.

    Wer regelmäßig japanische Manga liest, dürfte hier keine Verständnisprobleme haben, sondern vielmehr diesen Aufbau als angenehm vertraut empfinden.

    Gleiches gilt für den Schluss. Jemand, dem man ein Schild mit der Aufschrift: "Happy End - Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute" hinhalten muss, damit er kapiert, wie es mit Taku und Masa weitergeht, wird vielleicht nach dem letzten Panel mit einem Fragezeichen über dem Kopf dasitzen. Doch wer sich mit dem Erzählfluss eines japanischen Manga auskennt, für den dürfte die Sache am Ende mehr als nur klar sein.

    Obwohl Taku und Masa Mitglieder rivalisierender Gangs sind, enthält diese Geschichte nur sehr wenig Action. Die Gefühle der beiden Protagonisten stehen im Fokus, und ihre vorsichtige emotionale und körperliche Annäherung ist sehr gut dargestellt. Der Weg über die gemeinsame Erinnerung an ein nächtliches Erlebnis im Heim über das gegenseitige Eingeständnis, dass dies damals ihnen Beiden was bedeutet hat bis hin zur Erkenntnis, dass sie füreinander mehr als Zuneigung empfinden ist glaubhaft und nachvollziehbar und auf seine ganz eigene Art überaus anrührend.

    Auch in dieser Geschichte gibt es Yaoi-Szenen, in denen man zwar einen nackten Hintern, jedoch wiederum keine Geschlechtsteile sieht, da diese stets durch eine Hand, ein Bein oder etwas anderes verdeckt werden.

    Die dritte Geschichte hat mich innerlich sehr aufgewühlt.

    Das liegt zum einen an der Thematik als solcher. Denn es geht um

    jahrelangen Missbrauch von Jugendlichen, die wie Hunde gehalten, dressiert und konditioniert wurden, sich für wertlos zu erachten und ihr Leben darauf auszurichten, ihrem Herrn zu gehorchen und so gut zu gefallen, dass er sie nicht grundlos schlägt.

    Zum anderen an der Umsetzung. Adens Leiden werden zwar nicht visuell gezeigt. Dafür wird in erschütternde Weise dargestellt, wie sich diese auf seine Psyche ausgewirkt haben.

    Er benimmt sich Liam gegenüber unterwürfig wie ein Hund, der befürchtet sonst Schläge zu erhalten. In der Tat hat er anfangs ständig Furcht, dass er Liam nicht gefallen oder diesen womöglich durch irgendetwas verärgern könnte. Er ist daran gewöhnt auf dem Boden zu sitzen - weil ein Hund sich nicht auf einen Stuhl setzen darf! Er möchte aus dem Fressnapf von Liams Hund essen, er ist verstört, weil Liam ihn mit ins Freie nimmt ohne ihn dabei anzuleinen und er versucht ständig sich Liams "Wohlwollen" durch sexuelle Handlungen zu erhalten.

    Die schlichte Selbstverständlichkeit, mit der dies geschieht ist schlimmer als es jede Form von gezeigter körperlicher Gewalt wäre. Denn sie demonstriert das Ausmaß dessen, was Aden angetan wurde, indem er dazu gebracht wurde

    sich tatsächlich innerlich selbst auf die Stufe eines Tiers zu stellen und seine körperliche und seelische Entwürdigung und Entmenschlichung durch einen Herrn, dessen Eigentum er ist, als normal zu akzeptieren.

    Ein wesentlicher Teil läuft über die Begleittexte ab, welche die Gedanken von Liam und Aden wiedergeben. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Beiden anfangs auf ein- und dieselbe Situation reagieren, weil sie jeweils eine völlig andere Perspektive auf ihr Gegenüber und insbesondere auf sich selbst haben. Sie interpretieren Handlungen und Worte des anderen anfangs ganz anders, weil

    Aden sich in einer Position sieht, die dem eines Tiers gleicht, während Liam einen Jungen sieht, dem er helfen und den er beschützen möchte.

    Je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto leichter wird die Kommunikation, weil

    Liam anfängt zu verstehen, was hinter Adens Verhalten steckt, während Aden langsam begreift, dass Liam anders ist als die Männer, die ihn gequält haben und mit dem wachsenden Vertrauen nach und nach von einem gehorsamen Hund wieder zu einem Menschen wird, der nicht nur körperlich, sondern auch seelisch keinem anderen gehört als sich selbst.

    Parallel dazu gelingt es Liam seinerseits dank Aden das Trauma um den Tod seines Kollegen zu verarbeiten, und auch dies wird sehr überzeugend und bewegend dargestellt.

    Neben dieser emotionalen Seite gibt es in dieser Geschichte einiges an Action.

    Denn die Männer, denen Aden entkam, denken nicht daran, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Sie wollen ihr Haustier um jeden Preis zurück - tot oder lebendig.

    Von der Erzählstruktur erinnert dies ein wenig an die Ereignisse im dritten Band des Manga New York New York, was durch die Tatsache verstärkt wird, dass der Sheriff, mit dem Liam befreundet ist, eine toughe Frau ist.

    Die Yaoi Szenen in dieser Story beschränken sich auf Liam und Aden und enthalten kein non-con. Es sei denn man wertet die Tatsache, dass Aden anfangs glaubt, das tun zu müssen, um Liam zu gefallen, als einen Zwang und damit non-con von seiner Seite. Dies ist eine Frage der Sichtweise.

    Bewertung des Artworks:

    Die Stile der drei Zeichner sind ebenso unterschiedlich wie die Geschichten. Das Artwork in der ersten weist gewisse Ähnlichkeit mit dem von Cassandra Leigh (Die Chroniken von Aluria) auf. Es wirkt insgesamt sehr westlich.

    Die Zeichnungen in der zweiten Geschichte kommen dem eines japanischen Manga am nächsten. Sie entsprechen zwar nicht dem typischen BL-Manga-Shojo-Stil, aber die Panelaufteilung orientiert sich an den japanischen Vorbildern. Gleiches gilt für die Dynamik in den dargestellten Bewegungen.

    Die dritte Story hingegen hat einen eher westlichen Bildaufbau. Die Hintergründe und vor allen Dingen die Protagonisten sehen hier sehr realistisch und attraktiv aus, wirken jedoch teilweise ein wenig zu statisch.

    Fazit:

    Diese Storysammlung hat mir überaus gut gefallen. Ich finde sie ungewöhnlich und sehr bewegend, teilweise erschütternd..

    Wer solche Art von Stories mag und offen für ungewohnte Zeichenstile ist, ohne zu erwarten, das sich diese in derselben Liga wie die einer japanischen Star Mangaka bewegen, könnte es einmal mit dieser Anthologie versuchen.
    Geändert von Sujen (11.09.2012 um 23:14 Uhr)

  10. #85
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    Kiss your Hair

    Manga Storysammlung von Duo Brand

    US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Diese Storysammlung enthält folgende sechs Geschichten:

    Kiss your Hair

    Tagsüber pflegt der Gärtner Suzaku die Pflanzen seines Arbeitgebers. Nachts unterhält er seinen Herrn, der einen Fetisch für langes Haar hat, mit seinem Körper. Stets heimlich beobachtet vom ebenfalls langhaarigen Butler Suiren. Dessen Interesse bleibt nicht lange unbemerkt.

    Arcons awaken in the Night

    Inmitten einer Wüste lebt der Zauberer Akari. Sein größter Wunsch ist es, den Sand, der ihn umgibt mit einem Wald aus Bäumen zum Leben zu erwecken. Abend für Abend schaut der kleine Diener Ryuu zu, wie sein Herr gemeinsam mit seinem Butler Hourai in die Wüste geht, und Nacht für Nacht wird Ryuu danach Zeuge, wie Hourai nach der Rückkehr über ihren Herrn herfällt. Bis er es schließlich nicht mehr aushält.

    Sometimes You Have to put it into Words

    Der junge Kio arbeitet als Nacktmodell für den Maler Hazuki. Doch seit sie eine Liasion begonnen haben, scheint Hazuki zunehmend unzufriedener mit seinen Werken zu sein, oder vielleicht mit seinem Modell?

    No Name

    Der stellvertretende Schülerratsvorsitzende Ruka hat seinem Sempai Kouya, der ihn zugleich als Teezeremonienmeister ausbildet, seine Liebe gestanden. Wie wird Kouya darauf reagieren?

    Escape

    Nagisa hatte vor zehn Jahren ein traumatisches Erlebnis.

    Er wurde von einer Gruppe von Mitschülern brutal vergewaltigt.

    Infolge dessen hat er den Zwang entwickelt, anderen zu helfen, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Er ist ein Fluchthelfer geworden. Wer an seine Tür klopft, dem besorgt er eine neue Identität und hilft ihm das Land zu verlassen, ohne zu zögern und ohne jemals Fragen zu stellen.

    Eines Abends steht Rei vor ihm, in den er während ihrer gemeinsamen Schulzeit heimlich verliebt war. Er hat eine Schusswunde, ist auf der Flucht und benötigt jemand, der ihm dabei hilft.

    Sweet Brunch

    Diese Geschichte dreht sich um zwei Anwälte und ihr allererstes Mal.

    Zudem enthält der Band noch eine vierseitige Kurznovel mit dem Titel "The Price for Losing", in welcher zwei Männer miteinander Karten spielen und der Verlierer sich dem Sieger hingeben muss.

    Bewertung des Inhalts:

    Infolge der Kürze sind alle Geschichten mehr oder weniger nur Momentaufnahmen.

    Die Erste fokussiert sich auf Suzaku und Suiren. Der eine verführt den anderen und als dieser hinterher seine Illoyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber beklagt, schafft er ruckzuck klare Verhältnisse, indem er

    einfach sein langes Haar abschneidet, und dadurch dafür sorgt, dass ihr Herr kein Interesse mehr an ihm haben wird, sprich der Weg für die wahrhaft Liebenden frei ist.

    Einmal davon abgesehen, dass dieser Loyalitätskonflikt ziemlich lächerlich ist, da ihr Arbeitgeber gar keine Gefühle für Suzaku hegt, sondern nur einen Langhaar Fetisch hat, den er befriedigen kann und wird, indem er einfach einen Neuen mit langem Haar einstellt, ist es schade und eine bedauerliche Vergeudung von Potenzial, dass anstelle des biederen, langweiligen Suiren nicht der Herr und Meister mit seinem Fetisch im Zentrum steht. Von ihm sieht man in zwei erotischen Szenen lediglich die Umrisse, eine behandschuhte Hand, einen Fuß, ein schemenhaftes Gesicht im Dunkeln. Doch diese beiden Szenen sind deutlich spannender und prickelnder als der ganze Rest um Suiren, bei dem man als Leser ohnehin von vornherein weiß, auf was es am Ende hinauslaufen wird.

    Die zweite Story wartet mit einer Handlung auf, die erkennbar darauf abzielt, den Lesern, die non-con mögen, was zu bieten. Die Begründung dafür ist selbst in Anbetracht dessen, dass es sich um Fantasy handelt, so durchsichtig wie ein hauchzartes Negligé. Die Erzählstruktur durch die Augen von Ryuu ist allerdings durchaus gelungen, und es gibt dadurch zumindest einen kleinen Twist.

    Die dritte Geschichte um den Maler und sein Modell bedient die typischen Klischees rund um Unsicherheiten und Missverständnisse, kann jedoch immerhin mit einem exotischen Setting am Meer mit Strand und Palmen sowie mit Seme punkten, der ein gewisses Charisma ausstrahlt.

    Die vierte Story gefiel mir persönlich am wenigsten. Als BL-Fan ist man ja durchaus daran gewöhnt, dass Mangakas uns glauben machen wollen, jeder heterosexuelle Mann würde sofort begeistert das Lager wechseln, sobald es nur der Richtige ist. Doch zumindest kommen in diesen klassischen Stories die Gefühle vor dem Sex bzw. in den Fällen von romantisiertem non-con während des Sexes. Dass

    ein heterosexueller Mann bereitwillig mit einem anderen schläft, nur weil der sagt, dass er ihn liebt, ohne sich selbst klar zu sein, ob er Ähnliches empfindet, noch dazu in der Position dessen, der unten liegt

    ist indessen selbst durch die Schöne-Heile-Schwule-Welt-Rosa-Brille betrachtet so unglaubwürdig, dass man die Annahme, der Leser würde es schon schlucken durchaus als Beleidigung von dessen Intellekt bewerten könnte.

    Die fünfte Story rund um den Fluchthelfer ist nicht nur mit Abstand die Beste des Bandes, sondern sogar richtig gut. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten ist weitaus komplexer als man auf den ersten Blick denkt. Sie reicht nicht nur bis zur gemeinsamen Schulzeit zurück. Vielmehr ist ihr Schicksal seitdem eng miteinander verwoben, obwohl sie einander all die Jahre nicht gesehen haben. Dieser Aspekt, der letztlich Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist, wird dem Leser erst nach und nach enthüllt.

    Ich fand die Tatsache, dass Rei

    auf der Flucht ist, weil er seit zehn Jahren die Vergewaltiger von Nagisa einen nach dem anderen aufspürt und tötet

    überaus gelungen. Umso mehr als Rei dies nicht ausschließlich tut, um

    die Täter zu bestrafen, sondern sich dadurch zugleich von der Schuld reinzuwaschen, damals zu feige gewesen zu sein, um ... an dieser Stelle kann der Leser nur vermuten, dass Rei bereits während der Vergewaltigung und nicht erst hinterher wusste oder ahnte, was seinem Sempai in der Sporthalle angetan wurde und zu feige war, sich einzumischen. Dies wird zumindest durch die Rückblenden stark impliziert.

    Von der emotionalen und insbesondere auch von der psychologischen Seite aus betrachtet ist das ein interessanter und sehr faszinierender Ansatz.

    Leider ist die Geschichte zu kurz, um all das in ihr vorhandene Potenzial auszuschöpfen, auch wenn sie von allen Stories hier die Persönlichkeit der Protagonisten und ihre Beziehung am tiefsten auslotet. Diese Story hätte mehr als ausreichend Stoff für einen eigenen Band oder sogar eine kurze Serie gehabt. Es ist traurig, eine solche Idee samt ihrer Möglichkeiten auf diese Weise auf wenigen Seiten verschwendet zu sehen.

    Die letzte Story ist die einzige, die vom ernsten Grundton des Manga abweicht und mit einem etwas leichteren Erzählstil aufwartet. Dem Vergleich mit echter Comedy hält sie zwar nicht stand, aber immerhin kann man als Leser einige Male Schmunzeln.

    Ansonsten taucht Humor in diesem Manga nur in Form von ganzseitigen Chibi-Zeichnungen auf, die im Anschluß an jede Story eine verniedlichte Situation zwischen den Protagonisten zeigen, die wirklich sehr sweet und lustig sind.

    Yaoi hingegen gibt es reichlich, inklusive non-con. Inwieweit man diese Parts als explizit ansehen kann und möchte, ist Geschmackssache. Nach meinem subjektiven Verständnis sind sie nicht sonderlich deutlich, da die maßgeblichen Körperteile nicht gezeigt werden. Andere werden dem gegenüber bereits die Tatsache, dass der Kopf oder der Unterleib eines Kerls zwischen den Beinen eines anderen dargestellt sind, als explizit empfinden.

    Diese vierseitige Novel am Schluss hätte es wegen mir nicht gebraucht. Zumal sie schwer zu lesen ist, da alles in Großbuchstaben mit einem engen Zeilenabstand und zudem in Fettschrift ist. Was das in einem Manga zu suchen hat, ist mir ein Rätsel. Da hätten sich verbliebenen Seiten meines Erachtens besser füllen lassen.

    Bewertung des Artworks:

    Duo Brand zeichnet Bishonen, die einem Lehrbuch für klassische BL-Typen entnommen sein könnten. Jeder Kerl ist ausnahmslos sehr groß, übermäßig schlank und hat einen androgynen Körper. Die Gesichter sind lang, mit spitzeren Nasen und wirken nicht immer männlich, was dadurch unterstrichen wird, dass die Männer - zumindest dann, wenn sie die Rolle des Uke einnehmen - immer Haare haben, die ihnen mindestens bis zur Schulter reichen, oftmals deutlich weiter. Immerhin gibt es bei den Ukes keine femininen Kulleraugen und keiner sieht übertrieben jung oder gar kindlich aus.

    Insgesamt betrachtet ist das Artwork jedoch sehr schön anzuschauen, sofern man einen verspielteren Shojo-Stil inklusive im Wind flatternder langer Haare androgyner Männer mag.

    Fazit:

    Leider hat mich diese Storysammlung nicht sonderlich überzeugt.

    Mit Ausnahme der fünften Geschichte sind die enthaltenen Stories nur mäßig interessant, weil sie entweder eine aus meiner Sicht eine falsche Wichtung vornehmen und langweiligen Figuren und Beziehungen den Vorzug vor deutlich faszinierenderen geben, oder zu nichtssagend, klischeehaft oder völlig unglaubwürdig sind.

    Die Novel am Ende halte ich für überflüssig, aber wer Novels mag, findet daran vielleicht Gefallen.

    Einzig die sechste Geschichte hat eine interessante Idee und eine spannende Umsetzung und hat mir trotz ihrer Kürze wirklich sehr gefallen, wenn mich hier zugleich auch die Verschwendung von Potenzial am meisten ärgert, gerade weil die Geschichte so gut ist.

    Natürlich sind dies alles nur meine ganz subjektiven Eindrücke. Andere Leser mögen diesen Manga vielleicht völlig anders beurteilen.

    Soweit es mich betrifft, kann ich dafür jedoch keine Empfehlung aussprechen, die über die fünfte Geschichte hinausgeht.

    Die Ausgabe von 801 Media enthält eine Farbseite. Jedoch gibt es bei den neueren Releases so wie diesem keinen separaten Schutzumschlag mehr.
    Geändert von Sujen (12.09.2012 um 22:27 Uhr)

  11. #86
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    Warning! Whispers of Love

    Manga Story Sammlung von Puku Ouyama

    US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Warning! Whispers of Love enthält insgesamt vier Geschichten.

    Die Titelstory nimmt mit 98 Seiten dabei die Hälfte des Bandes ein. In ihr geht es um den Schüler Hajime, der von seinem Sempai Nagura "verfolgt" wird. Dieser hat sich nämlich nicht nur auf den ersten Blick in Hajime verliebt, sondern zudem einen Fetisch für Ohren, die er mit Hingabe mit speziellen Wattestäbchen aus seiner Sammlung reinigt.

    Die zweite Story besteht aus den beiden Teilen "Your Room" und "Our Room". Darin wird der Student Shino vor seinem Appartement von einem Fremden angesprochen. Es handelt sich um Sota, der von zu Hause weggelaufen ist, weil seine Eltern gegen ein Studium in Tokyo waren. Das Zimmer, das Sota im Voraus gemietet hat, wird jedoch erst in zwei Wochen frei und bis dahin braucht er eine Bleibe. Bevor Shino weiß, wie ihm geschieht hat sich Sota bei ihm einquartiert, und nach einigen Tagen fängt Shino an, diese Wohngemeinschaft gar nicht mal so übel zu finden. Im Gegenteil.

    Die dritte Geschichte besteht ebenfalls aus zwei Parts, die "Beyond the Lens" und "Beyond the Friendship" heißen. Diese Story dreht sich um die ehemaligen Grundschulfreunde Ryu und Hiro. Sechs Jahre haben sie sich nicht mehr gesehen. Damals wurde Hiro von allen außer Ryu gehänselt. Doch war es wirklich nur Mitleid, das Ryu bewog, Hiro stets zu helfen und vor den anderen zu beschützen?

    Die letzte Geschichte erzählt von den Freunden Yochi und Reichi, die ein Pärchen sind. Alles könnte so einfach sein, hätte Reichi nicht einen ebenso süßen wie frechen Hund, der ihnen immer wieder in die Quere kommt.

    Bewertung des Inhalts:

    Nachdem ich die letzte Seite umgeblättert hatte, saß ich da und dachte "How sweet was that!"

    Die Inhaltsangabe der ersten Geschichte klingt zwar völlig blöd, aber dahinter verbirgt sich eine der witzigsten und charmantesten Stories, die ich bisher gelesen habe.

    Hajime und sein Sempai sind zu göttlich. Ihre sich anbahnende Beziehung, die anfänglich darauf basiert, dass Hajime ständig seine Ohren vor Nagura in Sicherheit bringen muss und sich dabei mit ihm eine wilde und trickreiche Verfolgungsjagd nach der nächsten liefert ist ein wahres Feuerwerk an Situationskomik und Wortwitz. Teilweise musste ich an mich halten, um nicht vor Lachen über den Boden zu kugeln.

    Naguras Ohr-Fetisch wird von der Mangaka ganz offensichtlich als ein Synonym für Sex verwendet. Sprich das Verhalten und die Dialoge rund ums Reinigen der Ohren klingen genauso wie sie sich anhören würden, wenn es stattdessen um Sex gehen würde. Das läßt sich nur schwer beschreiben, aber das ist unglaublich komisch gemacht.

    Dazu gibt es noch Hajimes besten Freund, dessen Bemerkungen immer wieder für Lacher sorgen.

    Wenn er quer durchs Klassenzimmer fragt, wann Hajime denn nun endlich mal gedenken würde, dem armen Sempai seinen Körper zu überlassen oder nicht minder laut auf dem Schulhof meint, Hajime solle sich nicht so anstellen, da der Sempai dafür bekannt sei beim ersten Mal ganz besonders sanft und behutsam zu sein, und der entsetzte Hajime seinen Ruf verkommen sieht, weil ja keiner weiß, dass es hier nur ums Reinigen der Ohren geht oder auf Hajimes Stoßseufzer, er wünsche er wäre tot trocken meint: "Wenn du tot bist, kann der Sempai mit deinen Ohren machen, was er will, weil du dann nicht mehr weglaufen kannst, daher ist Sterben keine Option."

    dann ist das zu herrlich ... und so geht es munter in einem fort weiter.

    Gleichzeitig kommen Hajime und sein Sempai sich natürlich auf emotionaler Ebene ganz langsam und ungemein sweet dargestellt näher. Diese Kombination aus spritziger, perfekt getimter Comedy und zarter, schüchterner Romanze ist unwiderstehlich.

    Die zweite Geschichte ist von der Stimmung her anders angelegt. Sie enthält zwar durchaus auch humorvolle Momente und die Beziehung entwickelt sich behutsam. Doch der Ansatz ist ein anderer. Im Gegensatz zu Hajime aus der ersten Story ist Shino ein stiller, introvertierter Charakter, der durch den fröhlichen lebensbejahenden Sota aus seiner Isolation geholt wird.

    Die dritte Story enthält fast keinen Humor. Dafür ist sie ausgesprochen gefühlvoll und bewegend umgesetzt und geht wirklich sehr ans Herz.

    Die letzte Geschichte wiederum kehrt erneut zur witzig-spritzigen Comedy zurück. Hier muss sich keine Romanze mehr entwickeln, da Jochi und Reichi bereits zusammen sind. Deshalb steht alles im Zeichen des putzigen Hundes, der anhänglich und verspielt ist - und sich dabei zugleich immer wieder als Störfaktor erweist.

    So setzt er sich z.B. vor das Sofa und schaut sichtlich interessiert zu wie sein Herrchen seinen Freund küsst, bis dieser sich so penetrant beobachtet fühlt, dass die Stimmung dahin ist.

    Das mag handlungsmäßig nicht weltbewegend sein. Aber die Umsetzung ist so liebenswert, charmant und witzig, dass es einfach Spaß macht, dieses "Dreiecksverhältnis - Er, Ich und mein Hund" zu erleben.

    Yaoi sucht man in diesem Werk vergeblich. Es gibt einige Küsse, aber damit hat es sich. Etwas anderes hätte indessen hier auch überhaupt nicht gepasst.

    Bewertung des Atworks:

    Die Zeichnungen von Puku Ouyama sind nicht minder niedlich als der Inhalt dieses Manga. Die Jungs sehen so jung aus wie es ihrem Alter entspricht und haben je nach Story und Charakterdesign mal etwas Freches und dann wieder etwas sehr Verletzliches an sich. Dies wird jeweils sehr gut durch die visuelle Darstellung und insbesondere die Mimik, Gestik und Körperhaltung vermittelt.

    Ich finde Puku Ouyamas Artwork sehr hübsch und gelungen, zumal es sowohl den Drive und Pepp der Comedy Parts als auch die ruhigen, gefühlvollen Momente wunderbar einfängt.

    Fazit:

    Ich fand Warning! Whispers of Love überaus unterhaltsam, witzig, bewegend und auf eine sehr sweete, zugleich freche und unschuldige Weise romantisch.

    Wer gerne Feel-Good-Geschichten mit viel Humor und Herz liest und an harmlosen Romanzen zwischen Schülern Gefallen findet, dem kann ich diesen Manga nur aller wärmstens empfehlen.

    Wer einen kleinen, unverbindlichen Blick in hineinwerfen möchte, kann dies dank der von amazon zur Verfügung gestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Warning-Whisper...7553878&sr=1-1
    Geändert von Sujen (13.09.2012 um 19:42 Uhr)

  12. #87
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    Three Wolves Mountain

    Manga von Bohra Naono - deutsche Ausgabe von EMA



    Inhalt:

    Tagsüber führt der wortkarge Kaya ein Café direkt neben dem Friedhof. Nachts bewacht er die Gräber vor Räubern. Bei einem seiner nächtlichen Rundgänge trifft er auf die Brüder Jirou und Tarou. Sie sind zur Hälfte Werwölfe, halbverhungert und wissen nicht wohin. Widerstrebend lässt Kaya sich breitschlagen, die Beiden bei sich aufzunehmen. Um Kost und Logis abzuarbeiten kellnern Jirou und Tarou in Kayas Café und helfen ihm tatkräftig, den Friedhof zu beschützen. Mit der Zeit gewöhnt Kaya sich an die Beiden und fängt an, ihre Gesellschaft zu genießen. Doch dann naht Jirous erste Paarungszeit.

    Bewertung des Inhalts:

    Die Grundidee von Three Wolves Mountain ist originell, und die Kombination zwischen dem introvertierten Kaya und dem lebhaften jungen Werwolf Jirou ist sehr gelungen. Letzterer ist wirklich sweet.

    Da er nur zur Hälfte Werwolf ist, verwandelt er sich nicht vollständig, sondern bekommt lediglich niedliche Wolfsohren und eine buschige Rute.

    Dazu der brummige Tarou, der infolge seiner hälftigen Abstammung

    eine Wolfsgestalt hat und sich bei Vollmond zur Hälfte in einen Menschen verwandelt.

    Dieses Dreiergespann hat eine gute Chemie und ziemlich viel Potenzial. Leider wird dieses jedoch zumindest in Tarous Fall zu wenig ausgeschöpft. Er ist oftmals kaum mehr als ein Stichwortgeber. Schuld daran ist die Tatsache, dass die Mangaka aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen zwei parallele Handlungsstränge aufgleist. Einer dreht sich um Kayas verstorbenen Bruder, der andere um einen anderen Werwolf. In diesem zweiten Handlungsstrang steht Tarou zwar stärker im Zentrum, da

    dieser andere Wolf entgegen allen Anscheins nicht nur weiblich, sondern Tarous Freundin ist.

    Aber diese Parts sind nicht nur völlig überflüssig, sondern ziemlich misslungen. Die eigentliche Handlung wird dadurch in keinster Weise voran gebracht. Vielmehr wird dadurch einfach nur Platz verschwendet, der weitaus besser hätte genutzt werden können, um der Haupthandlung mehr Tiefe zu geben. Zudem wirkt das Ganze extrem konstruiert, so als wollte die Mangaka unbedingt einige gruselige Szenen in der Story unterbringen. Hätte sie sich dabei auf das Werwolfthema an sich gestützt, wäre es vielleicht etwas anderes gewesen. Doch

    irgendwelche Dämonen ins Spiel zu bringen, die Leichen fressen,

    hat mit dem Thema Werwolf nichts zu tun. Offenbar ging es lediglich darum, einige Horror Elemente reinzubringen. Gleiches gilt für die Parts rund um Kayas toten Bruder. Die Idee an sich ist gut, wäre es dabei geblieben, dies zu nutzen, um Kayas Vergangenheit zu beleuchten und Erklärungen für sein heutiges Verhalten zu liefern. Aber anstatt dies zu tun, indem

    Kayas traumatische Erlebnisse tatsächlich als Grund dafür genommen werden, warum er anfänglich so vehement gegens Switchen ist

    wurde all das nur "verheizt", um einige völlig überflüssige Grusel-Szenen einzubauen. Sprich, die Gewichtung fiel zugunsten oberflächlicher Effekte aus, anstatt sich mit der weitaus interessanteren Frage nach den Auswirkungen der Vergangenheit auf Kaya auseinanderzusetzen. Das finde ich überaus schade, zumal sich Letzteres in dieser Konstellation wirklich mehr als angeboten hätte.

    Die Parts rund um Jirous und Tarous Familie hätte ich persönlich zwar ebenso wenig gebraucht, aber zumindest dienen sie dazu, das Charakterdesign der beiden Werwölfe mit aufzubauen.

    Es gibt jede Menge im wahrsten Sinne des Wortes bissigen Humor, der allerdings nicht unbedingt auf jedermanns Wellenlänge liegen dürfte.

    In Sachen Yaoi bekommt der Leser auf jeden Fall Einiges geboten, wenn auch gelegentlich Jirous Wolfsrute die Sicht verdeckt. Doch was gezeigt wird, ist sehr explizit und völlig unzensiert.

    Bewertung des Artworks:

    Bohra Naonos Zeichnungen sind alles andere als weich und verspielt. Sie hat einen ziemlich realistischen Stil, was sich unter anderem auch daran zeigt, dass ihre Protagonisten sehr unterschiedlich ausschauen.

    Das Artwork gefällt mir ausgesprochen gut. Es ist markant und hat einen hohen Wiedererkennungswert.

    Lediglich das Cover ist vom Motiv und der Gestaltung her reichlich unpassend, da es Assoziationen an ein Märchen für kleine Kinder weckt, was dermaßen weit vom Inhalt entfernt ist, dass die Verantwortlichen sich ernsthaft fragen sollten, welchen Sinn es hat, anstelle der eigentlichen Zielgruppe mit diesem Cover ein junges Publikum "anzusprechen", für das dieser Manga ungeeignet ist.

    Das Motiv der enthaltenen Farbseite ist mindestens genauso schlimm, wenn nicht gar noch schlimmer. Wer diese sieht, kommt garantiert nicht darauf, dass es sich hier um einen Yaoi handelt, noch dazu einen der härteren Gangart in Sachen Explizität.

    Fazit:

    Dies ist mein erster Manga von Bohra Naono. Mir wurde gesagt, dass es nicht ihr bestes Werk sei, und soweit es mich persönlich betrifft, ist dies auch gut so. Denn obwohl ich die Idee wirklich mag, gilt dies leider nur zu einem recht bedingten Teil für deren Umsetzung.

    Wer ein Faible für Horror Elemente hat, wird es vermutlich deutlich leichter als ich haben, nicht nur die unmittelbaren Parts um Kaya und Jirou, sondern die komplette Story in ihrer Gesamtheit richtig gut zu finden.
    Geändert von Sujen (18.09.2012 um 22:21 Uhr)

  13. #88
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    Sweet Regard

    Manga von Juji Fusa - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Seit dem Tod ihrer Eltern hat Kohei sich um seine jüngere Schwester gekümmert, sie umsorgt und förmlich angebetet. Dann ging sie hin und heiratete ohne sein Wissen und gegen seinen Willen. Zwar nahm Koheis Schwager bereitwillig den Familiennamen an und zog ins gemeinsame Haus ein, damit die Geschwister sich nicht trennen mussten. Doch wie könnte Kohei ihm je verzeihen, ihm die Liebe seiner Schwester gestohlen zu haben? Indessen, Koheis Hass verbrennt zu Asche an jenem Tag als seine Schwester bei einem Autounfall stirbt. Denn nun ist sein ungeliebter Schwager das Einzige, das ihm von ihr blieb.

    Während Kohei versucht, irgendwie mit dem Schmerz und der Leere in seinem Herzen weiterzuleben, scheint Shingo fest entschlossen, diese mit seiner Zuneigung zu füllen.

    Die erste Hälfte des Manga dreht sich darum, wie Kohei und Shingo allen inneren Widerständen zum Trotz zueinander finden. Die zweite Hälfte widmet sich ihrer veränderten Beziehung und den sich daraus ergebenen Schwierigkeiten.

    Bewertung des Inhalts:

    Die erste Hälfte von Sweet Regard ist überaus gelungen. Sie beginnt ein Jahr nach dem tödlichen Unfall von Koheis Schwester und wird komplett aus seiner Sicht erzählt. Seine Persönlichkeit, seine Gefühle, seine enge Beziehung zu seiner verstorbenen Schwester und die Komplizierte zu seinem Schwager, seine innere Zerrissenheit - all das wird sehr gründlich beleuchtet und überaus glaubhaft dargestellt.

    Der Erzählstil der ersten Hälfte ist durchgehend ruhig und legt deutlich mehr Wert auf die emotionale Seite als auf Handlungsabläufe. Die gegenseitige Annäherung vollzieht sich langsam und behutsam. Ob man diese Vorgehensweise als Leser als sensibel oder langweilig erachtet, hängt von den subjektiven Präferenzen ab. Persönlich fand ich diesen Stil ziemlich gefühlvoll und bewegend.

    Die zweite Hälfte fällt qualitativ leider deutlich ab. Es ist offensichtlich, dass sie durch die Mangaka (vermutlich auf Wunsch des Verlags) aufgrund des Erfolgs des ersten, in sich abgeschlossenen Teils "nachgeschoben" wurde, um ausreichend Seiten für einen Manga Band zu haben.

    Anders kann ich mir nicht erklären, wie die vorher so berührende Geschichte im zweiten Teil zu einer wahren Ansammlung von BL-Klischees mutiert. Typische Missverständnisse, (Melo)Drama, ein unerwartet auf der Bildfläche auftauchender Rivale und sogar ein durch Eifersucht bedingtes Non-Con-Szenario. Nichts wird ausgelassen. Alles wird BL-Standard-Lehrbuch-mäßig chronologisch abgehakt.

    Es gibt einige Yaoi Szenen, jedoch sind diese nicht übermäßig explizit. Man sieht was geschieht, doch die maßgeblichen Körperteile sind verdeckt oder verschwommen bzw. nur angedeutet dargestellt.

    Humor gibt es lediglich in Form von mehreren kleinen Stripes zwischen den einzelnen Kapiteln, die jeweils witzige Momentaufnahmen aus dem Leben von Kohei und seiner kleinen Schwester Chi-Chan zeigen.

    Bewertung des Artworks:

    Juji Fusas Zeichenstil ist recht schlicht. Hintergründe gibt es nicht. Ihre Protagonisten entsprechen nicht unbedingt den klassischen BL-Bishonen und sehen sich zudem wieder einmal viel zu ähnlich. Erstaunlich und für einen BL-Manga eher untypisch ist allerdings die Tatsache, dass alle Männer hier eine runde Augenform haben, die normalerweise allein dem Uke vorbehalten ist. Ob dies ein Markenzeichen der Mangaka ist, oder lediglich dazu dienen sollte, den Leser im Unklaren darüber zu lassen, wer jeweils welche Position einnehmen wird, kann ich nicht beurteilen, da ich keine weiteren Mangas von Jusi Fusa kenne.

    Bewertung der Ausstattung:

    Der Manga hat ein Großformat sowie einen separaten Hochglanzschutzumschlag. Die im japanischen Original enthaltene Farbseite ist leider nur in schwarz-weiss, und die Papierqualität ist eher mäßig. Die Seiten sind leicht angeraut.

    Fazit:

    Bei diesem Manga streiten sich zwei Seelen in meiner Brust.

    Die erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen. Die Zweite ist gemessen am BL-Standard zwar durchschnittlich, aber trotzdem durchaus solide und nicht wirklich schlecht. Aber der qualitative Unterschied zum ersten Teil ist eben schon enorm.

    Das ist schade und äußerst bedauerlich, da dadurch der mehr als positive Eindruck, den die erste ausgezeichnete Hälfte beim Lesen hinterließ im Hinblick auf das Gesamtwerk zumindest in meinen Augen empfindlich getrübt wird.

    Sollte es jemand einmal mit diesem Manga versuchen wollen, kann er sich dank der von amazon bereit gestellten Leseprobe vorab einen kleinen Eindruck vom Artwork und dem Erzählstil des ersten Teil verschaffen:

    http://www.amazon.de/Sweet-Regard-Ya...7993072&sr=1-1
    Geändert von Sujen (18.09.2012 um 22:20 Uhr)

  14. #89
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    Everlasting Love

    Manga Story Sammlung von Ryoko Chiba

    US-Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Diese Storysammlung enthält die folgenden sieben Kurzgeschichten:

    Everlasting Love

    Youji ist seit dem Kindergarten in Noboru verliebt. Seinetwegen hat er Karriere gemacht, um ihm etwas bieten zu können, sollte er ihm endlich sein Herz schenken. Zwar denkt Noboru nicht daran, Youji zu erhören, ganz gleich welches Register dieser zieht. Doch steter Tropfen höhlt bekanntlich jeden Stein.

    Never give up

    Der Schüler Hayato hat scheinbar alles, was man sich nur wünschen kann. Er stammt aus einer reichen Familie, sieht gut aus, ist allseits beliebt, Jahrgangsbester und ein Ass in Martial Arts. Aber das einzige, wonach er sich wirklich sehnt ist, dass sein Klassenkamerad Sakura die Gefühle, die er ihm entgegenbringt, erwidert.

    My Sweet Home

    Mit acht Jahren verlor Riku seine Eltern bei einem Autounfall. Der junge Nachbar und Betreiber eines Cafés Katsuki nahm ihn aus Mitleid auf, um ihm das Heim zu ersparen. Zehn Jahre später hegt Riku alles andere als verwandtschaftliche Gefühle für seinen Ziehvater.

    I found a Twinkling Star

    Der junge Kindergärtner Keita verzehrt sich vor Liebe zu seinem Kollegen Tomoya.

    Naive Love Triangle

    Der Schüler Nishawaki ist schüchtern, ungelenk, fürchtet sich vor Hunden und hat keine Ähnlichkeit mit einem Prince Charming. Zudem interessiert er sich für frauliche Dinge wie Kochen. Kann es da wirklich sein, dass ausgerechnet sein Klassenkamerad Kitahara, in den er heimlich verliebt ist, ganz offen und gegen den erklärten Widerstand seines besten Freundes Higashiyama seine Freundschaft sucht?

    A Town in the Evening

    Als Kinder waren Yashuro und Chisato die besten Freunde. Doch seit Chisato den anderen zum ersten Mal zusammen mit einem Mädchen sah, geht er ihm aus dem Weg. Indessen ist dies gar nicht so einfach, wenn man im Getränkeladen seiner Eltern arbeitet und der, den man meiden will, Abend für Abend kommt um eine Dose Bier zu kaufen.

    My Sweet Room

    Diese Geschichte ist ein Sequel zu My Sweet Home und dreht sich um das allererste Mal von Katsuki und Riku.

    Bewertung des Inhalts:

    Alle Geschichten in diesem Band haben eins gemeinsam: sie haben durch und durch liebenswerte Protagonisten und sind überaus gefühlvoll und warmherzig umgesetzt.

    Natürlich weist Youji aus der Titelstory bei genauer Betrachtung Eigenschaften eines Stalkers auf, und ein Verhältnis zwischen einem Mann und seinem dreizehn Jahre jüngeren Ziehsohn wie in My Sweet Home und My Sweet Room könnte durchaus von Manchen bereits als eine Art "quasi"-Inzest gewertet werden. Doch diese wunderbare Storysammlung lässt Dergleichen beim Lesen schlicht nicht in den Sinn kommen.

    Dabei sind es nicht nur die verschiedenen Lovestories als solche, die ans Herz gehen. Daneben gibt es zahlreiche anrührende Momente.

    Das alte Schreibheft, welches Riku als Kind in "My Sweet Home" monatelang benutzte, um mit Katsuki zu kommunizieren, weil er sich nicht anders mitteilen konnte. Die Kinder aus Keitas Gruppe in "I found a Twinkling Star", die ihm vergeben, als er ihre Bilder ruiniert. Der Moment, in dem Nishawaki in "Naive Love Triangle" seine Angst vor Hunden besiegt. etc.

    Dazu kommen immer wieder gelungene Nebencharas:

    Katsukis Freund Hirakawa, den Riku bereits seit seiner Kindheit misstrauisch beäugt und als potenziellen Rivalen um Katsukis Liebe betrachtet und "bekämpft".

    Takagi, der Tutor von Hayato in "Never give up", der seinerseits eine kleine Schwäche für ihn hegt.

    Higashiyama, der Freund von Kitahara in "Naive Love Triangle", der diesen nicht an Nishawaki verlieren will.

    Der Erzählstil ist charmant und enthält immer wieder Situationen, in denen man als Leser schmunzeln muss.

    Der Yaoi Gehalt ist gering. Es gibt nur wenige angedeutete Szenen. Lediglich die Letzte Geschichte zeigt über einige Panels die beiden Protagonisten zusammen im Bett, wobei hier indessen unterhalb der Gürtellinie bzw. zwischen den Beinen nichts zu sehen ist.

    Bewertung des Artworks:

    Ryoko Chiba hat einen sanften, runden Stil, der jedoch in keinster Weise verspielt oder gar verkitscht ist.

    Hintergründe gibt es nicht, und bei den Charakteren liegt der Fokus vermehrt auf den Gesichtern bzw. den Oberkörpern.

    Die Mangaka zeichnet Protagonisten, die sich zwar Story übergreifend stark ähneln, jedoch innerhalb jeder Story bemüht sie sich ersichtlich darum, dass die Beiden, die im Zentrum stehen, jeweils äußerlich ein anderer Typ sind. Ihre Männer wirken allesamt jungenhaft, nicht immer altersgerecht, aber auf jeden Fall weder androgyn noch gar feminin.

    Persönlich mag ich Ryoko Chibas Artwork wirklich sehr, doch das ist wie alles im Leben natürlich absolut subjektiv.

    Bewertung der Ausstattung:

    Die Ausgabe von Digital Manga June hat ein Großformat und einen separaten Schutzumschlag.

    Unter diesem Schutzumschlag befindet sich auf dem vorderen und dem hinteren Deckel ein zusammenhängender Comic. Er dreht sich um zwei Nebencharas, und sein Verständnis sowie der Witz dabei setzen voraus, dass man die dazugehörenden Geschichten des Manga bereits kennt.

    Die im japanischen Original enthaltene Farbseite ist nur in Schwarzweiß enthalten.

    Einige Stellen im Manga sind ein wenig schwächer gedruckt und bei zwei Sprechblasen fehlt der Inhalt. Letzterer lässt sich jedoch leicht aus dem Zusammenhang geistig ergänzen. Da dies auch in anderen Rezesisonen bemängelt wurde, gehe ich davon aus, dass nicht allein mein Exemplar von diesen Druckfehlern betroffen ist, die jedoch wie gesagt, nicht wirklich schlimm sind.

    Fazit:

    Mir hat diese Storysammlung ausgesprochen gut gefallen.

    Die einzelnen Geschichten mögen nicht sonderlich anspruchsvoll oder gar tiefschürfend sein, aber ich fand sie romantisch, und ich schätze insbesondere die damit verbundene Feel-Good Garantie persönlich sehr.

    Wer sich einen kleinen Eindruck verschaffen möchte, kann dies dank der von amazon zur Verfügung gestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Everlasting-Lov...8075579&sr=1-1
    Geändert von Sujen (19.09.2012 um 21:16 Uhr)

  15. #90
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    Alpha2

    Manga Serie von Kamineo mit bisher zwei Bänden - ongoing

    Deutsche Eigenproduktion erschienen beim Verlag Schwarzer Turm



    Inhalt:

    Der junge Alpha Werwolf Clive ist neu in der Stadt und damit auch im Revier. Das ansässige Werwolf Rudel indessen schätzt keine Fremden in seinen Jagdgründen. Dies muss Clive bereits in der ersten Vollmondnacht feststellen. Zu seinem großen Glück läuft er im nächtlichen Wald nicht nur dem feindlich gesonnenen Rudel über den Weg sondern begegnet dem älteren Quinn, seines Zeichens ebenfalls ein Alpha Werwolf, überzeugter Einzelgänger und der einzige Wolf weit und breit, mit dem das ansässige Rudel sich nicht anlegen will.

    Geruchstechnisch ist man(n) sich auf Anhieb mehr als sympathisch. Doch zwei Kerle, noch dazu Beide Alpha? Kann das jemals etwas werden, und will man(n) das überhaupt?

    Bewertung des Inhalts:

    Band 1

    beginnt mit einem witzigen kleinen Comic Strip, dem eine ganzseitige von einem Text begleitete Illustration folgt, die den Leser emotional auf das Kommende einstimmt.

    Die erste Begegnung zwischen Clive und Quinn ist wunderbar in Szene gesetzt und macht definitiv so richtig Lust auf mehr. Beim Leser und bei den beiden Alphas, auch wenn einer von ihnen sich anfänglich selbstredend erst noch etwas ziert.

    Wäre schließlich noch schöner, gleich beim ersten Zusammentreffen seinem animalischen Paarungstrieb nachzugeben, gell? Nichts da, man(n) hat seinen Stolz, und den gibt er nicht mal eben gleich an der Garderobe ab, schon gar nicht wenn die Gegenseite nicht nur ebenfalls Alpha sondern zudem männlich ist.

    Letzteres zumindest täte den anderen Alpha spontan so gar nicht stören. Im Gegenteil.

    Ein Blick sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Diese schlichte Weisheit beschert dem Leser immer wieder herrliche Momente.

    Clives Reaktion beim Frühstück, besonders das Übereinanderschlagen der Beine unter dem Tisch, um sein bestes Stück vor Quinns "Röntgenblick" zu verbergen oder vielleicht sogar die Tatsache, dass sein kleiner Freund sich ungewollt bemerkbar macht ... etc.

    Die witzige Kombination mancher Bilder mit Gedankentexten beansprucht gleichermaßen oft und gern die Lachmuskeln.

    Wenn Quinn sich beispielsweise im Auto fragt, warum er in Gottes Namen Clive angeboten hat ihn nachhause zu fahren und ihm, als sein Blick Clives nackten Oberschenkel und den Inhalt seiner knappen Shorts streift wieder einfällt: "Ach ja - Deswegen".

    Das Charakterdesign der beiden Alpha Werwölfe ist sehr gut geraten. Clive und Quinn sind individuelle und interessante Persönlichkeiten. Immer wieder werden Andeutungen und Hinweise betreffend ihre jeweilige Vergangenheit eingestreut. Das verleiht ihnen nicht nur Dreidimensionalität, sondern weckt beim Lesen den Wunsch, mehr von all dem zu erfahren.

    Der Fortgang der Feindschaft zwischen Quinn und Andrew Hale, dem Alpha des ansässigen Rudels dürfte ebenfalls spannend werden, und auch Clives Arbeitgeber, der charismatische Barbesitzer Charlie mit seinem trockenen Humor, hat definitiv einiges an Potenzial, das es ausschöpfen gilt.

    Doch bezüglich all dessen wird noch etwas Geduld erforderlich sein.

    Denn nachdem Band eins neben dem gegenseitigen Kennenlernen von Clive und Quinn zugleich den Aufbau des Settings einschließlich der bereits erwähnten Nebenprotagonisten beinhaltet steht

    Band 2

    ganz im Zeichen der sich entwickelnden Beziehung zwischen Clive und Quinn.

    Diese geht hier in die nächste Stufe über und es versteht sich von selbst, dass dem alles entscheidenden Moment, in dem die Beiden im wahrsten Sinne des Wortes ein Paar werden das eine oder andere Panel mehr gewidmet wird.

    Letzteres kommt der Sache erfreulicherweise sehr viel näher.

    Die Altersempfehlung dieses Manga liegt bei 16+ und in Anbetracht dessen, dass sich die erste leidenschaftliche Vereinigung über 16 Seiten erstreckt, ist dies zweifellos angemessen. Die ganz harten Fakten werden zwar nicht gezeigt (ansonsten wäre es ein 18+ Titel). Doch auch ohne dass der Leser alles sieht, sind diese 16 Seiten ein wahres Fest für alle Sinne bekennender Yaoi-Fans.

    Es geht hoch her und ziemlich heiß zur Sache. Wilde, pure Leidenschaft statt biederem Blümchensex, jedoch zu keinem Zeitpunkt ordinär, sondern einfach nur erregend realistisch und sehr schön anzuschauen.

    Das Tüpfelchen auf dem i bildet zum Abschluss dann noch ein göttlicher SD-Chibi Comic Strip, der sich auf eine vorangegangene Blow-Job Szene bezieht und schlicht zum Quieken ist.

    Kamineo hat einen herrlichen Sinn für Humor, der nicht nur immer wieder in den Situationen und Texten zum Ausdruck kommt, sondern insbesondere in Form jener witzigen SD-Chibi Comic Strips, die jeweils zwischen den einzelnen Kapiteln eingefügt sind. Jeder Strip bezieht sich inhaltlich auf das vorhergegangene Kapitel, und alle sind hinreißend. Doch den ersten Rang in meiner persönlichen Hitliste nimmt definitiv derjenige ein, der das erste sexuelle Beisammensein von Clive und Quinn so krönend abschließt.



    Zum Ende des zweiten Bandes nimmt dann neben der erotischen auch die erzählerische Spannung erneut wieder richtig Fahrt auf.

    Ob tatsächlich nur eine falsch platzierte Küchenrolle Schuld an den Ereignissen der letzten Seiten ist oder vielleicht weitaus mehr dahinter steckt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, werden wir wissen, sobald der nächste Band erscheint.

    Bewertung des Artworks:

    Kamineo hat eine klare, kräftige Strichführung. Ihr Stil ist realistisch und mit Ausnahme der Chibis alles andere als verspielt.

    Ihre Protagonisten haben nicht nur charakterlich, sondern auch optisch einige Ecken und Kanten. Im Gegensatz zu manch anderem Manga könnte niemand Clive und Quinn für weibliche Geschöpfe mit Zusatz zwischen den Beinen halten. Denn die Körper der Beiden sehen nicht nur sehr individuell aus, sondern sind durch und durch männlich, mit breiteren Schultern, Muskeln an den richtigen Stellen sowie Haaren an Orten, an denen man sie für gewöhnlich nicht an BL-Bishonen findet.

    Persönlich hätte ich zwar auf jene verzichten können, die sich im Bereich des wohlgeformten Brustkorbs befinden, aber ich kann mir vorstellen, dass etliche Leserinnen gerade dies als besonderes Attribut von Männlichkeit oder der animalischen Werwolf Gene besonders anziehend finden werden.

    Abgesehen von der Brustbehaarung, die schlicht nicht meins ist, sind Clive und Quinn auf jeden Fall was fürs weibliche Auge, vorausgesetzt frau steht nicht ausschließlich auf den androgynen Typ. Bemerkenswert finde ich dabei, dass Clive ungeachtet seiner unverhohlenen Männlichkeit trotzdem etwas ungemein Sweetes an sich hat.

    Sehr gelungen finde ich zudem die Darstellung der Beiden in ihrer tierischen Form als Werwölfe. Interessanterweise wirkt Clive in Wolfsgestalt wie ein draufgängerischer junger Seme, während Quinn als Wolf eine überraschend sanfte Ausstrahlung hat. Vielleicht liegt es daran, dass Quinns Wolfsfell mehrfarbig ist, was spontan Assoziationen mit Strähnchen weckt.

    Sofern Hintergründe vorkommen sind diese erstaunlich detailliert.

    Besonders hervorzuheben ist meines Erachtens, dass die Zeichnungen von Kamineo nicht statisch sind, sondern Bewegungen wirklich gut einfangen, da gerade dies oftmals ein großes Problem darstellt, wenn eine Mangaka noch am Anfang steht.

    Denn soweit ich das überblicke ist das bei Kamineo derzeit noch der Fall, auch wenn man dies ihrem Artwork nicht ansieht. Denn das ist richtig klasse.

    Bewertung der Ausstattung:

    Die beiden Bände haben eine westliche Leserichtung von links nach rechts, und sie sind mit jeweils 64 Seiten verglichen mit einem normalen Standard Manga ziemlich dünn.

    Doch dafür ist die Ausstattung der Ausgaben sehr hochwertig.

    Zum einen ist das Format mi A5 deutlich größer als hierzulande üblich, wodurch das schöne Artwork besser zur Geltung kommt.

    Zum anderen haben die Bände einen überaus edlen matten Einband, der vorn und hinten jeweils noch eine kleine eingeschlagene Klappseite enthält, auf der sich je eine Chibi-Zeichnung in Farbe von Clive bzw. Quinn im Adamskostüm mit Feigenblatt befindet. Einziges Manko der Einbände ist, dass sie extrem empfindlich in Sachen Fingerprints sind. Hier ist beim Lesen Vorsicht angesagt.

    Die Innenseiten lassen qualitativ nichts zu wünschen übrig. Das Papier ist nicht nur strahlend weiß und ziemlich fest, sondern hat eine Hochglanzoberfläche. Das kannte ich so bislang nur von Artbooks. Etwas in der Art bekommt man hierzulande bei einem "gewöhnlichen Manga" selten bis gar nicht zu Gesicht.

    Fazit:

    Mir haben die ersten beiden Bände von Alpha2 sehr gut gefallen und ich freue mich schon darauf (hoffentlich bald) zu erfahren, wie es mit diesen beiden sexy Werwölfen weitergeht.

    Diese Manga Serie ist einmal mehr ein echtes Paradebeispiel dafür, dass deutsche Mangakas weder in Sachen Kreativität noch zeichnerisch ihr Licht unter den künstlerischen Scheffel stellen müssen.

    Lucky me, dass so talentierte Mangakas wie Kamineo ihre Fähigkeiten dem BL Genre widmen.

    Wer sich einen kleinen Eindruck vom Artwork und dem Erzählstil verschaffen möchte, kann dies in Form einer Leseprobe zu Band 2 auf Animexx tun

    http://schwarzerturm.blogspot.de/2012/08/leseprobe-von-kamineos-alpha-band-2-auf.html
    Geändert von Sujen (20.09.2012 um 23:15 Uhr)

  16. #91
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    His Arrogance

    Manga von Takashi Kanzaki - US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Ryous älterer Bruder Tomohito ist das männliche Top Model in der Agentur ihres Vaters. Ryou, der noch auf die Highschool geht vergöttert seinen Bruder ebenso wie umgekehrt. Dessen Freund Hisashi, der ebenfalls ein Model in der Agentur ist, hat sich längst mit diesem gegenseitigem Bruderkomplex abgefunden. Nicht so Katzuto, seines Zeichens Ryous Klassenkamerad und jüngstes Nachwuchsmodell der Agentur. Katzuto ist fest entschlossen, Tomohito den Rang abzulaufen, und zwar sowohl was die Karriere betrifft als auch den Platz in Ryous Herz.

    Bewertung des Inhalts:


    Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

    Diese alte Weisheit trifft es zwar nicht völlig, aber immerhin zur Hälfte. Denn neben seinem Ehrgeiz ist brennende Eifersucht nicht nur eine starke Motivation, die Kazuto antreibt, sein Bestes zu geben, um seinen Rivalen auszustechen, sondern sie ist es, die ihn immer wieder aufs Neue (fast) über sein Ziel hinausschießen lässt. Sieht es anfänglich noch so aus als ginge es allein um die Position als Nummer eins der Agentur, wird rasch klar, dass es vornehmlich Ryous Bewunderung für seinen angebeteten Bruder ist, die Katzuto ein Dorn im Auge und im Fleisch ist.

    Die Geschichte wird aus Sicht Ryous erzählt, der gemeinsam mit den männlichen Models im Wohnheim der Agentur lebt und sich nach der Schule als "Mädchen für alles" um sie kümmert. Durch seine Augen betrachtet fühlt der Leser sich in gleichem Maße wie er von Kazutos charismatischer Persönlichkeit in den Bann gezogen. Dessen an Arroganz grenzendes Selbstbewusstsein und die Art und Weise wie er den anfangs noch zögernden Ryou nach und nach für sich gewinnt, sind gleichermaßen provokativ wie verführerisch. Bisweilen erinnert er ein wenig an eine ungezähmte Wildkatze, die mit ihrer Beute spielt. Dann wieder blitzen unter seiner Energie und dem Zorn, mit dem er auf Niederlagen reagiert, Unsicherheit und Verletzlichkeit hervor. Denn ganz gleich was er macht und tut, am Ende liegt die Entscheidung nicht bei ihm sondern bei Ryou.

    Humor findet man in diesem Manga nicht, dafür jedoch jede Menge Drama rund um die komplizierte emotionale "Dreiecksbeziehung", bei der Ryou zwischen seinem Bruder und seinem Liebhaber steht.

    Tomohitos Umgang mit Ryou und insbesondere mit der Erkenntnis, dass Kazuto ihm die Liebe seines kleinen Bruders streitig macht, ist irritierend. Hier spielt die Mangaka ganz bewusst mit dem Thema Inzest. Ein solcher kommt zwar nicht vor, aber das Benehmen Tomohitos ist durchaus geeignet, mehr als rein brüderliche Zuneigung in sein Verhalten hineinzuinterpretieren. Persönlich fand ich es etwas grenzwertig, dass Tomohito sich fast wie ein besitzergreifender Liebhaber aufführt. Immerhin macht dies aber Katzutos Eifersucht für den Leser nachvollziehbar. Geschwisterliebe hin und her, eine derart enge Beziehung zwischen Brüdern muss für den, der einen von ihnen liebt zwangsläufig ein Quell der Pein sein. Schließlich strebt jeder danach, im Herzen seines Partners den ersten Platz einzunehmen und möchte diesen sicher nicht durch dessen Bruder dermaßen okkupiert sehen.

    Für einen Manga, der beim Yaoi Hardcore Label 801 Media erschienen ist, gibt es in diesem Band erstaunlich wenig Yaoi. Erst nach ca. 1/3 kommt es überhaupt zu einem Körperkontakt, wobei dieser sich auf Fummeln und einen Blow-Job beschränkt, wovon nichts so explizit ist, wie man es bei einem 801 Media Titel erwarten dürfte. In der Mitte des Mangas folgen dicht hintereinander die einzigen beiden Szenen, in denen es richtig zur Sache geht. Allerdings sind Beide kurz und außer einem nackten Hintern und den obligatorischen Schweiß- und Sperma Spuren am Körper wird nichts gezeigt. Am Ende gibt es dann noch eine winzige Szene, bei der man aber wiederum vergleichsweise kaum etwas sieht.

    Die achtseitige Bonusstory am Schluss dreht sich um den Valentinstag und die Schokolade, die Kazuto geschenkt bekommt und selbst verteilt und ist völlig Yaoi-frei.

    Bewertung des Artworks:


    Takashis Kanzakis Zeichnungen sind sehr gelungen. Tomohito ist so attraktiv und männlich, dass man ihm ohne weiteres abkauft, ein gefragtes Top Model zu sein.

    Ryou wirkt neben Kazuto, der angeblich im selben Alter ist, indessen zu jung und in manchen Panels kommt er für meinen Geschmack etwas zu kindlich rüber. Auch hier spielt die Mangaka wiederum mit einer grenzwertigen Thematik, indem sie Ryous Äußeres und sein teilweise naives Benehmen bewusst mit einem leichten Hauch von Shota überzieht. Nicht so viel, dass es stört oder man es als unangenehm empfindet. Aber doch schon so, dass es nicht unbemerkt bleibt und Raum für eine entsprechende Interpretation und Fantasien beim Leser lässt, wenn nicht gar diese sogar gezielt weckt.

    Fazit:

    Mir hat dieser Manga sehr gut gefallen. Das Spiel mit den Feuern Inzest und Shota bewegt sich noch im für mich akzeptablen Bereich, da man das eine wie das andere zwar durchaus hineininterpretieren kann, aber eben nicht muss. Wie ein jeder dies am Ende hält ist letztlich seine eigene Sache.

    Wer einen kurzen Blick in dieses Werk werfen möchte, kann dies dank der von amazon bereitgestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/His-Arrogance-T...8248694&sr=1-1

    Hinweis:

    His Arrogance ist ein Sequel bzw. eine Sidestory zur Titelgeschichte der Storysammlung "Falling into Love" von Takashi Kanzaki, welche sich um Tomohito und Hisashi dreht.

    Diese habe ich bereits früher rezensiert.

    Meine Rezension findet ihr entweder:

    hier in diesem Thread

    oder hier in

    meinem Blog
    Geändert von Sujen (21.09.2012 um 20:42 Uhr)

  17. #92
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    Waru

    Manga von Yukari Hashida - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Joe, einziger Sohn des Mediziners Oiizumi war nie ein Sprössling zum Vorzeigen. Schulverweise, Kleinkriminalität, Jugendknast. Als sein Vater bei ihm eine tödliche Krankheit diagnostiziert beschließt Joe vor seinem Abtreten noch etwas zu tun, um der Nachwelt in Erinnerung zu bleiben - und gleichzeitig genug Geld zu haben, um die Zeit, die ihm noch bleibt irgendwo in der Südsee in Saus und Braus zu verbringen. Daher kidnappt er Yuushi, den Sohn des Politikers Mizaki. Alles scheint nach Plan zu laufen. Doch dann passiert etwas, womit Joe nicht gerechnet hat. Yuushi ist schwul und findet Gefallen an seinem attraktiven Kidnapper.

    Bewertung des Inhalts:

    Was sich im ersten Moment nach einem massiven Stockholm-Syndrom anhört entpuppt sich im Verlauf der Story als genau das Gegenteil.

    Denn es ist nicht der ältere und aggressivere Joe, der die Fäden in den Händen hält, sondern der mädchenhafte, jüngere aber sehr leidenschaftliche und zudem äußerst clevere Yuushi.

    Diese Entwicklung ist umso interessanter als sie recht unerwartet kommt.

    Joe und Yuushi sind zwei sehr starke, charismatische Persönlichkeiten, zwischen denen es mächtig knistert. Hier stimmt die Chemie einfach, und obwohl es nicht lange dauert, bis sie im wahrsten Sinne des Wortes übereinander herfallen, wirkt dies absolut glaubwürdig. Diese Beiden sind jeweils für den anderen geboren, daran besteht vom ersten Moment an keinerlei Zweifel. Dementsprechend reicht ihre Beziehung weit über das Körperliche hinaus und nimmt zumindest von Yusshi betrifft obsessive Züge an.

    "Ich würde alles tun und alles mit mir tun lassen, um bei dir zu sein, doch solltest du mich je betrügen, könnte ich dir nie verzeihen." Diese Worte würden in manch anderem Manga übertrieben pathetisch klingen, aber in Waru passen sie und drücken das, was Yuushi fühlt perfekt aus. Für alle Zweifler bleibt es dann auch nicht bei Worten.

    Denn sowohl Joe als auch Yuushi treten den Beweis dafür an, dass sie tatsächlich bereit sind, ohne Wenn und Aber alles für den anderen zu tun und sich notfalls selbst zu opfern, sollte es nötig werden.

    Ihr Verhältnis weckt Remizenzen an Gangsterpärchen à la Bonny & Clide, indessen mit dem gravierenden Unterschied, dass

    sie am Ende auf der richtigen Seite des Gesetzes stehen. Denn selbstredend lässt Yuushi nicht zu, dass die Liebe seines Lebens ins Gefängnis wandert, und nachdem die vermeintlich tödliche Diagnose sich als letzter Versuch des Vaters herausstellt, den missratenen Sohn wieder auf den Pfad der Tugend zurückzubringen, steht Joes Karriere als Bodyguard des angehenden Politikers Yuushi nichts mehr im Weg.

    Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren und stellt dabei überzeugend dar, wie die Beziehung zwischen Yuushi und Joe immer enger wird. War es anfangs wilde Leidenschaft, so wird ihre emotionale Bindung mit der Zeit so intensiv als wären sie eine einzige Person.

    Neben dem zentralem Hauptpaar gibt es diverse Nebenprotagonisten, von denen Yuushis Vater der unauffälligste ist. Joes Erzeuger hingegen ist schräg und teilweise durchgeknallt während Yuushis Mutter eine leichtlebige, berechnende Schlampe ist, und dann gibt es da noch Yuushis ehemaligen Tutor und ersten Liebhaber, der alles andere als eine sympathische Person ist.

    Nicht nur dass er auf kleine Jungs steht, ist er ein intriganter und zudem sehr gefährlicher und geistig definitiv nicht ganz gesunder Mann.

    Es gibt jede Menge Action, die immer wieder mit schrillem Humor gewürzt wird. Die Yaoi Szenen sind eher spärlich und nach meinem Verständnis nicht übermäßig explizit.

    Bewertung des Artworks:

    Waru ist von 2002 und die Zeichnungen entsprechen nicht unbedingt dem, was heute "in" ist.

    Joe ist auch nach heutigen Maßstäben attraktiv und würde optisch als ein moderner Seme durchgehen, sofern man einmal von seiner altmodischen Langhaarfrisur absieht. Yuushi hat es äußerlich da schon schwerer. Denn von den Haaren über die Augen bis hin zum Körperbau ist er genau die Art von Uke, wie man sie aus den 90igern kennt. Seine Eltern und insbesondere Joes Vater sind ebenfalls typische Vertreter des Old Style, der mehr in Richtung Shounen denn Shoujo geht.

    Insgesamt betrachtet ist das Artwork zwar stimmig und passt zur Geschichte. Doch mir persönlich ist es ein wenig zu altmodisch.

    Bewertung der Ausstattung:

    Die Ausgabe von Digital Manga June hat ein Großformat und einen separaten Hochglanzschutzumschlag.

    Es gibt zwar keine Farbseite(n), aber die Qualität des Papiers innen ist erfreulich hochwertig. Es ist sehr weiß und etwas dicker als es dem üblichen DM Standard entspricht. Zudem hat es eine sehr glatte Oberfläche.

    Fazit:

    Waru ist ein lesenswerter Manga mit einer spannenden Handlung, die nicht hinter der Beziehung der Protagonisten in den Hintergrund rückt.

    Wer Action mag und sich an dem unmodernen Zeichenstil nicht stößt, für den könnte dieses Werk sicher etwas sein.

    Einen kleinen Eindruck vom Artwork und Erzählstil kann man sich hier mit der von amazon zur Verfügung gestellten Leseprobe verschaffen:

    http://www.amazon.de/Waru-Hashida-Yu...8341126&sr=1-1

  18. #93
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    Crushing Love

    Manga Story Sammlung von Ritsu Natsumizu

    US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Crushing Love enthält insgesamt sechs Geschichten, wobei die erste und die zweite sowie die dritte und die vierte jeweils zusammengehören und zwischen diesen Stories eine lose Verbindung besteht, da einer der Hauptprotagonisten der dritten und vierten Story in der ersten bereits ein wichtiger Nebenchara ist.

    Die ersten beiden Stories drehen sich um den wohlhabenden Geschäftsmann Keichiro Kuroda. Vor Jahren brach ihm seine große Liebe das Herz. Er wurde um Geld betrogen und sitzengelassen. Seitdem ist er ein Zyniker, der auf den Tag der Rache wartet. Dieser scheint gekommen, als sein Exfreund ihn aufsucht und anfleht, ihm Geld zu borgen, damit die Firma seines neuen Freundes vor der Pleite gerettet werden kann. Keichiro bietet seinem ehemaligen Geliebten eine Wette an, welche dieser nur verlieren kann. Fünf Milionen Yen, die in einem Papierkorb im Park deponiert werden, zusammen mit der Notiz "Verwendung nach Belieben". Sollte derjenige, der das Geld entdeckt, es binnen drei Tagen bei der Polizei abgeben, ist Keichiro bereit seinem Exfreund diese fünf Millionen Yen zu leihen. Anderenfalls sollen er und die Firma seines Freundes zum Teufel gehen. Doch als der junge Kaouru Otawa Geld und Notiz findet entwickelt sich die Sache irgendwie ganz anders als geplant.

    Die dritte und die vierte Story gehen um den charismatischen Nachtclub Besitzer Yukihiko und Seichiro Aoyama, den Sohn einer Bediensteten von Yukihitos Familie. Diese hatte sich nach dem Tod ihrer Angestellten um dessen Kind gekümmert und ihn wie einen eigenen Sohn aufgezogen. Seit frühester Jugend ist Seichiro heimlich in Yukihito verliebt, ohne zu ahnen, dass seine Gefühle, die er sorgsam unter Verschluss hält, von diesem erwidert werden.

    Die fünfte Geschichte handelt von den Oberschülern Nakahara und Kimijina, die eine Beziehung unterhalten, die ausschließlich auf Sex basiert, oder etwa doch nicht?

    Die sechste Story hat im Grunde genau dieselbe Handlung wie die Fünfte. Diesmal sind es die zwei Mittelschüler Himura und Adachi, die ein sexuelles Verhältnis haben. Dies bedeutet Adachi zwar weitaus mehr als das, aber er traut sich nicht, Himaru seine Liebe zu gestehen.

    Bewertung des Inhalts:

    Die ersten beiden Geschichten rund um den Zyniker Keichiro, der das Lächeln verlernt hat und den liebenswerten Kaouru, der an das Gute in seinem Nächsten glaubt und nichts so sehr verabscheut wie Menschen, die außerstande sind anderen zu vergeben, sind überaus gelungen. Die Beiden sind ein wunderbares Paar, das dem Spruch, dass Gegensätze sich anziehen würden, einmal mehr Geltung verschafft.

    Die Idee mit der Rache-Wette gefällt mir, und ich fand sie ausgesprochen gut umgesetzt. Es gibt eine Vielzahl von schönen Momenten, unter anderem der als Keichiro erkennbar zum ersten Mal in Kaouru mehr sieht als ein Mittel zum Zweck. Man sieht als Leser förmlich wie es in ihm "Klick" macht und er sich verliebt, auch wenn er selbst noch ein Weilchen braucht, um das selbst zu begreifen.

    Dritter im Bund ist Yukihito, ein Nachtclub Betreiber, dem Charme und Charisma aus jeder Pore seines attraktiven Körpers strömen. Herrlich, die erste Begegnung zwischen ihm und Keichiro.

    Der eine vernascht gerade einen seiner Keller auf dem Ledersofa, der andere wird wegen seines finsteren Gesichtsausdrucks mit einem Kredithai verwechselt.

    Yukihitos Auftauchen bringt eine leichte Veränderung des Erzählstils mit sich. Dieser war zuvor eher Ernst. Doch mit Yukihitos Erscheinen auf der Bildfläche - bzw. umgekehrt.

    Denn tatsächlich sind es Kaouru und Keichiro, die bei Yukihito erscheinen, weil Ersterer ihm fünf Millionen Yen schuldet.

    wird er lockerer und humorvoller, was der Geschichte sehr gut tut und sie davor bewahrt, ins Drama abzurutschen.

    Persönlich fand ich Yukihito noch interessanter als Keichiro und Kaouru und viel zu schade, um lediglich ein Nebenchara zu sein, wenn auch einer, dem hier sehr viel Platz eingeräumt wird.

    Offenbar bin ich nicht die Einzige, die das so sieht. Nicht von ungefähr dürfte Yukihito in den Stories Drei und Vier im Zentrum des Geschehens stehen.

    Wobei ich sagen muss, dass er mir in der Rolle als amüsierter Beobachter, der sich gerne einmal einen Spaß erlaubt und Schwarm seiner männlichen Angestellten ist, mit denen er sich gelegentlich im gegenseitigen Einvernehmen vergnügt, indessen das Herz stets auf dem rechten Fleck hat, beinahe besser gefallen hat als in derjenigen dessen, der tiefe Gefühle für einen anderen hegt.

    Nicht etwa, dass es nicht passen würde. Im Gegenteil. Diese Lovestory ist auf ihre Art ziemlich sweet. Aber mir gefiel Yukihito als leichtlebig porträtierter Kerl einfach einen Tick besser als in dieser ernsteren Position. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass diese Geschichten etwas klischeehafter sind als die beiden davor, insbesondere was die Art und Weise angeht, mit der Yukihito am Ende Seichiro dazu bringt, sich und ihm endlich seine Liebe zu gestehen.

    Die beiden letzten Geschichten sind sich wie bereits erwähnt inhaltlich sehr ähnlich. Keine ist besonders originell, beide sind klischeehaft und weichen keinen Millimeter vom BL-typischen Aufbau ab. Das bedeutet nicht, dass sie schlecht sind. Es sind nette kleine Füller, nicht weniger aber eben auch nicht mehr.

    Jede Geschichte enthält Yaoi, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Die Vierte und Fünfte etwas mehr, die Letzte so gut wie fast nichts. Teilweise sieht man ein wenig mehr, aber vorrangig bleibt es bei Andeutungen bzw. die entscheidenden Körperteile sind entweder verdeckt oder verschwommen dargestellt.

    Bewertung des Artworks:

    Ritsu Natsumizu hat einen klaren, eleganten Stil.

    Natürlich sind ihre Protagonisten geschönt. Doch insgesamt wirkt alles ziemlich realistisch. Sie hat ein gewisses Faible für bebrillte Ukes Marke "Muttis Liebling", welche jedoch glücklicherweise nicht in allen Geschichten zum Tragen kommt. Der Uke der Hauptstory ist auf jeden Fall ziemlich niedlich. Ihre Semes sind allesamt überaus attraktive Kerle, wobei insbesondere Keichiro und Yukihito zum Dahinschmelzen sind.

    Hintergründe gibt es so gut wie gar nicht. Dafür schauen die Yaoi Szenen wirklich erotisch und zugleich sehr ästhetisch aus.

    Bewertung der Ausstattung:

    Die Ausgabe von Digital Manga June hat ein Großformat und einen separaten Hochglanzschutzumschlag.

    Es gibt zwar keine Farbseite(n), aber die Qualität des Papiers innen ist erfreulich hochwertig. Es ist sehr weiß und etwas dicker als es dem üblichen DM Standard entspricht. Zudem hat es eine sehr glatte Oberfläche.


    Fazit:

    Mir hat dieser Manga sehr gut gefallen.

    Die beiden letzten Stories sind zwar ein wenig durchschnittlich. Doch zum Ausgleich fand ich die ersten zwei rund um die Wette richtig klasse, und die beiden, in denen der Nachtclub Betreiber Yukihito im Mittelpunkt steht, mag ich ebenfalls sehr, schon weil ich ihn von allen Protagonisten dieser Sammlung am besten finde.
    Geändert von Sujen (23.09.2012 um 17:20 Uhr)

  19. #94
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    Fear Tango

    Manga Serie von Vanessa Maryanto (Autorin) und Cassandra Jean (Illustratorin)

    Drei Bände erschienen als Eigenproduklion auf Deutsch beim Fireangels Verlag



    Inhalt:

    An einem regnerischen Tag begegnen sich der italienische Mafioso Corozzo "Crowe" Gigante und Neal, Mitglied des irischen Mobs von "Mama Shanon", Boss der Hugh-Sippe. Der Erste will eine rauchen, hat jedoch kein Feuer. Der andere bietet ihm spontan sein Feuerzeug an. Dies ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, die sich rasch auch auf die Familia Gigante und den Hugh-Clan ausdehnt.

    Wie werden die anderen Sippen des irischen Mobs darauf reagieren, dass sich welche der ihren mit den verhassten italienischen Mafiosi verbrüdert haben, und ist es wirklich nur Freundschaft, was Crowe und Neal verbindet?

    Bewertung des Inhalts:

    Fear Tango ist ein ungewöhnliches und ambitioniertes Werk, das anfänglich sorgsam darauf achtet typische BL-Klischees zu vermeiden.

    Kitsch oder Pathos findet sich in den ersten beiden Bänden nirgends. Dafür jede Menge knallharte Action und Brutalität. Ob der "Alltag" eines italienischen Mafioso bzw. der eines Angehörigen des irischen Mobs sich tatsächlich so abspielt, kann ich in Ermangelung von eigenen Erfahrungswerten natürlich nicht beurteilen. Allerdings wirkt das Ganze auf mich ziemlich überzeugend.

    Lediglich die Bereitschaft der Hugh Sippe, die Freundschaft derer, die offenbar die erklärten Erzfeinde des irischen Mobs sind, ohne jegliches Zögern zu erwidern, erschien mir etwas zu rasch. Andererseits wäre es der eigentlichen Geschichte abträglich gewesen, zig Kapitel damit zu verbringen, zu zeigen, wie Mama Shanon ihre Zweifel und ihre Abneigung gegen ein solches Bündnis ablegt. Denn im Kern geht es ja gerade darum, die Konsequenzen der Freundschaft zwischen den Gigantes und den Hughs im Allgemeinen sowie der zwischen Crowe und Neal im Besonderen darzustellen. Da ist es verständlich, dass diese Ausgangslage bereits nach wenigen Seiten geschaffen ist.

    Der Erzählfluss ist straff und schafft es kontinuierlich Spannung aufzubauen ohne dabei eine genauere Beleuchtung der beiden Protagonisten und ihres Lebens außer Acht zu lassen. Dabei zeigen sich diverse Gemeinsamkeiten der beiden auf den ersten Blick recht unterschiedlichen Männer. Denn einmal davon abgesehen, dass Beide dieselbe Auffassung von Loyalität gegenüber der Familie und den Freunden haben, gibt es auch betreffend ihrer Vergangenheit gewisse Parallelen.

    Beide wurden als Kinder Waisen und von den Oberhäuptern ihres jeweiligen Familien aufgenommen und adoptiert.

    Dies dient dazu ihre innere Verbundenheit zu stärken.

    Genau wie zwei niedlichen Katzen, die aus einem Wurf stammen.

    Eine lebt bei Neal, die andere schenkt er Crowe zum Dank für eine Kiste Wein. Letzter fühlt sich beim Anblick seines Kätzchen ständig an Neal erinnert.

    Dies ist eine originelle Idee, die einen Hauch Süße in die ansonsten eher hart angelegte Geschichte bringt. Sehr schön fand ich dabei insbesondere auch, dass immer wieder zwischen den Kapiteln Bilder einer der Katzen eingestreut sind, deren Körperhaltung die Veränderung der Beziehung zwischen Crowe und Neal bzw. einen Gedanken oder ein Gefühl eines der Beiden quasi symbolisiert.

    Daneben tauchen noch andere Tiere auf, die symbolisch gefährliche Situationen ankündigen. Lebende Schlangen. Gerippe von Dinosauriern, Hunde, Krähen, Raubtiere mit aufgerissenem Rachen etc. Diese tierische Symbolik findet sich auch auf den Covern der bisherigen drei Ausgaben, was mir sehr gut gefällt.

    Humor gibt es keinen, wenn man einmal von dem einen oder anderen launig gemeinten Spruch absieht, den ich indessen lediglich unter einem normalen Umgangston verbuchen würde. Das verleiht der Geschichte einen zusätzlichen realistischen Anstrich und macht sie noch glaubwürdiger.

    Körperkontakt sexueller Natur kommt erst in Band drei vor und beschränkt sich auf Andeutungen, bzw. es wird mehr oder weniger sofort "ausgeblendet". Dies passt sehr gut zur Armosphäre des Manga, der den Fokus vorrangig auf die actionorientierte Handlung und daneben die Entwicklung der emotionalen Beziehung zwischen Crowe und Neal setzt.



    Wobei letzteres im dritten Band etwas arg dick aufgetragen wird. Hier ändert sich nämlich der bisherige Erzählstil und es fangen an sich typische Bl-Elemente einzuschleichen. Generell habe ich dagegen nichts. Doch diese Abweichung vom bisherigen Grundton ist irritierend, zumal diese Emotionalität in krassem Gegensatz zu den sonstigen Taten der Protagonisten stehen.

    Damit komme ich zu einem massiven Minuspunkt, und der betrifft ausgerechnet die Protagonisten selbst.

    Keine Frage, Crowe und Neal sind interessante Persönlichkeiten. Sie haben Ecken und Kanten und sind auf ihre Art faszinierend. Zwar stehen sie außerhalb des Gesetzes, doch dies wäre für sich betrachtet für mich kein negatives Kriterium. Im Gegenteil. Für gewöhnlich finde ich gerade an Charakteren aus der Welt der Kriminalität besonders viel Gefallen. Ich stoße mich weder an Härte noch an Brutalität, und ich erwarte keineswegs, dass jeder ein liebenswerter Kerl ist. Doch es gibt bei mir ungeachtet dessen ein Limit dessen, was ich gewillt bin, einem Protagonisten zu vergeben, und dieses wurde hier sowohl von Crowe als auch insbesondere von Neal überschritten.

    Es ist mir gleich, ob der Ehrenkodex der Mafia verlangt, die Familie eines Verräters komplett auszulöschen. In der Realität kommt dies vor, so ist das Leben leider. Aber ich kann und werde einem Protagonisten niemals vergeben, dass er eine Frau und deren kleine Tochter eiskalt ermordet, weil der Ehemann und Vater ein Verräter war.

    Wer so etwas tut hat bei mir jegliche Sympathie verspielt. So jemanden dazu dann noch

    als gefühlvollen Menschen darzustellen, der in der Kirche um Vergebung bittet und von dem anderen getröstet und aufgebaut wird, nach dem Motto "Hey, Kopf hoch, es musste sein, vergiss die Sache und Schwamm drüber.

    und dazu als Krönung noch den ermittelnden Beamten

    wie einen gemeinen Kerl darzustellen, der den armen Mörder verfolgt und schikaniert, der vor dem gemeinen Inspektor beschützt werden muss wie ein unschuldiges Reh vor einem fiesen Jäger.

    schlägt dem Fass den Boden aus. Das empfand ich als schier unerträglich und ich frage mich ernsthaft, wie jemand den

    brutalen Mord an einer Frau und einem KIND!

    in so einer Weise behandeln und abhandeln kann.

    Von daher habe ich in Band drei selbstredend mit keinem der Beiden auch nur ansatzweise mitgelitten. Im Gegenteil. Für mich war es ein Vorschuss auf das, was sie verdient haben.

    Das Problem des Ganzen ist dann natürlich, dass mich infolge dessen, dass ich die beiden Protagonisten für das, was sie getan haben zutiefst ablehne, ihre Liebesgeschichte nicht mehr berühren kann. Gefühle, Geständnisse, Romantik - über all dem schwebt bei mir im Hinterkopf der Gedanke, dass sie es nicht verdient haben, glücklich zu sein.



    Bewertung des Artworks:

    Die Zeichnungen sind hart, kantig und ziemlich gewöhnungsbedürftig. Es wird gewiss Leser geben, die sie als schön empfinden. Doch diese dürften eher die Minderheit darstellen. Denn das Artwork ist zu ungewöhnlich und zu individuell, um bei der Masse auf Gegenliebe zu treffen.

    Da Crowe und Neal mir aus den oben genannten Gründen unsympathisch sind, stört es mich nicht weiter, dass sie alles andere als das sind, was ich unter attraktiv verstehe. Zumal ihr Äußeres wirklich gut zu ihrem Charakterdesign sowie zur Geschichte als solcher passt.



    Fazit:

    Fear Tango ist die Zusammenarbeit der indonesischen Autorin Vanessa Maryanto und der amerikanischen Illustratorin Cassandra Jean, welche dieses Projekt exklusiv für den Fireangels Verlag gefertigt haben.

    Für mich ist es die erste Begegnung mit diesen beiden Künstlerinnen, deren Werk recht zwiespältige Gefühle in mir weckt.

    Die Idee finde ich wirklich gut und das Artwork ist insgesamt für mich in Ordnung.

    Aber die Art und Weise wie in der Story mit dem, was Crowe und Neal getan haben, umgegangen wird, empfinde ich als befremdlich.

    Es ist eine Sache, seine Protagonisten Dinge tun zu lassen, die in meinen Augen unverzeihlich sind. Es ist in Ordnung, Charaktere zu erschaffen, die man als Leser nicht mögen muss. Gerade solche Geschichten können besonders interessant sein. Aber dann sollte man auch dazu stehen und das, was die Protagonisten getan haben nicht "herunterspielen" und sie gar als arme Gejagte hinstellen, die von dem großen bösen Polizisten gehetzt werden. Damit habe ich schlicht und ergreifend ein erhebliches Problem.

    Dies ist natürlich völlig subjektiv und sollte niemanden davon abhalten, diesen ungewöhnlichen Manga zu lesen.
    Geändert von Sujen (26.09.2012 um 22:52 Uhr)

  20. #95
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    Vanilla

    Manga Serie von Riyuk Yamakami - abgeschlossen in zwei Bänden

    US Ausgabe von Digital Media June Imprint



    Inhalt:

    Band 1 sowie die erste Hälfte von Band 2 sind der Titelgeschichte gewidmet.

    Der Oberschüler Ichiru Morio konnte noch nie besonders viel mit Mädchen anfangen. Warum dem so ist wird ihm unterschwellig bereits bewusst als er im Park im wahrsten Sinne des Wortes über seinen neuen Chemielehrer Saeki stolpert. Als er durch Zufall Zeuge wird, wie der Sensei sich in seinem Büro mit dem älteren Schüler Nakajima vergnügt, wird Ichirus Ahnung zur Gewissheit. Er ist nicht nur schwul, sondern bis über beide Ohren in Saeki verliebt. Zu seinem Pech hält Saeki nichts von Liebe, sondern bevorzugt One Night Stands. Ichiru und seine romantischen Gefühle prallen auf eisige Ablehnung. Doch ganz gleich wie oft Ichiru zurückgewiesen wird, er ist fest entschlossen nicht aufzugeben.

    Die zweite Hälfte von Band 2 enthält die mit der Hauptstory inhaltlich verbundene Sidestory "Pink Diamond"

    Sie ist zeitlich zwei Jahre nach der Titelgeschichte angesiedelt und dreht sich um zwei Nebencharas daraus. Der leichtlebige, promiskuitive Collegestudent Nakajima begegnet im Vergnügungsviertel zufällig dem deutlich älteren Yajima, der ihm in einer unangenehmen Situation hilft. Yajima entpuppt sich als Haushälter von Nakajimas ehemaligem Lehrer Saeki, mit dem er früher einmal geschlafen hatte. Zu Nakajimas Verblüffung scheint Yamija die Absicht zu haben, sich um ihn zu kümmern. Dabei will er doch nichts weiter als Spaß´und unverbindlichen Sex mit wechselnden Männern haben. Zumindest hätte er den gerne weiter so wie bisher. Wenn da nur nicht ständig gegen seinen Willen Yajimas Bild in seinem Kopf herumspuken und ihm die gute Laune vermiesen würde.

    Bewertung des Inhalts:

    Rein handlungsmäßig betrachtet passiert in Vanilla nicht sonderlich viel. Die Geschichten konzentrieren sich jeweils auf das Paar im Zentrum sowie zwei Nebencharaktere. In der Titelstory sind dies Nakajima und Yajima, und in der Sidestory, die sich um diese beiden dreht die Hauptcharas aus der Hauptgeschichte Ichiru und Saeki.

    Somit sind beide Geschichten im Grunde Kammerspiele, die jeweils aus der Sicht des Uke erzählt werden. Deren (widerstreitende) Gefühle werden umfassend beleuchtet. Die Semes hingegen bleiben weitestgehend unnahbar.

    Insbesondere über Saeki erfährt der Leser kaum mehr als seinen Beruf, wie er wohnt und dass er eine direkte und taktlose ja geradezu unfreundliche Persönlichkeit hat, die andere auf Abstand hält, der allenfalls gelegentlich einmal für eine rasche unverbindliche Nummer kurzzeitig und auch nur einmalig aufgehoben wird. Die Gründe für sein misanthropisches Verhalten bleiben bis zum Schluss im Dunkeln.

    Persönlich empfand ich diesen Umstand als einen der vielen Vorzüge dieses Manga.

    Denn Saeki weicht angenehm vom BL-typischen Klischee des "harte Schale-weicher-Kern" Typen bzw. seines alternativen Pendants des Zynikers, der aufgrund von negativen Erfahrungen und bitteren Enttäuschungen zu eben solchem wurde, ab.

    Weder er noch der Manga versuchen seinen Charakter durch irgendwelche Erklärungen zu rechtfertigen. Er ist wie er ist, ganz einfach weil er so ist und genau so und nicht anders sein möchte. Ob dies anderen gefällt oder sie vor den Kopf stößt, ob er sich damit Feinde macht oder potenzielle Freunde vertreibt. All das kümmert ihn nicht im Geringsten. Er ist kein isolierter unverstandener Mann, der unter seiner selbst gewählten Einsamkeit leidet und für seine Verachtung gegenüber anderen Menschen gibt es schlicht und ergreifend keinen anderen Grund als den, dass er die meisten Leute eben nicht mag. Saeki ist es völlig gleich, wie andere über ihn reden oder was sie von ihm denken und halten. Er verweigert sich standhaft jeglicher gesellschaftlich erwarteten Pflicht zur Sozialisierung, und er sagt stets genau das, was er meint ohne auf die Befindlichkeiten seiner Umgebung Rücksicht zu nehmen. Er ist beruflich korrekt, aber privat pflegt er einen unmoralischen Lebenswandel, und zwar ganz offen ohne sich dafür zu entschuldigen oder gar zu schämen.

    Aus meiner Sicht ist dies in gewisser Weise die höchste Form absoluter Freiheit.

    Saekis Benehmen macht ihn zwar nicht unbedingt zum Sympathieträger, aber er ist auf jeden Fall charismatisch und überaus faszinierend. Als Leser kann man ohne weiteres ebenso nachvollziehen, wieso sich seine SchülerInnen reihenweise in ihn verlieben als auch weshalb ihre Gefühle in Verzweiflung und Hass umschlagen, sobald sie vergeblich versuchen, ihm näher zu kommen.



    Demgegenüber steht quasi als Gegenpol der zu Pathos neigende durch und durch von Emotionen beherrschte und gesteuerte Ichiru. Im Manga wird er mehrmals mit einem anhänglichen Hundewelpen verglichen, und dies kommt seiner Persönlichkeit durchaus ziemlich nahe. Ganz gleich wie oft er auf grobe und kalte Ablehnung trifft. Er kommt immer wieder aufs Neue an und versucht alles, um die Aufmerksamkeit und Liebe von Saeki zu erhalten, nach der er sich sehnt. Letztlich ist es seine Unschuld, welche ihm den Sieg bringt, bzw. die anfängliche Verteidigung derselben und anschließende Darbietung auf dem Altar der Liebe.

    Wiederum vermeidet die Geschichte den klassischen Ausgang, dass der kühle Seme durch die Liebe und die Leidenschaft des Uke zum Schmelzen gebracht wird.

    Denn Saeki macht keineswegs einen allumfassenden charakterlichen Wandel durch. Er ist und bleibt der schwierige Misanthrop, und die Beziehung steht definitiv unter dem Vorbehalt, dass Ichiru bereit ist ihn genauso zu akzeptieren ohne ihn in einen liebenswerten Kerl ändern zu wollen.

    Die Tiefe dessen, was Saeki letztlich für Ichiru empfindet wird dementsprechend nicht durch romantisches Liebesgesäusel ausgedrückt, sondern wird Ichiru und dem Leser auf ganz andere, wunderbar subtile Weise vermittelt.

    Denn Saekis völlig Desinteresse für seine Mitmenschen zeigt sich unter anderem darin, dass er sich nicht die Mühe macht, sich ihre Namen zu merken. Mit Ausnahme seines Haushälters Yajima ist Ichiru der Einzige, dessen Namen er von Anfang an behält.

    Das fand ich wirklich wunderschön, und es war überaus passend zum Charakterdesign von Saeki, dass sich seine Liebe durch so eine schlichte Tatsache dokumentiert, die ihm selbst nicht einmal bewusst wird und die Ichiro seinerseits erst ganz zum Schluss in ihrer weitreichenden Bedeutung klar wird.

    Die Sidestory ist ebenfalls sehr gelungen. Auch bei dieser weicht die Mangaka bewusst vom erwarteten Klischee ab.

    Denn Yamija ist keineswegs der ernste, pflichtbewusste und solide ältere Mann, der den jungen, promiskuitiven Uke durch seine Liebe zurück auf den Pfad der Tugend bring. Vielmehr stellt sich am Ende heraus, dass Yajima ganz genau dieselbe Art von Leben führt wie Nakajima, und zwar genauso wie er ohne dies zu bereuen oder sich gar deswegen zu schämen.

    Erneut verzichtet der Manga völlig auf den moralisch erhobenen Zeigefinger und darauf, zu zeigen, wie ein moralisch schwarzes Schaf eines Besseren belehrt wird.

    Zwar geben sowohl Nakajima als auch Yajima ihr altes Leben auf, aber eben nicht, weil sie durch das tugendhafte, moralische Vorbild eines anderen dazu bekehrt werden, sondern weil sie erkennen, dass sie gleich sind und beim anderen genau das finden, was sie brauchen. Nämlich neben Liebe uneingeschränktes Verständnis und vorurteilsfreie Akzeptanz dessen wie sie sind und bislang gelebt haben.

    Der Erzählfluss ist in beiden Stories sehr emotional und teilweise dramatisch. Humor findet man in diesem Manga nicht. Ab und an gibt es mal eine lockere Bemerkung seitens Najimas, doch das ist allenfalls unter einem normalen Umgangston zwischen Mitschülern zu verbuchen.

    Die Sidestory enthält überhaupt keine erotischen Szenen. In der Hauptstory gibt es ein klein wenig Yaoi, das jedoch stets sehr rasch abgehandelt und zudem nur angedeutet ist.

    Bewertung des Artworks:

    Vanilla ist ein älteres Werk der Mangaka. In Japan sind die Tankobons 1998 bzw. 1999 erschienen. Der Zeichenstil ist im Vergleich zu jüngeren Werken zwar ein wenig unmodern, aber gleichzeitig auch wieder nicht so altmodisch wie andere Manga aus dieser Zeit. Als Leser merkt man zwar, dass Vanilla etwas älter ist, aber das Artwork ist dessen ungeachtet auch nach heutigen Maßstäben schön anzuschauen.

    Lediglich die Proportionen stimmen nicht immer, was sich insbesondere bei Totalen zeigt, wo die Köpfe oftmals ein wenig zu klein und die Gliedmaßen, speziell die Beine etwas zu lang gemessen am Rest des Körpers wirken.

    Bewertung der Ausstattung:

    Die Ausgaben von Digital Manga haben jeweils ein Großformat und einen separaten Hochglanzumschlag, jedoch sind die im Original enthaltenen Farbseiten lediglich Schwarzweiß.

    Fazit:

    Mir hat Vanilla ausgesprochen gut gefallen.

    Ich mag insbesondere die Tatsache, dass dieser Manga bestimmte durch die Allgemeinheit in der Regel verpönte Charaktereigenschaften nicht (vor)erurteilt, indem er dafür eine moralisch und/oder gesellschaftlich "anerkannte" Entschuldigung liefert, sondern diese als Teil der Persönlichkeit eines Menschen völlig wertneutral akzeptiert.
    Geändert von Sujen (25.09.2012 um 21:59 Uhr)

  21. #96
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    Beware of the Dog

    Manga von Kamineo - Deutsche Produktion von Verlag Schwarzer Turm



    Inhalt:

    Knapp einem Werwolf Rudel entkommen und ziemlich hungrig schleicht der junge Vampir Horus sich zu nächtlicher Stunde in ein prächtiges, hell erleuchtetes Anwesen, in dem gerade ein rauschender Ball stattfindet. Dummerweise gerät er dabei vom Regen in die Traufe. Denn die Anwesenden entpuppen sich als Werwölfe in Menschengestalt, die zusammengekommen sind, um die Erhebung eines der ihren zum neuen Alphawolf zu feiern.

    Alles amüsiert sich wunderbar - mit Ausnahme des neuen Rudelführers Flo. Den plagen Langeweile und sexuelle Frustration ob der Tatsache, dass seine eigene Art ihn nicht mehr reizt und insbesondere die Jungwölfe im Bett seinen Ansprüchen nicht genügen. Da kommt ihm der stattliche Vampir, der sich versehentlich in die Höhle seiner Feinde begeben hat, gerade recht.

    Angesichts der unerfreulichen Alternative, den anwesenden Wölfen zum Abendessen serviert zu werden, fällt es Horus leicht, Flos unmoralisches Angebot anzunehmen, ihm im Schlafgemach die Zeit zu vertreiben und im Gegenzug laufen gelassen zu werden.

    Wen interessieren schon Stolz und Ehre, wenn der Fortbestand der eigenen untoten Existenz auf dem Spiel steht? Zumal der Preis, den man(n) für sein Leben zahlen soll bei genauer Betrachtung alles andere als unangenehm ist.

    Bewertung des Inhalts:

    Die erste Hälfte von Beware of the Dog findet in einer zeitlich nicht näher definierten Vergangenheit statt. Die Zweite handelt in unserer Gegenwart.

    Die Protagonisten sind sehr interessant und ihre Unterschiedlichkeit schafft eine faszinierende und sehr prickelnde Dynamik zwischen ihnen.

    Auf der einen Seite der kapriziöse Rudelführer Flo mit seiner schillernden Persönlichkeit. Sein Auftreten, seine Art sich (nicht) zu kleiden, sein launenhaftes Benehmen, wie er steht, geht, redet und sich bei Bedarf verführerisch räkelt. Flo ist durch und durch ein weltmännischer Lebemann, dem sein Vergnügen über alles geht. Jeder Zoll seines zierlichen Körpers von den spitzen Ohren über den lässig geflochtenen Haarschopf bis zu den eleganten Fesseln strahlt zugleich selbstsichere Überlegenheit und betörend laszive Sinnlichkeit aus.

    Dazu Horus, der im ersten Teil noch ein unerfahrener, errötender Jungvampir ist, sich indessen in der zweiten Hälfte in einen selbstbewussten, charismatischen Geschäftsmann verwandelt hat, der genau weiß was er will, beruflich und privat. Diese Veränderung wird im Manga übrigens sehr gut vermittelt. Zwar bleibt Horus als Untoter äußerlich gleich, doch seine Körperhaltung und Körpersprache sind in dem Part, der in der Gegenwart angesiedelt ist, deutlich dominanter ausgeprägt.

    Bemerkenswert und witzig finde ich übrigens insbesondere auch die Tatsache, dass der Vampir von seinem Äußeren her viel mehr an einen Wolf erinnert als Flo bzw. dieser seinerseits wiederum optisch so ausschaut, wie es in der Regel die Vampire in Manga tun. Das ist eine originelle Umkehrung des üblichen Klischees, die mir sehr gefällt.

    Dritter im Bund ist im zweiten Teil ein junger Werwolf Welpe, mit dem sich Horus tröstet, während er sich nach Flo sehnt, den er weder vergessen kann noch will.

    So richtig viel Handlung gibt es nicht. In Kurzform zusammengefasst:

    Vampir trifft Werwolf - Beide verbringen einige vergnügliche Stunden - Vampir verlässt Werwolf - Zeitsprung - Vampir trifft Werwolf wieder - Wiedervereinigung von Vampir und Werwolf

    Doch wen stört das schon. Mich gewiss nicht. Denn einen Manga wie diesen liest man nicht der tiefsinnigen Story wegen, sondern um sich an den grafischen Darstellungen sexueller Interaktionen zwischen zwei attraktiven Kerlen zu erfreuen, und was das angeht verspricht das freche und aufreizend erotische Cover definitiv nicht zu viel.

    Ein gut gebauter Jungvampir, der mit einem ebenso verführerischen wie erfahrenen Alphawolf in dessen opulentes King Size Bett steigt, wo sie sich gegenseitig stunden- und seitenlang nach allen Regeln der Kunst verwöhnen und vernaschen ...

    Mal ehrlich, bei derartiger Ablenkung verabschiedet sich das Blut ohnehin aus dem Gehirn in tiefere Regionen, so dass frau eh außerstande wäre einer Handlung zu folgen, die das geistige Niveau einer Grasnarbe übersteigt.

    Da reicht die Aufnahmefähigkeit gerade noch um wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen, dass der Erzählstil locker-leicht und überaus humorvoll ist.

    Ansonsten ist für den Yaoi Fan das reinste Schwelgen im berauschenden Sinnestaumel angesagt. Denn hier bekommt er wirklich was geboten, und zwar mehr als üppig und genug.

    Die Explizität ist mit Werken wie Finder und Black Sun vergleichbar, lediglich mit dem Unterschied, dass es bei Beware of the Dog mehr oder weniger durchgehend überaus heiß und leidenschaftlich zur Sache geht. So verwundert es nicht sonderlich, dass man bzw. frau sich am Ende ungefähr so fühlt wie der junge Werwolf Welpe, der beim Bespannen seines Alphas ins sexuelle Nirwana abgedriftet ist, und man das dringende Bedürfnis verspürt nach ... einer eiskalten Dusche.

    Bewertung des Artworks:

    Kamineo hat es einfach drauf. Ihre Zeichnungen sind nicht nur sicher und wunderschön anzuschauen, sondern hocherotisch.

    Das fängt bereits beim schlicht atemberaubenden Cover an. Diese Farben und insbesondere natürlich dieses Motiv haben in mir spontan den Wunsch ausgelöst, das Cover als großes, eingerahmtes Bild an meiner Wand hängen zu haben.

    Die Zeichnungen innen stehen dem tollen Cover in Sachen Qualität in nichts nach und sind so sexy und offenherzig wie man es sich als bekennender Yaoi Fan nur wünschen kann.

    Einmal davon abgesehen, dass nichts nur angedeutet, verdeckt, verschwommen oder sonst wie zensiert ist, wird wirklich sehr viel oft und häufig gezeigt. Ich kann mich nicht erinnern je zuvor in einem in einer mir verständlichen Sprache erschienenen BL-Manga eine solche Menge an Panels gesehen zu haben, die Geschlechtsteile zeigen - noch dazu in verschiedenen Stadien der Erregung und zwischendurch sogar auch das eine oder andere Mal in ihrer "natürlichen" schlaffen Form. Gleiches gilt für die zahlreichen - oder besser zahllosen kreativen Blickwinkel, aus denen die nicht minder kreativen Positionen betrachtet werden. Einmal musste ich mehrmals hinschauen, bis mir klar wurde, aus welcher ungewöhnlichen Perspektive da gerade was dargestellt wurde.

    Bewertung der Ausstattung:

    Beware of the Dog hat zwar leider nur 64 Seiten, ist jedoch sehr edel gemacht.

    Das hochwertige Papier mit der seidigen Hochglanzoberfläche bringt das schöne Artwork ebenso wunderbar zur Geltung wie das etwas größere A5 Format.

    Eingehüllt wird das Ganze von einem festen Klappbroschur Einband, dessen matter Glanz äußerst edel ist, wenn auch leider nicht sonderlich resistent gegen Fingerabdrücke. Doch für so eine schöne Ausgabe zieht man als Leser gern die Samthandschuhe an, um sie in ihrer vollen Pracht zu erhalten.

    Fazit:

    Beware of the Dog ist ein Manga, den ich jedem Yaoi Freund unbedingt empfehlen kann und will.

    Lediglich zwei Dinge finde ich schade.

    Zum einen, dass es das auf Animexx veröffentlichte Pre-Chapter nicht in den endgültigen Band geschafft hat. Mir gefiel es nämlich wirklich sehr gut und es hat Flos Persönlichkeit wirklich wunderbar beleuchtet.

    Wer es noch nicht kennt und diese Wissenslücke schließen möchte, findet dieses Pre Chapter HIER

    Zudem ist dieses Werk in Ermangelung einer ISBN Nummer den potenziellen Interessenten leider nur eingeschränkt zugänglich.

    Derzeit gibt es lediglich drei Möglichkeiten, um an ein Exemplar zu kommen

    1. Man besucht eine Messe, auf der es einen Stand vom Schwarzer Turm Verlag gibt und kauft den Band direkt dort vorort.
    2. Man bestellt ihn gegen Altersnachweis Online im Freibeutershop
    3. Man kauft ihn entweder online oder vorort gegen Altersnachweis bei "Comic & Spiele Berlin" einem Geschäft, das wie der Name bereits sagt, in Berlin befindlich ist

    Auch wenn ich die Entscheidung des Verlags, welche im Hinblick auf den in der Tat alles andere als jugendfreien Inhalt getroffen wurde, durchaus verstehe und selbstredend akzeptiere, muss man eben schon bedenken, dass nicht jeder sich in Foren aufhält und/oder Manga-Messen besucht und deshalb diese Infos nicht jedem geläufig sind.

    Wie dem auch sei. In jedem Fall lohnt es sich, ein Exemplar von Beware of the Dog sein eigen zu nennen.

    Ich finde diesen Manga absolut grandios und freue mich sehr, dass er endlich auch meine Sammlung ziert.
    Geändert von Sujen (26.09.2012 um 22:30 Uhr)

  22. #97
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    Freefall Romance

    Manga von Hyota Fujiyama - US Usgabe von Digital Manga June Imprint.



    Inhalt:

    Der Angestellte Youchi Nasase hat noch nicht die Eröffnung seines jüngeren Bruders, schwul zu sein, verdaut, da wartet bereits der nächste Schock auf ihn. Renji Tsutsumi, Mitarbeiter der PR Agentur, mit der Youichi als Vertreter seiner Firma eng zusammenarbeitet, entwickelt nach einer gemeinsam durchzechten Nacht unerwartet Gefühle für ihn. Während Youchi versucht, dies als spontane Laune Tsutsumis zu ignorieren, tut jener genau das Gegenteil und fängt an ihn beharrlich zu umwerben.

    Bewertung des Inhalts:

    Der Erzählstil ist ruhig und erwachsen, und nimmt größtenteils den Blickwinkel von Youchi ein, da er Derjenige ist, der zögert und zaudert. Denn obwohl er von Tsutsumis Avancen alles andere als begeistert ist, bringt er es irgendwie nicht zustande, diesen klar und unmissverständlich abzuweisen. Die Gründe dafür sind dem Leser natürlich von Anfang an klar, auch wenn Youchi eine Weile braucht, um selbst dahinter zu kommen, dass er Tsutsumis Gefühle erwidert.

    Der Weg bis dahin ist alles andere als einfach, was dem Leser eine Reihe wunderbarer Momente beschert.

    So gestattet Youchi relativ rasch Tsutsumi ihn anzufassen - besser gesagt, er gewährt ihm in einer öffentlichen Toilette genau drei Minuten, um ihn durch die Kleidung zu berühren. Sinn und Zweck des Ganzen soll es sein, Tsutsumi vor Augen zu führen, wie kalt es ihn lässt, von ihm angefasst zu werden, damit er aufgibt.

    Dass dieser Schuss voll nach hinten losgeht, versteht sich bei einem BL-Manga von selbst.

    Dank des gelegentlichen Auftauchens von Youchis ehemaligem Mitschüler und überzeugtem Homosexuellen Ikuta wird die ansonsten eher ernste Atmosphäre immer wieder etwas humorvoll aufgelockert. Doch vorrangig setzt die Geschichte auf Emotionen, wobei insbesondere die Auseinandersetzung Youchis mit seinen widerstreitenden Gefühlen im Vordergrund steht.

    Der Umgang mit der Thematik, dass zwei Männer, die bisher hetero waren, zueinanderfinden erfolgt sensibel und überraschend glaubwürdig. Für gewöhnlich ist dies in einem BL-Manga stets etwas, das es zu bemängeln gibt. Denn das BL-Klischee, dass jeder Mann im Grunde schwul ist und lediglich auf den Richtigen wartet, ist genau das: ein Klischee. Es gehört irgendwo dazu, schon weil viele Geschichten ohne diese Voraussetzung gar nicht funktionieren würden. Aber das ändert nichts daran, dass es wenig überzeugend dafür übermäßig kitschig ist. Freefall Romance weicht in angenehmer Weise davon ab.

    Natürlich kommen hier auch letztlich zwei Männer zusammen, die vorher nie etwas mit Angehörigen desselben Geschlechtes hatten. Doch die Art und Weise wie die Geschichte die gegenseitige sexuelle Anziehungskraft begründet, macht hier eben den Unterschied auf der schmalen Gratwanderung zwischen unglaubwürdig und glaubhaft aus.

    Youchi und Tsutsumi sind zwar sehr sympathische Protagonisten, und der tiefe, ehrliche Respekt, den sie einander entgegenbringen, wird dem Leser sehr gut vermittelt.

    Dieser ist letztlich einer der hauptsächlichen Ursachen dafür, dass sich die Entwicklung ihrer Beziehung so überzeugend gestaltet. Tsutsumi fällt nicht über Youchi her und "überredet" ihn, wie es in vielen ähnlich gelagerten Manga der Fall ist. Es gibt kein romantisiertes Non-Con, sondern alles geschieht einvernehmlich. Tsutsumi ist zwar anfänglich die treibende Kraft, aber es artet niemals in jenes typische Bedrängen im Graubereich aus. Umgekehrt lehnt Houchi den anderen anfänglich zunächst nicht ab, weil er ihn und seine Gefühle achtet und sie deshalb mit dem Ernst und er Aufrichtigkeit zu überdenken bereit ist, den sie aus seiner Sicht verdienen.

    Es gibt einige überaus gelungene Yaoi-Szenen, deren Explizität im Auge des Betrachters liegt. Sie sind durchaus deutlich, jedoch ohne, dass Geschlechtsteile zu sehen sind.

    Bewertung des Artworks:


    Hyouta Fujiyamas Zeichnungen sind nicht minder erwachsen als ihr Erzählstil. Ihr Artwork ist klar und realistisch, mit attraktiven Protagonisten, die niemand für kleine Jungs halten könnte, und noch weniger für kleine Mädels. Die Mangaka beherrscht die Kunst der Mimik und der Blicke ausgezeichnet.

    Hintergründe gibt es so gut wie keine. Die Aufteilung der Panels ist großzügig, wodurch manche Stellen ein wenig skizzenhaft wirken, und zumeist werden Gesichter bzw. Oberkörper dargestellt.

    Bewertung der Ausstattung:

    Die Ausgabe von Digital Manga June hat ein Großformat und einen separaten Schutzumschlag, jedoch leider keine Farbseite.

    Fazit:

    Mir hat Freefall Romance sehr gut gefallen.

    Wer Slice of Life Geschichten mit einer langsamen, gefühlsbetonten Erzählstruktur mag, dem könnte es mit diesem Manga ebenso gehen.

    Hinweis:

    Freefall Romance ist ein Sequel bzw. eine Sidestory zur zweibändigen Manga Serie "Ordinary Crush" von Hyouta Fujiyama, die sich um Youichis jüngeren Bruder dreht, der auf die reine Jungenschule Kinsei Highschool geht, deren Schüler Gerüchten zufolge zu 90% schwul sind.

    Diese Serie ist ebenfalls bei Digital Manga June auf Englisch erschienen.

    Da Freefall Romance jedoch für sich allein steht, und man keine weiteren Vorkenntnisse aus der Serie benötigt außer der, dass Youchis Bruder schwul ist, und das im Manga erwähnt wird, muss man Ordinary Crush nicht zwingend (vorher) lesen.
    Geändert von Sujen (28.09.2012 um 21:15 Uhr)

  23. #98
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    Punishment

    Manga von Yamila Abraham (Autorin) und Yifeng Jiang (Illustratorin)

    US Ausgabe von Yaoi Press



    Inhalt:

    In einem Fantasy-Staat. Vishva, der Sohn eines früheren Präsidenten ist reich, privilegiert und könnte jeden Job haben. Doch aufgrund seiner sadistischen Neigungen hat er sich für die Arbeit als Auspeitscher in einer Strafbehörde für politische Gegner entschieden. Dort fängt eines Tages Fang an. Dieser gehört einer ethnischen Minderheit an, die von der herrschenden Klasse verachtet und als wertlos betrachtet wird. Fangs freundliches Wesen irritiert Vishva und seine Schönheit weckt das Bedürfnis in ihm, seine makellose Haut mit der Peitsche zu bearbeiten. Vishval freundet sich mit Fang an und als dieser eine Einladung in seine Penthouse Wohnung annimmt, scheint der Erfüllung seiner obsessiven Begierde nichts mehr im Weg zu stehen.

    Diese Hauptgeschichte umfasst rund zwei Drittel des Bandes. Das letzte Drittel enthält den ersten Teil der dreiteiligen Yaoi-Fantasy Serie Bastard King von Yamila Abraham (Autorin) und M. A. Sambre (Zeichner)

    Bewertung des Inhalts:

    Punishment ist ein ungewöhnliches und überaus dunkles Werk. Vishva wird als jemand eingeführt, der alles andere als sympathisch ist. Im Gegenteil. Er ist ein Sadist der schlimmsten Sorte, der es genießt anderen mit der Peitsche Schmerzen zuzufügen, und das beschränkt sich keineswegs auf die politischen Gefangenen, die er mit Wonne bestraft.

    Gleich zu Beginn peitscht er eine Prostituierte brutal zu Tode.

    Die Story beschönigt nichts und zeigt ihn schonungslos grausam und blutig in seinem Element.

    Fang wiederum ist sanft und gutherzig, weswegen man als Leser noch stärker mitfühlt, wenn er unter den Vorurteilen und den Gemeinheiten seiner neuen Kollegen zu leiden hat, die ihn wie Dreck behandeln.

    Ihm wird sogar verboten, die Toilette seiner Arbeitsstelle zu benutzen, da seine männlichen Kollegen diese nicht mit einem "Gluck" so die Bezeichnung der ethnischen Minderheit, teilen wollen.

    Doch Punishment wäre kein Werk, bei dem Yamila Abraham als Autorin auftritt, wenn es hinter all dem keinen unerwarteten Twist geben würde. Dieser wird hier natürlich nicht verraten. Nur so viel, ich fand ihn ziemlich gut, und vor allen Dingen clever umgesetzt. Denn genau in dem Moment wechselt die Erzählperspektive von Vishvas Blickwinkel zu dem von Fang. Mehr noch, die Geschichte macht einen Sprung zurück in die Vergangenheit kurz bevor Fang bei der Strafbehörde anfängt und erzählt die bereits bekannten Ereignisse erneut, diesmal jedoch eben aus Fangs Sicht, bis zu dem Moment in dem der Twist sich ereignet. Durch diese veränderte Wahrnehmung erfährt der Leser interessante Details, die das ursprüngliche Bild der Ereignisse bis zu diesem Punkt gleichermaßen verändern, ergänzen und komplettieren. Dieser erzählerische Kniff ist raffiniert in die Handlung eingewoben und bringt diese auf eine neue, faszinierende Ebene.

    Wie es danach weitergeht ist nicht unbedingt vorhersehbar. Man kann es zwar erahnen, doch dennoch gibt es noch die eine oder andere Überraschung.

    Die Yaoi Parts sind teilweise hart und für amerikanische Verhältnisse erstaunlich explizit. Zwar werden keine Geschlechtsteile gezeigt. Aber Finger bei der deutlich erkennbaren Vorbereitung. Zudem gibt es Non-Con und SM.

    Dazu die diversen brutalen Szenen, in denen Menschen misshandelt und getötet werden. Das 18+ Rating ist definitiv nicht unverdient.

    Der ebenfalls enthaltene erste Teil der Serie Bastard King geht inhaltlich in eine völlig andere Richtung und hat mir persönlich nicht sonderlich gefallen.

    Bewertung des Artworks:

    Yifen Jiangs Zeichnungen sind kräftigt, geradezu hart, sehr realistisch und dunkel. Damit passen sie perfekt zur düsteren Atmosphäre dieses Werks.

    Einziges Manko ist, dass die beiden Hauptprotagonisten sich bis auf die unterschiedliche Frisur sehr ähneln. Die anderen auftretenden Personen sind sehr individuell gezeichnet, doch Vishva und Fang kann man manchmal nur schwer auseinanderhalten. Das ist umso irritierender als Fang im Manga einer ethnischen Minderheit angehört. Dies scheint jeder in der Geschichte ohne weiteres von seinem Aussehen abzuleiten, obwohl er für mich im Grunde nicht viel anders als Visvah aussieht. An der Stelle wäre es meines Erachtens sinnvoll und besser gewesen, wenn die Mangaka Fang ein Äußeres verliehen hätte, das ihn eindeutig einer anderen ethnischen Gruppe zugeordnet hätte.

    Das Artwork des ersten Teils von Bastard King ist von einem anderen Zeichner. Es ist durchaus solide, aber zu verspielt für meinen Geschmack. Insbesondere der (potenzielle) Uke ist mit seinen langen Haaren und femininen Zügen nicht mein Fall.

    Bewertung der Ausstattung:

    Die Leserichtung ist westlich links nach rechts. Das Papier innen ist sehr fest und strahlend weiß.

    Das Format ist etwas höher als die bisherigen Sachen von Yaoi Press. Ob dies eine Ausnahme bzw. ein reiner Zufall bedingt durch die Druckerei ist oder ob dies künftig der Standard sein wird, werden folgende Veröffentlichungen zeigen.

    Fazit:

    Yamila Abraham, Inhaberin von Yaoi Press und Autorin dieses Werks ist bekannt für eine überaus dunkle Fantasy, die sich in sämtlichen Eigenproduktionen ihres Verlags zeigt.

    In Punishment ist dies besonders ausgeprägt, denn von allen Manga Eigenproduktionen, die ich bisher von Yaoi Press gelesen habe, ist dieser hier mit Abstand der härteste.

    Mir persönlich gefällt so etwas durchaus ganz gut, aber manch einem wird dieses Werk vermutlich zu düster sein.

    Zarte Gemüter sollten sich einen Kauf auf jeden Fall gründlich überlegen.

    Wer indessen nichts gegen eine ordentliche Portion Brutalität und Blut einzuwenden hat und einmal Lust auf etwas anderes hat, könnte es einmal mit Punishment versuchen.

    Indessen muss er in Kauf nehmen, dass diese Geschichte leider nur zwei Drittel des Bandes füllt.

    Dass der Rest eine völlig andere Story beinhaltet ist gleich dreifach ärgerlich. Zum ersten ist das nirgends erwähnt, zum zweiten ist es nur der erste Teil und zum dritten gibt es die beiden Folgeteile ausschließlich digital als Kindle Version.

    Ich bin gewiss ein nachsichtiger Mensch, aber das ist wirklich dreist.

    Nicht nur, dass man für den ersten Teil einer Story mitbezahlen muß, die einen vielleicht gar nicht interessiert (mich jedenfalls nicht) und das erst beim Lesen erfährt, ist diese nicht nur nicht abgeschlossen, sondern bei Interesse muss man sich die digitale Version zulegen, weil außer diesem ersten Teil hier der Rest nicht als Printversion erhältlich ist.

    Da drängt sich spontan der Gedanke auf, ob Kindle ein Sponsor von Yaoi Press ist.
    Geändert von Sujen (29.09.2012 um 16:13 Uhr)

  24. #99
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    Love Syndome

    Manga Story Sammlung von Yura Miyazawa

    US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Love Syndrome enthält vier nicht zusammenhängende Stories.

    In der Ersten bittet der College Student Serizawa seinen Freund Shinoba darum eine Woche bei ihm wohnen zu dürfen, weil sein Appartment nach einem Wasserrohrbruch renoviert werden muss. Shinoba ist damit einverstanden, unter der Bedingung, dass Serizawa in jeden Morgen mit einem Kuss weckt.

    Die zweite Geschichte dreht sich um zwei Studenten, die sich im Wohnheim ein Zimmer teilen.

    Die dritte Story geht um die Freunde Kazuma und Ritsu. Seit der Grundschule ist Kazuma in Ritsu verliebt. Er schafft es jedoch nicht, diesem seine Gefühle zu offenbaren und lebt in ständiger Sorge, dass ein Mädchen oder gar ein anderer Kerl ihm Ritsu vor der Nase wegschnappen könnte. Als Ritsu einen Ferienjob in der Pension seines Onkels annimt und zudem vorher noch mit einem Klassenkamerad wettet, wer als erster eine Freundin hat, schrillen sämtliche Alarmglocken in Kazumas Kopf und er beschließt, endlich aktiv zu werden.

    Die vierte Geschichte handelt von der Wiedervereinigung zweier Stiefbrüder, die sich nach der Trennung ihrer Eltern jahrelang nicht gesehen und sich insgeheim nach einander gesehnt haben.

    Zum Abschluss gibt es noch eine kleine Bonusstory rund um das Pärchen aus der ersten Geschichte.

    Bewertung des Inhalts:

    Die erste Geschichte ist recht gefällig. Die beiden Protagonisten sind sweet, insbesondere Serizawa, und der Humor kommt auch nicht zu kurz.

    Die Zweite ist klischeehaft und lässt zudem den angeblich älteren Sempai aussehen wie einen Zehnjährigen, und darüber hinaus benimmt er sich so kindlich, dass die Story förmlich SHOTA schreit, was ich unangenehm finde.

    Die dritte Geschichte ist die Längste, und inhaltlich ist sie durchaus nett gemacht. Aber erneut schaut der Uke wie ein Kind aus, wobei hier sogar noch eins drauf gesetzt wird. Denn er trägt während der Arbeit in der Pension seines Onkels eine Rüschenschürze, noch dazu eine, die wie ein Kleid geschnitten ist und ihn wie ein kleines Mädchen wirken lässt. Daneben dann der angeblich gleichaltrige Seme, der doppelt so groß ist und deutlich älter und erwachsen aussieht. Das bedient ganz unverhohlen einen bestimmten Kreis von Lesern, zu denen ich nicht gehöre.

    Bei der vierten Story ist es genau Dasselbe. Durch Flashbacks wird impliziert, dass die beiden Stiefbrüder ungefähr ein Alter haben. Von der Darstellung her dürften sie somit im Zeitpunkt der Trennung um die zehn gewesen sein - und das ist schon höher geschätzt. Ihre Wiedervereinigung findet vier Jahre später statt, sprich sie sind zu diesem Zeitpunkt höchstens vierzehn. Tatsächlich sieht der Uke jedoch bestenfalls aus wie zwölf, während der Seme äußerlich wie mindestens siebzehn dargestellt ist.

    Dass alle Stories Yaoi enthalten, macht die Sache diesbezüglich nicht besser.

    Bewertung des Artworks:

    Yura Miyazawa hat einen weichen, runden Stil. An sich ist das Artwork sehr hübsch, würden die Protagonisten halt durchgehend so aussehen wie auf dem gelungenen Cover. Dieses zeigt das Paar aus der ersten Story und der Bonusgeschichte.

    Die Semes der anderen Stories sind allesamt attraktive Jungs, aber wie bereits erwähnt, weichen die Ukes leider optisch ziemlich von dem der ersten Geschichte ab. Sie haben kindliche Figuren, rundliche Babyfaces sowie riesige Kulleraugen. Es wird genug Leser geben, die so etwas mögen oder gar bevorzugen. Aber mir gefällt dieser Stil weder optisch noch in Hinblick auf die damit offensichtlich bezweckte Befriedigung von Wünschen nach einer shotaresken Darstellung.

    Fazit:

    Love Syndrome ist wohlwollend ausgedrückt eine Mogelpackung. Denn aufgrund des Covers wird beim Leser der Eindruck geweckt, dass er Geschichten serviert bekommt, die sich um Paare drehen, bei denen der Uke nicht übertrieben kindlich aussieht. Tatsächlich ist indessen genau das bei rund 90% dieses Manga der Fall.

    Weniger wohlwollend formuliert könnte man sagen, dass die massiven Shota Tendenzen, die der Manga hauptsächlich enthält, durch die Wahl des Covers in Kombination mit der ersten Story bewusst verschleiert werden.

    Denn wer nur flüchtig reinblättert und anliest, wird davon zunächst gar nichts bemerken, und ein online Käufer wie ich hat erst gar keine Chance, im Vorfeld zu erkennen, dass dieses Werk größtenteils in Sachen Shota mehr als grenzwertig ist.

    Daher kann und will ich für diesen Manga leider keine Empfehlung aussprechen.
    Geändert von Sujen (29.09.2012 um 16:15 Uhr)

  25. #100
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    Shy Intentions

    Manga von Shoko Takaku - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Der Kunstlehrer Yoshiyuki Shirotsubaki und der Designer Kaouru Niya lernen sich auf dem Flur des Krankenhauses kennen, in dem die Mutter des einen und die Großmutter des anderen im Sterben liegen. Yoshiyuke benötigt Trost und Kaouru ist nur zu gern bereit, ihm diesen zu spenden. Doch was für ihn anfänglich lediglich eine Affäre ist, entwickelt sich mit der Zeit zu etwas Tieferem.

    Bewertung des Inhalts:

    Shy Intentions ist eine sehr ruhige, gefühlvolle Geschichte.

    Da diese in einer langen Rückblende erzählt wird, weiß der Leser bereits von Anfang an, wie sie ausgeht. Da daran jedoch ohnehin kein Zweifel besteht und mit Ausnahme eines kleinen, rasch geklärten Missverständnisses die Liebe zwischen den beiden Protagonisten zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in Frage gestellt wird, macht es nichts, dass die gewählte Erzählstruktur kontraproduktiv gegenüber jeglichem Spannungselement ist. Denn ein solches gibt es ohnehin nicht.

    Die Story plätschert langsam ohne nennenswerte Höhen und Tiefen vor sich hin. In der richtigen Stimmung gelesen ist dies keineswegs schlecht, sondern durchaus sehr entspannend. Zudem erhöht es die Glaubwürdigkeit, die eines der wesentlichen Vorteile dieses Manga ist. Nichts wirkt konstruiert oder kitschig. Es ist eine Geschichte, so wie das Leben sie bisweilen schreibt, nicht mehr aber eben auch nicht weniger.

    Neben dem Hauptpaar gibt es noch ein Nebenpärchen, das jedoch als solches vornehmlich in der Rahmenhandlung in Erscheinung tritt, in welche die Rückblende eingebettet ist. In der Haupthandlung spielt lediglich der Seme dieses Nebenpaars eine etwas größere Rolle, da er ein alter Freund von Kaouru ist und als solcher - wie könnte es auch anders sein - natürlich DER Grund für das bereits erwähnte kleine Missverständnis.
    Es gibt einige Yaoi-Szenen, die genauso sanft und romantisch sind wie der Rest der Story.

    Lediglich die Bonusstory ist diesbezüglich etwas "more naughty", da sie ein kleines Rollenspiel im Bett beinhaltet.

    Bewertung des Artworks:

    Shoko Takaku hat einen klaren, realistischen, ein wenig skizzenhaften Stil, der auf Hintergründe weitestgehend verzichtet und sich ganz auf die Protagonisten konzentriert. Diese sehen durchweg erwachsen, attraktiv und männlich aus, einschließlich des Uke, den niemand hier mit einer Frau oder gar einem Mädel verwechseln würde.

    Die Aufteilung der Panels ist großzügig und SD-Chibis sucht man vergeblich.

    Mir gefällt das Artwork in seiner schlichten, nicht überladenen Schönheit sehr.

    Bewertung der Ausstattung:


    Die Ausgabe von Digital Manga hat ein Großformat und einen separaten Hochglanzschutzumschlag. Unter diesem befinden sich auf dem vorderen sowie dem hinteren Deckel jeweils noch eine zusätzliche Zeichnung von Yoshiyuki und Kaouru.

    Fazit:

    Wer gerne ruhige Slice of Life Geschichten liest, ist bei diesem Manga genau richtig.
    Geändert von Sujen (30.09.2012 um 15:34 Uhr)

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