szmtag Geschmacksdiskussion anhand zweier Beispiele
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  1. #1
    Mitglied Avatar von Coffeehouse
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    Geschmacksdiskussion anhand zweier Beispiele

    Hallo zusammen,

    ich möchte mich mal wieder geschmacklich orientieren, bzw. sehen inwieweit es sowas wie ein gemeinsames Ästhetikempfinden gibt.

    Dazu zwei Beispiele aus dem Bereich erotischer (aber nicht pornographischer) Comics:

    Route des maisons rouge VS Oh! Wicked Wanda





    Ich bewundere die illustratorische Arbeit von Ron Embleton in Wicked Wanda sehr, aber irgendwie schien es mir bisher so, dass er bzw. Wicked Wanda gar nicht so sehr beliebt sei. Warum ist mir völlig unverständlich.
    Sowohl inhaltlich (frivole Parodie auf amerikanische Politik und Medienszene der 70er und 80er) als auch zeichnerisch/malerisch (anatomisch perfekt und dabei ausdrucksstark und karikaturistisch; extrem aufwendig) bin ich seit Jahrzehnten schwerstens beeindruckt.

    Teilt das niemand? Was misfällt daran? Der überpolierte Look? Das zu perfekte?

    Meine Aktzeichenlehrerin (ihre Aktzeichen-Fähigkeiten halten sich imho in Grenzen) musste bei der Lektüre misfallend lachen. Ich glaube ihr Kritikpunkt war die unrealistische Darstellung. Ich weiß es aber bis heute nicht mit Sicherheit.

    Jetzt hat gestern meine Frau die beiden o.g. Comics durchgeblättert und während sie bei Maisons Rouge nach ca. 8 Sekunden durch war, hat sie in Wicked Wanda immerhin fast 2 Minuten geblättert.
    Maison Rouge ist stilistisch das, was eigentlich modern und imho auch populär ist (und nicht schlecht) aber die Tatsache, dass meine Frau offenbar mehr mein von einigen Leuten verschmähtes Wicked Wanda interessant fand, lässt mich ob meines evtl. doch nicht so exotischen Geschmackes wieder Hoffnung schöpfen.

    Daher meine Frage in die Runde. Könnt ihr meine Gedanken nachvollziehen und meint ihr, dass es so etwas gibt wie einen gemeinsamen Nenner?

    Ich weiß z.B. dass Howard Chaykin, mit dem ich mal auf einer Messe geredet habe, nichts von Manara und Serpieri hielt. Auch für mich nicht nachvollziehbar. Das einzige was man beiden vorwerfen kann ist imho Manara's langweiliges Storytelling und Serpieris bräsige Geschichten ohne Höhe- und Tiefpunkte, aber rein von den Panels und den Fähigkeiten her sind die beiden für mich über jeden Zweifel erhaben.
    Durch die Tatsache, dass beide sich auch überdurchschnittlich gut verkaufen sehe ich mich hier geschmacklich auf massentauglicher Linie.

    Vielleicht fragt man sich, warum mir das wichtig ist.
    Es ist mir nicht wichtig den gleichen Geschmack zu haben wie die Masse, aber es ist mir wichtig zu verstehen warum die Masse etwas mag und etwas anderes nicht, um dieses Wissen dann (irgendwann mal) in eigene Arbeiten einflassen lassen zu können (wenn es um Kommerz geht).

  2. #2
    Mitglied Avatar von strg-alt-entf
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    Hallo Coffehouse.

    Ich kenne beide Comics nicht, aber kann zumindest etwas zum ersten Eindruck sagen, den ich beim Betrachten der Cover hatte.
    Ich finde weder den ersten, noch den zweiten besonders ansprechend. Das liegt einfach am "überperfektionismus" oder viel mehr daran, dass es solche Frauen wohl nicht gibt (zu große Ohren undso). Also anathomisch perfekt würde ich das jetzt nicht unbedingt bezeichnen, da die Damen alleamt völlig überproportioniert sind und alle den gleichen Kopf haben (was mich pers. stört). Ob das perfekt ist, ne andere Frage..

    Das zweite Cover wirkt durch die fehlenden bzw. sehr schwachen Linien sehr retro. Ich kann nicht einmal sagen warum. Vielleicht sind es auch die ungesättigten, ausgebleicht wirkenden Farben, die den Eindruck machen. Und dass die Püppchen aussehen wie alte PinUps aus Waschmittelwerbung. Darum mag ich diesen Stil nicht und würde eher zum ersten Band greifen wenn ich mich entscheiden müsste.
    Da dieser auch nicht unbedingt meinen Geschmack trifft und bis auf den Retrolook eigentlich die selbe Beschreibung erhalten kann, auch hier eigentlich kein Werk wo ich persönlich sagen würde, "das will ich!".

    Irgendwie möcht ich sogar sagen, dass es mich wohl besonders stört, dass sie alle die gleichen Köpfe haben, da hat Wicked Wanda auf jeden Fall nen Pluspunkt durch die Dame ganz rechts außen und allgemein noch etwas andere Figuren (auf dem Bild zumindest, mehr kann ich ja jetzt nicht beurteilen).

    Ich weiß nicht, wie weit die Masse, um die es dir geht, meine Meinung teilt, aber das sind zumindest meine Gedanken dazu.

    Gruß

  3. #3
    Mitglied Avatar von Coffeehouse
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    Danke für dein Feedback.

    Anatomisch perfekt ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck gewesen. Eher, in sich stilistisch geschlossen, d.h. keine schiefen Gesichter, keine verzerrten Figuren oder grobe, perspektivische Schnitzer.

    Klar, Fußballbrüste sind nicht jedermanns Sache, meine eigentlich auch nicht.

    Was aber z.B. oft auffällt, speziell im amerikanischen Bereich ist, dass das Cover das Verkaufsargument ist und entsprechend aufgebrezelt ist und dass Interieur dann eher ökonomisch gezeichnet ist (meist von jemand anderem), sprich mit weniger Zeitaufwand. Gerade das ist bei Wicked Wanda anders und beeindruckt mich. Jede Seite könnte ein Cover sein. Der Retro Look kommt vor allem daher, dass es Retro ist. Sprich in den 1970ern erschienen.
    Für mich wäre aber Retrolook, wenn gut gemacht, eh ein Pro und kein Contra.

    Hier noch ein paar Innenseiten von Google:







    Ich möchte auch noch mal auf ein Gegenbeispiel eingehen, was augenscheinlich relativ populär ist und ich nicht mag.





    Beim, leider zu früh verstorbenen Michael Turner, sieht für mich wirklich jedes Gesicht gleich aus, fast mangaesque. Alleine über die Nasen kann ich mich immer aufregen.

    In dieselbe Schiene fällt für mich Scott Campbell.

    Beide zeichnen Figuren, speziell Gesichter auf eine für mich sehr unattraktive Weise. Dieser, ich nenn ihn mal 'Top Cow Stil' war mal 'cool' irgendwann in den 90ern, so wie Spawn z.B., heute finde ich es einfach nur albern. Teilt jemand diese Ansicht?




  4. #4
    Mitglied Avatar von dimo1
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    Lieber Coffehouse,

    manchmal bin ich ein wenig verloren mit deinen Themen. Was willst du uns denn eigentlich sagen? Es ist doch ganz klar, dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt. Ich mag Campbell und Turner, auch wenn sie sicherlich Schwächen haben. Ich finde aber auch deine gezeigten Beispiele ziemlich gut. Nur im Endeffekt hat da jeder seine Vorlieben, für mich geht nichts über Franquin, aber das kann Leser XY ganz anders sehen.
    Es bringt auch nichts andere zu bekehren, ich bin z.B. ein großer Greg Capullo Fan, und als dieser jüngst Batman übernahm gab es einige kritische Stimmen, welche meinten, dass sein Stil zu cartoonhaft wäre etc. Ich muss zugeben, dass ich mich kurz auf eine Diskussion eingelassen habe, dann aber schnell erkannt habe, dass es nichts bringt. Jeder nach seiner Fasson.

  5. #5
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    Hm, ja, wie gesagt, ich will ja eigentlich nur verstehen warum wer was mag.

    Bei Musik z.B. fällt es mir leicht nachzuvollziehen warum jemand Death Metal mag oder Schlager, Hip Hop, Pop, Volksmusik, Klassik.

    Das finde ich im illustratorischen Bereich viel schwerer und das hilft mir in meiner eigenen Entwicklung auch dann nicht weiter, wenn ich Kritiken nicht einordnen kann.

    Wenn ein Volksmusikfan einem Metalmusiker sagt seine Musik ist schlecht, dann bedeutet das ja was anderes, als wenn ein Metalmusikmagazinredakteur das zu dem Metalmusiker sagt.

    Ich hab z.B. mal enthusiastisch in einem Pokerforum Off-Topic Thread einige tolle Bilder von Adam Hughes gepostet und die Reaktion darauf war neben Indifferenz, 'die sehen ja scheiße aus'.
    Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil ich diese Gedankengänge einfach nicht nachvollziehen konnte.

    Campbell und Turner z.B. fand ich vor 15 Jahren selber mal gut und kann daher nachvollziehen warum sie Fans haben.

    Bekehren kann nicht der Sinn sein, schon richtig. Musikalisch bin ich mehr an Alternative interessiert und will sicher keine Oma davon überzeuge, das es besser sei als Volksmusik, aber damit kann ich leben, weil ich verstehe, warum sie Volksmusik mag und warum ich Alternative mag.
    Bei Illustrationen und Comics kann ich es in ganz vielen Fällen nicht nachvollziehen.

    Z.B. verstehe ich nicht, warum Jim Lee eine große Fanbase hat, der sich für mich durch nichts von einem soliden Marvel/DC Zeichner abhebt und warum Alex Maleev dagegen nicht so besonders populär ist.
    Bei David Mack hingegen verstehe ich seine Popularität, aber ich mag ihn nicht wegen dieser Tracing-geschichte.

    Es geht mir also darum zu verstehen wie andere Leute ticken damit ich z.B. weiß auf wessen Kritik oder Empfehlung ich mehr geben sollte, weil sie in die Richtung geht, die ich als erstrebenswert erachte. Jetzt kann man sagen, 'wichtig ist doch erst mal, das es dir selber gefällt' - ja, aber dann kann man sich auch jegliche Kritik sparen, dann macht jeder sein Ding und Kritik wäre unsinnig.

    Mein bester Kumpel findet z.B. Magic the Gathering Karten nicht so doll gemalt - die sind für mich im Trading Card Bereich das absolute Non-Plus-Ultra, die Königsklasse. Wie kann der sowas sagen?! (In before: Frag ihn doch! )

    Edit: Und, falls dich meine Meinung zu Franquin und Capullo interessiert.
    Franquin finde ich ziemlich gut, weil konsistent, ausdrucksstark. Hat der Gaston gemacht? Muss ich mich mal genauer mit befassen. Interessiert mich thematisch nicht so, zeichnerisch fand ich es immer gut.

    Capullo mag ich nicht, weil ich finde, dass zu viele Details fast immer ablenken von der Lesbarkeit und dem Gesamtausdruck. Details um der Details willen mag ich nicht. Wenn Details sinnvoll sind (darüber lässt sich sicher streiten), bin ich beindruckt, aber bei Capullo hab ich immer den Eindruck das er noch mal einfach ein bisschen 'Gekröse' da reinschrömmelt bei einer halbgaren Komposition damit es noch abgefahrener aussieht. Für mich auch so einer der dabei war als sich ein neuer Stil entwickelt hat, den man (ich) irgendwann satt hatte und der einem (mir) heute widerstrebt.
    So wie Jeansjacken, die trägt heute ja auch kaum noch einer.

    Ich hoffe, dass war jetzt nicht zu ketzerisch formuliert, ich befürchte, dass wieder jemand mit 'mach erst mal besser, du Wurst' um die Ecke kommt.

    Ich will nur ehrlich wiedergeben, was mir im Kopf rumschwirrt, wenn ich z.B. Capullos Bilder anschaue, rein als außenstehender Konsument. Das Capullo ein verdienter Illustrator ist, der seine Fans hat und ich nur ein dahergelaufener Querulant möchte ich nicht in Abrede stellen.
    Geändert von Coffeehouse (22.04.2012 um 09:20 Uhr)

  6. #6
    Mitglied Avatar von dimo1
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    Hallo Coffee,

    tja, ich denke du beantwortest deine Frage ja selbst. Der eine mag eben Volksmusik, der andere Metal. Warum das so ist bleibt eben unsere Individualität, Erziehung, Prägung etc.

    Ich nehme jetzt mal Jim Lee als Beispiel, den ich immer noch toll finde. Warum? Ehrlich gesagt keine Ahnung. Ja, seine Gesichter sind alle gleich, sein Stil hat sich wenig entwickelt. Dennoch mag ich seine Zeichnungen einfach. Und ich finde auch nicht, dass man sich da rechtfertigen soll/müsste.
    Das kann man jetzt als unkritisch hinstellen, aber damit kann ich leben.

    Ich denke man sollte sich entspannen und das genießen was einem Freude macht. Weniger hinterfragen, mehr machen.

    Tut mir leid, dass ich da wenig hilfreich für dich bin, aber ich denke etliche im Forum werden dir da besser antworten können.

  7. #7
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    Ne, kein Problem. Das hilft mir ja schon weiter, bin schon nicht mehr ganz so verwirrt.

  8. #8
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    Bin da ähnlicher Meinung wie Framue.

    Für mich stellt sich dass im momentan so dar als würdest du den Konsumentengeschmack zu sehr auf bestimmte Einzelelemente reduzieren.
    Mansche stören bestimmte Details wie die extremen Stuppsnasen in deinen Beispielen, andere sind evtl. so hingerissen von den runden Hinterteilen der Damen, dass ihnen die Nasen total egal sind

    Gerade beim Comic spielt die Story und das Tempo beim Gefallen eines Albums beim Großteil der Konsumenten eine größere Rolle als die Nasenform.


    Es geht mir also darum zu verstehen wie andere Leute ticken damit ich z.B. weiß auf wessen Kritik oder Empfehlung ich mehr geben sollte, weil sie in die Richtung geht, die ich als erstrebenswert erachte. Jetzt kann man sagen, 'wichtig ist doch erst mal, das es dir selber gefällt' - ja, aber dann kann man sich auch jegliche Kritik sparen, dann macht jeder sein Ding und Kritik wäre unsinnig.
    Es gibt letzlich nur einen, bei dem du deinen Zeichnestil mit seinem Geschmack auf eine Linie bringen musst und das ist dein Auftraggeber, Art Director etc.

    Und bei Kritiken sollte man unterschieden zwischen einer technischen (objektiven) und einer geschmacklichen (subjektiven) Kritik. Auch ein versierter Schlümpfezeichner, ja auch die meisten Nichtzeichner können dir bei vielen anatomischen Problemen gute technische Kritik geben (Also Anatomiefehler, Kompositionsprobleme, fehlende Lesbarkeit etc.).

    Subjektive Kritik ist schwerer und erfordert vom Kritiker deutlich mehr Fingerspitzengefühl, gerade was die Dosis angeht.
    Du könntest also Campell ganz subjektiv sagen: Hey, die Mischung aus großen Augen, aufgespritzen Lippen und extremer Stuppsnase gefällt mir nicht. Oder ganz blöd: Dein Comic ist doof, es kommen keine Schlümpfe drin vor!

    Oder du sagts: Hey, die Mischung aus großen Augen, aufgespritzen Lippen und extremer Stuppsnase gefällt mir nicht, da für mich alle Frauen in deinen Comics gleich aussehen.
    Geändert von Riana (22.04.2012 um 10:24 Uhr) Grund: Habe ein paar imperatorisch Musst abgeändert :)

  9. #9
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    Mmm, zu sehr auf Einzelelemente, weiß ich nicht.

    Mich stören ja tatsächlich nicht nur die immergleichen seltsamen Nasen, sondern tatsächlich auch die aufgedunsenen Lippen und auch sehr die weit auseinanderstehenden zu großen Augen, die Kopfform der Personen und die plastikartigen Haare.

    Und ja, Art Director, ... manchmal ist man ja Self-Publisher ohne Art Director, dann muss der Massstab imho schon sein, wie es 'bei anderen' ankommt und da sollte einem die Meinung von einigen Leuten egal sein, weil sie sehr themenfremd sind, die Meinung von anderen sollte man sehr schätzen und evaluieren und eine wieder andere Meinung kann ganz gefährlich sein, zum Bleistift gibt es auch einige Leute, die gerne Ratschläge geben die bullshit sind, "Der Arm ist zu lang" wenn er gar nicht zu lang ist.

    Natürlich ist Schubladendenken auch nicht doll, aber irgendwo muss man anfangen und dazu teilt man sich das erst mal grob ein und geht dann tiefer. Volksmusikhörer sind erst mal solche und dann unterteil ich mir die weiter in Altnazis, Ewig-Gestrige, eigene Großeltern usw. (jk)

    Ich würde z.B. gerne wissen, warum z.B. Fumetto bestimmte Sachen gut findet oder warum framue Jim Lee schätzt. Das wird sich sicher verbalisieren lassen und evtl. sehe ich diese Illustratoren dadurch mit anderen Augen.

  10. #10
    Mitglied Avatar von dimo1
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    Hallo Coffee,

    jetzt stellst du die richtige Frage.

    Ich nehme wieder Jim Lee.

    Er ist allem was er macht sehr sicher. Schau mal andere Superheldenzeichner an. Die sind häufig gut mit Figuren, aber die Hintergründe passen nicht. Meistens sehen nur die Helden gut aus, normale Menschen nicht. Bei Lee passt das alles. Dazu kommt noch, dass sehr viele Details zeichnet, manchmal überflüssig, aber immer in seinen Stil passend. Da sieht nichts so aus als sei es eben noch dazu gezeichnet worden. Sein Stil ist ziemlich dynamisch, die Figuren sind, dem Genre entsprechend, gut proportioniert. Nicht zu ausladend, sie passen in seine Zeichenwelt. Insgesamt ist er ein sehr guter Handwerker, der in dem Feld wo er arbeitet sehr gut ist. Des Weiteren macht es Spaß bei ihm die sehr detaillierten Hintergründe zu betrachten, oftmals versteckt er "Easter Eggs".

    Fazit. Nicht dein Ding, aber handwerklich bestimmt nicht vom Schlechtesten.

  11. #11
    Mitglied Avatar von Coffeehouse
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    Ah, ja, genau so eine Antwort hatte ich mir erhofft.

    Unter den genannten Gesichtspunkten werde ich mich noch mal mit Jim Lee und Leuten, die ich bisher mit ihm in einen Topf geworfen habe, befassen.

  12. #12
    Moderator Künstlerbereich Avatar von Fumetto
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    Ich verstehe Coffeehouse' Anliegen. Wenn ich etwas gut finde, dann suche ich auch nach Leuten, die dieses Etwas genauso sehr mögen wie ich. Geschmack braucht Gemeinschaft. Deshalb bin ich immer wieder verzweifelt, dass sich in Deutschland (geschweige denn unter meinen Freunden, die allesamt von Comics oder Illustration null Ahnung haben) kaum einer z. B. für Sergio Toppi oder Guido Crepax interessiert. Oder für das hinreißende Debütalbum der italienischen Adramelch. Oder für den großartigen "Siebenkäs" von Jean Paul. Immerhin tröstet es mich, Coffehouse, dass du Milo Manara als Zeichner genauso stark und als Erzähler genauso übel findest wie ich. Nächstes Jahr kommt übrigens eine zweibändige Comic-Biographie über Caravaggio, von ihm gezeichnet, auf den Markt. Da werd' ich schon ein Jahr im Voraus schwach. Allerdings wüsste ich niemanden, mit dem zusammen ich aufs Christkind warten könnte .

  13. #13
    Mitglied Avatar von Coffeehouse
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    Also Toppi kannte ich gar nicht, aber das was ich jetzt mal gerade gegooglet habe beeindruckt mich sehr.

    Crepax möchte ich eigentlich mögen, weil ich dieses Melancholische mag und auch den Frauentyp aber in einigen Panels sieht irgendwas anatomisch (Hals, Gesicht, Gliedmaßen) oder perspektivisch irgendwie schräg oder instringent aus. Ist vielleicht künstlerische Freiheit, aber mich hat das immer abgehalten davon Crepax mehr zu mögen.

    Ansonsten kann man bei dir die fehlende Gemeinschaft des Geschmacks auch die fehlende Bildung/Kenntnis der anderen sein, wobei das was du an Bourgeon oder wie er heißt so toll findest, dass du ihn studierst, geht mir immer noch nicht in den Kopf. Das muss irgendwas mit Nostalgie zu tun haben, oder?
    Zugegebenermaßen habe ich noch nie ein Album von ihm gelesen. Vielleicht hat sein Storytelling ja was Magisches.

    Edit: Okay, hab mir gerade noch ein bisschen mehr angeschaut von ihm. Finde es doch besser als ich es in Erinnerung hatte. Nur dieses Covermotiv mit den 2 Frauen das du mal studiert hast, gefällt mir (immer noch) nicht.
    Geändert von Coffeehouse (22.04.2012 um 16:54 Uhr)

  14. #14
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    Sorry, ich hab jetzt nur ganz oben "Oh, Wicked Wanda!" gelesen und fand demnach alles andere in diesem Thread überspringenswert.

  15. #15
    Mitglied Avatar von dimo1
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    Sorry, ich hab jetzt nur ganz oben "Oh, Wicked Wanda!" gelesen und fand demnach alles andere in diesem Thread überspringenswert.
    Siehst du Coffee, hier hast du die typische Antwort auf deine Frage. Es bringt einfach nichts. Solche Themen gehen im Internet nicht ohne wilde Diskussion. "Ich finde aber X super." "Nein, was bist du dumm, der/die/das ist total besch...en. Nur Y ist toll."

    Einer der Gründe warum es oft nichts bringt im Internet zu schreiben.

  16. #16
    Mitglied Avatar von Coffeehouse
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    Zitat Zitat von dinter3 Beitrag anzeigen
    Sorry, ich hab jetzt nur ganz oben "Oh, Wicked Wanda!" gelesen und fand demnach alles andere in diesem Thread überspringenswert.
    Do you care to specify why, Lord Dinter?

    Einer der Gründe warum es oft nichts bringt im Internet zu schreiben.
    Ja, verdammtes Internet!
    Geändert von Coffeehouse (23.04.2012 um 04:01 Uhr)

  17. #17
    Moderator Künstlerbereich Avatar von Fumetto
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    Zitat Zitat von Coffeehouse Beitrag anzeigen
    Also Toppi kannte ich gar nicht, aber das was ich jetzt mal gerade gegooglet habe beeindruckt mich sehr.

    Crepax möchte ich eigentlich mögen, weil ich dieses Melancholische mag und auch den Frauentyp aber in einigen Panels sieht irgendwas anatomisch (Hals, Gesicht, Gliedmaßen) oder perspektivisch irgendwie schräg oder instringent aus. Ist vielleicht künstlerische Freiheit, aber mich hat das immer abgehalten davon Crepax mehr zu mögen.

    Ansonsten kann man bei dir die fehlende Gemeinschaft des Geschmacks auch die fehlende Bildung/Kenntnis der anderen sein, wobei das was du an Bourgeon oder wie er heißt so toll findest, dass du ihn studierst, geht mir immer noch nicht in den Kopf. Das muss irgendwas mit Nostalgie zu tun haben, oder?
    Zugegebenermaßen habe ich noch nie ein Album von ihm gelesen. Vielleicht hat sein Storytelling ja was Magisches.

    Edit: Okay, hab mir gerade noch ein bisschen mehr angeschaut von ihm. Finde es doch besser als ich es in Erinnerung hatte. Nur dieses Covermotiv mit den 2 Frauen das du mal studiert hast, gefällt mir (immer noch) nicht.
    Bei Francois Bourgeon kommt für mich allerhand zusammen. Sein Zyklus "Die Gefährten der Dämmerung" war es, der mich vor einigen Jahren überhaupt erst wieder für Comics begeistert hat. Als anatomischer Zeichner mag er seine Mängel haben (in "Reisende im Wind" ist manches wirklich fürchterlich), aber als Szenarist und Seitenarchitekt ist er brillant. Gerade der letzte Band der "Gefährten" hat so eine ungeheuer dichte, packende Atmosphäre, dass ich das Buch bis heute immer wieder lese (jedes Jahr mindestens ein Mal).
    Seinen Colorationsstil finde ich auch klasse. Ich habe wochenlang recherchiert, mit welchen Farben er malt, und mir die entsprechenden Tinten dann selber kommen lassen.
    Außerdem befindet sich sein Atelier in einem schönen alten Bauernhof in der Bretagne, den er offenbar gekauft oder gepachtet hat. Da sitzt er inmitten seiner vielen Modelle und zeichnet und coloriert, und alles ist ganz ruhig, und draußen zwitschern die Vögel. Genau so habe ich mir eine Existenz als Comiczeichner immer vorgestellt: in absoluter Ruhe und Abgeschiedenheit. Dass das nicht zu haben ist, weiß ich. Aber ich brauche solche Illusionen, um überhaupt arbeiten zu können.
    Deshalb meine (vielleicht zufällige) Bindung an Francois Bourgeon.

  18. #18
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    Zitat Zitat von Coffeehouse Beitrag anzeigen
    Do you care to specify why, Lord Dinter?
    In einem Wort?
    Wahlweise Substantiv: Hüften, Adjektiv: drall

    Ich hab mich nur kurz gefasst, um keine
    Zitat Zitat von framue1234 Beitrag anzeigen
    wilde Diskussion
    vom Stapel zu treten.
    Ich sehe einen gemeinsamen Nenner in der übertriebenen Darstellung eines aktuellen Schönheitsideals und mein Geschmack ist da eben eher 'retro' ... aber das geht mir bei Musik, Filmen, etc. ja auch so. Muss am Alter liegen.
    Man könnte das Ganze aber hervorragend auf eine gesundheitlich-emanzipatorische Debatte lupfen, Stichwort: Hungerhaken.

  19. #19
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    Zitat Zitat von Coffeehouse Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen,

    ich möchte mich mal wieder geschmacklich orientieren, bzw. sehen inwieweit es sowas wie ein gemeinsames Ästhetikempfinden gibt.
    Dazu zwei Beispiele aus dem Bereich erotischer (aber nicht pornographischer) Comics:

    Also ich kann die "persönliche geschmackliche" Beurteilung
    nicht einfach so - völlig unabhängig von der Comicidee und
    der Story - (wie so manch anderer) zum Ausdruck bringen.

    Das allererste Motiv ist bei uns als Buch erschienen und
    wenn ich nun "beurteile", wie knapp die Taille und wie
    groß der Busen einer Frau "sein darf", damit alles "noch
    korrekt ist", dann fällt mir dazu folgendes ein: in Maison Rouge
    treten "ausgesuchte" Modells auf, die hauptsächlich wegen
    ihrer körperlichen Attribute diesen "überzeichneten Job"
    bekommen. Dabei "verfeinern" sie ihre Erscheinung auch noch
    zusätzlich mit gehobenen Dekoltes und geschnürten
    Taillen. All das ist in dem Comic - auch als Handlung - direkt
    zu sehen.

    Also "Selektion", "Heben" und "Schnüren" ergibt - im
    Zusammenspiel mit einem natürlich bewusst leicht betonten
    Zeichenstil - imho so genau das "richtige Ergebnis".
    Es wäre hier, bei der Thematik, wohl eher unpassend "realistische
    Frauen" - wie sie vor und hinter der Supermarkt-Kasse stehen -
    zu zeichnen.

    Bei den anderen Beispielen weiter unten (z. B. den Campbell Frauen)
    - dieser Seitenhieb sei mir erlaubt - frage ich mich hingegen, wie
    sehr einem weiblichen James Bond die prallen Brüste und der dicke
    Hintern beim Kämpfen, Springen und Motorradfahren entgegen-
    kommen bzw. dies bei einem durchtrainierten (Kampf-)Körper
    überhaupt so aussehen wird (bzw. darf).

  20. #20
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    In Comics geht es ja auch nicht darum etwas absolut naturalistisch darzustellen sondern u.U. auch gewollt zu überzeichnen, karikaturieren.
    Das ist im Grunde bei jedem in diesem Thread geposteten Bild so.

    Sonst könnte man auch eine Foto-Story a la Bravo machen/lesen.

    Was Embleton imho besser konnte als Campbell, ist attraktive Gesichter zu zeichnen, aber da streitet man sich letzlich wieder über 'was ist attraktiv'.

    Für mich waren Campbell und Co. in meiner Jugendzeit interssant, weil ich gedacht habe: Okay, so einen Stil kann man mit viel Üben vielleicht irgendwann selber hinkriegen, wohingegen Embleton irgendwie 'far out' war. Das waren ja quasi Gemälde, das schien unerreichbar.

    Genauso wie ein teurer Sportwagen für mich unattraktiv ist, was damit zu tun haben könnte, dass ich eh nicht so viel Geld habe und mich von daher gar nicht mit dem Thema Sportwagen befasse.

    Ich habe noch eine Frage an dinter3: Was meinst du mit Stichwort 'Hüften'? Zu übertrieben weiblich?

  21. #21
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    @Coffeehouse: Übertrieben weiblich is das ja alles, nur bei Wanda steckt noch mehr, ichsachma, Natürlichkeit drin. Da würde ich sofort hinfassen wollen, während ich, wenn ich mir z.B. Fathom anguck, erst mal ins Grübeln käme, ob da nicht vielleicht Becken und Oberschenkel anders zusammengesteckt sind als bei herkömmlichen menschlichen Skeletten.

  22. #22
    Mitglied Avatar von strg-alt-entf
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    Ich meld mich ma nachn paar Tagen wieder.
    Ersteindruck hab ich ja geschildert, aber vielleicht mag es dir gefallen, ich hab meine Meinung geändert.
    Nach den weiteren Seiten und etwas Zeit zum Sacken lassen, muss ich meine Aussage wohl korrigieren oder sagen, dass mir das Retrocomic mitlerweile doch besser gefällt.

    Das liegt zum einen daran, dass es doch einfach etwas natürlicher wirkt, zum anderen mehr Abwechslung bietet (Körper und Gesichter) und dann, weil es sich aufgrund seiner Andersartigkeit zur Masse noch etwas abhebt, was ja meistens ganz schön ist. (nicht immer, aber oft genug)

    Grade mit dem Stichpunkt Natürlichkeit von dinter, kann man da sicher viel begründen.

    Das erste Ding erinnert mich immer unweigerlich an den Film SuckerPunch... der hat zwar auch erstmal nen coolen Ersteindruck im Trailer, aber auf Dauer hats mir dann einfach auch nicht mehr gefallen und ich fand den Film ziemlich mies, obwohl ich mich eigentlich darauf gefreut habe. (Die story und alles andere mal außen vor, jetzt gehts grad nur um diese immer gestyeten Püpchen die in jeder Szene absolut Top (überperfekt?) und unglaubwürdig rüberkommen.)
    Wicked Wanda scheint nach näherer BEtrachtung (aber immernoch nicht wirklich tiefergehender) nicht so oberflächlich zu sein und auch Ecken und Kanten zu haben.
    Geändert von strg-alt-entf (24.04.2012 um 11:10 Uhr)

  23. #23
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    Also ich kenne beide Comics nicht. Ich habe mir nur mal kurz die Covers angeschaut, es geht ja auch um einen ersten Eindruck.
    Das erste Cover hat mir persönlich besser gefallen. Ich fand es von der Anatomie her schöner und die Komposition gefällt mir. Die Oberweite der Damen finde ich übertrieben, sie passt aber zum Gesamtdesign und wirkt deshalb nicht fehl am Platz.
    Das zweite Cover wirkt irgendwie steif. Als würden alle Leute herumstehen und darauf warten sich in Pose zu werfen. Den Oberkörper von der schwarzhaarigen (ich vermute mal Wanda) finde ich recht gut, an Unterkörper und Beinen stört mich irgendwas. Ich kann es nicht genau definieren. Wahrscheinlich liegt es daran, dass mir die Klamotten nicht zusagen. Dafür ist das Gesicht echt schön (ja ich schaue mir das mit an).

  24. #24
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    Zitat Zitat von dinter3 Beitrag anzeigen
    @Coffeehouse: Übertrieben weiblich is das ja alles, nur bei Wanda steckt noch mehr, ichsachma, Natürlichkeit drin. Da würde ich sofort hinfassen wollen, während ich, wenn ich mir z.B. Fathom anguck, erst mal ins Grübeln käme, ob da nicht vielleicht Becken und Oberschenkel anders zusammengesteckt sind als bei herkömmlichen menschlichen Skeletten.
    Ach du findest Wanda so gut dass du alles andere überspringenswert findest? Ich hatte es so verstanden, dass du Wanda so schlecht findest, dass du dich gar nicht mehr mit dem Thread befassen willst.

  25. #25
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    Zitat Zitat von Coffeehouse Beitrag anzeigen
    so verstanden, dass du Wanda so schlecht findest
    Verflixt, in einem Thread mit explizit eindeutigem Thema missverständlich ausgedrückt ... mea culpa!
    Aber wie könnte ich jemanden schlecht finden, der mir in zarten Jugendjahren aufklärerisch derart unter die Arme gegriffen hat?

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