szmtag [ALLGEMEIN] Boys Love Reviewthread (Mangas, Novels, Movies, etc.) - Seite 3
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  1. #51
    Mitglied Avatar von GeZ
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    Schon wieder eine amazon-Rezi... Diesmal, weil ich enttäuscht bin. o_o"

    Baby an Bord (Katsuragi)



    Enttäuscht bleibe ich nach der Lektüre von "Baby an Bord" zurück. Das hängt erst einmal damit zusammen, dass ich nach der Inhaltsangabe davon ausging, dass es sich hier um eine einzelne Geschichte handelt. Stattdessen füllen drei Erzählungen den Einzelband.

    In der titelgebenden ersten Geschichte geht es um Masami, der sich um seine Nichte Akira kümmert und dabei seinem ehemaligen Schulfreund Kei wiederbegegnet, mit dem ihn mehr als Freundschaft verband… Der Plot wird erstaunlich emotionslos erzählt, obwohl er mehrere ernsthafte Thematiken behandelt. Ich mag nüchterne Erzählstile, aber hier kam gar nichts an Gefühlen rüber – zumindest für mich nicht. Darum kann ich auch die Anziehung der beiden Akteure zueinander leider nicht wirklich nachvollziehen.
    Die zweite Story dreht sich um die Studentin Riko und deren Kommilitonen Issei und Non. Und natürlich kommen zwischen letzteren Gefühle ins Spiel… Ganz nett, aber nicht mehr. Schnell gelesen und schnell vergessen.
    In der dritten Geschichte bekommt der junge Yuki eine Hochzeitseinladung seiner ersten großen Liebe Enomoto, was seinen Freund Eiji verstimmt… Meiner Meinung nach auch kein Plot, der lange im Gedächtnis bleiben wird.

    Zeichentechnisch überzeugt mich Katsuragi leider ebenfalls nicht. Die hübsche Coverillustration von Masami, Kei und Akira sowie die ansprechende Abbildung von Yuki und Eiji auf der Rückseite bieten keinen guten Eindruck vom Zeichenstil im Inneren. Die mit abgerundetem Kinn und Nase gezeichneten Figuren sehen einander sehr ähnlich. Bloß gut, dass es einen Blonden und einen Dunkelhaarigen pro Geschichte gibt, sonst hätte man Probleme beim Auseinanderhalten! Auffällig bei der Darstellung der Gesichter sind die gezeichneten Lider. Die Hintergründe fallen wie die Figuren recht schlicht aus und bilden das entsprechende Umfeld ab, z.B. Büro, Unigebäude und Strandgelände. Meist bleibt der Raum hinter den Charakteren aber leer oder wird mit Rasterfolien-Mustern gefüllt. Vergangenes wird mit schwarzen Stegen zwischen den Panels kenntlich gemacht.

    Fazit: Ich hatte mehr erwartet und wurde enttäuscht. Die Geschichten sind nicht nüchtern, sondern gefühllos erzählt, sodass ich nicht mit den Protagonisten mitfühlen konnte. Das Artwork kann wegen der schlichten Zeichnungen und sich stark ähnelnden Figuren auch nicht überzeugen. Schade.

    Grüßlis an: Rosenrot

    Sehr gute Reviews zu Mangas und Comics (sowie zu [Sach-/ Hör-]Büchern) gibt's hier:
    Leser-Welt



  2. #52
    Mitglied Avatar von Sujen
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    Awaken Forest von Yuna Aoi

    Manga Storysammlung - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Awaken Forest enthält drei Stories.

    Die Titelstory ist mit 90 Seiten die längste und handelt von dem Autor Orito Suga, der mit seinem Bruder Masato in einem abgelegenem Anwesen lebt. Orito, der seit einem Unfall in seiner Jugend im Rollstuhl sitzt hat zwar bislang erst einen Roman veröffentlicht, doch dieses Buch über Schuld und Sühne ist ein solcher Bestseller, dass sein Verlag es kaum erwarten kann, seinen nächsten zu verlegen. Da Orito mit seinem Manuskript überfällig ist, schickt der Verlag den jungen Editor Yoshimoto mit der Anweisung zu ihm, nicht ohne das Manuskrtipt zurückzukommen. Als großer Fan von Oritos Erstling ist Yoshinmoto anfangs begeistert, diesen persönlich kennen zulernen. Doch angesichts der düsteren Atmosphäre des Hauses und der herrischen, unfreundlichen Art und Weise wie Orito sich seinem Gast und insbesondere auch seinem Bruder gegenüber verhält, verflüchtigt sich dieses Gefühl und weicht der beklemmenden Frage, welches dunkle Geheimnis sich hinter den Mauern des Anwesens verbirgt.

    Die zweite Story ist 40 Seiten lang und trägt den Titel "Loose Bonds". Darin geht es um den jungen Aki, der seit seiner Schulzeit mit dem charismatischen Hazuki befreundet ist. Dieser war stets da, wenn er ihn brauchte, hat ihm geholfen und hat dabei immer nur sein Wohl im Auge - oder etwa nicht?

    Die letzte Story umfasst 43 Seiten und gliedert sich in zwei Teile, mit den Titeln "Be with me 'till Morning" und "Be with me'till Night". Beide Parts sind in England angesiedelt. Nach dem Tod seiner Eltern wurde Yuuri von deren Arbeitgeber, einem Grafen, aufgenommen. Zum Dank dafür, dass der Graf seine Schulausbildung finanziert hat und immer gut zu ihm war, hat Yuri sich dem Dienst seiner Familie verschrieben. Des Grafen größter Kummer ist sein Sohn Robert, der sich lieber in Bordellen herumtreibt als eine passende Partie zu ehelichen. An einem Abend, als Yuri ihn wieder einmal in einem Etablissement aufsammeln und nach Hause bringen muss, macht er seinem Herzen Luft und Robert bittere Vorwürfe, Schande über den Namen seines Vaters zu bringen. Daraufhin macht Robert ihm einen unerwarteten Vorschlag. Er ist bereit, die ihm ausgesuchte Frau zu heiraten und keine Prostituierten mehr aufzusuchen - sofern er sich fortan bis zu seiner Hochzeit stattdessen mit Yuri vergnügen kann.

    Bewertung des Inhalts:

    Awaken Forest weicht in vielen Dingen von den üblichen BL-Romanzen ab.

    Die erste Story erinnert vom Aufbau und der Auflösung her ein wenig an den Film Noire Klassiker "What ever happened to Baby Jane" mit Bette Davis und Joan Crawford. Sie wartet mit einigen Twists auf und enthält etliche Momente, die weit entfernt davon sind auch nur ansatzweise zuckerig zu sein. In einer der vielen Schlüsselszenen

    erniedrigt Orito seinen Bruder absichtlich, indem er sich von ihm die Zehen statt mit dem Handtuch mit der Zunge abtrocken lässt und Masato fügt sich als Strafe und Buße für seine Schuld, so wie er sich in allem dem Willen seines Bruders unterwirft.

    Yoshimoto wird ohne es zu wollen erst Zeuge des von Schuld, Sühne und Abhängigkeit überschatteten Verhältnisses der beiden Brüder und dann zum Spielball. Die Szene als Orito

    von Masato verlangt, Yoshimoto vor seinen Augen zu vergewaltigen

    ist in ihrer körperlichen und insbesondere ihrer emotionalen Heftigkeit nicht nur für die Protagonisten sehr aufwühlend.

    Der Schluss fällt gemessen an den Vorgängen, die ihm vorausgehen, ziemlich gemäßigt aus. Es scheint beinahe so als hätte die Mangaka ursprünglich ein anderes krasseres Ende im Sinn gehabt, sich jedoch von ihrem Redakteur zu einem Gefälligerem umstimmen lassen. Denn vom Aufbau her sollte es ersichtlich auf etwas anderes hinauslaufen.

    Die zweite Story enthält einen extrem dunklen Twist, der bei vielen US Rezensenten auf Ablehnung gestoßen ist. Ich räume ein, dass ich mich auch nicht unbedingt zu den Fans solcher Wendungen zähle und im ersten Moment ebenfalls etwas verstört und alles andere als angetan war. Doch wenn ich meine persönlichen Befindlichkeiten und mein Bedürfnis nach möglichst viel Feel-Good einmal beiseite lasse, muss ich sagen, dass diese Story rein objektiv betrachtet mit zum Besten gehört, was ich bislang im BL-Bereich gelesen habe. Es ist faszinierend wieviel Inhalt Yuna Aoi in diesen wenigen Seiten untergebracht hat und wie konsequent sie dabei mit dem gängigen Klischee einer süßen heilen BL Welt aufräumt.

    Die dritte Story hat eine Ausgangslage, die bei mir offene Türen einrennt. Ich gestehe freimütig, dass ich solche Art von Geschichten liebe. Mir gefällt das deutliche Machtgefälle zwischen Robert und Yuri und auch wenn sich letzlich alles in Wohlgefallen auflöst, weil

    jeder den anderen natürlich sowieso schon immer heimlich liebte

    ist der Weg dorthin mit Situationen geflastert, die sich im Graubereich des Non-Con bewegen bzw. diesen sogar verlassen.

    Es gibt eine ziemlich heftige Non-Con-Szene, bei der wie bereits in der ersten Story das Thema Bestrafung mit hineinspielt, hier wegen des vermeintlichen Interesses an einem Mädchen.

    Die Autorin hat ganz offenbar ein Faible für solche Konstellationen rund um Schuld - Sühne - Bestrafung, welche auch in anderen Werken von ihr wiederholt so oder ähnlich vorkommen.

    Yaoi Szenen gibt es in allen Geschichten, wobei die erste und die letzte auch non-con enthalten. Ob man diese Szenen als explizit empfindet, hängt von der subjektiven Einstellung ab. Man sieht entblößte Unterkörper, man sieht den einen zwischen den Beinen des anderen, aber alles, was sich dazwischen befindet wird nicht offenbart. Nach meinem Verständnis fällt dies bestenfalls unter Yaoi light. Doch jemand, der diesbezüglich zarter besaitet ist empfindet dies womöglich bereits als zuviel.

    Bewertung des Artworks:

    Yuna Aois Zeichnungen sind kräftig, schwungvoll und haben einen hohen Wiedererkennungswert, wobei sie insbesondere viel Wert auf die Darstellung der Augenpartien legt. Ihre Protagonisten haben zumeist kräftige Brauen, die sie immer wieder gern zusammenziehen. Gelegentlich wirken die Köpfe ein wenig zu klein für die Körper. Zum Ausgleich gibt es immer wieder einmal sehr gelungene Bildkompositionen. Insgesamt betrachtet finde ich das Artwork ausgesprochen gut.

    Fazit:

    Awaken Forest ist ein teilweise sehr dunkles Werk, welches Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele gewährt, die manch einer so vielleicht gar nicht so genau ausloten wollte.

    Mir hat dieser Storyband sehr gut gefallen, auch wenn die zweite Geschichte bei mir alles andere als ein Feel-Good ausgelöst hat.

    Die Aufmachung der Ausgabe ist sehr schön. Sie hat ein Großformat und einen Hochglanzeinband, wenn auch leider anders als viele ältere DM manga Ausgaben keinen separaten Schutzumschlag.

    Wer sich einen kurzen Einblick verschaffen möchte, kann dies in die von amazon bereit gestellte Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Awaken-Forest-Y...5744371&sr=1-1

  3. #53
    Mitglied Avatar von Sujen
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    Love Circles

    Manga Oneshot von Laura Carboni - US Ausgabe von Yaoi Press



    Inhalt:

    In der italienischen Stadt Bari verzehrt der stille, unauffällige Jurastudent Davide sich glühend nach seiner rassigen Kommilitonin Caita, während er sich von seinem allseits beliebten Kommilitonen Valerio immer wieder überreden lässt, für ihn Notizen zu machen, wenn dieser wie so oft nicht zu den Vorlesungen erscheint.

    Dann plötzlich erklärt Valerio dem überraschten Davide, dass es an der Zeit wäre, sich für dessen ständige Gefälligkeiten zu revanchieren. Und was wäre da besser als Davide zum Liebesglück mit Caita zu verhelfen? Allerdings erforderdert dies die Bereitschaft Davides, sich von Valerio sowohl äußerlich als auch in Sachen Auftreten und Coolness komplett umstylen zu lassen.

    Anfangs noch zögernd lässt Davide sich mit zunehmender Begeisterung auf die Sache ein. Doch während jeder Schritt seiner Verwandlung ihn seinem Ziel Caita für sich zu gewinnen näher bringt, erscheint es ihm mit jedem Tag, den er in der Gesellschaft Valerios verbringt seltsamerweise immer weniger erstrebenswert.

    Bewertung des Inhalts:

    Love Circles handelt von sympathischen und überaus liebenswerten Menschen und erzählt eine ebenso humorvolle wie bewegende Geschichte, die weitaus mehr als eine Romanze zu bieten hat.

    Obwohl dieser Manga lediglich 144 Seiten umfasst passiert auf (zwischen)menschlicher Ebene sowie auch in Handlungstechnischer Hinsicht überaus viel.

    Davide verändert nicht nur seinen Haarschnitt, seine Kleidung und sein Auftreten - er verändert sich, sein Leben und gleichzeitig seine Einstellung und seine eingeengte Sichtweise in Bezug auf seine Umgebung und auf sich selbst. Er gewinnt Erkenntnisse und legt Vorurteile ab. Er findet nicht nur zu Valerio, sondern er findet zu sich und heraus, was er wirklich will.

    Besonders bemerkenswert ist dabei, dass all die positiven Veränderungen nur scheinbar ihre Ursache im neuen Style von Davide haben. Denn tatsächlich

    war er sowohl Valerio als auch Caita bereits lange vorher schon aufgefallen. Er hatte es nur nicht bemerkt, weil er in der Überzeugung gefangen war, ein "Langweiler" wie er könne niemals das romantisches Interesse eines anderen wecken.

    Valerio entpuppt sich als völlig anders als Davide ihn anfangs sieht.

    Er ist kein Faulenzer, der andere für sich arbeiten lässt. Er ist nur nicht dort, wo er gerne wäre. Er will kein Anwalt werden wie sein Vater es verlangt. Er fühlt sich dazu berufen als Arzt Menschen zu heilen. Valerio schwänzt nicht, um sich herumzutreiben. Er arbeitet heimlich ehrenamtlich auf der Kinderkrebsstation des örtlichen Krankenhauses und tut alles, um den todgeweihten Kindern ein wenig Freude zu schenken.

    Dies führt Davide und auch dem Leser vor Augen, dass man(n) sich davor hüten soll, einen anderen vorschnell zu beurteilen oder gar zu verurteilen, Denn der Schein kann eben doch sehr oft trügen und niemand sollte einem anderen ein Etikett aufkleben - schon gar nicht anhand einer oberflächlichen Begutachtung.

    Valerio entwickelt sich im Verlauf der Geschichte ebenfalls. Er schafft es

    seinem Vater die Stirn zu bieten, das verhasste Jurastudium aufzugeben und seine eigene Entscheidung in Bezug auf seinen Beruf zu treffen.

    Caita ist ebenfalls eine interessante Figur. Persönlich fand ich zwar die Tatsache, dass sie

    sich genausowenig getraut hat Davide anzusprechen wie umgekehrt

    angesichts dessen, dass sie der erklärte Schwarm aller heterosexuellen Männer ihres Studienjahrgangs ist etwas überraschend. Andererseits macht es sie noch sympathischer, dass sie nicht selbstverständlich davon ausgeht, dass ihr alle zu Füßen liegen - obwohl dies (zumindest in diesem Manga) definitiv der Fall ist.

    Die Beziehung zwischen Valerio und Davide baut sich langsam auf und vertieft sich behutsam bis zu dem Punkt, an dem Beide wissen, dass sie zueinander gehören.

    Wer nun aber meint, dass dieser Manga auf der typischen Slice of Life Schiene fährt, sich darin zu gefallen besonders tiefgründig und/oder (melo)dramatisch daherzukommen, der könnte nicht falscher liegen.

    Denn die Italienerin Laura Carboni erzählt diese Geschichte ohne übertriebenen Pathos, dafür jedoch wundervoll locker und witzig. Natürlich gibt es immer wieder ernste Momente. Aber die Grundstimmung ist nicht getragen schwer, sondern charmant, humorvoll und mit italienischem Pepp.

    Bewertung des Artworks:


    Im ersten Moment fand ich die recht dunklen, ein wenig groben und sehr westlich comichaften Zeichnungen ziemlich gewöhnungsbedürftig.

    Laura Carbonis Protagonisten haben einen kräftigen Körperbau mit breiten Schultern, Muskeln an der Brust und an den Oberarmen und kantige Gesichtszüge. Selbst die weibliche Figur Caita würde mit ihren üppigen Formen nicht als androgyner Modelltyp durchgehen, und die Männer sind davon selbstredend noch weiter entfernt.

    Auf den zweiten Blick muss ich sagen, dass mir Laura Carbonis Stil sehr gefällt. Er ist individuell und unverwechselbar. Ihre Männer sehen sehr männlich aus und ihre Strichführung hat genauso viel Pepp wie ihr Erzählstil.

    Die Yaoi Szenen, von denen es nicht allzu viele gibt sind sehr ästhetisch dargestellt.

    Fazit:

    Love Circles ist ein rundherum gelungenes Werk, das mich bewegt und zum Lachen gebracht hat, und das ich wirklich nur allerwärmstens empfehlen kann.

    Wer sich einen Einblick verschaffen möchte kann dies dank der von amazon zur Verfügung gestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Love-Circles-La...5753728&sr=1-1

    Dort kann man dann auch die tolle Farbseite innen bewundern, die so leider jedoch nur in der Kindle Edition enthalten ist. In der Printversion von Yaoi Press ist diese Seite leider nur schwarzweiss. Ein Jammer in Anbetracht des leckeren Motivs.

    Abgesehen davon ist die US Ausgabe, deren Leserichtung westlich von links nach rechts ist, ordentlich gemacht.
    Geändert von Sujen (24.08.2012 um 11:12 Uhr)

  4. #54
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    Affair

    Manga Storysammlung von Shiuko Kano US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Affair enthält insgesamt vier Stories sowie eine kleine Bonusszene.

    Die Titelgeschichte dreht sich um zwei junge Männer, die während ihrer Schulzeit gemeinsam im Baseballteam waren und gelegentlich in der Umkleidekabine schnellen Sex hatten. Als sie sich Jahre später zufällig über den Weg laufen stellt sich ihnen unvermittel die Frage, ob das damals mit ihnen vielleicht mehr gewesen war als sie sich hatten eingestehen wollen.

    Die zweite Story heisst "My Dear mad Dog" und handelt von den Halbbrüdern Kyouichi und Hijiri, deren Vater ein mächtiger Yakuza Boss ist. Als Sohn der rechtmäßigen Ehefrau ist Kyouichi der offizielle Erbe. Hiijiris Mutter war lediglich eine von vielen Mätressen, die zudem ihren Gönner betrog und sich das Leben nahm als Hijiri noch ein halbes Kind war. Zum Dank dafür, dass sein Vater ihn aufnahm und offiziell anerkannte, hat Hijiri sein Leben dem Dienst und Schutz seines Halbbruders gewidmet. Kyouchi indessen lässt Hijiri täglich dafür büßen, dass ihr Vater mehr von ihm hält und ihn mehr liebt - und noch mehr dafür, dass seine Mutter regelrecht vernarrt in ihren Stiefsohn ist seit er sich von einem kleinen Kind in einen stattlichen jungen Mann verwandelt hat. Zudem ist da noch Maruo, ein undurchsichtiger Geschäftspartner der Yakuza, der eine seltsame Affinität für Kyouchi hat.

    Die dritte Story mit dem Titel "one Lucky Guy" geht um zwei rivalisierende Kollegen, die im Interesse der Firma regelmäßig mit deren besten Kunden Mah Jong spielen müssen und sich dabei näher kommen.

    Die letzte Story mit Namen "Love Machine" dreht sich um Yagi, der heimlich in seinen Fahrlehrer Tamiya verliebt ist und die Fahrstunden nutzen will, um diesen zu verführen.

    Die Bonusstory beinhaltet eine sexuelle Beggenung zwischen den Protagonisten aus der ersten Geschichte.

    Bewertung des Inhalts:

    Um es kurz und knapp zu formulieren: Die erste, die dritte und die vierte Story sind kaum der Rede Wert. Minimale Handlung, welche bei der dritten zudem ziemlich langweilig ist, die jeweils mit ein paar Yaoi Szenen garniert wird, die nett anzuschauen, jedoch nicht sonderlich spektakulär und zudem teilweise zensiert sind.

    Die zweite Story hingegen ist richtig klasse. Sie allein ist es mehr als wert, den Band zu kaufen, auch wenn sie leider nur zwei Kapitel mit insgesamt 54 Seiten umfasst. Es ist wirklich schade, dass daraus kein Einzelband oder gar eine Serie wurde, denn diese Story hätte mehr als ausreichend Potenzial dafür.

    Das Verhältnis zwischen den Halbbrüdern ist von einem wahren Cocktail an widerstreitenden Gefühlen auf beiden Seiten geprägt. Wut ist eins davon, und im Gegensatz zu Hijiri lässt Kyouichi dieser immer wieder ungehindert freien Lauf.

    Er schlägt ein Mädchen nieder, das mit ihm ausgeht, nur weil es seinem Bruder ein Kompliment macht.

    Er demütigt Hijiri wann immer sich die Gelegenheit bietet, was soweit geht, dass

    Hijiri ihm regelmäßig mit dem Mund "Erleichterung verschaffen muss, während er ihn als schwul beschimpft und sich übert ihn lustig macht.

    Hijiri wiederum bemüht sich, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten, auch wenn Kyouichi nicht der Einzige ist, der ihm das Leben schwer macht. Denn da gibt es noch seine Stiefmutter, die ihn

    nach dem Selbstmord seiner Mutter verführte und seitdem ständig versucht, ihn wieder rumzukriegen.

    Es passiert einiges auf diesen 54 Seiten - und das ist keineswegs romantischer Natur.

    Es gibt einige dramatische Situationen, spannende Action, Gewalt und Blutvergießen, bevor sich am Ende die vielen kleinen Steinchen zu einem völlig neuen Mosaikbild zusammenfügen.

    Denn nicht alles und jeder ist hier das, was er zu sein scheint. Jeder hat irgendein dunkles Geheimnis, das gelüftet wird. Darunter eins, das einer Veröffentlichung dieses Mangas in Deutschland vermutlich dauerhaft entgegenstehen dürfte.

    Inzest ist hierzulande ja bereits dann problematisch, wenn es sich um Brüder handelt. Inzest zwischen einem 14jährigem und seiner Mutter ist ein noch größeres Tabu, auch wenn sich die Beteiligten ihrer verwanschaftlichen Beziehung zu dem Zeitpunkt nicht bewusst sind.

    Selbst Tokyopop dürfte das vermutlich ein zu heißes Eisen sein.

    Die Yaoi Szenen sind zwar nicht so explizit wie in Finder & Co. Aber sie sind vom Geschehen als solchem her ziemlich hart einschliesslich non-con.

    Bewertung des Artworks:

    Affair ist eins der jüngeren Werke von Shiuko Kano. Daher entsprechen die Zeichnungen qualitativ denen, wie wir sie hierzulande aus der Serie Punch up kennen, die von Tokyopop verlegt wird.

    Die Männer sind attraktiv, überaus männlich und verfügen über jene langgezogenen ein wenig kantigen Kinnpartien, die typischen Markenzeichen von Shiuko Kanos Artwork ist.

    Die einzige Frau, die (abgesehen von schemenhaften Flashbacks) vorkommt ist sehr gut getroffen. Viele BL-Mangakas haben ja Schwierigkeiten damit Frauen zu zeichen, weswegen diese dann oftmals wie männliche Wesen mit Perücke ausschauen. Shiuko Kano hingegen bereitet es keinerlei Schwierigkeiten eine durch und durch feminine Frau darzustellen und dies zudem sogar altergerecht.

    Die 801 Media Ausgabe ist sehr schön gemacht. Sie hat innen ein erfreulich helles Papier und eine Farbseite sowie außen einen separaten Hochglanzschutzumschlag.

    Fazit:

    Für die zweite Sory lohnt sich die Anschaffung, vorausgesetzt man mag solche Art von Stories und ist bereit den stolzen Preis für einen Import Yaoi für eine so kurze Geschichte zu bezahlen. Denn die restlichen drei sind so belanglos, das man sie im Grunde nur als Füllmaterial betrachten betrachten kann.

    Wegen des erwähnten Tabus sollte man besser nicht darauf hoffen, dass dieser Manga auf Deutsch erscheint, auch wenn Tokyopop gerade Shiuko Kano mit Punch up überaus erfolgreich in den deutschen Markt eingeführt hat. Natürlich kann niemand mit Sicherheit voraussagen, ob Affair vielleicht trotzdem lizensiert werden wird. Doch ich würde mich nicht darauf verlassen - was ich nicht habe, wie man unschwer erkennen kann.
    Geändert von Sujen (24.08.2012 um 19:15 Uhr)

  5. #55
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    Desire Sensibility

    Manga Oneshot von Souta Narazaki US Ausgabe von Digital Manga June



    Inhalt:

    Der Student Kosugi jobbt Teilzeit im Callcenter eines Fernsehsenders. Chef dieser Abteilung ist der charismatische Ogata, dessen höfliche Liebenswürdigkeit gegenüber den Kunden vorbildlich ist. Als Chef indessen ist er streng, lässt nichts durchgehen und verlangt seinen Untergebenen alles ab.

    Obwohl Kosugi von Natur aus alles lockerer angeht, weckt Ogata in ihm den Wunsch, diesem ebenso überheblichen wie faszinierendem Kerl zu beweisen, was in ihm steckt - und zwar nicht nur in beruflicher Hinsicht.

    Bewertung des Inhalts:

    Entgegen der Assoziationen, die das freizügige Cover hervorruft steht die Erotik keineswegs im Zentrum dieses Manga. Vielmehr handelt es sich hier um eine flotte, überaus charmante und ausgesprochen humorvolle Liebeskomödie.

    Ogata hat seine Untergebenen für gewöhnlich fest im Griff, weswegen es zwischen ihm und Kosugi aufgrund von dessen flapsiger Art ständig zu witzigen Konfrontationen kommt, bei denen mal der eine, mal der andere, aber meistens Kosugu den Kürzeren zieht.

    Es ist erstaunlich, wie die Mangaka es schafft, einen kompletten Manga nur mit dieser einen, inhaltlich im Grunde belanglosen und sehr klischeehaften Geschichte zu füllen, ohne dass dabei beim Leser Langeweile aufkommt.

    Wie stets macht die Umsetzung den Unterschied, und diese ist so locker-leicht wie ein Soufflé. Ein solches besteht zwar im Wesentlichen nur aus Schaum, ist jedoch trotzdem eine durch und durch köstliche Angelegenheit. Genauso verhält es sich mit dieser Büro Romanze. Obwohl sie eigentlich mehr oder weniger substanzlos ist, und sich zudem ein BL-Klischee sich ans Nächste reiht

    Missverständnisse, Eifersüchteleien, ein weiterer Vorgesetzter, der Kosugi an die Wäsche will - Ja sogar die typische Situation, dass einer Fieber bekommt und vom anderen gepflegt wird, kommt vor

    mundet sie ob ihrer Luftigkeit dennoch oder vielleicht gerade deswegen so wunderbar süß und vertraut - zumindest mir.

    Yaoi Fans indessen sollten ihre Erwartungen besser niedrig schrauben. Denn es gibt lediglich kurz vor Schluss eine einzige kleine Szene, und die ist nicht einmal besonders explizit.

    Bewertung des Artworks:

    Um es mit einem einzigen Wort auszudrücken: Kawai!

    Souta Narazakis Stil ist durch und durch so sweet und niedlich, dass man beim Anschauen das Gefühl hat, sich in einem Süßwarengeschäft zu befinden.

    Das liegt zum Größten Teil am erhöhten Einsatz von putzigen SD-Chibis. Dafür scheint die Mangaka definitiv ein ebenso großes Faible zu haben wie ich. Kein Wunder, denn davon versteht Souta Narazaki im Gegensatz zu manch anderer Mangaka wirklich was. Ihre SD-Zeichnungen sind entzückend und sehr witzig.

    Selbstredend schauen beide Protagonisten viel zu jung für ihr Alter aus. Kosugi ist mit seinen Haaren, seinen großen Augen und dem Stupsnäschen ein klassischer Uke-Typ. Ogatas Äußeres ist ebenfalls geradewegs dem Lehrbuch für BL-Klischees Kapitel "Der Seme" entnommen.

    Hintergründe gibt es praktisch kaum, dafür errötet Kosugi mit schöner Regelmäßigkeit bis zu den Haarwurzeln und zieht gelegentlich auch gern mal ein Schmollmündchen.

    Fazit:

    Wer Büroromanzen mag, keinen großen Anspruch an den Inhalt oder den Yaoi Faktor stellt und gern mal zwischendurch was Seichtes voll witziger SD-Zeichnungen liest, kann es mit diesem Manga einmal probieren.

    Mich hat er auf jeden Fall sehr gut unterhalten.

  6. #56
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    Bond(z) von Toko Kawai

    Manga Story Sammlung US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Bond(z) enthält vier nicht zusammenhängende Stories.

    Die Titelstory dreht sich um den Angestellten Tomo Yamashina, der an einem verschneiten Winterabend zufällig dem Mann wieder begegnet, mit dem ihm vor Jahren an der Universität weitaus mehr als nur Freundschaft verband.

    Die Zweite heißt "Situation" und handelt von den Kindheitsfreunden Eri und You. Eri lebt als Jugendlicher seine Homosexualität aus und hat ständig einen neuen Liebhaber. Denn keiner kann der Richtige sein, da er seit dem Kindergarten heimlich in You verliebt ist. Wann immer Eri Probleme oder Liebeskummer hat, wendet er sich an You, der stets für ihn da ist, obwohl er selbst genug um die Ohren hat. Denn nach dem Tod seiner Eltern sorgt er für seine jüngeren Geschwister. Da bleibt für romantische Gefühle keine Zeit, oder vielleicht doch?

    Die dritte Geschichte hat den Namen "Kitan Garden". In dieser verliebt sich der Prinz eines winzigen Reiches, das in der Blüte einer prächtigen Rose existiert, unsterblich in den jungen menschlichen Gärtner, der für die Pflege der Blumen zuständig ist. Des Prinzen sehnlichster Wunsch ist es, diesen Gärtner einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen und sei es auch nur für einen einzigen Tag.

    Die letzte Story trägt den Titel "Sakura". In ihr geht es um den kleinen Angestellten Ayatsuji. Dieser wird vom Geschäftsführer der Firma dazu auserkoren, seinem siebzehnjährigen Sohn und Erben Ren vor Augen zu führen wie es sich als armer Mann lebt. Auf diese Weise soll Rens Ehrgeiz geweckt werden, ein erfolgreicher und damit wohlhabender Manager zu werden. Zu diesem Zweck soll Ren zwei Wochen bei Ayatsuji wohnen und dessen Leben teilen. Aus Sorge um seinen Arbeitsplatz wagt Ayatsuji nicht sich zu weigern. Zu seiner Überraschung erweist Ren sich keineswegs als verzogener arroganter Bengel, sondern als netter, schüchterner Junge, der unter der Lieblosigkeit seiner Eltern leidet und vor allen Dingen eins ist: zutiefst einsam.

    Bewertung des Inhalts:

    Obwohl alle Stories relativ kurz sind, schafft Toko Kawai es, alle diese kleinen Geschichten so zu erzählen, dass man als Leser nicht das Gefühl hat, etwas zu vermissen.

    Da die Angabe der Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis fehlerhaft ist, schreibe ich die jeweilige Seitenzahl (händisch ausgezählt) dazu.

    Die Erste hat 58 Seiten, und mehr benötigt sie auch nicht, um ans Herz zu gehen. Tomos Einsamkeit und Traurigkeit sind fast greifbar. Die Erinnerungen, die ihn beim Anblick seines damaligen Geliebten einholen stehen im krassen Gegensatz dazu, denn sie entführen ihn und den Leser in eine glückliche, sorgenfreie Zeit. Am Ende ist das, was unwiederbringlich verloren schien erneut zum Greifen nach, und wenn die Beiden sich nach so vielen Jahren der Trennung in den Armen liegen, während der Schnee leise auf sie hinunterfällt, ist das einfach nur wunderschön.

    Die zweite Geschichte hat 50 Seiten Die Grundidee ist zwar nicht sonderlich originell, aber die Umsetzung sehr warmherzig mit einem Schuss Humor. Die Zusammenfassung all der "peinlichen" Fragen, die Eiri über die Jahre mit You klären wollte

    Warum wächst mein Schamhaar nicht? Wie muss ich meine Zunge bewegen, damit mein Freund ganz wild wird? Nach dem Sex hatte mein Freund was aus meinem Darm am Penis, wird er jetzt krank?"

    hätte bei einer weniger talentierten Mangaka vermutlich abstoßend gewirkt. Doch Toko Kawai schafft es, selbst das noch liebenswert, witzig und sogar ein wenig rührend darzustellen. In der bewegenden Schlussszene auf dem Spielplatz des Kindergartens, in dem Eri

    schon als kleines Kind verkündete, später einmal Yous Braut sein zu wollen, was dieser jedoch für einen Witz hielt

    schließt sich dann endlich der Kreis und lässt den Leser mit einem angenehm wohligen Gefühl in der Herzgegend zurück.

    Die dritte Geschichte hat 40 Seiten und ist wirklich originell. Die Idee mit dem winzigen Königreich in einer Rosenblüte ist mal was ganz Anderes und im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaft schön und sehr romantisch umgesetzt. Auch hier gibt es wieder ein überaus gelungenes, bitter-süßes Ende, das keine Wünsche offen lässt.

    Die letzte Story mit 40 Seiten fand ich ebenfalls recht originell. Von der erzählerischen Dynamik hätte ich es zwar besser gefunden, wenn Ren anfänglich weniger liebenswert gewesen wäre. Andererseits wäre dies dann wieder klischeehafter gewesen, weswegen es dann letztlich doch schon so passt.

    Mit Ausnahme der ersten Story gibt es in diesem Manga nur sehr wenig überaus zurückhaltendes Yaoi.

    Die erste Story ist in Sachen Explizität im Grunde auch sehr dezent. Jedoch sieht man zweimal ein Geschlechtsteil, einmal sogar mit einem Genitalpiercing.

    Diese zwei Bilder haben bei den prüden Amerikanern bereits ausgereicht, dass dieser nach Yaoi Maßstäben völlig harmlose Manga nicht wie alle anderen in den USA erschienenen Werke von Toko Kawai beim Digital Manga Boys Love Imprint June verlegt wurde, sondern statt dessen beim Digital Manga Hardcore Yaoi Imprint 801 Media.

    Nach meinem Verständnis überzogen und geradezu lächerlich und ärgerlich obendrein. Denn die 801 Media Ausgaben sind infolge niedrigerer Auflagenhöhen und eingeschränkter Vertriebswege (die großen Buchhandelsketten in den USA weigern sich Manga in den Regalen zu haben, die eingeschweißt sind und einen 18+ Sticker haben) deutlich teurer als die Manga, die Digital Manga unter seinem normalen Boys Love Imprint Labe June herausbringt.

    Bewertung des Artworks:

    Toko Kawai hat einen modernen Stil mit einer feinen, eleganten Strichführung. Ihre Protagonisten sehen sich jedoch oftmals so ähnlich, dass man sie ohne die verschiedenen Haarfarben schwer unterscheiden könnte.

    Dass dies kein Mangel an Talent sondern Absicht ist zeigt sich hier bei der dritten Geschichte "Kitan Garden". Denn in dieser sehen der Rosenprinz und der Gärtner sich keineswegs zum Verwechseln ähnlich.

    Da die Alternative aber darin besteht, besagten Prinz als klassischen mädchenhaften Uke mit großen Augen sowie den anderen typischen Attributen zu zeichnen, ziehe ich persönlich die andere Variante mit zwei männlich ausschauenden Protagonisten vor, auch wenn diese sich dann recht ähnlich sehen.

    Normalerweise entscheidet Toko Kawai sich in ihren Manga glücklicherweise für Letzteres. Doch bei "Kitan Garden" hat sie den Uke sehr feminin dargestellt, wodurch vermutlich das Märchenhafte der Geschichte betont werden sollte. Denn normalerweise geht es in solchen Stories ja um eine schöne Prinzessin. In dieser Geschichte gibt es auch weitaus mehr Hintergründe. Die anfänglichen Szenen im Rosenpalast sind in Bezug auf Ausstattung und Hintergründe Detail reicher ausgeführt als Toko Kawai es üblicherweise macht, und auch den Gewändern wurde hier mehr Aufmerksamkeit zuteil.

    Die 801 Media Ausgabe hat zudem eine Farbseite und einen separaten Hochglanzschutzumschlag.

    Fazit:

    Toko Kawai hat ein Faible für sympathische Charas. In ihren Manga tauchen nur höchst selten mal Figuren auf, die nicht liebenswert sind. Dies ist quasi eins ihrer Markenzeichen. Demzufolge gibt es in ihren Geschichten auch nirgends non-con, auch nicht im Graubereich. Bei Toko Kawai geschieht stets alles einvernehmlich.

    Ein weiteres Markenzeichen ist ihre Fähigkeit selbst auf wenigen Seiten in sich stimmige und runde Geschichten zu erzählen, welches Hand in Hand mit ihrem Talent für den Aufbau einer Story und insbesondere ergreifende Schlussszenen geht, die einem als Leser jedes Mal aufs Neue das Herz überquellen lassen.

    Wer warmherzige, romantische Geschichten rund um sympathische Protagonisten mag, kommt meines Erachtens an Bond(z) ebenso wenig vorbei wie an allen anderen Manga von Toko Kawai.
    Geändert von Sujen (26.08.2012 um 16:22 Uhr)

  7. #57
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    Your Story I've known von Tsuta Suzuki

    Manga Story Sammlung US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Your Story I've known enthält insgesamt vier nicht zusammenhängende Geschichten.

    Die Titelstory umfasst mit 100 Seiten die Hälfte des Bandes. Sie erzählt die Geschichte von Matsumoto, der von seiner Mutter vernachlässigt und regelmäßig misshandelt wird. Nachdem seine Mutter ihn wieder einmal verprügelt hat läuft Masamoto fort und bittet den Yakuza Shibusawa ihn in seine Organisation aufzunehmen. Dieser ist einer der vielen Ex-Liebhaber von Masamotos Mutter und der Einzige, der stets freundlich zu ihm war.

    Die zweite Story "Sauted Onions" dreht sich um zwei Schulfreunde, die zusammen sind. Der eine will gern mehr, doch der andere fühlt sich irgendwie noch nicht soweit, oder vielleicht doch?

    In der Dritten mit dem Titel "As long as you can hear me" beobachtet der Geist des herrenlosen Samurais Zengo Saito wie der Oberschüler Shota an seiner Schule Schwächeren gegen Rowdies hilft. Beeindruckt von Shotas ehrenhaftem Verhalten erwählt er diesen zu seinem neuen Herrn, um gemeinsam mit ihm für das Gute zu kämpfen. Doch ist es wirklich nur Shotas Edelmut, der Zengo geradezu magisch anzieht?

    Die letzte Story heißt "Without the Gods Seeing". Darin fühlt der Angestellte Wakakki sich zu einem Kollegen hingezogen und bemüht sich darum, ihm näher zu kommen.

    Bewertung des Inhalts:

    Die Titelstory ist wirklich sehr gelungen. Die Romanze steht hier erstaunlicherweise gar nicht im Zentrum, zumindest nicht allein. In drei aufeinanderfolgenden Teilen erfährt der Leser zunächst einmal was Masamoto fühlt und warum er so fühlt. Danach, was aus Masamoto, seiner Mutter und Shibawasa geworden ist, nachdem

    Letzterer Masamotos Bitte abgelehnt hatte, weil er nicht wollte, dass jener zum Kriminellen wird und auch den Kuss des halben Kindes ignoriert hatte.

    Masamoto arbeitet mittlerweile

    in einem Hostclub, der unter dem Schutz der Yakuza Gruppe steht, welcher Shibawasa angehört.

    Dieser zweite Teil endet damit, dass Shibawasa

    sich endlich seine Gefühle für Masamoto eingesteht und ihm anbietet bei ihm einzuziehen.

    Im dritten Teil findet Masamoto etwas über Shibawasa heraus, was er nie erfahren sollte.

    Alle drei Parts enthalten jeweils in sich geschlossene kleine Handlungsbögen, die in die Rahmenhandlung eingebettet sind.

    Diese erste Story ist in Bezug auf die Protagonisten, ihr Umfeld und ihre Beziehung zueinander ziemlich komplex. Die Umsetzung ist spannend, dramatisch und emotional packend. Zudem wartet sie mit einigen Überraschungen auf, von denen die Erkenntnis

    wer hier Uke und wer Seme ist

    nur eine ist.

    Die zweite Geschichte ist die Kürzeste und zugleich auch die Uninteressanteste. Zwei Schulfreunde, die auf ihr erstes Mal zusteuern. Das ist weder neu noch originell und nichts, was man nach dem Lesen im Gedächtnis behält.

    Die Dritte mischt Comedy mit Action und stellt hierbei die Handlung in Form des gemeinsamen Vorgehens gegen Schulrowdies in den Vordergrund. Die Romanze ist von eher untergeordneter Natur und kommt erst auf den letzten Seiten überhaupt zum Tragen. Hier hätte ich mir zwar etwas mehr gewünscht, aber im Großen und Ganzen passte diese Gewichtung schon gut zu der originellen Story.

    Die letzte Geschichte ist das genaue Gegenteil von der Dritten. In ihr passiert handlungsmäßig im Grunde so gut wie nichts. Sie legt den Fokus auf die Gefühle der beiden Protagonisten. Zwar tauchen Nebenfiguren auf, doch diese haben keinen Anteil am Geschehen. Denn dies ist ein Kammerspiel zwischen zwei Männern, die sich zueinander hingezogen fühlen und beide, jeder auf seine Weise, damit umzugehen versuchen. Dabei fließen verschiedene Überlegungen und auch Trauma aus der Vergangenheit mit in ihre Entscheidungen über das Hier und Jetzt ein.

    Yaoi gibt es nur sehr wenig in diesem Band. In der zweiten und letzten Geschichte kommt gar keines vor. Die Dritte enthält eine winzige Szene ganz zum Schluss, die aber im Grunde nur aus wenigen Andeutungen besteht. Lediglich die Titelstory beinhaltet einige Panels, in denen es zur Sache geht, wobei es aber auch hier nicht sonderlich viel zu sehen gibt.

    Bewertung des Artworks:

    Tsuta Suzuki hat eine ziemlich kräftige Strichführung mit vielen schwarzen Flächen, auch wenn das in zarten Tönen gehaltene Cover etwas anderes vermuten lässt. Hintergründe gibt es so gut wie keine. Die Protagonisten haben nicht nur charakterlich Ecken und Kanten, sondern sind auch optisch etwas rauer dargestellt, was insbesondere für den Yakuza Shibawasa gilt, der überaus männlich und genauso ausschaut, wie man sich einen Angehörigen seines Berufszweigs in einem BL Manga vorstellt.

    Überhaupt ist die Unterscheidungsfähigkeit der Charaktere ein ganz großes Plus in diesem Manga. Natürlich sind sie alle attraktiv, weswegen es bei der Stellung der Augen, der Nasen und der Gesichtsform gewisse Parallelen gibt, die der Tatsache geschuldet sind, dass es ein bestimmtes Grundmuster gibt, das die Mehrheit der Menschen (sprich damit zugleich auch die der Leser) als anziehend empfindet. Davon abzuweichen würde die Gefahr mit sich bringen, Protagonisten zu erschaffen, die von vielen Lesern als weniger attraktiv wahrgenommen werden würden, was selbstredend in einem BL Manga ein absolutes No-Go ist und sein muss. Doch abgesehen von der Einhaltung dieses besagten Grundmusters sehen die Protagonisten allesamt sehr individuell aus, und zwar nicht nur innerhalb der jeweiligen Geschichte, sondern auf den gesamten Manga bezogen.

    Das ist nicht nur angenehm und erfrischend anders, sondern es macht die sehr ausdrucksstarken Zeichnungen noch realistischer als sie es ohnehin bereits sind.

    Fazit:

    Mir hat dieser Manga sehr gut gefallen. Die zweite Story war zwar eher durchschnittlich, aber dies wird durch die Qualität der anderen drei wieder ausgeglichen, insbesondere die der ersten und der letzten.

    Persönlich fand ich die erste Geschichte am besten. Das Yakuza Setting, das zudem auch durchaus brutal und blutig gezeigt wird, ist interessant und spannend, und die Beziehung in ihrer Entwicklung und emotionalen Tiefe glaubhaft und bewegend.

    Allein nur wegen dieser Story bekommt der Band von mir eine dicke Empfehlung.

    Hinweis:

    In einigen englischen Rezis bzw. Reviews zu diesem Manga wird bemängelt, dass er sprachliche Fehler enthalten würde. Die Grammatik soll nicht immer korrekt sein und manche Formulierungen sollen alles andere als gelungen sein. Mir ist diesbezüglich nichts ins Auge gestochen, aber ich bin keine Muttersprachlerin. Daher kann ich diese Kritik auch weder bestätigen noch verneinen, möchte der Vollständigkeit halber aber darauf hinweisen, dass sie mehrfach an verschiedenen Stellen geäußert wurde.
    Geändert von Sujen (26.08.2012 um 22:37 Uhr)

  8. #58
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    Die Chroniken von Aluria

    Manga von Calissa Leigh (Autorin) und Yishan Li (Illustratorin)

    deutsche Ausgabe vom Fireangels Verlag



    Inhalt:

    Gin hat als Sklave kein einfaches Leben. Er wird des Mordes beschuldigt und zur Strafe einem Dämon geopfert. Als der Dämon Gins Unschuld erkennt und ihn in das Land Aluria bringt, scheint sich das Blatt für ihn zu wenden. Doch kurz darauf trifft er Kakale, einen grausamen und hinterhältigen Vampir. Er verführt Gin, um ihn dann zu hintergehen: Er spricht einen Zauber und vertauscht ihre Körper. Kakale entkommt und Gin muss - gefangen im Körper eines gesuchten Verbrechers - den Vampir wiederfinden, damit dieser den Zauber rückgängig macht. Und zu allem Überfluss trifft er auf seiner Suche auch noch auf Kakales Liebhaber Rakioul. (Klappentext)

    Bewertung des Inhalts:

    Die Handlung dieses Manga hätte genug Stoff für mehr als einen Band geboten, und es ist schade, dass sie auf nur knappen 140 Seiten zusammengedrängt wurde. Denn dadurch fällt nicht nur der Anfang äußerst knapp aus, sondern es bleibt leider nur wenig Raum, um die Hintergründe und die an sich sehr interessanten Charaktere näher zu beleuchten.

    Der Leser erfährt so gut wie nichts über das Land, in dem Gin als rechtloser Lustsklave sein Dasein fristen muss. Aluria, jenes Land, in welches ihn das Schicksal nach seiner Rettung durch den Dämon verschlägt, bleibt auch mehr oder weniger erzählerisch im Dunkel.

    Von Gins Vergangenheit wird nichts berichtet. Von Kakale und Rakioul erfährt man kaum mehr als das, was bereits auf dem Klappentext steht, nämlich, dass die Beiden ein Paar sind. Wieso lediglich Kalkade als Verbrecher gesucht wird, obwohl Rakioul

    seines Zeichens auch ein Vampir ist und sich nicht minder an menschlichem Blut gütlich tut

    bleibt unklar.

    Davon abgesehen kommt durchaus einiges an Spannung auf, und es gibt etliche wirklich sehr schöne Momente, wovon die meisten sich um Rakioul und Gin ranken.

    Es gibt einige Yaoi Szenen, einschließlich massives non-con in Form von Gang-Rape, wobei sich über die Explizität diskutieren lässt, da nichts gezeigt wird, was sich zwischen den Beinen befindet bzw. sich zwischen den Beinen tatsächlich gar nichts befindet, da die Männer hier (wie in vielen Manga) offenbar keine Geschlechtsteile zu besitzen scheinen.

    Bewertung des Artworks:

    Die Autorin Calissa Leigh hat bei diesem Werk mit der Illustratorin Yishan Li zusammengearbeitet. Deren Zeichnungen sind sehr weich. Kalkade und Rakioul haben androgyne Körper, langes Haar und feminine Gesichtszüge. Wüsste man nicht, dass sie männlich sind, könnte man sie für Frauen halten, zumal ihnen auch im entblößten Zustand ein entscheidendes Körperteil zwischen den Beinen einfach fehlt. Ebenso wie bei Gin, der mit seinen großen Augen sehr mädchenhaft wirkt und zudem arg kindlich aussieht.

    Die Ausdrücke in den Gesichtern und vor allen Dingen in den Augen indessen sind eine ganz große Stärke des Artworks.

    Es zeugt von sehr viel Talent und ist überaus beeindruckend, wie Yishan Li allen Personen bis hin zur unwichtigsten Nebenfigur durch ausdrucksvolle Mimik und Blicke ein ganz individuelles Leben einhaucht.

    Insbesondere ist hierbei hervorzuheben, dass die Ausdrücke in Gins Gesicht und in seinen Augen sich je nachdem, ob sich Gin oder Kalkade in diesem Körper befinden deutlich verändern. Gleiches gilt für die Körperhaltung und die sonstige Ausstrahlung. Auch ohne das Wissen um den erfolgten Körpertausch hätte der Leser hier sofort erkannt, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Obwohl äußerlich identisch vermittelln die Zeichnungen hier in der Tat zwei innerlich völlig verschiedene Personen.

    Fazit:

    Die Idee mit dem Körpertausch ist interessant und hätte vielleicht nicht schon im Klappentext erwähnt werden sollen, der insgesamt zu viel von der Handlung enthüllt. Da hätte man bereits nach den ersten zwei Sätzen cutten sollen. Denn dann wären die Vorgänge in Aluria für den Leser unerwartet gewesen, was der Spannungskurve zu einer willkommenen zusätzlichen Erhhöhung des Steigungswinkel verholfen hätte.

    Wer Fantasy mag und keine höheren Ansprüche an den Unterbau einer Handlung und/oder den Yaoigehalt stellt, dem kann ich diesen Manga auf jeden Fall empfehlen - und sei es auch nur wegen der bereits angemerkten beeindruckenden Fähigkeit der Mangaka verschiedene Identitäten in ein und demselben Körper überzeugend darzustellen.

    Die Ausgabe vom Fireangels Verlag ist sehr hochwertig. Das Papier ist von hoher Qualität, der Druck ist scharf und bildet eine reichhaltige Palette feiner Abstufungen im Graubereich. Neben dem Hochglanzeinband mit dem wirklich tollen Covermotiv gibt es zudem innen noch eine weitere Farbseite.

    Sprachlich ist die deutsche Ausgabe ebenfalls sehr gelungen. Insbesondere wurde erfreulicherweise auf unpassende moderne Begriffe verzichtet, wodurch sich die Texte sehr angenehm lesen lassen.

    Die Leserichtung dieses Werkes ist übrigens wie bei den meisten original US Manga westlich von links nach rechts.

    Hinten im Band gibt es diverse kurze Previews zu weiteren Produktionen von Fireangels, die ich sehr informativ fand.
    Geändert von Sujen (26.08.2012 um 22:25 Uhr)

  9. #59
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    Yakuza Café von Shinano Oumi

    Manga Oneshot US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Der junge Shinri wuchs ohne Vater auf. Da seine Mutter starb als er noch ein Kind war, sorgte seine Großmutter bis zu ihrem Tod für ihn. Kurz nach ihrer Beerdigung erhält Shinri einen Brief seines totgeglaubten Vaters Daigo. Darin bittet ihn dieser um Vergebung, weil er sich als ihn Shinris Mutter vor die Wahl stellte, sich nicht für seine Familie entschied, sondern für den Yakuza Clan, dessen Oberhaupt er war. Um seinen Sohn wenigsten in Zukunft ein ehrbares Leben bieten zu können, hat Daigo seiner Vergangenheit den Rücken gekehrt. Gemeinsam mit einigen seiner früheren Untergebenen hat er ein Café eröffnet und möchte nichts mehr als dass Shinri zu ihm zieht und mit ihm gemeinsam dieses Café führt. Im Yakuza Café trifft Shinri den Yakuza Mikado, dessen Rücken ein Drachentatoo ziert und er ihm seltsam bekannt vorkommt.

    Zusätzlich zu dieser Hauptstory gibt es noch eine weitere Story mit dem Titel "Crimson Seal", die sich um Zaouji, einen der beiden Vertrauten von Shinris Vater Daigo dreht. Darin erfährt man wie es kam, dass Zaouji, der aus einer gut situierten bürgerlichen Familie stammt zu einem Mitglied der Yakuza wurde.

    Außerdem gibt es noch eine kleine Bonusstory rund um Shinri und Mikado, die "The Roads Diverged" heißt.

    Bewertung des Inhalts:

    Shinri ist ein liebenswertes Kerlchen, und die ehemaligen Yakuza sind eine herrlich kuriose Ansammlung diverser Gangster-Klischees. Vom reuigen Papa, der bei Bedarf eine ganz andere Seite rauskehren kann, über den toughen wortkargen Mikado und den smarten Zaouji, der sich um die Finanzen und das Rechtliche kümmert bis hin zu den bulligen Kerlen mit den breiten Schultern und den harten Fäusten, die als Rausschmeißer fungieren, sofern sie nicht in der Küche stehen oder potenzielle Gäste allein durch ihren Anblick und ihre ungehobelten Manieren verschrecken.

    Das Setting ist charmant und die Dialoge sind locker-lustig. Es gibt jede Menge witzige Situationen und sogar ein wenig Action, da

    eine Yakuza Gruppe, die früher mit der von Daigo rivalisierte, diesen nicht in Frieden seinen Vorruhestand genießen lassen will.

    Inmitten all dessen gibt es jedoch leider zwei massive Mankos zu beklagen. Zum einen den Umstand, dass Shinri eines Nachts

    Mikados Tatoo berührt, woraufhin dieser die Kontrolle verliert und brutal über ihn herfällt.

    Zum anderen die Tatsache, dass er

    diese Vergewaltigung einfach mit einem "ist doch alles nicht weiter schlimm, ich bin ja selbst schuld, weil ich sein Tatoo berührt habe, obwohl mich alle gewarnt haben, dass er dann wild wird", akzeptiert und sich sogar Vorwürfe macht, weil der arme Mikado deswegen so viel Reue empfindet, dass er sich zur Sühne sogar den kleinen Finger abschneiden will.

    Einmal davon abgesehen, dass all dies nicht zum ansonsten leicht-beschwingten Grundton der Geschichte passt und in ihr wie ein Fremdkörper wirkt, fragt man sich als Leser unwillkürlich, was dabei in den Köpfen von Shinri bzw. der Mangaka wohl vorgehen mag?

    Ich gehöre bekanntlich zu Denjenigen, die es durchaus gern mögen, wenn es in einem Yaoi etwas rauer zugeht. Doch die Art und Weise, wie Shinri bzw. die Mangaka hier mit dieser Sache umgehen, sie auf die leichte Schulter nehmen und sogar in ihr Gegenteil verkehren, da

    Shinri indem er sich allen Ernstes die Schuld gibt und Mikado sogar um Verzeihung bitten will, weil ER so "unsensibel" war, nicht zu bemerken, was Mikado für ihn fühlt, vom physischen Opfer mal eben zum moralischen Täter gemacht wird,

    ist wirklich nur schwer zu verdauen.

    Trotz meines persönlichen Faibles für gewisse Konstellationen, dadurch werden die Grenzen zwischen

    Täter und Opfer verwischt und verzerrt

    Das geht definitiv einen Schritt zu weit und hat meine Freude an der ansonsten überaus unterhaltsamen Hauptstory deutlich getrübt.

    Die zweite Story indessen ist rundherum gelungen. Ich möchte an dieser Stelle nichts unnötig verraten, aber die Atmosphäre ist in dieser Geschichte ernster als in der Ersten. Sie setzt sich im Grunde aus einer Aneinanderreihung von emotionalen Momentaufnahmen zusammen, die mir aber sehr gefallen haben. Nur den Schluss hätte ich mir persönlich anders gewünscht, aber anhand der ersten Story war von vornherein zu ahnen, wie die zweite ausgehen würde, weswegen das Ende - auch wenn es mir subjektiv nicht gefiel - nicht unerwartet kam und rein objektiv vom Erzählerischen betrachtet absolut passend, ja geradezu perfekt war.

    Die Bonusstory greift noch einmal die

    Vergewaltigung Shinris durch Mikado

    und die in meinen Augen seltsame Art und Weise wie die Beiden sowie auch die anderen Yakuza, die ahnen, was geschehen ist, damit umgehen, auf. Diese hatte ich weiter oben bereits bemängelt, und meine dortige Kritik gilt gleichermaßen auch für diese Bonusgeschichte.

    Alle Geschichten enthalten mehr oder weniger explizites Yaoi, bei dem indessen von einem Bild abgesehen keine Geschlechtsteile gezeigt werden.

    Bewertung des Artworks:

    Shinano Oumis Zeichenstil ist sehr schön anzuschauen. Insbesondere ist hier positiv hervorzuheben, dass sämtliche Beteiligte ein individuelles Äußeres haben, durch das sie sich optisch deutlich unterscheiden.

    Die in den jeweiligen Romanzen Involvierten sind sehr attraktiv und zudem mit Ausnahme von Shinri erfreulich männlich dargestellt. Lediglich Shinri muss mit der klassischen kleinen, zierlichen Uke Figur samt mädchenhaften riesigen Kulleraugen durch den Manga laufen. Vermutlich wurde diese Darstellung gewählt, damit ihm die Mangaka jenes imaginäre Schild mit der Aufschrift

    ich bin ein kleines zartes Ükchen, das nur drauf wartet rangenommen zu werden, ganz gleich wie oft ich nein schreie

    leichter auf die mädchenhafte Stirn pappen konnte. Quasi als zusätzliche Rechtfertigung. Denn wenn einer

    so "einladend" aussieht, dann fordert er es doch geradezu heraus, dass man(n) sich an ihm vergreift, weil man(n) so einer "Versuchung" einfach nicht widerstehen kann ...

    Nein, es liegt mir fern, der Mangaka hier etwas unterstellen zu wollen. Aber die Divergenz zwischen Shinris Aussehen und dem von Zaouji in der zweiten Story als dieser ungefähr im gleichen Alter war, ist doch schon arg auffällig.

    Fazit:

    Ohne die erwähnten Mankos wäre Yakuza Café ein rundherum unterhaltsamer Manga.

    So ist er zwar immer noch größtenteils überaus charmant und humorvoll und damit nach wie vor durchaus sehr lesenswert - allerdings mit einem gewissen unangenehmen Beigeschmack, der beim Lesen der ersten Geschichte sowie der Bonusstory zurück bleibt.
    Geändert von Sujen (27.08.2012 um 21:15 Uhr)

  10. #60
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    Necratoholic von Maguro Wasabi

    Manga Oneshot US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Ein Jahr ist es her, seit der Vampirjäger Atsumi den Vampir Sakuya zwang sein Blut zu trinken und sich danach an ihm verging. Sakuya, der infolge dessen kein Blut von anderen Menschen mehr verträgt, hat bittere Rache geschworen. Doch ganz gleich wie sehr er nach Atsumi suchte, dieser war wie vom Erdboden verschwunden.

    Bis zu jenem Tag, an dem er unvermittelt an der Tür des Schlosses auftaucht, in dem Sayuka gemeinsam mit seinem Bediensteten Baldur lebt - und ein SM Love Hotel betreibt, dessen peitschenschwingender in Lack und Leder gekleideter Star kein anderer als die "Sado Queen" Sakuya höchstpersönlich ist.

    Bewertung des Inhalts:


    Wer gerade bei der Inhaltsangabe irritiert die Stirn gerunzelt haben sollte, der befindet sich in bester Gesellschaft. Als ich zum ersten Mal las, warum es in diesem Manga geht, dachte ich ganz spontan nur: "Häh?" Doch er war mir wärmstens empfohlen worden, und da ich stets auf der Suche nach ungewöhnlichen BL-Manga bin und einer, der out-of-print ist zudem meinen Jagdtrieb weckt, habe ich ohne zu zögern zugegriffen als sich mir unverhofft eine Gelegenheit bot, diesen Manga zu erwerben.

    Bereut habe ich diese Entscheidung nicht. Im Gegenteil. Zugegeben, die ersten einleitenden Seiten in denen

    der Vampirjäger seinem gefesselten Opfer ein Messer durch die Handfläche treibt und danach sein eigenes Handgelenk aufsäbelt und dem Vampir gewaltsam daraus Blut einflößt

    musste meine empfindsame Seele zunächst überstehen - und zwar ohne sich vorzustellen wie viel schauriger diese Szenen in der japanischen Ausgabe wohl gewirkt haben. Durch den Druck der im Original erkennbar farbigen ersten Seiten in schlichtem Schwarz-Weiß wurde der erste Eindruck etwas abgemildert. Dennoch fragte ich mich unwillkürlich, ob der Kauf dieses Manga möglicherweise nicht vielleicht ein klein wenig voreilig gewesen sein könnte.

    Dieser Gedanke verflüchtigte sich im weiteren Verlauf jedoch rasch und machte wachsender Begeisterung Platz.
    Denn Necratoholic entpuppte sich entgegen der ersten blutigen Bilder nicht als Horror, sondern als absolut hinreißende Romanze der besonderen Art.

    In dem Moment als sich das Setting und das Charakterdesign der beiden Protagonisten in aller Pracht und Herrlichkeit offenbarte, war klar - dieser Manga würde überaus unterhaltsam werden.
    Der Vampir Sakuya der auf Betreiben seines geschäftstüchtigen Dieners als "Domina-Queen" auftritt, obwohl er

    privat eigentlich im Bett eher der submissve Part ist,

    um sich die Langeweile zu vertreiben und nebenbei jede Menge Geld zu scheffeln und dazu der Vampirjäger Atsumi, der jedes Mittel und jeden Trick anwendet, um Sakuyas Körper (und natürlich am Ende dessen Herz) zu bekommen, sind eine wunderbare und sehr originelle Kombination. Es macht Spaß den Beiden dabei zuzuschauen, wie sich gegenseitig belauern und umkreisen, während sie vorgeben, den anderen jagen und besiegen zu wollen, obwohl es offensichtlich ist, dass sie einander restlos in leidenschaftlicher Liebe verfallen sind.

    Die Geschichte wird im Wesentlichen aus der Sicht des Vampirs erzählt, der sich hartnäckig weigert sich seine Gefühle für den Jäger einzugestehen und stattdessen ständig neue Gründe und Rechtfertigungen erfindet, wieso er Atsumi in seiner Nähe haben will.

    Da Atsumis Blut nicht nur das Einzige ist, das Sakuya verträgt, sondern es ihm zudem so köstlich mundet, versteht es sich schliesslich von selbst, dass man(n) so eine köstliche Nahrungsquelle immer in Reichweite haben muss, oder etwa nicht? Dazu muss man ihn im eigenen Schlafzimmer einsperren oder in einer abstrusen Verkleidung samt riesiger Sonnenbrille an dessen Arbeitsplatz in der Stadt aufsuchen etc.

    Sakuyas wahren Motive liegen für den Leser sehr rasch auf der Hand. Atsumi hingegen gibt sich bedeckter und Sakuya und dem Leser immer wieder Rätsel auf. Nicht etwa, dass man als Leser ernsthaft bezweifelt, dass Atsumi völlig verrückt nach Sakuya ist. Doch er benimmt sich immer wieder seltsam ambivalent und die Gründe für sein Verhalten werden erst nach und nach in winzigen Mosaikstückchen offengelegt.

    Neben Körperflüssigkeiten wird in diesem Manga auch einiges Blut vergossen, jedoch größtenteils mehr oder weniger einvernehmlich und ohne, dass es unangenehm oder gar abstoßend wirkt. Gegen Schluss kommt dann sogar noch einiges an Action dazu als Atsumis Meister

    der hier als 17jähriges Genie porträtierte van Helsing, aus Eifersucht versucht, Sakuya, seinen Rivalen um Atsumis Liebe, mit dem Segen der Vampir Jäger Assoziation offiziell zu eliminieren.

    In einem fulminanten Showdown schlägt hier für alle Beteiligten die Stunde der Wahrheit, in der zwei von ihnen eine Wahl treffen und sich zu ihren Gefühlen bekennen müssen.
    Der Erzählstil ist locker leicht, sehr charmant und überaus humorvoll. Es gibt einige Yaoi Szenen einschließlich non-con, jedoch sind diese nicht sonderlich explizit.

    Bewertung des Artworks:

    Maguro Wasabis Zeichenstil ist wunderschön anzuschauen. Er ist zugleich weich und kräftig, mit vielen dunklen Flächen.

    Ihre Protagonisten sind jungenhaft und dabei sehr sweet, besonders Sakuya ist ein wirklich entzückender Vampir mit großen ausdrucksvollen Augen.

    Es gibt immer wieder detailliertere Hintergründe zu bewundern und die Kleidung der Beiden ist - vom Domina Outfit abgesehen - elegant und ebenso verführerisch wie sie selbst.
    Die Ausgabe von Digital Manga June hat übrigens ein Großformat und einen separaten Hochglanzschutzumschlag, was ich persönlich Beides sehr schätze.

    Fazit:

    Necratoholic hat mir außerordentlich gut gefallen. Dabei mag ich es insbesondere, dass hier zwei Themen, die normalerweise eher düsterer dargestellt werden, nämlich Vampire und SM (von der schockierenden Eingangsszene mal abgesehen) erstaunlich locker-leicht und ziemlich humorvoll verpackt werden.

    Für mich hat es sich mehr als nur gelohnt, diesen Manga aufzutreiben. Er ist überaus unterhaltsam, und ich wünsche jedem, der an solchen Geschichten Freude hat, dass sich ihm auch die Chance bieten wird, ein (bezahlbares) Exemplar zu ergattern - sofern er sich nicht ohnehin bereits zu jenen zählen kann, die bereits eins im Schrank zu stehen haben.

  11. #61
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    Maniac Shorts Shot

    Storysammlung von Miya Ousaka US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Maniac Shorts Shot enthält insgesamt vier nicht zusammenhängende Geschichten.

    Die Titelstory dreht sich um zwei Freunde, die eine Schachtel voller verrückter Sextoys Unterhosen finden. Aus Spaß fängt der eine andere, die Teile anzuprobieren, worauf der andere zunächst den Fotoapparat und schließlich inmitten des fröhlichen Herumalberns etwas anderes zückt ...

    Die zweite Story heißt "Lo-Fi You Hi-Fi him" und handelt von zwei ehemaligen Klassenkameraden, die sich nach vielen Jahren wieder begegnen. Einer von ihnen hat sein Leben der Pflege von alten Menschen geweiht, der andere arbeitet als Callboy in einem Hostclub. Können zwei Menschen aus so verschiedenen Welten zueinanderfinden?

    Die dritte Story trägt den Titel "Custom Heart Beat." In ihr fühlt der Student Sano sich verpflichtet, nach dem Tod seines Vaters dessen Motorradwerkstatt fortzuführen. Dabei hat er weder die technischen Kenntnisse dafür noch Freude an Motorrädern. Ganz im Gegensatz zu Maeda, der Stammkunde der Werkstatt ist. Doch kommt Maeda wirklich nur regelmäßig vorbei, um seine Maschine warten zu lassen?

    Die letzte Geschichte mit dem Namen "Hair" geht um den Leiter eines Kriminallabors. Im Zuge einer Mordermittlung stellt er eigene Ermittlungen an und lernt dabei einen der Hauptverdächtigen näher kennen. Dieser ist Haarstylist und geradezu besessen von menschlichem (Scham)Haar.

    Bewertung des Inhalts:

    Maniac Shorts Shots ist eine überaus abwechslungsreiche Storysammlung. Jede Geschichte ist sowohl was den Inhalt als auch die Erzählstruktur angeht völlig anders als die anderen.

    Die Erste ist sehr frech und wirklich dirty. Die Handlung beschränkt sich völlig darauf, wie die beiden Freunde jede Menge Spaß und extrem heißen Sex miteinander haben. Romantik oder Liebe kommen darin nicht vor, es geht relativ schnell, heftig und überaus explizit zur Sache.

    Die zweite wiederum ist ausgesprochen gefühlvoll. Der Leser bekommt Einblicke in das sehr unterschiedliche Leben der Liebenden und begleitet sie auf ihrem Weg zueinander. Die Protagonisten sind beide überaus liebenswert und ihre Beziehung bewegend und sehr romantisch. In dieser Story gibt es nur wenig Yaoi. Eine kleine Szene am Schluss, die zwar durchaus explizit ist, aber von der Stimmung her dennoch stärker auf die emotionale Komponente abstellt.

    Die dritte Story zeigt uns einen aggressiven jüngeren Seme, der den zögernden Uke mit seiner Leidenschaft "mitreißt", sprich eine klassische BL-Variante, in der non-con romantisiert und zudem dadurch gerechtfertigt wird, dass der Uke

    schon vorher Gefühle für den Seme hegt und, sich sogar heimlich selbst befriedigt, während er an ihn denkt.

    In dieser Geschichte gibt es zwei ausführliche Yaoi Szenen, wovon die zweite länger und um einiges expliziter als die erste ist. Dies dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass

    die zweite im Gegensatz zur Ersten in jeder Hinsicht einvernehmlich erfolgt.

    Die Letzte Story hat von allen die meiste Handlung - und diese ist alles andere als darauf ausgelegt beim Leser Feel Good Gefühle aufkommen zu lassen. Schon das ungewöhnliche Setting rund um einen Kriminallabortechniker und eine Ermittlung in einer Mordserie an jungen Männern schürt die Erwartung, dass diese Geschichte nicht sonderlich viel mit den üblichen BL-Klischees gemein haben wird. Diese erfüllt sich dann im Verlauf der Handlung, die in der Tat ziemlich ungewöhnlich, ja teilweise bizarr ist. Wenn

    der Haarstylist seinem Liebhaber mit einem seltsamen Lächeln um den Lippen das Schamhaar mit einer Rasierklinge abschabt,

    läuft einem unwillkürlich ein Schauer über den Rücken und man fühlt sich von dunkler Vorahnung erfüllt, dass diese Beziehung geradezu auf ein düsteres Ende zusteuert.

    Wie düster es dann letztlich ist, will ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel, ich habe bislang noch nie zuvor einen Schluss in einer BL-Story gelesen, der für mich derart unerwartet kam und zudem so bösartig war, dass ich davon regelrecht geschockt wurde. Rein erzähltechnisch betrachtet ist das Ende absolut genial, und ich kann mir vorstellen, dass es viele Leser geben wird, die es toll finden werden. Aber ich persönlich verabscheue es zutiefst.

    Bewertung des Artworks:


    Die Zeichnungen von Miya Ousaka finde ich sehr gelungen, wobei besonders hervorzuheben ist, dass sie ihren Protagonisten ein sehr individuelles Aussehen verleiht. Kein Mann in diesem Manga sieht aus wie einer der anderen und bei jedem passt das Äußere perfekt zum jeweiligen Charakterdesign.

    Daneben hat Miya Ousaka definitiv ein Talent für SD-Chibis, auch wenn sie diese mäßig und nur ganz gezielt dort einsetzt, wo es passt. Man findet sie lediglich in der zweiten Story, wo sie sich hervorragend in die locker-leichte Erzählstruktur dieser Geschichte einfügen.

    In Sachen Yaoi versteht Miya Ousaka ebenfalls ihr Handwerk in jeder Hinsicht. Genau wie bei den SD-Chibis fügt sie dabei auch die Yaoi Parts stets passend in die Geschichten ein, und zwar sowohl in Bezug auf die Explizität als auch den Grundton. Ihre Yaoi Szenen (die übrigens erfreulicherweise völlig unzensiert sind) unterscheiden sich optisch sehr, je nachdem ob es eine romantische Liebe, "just Fun", eine aggressivere Leidenschaft oder eine obsessive ist.

    Viele Mangaka zeichnen die Yaoi Parts ähnlich und variieren nur Kleinigkeiten, indem sie non-con zB dadurch ausdrücken, dass die Gesichtszüge verzerrter sind und einer den anderen festhält und niederdrückt. Darüber hinaus verwenden sie oftmals identische Posen, die typischen Blow-Jobs und Stellungen, die sich wiederholen.

    Miya Ousaka geht hierbei weitaus umfassender (und kreativer) zu Werke.

    Keine einzige Yaoi Szene gleicht hier der anderen, und jede einzige passt in jeder Nuance exakt zu den verschiedenen Persönlichkeiten und der jeweiligen Situation. Nichts ist austauschbar. Die Protagonisten haben je nach Art und Motivation des Sexes eine völlig unterschiedliche Ausstrahlung, die in vielen Details zum Tragen kommt. Ob es die Anspannung der Körper ist oder ein bestimmtes Verhalten. So wird unter anderem

    Spaß dadurch vermittelt, indem einer dem anderen neckisch den Slip mit dem Mund herunterzieht, Romantik und Zärtlichkeit durch ein erhöhtes Maß an Streicheleinheiten, die nicht nur den primären Geschlechtsorganen gelten, Aggressivität durch die Gier, den anderen mit dem Mund förmlich verschlingen zu wollen und Obsession durch den Einsatz von Fetischen und einem ritualisierten Umgang mit dem Körper des anderen.

    So viele verschiedene Yaoi Facetten habe ich bisher noch nie von ein und derselben Mangaka gesehen, schon gar nicht in einem einzigen Band vereint.

    Das finde ich faszinierend und wirklich sehr beeindruckend.

    Fazit:

    Hinter dem - wie ich finde - nicht sonderlich gelungenen Cover verbirgt sich ein ziemlich abwechslungsreicher und zugleich recht ungewöhnlicher Manga, der sowohl inhaltlich als auch in Sachen Erzählstil und Yaoi überraschend vielfältig ist und sehr viele verschiedene Facetten abdeckt.

    Wer gerne einmal einen Manga lesen möchte, bei dem sich die enthaltenen Stories in jeder Hinsicht unterscheiden und/oder ein Faible für dunkle Geschichten hat, könnte an diesem Band viel Gefallen finden.
    Geändert von Sujen (28.08.2012 um 23:18 Uhr)

  12. #62
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    Lip Flip von Nase Yamato

    Manga Oneshot deutsche Ausgabe von EMA



    Inhalt:

    Schon seit der Schulzeit sind Yusuke und Soiji unzertrennlich. Nach dem Studium haben beide in der Firma von Yusukes Familie angefangen. Nie hätten sie gedacht, dass jemals etwas ihre Freundschaft belasten könnte. Bis zu jenem Tag, an dem Soiji die Tochter eines Geschäftspartners heiratet. Von dem Moment an geht Yusuke ihm aus dem Weg. Zumindest versucht er das. Denn da sie beide Raucher sind, treffen sie zwangsläufig im Raucherraum der Firma immer wieder aufeinander.

    Als sich dann auch noch ein neuer Kollege als Masahito herausstellt, der ebenfalls mit ihnen zur Schule ging und an derselben Uni studierte, fängt die Situation an, richtig kompliziert zu werden. Denn Masahto weiß nicht nur, dass Yusuke schon immer in Soiji verliebt ist, sondern hegt seinerseits genauso lange bereits Gefühle für Yusuke.

    Bewertung des Inhalts:

    Lip Flip ist eine fast klassische Dreiecksgeschichte. Denn im Gegensatz zu einer ganz Klassischen steht dessen Zentrum, Yusuke, nicht wirklich zwischen zwei Männern.

    Von vornherein steht fest, dass er Soiji liebt und Masahito immer nur die zweite Wahl sein kann, nicht mehr als ein Kompromiss, den er einzugehen bereit ist, um Soijis Ehe nicht zu gefährden und vor allen Dingen, weil er annimmt, dass seine Gefühle nicht erwidert werden.

    Er ist nicht der Einzige, der sich dessen stets bewusst ist. Dies bietet dem Manga die Gelegenheit und Rechtfertigung dafür, dass

    Masaihto teils aus Frustration, teils um eine Entscheidung zu erzwingen, mit Yusuke ohne dessen Einverständnis schläft.

    Dies ist eine der Schlüsselszenen des Manga, und im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Stories ist sie tatsächlich in die Handlung eingebunden. Denn

    Masahito erklärt Yusuke, dass er sofort aufhören wird, sollte Yusuke Soiji auf dem Handy anrufen und ihm endlich gestehen, was er für ihn fühlt. Sollte Yusuke dies nicht tun, würde Masahito weitermachen, da er nicht bereit ist auf Yusuke zu verzichten nur weil der weiter heimlich von Soiji träumen möchte.

    Diese Logik ist - aus dem BL-Blickwinkel betrachtet - durchaus einleuchtend, wenn sie auch im Real Life selbstredend abzulehnen wäre.

    Die Achterbahn der Gefühle geht in die zweite Runde, als sich ausgerechnet in dem Moment als Yusuke seinen Traum endgültig aufgeben will erfährt, wie es um Sojis Ehe und dessen Gefühle tatsächlich bestellt ist.

    Obwohl ich mir persönlich in diesem Fall eine andere Entscheidung Yusukes gewünscht hätte, steuerte der Manga vom ersten Moment erkennbar auf die gewählte Auflösung zu. Aus Yusukes Sicht verständlich, aber dennoch für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Liebe ist natürlich stets subjektiv, aber soweit es mich betrifft ist es mir ein Rätsel, wie man(n) einem deutlich schwächeren Charakter den Vorzug vor einem geben kann, der nicht um der Familie, der Firma oder der Gesellschaft willen seine Gefühle jahrelang verleugnet, sich anpasst und das tut, was von ihm erwartet wird. Einen weißen Ritter auf einem weißen Pferd stelle ich mir da irgendwie anders vor.

    Indessen ist dies auf der anderen Seite auch sehr positiv an diesem Manga. Denn er zeigt normale Menschen, die sich menschlich verhalten, einschließlich ihrer Fehler, Schwächen, (emotionalen) Unzulänglichkeiten und ihren - für Außenstehende nun einmal nicht immer nachvollziehbaren - Entscheidungen.

    Es gibt diverse Rückblenden, die das Verhältnis der drei Protagonisten näher beleuchten.

    Der Grundton ist eher ruhig und alles andere als zuckerig-süß, was meines Erachtens auch nicht zur Story und deren Umsetzung gepasst hätte.

    Yaoi gibt es nur recht wenig und lediglich eine Szene ist expliziter, allerdings enthält der Manga wie bereits erwähnt non-con.

    Das Büro Setting ist gut gewählt, wenn auch für die Geschichte im Grunde bedeutungslos. Denn es spielt keine Rolle bei diesem Liebesreigen, sofern man einmal davon absieht, dass alle drei Protagonisten Raucher sind und sich demzufolge regelmäßig im Raucherraum treffen.

    Der Titel der US Ausgabe lautet nicht von ungefähr "Cigarette Kisses" und ist meiner Meinung nach erheblich passender. Doch Rauchen ist in unserer Gesellschaft verpönt. Daher kann ich verstehen, wieso EMA sich für einen anderen Titel entschied, da gerade in Deutschland jedermann so erpicht darauf ist sich "politisch korrekt" zu verhalten.


    Bewertung des Artworks:

    Nase Yamoto ist eine klare Vertreterin des klassischen BL Uke-Klischees. Ihre Ukes sind immer sweet und das kommt insbesondere auch in ihrem Artwork zum Ausdruck. Sie kann überaus attraktive männliche Protagonisten zeichnen. Doch diese Fähigkeit bleibt ausschließlich den Semes vorbehalten, und auch hier folgt sie strikt dem BL-Lehrbuch. Je dominanter und aggressiver ein Seme ist, desto männlicher sieht er aus. Je sanfter, unentschlossener und angepasster er ist, desto mehr gleichen seine Gesichtszüge, seine Augen und auch sein Haar der Darstellung ihrer Ukes.

    Letztere sind gern und oft ziemlich kindlich und geradezu grenzwertig in Richtung Shota dargestellt. Dies ist in Lip Flip glücklicherweise nicht der Fall. Zwar sieht Yusuke hier jünger als Soiji aus, obwohl sie gleichaltrig sind und beide schauen zudem jünger aus als Masahto, obwohl sie seine Senpais - sprich älter als er sind. Doch es ist alles noch in vertretbarem Rahmen, da Yusuku trotz allem wie ein (jung gebliebener) Erwachsener aussieht.

    Abgesehen davon ist das Artwork von Nase Yamoto immer wieder schön anzuschauen, wenn es auch mit seinen oftmals vielen relativ kleinen Bildern pro Seite verglichen mit den großzügigen Panels anderer Mangaka zugleich ein wenig voll, ja beinahe überladen wirkt.

    Fazit:

    Da sich das passive Mitrauchen nur im Kopf des Lesers abspielt, kann ich dieses Werk bedenkenlos auch Nichtrauchern wie mir empfehlen, sofern sie Büroromanzen, Dreiecksgeschichten und/oder Nase Yamoto mögen.

    Mir hat Lip Flip auf jeden Fall sehr gut gefallen, insbesondere weil es eine erwachsene Geschichte ist, die sich um erwachsene Männer dreht, die mit beiden Beinen im (Berufs)Leben stehen und der Klischeefaktor sich in Grenzen hält.
    Geändert von Sujen (30.08.2012 um 08:18 Uhr)

  13. #63
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    Mr. Tiger and Mr. Wolf

    Manga Serie von Haruno Ahiru

    2 Bände US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:


    Band 1

    Eines schönen Tages entdeckt Mr. Wolf, seines Zeichens Führer seines Rudels, auf der Jagd ein niedliches kleines Miezekätzchen. Spontan entführt er das entzückende Ding vom Fleck weg in der Absicht, es aufzuziehen, damit es sobald es groß ist sein süßes Eheweib werden kann. Natürlich muss dies vor dem Rest des Rudels verborgen werden, damit keiner auf die schreckliche Idee kommt, das reizende Kätzchen fortzujagen oder gar zu verspeisen. Zum Glück denkt die kleine Miezekatze nicht einmal an Flucht. Vielmehr fühlt sie sich in der Höhle von Mr. Wolf überaus wohl - und noch mehr in dessen Gesellschaft. Denn unter Mr. Wolfs rauer Schale verbirgt sich ein goldenes Herz, das heftig und voller Liebe und Sorge für seine zukünftige Braut schlägt.

    Da ist die Überraschung groß, als Mr. Wolf nach einem sechsmonatigen Jagdausflug daheim in seiner Behausung kein niedliches Miezekätzchen vorfindet und schon gar keine süße Braut. Stattdessen erwartet ihn ein ausgewachsener, überaus stattlicher bengalischer Tiger, der sich vor Sehnsucht nach seinem Mr. Wolf verzehrt und ihn ohne viel Federlesen schwuppdiwupp zu SEINEM Eheweib macht.

    Im weiteren Verlauf des ersten Bandes lernen wir nicht nur das junge Eheglück sondern auch die bucklige Verwandtschaft des Bräutigams kennen, die so gar nicht einverstanden mit dieser für einen Tiger unstandesgemäßen Liason ist.

    Dabei weicht der ältere Bruder von Mr. Tiger seinerseits in der zweiten Hälfte vom Pfad der bengalischen Tigertugend ab - wenn auch eher unfreiwillig. Denn er gerät in die Falle eines Jägers gerät. Zu seinem Glück verliebt sich jedoch des Jägers treuer Hund auf den ersten Blick in diese Beute und ist bereit seinetwillen seinen Herrn zu verraten.

    Band 2

    Im Folgeband treffen wir dann zum Ausgleich auf die Familie von Mr. Wolf, die irgendwie so ganz anders ist als man sie sich vorgestellt hätte.

    Zusätzlich gibt es in Band zwei noch die drei folgenden nicht mit der Hauptstory zusammenhängende Geschichten:

    Call me "M"

    Diese Story ist nur wenige Seiten lang und enthält eine kleine, witzige SM Episode in einem Büro, in dem anstelle von Menschen Tiger und Wölfe arbeiten.

    Gentle Murderer

    Diese Geschichte spielt auf einer Gefängnisinsel und dreht sich um einen verurteilten Mörder und einen Aufseher, als Einzige ein Erdbeben überleben und gemeinsam in einem unterirdischen Lagerraum Schutz suchen.

    Today's Killer

    Diese Story erzählt, wie es mit den Beiden von der Gefängnisinsel weitergeht, nachdem der Yakuza Patron des Killers aufgetaucht ist und der Aufseher sich dank diesem unvermittelt als Gefangener des ehemaligen Häftlings wiederfindet.

    Bewertung des Inhalts:

    Band 1

    Der erste Band ist einfach zu komisch. Der Aufbau des ersten Teils, der sich um Mr. Tiger, Mr. Wulf und später dann noch um die Familie von Mr. Tiger dreht, ist episodenhaft. Eine witzige Momentaufnahme reiht sich an die nächste. Die Situationen sind immer relativ kurz, aber unglaublich niedlich und sehr lustig.

    Zu den absoluten Highlights gehört dabei natürlich die Szene, als Mr. Wolf nach langer Abwesenheit zurückkehrt in Erwartung eine zu voller Schönheit erblühte Miezekatzen-Braut vorzufinden und sich stattdessen mit Mr. Tiger konfrontiert sieht. Das ist zu göttlich.

    Besonders gefällt mir, dass bei all den humorigen Situationen die Emotionen nicht auf der Strecke bleiben. Im Gegenteil. Die Liebe zwischen Mr. Tiger und Mr. Wolf (die tatsächlich keine andere Namen haben und sich im Manga stets so ansprechen) ist überaus "menschlich" und wirklich sehr berührend. Wenn Mr. Wolf

    alles tut, um Mr. Tiger zu helfen und sich schreckliche Sorgen macht, dass Mr. Tiger nach seinem Tod einsam sein könnte, da die Lebensspanne bengalische Tiger leider das Dreifache der eines Wolfs beträgt,

    oder wenn Mr. Tiger

    selbst das für ihn gefährliche Leben im Gebirge mit einem Lächeln auf sich nimmt und sich durch nichts, was sein Bruder sagt und tut, davon abbringen lässt, seinen Mr. Wolf abgöttisch zu lieben, der zwar immer barsch und brummig-grob ist, aber in seinem Innern liebevoll und stets besorgt um seinen Mr. Tiger

    ist das bewegend, ja teilweise geradezu herzergreifend. Diese Momente sind umso anrührender als sie sehr schlicht und frei von Pathos oder Kitsch daherkommen. Hier sind einfach nur zwei Lebewesen, die so verschieden und trotzdem fest entschlossen sind, den anderen um jeden Preis glücklich zu machen.

    Das ist eine wunderbare Parabel und Ode an die wahre Liebe, das ich stellenweise zu Tränen gerührt war.



    Der Teil, in dem es um Mr. Tigers älteren Bruder geht, ist eine zusammenhängende Story.

    Diese Geschichte ist sehr humorvoll und durchaus auch gefühlvoll, jedoch auf einer anderen weniger ergreifenden Ebene als die Episoden rund um Mr. Tiger und Mister Wolf.

    Band 2

    Der Folgeband ist streng genommen eine Mogelpackung. Er enthält zwar eine Story rund um Mr. Tiger und Mr. Wolf und am Ende noch zwei kleine Bonusstories, die sich um dieses Pärchen drehen - und die kleine SM Episode kann man zumindest infolge der tierischen Protagonisten zumindest noch als thematisch dazugehörend bewerten.

    Doch der weitaus größere Mittelteil widmet sich den beiden zusammenhängenden Stories um den verurteilten Auftragskiller und einen seiner Gefängniswärter.

    Die Aufmachung und der Titel des Folgebandes weisen darauf nicht hin, sondern implizieren vielmehr, dass dieser Band genau wie der erste ausschließlich um Mr. Tiger und Mr. Wofg sowie deren Sippschaft geht.

    Diesbezüglich dürfte die Frage, ob man als Leser enttäuscht ist und/oder sich verkohlt vorkommt (um es mal höflich auszudrücken), davon abhängen, ob man die Stories im Mittelteil mag oder eben nicht.

    Glücklicherweise zähle ich zur ersten Kategorie, weswegen sich letztlich meine Verärgerung in Grenzen hielt.

    Denn ich fand gerade die Geschichte um den Mörder und den Gefängniswärter richtig gut. Ich habe generell ein Faible für solche Art von Story und die Umsetzung war überaus gelungen.

    Durch geschickten Einsatz von Flashback-Erzählungen wird der Leser anfangs auf falsche Fährten gelockt während er rätseln darf, ob der Verurteilte die Taten, die ihm zur Last gelegt wurden, begangen hat oder vielleicht unschuldig ist. Die Szenen zwischen ihm und dem Wärter haben ein wenig was von einem Kammerspiel und auch die späteren Parts, in denen sich das Machtgefüge um 180 Grad verkehrt sind sehr interessant und auch recht spannend.

    Das hätte einen tollen Stoff für einen eigenen Manga oder sogar eine Serie gegeben. Spontan habe ich das Gefühl, dass dies sogar einmal der Plan war, der sich offenbar nicht realisiert hat.

    Anders kann ich mir die merkwürdige Kombination dieser Stories mit den Parts die Mr. Tiger und Mr. Wolf betreffen, nicht erklären. Denn Gentle Murder und Today's Killer sind nicht nur vom Grundton völlig anders als die tierische Comedy, sondern definitiv viel zu gut um lediglich Füllmaterial zu sein.

    Bewertung des Artworks:

    Haruno Ahiru hat einen wunderschönen Zeichenstil. Ihre Protagonisten sehen altersgerecht und männlich aus bzw. dort, wo es storymäßig erforderlich ist, ausgesprochen süß und putzig.

    Bemerkenswert finde ich dabei, dass die Mangaka die Comedy Geschichten anders zeichnet als die ernsthaften. Wenn man sich anschaut wie die Parts sind, die sich um Mr. Tiger und Mr. Wolf drehen und diese mit den beiden Stories im Mittelteil des zweiten Bandes vergleicht, fällt einem sofort auf, dass die Zeichnungen sich der jeweiligen Atmosphäre anzupassen scheinen.

    Fazit:

    Mr. Tiger und Mr. Wolf ist eine herrliche, romantische und überaus witzige Komödie, die mir sehr gut gefallen hat.

    Der erste Band ist in sich abgeschlossen und kann ohne weiteres für sich allein gelesen werden. Dies würde sich für Diejenigen anbieten, die mit den Stories in Band 2, die nichts mit Mr. Tiger und Mr. Wolf zu tun haben, jedoch den größeren Teil des Bandes ausmachen, nichts anfangen können.
    Geändert von Sujen (02.09.2012 um 22:05 Uhr)

  14. #64
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    Endles Rain

    Manga von Yuuya

    US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:


    Akira und sein jüngerer Bruder Nao, der infolge einer Erkrankung blind ist, sind die unehelichen Söhne des Vorstandsvorsitzenden der mächtigen Kasuga Corporation. Als ihre Mutter stirbt holt ihr Vater sie zu sich. Sie sollen in seinem prächtigen Anwesen leben, und Akira eine Position in der Firma übernehmen. Er setzt sie sogar als Erben ein und übergeht seinen ehelichen Sohn, der nach einem Nervenzusammenbruch in einem Sanatorium lebt.

    Doch darüber hinaus ignoriert er Akira und Nao und überlässt es Hyougami, seines Zeichens seine rechte Hand und zugleich der Verlobte seiner ehelichen Tochter, sich um die Beiden zu kümmern.

    Es dauert nicht lang, bis Akira zu spüren bekommt, welche Macht und welchen Einfluss Hyougami besitzt - und dass er Beides nutzt, um genau das zu bekommen, was er will, und dass er einen hohen Preis zahlen muss, um zu verhindern, dass sein kleiner Bruder in dem intrigenreichen Spiel, das Hyougami mit ihnen und dem Rest Familie Katsura treibt, auf der Strecke bleibt.

    Neben dieser Hauptstory enthält der Band noch eine kurze Geschichte mit dem Titel "Rhapsody of Youth", in der zwei Schulfreunde zueinander finden.

    Bewertung des Inhalts:

    Endless Rain ist mit lediglich 165 Seiten ein ziemlich dünner Manga. Vielleicht verschwendet er deshalb auch keine Seite unnütz.

    Ohne lange Einleitung werden Akira und Nao von einem behüteten Leben als geliebte und umsorgte Söhne einer sanften Mutter in die kalte Welt ihres Vaters gestoßen. Nichts hat sie darauf vorbereitet, wie unmenschlich und grausam es dort zugeht.

    Akiras eigener Vater

    liefert ihn der Lust eines korrupten Politiker aus, um eine benötigte Genehmigung für einen geschäftlichen Deal zu bekommen

    und Hyougami

    zwingt ihn, sich ihm hinzugeben, um seinen kleinen Bruder zu schützen.

    Die Gründe für all das liegen im Verborgenen und werden Akira und dem Leser nur langsam in winzigen Stückchen nach und nach enthüllt. Dabei durchleben Akira und der Leser gleichermaßen ein Wechselbad der Gefühle, bei dem nur eines feststeht - nämlich dass mit Ausnahme der beiden Brüder niemand in dieser Geschichte so ist, wie er zu sein scheint. Jeder trägt eine Maske und hat einen geheimen Imperativ, und wer Freund und Feind ist bleibt bis fast zum Schluss im Dunkel.

    Es gibt reichliche Intrigen und Machtkämpfe, welche nicht ausschließlich in den Büroetagen des Konzerns stattfinden. Schlägertrupps, Schusswaffen und sogar Autobomben kommen zum Einsatz, es geht also durchaus actionreich zu.

    Dazwischen gibt es jede Menge Yaoi, dessen ästhetische Darstellung nicht darüber wegtäuschen sollte, dass ein nicht unerheblicher Teil davon non-con passiert. Dass der erzwungene Sex in keinster Weise romantisiert wird ist dabei in meinen Augen ein großes Plus, könnte indessen den einen oder anderen schockieren. Insbesondere die Tatsache, dass Hyougami

    absichtlich grob und brutal mit Akira verfährt, obwohl dieser sich widerstandslos fügt, und dabei keinen Hehl draus macht, dass er sich so verhält, weil er Akira wehtun möchte

    ist nicht leicht zu verdauen und nach meinem Verständnis auch durch die später genannte Begründung in keinster Weise zu rechtfertigen.

    Was kann Akira dafür, was Hyougami durch Akiras Vater angetan wurde?

    Dies ist dann auch mein einziger Kritikpunkt. So sehr ich Hyougamis Motive an sich verstehe, so wenig Verständnis bringe ich für die Art und Weise auf, wie er den unbeteiligten Akira anfangs behandelt.

    Sieht man darüber hinweg kann man diesen Manga indessen überaus genießen.

    Aufbau und Erzählstruktur sind eher dunkel geraten und überaus spannend. Insbesondere gefällt mir der geschickte Einsatz des titelgebenden Regens. Dieser strömt in jeder Schlüsselszene und wird sowohl visuell als auch thematisch immer wieder in die Handlung eingebunden. Die symbolhafte Verwendung des Regens erinnert mich an einen alten Film Noir.

    Die zweite Story ist von der Stimmung her völlig anders. Eine süße, harmlose Lovestory mit je einem ordentlichen Schuss Humor und Erotik.

    Bewertung des Artworks:

    Yuuyas Zeichenstil ist detailliert und kräftig mit vielen dunklen Flächen, dabei jedoch ziemlich elegant.

    Ihre Protagonisten sehen attraktiv aus soweit es Hyougami betrifft überaus männlich aus. Insbesondere gefällt es mir, wie Yuuya die sehr unterschiedliche Ausstrahlung der Figuren darstellt. Akiras Unschuld und Hyougamis Gefährlichkeit kommen wunderbar zum Ausdruck.

    Fazit:

    Das rosa Blütenmeer auf dem Cover sollte niemanden darüber täuschen, dass es in diesem Manga alles andere als romantisch zugeht.

    Inhalt und Erzählstil der Hauptstory scheinen geradewegs einem Film Noir Klassiker entsprungen zu sein und anstatt süßen Zuckerguss bekommt der Leser eine knallharte Story voller Intrigen, Gewalt und non-con. Wer so etwas nicht mag, der sollte besser zu einem anderen Manga greifen. Doch wem düstere, actionreiche Geschichten gefallen, der sollte durchaus hier mal einen Blick riskieren.

    Mir hat dieser Manga ausgesprochen gut gefallen.

    Die US Ausgabe liegt im Großformat mit einem separaten Hochglanzschutzumschlag vor, ist somit auch von der Warte aus recht hochwertig und edel gemacht.

    Wer sich einen ersten Eindruck vom Inhalt und dem Artwork verschaffen möchte, kann dies dank der von amazon bereitgestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Endless-Rain-Yu...6355858&sr=1-1
    Geändert von Sujen (31.08.2012 um 20:04 Uhr)

  15. #65
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    Huhu Sujen ^^

    Maniac Shorts Shot hab ich mir, wie auf amazon auch schon gesagt, mal bestellt, weil die Rezi mein Interesse an dem Titel geweckt hat. Bin gespannt...
    Und Necratoholic musste ich gleich mal wieder lesen. Und wahrscheinlich kram ich nun auch wieder Endless Rain raus... (Das war eine meiner ersten Rezensionen damals; das mit dem Regen hab ich auch so ähnlich gesehn. XD)
    Grüßlis an: Rosenrot

    Sehr gute Reviews zu Mangas und Comics (sowie zu [Sach-/ Hör-]Büchern) gibt's hier:
    Leser-Welt



  16. #66
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    The Desert Prince

    Manga Storysammlung von Shushushu Sakurai

    US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    The Desert Prince enthält fünf Stories.

    In der Titelgeschichte verliebt ein arabischer Prinz sich in einen japanischen Archäologiestudenten, dem er in der Wüste begegnet.

    Die zweite und die dritte Story mit den Titeln "Spoiled Hero, Shining Knife" und "Howling Crook, Cherry Blossom Blizzard" gehören zusammen. Sie drehen sich um Nuinosuke Otsuka, den jungen Erben eines Yakuza Clans. Sein sterbender Vater hatte ihn als Kind seiner rechten Hand Ryuhei Kanzaki anvertraut. Kanzaki sollte Otsuka beschützen und den Clan führen, bis dieser alt genug sein würde, um sein Erbe anzutreten. Nun rückt dieser Tag näher. Doch Otsuka möchte viel lieber ein normales Leben - und das vorzugsweise gemeinsam mit Kanzaki, in den er heimlich verliebt ist.

    Die vierte Story heißt "Hold my Soul" und geht um den zynischen Programmierer Shoichi Takigawa. In einer verregneten Nacht klingelt der Vertreter Masato an seiner Tür, der ihn anfleht, ihm ein Wasserbett für 1 Mio Yen abzukaufen, da er sonst seinen Job verliert. Aus einer Laune heraus erklärt Takigawa sich bereit, das Bett zu nehmen - unter der Bedingung, dass Masato alles macht, was er verlangt.

    Nachdem Masato die ganze Wohnung von Takigawa auf Hochglanz gebracht hat, fällt dieser zur endgültigen Besiegelung des Deals über ihn her. Zu Takigawas Verblüffung nimmt Masato dies nicht nur lächelnd hin, sondern taucht fortan regelmäßig wieder bei ihm auf, um zu putzen, und jedes Mal wenn er geht läßt er einen teuren Artikel aus dem Sortiment seiner Firma zurück, ohne dafür Geld zu verlangen.

    Masatos merkwürdiges Verhalten lässt Takigawa keine Ruhe. Daher beschließt er diesem Rätsel auf den Grund zu gehen.

    Die letzte Story mit Namen "Mr. Y's Lover" handelt von dem älteren Yamoto, der an Demenz erkrankt ist und immer wieder aufs Neue vergisst, dass er und der deutlich jüngere britische Englischlehrer Jesshee ein Liebespaar sind.

    Bewertung des Inhalts:


    Die erste Story ist ziemlich witzig. Es ist herrlich, wenn der verliebte Prinz seinem angebeteten Studenten

    bis in dessen Heimat nachreist, inklusive angemessenem Gefolge einschließlich Elefanten und Kamele, versteht sich, und dessen Appartement als erstes abreißen und einen prächtigen Plast aus 1001 Nacht an dessen Stelle bauen lässt, während dieser sich mit einem Baseballschläger hinter dem Tisch verschanzt, um seine (ihm bereits genommene) Tugend zu verteidigen.

    Allerdings darf man als Leser in Sachen non-con hier nicht überempfindlich sein, da die erste Nacht der Beiden von Seiten des Studenten nicht ganz so bereitwillig erfolgt. Zumindest anfänglich nicht. Denn wie so oft wird hier diese Sache in romantisierter Form dargestellt.

    Die nächsten beiden Geschichten gewähren dem Leser einen ebenso humorvollen wie spannenden Einblick in die Interna rund um die Nachfolge eines Yakuza Clans, inklusive rivalisierender Familien, die sich kräftig einmischen und für einiges an Action sorgen.

    Die vierte Story gefiel mir persönlich am besten. Die Auflösung ist für einen geübten Leser zwar nicht ganz so überraschend, da man sich irgendwie denken kann, auf was es hinausläuft. Dennoch finde ich das Ende sehr anrührend, und die beiden Protagonisten vom Charakterdesign am interessantesten. Insbesondere Takigawa ist mit seiner unter Zynismus verschütteten Menschlichkeit, die er dank Masato wieder findet, eine für einen BL-Manga eher ungewöhnliche Persönlichkeit.

    Die letzte Geschichte grenzt sich mit ihrer ernsten Thematik und ihrem Aufbau vom Rest des Manga ab. Sie wird aus Sicht des erkrankten Yamotos erzählt und die Sensibilität und Schlichtheit, mit der dies geschieht ist bewegend und zugleich sehr bedrückend, ja geradezu erschütternd. Im Grunde passiert nichts wirklich viel. Doch emotional geht diese Story unter die Haut, zumal sie als Einzige eine zutiefst real wirkende Geschichte wiedergibt, die sich so oder ganz ähnlich in der menschlichen Gesellschaft tagtäglich überall ereignet. Diese Story hat mich wirklich überrascht, denn ich hätte nicht erwartet so eine tiefgründige und nachdenklich stimmende Thematik wie Demenz in einer BL-Storysammlung zu finden.

    Passend zum Fokus, der hier ausschließlich auf der emotionalen Verwirrung und den Gefühlen Yamotos liegt, gibt es in dieser letzten Story praktisch kein Yaoi. Am Ende sieht man ein Bild, das die Beiden zusammen im Bett zeigt, jedoch ohne dass dabei viel zu sehen ist.

    Der Yaoi-Gehalt und Härtegrad der anderen Geschichten richtet sich ebenfalls nach ihrem jeweiligen Inhalt.

    Die erste Story enthält einige überaus explizite Szenen, die teilweise durch einen schmalen weißen Strich zensiert sind, sowie wie bereits erwähnt auch non-con.

    Die beiden Stories rund um den Yakuza Clan erfreuen den Yaoi-Fan ebenfalls mit einigen Panels, in denen es ordentlich zur Sache geht, wobei wiederum hier und da lästige weiße Balken das Vergnügen schmälern.

    Die Geschichte vom zynischen Programmierer und dem Vertreter kommt ohne Zensurbalken aus, da sie schlicht und ergreifend nicht ganz so offenherzig daherkommt wie ihre beiden Vorgänger. Sprich, die Yaoi Szenen sind zwar durchaus explizit und enthalten auch non-con, aber die Geschlechtsteile sind fast immer verdeckt.

    Bewertung des Artworks:

    Shushushu Sakurai hat einen flotten Zechenstil. Eine großzügige Panelaufteilung ist nicht ihr Ding. Vielmehr bringt sie ziemlich viele Bilder auf den Seiten unter. Dadurch wirken die Seiten gelegentlich ein wenig überfüllt, was durch die kräftige Strichführung noch verstärkt wird.

    Insgesamt betrachtet ist das Artwork jedoch sehr schön - und niemand kann behaupten, dass er fürs Geld zu wenig bekommt. Denn es gibt wirklich auf allen Seiten ziemlich viel anzuschauen.

    Dabei ist insbesondere positiv hervorzuheben, dass die Protagonisten nicht nur allesamt attraktiv und männlich, sondern zudem auch überaus individuell dargestellt werden. Sie unterscheiden sich nicht lediglich durch die Frisur oder eine Brille, sondern kommen visuell tatsächlich als verschiedene Personen und Persönlichkeiten rüber.

    Fazit:

    The Desert Prince ist eine überaus abwechslungsreiche Storysammlung, die für jeden Geschmack etwas bereithält.

    Ob man dies im Einzelfall als Vor- oder Nachteil wertet, hängt davon ab, wie breit gefächert der jeweilige Geschmack ist.

    Leser, die sowohl an Comedy als auch an Action sowie ernsten Themen mehr oder weniger gleichermaßen Gefallen haben und mit (romantisierten) non-con nicht auf Kriegsfuß stehen, können hier sicher einen Blick riskieren.

    Diejenigen, die sich nur für eins der vielen verschiedenen Genres erwärmen können oder wollen, sollten sich vielleicht lieber für einen Manga entscheiden, der nur eine Story bzw. Stories enthält, die thematisch nicht ganz so weit auseinanderliegen.
    Geändert von Sujen (31.08.2012 um 20:00 Uhr)

  17. #67
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    Silberner Schmetterling

    Manga Storysammlung von Rie Honjoh

    deutsche Ausgabe von Tokyopop



    Inhalt:

    Tokyo im Jahr 2067. Nach dem Ende des dritten Weltkriegs erfreuen sich Männerbordelle großer Beliebtheit. Im berühmtesten davon, dem Suitenkaku ist der ebenso elegante wie gebildete Gincho, der den Beinamen Silberner Schmetterling führt, die absolute Nummer eins. Unter seinen Stammkunden befinden sich nicht nur Politiker und Geschäftsleute, sondern auch viele Gangster. Einer von ihnen ist der charismatische Kuroki, der junge Führer eines Yakuza Clans.

    Soichis Familie hat durch den Krieg alles verloren und viele Schulden. Daher übernimmt er eine gut bezahlte Stelle im Suitenkaku als Ginhos persönlicher Diener.

    Obwohl Soichi sich eigentlich nichts aus Männer macht, fühlt er sich von Tag zu Tag mehr zu dem verführerischen Gincho hinzgeogen, der ihn zwar gelegentlich neckt, dabei jedoch stets sehr freundlich zu ihm ist.

    Neben dieser Hauptstory enthält der Band noch eine Nebengeschichte, die den Titel "Finsternis und Unzucht" trägt. Diese dreht sich um Yagarasu, der als männliche SM Prostituierte im Suitenkaku arbeitet.

    Weiterhin gibt es noch die zweiteilige Story "Auf dem Schulweg zum Liebsten", die mit der Hauptgeschichte in keinem Zusammenhang steht. Diese handelt von dem Schüler Asamine, der heimliche Gefühle für seinen Freund und Klassenkameraden Fujishima hegt.

    Bewertung des Inhalts:

    Die Hauptgeschichte finde ich überaus faszinierend.

    Das Setting im Rotlichtmilieu einer fernen Zukunft gestattet es der Mangaka die Welt des Suitenkaku frei von irgendwelchen (negativen) Vorbildern zu gestalten. Obwohl nach wie vor ein Hauch von Verruchtheit über der Tätigkeit der Prostituierten liegt, wird sie im Jahr 2067 keineswegs als unmoralisch oder anrüchig betrachtet. Die Männer, die im Suitenkaku arbeiten, haben weder erdrückende Schulden beim Eigentümer, noch sind sie gar sein rechtloses Eigentum. Sie sind freie Menschen, die diesen Beruf zwar durchaus gelegentlich auch einmal nur gewählt haben, weil sie Geld brauchten und keine andere Möglichkeit sahen, ihn jedoch ohne weiteres jederzeit wieder aufgeben können.

    Gincho entspricht somit nicht dem Klischee einer unfreien, ausgebeuteten männlichen Hure. Tatsächlich ist er

    der Bruder des Eigentümers, dem er durch seine Tätigkeit dabei hilft, das Suitenkaku erfolgreich zu machen.

    Nicht etwa, dass dies irgendwie weiter thematisiert wird. Die Angestellten des Suitenkaku fühlen sich wohl, und keiner von ihnen leidet, weil es schlicht und ergreifend keinen Grund dafür gibt.

    Gegenüber den üblichen Geschichten im Rotlichtmilieu, in denen versklavte Prostituierte, die erniedrigt und gequält werden, sich nach Rettung und moralischer Vergebung sehnen ist dies ein völlig anderer, erfrischend positiver Umgang mit dem Thema.

    Die gesamte Atmosphäre des Mangas ist, von wenigen Momenten abgesehen, völlig anders als man es von Geschichten im Bordell Setting gewöhnt ist und erwartet hätte.

    In diesem Werk geht es sanft zu. Der Umgang der Protagonisten miteinander, ob es nun Gincho und Soichi oder die zahlreichen Nebencharaks betrifft, ist größtenteils von Freundlichkeit, Respekt sowie liebevoller und zärtlicher Zuneigung geprägt.

    Die Romanze zwischen Gincho und Soichi entwickelt sich sehr langsam und wird überaus gefühlvoll und romantisch dargestellt.

    Dabei verblasst der schlichte, stille Soichi im Vergleich zum schillernen Gincho und dem charismatischen Kuriko direkt ein wenig.

    Persönlich hätte ich den jungen Yakuza weitaus lieber dauerhaft an Ginchos Seite gesehen, und ich fand es ausgesprochen schade, welches Schicksal ihm der Manga zugedacht hat. Insoweit wurde meines Erachtens leider einiges an Potenzial verschwendet.

    Dies ist dann auch der einzige Kritikpunkt den ich an der Hauptstory habe. Sie verschenkt zu viel Potenzial, weil sie definitiv zu kurz geraten ist. Das Setting und die vielen sehr interessanten Charaktere, insbesondere auch jene neben dem zentralem Pairing wie eben der besagte junge Yakuza Boss, oder der Buchhalter des Suitenkakus und sein Ziehsohn, der in ihn verliebt ist, sowie Ginchos SM-Kollege Yagarasu, hätten genug Stoff für eine Serie von mehreren Bänden geboten. Stattdessen füllt ihre Geschichte nicht einmal diesen einen Band vollständig aus.

    Yagarasu bekommt wenigstens noch eine kleine Nebengeschichte. Doch insgesamt reichen die 114 Seiten, welche der Welt des Suitenkaku lediglich gewidmet sind, bei weitem nicht aus, um ihr Potenzial auch nur annähernd auszuschöpfen.

    Und das, obwohl die Mangaka sich entgegen ihrer sonstigen Erzählweise mit Yaoi dermaßen zurückhält, dass man fast daran zweifeln könnte, einen Manga von Rie Honjoh in der Hand zu halten.

    In der Hauptstory gibt es gerade mal zwei winzige Sexszenen, von denen die Erste lediglich die Köpfe und Schultern der Beteiligten zeigt, während der Rest sich hinter einem Vorhang und außerhalb der Sicht befindet. Die zweite Szene ist ein klein wenig länger, doch mit Ausnahme eines Panels dezent und mehr oder weniger nur angedeutet.

    Die Nebengeschichte ist interessant und gewährt dem Leser einen Einblick in Yagarasus Vergangenheit, enthält jedoch überhaupt kein Yaoi.

    Die zweiteilige Geschichte um die beiden Schulfreunde ist ziemlich niedlich und hat erstaunlich viel Handlung. Doch sie ist ebenfalls praktisch Yaoi frei. Es gibt lediglich zwei Panels mit ein bischen Fummeln und einem Blow Job, bei dem man indessen nur einmal kurz sieht wie der Hinterkopf des einen auf dem Unterleib des anderen liegt.

    Kaum zu glauben bei einem Rie Honjoh Manga, aber DAS ist tatsächlich ALLES.

    Die Einstufung 16+ dürfte dieser Manga somit zum einen der Tatsache verdanken, dass er im Rotlichtmilieu spielt. Zum anderen zwei einzelnen Bildern, die jeweils der Haupt- und der Nebenstory vorangestellt sind. Diese zeigen zuerst Yagarasu und später dann Gincho jeweils in eindeutigen Posen aus dem (härteren) SM-Bereich

    Yagarasu trägt ein Hundehalsband und hält eine Ledergerte in der Hand, die ganz offenbar kurz zuvor als Dildo eingesetzt wurde, während Gincho in einem komplizierten Bondage dargestellt wird. Dabei triefen Beide nur so von Sperma, das ihnen überall vom Körper tropft und bei Yagasaru sogar aus dessen Mundwinkel rinnt.

    Im Fall von Gincho hat dies nicht einmal irgendeinen erzählerischen Ansatzpunkt, da er im Suitenkaku gar kein SM macht.

    Es spricht einiges dafür, dass diese Bilder von Rie Honjoh nachträglich im Rahmen der Veröffentlichung des Mangas eingefügt wurden, um ihren Fans in Sachen Yaoi was zum Ausgleich dafür zu präsentieren, dass der Rest des Mangas diesbezüglich so gut wie nichts bietet.

    Diese beiden Bilder hätten vom Härtegrad übrigens durchaus eine 18+ Einstufung verdient, welche wahrscheinlich nur deshalb ausblieb, weil es sich um Darstellungen handelt, die nicht Teil der eigentlichen Handlung sind, auch wenn der Manga als solcher klar macht, dass Dergleichen von Yagarasu so und noch härter regelmäßig ausgeübt wird.

    Bewertung des Artworks:

    Rie Honjohs Zeichnungen sind wie stets wunderschön anzuschauen. Sie versteht sich darauf, attraktive Männer zu zeichnen, deren einziges Manko es ist, dass sie einander stets viel zu ähnlich sind und nur durch die Haarfarbe, die Frisur sowie in der hiesigen Hauptgeschichte durch eine Augenklappe und eine Narbe zu unterscheiden sind.

    Insoweit ist Silberner Schmetterling ein Novum für sie, da es in der Hauptgeschichte einen älteren Buchhalter gibt, der tatsächlich einmal etwas anders als die anderen Kerle und vor allen Dingen so alt aussieht, wie er laut Inhalt sein soll.

    Die Hintergründe, Autos und die Kleidung etc. sehen übrigens trotz der Tatsache, dass die Hauptgeschichte in der Zukunft spielt alles andere als futuristisch aus. In Gegenteil. Von der Warte aus betrachtet könnte sich die Handlung ohne weiteres in den 30iger Jahren abspielen, was ich persönlich sehr angenehm finde.

    Fazit:

    Mit "Silberner Schmetterling" tritt Rie Honjoh den Beweis dafür an, dass sie weitaus mehr vermag als schöne Männer innerhalb von Alibi-Rahmen-Handlungen schnell zur Sache kommen zu lassen und Panels über Seiten mit nichts anderem als ausgiebigen expliziten Yaoi zu füllen.

    Rie Honjoh kann faszinierende Geschichten voller interessanter, charismatischer Protagonisten und Nebencharas erzählen.

    Mir hat silberner Schmetterling ausgesprochen gut gefallen. Für mich ist dies bislang das beste Werk von Rie Honjoh, und meine Freude daran wird lediglich durch den überaus geringen Yaoi Gehalt leicht getrübt.

    Ich würde mir wünschen, dass Rie Honjoh sich nicht immer nur auf Einzelbände sowie deren Prequels und Sequels beschränkt, sondern einmal eine richtige fortlaufende Serie kreiert, in der sie ihre beiden Talente vereint anstatt sich aufgrund der Kürze für eins davon entscheiden zu müssen.
    Geändert von Sujen (21.09.2012 um 12:28 Uhr)

  18. #68
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    Don't Blame Me

    Manga Serie von Yugi Yamada

    abgeschlossen mit zwei Bänden

    US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Makoto hat stets zu seinem älteren Cousin Toshi aufgesehen. Umso bedrückender ist die Erkenntnis, dass aus dem begeisterungsfähigen, kreativen Toshi, dessen Ziel es war ein berühmter Filmregisseur zu werden, ein desillusionierter Erwachsener geworden ist, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, dass er anderen dabei assistiert, angepasste, unbedeutende Fließbandfilme zu produzieren.

    Was ist schief gelaufen in Toshis Leben? Wo ist der wilde Teenager geblieben, der mit revolutionären Filmen die Branche und die Welt verändern wollte? Steckt er womöglich noch irgendwo unter dem, was er heute zu sein scheint und kann man ihn dann nicht vielleicht wieder zum Vorschein bringen?

    Der extrovertierte Kujirai gehört zu einer Gruppe besonderer Menschen, mit denen Toshi eng befreundet ist, seit sie damals alle gemeinsam an der Uni in einer Film AG waren und mit wenigen primitiven Mitteln voller Leidenschaft und Hingabe eigene kleine künstlerische Projekte auf die Beine stellten.

    Kujirai nimmt Makoto mit auf eine Reise in die Vergangenheit voller Erinnerungen an eine ebenso verrückte wie komplizierte Zeit, in der sie alle auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens waren - und in der Toshi in Nakamura, dem schüchternen und dabei ziemlich sturen Leiter der Film AG und seines Zeichens ein ebenso großer Fan von Horrorfilmen wie er selbst, seine große Liebe fand.

    Band 2 enthält zudem noch eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Please Take me in". Darin geht es um Hiromichi Tateishi, der während seiner Schulzeit unter seinem damaligen Sempai Kazuo arg zu leiden hatte. Kazuo war zu der Zeit nicht nur größer und stärker, sondern genoß als Sohn aus reichem Haus Narrenfreiheit, die er gegenüber dem im wahrsten Sinne des Wortes armen Tateishi weidlich ausnutzte.

    Doch Gottes Mühlen mahlen bekanntlich langsam, aber dafür umso gründlicher. Tateishi hat es dank Fleiß und harter Arbeit zu einem sicheren Auskommen gebracht. Das Unternehmen von Kazuos Familie hingegen ist Pleite gegangen. Daher musste dieser das College abbrechen und versucht seitdem sich mit niedrigsten Tätigkeiten über Wasser zu halten. Da er wegen seiner Ungeschicklichkeit jedoch jeden Job regelmäßig schon nach kurzer Zeit wieder verliert, lebt er mittlerweile mehr oder weniger halbverhungert auf der Straße.

    Als Tateishi durch Zufall das Restaurant besucht, in dem Kazuo seinen ersten Tag als Kellner hat und soeben gefeuert wird, schlägt für ihn die Stunde der Rache. Er bietet dem verzweifelten Kazuo an, ihn in seiner Wohnung leben zu lassen und ihn durchzufüttern. Im Gegenzug verlangt er von ihm, fortan sein gehorsamer Sklave zu sein.

    Bewertung des Inhalts:

    Die Hauptgeschichte von Don't Blame Me rankt sich um einen Kreis außergewöhnlicher, ja teilweise skurriler Persönlichkeiten, die allesamt neben einer tiefen Freundschaft die gemeinsame Liebe zum Film und der Wunsch etwas Besonderes zu (er)schaffen verbindet. Der Aufbau gleicht dabei einem Film im Film, bei dem die Gegenwart lediglich den Rahmen für die Rückblende in die Studentenzeit bildet. Denn diese steht im Zentrum des Geschehens. Der Leser erhält tiefe und sehr interessante Einblicke in das Leben und die Gefühlswelt aller Beteiligten inklusive aller Irrungen und Verwirrungen sowie sämtlichen Höhen und Tiefen, welche sie allein oder gemeinsam durchzustehen haben.

    Dazu kommt das wirklich originelle Setting, das bei diesem Manga mehr als lediglich die Hintergrundkulisse bildet. Die Tatsache, dass Toshi und die anderen Mitglieder einer Film AG sind sowie ihr gemeinsames Bestreben, einen eigenen kleinen Horror-Film zu drehen, nimmt nicht minder viel Raum ein als die emotionalen und sonstigen Interaktionen zwischen den verschiedenen Paaren, die im Verlauf der Handlung zueinander finden.

    Dabei wirkt nichts konstruiert oder aufgesetzt. Ganz gleich wie verrückt die Film-AG Mitglieder auf den ersten Blick auch wirken. Stets hat man als Leser den Eindruck, dass es sich um reale Menschen in einer realen Welt handelt.



    Dies liegt nicht unwesentlich daran, dass hier nicht per se alle Jungs schwul sind. So gibt es in der Film AG unter anderem auch ein heterosexuelles Pärchen - und zwar keineswegs nur als Randfiguren oder in einer Alibifunktion. Die Beiden sind nicht minder wichtig und präsent als alle anderen. Sie leben und sie lieben, sie heiraten und werden Eltern - und insbesondere das Mädel ist mit seiner frechen, burschikosen und dabei überaus liebenswerten Art nicht nur einer der vielen Sympathieträger sondern ein hervorragendes Beispiel dafür, dass ein BL Manga nicht zwangsläufig ein negatives Frauenbild heraufbeschwören muss, um ganz wunderbar und in sich stimmig zu funktionieren.

    Die Kurzgeschichte im zweiten Band gefiel mir inhaltlich sogar noch ein klein wenig besser. Ich mag einfach solche Stories, die ein Machtgefälle beinhalten, eine Situation, in der ein Protagonist dem anderen ausgeliefert ist sowie auch den Rache-Aspekt des Ganzen.

    Yugi Yamada spielt in dieser Story ganz bewusst mit der Erwartung der Leser, dass Tateishi seine Machtposition nutzen würde, um mit Kazuo gegen dessen Willen zu schlafen. Tatsächlich gleist sie genauso eine Szene auf, die

    sich jedoch überraschenderweise dahingehend entwickelt, dass Tateishi die Sache nicht bis zum Ende durchzieht, weil es ihm nur darum geht, Kazuo vor Augen zu führen, was er alles mit ihm tun könnte, wenn er es denn wollte.

    Natürlich ist diese Form der Bestrafung als Teil der Rache Tateishis für Kazuo erniedrigend. Doch es ist dennoch ein Unterschied zu den typischen Situationen in ähnlich gelagerten Stories anderer Manga, in denen Derjenige, der am Drücker ist

    die Hilflosigkeit eines anderen tatsächlich soweit ausnutzt, ihn zu vergewaltigen.

    Letztlich ist es Tateishis Verhalten in dieser Situation, die bei Kazuo den Tropfen des emotionalen Fasses endgültig überlaufen lässt und den Weg dafür ebnet, dass

    1.) Tateishi sich eingesteht, dass er Kazuo schon als Kind geliebt hat und 2.) Kazuo sich seinerseits bewusst wird, dass er schon immer Gefühle für Tateishi hatte und ihn in der Schule nur mobbte, weil er diese nicht richtig einordnen konnte, 3.) sie sich gegenseitig vergeben und 4.) nunmehr quitt miteinander auf einer neuen, gleichgestellter Ebene als Liebespaar zueinanderfinden.

    Obwohl diese Geschichte nur 34 Seiten umfasst ist sie weitaus mehr als lediglich ein kleiner Füller und hätte durchaus das Potenzial für einen eigenen Band gehabt.

    Bewertung des Artworks:

    Yugi Yamada hat einen sehr individuellen Stil, der im ersten Moment ein wenig grob erscheint. Beim zweiten Blick indessen offenbart sich die klare, schlichte Schönheit ihres schnörkellosen Artworks, bei dem Menschen natürlich aussehen und insbesondere die Männer keine typischen geschönten BL-Bishonen sind.

    Lediglich mit Yugi Yamadas SD-Chibis kann ich mich einfach nicht anfreunden. Nach meinem Verständnis sollten solche SD-Chibis entweder niedlich-putzig daherkommen oder aber durch Abwesenheit glänzen. Keinesfalls jedoch sollten es solche verzerrten Fratzen sein, die entfernt Ähnlichkeit mit Mumien oder Zombies haben (obwohl dies in dem Fall hier sogar ganz gut zum Thema passt, da Toshi und Nakamura ein Faible für Horrorfilme haben). Glücklicherweise verwendet Yugi Yamada generell SD-Chibis recht sparsam, weswegen sie insgesamt nicht weiter störend ins Gewicht fallen.

    Fazit:

    Yugi Yamada gehört zu den Mangakas, denen es scheinbar mühelos gelingt, ihren Geschichten und Protagonisten echtes realistisches Leben einzuhauchen, ohne aufgesetzten Pathos oder übermäßigen Kitsch. Gleichzeitig stattet sie ihre Figuren mit viel individueller Persönlichkeit aus, und setzt alltägliche Themen, die bei anderen langweilig wären, in ihren Manga immer wieder aufs Neue interessant, gefühlvoll und tiefgründig um.

    Don't Blame Me ist so gesehen zwar nur einer von vielen lesenswerten Manga aus Yugi Yamadas Tuschefeder, soweit es mich betrifft gehört dieser Manga jedoch zu meinen absoluten Lieblingswerken von ihr, und ich kann ihn wirklich nur jedem, der diese Art von Geschichten mag aller wärmstens ans Herz legen.

    Die US Ausgabe hat übrigens ein Großformat und separate Hochglanzschutzumschläge, allerdings lässt die Papierqualität innen leider etwas zu wünschen übrig.
    Geändert von Sujen (02.09.2012 um 21:44 Uhr)

  19. #69
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    Alcohol, Shirt and Kiss

    Manga von Yuko Kuwabara

    US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Die Police-Detektives Kita und Naru sind nicht nur beruflich ein tolles Team, sondern auch privat befreundet. Kein Wunder also, dass Naru nachdem ihn seine Freundin verlassen hat, seinen Liebeskummer Abend für Abend in Kitas Gesellschaft im Alkohol ertränkt und danach Nacht für Nacht seinen Rausch in dessen Wohnung neben ihm im Bett ausschläft.

    Naru hat keine Ahnung wie viel er damit Kitas Selbstbeherrschung abverlangt. Denn dieser hegt schon seit geraumer Weile mehr als nur freundschaftliche Gefühle für seinen Kollegen.

    Dann eines Morgens, als Naru wieder einmal völlig verkatert neben Kita aufwacht, verkündet ihm jener, dass sie es in der vergangenen Nacht heiß und wild getrieben hätten, und deshalb mit Fug und Recht fortan als Liebespaar betrachtet werden könnten.

    Während Naru, der sich an nichts erinnern kann, versucht, dieser mehr als unerwarteten Situation zu entrinnen, setzt Kita alles daran den veränderten Status ihrer Beziehung zu untermauern.

    Tatkräftige Einmischung und Schützenhilfe bekommen sie dabei sowohl von ihrem Kollegen Kazama, der Kitas Bestrebungen unterstützt als auch von ihrer Kollegin Goto, die Naru den Rücken stärkt, und inmitten des ganzen Chaos rund um die widerstreitenden Gefühle gibt es auch noch den einen oder anderen Fall gemeinsam zu bearbeiten. Dann

    kriegt Naru raus, dass Kita ihn belogen hat

    und damit fangen die Unsicherheiten und die Streitereien zwischen den Beiden erst so richtig an.

    Neben dieser Hauptstory enthält der Manga noch eine kurze Geschichte, die "Moon Kiss" heißt. In dieser stellt sich das kleine Mädchen, in welches Haru sich in seiner Kindheit verliebte viele Jahre später als Prinz Shimei, Thronfolger eines Reiches hoch oben auf dem Mond heraus. Shimrei ist fest entschlossen, Haru nun da sie erwachsen sind, zu seiner angetrauten Ehefrau zu machen.

    Bewertung des Inhalts:

    Alcohol, Shirt and Kiss ist eine überaus gelungene Mischung aus Comedy, Action und Romanze. Die Protagonisten bis hin zu den Nebencharas sind sehr gut ausgearbeitet. Sie sind zwar eine schräge Truppe, aber dennoch hat jeder von ihnen auch stille und ernste, ja bisweilen fast tragische Momente. Doch über allem liegt eine locker-leichte Atmosphäre, voll trockenem Humor und witziger Situationskomik.

    Es macht einfach Spaß dabei zuzusehen, wie der nach außen stoisch wirkende Kita und der im Gegensatz dazu emotional zum Pathos neigende Naru sich umkreisen und dabei ihre Gefühle füreinander ordnen bzw. in Narus Fall sogar völlig neu zu sortieren und dabei nicht zuletzt dank der freundlichen Hilfe der fürsorglichen Kollegen gern auch einmal in hochnotpeinliche Situationen geraten.

    Der episodenhafte Aufbau paßt sehr gut zur Erzählstruktur des Manga, der die emotionalen Interaktionen der Parteien geschickt in die gemeinsame Ermittlungsarbeit einbindet. So stellen sich unter anderem

    ein Krimineller sowie eine Beamtin eines anderen Reviers und auch die unmittelbare Kollegin Goto als potenzielle Rivalen Kitas um die Gunst Narus heraus, während dessen überbesorgter Vater ihn beschattet und dadurch versehentlich einen Großeinsatz auslöst, Naru und Kita geraten in lebensgefährliche Situationen, die ihnen bewusst machen, wie viel sie sich gegenseitig bedeuten, usw.

    Dazwischen gibt es eine kleine Rückblende, die Kitas Persönlichkeit näher beleuchtet, wodurch die ganze Sache noch runder und stimmiger wird.

    Die zusätzlich enthaltene Kurzgeschichte umfasst lediglich 16 Seiten und ist ein netter kleiner Füller. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Bewertung des Artworks:

    Yuko Kuwabaras Zeichenstil ist eine Mischung aus modernen und ein wenig altmodisch anmutenden Elementen, wie man sie aus BL-Manga aus den 90ern kennt. Mit Hintergründen wird gegeizt, die Strichführung ist kräftig und ein wenig kantiger.

    Die Protagonisten sind alles andere als typische BL-Schönlinge. Besonders Naru sieht mit seinem Kopf, der ein wenig zu groß für seinen Köper wirkt sowie den Augen, die viel zu groß für seinen Kopf sind, nicht unbedingt wie ein klassischer Uke mit femininen Touch und hohem Niedlichkeitsfaktor aus. Zudem haben sowohl Naru als auch Kita relativ große Ohren, die obendrein leicht abzustehen scheinen. Doch es sind gerade diese kleinen Mankos in ihrem Äußeren, die sie männlicher und vor allen Dingen menschlicher wirken lassen als so manchen perfekt geschönten BL-Helden.

    Fazit:


    Mir hat Alcohol, Shirt and Kiss sehr gut gefallen. Die Protagonisten sind liebenswert und haben viel Persönlichkeit, und die vielen witzigen Nebencharaktere tragen mit zu dem hohen Unterhaltungswert der Story bei, die neben der Romanze einiges an Action und jede Menge Humor zu bieten hat.

    Lediglich in Sachen Yaoi sollten potenzielle Leser keine hohen Ansprüche stellen, Denn es gibt nur eine kurze Szene am Schluss der Hauptstory, die im Wesentlichen nur aus Andeutungen besteht.

    Die US Ausgabe hat übrigens ein augenfreundliches Großformat und einen separaten Hochglanzumschlag.

  20. #70
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    Falling Into Love

    Manga Storysammlung von Takashi Kanzaki

    US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Falling Into Love enthält vier nicht zusammenhängende Stories.

    Die Titelgeschichte ist mit 76 Seiten die längste. Sie dreht sich um den Oberschüler Hisashi, der auf dem Schulweg an einem Shooting vorbeikommt und so fasziniert von dem Modell Tomohito ist, dass er spontan beschließt ebenfalls in die Modellbranche einzusteigen. Ein Jahr später ist es dann endlich soweit. Mehr noch, Hisashi weckt gleich am ersten Tag die Aufmerksamkeit Tomohitos. Es dauert nicht lange, bis Tomohio eine heße Affäre mit Hisashi beginnt, der ihn restlos verfällt.

    Die zweite Story heißt "Prepare Yourself". Darin geht es um die beiden Privatdetektive Katsuki und Nakaba, die für die Detektei von Nakabas Vater arbeiten. Sie bekommen den Auftrag herauszufinden, wieso die junge Kana sich seit Monaten in ihrem Zimmer verbarrikadiert und sich sogar weigert mit ihren Eltern zu sprechen. Der Fall weckt in Katsuki ungewollt Erinnerungen an seine eigene traumatische Kindheit.

    Die dritte Geschichte trägt den Titel "I want to be with You". In ihr rivalisieren Vater und Sohn um den Bruder der geschiedenen Frau bzw. Mutter.

    In der letzten Geschichte mit Namen "Love's Recommendation" geht es um Atsumi und Kayama, die seit ihrer Kindheit darum rivalisieren der Bessere zu sein. Ein ungleicher Kampf, da Kayma zu denjenigen gehört, denen Wissen scheinbar im Schlaf zufliegt, während Atsumi sich alles hart erarbeiten muss. Schlimmer noch, Kayama erkennt Atsumis heimliche Sehnsüchte und reagiert darauf auf seine Art - und anders als erwartet.

    Bewertung des Inhalts:

    Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, sowohl was den Inhalt als auch die Atmosphäre und die Yaoi Parts betrifft.

    Die Titelstory zeigt uns mit Tomohito ein selbstbewusstes, charismatisches und erfolgreiches männliches Modell. Wobei die Modebranche hier lediglich Aufhänger und Kulisse für die Beziehung zwischen zwei überaus attraktiven Kerlen ist. Anstelle eines klassischen Rivalen gleist die Mangaka hier einen

    "Bruderkomplex" Tomohitos auf. Dieser ist nämlich (auf völlig unschuldige Weise) so vernarrt in seinen kleinen Bruder Ryou, dass Hisashi von Eifersucht geplagt wird, weil er meint, nur an zweiter Stelle in Tomohitos Herzen zu stehen - wenn überhaupt.

    Das ist eine nette Idee, die angenehm vom üblichen Klischee des unerwartet auftauchenden alten Freundes oder des neu auf der Bildfläche erscheinenden Kollegen etc. abweicht, die typischerweise in solchen Fällen bemüht werden.

    In dieser Geschichte gibt es zwei explizitere Yaoi-Szenen, die jeweils relativ kurz sind und sich vom Härtegrad eher im unteren Bereich bewegen.

    Die zweite Story befasst sich mit Kindesmissbrauch und beeindruckt durch den realistischen Umgang mit diesem schwierigen Thema.

    In der Regel laufen Stories in BL-Manga, in denen es um Kindesmissbrauch geht (die üblen Shota-Teile, die man außerhalb Japans glücklicherweise nie zu Gesicht bekommen wird einmal außen vor gelassen) stets nach Schema-F ab. Protagonist A wurde entweder in seiner Kindheit missbraucht oder befindet sich aktuell in einer solchen Situation. Protagonist B hilft Protagonist A sich aus dieser Lage zu befreien und/oder das erlittene Trauma aufzuarbeiten und dank der heilenden Kraft seiner Liebe alle Ängste hinter sich zu lassen.

    "Prepare Yourself" wartet zwar auch mit einem Protagonisten auf, der als Kind missbraucht wurde, beschreitet jedoch einen für BL-Manga Verhältnisse völlig untypischen Weg. Denn es geht nicht vorrangig um Katsukis Schicksal, sondern um das der jungen Kana. Allein dass hier

    das (potenzielle) Opfer eines Missbrauchs nicht männlich ist,

    ist im BL-Bereich bereits ein absolutes Novum. Dazu die Tatsache, dass es

    1.) bislang noch zu keinem sexuellen Übergriff auf das Mädchen gekommen ist und 2.) der potenzielle Täter nicht einfach nur als brutales Monster porträtiert wird, sondern als ein seelisch kranker Mensch, der an einer unnatürlichen Obsession für die eigene Tochter leidet, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes um den Verstand bringt.

    Im Gegensatz zum üblichen Schema-F schafft Katsuki es zudem, sein Trauma aus eigener Kraft in den Griff zu bekommen indem er

    Kana vor dem rettet, was ihm als Kind selbst wiederfahren ist.

    Somit ist Nabaka in dieser Story zwar der Mann an Katsukis Seite, der natürlich stets für ihn da ist, wenn er

    infolge eines traumatischen Anfalls bewusstlos wird, Albträume bekommt und im Schlaf weint.

    Doch er nimmt zu keinem Zeitpunkt die BL-typische Position als Beschützer und Retter eines anderen ein, dem er DESHALB hilft und helfen MUSS, weil dieser außerstande ist, sich selbst zu helfen.

    Auf nur 31 Seiten hat diese Story mehr zu erzählen als so manche Manga Serie in mehreren Bänden. Einziges Manko ist, dass angesichts von so viel Handlung auf so wenigen Seiten der Yaoi komplett auf der Strecke bleibt. Davon abgesehen ist diese Geschichte wirklich gelungen und meiner Ansicht nach mit Abstand die Beste im Band.

    Die dritte Story hingegen empfand ich in jeder Hinsicht als ziemlich unangenehm.

    Zum einen gibt es einen Uke, der nicht nur jung aussieht, sondern tatsächlich ein Mittelschüler ist (sprich so um die 14 Jahre alt), während sei Seme nicht nur deutlich über 20 ist, sondern zudem auch noch sein Onkel. Diese Beziehung ist somit gleich zweifach ziemlich grenzwertig, da es nicht nur eine enge Blutsverwandtschaft gibt, sondern darüber hinaus eine an Shota grenzende Situation zwischen einem Erwachsenen und einem halben Kind. Sowohl das eine als auch das andere würde in Deutschland für den Onkel aus gutem Grund strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

    Lässt man diesen Aspekt einmal in Anbetracht dessen, dass es sich um eine fictionale Geschichte handelt und zudem alles einverständlich (insbesondere auch frei von romantisiertem non-con) geschieht, außer Acht, bleiben trotzdem Protagonisten übrig, von denen keiner wirklich sympathisch ist. Im Gegenteil. Der Vater

    ist ein schmieriger "geiler Bock", der seinen jüngeren Ex-Schwager nur deshalb bei sich wohnen lässt, weil er scharf auf ihn ist und ihn begrapscht und bedrängt sobald sich ihm eine Gelegenheit dafür bietet.

    Der Schwager/Onkel ist im Grunde auch nicht viel besser.

    Zwar äußert der Manga sich nicht eindeutig zu der Frage, ob er seinen Neffen verführt hat oder umgekehrt, sondern stellt das Verhältnis einfach als bereits existent in den Raum. Doch die Art und Weise wie der Onkel sich seinem Neffen gegenüber benimmt, legt die Vermutung nahe, dass ER Derjenige war, der ihre Beziehung sexualisiert hat.

    Der Neffe wiederum

    ist eine verzogene Göre. Für ihn ist sein Alter ein perverser Sack, dabei kreisen seine eigenen Gedanken auch nur darum, mit seinem Onkel rumzumachen und zu verhindern, dass sein Vater ihn kriegt.

    Am Ende taucht dann noch die Exfrau/Mutter/Schwester der Drei auf und

    entpuppt sich als Karriereweib, das im zwischenmenschlichen Bereich keinen Durchblick hat und offenbar auch keinen will. Stattdessen ist sie zufrieden und stolz, weil Sohnemann bei ihr in der Firma Teilzeit arbeiten will, um nicht länger von Daddy finanziell abhängig zu sein. Die eigentlichen Motive dahinter, dass ihr Sohn eine eigene Wohnung anstrebt, um dort mit seinem Onkel vom Vater ungestört rummachen zu können, bemerkt sie nicht einmal.

    Damit komplettiert sie diese grässliche Familie, die soweit davon entfernt ist eine Familie zu sein, wie man es nur sein kann.

    In dieser Story gibt es wieder Yaoi, auf den ich jedoch im Hinblick auf die Jugend des Uke und den Altersunterschied zum Seme gern verzichtet hätte.

    Die letzte Geschichte ist in sich ein wenig verwirrend und unlogisch. Insbesondere sind Kayamas Motive nicht wirklich nachvollziehbar. Offenbar dienen sie nur dazu, sein Verhalten irgendwie zu erklären - oder vielleicht besser ausgedrückt, den Non-Con-SM-Yaoi-Fanservice. Nicht etwa, dass mich das persönlich stören würde. Aber es fällt halt schon auf, dass diese beiden Bereiche, non-con und SM nicht so recht zu dieser Geschichte passen wollen und ganz offensichtlich mittels einer fadenscheinigen Rechtfertigung passend gemacht wurden, damit die Leser, die das eine und/oder das andere mögen, ebenfalls bedient werden.

    Das non-con wird durch eine leichte Romantisierung abgemildert, da

    Kayama dabei zwar verbal gemein und grausam ist, physisch jedoch sanft und zärtlich.

    Das SM ist ebenfalls kein Hardcore, sondern beschränkt sich auf

    Handfesseln und Augenbinde.

    und am Ende

    löst sich natürlich alles in Wohlgefallen auf.

    Dennoch dürfte diese Story nur etwas für Leute sein, die kein generelles oder größeres Problem mit non-con und/oder SM in jedweder Form haben.

    Bewertung des Artworks:


    Takashi Kanzakis Zeichnungen sind überaus schön. Sie hat eine elegante und zugleich kräftige Strichführung, und ihre Protagonisten sehen attraktiv und vor allen Dingen altersgemäß aus. Dies kommt insbesondere in der dritten Story mit dem Vater, dem Onkel und dem Sohn/Neffen sehr gut zur Geltung. Denn dort erkennt man das jeweilige Alter anhand der Darstellung, ohne auf die Begleittexte zurückgreifen zu müssen.

    Fazit:

    Die Geschichten in dieser Sammlung sind inhaltlich und qualitativ sehr unterschiedlich. Die erste ist eine emotionale Romanze zwischen attraktiven Männern. Die zweite widmet sich eindrucksvoll dem Thema Kindesmissbrauch. Die Dritte wimmelt von unsympathischen Figuren, die grenzwertige und (zumindest nach deutschem Recht) strafrechtlich nicht unbedenkliche Beziehungen miteinander pflegen, und die Vierte hüllt Non-Con-SM-Yaoi-Fanservice in eine dünne Alibi-Rahmenhandlung ein.

    Besagter Fanservice dürfte die Ursache sein, dass dieser Manga von Digital Manga nicht unter ihrem "normalen" BL-Imprint June veröffentlicht wurde, sondern unter ihrem (Hardcore) Yaoi Imprint 801 Media. Denn abgesehen davon ist der Yaoi Gehalt dieses Manga eher gering bis gar nicht vorhanden.

    Letzteres gilt im Übrigen auch für Humor, den man in diesem Manga nirgends findet.

    Mir hat Falling Into Love mit Ausnahme der dritten Geschichte sehr gut gefallen. Dies gilt auch für die hochwertige Aufmachung inklusive schickem separaten Hochglanzumschlag, dessen Motiv ich zudem wirklich sehr schön finde.

    Ob einem anderen die Mischung dieses Manga zusagt kann nur er allein anhand seines Geschmacks entscheiden.

    Wer sich einen kleinen Eindruck vom Artwork verschaffen will, kann dies übrigens dank der von amazon bereitgestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Falling-Into-Lo...6588139&sr=1-1
    Geändert von Sujen (02.09.2012 um 21:31 Uhr)

  21. #71
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    Devils Game

    Manga Serie von Ryo Takagi

    abgeschlossen mit zwei Bänden

    deutsche Ausgabe von EMA



    Inhalt:

    Der junge Adelige Setsuna leidet seit seiner Kindheit an einem übermäßigen Ausstoß von Pheremonen, die in jedem Menschen, der sich im selben Raum befindet, ob weiblich oder männlich, das Verlangen weckt, auf der Stelle über ihn herzufallen. In seiner Verzweiflung beschwört Setzuna schließlich sogar teuflische Hilfe, um von diesem Fluch befreit zu werden. Diese naht alsbald in Gestalt des verführerischen Dämonen Jin. Tatsächlich hat dieser ein wirkungsvolles Mittel parat, um Setsunas Leiden zu lindern - indessen nicht unbedingt das, was Setsuna erwartet hat und alles andere als frei von Nebenfolgen der speziellen Art.

    Bewertung des Inhalts:


    Ein im wahrsten Sinne des Wortes teuflisch gut aussehender Dämon, dem das Charisma in ähnlich rauen Mengen aus jeder Pore quillt wie bei Setsuna all die Pheromone - da fragt frau sich unwillkürlich, wieso es zwei Bände dauern muss, bis Setsuna endlich Jins Charme und seinen sonstigen Qualitäten erliegt und die berühmten drei Worte über die Lippen bringt.

    Die Antwort ist schlicht und simpel.

    Weil es einfach so richtig unterhaltsam ist, dabei zuzusehen, wie Jin mit einem ebenso verführerischen wie dämonischen Lächeln auf den Lippen seine nicht minder attraktive Beute nach allen Regeln der Kunst mit einem Netz aus Liebe, Lust und Leidenschaft umgarnt.

    Im Grunde weiß jeder vom ersten Moment an, in dem Jin durch einen Zauberspiegel und in Setsunas Leben tritt, dass dieser keine andere Chance und Wahl hat, als dem Dämonen, den er rief, mit Haut und Haar restlos zu verfallen. Dass Setsuna sich dennoch ziert ist natürlich trotzdem unumgänglich. Man(n) hat schließlich seinen Stolz und dem romantischen Glück zu zweit steht selbstredend ein mentales Hindernis in Form der schockierenden Erkenntnis: "Aber wir sind doch BEIDE MÄNNER!!!" entgegen. Doch am Ende ist alles Sträuben kaum mehr als eine BL-Formalität, die von jedem Uke erwartet wird und ansonsten von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

    So gesehen bietet Devil's Game im ewigen Liebeswerben zunächst einmal nichts Neues. Indessen ist bekanntlich der Weg das Ziel - und dieser ist in diesem Manga mit vielen lustigen, charmanten und erotischen Momenten gepflastert.

    Dies fängt schon bei der Grundidee an. Die mag jetzt nicht unbedingt weltbewegend revolutionär sein, aber sie ist witzig und deutlich origineller als das, was manch anderer BL-Manga als Begründung dafür präsentiert, zwei attraktive Kerle gemeinsam zwischen die Laken zu befördern.

    Zugegeben, die Szene, in der Setsuna vor dem Zauberspiegel steht, hat mich spontan ein klitzekleines Bischen an einen ähnlichen Moment aus Harry Potter erinnert. Doch die Gemeinsamkeit beschränkte sich auf einen visuellen Eindruck, und was ist verkehrt daran, wenn Ryo Takagi den einen ganz besonderen Jungen mag, der Lord Woldemort nicht nur überlebt, sondern bezwungen hat und ihm möglicherweise deshalb eine kleine Hommage in einem Panel gewidmet hat? Genau - absolut nichts.



    Jin und Setsuna sind ein göttlich, pardon teuflisch attraktives Paar, und auch die diversen mit Jin um Setsunas Herz und Körper (bzw. bevorzugt in anderer Reihenfolge) rivalisierenden Menschen und Dämonen samt ihres Gefolges können sich wahrlich sehen lassen.

    Lediglich die dämonische Verlobte, die im zweiten Band die Hölle in Bewegung setzt, um Setsuna loszuwerden, hätte nicht unbedingt sein müssen. Oder anders ausgedrückt, die Bedienung des typischen negativen Frauenbildes in einem BL-Manga trifft bei mir nicht auf Gegenliebe, und zwar unabhängig davon, ob besagtes weibliches Wesen von menschlicher oder teuflischer Natur ist.

    Ryo Takagis Humor lässt es bisweilen an Subtilität missen, aber wie heißt es so schön, besser einmal zu laut gelacht als einen Witz nicht verstanden zu haben. Letzteres ist hier eher unwahrscheinlich - und falls doch einmal hilft der Begleittext mit visuellen Mitteln der Betonung bis hin zur Übertreibung nach.

    Ob dies mit jenem Hintergrundgelächter vom Band vergleichbar, das bei US Comedy Serien gern und häufig eingesetzt wird, um dem Zuschauer beim Verstehen der Witze auf die Sprünge zu helfen, hängt letztlich davon ab, ob man einen solchen Erzählstil mag oder eben nicht.

    Ähnlich verhält es sich mit den Yaoi Szenen. Davon gibt es reichliche, doch inwieweit man diese als explizit(er) bezeichnen mag liegt im Auge des Betrachters. Denn Kreativität auf der einen Seite erfordert oftmals viel Phantasie auf der anderen - und inmitten von Armen, Beinen, wehenden Haaren und Kleidungsstücken kann man entweder einiges entdecken, oder eben weniger, je nachdem wie genau man hinschaut bzw. hinschauen will.

    Bewertung des Artworks:

    Ryo Takagi nimmt es nicht immer so genau mit den Proportionen. Dennoch haben ihre Protagonisten stets etwas an sich, das sie ungemein anziehend macht. Nichtsdestotrotz polarisiert Ryo Takagis Artwork, so wie es ein individueller Zeichenstil stets tut. Ausgehend vom Erfolg ihrer Werke hierzulande dürfte die Masse derer, die ihren (Zeichen)Stil mögen aber deutlich überwiegen.

    Mir persönlich gefällt er auf jeden Fall. Ich mag ihre elegante und überaus schwungvolle Strichführung und ihren unverwechselbaren Stil mit seinem hohen Wiedererkennungswert.

    Fazit:

    Ryo Takagi steht für locker-leichte Unterhaltung, ohne sonderlichen Anspruch, dafür jedoch mit viel Humor und einer ordentlichen Portion Yaoi.

    Mit Devil's Game wird sie diesem Ruf einmal mehr vollends gerecht.

    Dieser Manga schließt ihre bekannte und hierzulande sehr beliebte Games Reihe nicht nur ab, sondern ist meiner Meinung nach von allen Werken dieser Reihe das Beste, da es nicht nur die originellste Idee und den charismatischten Seme zu bieten hat, sondern als einziger Vertreter der Games Reihe zwei komplette Manga mit nur einer einzigen Geschichte füllt - und das zudem überaus gut und unterhaltsam.
    Geändert von Sujen (02.09.2012 um 21:58 Uhr)

  22. #72
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    The Spiral of Sand

    Manga von Yuna Aoi - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Am Abend der Hochzeit seiner Schwester mit seinem besten Freund wird Haruka Mido in seinem Hotelzimmer überfallen und brutal vergewaltigt. Bevor der Täter verschwindet "verspricht" er Haruka, dass dies erst der Anfang wäre und er ihn noch weitaus mehr leiden lassen würde.

    Aus Scham behält Haruka den Vorfall für sich. Er will diese furchtbare Nacht nur noch vergessen. Umso größer ist der Schock als er auf dem Unterarm eines neuen Kollegen Sogabe jene Kratzer entdeckt, die er dem Angreifer bei seiner verzweifelten Gegenwehr zugefügt hat. Und es kommt noch schlimmer. Sogabe

    leugnet nicht ab, Haruka missbraucht zu haben. Im Gegenteil. Er erklärt ihm, dass er die Stelle nur angetreten hat, um sein Versprechen einzulösen - und dass er ihm nie vergeben wird. Fortan macht er Harunas Leben zur Hölle, indem er sich immer und immer wieder an ihm vergeht.

    Inmitten eines Teufelskreises aus Scham und Furcht versucht Haruka zu begreifen, warum ihm all dies widerfährt. Doch je mehr er herausfindet, desto mehr verwischen sich die Grenzen zwischen Recht und Unrecht und verkehren sich Schuld und Unschuld in ihr Gegenteil. Bis er nicht mehr weiß, was er denken und fühlen soll - und wem er noch vertrauen kann.

    Bewertung des Inhalts:

    The Spiral of Sand ist eine faszinierende Geschichte, die dem Leser jede Menge Rätsel aufgibt und einige unerwartete Twists enthält. Niemand in diesem Manga ist letztlich der, für den man ihn hält.

    Die Erzählweise ist verschachtelt und enthält immer wieder Hinweise und Rückblenden, die nach und nach ein aus Mosaiksteinen zusammengefügtes Bild ergeben.

    Die Atmosphäre ist sehr dunkel, und der Aufbau und die düstere, geheimnisvolle Stimmung erinnern an einen alten Film Noir. Nach dem ersten brutalen Übergriff steigt die Spannungskurve kontinuierlich an, und als Leser kann man sich sehr gut in die beklemmende Situation von Haruka hineinfühlen. Man kann nachvollziehen, wieso er schweigt und leidet, anstatt Sogabe einfach anzuzeigen. Scham sowie die Tatsache, dass

    Sogabe ihm vermittelt, dass er diese Strafe verdient und seine eigene instinktive Ahnung, dass Sogabe nicht minder ein Opfer sein könnte

    spielen dabei eine große und aus Harukas Sicht verständliche Rolle.

    Es gibt einiges Yaoi, und das Meiste davon ist non-con, allerdings nicht sonderlich explizit. Man erkennt, was geschieht, doch mit Ausnahme eines entblößten Hinterteils bleiben die nackten Tatsachen im Verborgenen.

    In Anbetracht dessen, dass Sogabe es

    anfangs darauf anlegt, Haruka zu quälen und ihm absichtlich seelisch und körperlich wehzutun

    ist es nicht so leicht zu schlucken, dass Haruka

    sich in Sogabe verliebt und anfängt, den Sex mit ihm zu genießen.

    Dessen dürfte sich Yuna Aoi bewusst gewesen sein. Denn nicht umsonst gleist sie eine Situation auf, in der

    jemand anderes über Haruka herfällt OHNE dafür die "Rechtfertigung" eines Rachemotivs zu haben, UND Haruka aus dieser Situation von Sogabe gerettet wird, der dadurch vom Vergewaltiger zum Beschützer wird.

    Dadurch wird Sogabe nach BL-Maßstäben romantisiert und ausreichend idealisiert, um Haruka und den Leser Sogabes früheres Verhalten vergessen zu lassen.

    Zumindest ist dies ganz offensichtlich der Plan. Inwieweit dieser beim Leser aufgeht hängt letztlich davon ab, ob man solche Konstellation mag, wie hoch oder niedrig die eigene Toleranzgrenze in Sachen non-con ist und ob man gewillt ist, Sogabe unter Berücksichtigung aller Umstände gemeinsam mit Haruka zu vergeben.

    Bewertung des Artworks:

    Yuna Aoi hat einen individuellen Stil, der sich nicht immer an den im BL-Bereich typischen Vorgaben orientiert. Ihre Protagonisten sind weder sonderlich groß noch übermäßig schlank und ganz gewiss sind sie nicht androgyn. Ihre Gesichter sind nicht lang und schmal, sondern rund mit markanten Kinnpartien und relativ spitzen Nasen.

    Doch wer sich einmal so wie ich in die ausdrucksvollen Augen und die markanten Brauen ihrer Protagonisten verguckt hat, der kann nicht anders, als ihr Artwork so zu mögen wie ich es tue.

    Fazit:


    Locker-leicht geht es in The Spiral of Sand nicht zu. Charme, Liebenswürdigkeit oder gar Humor gibt es hier nirgends. Dafür einiges an Spannung, Geheimnissen, Drama - und jede Menge non-con.

    So gesehen ist dieser Manga ein gutes Beispiel für die in den USA bedauerlicherweise oftmals an den Tag gelegte Doppelmoral.

    Denn obwohl The Spiral of Sand inhaltlich echtes Hardcore ist, bei dem 90% des Sexes erzwungen wird und ein Protagonist den anderen absichtlich physisch und pschychisch quält, wurde dieser Manga von Digital Manga unter dem BL Imprint June veröffentlicht, bei dem die Werke erscheinen, die als harmloser eingestuft werden. Während eiin Manga wie Bond(z) von Toko Kawai, in dem alles einverständlich aus Liebe geschieht, von Digital Manga unter ihrem Hardcore Yaoi Imprint 801 Media verlegt wurde, nur weil ein Bild darin ein Genital Piercing zeigt.

    Sprich die Moral von der Geschichte - ganz gleich wie grausam, brutal und erzwungen der Sex ist, Hauptsache man sieht ihn nicht so explizit, aber wehe, man zeigt zwei Männer, die sich lieben allzu offenherzig, das ist dann schlimmes Hardcore.

    Dies jedoch nur als kleine Randbemerkung.

    Mir persönlich ist es gleich, wo The Spiral of Sand erschienen ist. Für micht zählt nur, dass dieser Manga erschienen ist, weil er mir ausgesprochen gut gefällt.

    Ich mag die düstere Grundstimmung, die Geheimnisse und überhaupt einfach alles an diesem Werk.

    Ob dies andere genauso empfinden, dürfte sich vorrangig anhand der Beantwortung der Frage entscheiden, ob sie solche Art von Stories mögen und wie ihre Einstellung zum Thema non-con, insbesondere zu einer Romantisierung bzw. Rechtfertigung desselben ist.

    Wer sich einen kleinen Eindruck von der Atmosphäre und dem Artwork dieses Manga verschaffen möchte, kann dies dank der von amazon bereitgestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Spiral-Sand-Yao...6697442&sr=1-1
    Geändert von Sujen (03.09.2012 um 22:24 Uhr)

  23. #73
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    Maybe I'm Your Steppin' Stone

    Manga von Shiuko Kano

    US Ausgabe von 801 Media



    Inhalt:

    Die Hauptstory dreht sich um den Vorarbeiter beim Bau Kousei Mogi, seine beiden Arbeiter Yasu und Shirome sowie Kenji, den Angestellten eines Imbiss.

    Kenji ist heimlich in Kousei verliebt, der nicht nur regelmäßig an seinem Imbiss isst, sondern dem er zudem immer wieder im Kindergarten begegnet. Denn Kousei ist geschieden und hat einen kleinen Sohn, der mit Kenjis Nichte in derselben Gruppe ist. Mit einem offenbar heterosexuellen Kerl mit Kind kann man als junger Homosexueller nur in seinen feuchten (Tag)Träumen liiert sein, oder etwa nicht?

    Shirome hat ein Verhältnis mit seiner Cousine, die ihn regelmäßig betrügt, weil sie von Gesetzes wegen ja eh nie heiraten können. Auf der Baustelle läuft ihm zudem ständig der mürrische Shirome über den Weg, der mit Ausnahme von Kousei keinen Menschen zu mögen scheint. Yasu fühlt sich von Shiromes abweisenden Verhalten provoziert, und als er zufällig mitbekommt, dass Shirome

    für Kousei Gefühle zu hegen scheint, die über Freundschaft hinausgehen, erregt ihn das gegen seinen Willen so sehr, dass er Shirome zwingt, mit ihm zu schlafen.

    Mit unerwarteten emotionalen Folgen für sein eigenes Gefühlsleben.

    Die Hauptgeschichte unterteilt sich in vier miteinander verbundenen Episoden, in denen jeweils abwechselnd Kousei und Kenji sowie Shirome und Yasu im Mittelpunkt stehen.

    Zusätzlich ist im Band noch eine mit der Hauptstory in keinem Zusammenhang stehende Geschichte mit dem Titel "Daylight" enthalten. Diese umfasst 40 Seiten, und in ihr geht es um den Oberschüler Hotta, der durch Zufall Zeuge wird, wie sein Klassenkamerad Kosaka

    mit einer Lehrerin Sex hat.

    Das Bild läßt ihn nicht mehr los, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

    Bewertung des Inhalts:

    Maybe I'm Your Steppin' Stone ist so weit entfernt von romantischen Blümchensex wie es ein unzensierter Hardcore Yaoi nur sein kann.

    Zwar ist Kenjis tiefere Region nicht das Einzige, das beim Anblick des stattlichen Kousei mit den breiten Schultern und dem sexy Dreitagebart in Wallung gerät. Sein Herz pocht nicht minder heftig. Doch Lust und Leidenschaft fordern vom ersten Moment an, in dem sich Kenji unverhofft allein mit Kousei in einem Raum wiederfindet mehr als Händchenhalten und ein scheues Küsschen. Zum Glück für ihn ist Kousei zwar durchaus überrascht, aber eindeutig ein Mann der Tat, der ohne langes Zögern zugreift.

    Shirome und Yasu lassen es nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten auch recht bald ordentlich krachen, wobei sie im Gegensatz zu Kousei und Kenji deutlich länger brauchen, bis die emotionale Seite ihrer Beziehung geklärt ist.

    Auf dem Bau, da ist es rau. Dies kann man getrost als Motto dieses Manga verstehen. Denn außer hartem Sex gibt es jede Menge anderer Handgreiflichkeiten. Da wird dem Lover eins aufs Maul gegeben, missgünstige Kumpel werden verprügelt und jemand, mit dem Yasu eine unerfreuliche Vergangenheit verbindet bekommt mächtig Dresche.

    Inmitten dessen gibt es jedoch immer wieder kleine, überaus ruhige und sweete Momente. Wenn Kousei mit seinem Sohn zusammen ist und alles gibt, um der beste Papa der Welt zu sein, ist das bewegend und anrührend. Gleiches gilt für sein verbales Gerangel mit seiner Ex und die gesamten Hintergründe ihrer Heirat und Trennung, die sich ganz anders darstellen als man es als Leser eingangs angenommen hat.

    Zwischendurch gibt es humorvolle Situationen, wie diese als

    Kenjis Nichte arglos verkündet, Kousei soll doch ihr neuer Papa werden, weil er so nett ist, und ihre Mutter sie laut ermahnt, nicht so frech zu sein, während sie in Gedanken mit einem zufriedenen "Good Job!" den Daumen hochhält, weil sie der Idee so gar nicht abgeneigt ist.

    Der Leser erfährt einiges aus Yasus Vergangenheit und warum er so an Kousei hängt. Es ist also keineswegs so, als gäbe es gar keine Handlung - aber Fakt ist, dass der Sex hier definitiv im Vordergrund steht, und zwar hart, heiß und unzensiert.

    Die Kurzgeschichte Daylight klingt im ersten Moment nach einer BL-typischen Schulromanze. Dies ist jedoch mitnichten der Fall. Zum einen geht es in Sachen Yaoi in dieser Geschichte noch härter zu als in der Hauptstory. Vielleicht nicht betreffend die Explizität als solcher, aber vom Härtegrad an sich. Es gibt Non-Con und es gibt SM - und Beides in der für einen BL ungewöhnlichen Konstellation, dass

    es sich zunächst um ein männliches Opfer und eine weibliche Täterin handelt.

    Infolge von Missverständnissen betreffend die Beziehung zwischen Kosaka und der Lehrerin wird er

    wiederum zum Opfer, diesmal jedoch das eines Mannes, den er heimlich liebt und begehrt.

    Am Ende klärt sich zwar alles auf und die emotionale Schlussszene impliziert, dass das Verhältnis der beiden Protagonisten fortan

    aus Liebe und Zärtlichkeit bestehen wird, anstatt aus hartem SM-Sex im Graubereich zum non-con

    Aber bis dahin ist das Verhältnis der Beiden nicht unbedingt das, was man sich unter liebevoll oder gar romantisch vorstellt.

    Diese Geschichte ist ziemlich interessant und beschränkt sich keineswegs darauf, nur Füllmaterial zu sein.

    Bewertung des Artworks:


    Wer weichen, verspielten Shojo-Stil haben möchte, der ist bei Shiuko Kano an der falschen Adresse. Ihre Kerle sind genauso rau und kantig wie ihre Stories, und wenn sie es miteinander treiben, ist das keine zarte Angelegenheit und es schaut durchaus nicht immer ganz so ästhetisch aus, wie viele Leserinnen es bevorzugen. Genitalien, Schamhaar, Sperma sowie die eine oder andere Position, die von den klassischen in den meisten BL-Manga abweicht - Shiuko Kanos Artwork liefert offenherzig und detailgetreu das komplette Programm, ohne sich dabei jedes Mal um den künstlerischen Aspekt zu scheren. Realistisch, blutig und schmutzig - und zwar in jeder Hinsicht.

    Fazit:

    Maybe I'm Your Steppin' Stone ist nichts für Befürworter der platonischen Liebe und/oder die Anhängerinnen eines seiten- oder gar Kapitellangen romantischen Vorgeplänkels bevor es wenn überhaupt erstmal zu einem verstohlenen Kuss kommt.

    Dieses Werk richtet sich vornehmlich an jene, die ganz gezielt zu einem Manga von 801 Media greifen, weil dies das Yaoi Harcore Label von Digital Manga ist.

    Da ich mich zur Gruppe jener Leserinnen zähle, hat Maybe I'm Your Steppin' Stone alle meine Erwartungen zu meiner absoluten Zufriedenheit erfüllt.

    Die Aufmachung der Ausgabe ist zudem sehr hochwertig. Es gibt eine Farbseite und einen separaten Schutzumschlag.

  24. #74
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    Dash!

    Manga von Isaku Natsume - US Ausgabe von Digital Manga June Imprint



    Inhalt:

    Dash! enthält zwei nicht zusammenhängende Geschichten, die jeweils drei Kapitel haben, sowie eine kurze Bonusstory.

    Die Erste dreht sich um Akimoto, der aus Bewunderung für den Juniorenmeister im Judo, Saitoh, in denselben Judoclub eintritt. Saitoh erklärt Akimoto daraufhin zu seinem persönlichen Laufburschen und beschäftigt diesen fortan mit Bestellungen in der Cafeteria und anderen Botengängen. Akimoto ist von seiner neuen Position alles andere als angetan - und noch weniger davon, dass Saitoh sich hartnäckig weigert, ihn im Judo zu trainieren. Mehr noch, anscheinend zieht Saitoh es vor, anderen beim Training zuzuschauen anstatt sich aktiv zu beteiligen.

    In der zweiten Geschichte geht es um Taka und seinen jüngeren Cousin Youshiro. Zehn Jahre haben sie einander nicht gesehen, und während dieser Zeit lebte in Taka die Erinnerung an einen liebenswerten kleinen Jungen, der ihm überallhin folgte, zu ihm aufsah und bei der Trennung bitter weinte. Nun steht Youshiro unerwartet vor der Tür von Takas Appartement und fragt, ob er eine Weile bei ihm wohnen kann, weil zuhause dicke Luft wäre. Taka willigt ein, muss jedoch rasch feststellen, dass der siebzehnjährige Youshiro außer seinem niedlichen Aussehen scheinbar gar nichts mehr mit dem entzückenden Kind von damals gemein zu haben scheint.

    Er raucht, er trinkt Alkohol - und was am schlimmsten ist: Er bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Er läuft gerade vor seinem letzten Freund davon - und ständig leicht bekleidet vor Takas pikierten Nachbarn auf dem Hausflur herum. Er flirtet ungeniert mit Takas Kumpeln und läßt zudem keinen Zweifel daran, dass er nichts lieber täte, als sich von Taka flachlegen zu lassen.

    Während Taka versucht, mit der Situation und seinem offenherzigen Cousin zurecht zu kommen, macht Youshiro keinerlei Anstalten wieder nach Hause zurückzukehren.

    Die Bonusstory widmet sich noch einmal Akimoto und Saitoh und ihrem allerersten Mal.

    Bewertung des Inhalts:

    Beide Geschichten sind zugleich witzig, charmant und anrührend. Sie präsentieren dem Leser liebenswerte, lebensbejahende Menschen, die ihre Schwierigkeiten hinter einem Lächeln verbergen und versuchen, ihnen durch eine positive Grundeinstellung zu begegnen. Sie leiden nicht, sie klagen nicht, sondern sie tragen ihr Schicksal mit Fassung und Humor. Natürlich gibt es Momente, in denen die Fassade bröckelt, und gelegentlich geben sie sich auch einmal ihrer Traurigkeit hin.

    Doch Dash! ist definitiv kein (Melo)Drama. Im Gegenteil. Von wenigen Momenten abgesehen ist die Atmosphäre heiter und humorvoll. Dies gilt insbesondere für die zweite Geschichte, die einige wirklich witzige Situationen enthält.

    Takas Schock und das langsame Einsickern der Erkenntnis in sein Bewusstsein, dass der süße Bub, der ständig an seinem Jackenzipfel hing, zu einem vorlauten Teenager geworden ist, dessen sexuelle Ausrichtung und Freizügigkeit

    seinen Ruf bei den Nachbarn ruinieren und den blanken Neid seiner Kumpels wecken, weil er mit diesem "süßen Kerlchen" im selben Zimmer schlafen darf,

    ist einfach zu herrlich.

    Bewertung des Artworks:

    Isake Natsumes Zeichnungen sind modern, allerdings eher schlicht und ein wenig skizzenhaft. Hintergründe gibt es so gut wie keine.

    Die Protagonisten sind eindeutig männliche Wesen, wirken jedoch mit Ausnahme von Taka ziemlich jungenhaft - was zu ihrem Alter im Manga passt.

    Die Mangaka legt sichtlich Wert darauf, die Figuren im Manga altersgerecht darzustellen und ihnen zudem möglichst individuelle Züge zu verleihen. Dies funktioniert bei den Hauptprotagonisten zwar nur begrenzt, indessen doch recht gut bei den diversen Nebencharas, welche die Geschichten bevölkern.

    Fazit:

    Mir hat Dash! sehr gut gefallen.

    Dieser Manga ist überaus sweet und verbindet dabei emotional bewegenden Inhalt mit einem locker-leichten Erzählstil, bei dem Humor eindeutig Vorrang vor Drama eingeräumt wird, etwas das ich überaus gern mag.

    Yaoi mäßig hält dieser Manga sich allerdings recht bedeckt. Es gibt einige kurze Szenen, in denen man außer ein paar Andeutungen nicht viel zu sehen bekommt. Damit ist Dash! auch und insbesondere für Leserinnen geeignet, die es nicht ganz so körperlich mögen.

    Die Ausgabe von Digital Manga June hat nicht nur ein Großformat und einen separaten Hochglanzschutzumschlag, sondern zudem innen sehr hochwertiges Papier, das weißer und auch etwas dicker ist als es bei diesem Verlag der übliche Standard ist.

    Wer sich einen Eindruck vom Artwork und dem Stil der Mangaka verschaffen möchte, kann dies dank der von amazon bereit gestellten Leseprobe tun:

    http://www.amazon.de/Dash-Yaoi-Isaku...6863437&sr=1-1
    Geändert von Sujen (05.09.2012 um 20:49 Uhr)

  25. #75
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    ANIMA

    Manga von Dany & Dany - US Ausgabe von Yaoi Press



    Inhalt:

    Eine futuristische Gesellschaft in einer Parallelwelt zu der unsrigen. Die Verwendung von Androiden als Bedienstete ist allgemein verbreitet. Doch einem Androiden eine Anima Programmierung zu geben, aufgrund derer er ein eigenes Bewusstsein und menschliche Emotionen erhält, ist ebenso gesetzlich verboten, wie der Einsatz von Androiden in allen Bereichen, in denen sie direkt mit Menschen konkurrieren.

    Der zynische Journalist Patrick Owens lernt während einer Schiffsreise den berühmten Tänzer Danya und dessen Mentor Nicolaj kennen. Patrick ist auf Anhieb von Danya fasziniert. Ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht. Dies ist indessen nicht nur Nicolaj ein Dorn im Auge, sondern auch einer Gruppe von einflussreichen Männern, die mit Nicolaj Geschäfte machen - und mit Patrick noch eine Rechnung offen haben.

    Bewertung des Inhalts:


    Anima ist von der ersten bis zur letzten Seite absolut faszinierend.

    Das Setting ist eine atemberaubende Mischung aus futuristischen Fakten wie die Existenz von Androiden oder einem virtuellen Cyber Game, mit einer opulenten Optik wie in den 30er/40er Jahren in Punkto Kleidung, Häuser, Autos, Interieur sowie einem Hauch von düsterem Gothic und einer Spur Punk, welche sich insbesondere in den Outfits von Danya sowie anderen Charakteren niederschlagen.

    Die Protagonisten sind interessant und überaus charismatisch. Der Leser erhält viele Informationen über Patrick, Danya und Nicolaj, aufgrund derer ihre jeweilige Persönlichkeit sowie die Beziehungen zwischen ihnen überzeugend und dreidimensional vermittelt werden. Daneben gibt es noch weitere gut ausgearbeitete Figuren, darunter der Android Ed, der seit Patricks Kindheit an seiner Seite ist sowie Miranda, Inhaberin eines Geschäftes für Androiden.

    Obwohl man im Grunde von Anfang an ahnt, welches Geheimnis Danya verbirgt und in welche Richtung sich die Story entwickeln wird, ist ihre Umsetzung so gelungen und spannend, dass der eine oder andere fehlende Überraschungsmoment zu verschmerzen ist.

    Einige Szenen gleiten leicht ins Pathos ab. Doch seltsamerweise wirkt dies hier weder übertrieben noch kitschig. Ob eine romantische Liebeserklärung in einer gläsernen Orangerie inmitten von Blumen, während draußen in der kalten Winternacht der Schnee glitzernd wirbelt und Assoziationen zu Dr. Schiwago weckt, oder ein verwunschen anmutender Friedhof, auf dem der Wind welke Blätter verstreut. Die jeweiligen Kulissen, Dialoge oder auch Monologe würden in einem anderen Rahmen mit einer anderen Geschichte und anderen Charakteren vermutlich aufgesetzt und/oder zu dick aufgetragen wirken. Hier jedoch passt alles perfekt zur Grundstimmung und verstärkt die besondere Atmosphäre, die über allem schwebt.

    Es gibt einiges an Action, einiges an Drama, jede Menge Emotionen und eine ordentliche Portion Yaoi.

    Letzteres indessen im Hinblick auf nackte Tatsachen sehr dezent. Geschlechtsteile werden nicht dargestellt. Die einzige visuell sichtbare Körperflüssigkeit ist Schweiß, und selbst der rinnt irgendwie ästhetischer als er dies normalerweise in so einer Situation tun würde. Einziger negativer Punkt ist in meinen Augen hier der Umstand, dass Patrick und Danya

    in einer Szene die Rollen des Uke und Seme tauschen.

    Dies ist jedoch kein objektives Manko, sondern ich habe lediglich eine subjektive Animosität gegen so eine Konstellation.

    Bewertung des Artworks:

    Das italienische Zeichnerinnen-Duo Dany & Dany hat einen sehr detailverliebten Zeichenstil. Ihre Protagonisten bewegen sich in wunderschönen Hintergründen, und ihre jeweilige Garderobe ist so aufwendig, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll bei all der Pracht. Schnallen, Schleifen, Spitzen, Krawatten und andere Halsgebinde, Verzierungen, Muster jeder Art - Kostüm- und Ausstattungsfetischisten dürften bereits nach wenigen Seiten in einen beglückenden Rauschzustand verfallen.

    Allein das Cover lädt bereits dazu ein, Minuten damit zu verbringen, es einfach nur anzustarren. Die Farben, die Kleidung, die ganze Komposition des Bildes inklusive des Androidenkopfes ist schlicht toll.

    Die Protagonisten sehen innen genauso attraktiv aus. Ob sie sich prächtig gewandet oder hüllenlos dem Blick des Lesers darbieten, sie sind in jedem Zustand eine Augenweide.

    Im Gegensatz zu früheren Werken von Dany & Dany sind die Körper der beiden männlichen Hauptprotagonisten nicht androgyn. Es werden zwar wie bereits erwähnt keine Geschlechtsteile gezeigt, jedoch sind Beide durchtrainiert und haben Muskeln, wo Männer für gewöhnlich welche haben oder im Idealfall haben sollten.

    Zwar sind Danyas Haare zu lang, und die Augen und insbesondere die Lippen sowohl von ihm als auch von Patrick für männliche Wesen etwas zu feminin. Doch wiederum kann ich nur sagen, dass dies hervorragend zur Gesamtoptik dieses Manga passt.

    Fazit:

    Anima ist ein in jeder Hinsicht gelungenes Werk mit einer originellen Idee, die packend und in wunderschönen Bildern erzählt wird.

    Natürlich gibt es keine Garantie, dass dieser Manga jedem gefällt. Die gibt es nie und kann es nie geben, da Geschmack nun einmal subjektiv ist.

    Manch einer wird sich hier vielleicht bereits daran stoßen, dass die Leserichtung von links nach recht verläuft und/oder der Zeichenstil ebenfalls den westlichen Ursprung nicht verleugnet.

    Mir hat Anima jedoch ausgesprochen gut gefallen, weswegen ich jedem zumindest empfehlen möchte, einen kurzen Blick hineinzuwerfen und anhand dessen zu entscheiden, ob er den Blick durch einen Kauf ausdehnen möchte.

    Dies ist dank der von amazon bereit gestellten Leseprobe ohne weiteres möglich.

    http://www.amazon.de/Anima-Dany/dp/1...6955184&sr=1-4

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