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    Exclamation Das Findelkind (Robin Hood Fanic)

    Disclaimer: die Figuren und Orte in dieser Geschichte gehören mir nicht und auch der Inhalt ist frei erfunden. Ich verdiene mit dieser Story kein Geld sondern schreibe nur aus Spaß an der Freude.

    A/N: Wenn sich tatsächlich jemand hierher verirrt hat und diese Story liest, würde es mich riesig freuen zu hören, was ihr davon haltet.

    Das Findelkind

    Die Sonne schien warm von einem blauen, wolkenlosen Himmel, erhellte den Sherwood Forest und ließ den Wasserfall wie ein Meer aus flüssigem Gold glänzen. Doch selbst dieser schöne Anblick vermochte Robins Herz nicht zu erfreuen. Während Will,, Winniefred und Barbara ihrer täglichen Arbeit nachgingen, wanderte er ruhelos durch die Wälder und konnte nicht verhindern, dass seine Gedanken immer wieder zu Marian schweiften.

    Kurz nachdem König Richard nach England zurückgekehrt war, hatten die beiden einander ihre Liebe gestanden und waren seitdem unzertrennlich gewesen. Die anderen hatten hinter vorgehaltener Hand sogar von einer bevorstehenden Hochzeit gesprochen, doch dann hatte ein folgenschwerer Streit alles zunichte gemacht.

    "Zum letzten Mal, Marian", rief Robin aufgebracht. "Meine Antwort ist "Nein" und bleibt "Nein"!" "Aber warum, Robin?" gab sie verzweifelt zurück. "Warum? Was wäre für dich so schlimm daran, Vater zu werden?"
    Robin verdrehte die Augen, seufzte tief und war sichtlich bemüht, ruhig zu bleiben. "Ich bin mit unserem Leben so, wie es ist, voll und ganz zufrieden", versuchte er ihr zu erklären. "Was spricht dagegen, wenn wir einfach nur unsere Zweisamkeit genießen?"
    "Ist es nicht das Natürlichste auf der Welt, dass jedes Paar sich irgendwann einmal Kinder wünscht?" hielt Marian ungeduldig dagegen. "Bedenke doch, welch unendliche Bereicherung für unser Leben es wäre, die Krönung unserer Liebe!"
    Robin seufzte abermals und ballte seine Hände zu Fäusten. "Du weißt genauso gut wie ich, dass es fast unmöglich ist, hier im Sherwood Forest Kinder großzuziehen", erwiderte er ärgerlich. "Wie stellst du dir das vor? Wir haben nicht einmal genug Platz in unserem Unterschlupf."
    "Sicher ist es nicht einfach", gab Marian wider willig zu. "Aber denkst du nicht, dass wir auch diese Herausforderung meistern können, nach allem, was wir zusammen durchgemacht haben?"
    Eine kleine Ewigkeit sah Marian Robin einfach nur schweigend an und eine ganze Welt aus Bitten und Flehen lag in ihrem Blick. Aber noch immer war Robin nicht bereit, einzulenken. "Ich will keine Kinder", sagte er unnachgiebig. "Jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. Das ist mein letztes Wort."

    Robin schüttelte den Kopf und versuchte vergeblich, die Erinnerung, die ihn zu überwältigen drohte, abzustreifen. Schon seit längerer Zeit hatte Marian ihm mit dem Wunsch in den Ohren gelegen, mit ihm eine Familie zu gründen. Ihm dagegen genügte ihre Zweisamkeit vollkommen und er wollte nicht noch mehr Verantwortung übernehmen müssen. Nach jenem verhängnisvollen Streit vor sechs Monaten war Marian schließlich ohne ein Wort der Erklärung abgereist und auf das Schloß ihrer Eltern zurückgekehrt. Seitdem hatte Robin sie weder gesehen noch hatte er ein Wort von ihr gehört. Auch seine Meinung über eine eigene Familie hatte er nicht geändert und konnte seine Liebste deshalb unmöglich bitten, zu ihm zurückzukommen. Wenngleich sie ihm von Tag zu Tag mehr fehlte, konnte er nur warten und hoffen.

    Kurz nach Sonnenaufgang gingen die Cousins zu Bett, doch Robin fand nur sehr langsam in den Schlaf, wie immer, seit Marian ihn verlassen hatte. Lange lag er hellwach in seinem Bett und starrte traurig an die Decke. In dieser Nacht war jedoch irgendetwas anders als sonst. Robin fühlte sich noch unruhiger als gewöhnlich. fast so, als läge etwas in der Luft, das ihn nicht schlafen ließ.

    Kurz nach Mitternacht wurde er plötzlich von einem lauten Wimmern aufschreckt, nachdem er in einen leichten Dämmerschlaf gesunken war. Mit einem Ruck setzte er sich im Bett auf und lauschte. Die Laute kamen eindeutig von draußen. Beunruhigt stand Robin auf und ging hinaus. Als er das kleine Tor erreichte, das den Eingang zu ihrem Versteck bildete, erstarrte er: direkt vor seinen Füßen, in einen Weidenkorb gebettet, lag ein Baby! Das Kleine schrie und wimmerte herzzerreißend und schien mit seiner Situation alles andere als zufrieden zu sein.
    Nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, nahm Robin den Korb behutsam hoch und trug ihn hinein. Schließlich konnte er das Baby nicht einfach hier draußen liegen lassen!

    Auch die anderen waren von den ungewohnten Geräuschen aufgewacht und warteten an der Tür. "Robin, was ist denn passiert?" fragte Will verschlafen. "Wie kommt plötzlich ein Baby vor unsere Tür?" "Ich weiß es nicht", antwortete Robin hilflos. "Aber wahrscheinlich wurde es ausgesetzt." "Ein Findelkind?!" rief Barbara erschrocken aus. "Das arme Ding", meinte nun auch Winniefred entsetzt. "Wer ist so herzlos, ein Baby einfach auszusetzen?"
    Genau diese Frage schoss auch Robin durch den Kopf. Welche Mutter konnte so grausam sein, ihr Baby in der Kälte und noch dazu mitten im Wald liegen zu lassen? "Auf jeden Fall müssen wir versuchen, seine Eltern zu finden", sagte er entschieden. "Aber fürs Erste sind wir wohl für das Kleine verantwortlich."

    Sie trugen das Baby hinein ins Warme, wo Winniefred es vorsichtig es vorsichtig aus dem Korb nahm und in eine warme Decke wickelte. Ein kleines Mädchen war es und es schrie noch immer erbärmlich. Die drei Geschwister sahen sich besorgt an, Robin dagegen hielt sich betont abseits. Was kümmerte ihn der kleine Schreihals? Er mochte die Kleine gefunden haben, aber deshalb war er noch lange nicht für sie verantwortlich!

    "Vielleicht hat sie Hunger", meinte Will schließlich hilflos. "Aber ein so kleines Baby braucht Muttermilch", wandte Winniefred zaghaft ein. Schließlich kamen die Geschwister auf Barbaras Vorschlag überein, es notgedrungen mit normaler Milch zu versuchen. Will holte eine Tasse und füllte sie mit Milch. Abwechselnd hielten die drei der Kleinen das Gefäß hin, doch sie wollte die Nahrung nicht annehmen, weder von Winniefred noch von Will oder Barbara.

    Robin beobachtete das Geschehen eine Weile schweigend, aber wenn er es auch nicht zugab, ließ es ihn nicht so kalt, wie er vorgab. Das Wimmern dieses kleinen, hilflosen Wesens zerriß ihm innerlich das Herz. Nach einer Weile überwand er seinen Stolz und ging zu den anderen. "Darf ich es versuchen?" fragte er leise. Winniefred legte das Baby vorsichtig in seine Arme und er setzte sich mit ihr auf sein Bett. Zum Erstaunen der anderen beruhigte die Kleine sich augenblicklich, sobald sie Robin sah und als er ihr die Tasse mit der Milch an die Lippen hielt, begann sie hungrig zu trinken.

    Robin sah ihr wie gebannt zu. Zu sehen, wie sie eifrig trank, die winzigen Händchen vor Konzentration zu Fäusten geballt und zu fühlen, wie sie sich vertrauensvoll an ihn schmiegte, berührte etwas in ihm, das er vorher nicht gekannt hatte. So muß eine Mutter sich fühlen, wenn ihr Baby trinkt, dachte er im Stillen. ach einer Weile hörte die Kleine auf zu trinken und machte ein Bäuerchen. Allem Anschein nach war sie pappsatt. Müde legte sie ihr Köpfchen auf Robins Brust ab.

    "Vielleicht solltest du sie heute Nacht bei dir behalten", schlug Winniefred vorsichtig vor. "Bei dir scheint sie sich am wohlsten zu fühlen." "Rede doch keinen Unsinn!" wehrte Robin heftiger, als er beabsichtigt hatte, ab. "Du klingst gerade so, als ob ich ihr Vater wäre! Ihr könnte euch genauso gut um sie kümmern!" Noch konnte er sich nicht eingestehen, dass er das Babys bereits ins Herz geschlossen hatte und vor den anderen würde er es erst recht nicht zugeben.
    Winniefred sah ihn eine zeitlang forschend an, doch als ihr Cousin keine Anstalten machte, seine Meinung zu ändern, nickte sie ergeben. "Wie du willst", willigte sie ein. "Dann werde ich mich um sie kümmern. Aber versprechen kann ich nichts."

    Winniefred sollte mit ihrer Vorahnung Recht behalten. Sobald die kleine von Robin getrennt wurde, begann sie erneut, herzzerreißend zu wimmern und dicke Tränen kullerten über ihre Wangen. Die Mädchen und Will mochten tun, was sie wollten, das Baby war nicht zu beruhigen.
    Fast glaubte Robin, den Kummer des winzigen Wesens spüren zu können und das tat ihm im Herzen weh. Schließlich hielt er es nicht länger aus, ging zu Winniefred und nahm das Baby mit in sein eigenes Bett. Sobald die Kleine seine Körperwärme spürte, hörte sie zu schreien auf, schmiegte sich an ihn und vertraute sich bedingungslos seinem Schutz und seiner Fürsorge an.
    Robin schluckte schwer, als er das Vertrauen des kleinen Mädchens spürte. "Hab keine Angst, meine Kleine", flüsterte er sanft. "Bei uns wird dir kein Leid geschehen, das verspreche ich dir." Die Kleine gähnte zur Antwort und war gleich darauf eingeschlafen. Lächelnd gab ihr Robin noch einen Gute-Nacht-Kuss, bevor er ebenfalls einschlief.

    Als Robin am nächsten Morgen aufwachte, fiel sein Blick sofort auf das kleine Bündel, das noch immer auf seiner Brust lag. Die Kleine hatte die ganze Nacht tief und friedlich geschlafen, offensichtlich erschöpft von der ganzen Aufregung. Nun schlug sie langsam die Augen auf und blinzelte Robin verschlafen an.
    Zum ersten Mal fiel ihm auf, wie ähnlich sie Marian sah: sie hatte dieselben blauen Augen und genauso blondes Haar. Doch Robin sagte sich, dass ihm seine Augen sicher nur einen Streich spielten, weil er seine Geliebte so sehr vermisste. Trotzdem fand er sie süß.

    Die Kleine begann leise zu wimmern und als Robin ihr zart über die Wange strich, saugte sie an seinem Finger. Als er ihr eifriges Nuckeln spürte, fühlte er, wie eine heftige Aufwallung von Liebe ihn überkam, fast so, als wäre er wirklich ihr Vater.
    "Hast du Hunger, meine kleine Schönheit?" fragte er liebevoll. Die Kleine gab erneut ein leises Wimmern von sich, das Robin als Bestätigung auffasste. "Nun", flüsterte er sanft. "Dann wollen wir doch mal sehen, was wir für dich tun können."

    Mit dem Baby auf dem Arm stand Robin auf und füllte erneut etwas Milch in eine Tasse. Wie am Abend zuvor fütterte er die Kleine, die die angebotene Nahrung auch dieses Mal ohne zu zögern annahm.
    "Wir brauchen noch einen Namen für dich", meinte er, nachdem das kleine Mädchen zu Ende getrunken hatte und satt und zufrieden in seinen Armen lag. "Deine Mutter hat dir sicher einen Namen gegeben, aber den werde ich wohl nie erfahren. Ich denke, ich nenne dich Gwen." Einen Augenblick lang hatte Robin es in Erwägung gezogen, sie Marian zu nennen, weil sie seiner Liebsten so ähnlich sah. Doch für ihn gab es nur eine Marian auf der Welt und so sollte es auch bleiben.
    Die Kleine indes schien mit ihrem Namen sehr zufrieden zu sein, denn sie stieß immer wieder kleine glucksende Laute aus, die ein wenig wie ein Lachen klangen. "Das gefällt dir offenbar", stellte Robin lächelnd fest. "Dann ist es also beschlossen. Von nun an sollst du Gwen heißen."

    In den folgenden Tagen kümmerte Robin sich rührend um Gwen und ließ sie kaum einen Moment aus den Augen. Er fütterte sie, wickelte sie, badete sie und unternahm mit ihr lange Spaziergänge durch den Sherwood Forest. Auch des Nachts schliefen beide eng aneinander gekuschelt. Mit der Zeit gewöhnte Gwen sich auch an die anderen, doch nur in Robins Armen schlief sie und nur von ihm nahm sie Nahrung an.

    Die anderen beobachteten erfreut, wie ihr Cousin sich gewandelt hatte und wie zart er mit dem Baby umging, doch sie machten sich auch Sorgen. Noch immer machte Robin keine Anstalten, nach den Eltern der Kleinen zu suchen und er schien auch nicht die Absicht zu haben, dies jemals zu tun. Als Will ihn einmal darauf ansprach, wurde Robin richtiggehend zornig und meinte, wer so herzlos sei, sein Kind auszusetzen, hätte ein so wunderbares Baby wie Gwen überhaupt nicht verdient. Den Einwand seines Cousins, die Eltern hätten einen Anspruch auf ihr Kind, fegte er leichten Herzens beiseite.
    Auch die Mädchen vermochten Robin nicht umzustimmen und so ließen sie den Gegenstand vorläufig ruhen. Aber was würde geschehen, wenn die Mutter tatsächlich auftauchte und ihr Kind zurückforderte? Dann wollte keiner von ihnen denken, sondern sie wollten sich viel lieber über die Wandlung freuen, die Robin durchlebt hatte.

    Aber noch eine weitere Veränderung sollte Robin bevorstehen: als Gwen etwa eine Woche bei den Cousins lebte, kehrte vollkommen unerwartet Marian in dem Sherwood Forest zurück. Eines Abends, als Robin gerade mit Gwen und den anderen draußen saß, trat sie völlig unvermutet durch das Tor. Robin sprang auf und starrte sie an, als wäre sie ein Geist. Als er sich endlich aus seiner Erstarrung löste, gab er das Baby an Winniefred ab und stürzte auf Marian zu, die er in eine fast erdrückende Umarmung schloß.
    "Marian", flüsterte er glücklich. "Meine Marian, endlich bist du wieder da! Du ahnst nicht, wie sehr ich dich vermisst habe!" "Ich dich auch", antwortete sie mit erstickter Stimme. "Ich hatte solche Sehnsucht nach dir, dass ich es auf dem Schloß meiner Eltern einfach nicht mehr ausgehalten habe. Also bin ich zurück gekommen." "Gott sei Dank", erwiderte er sanft.

    In diesem Moment drang Gwens Schreien an sein Ohr, die nachdrücklich seine Aufmerksamkeit einforderte. Robin wandte sich verlegen um und auch Marian sah das Baby neugierig und ein wenig unsicher an. "Das ist Gwen", erklärte er leise. "Sie wurde vor unserer Tür ausgesetzt." "Ein Findelkind?" fragte Marian erschrocken. "Die arme Kleine." Liebevoll streichelte sie Gwen über die Wange und zur Verwunderung aller anderen lächelte das kleine Mädchen sie an und streckte seine winzigen Händchen nach ihr aus. "Sie mag dich", stellte Robin lächelnd fest. "Es scheint, als hätten wir nun auch eine neue Mutter für die Kleine gefunden."
    Marian errötete leicht, doch zugleich stahl sich ein Anflug von Wehmut in ihren Blick, den Robin zunächst falsch deutete. Er dachte, sie sehnte sich noch immer nach eigenen Kindern mit ihm und nahm sich fest vor, mit ihr noch einmal über die Sache zu sprechen.

    Von diesem Tag an unterstützte Marian ihren Geliebten bei der Pflege der kleinen Gwen und alle waren erstaunt, wie schnell sich eine sehr innige Beziehung zwischen den beiden entwickelt hatte. Wie bei Robin schien es nun auch bei ihr Liebe auf den ersten Blick zu sein. Aber das war nicht alles: wann immer Robin die beiden zusammen sah fiel ihm auf, wie ähnlich sie einander sahen. War das wirklich nur ein Zufall?

    Die Antwort sollte Robin rein zufällig erfahren. Eines Nachmittags kam er gerade von einem Streifzug durch die Wälder zurück, während die anderen noch fort waren. Als er gerade die Tür öffnete, um ihren Unterschlupf zu betreten, erstarrte er. Marian saß mit Gwen im Arm auf ihrem Bett. Die Kleine lag zufrieden nuckelnd an ihrer Brust und ihre winzigen Lippen waren mit Milch überzogen!
    Bei diesem Anblick schossen Robin tausend Gedanken auf einmal durch den Kopf. Um ein baby zu stillen, musste sie Milch haben und das wiederum war nur möglich, wenn Marian selbst vor nicht allzu langer Zeit ein Kind entbunden hatte. Hatte sich sein Verdacht am Ende doch bestätigt?

    "Marian", rief Robin leise, noch bevor ihm bewußt wurde, was er tat. Die Angesprochene fuhr herum und als sie ihren Geliebten er blickte, wich alle Farbe aus ihrem Gesicht. "Ich kann alles erklären", versicherte sie hastig. "Es ist ganz bestimmt nicht so, wie du denkst." "Ach nein?" gab Robin erbost zurück. "Du sitzt hier und stillst ein Kind, das dir wie aus dem Gesicht geschnitten ist, von dem du aber behauptest, es nicht zu kennen. Was gibt es da noch mißzuverstehen?"

    Marian senkte den Kopf und schwieg betreten. "Ist es so, wie ich vermute?" fuhr Robin ungehalten fort. "Ist die Kleinen deine Tochter?" Marian stumm und brachte noch immer kein Wort heraus. "Also gut", sagte er tonlos. "Darf man erfahren, wer der Vater ist?" Angesichts dieser Frage hob sie abrupt den Kopf und zwang sich, seinem Blick zu begegnen. "Robin, wie kannst du nur so etwas fragen?" rief sie empört. "Du bist natürlich der Vater!" "Und warum hast du mir dann nichts gesagt?" fragte er ärgerlich. "Warum bist du einfach aus meinem Leben verschwunden und legst mir bei Nacht und Nebel unser Baby vor die Tür? Und dann kommst du eines Tages zurück und tust so, als wäre nichts gewesen?"

    Marian sank das Herz, denn sie spürte, dass Robin ihr zum ersten Mal ernstlich zürnte. "Weil ich keinen anderen Ausweg wußte", antwortete sie der Verzweiflung nah. "Immerhin hast du mir deutlich zu verstehen gegeben, dass du keine Familie haben wolltest und dass ein Baby für dich nur unerwünschte Verantwortung bedeutet. Ich dachte, wenn du dich eine Weile um unsere Tochter kümmern würdest, würde dir klar werden, dass das Familienleben auch schöne Seite hat und dann würdest du deine Meinung ändern." "Und du hast keinen Augenblick daran gedacht, wie die Kleine sich fühlt, wenn sie plötzlich von ihrer Mutter getrennt ist?" fragte er zornig. "Was hätte ich denn sonst tun sollen?" gab sie hilflos zurück. "Du hättest zum Beispiel von Anfang an ehrlich sein und mir die Wahrheit sagen sollen", entgegnete Robin anklagend. Aber wahrscheinlich hatte ich in deinen Augen überhaupt kein Recht, etwas zu erfahren. Schließlich bin ich ja nur der Vater deines Kindes, wer bin ich da schon?"
    Verletzt und tief gekränkt machte er auf der Schwelle kehrt und schlug die ür mit einem lauten Krachen hinter sich zu.

    Robin kochte innerlich vor Wut, während er ziellos durch den Sherwood Forest lief. Er fühlte sich benutzt und hintergangen. Wie konnte seine geliebte Marian ihm nur so etwas antun? Und wie sollte er ihr nun, nach allem was passiert war, jemals wieder vertrauen?
    So in Gedanken versunken erreichte er schließlich ganz unbeabsichtigt die Hütte von Bruder Tuck, was ihm jedoch nicht ungelegen kam. Sein alter Freund konnte ihm vielleicht helfen, seine Gedanken zu ordnen und ihm sagen, wie er sich am besten verhalten sollte.

    Kurz darauf saßen die beiden einander gegenüber und Robin erzählte ausführlich von den Ereignissen der vergangenen Stunden. "Ich verstehe, dass du verletzt bist, mein Junge", sagte Bruder Tuck schließlich ernst. "Aber kannst du Marian denn nicht wenigstens ein bißchen verstehen?" "Irgendwie schon", gab Robin zu. "Aber der Gedanke tut so weh, dass sie neun Monate lang mein Kind unter dem Herzen getragen und es nicht für nötig gehalten hat, mir auch nur ein Wort zu sagen. Sie hat mir keine Möglichkeit gegeben mitzuerleben, wie das Baby in ihr wächst, wie es sich bewegt und wie es geboren wird."
    "Marian hat mit Sicherheit nicht gewollt, dass alle so kommt", beteuerte Bruder Tuck eindringlich. "Aber für sie war es der einzige Weg um dafür zu sorgen, dass aus euch dreien eine Familie wird. Ich denke, du solltest ihr ihr Handeln nicht nachtragen."

    Daraufhin schwieg Robin lange. Zwar konnte er seine Geliebte tief im Herzen verstehen, doch er war noch immer tief verletzt von ihrem Verhalten. Sie hatte ihm weh getan und er wollte ihr genauso wehtun.
    "Du kannst heute Nacht hier bleiben, wenn du willst", riss ihn Bruder Tucks freundliche Stimme aus seinen Gedanken. "Dann kannst du in Ruhe über alles nachdenken."

    In dieser Nacht fand Robin keinen Schlaf. Gedankenverloren starrte er an die Decke, während ihm immer wieder Bruder Tucks Worte durch den Kopf gingen. Sein Herz sagte ihm mehr als deutlich, dass sein alter Freund Recht hatte. Marian hatte das alles nicht gewollt, sondern nur den vermeintlich einzigen Weg für sich und das Baby gewählt.
    Im Grunde, gestand Robin sich reumütig ein, war letztendlich nur seine Sturheit Schuld an dem ganzen Schlamassel. Hätte er vor ihrer Abreise eingelenkt anstatt sich mit aller Macht dagegen zu sträuben, Vater zu werden, hätte er seine Liebste niemals zu dieser Verzweiflungstat getrieben. Außerdem liebte er sie und die kleine Gwen von ganzem Herzen und wollte sie um keinen Preis verlieren. Morgen würde er nach Hause gehen und noch einmal in Ruhe mit ihr über alles reden.

    Früh am nächsten Morgen, als Robin sich gerade von Bruder Tuck verabschiedete, kam Will völlig aufgelöst angerannt. "Robin!" rief er schon von weitem aufgeregt. "Du mußt unbedingt sofort nach Hause kommen! Ich glaube, Marian hat vor, den Sherwood Forest zu verlassen und mit Gwen zu ihren Eltern zurückzukehren!" Blankes Entsetzen packte Robin und sein Herz setzte einen Schlag aus. Sollte es so enden? Hatte er ihr gemeinsames Glück endgültig verspielt? Das durfte nicht sein! Er wollte seine Familie nicht verlieren! Ohne zu zögern rannte er los, in Richtung ihres Unterschlupfes.

    In der Zwischenzeit hatte auch Winniefred die ganze Geschichte und versuchte nun verzweifelt, ihre Freundin von ihrem Entschluss abzubringen. "Robin war von dieser Situation nur überrascht" beteuerte sie eindringlich, beinah flehend. "Aber er liebt euch beide! Glaub mir, wenn er noch einmal in Ruhe über alles nachgedacht hat, sieht er die Sache mit ganz anderen Augen."
    "Du hast ihn nicht erlebt", entgegnete Marian traurig und ohne jede Hoffnung. "Er klang so enttäuscht und er hat uns so entschieden verlassen. Alles, was er gesagt hat, klang so endgültig." Sie seufzte traurig. "Ich dachte, ich würde das einzig Richtige tun und jetzt habe ich ihn verloren."

    "Nein!" Der Klang dieser Stimme ließ Marian erschrocken herumfahren und bei dem Anblick, der sich ihr nun bot, traute sie ihren Augen nicht mehr: in der Tür stand Robin! Als sich ihre Blicke trafen, kam er zu ihr und zog sie in eine fast schon erdrückende Umarmung.
    "Mein Liebling", flüsterte er zärtlich und vergrub das Gesicht in ihrem weichen, duftenden Haar. "Ich flehe dich an, verlass mich nicht. Jetzt nicht und niemals mehr. Du bedeutest mir mehr als irgendetwas sonst auf der Welt und ich liebe dich mehr als mein eigenes Leben! Ich kann nicht mehr ohne dich sein!"

    Bei diesem Gefühlsausbruch ihres Liebsten versteifte Marian sich erschrocken und brauchte einen Augenblick um zu begreifen, was Robin eigentlich gesagt hatte. Er hatte ihr verziehen und würde sie nicht verstoßen. Im Gegenteil, er flehte sie gerade an, bei ihm zu bleiben. Erleichtert und überglücklich ließ sie sich in seine Arme sinken und bevor sie sich versah, strömten ihr Freudentränen über das Gesicht.
    "Robin", schniefte sie. "Es tut mir alles so leid, was passiert ist, einfach alles. Ich verspreche dir, ich werde dein Vertrauen nie wieder mißbrauchen, für keine noch so edle Tat." "Das weiß ich", erwiderte er liebevoll. "Deshalb verzeihe ich dir auch. Ich liebe dich so sehr, mein Herz, so sehr." "Ich dich auch", brachte sie mühsam hervor.
    Noch lange hielten die beiden einander fest umschlungen und wurden von einer ungeheuren Erleichterung durchflutet. Sie hatten einander wieder!

    "War unsere Tochter der Grund, warum du vor sechs Monaten zu deinen Eltern abgereist bist?" fragte Robin vorsichtig, nachdem sich die beiden voneinander gelöst hatten und nah beieinander auf dem Bett saßen. Marian nickte beschämt. "Damals trug ich die Kleine bereits vier Monate unter dem Herzen", gestand sie zögernd. "Seit ich erfahren hatte, dass ich guter Hoffnung war, habe ich immer wieder versucht, deine Meinung über Kinder zu ändern und dich behutsam darauf vorzubereiten, dass wir bald eine eigene Familie haben würden. Aber du wolltest nicht nachgeben und hast weiter darauf beharrt, dass ein Kind nichts als unangenehme Pflichten mit sich bringt. Was denkst du, wie es mir in solchen Momenten zumute war, mit unserem Baby im Bauch? Hätte ich dir sagen sollen "Pech gehabt, du wirst Vater"? Ich wußte mir keinen Rat mehr, also bin zu meinen Eltern zurückgekehrt, bevor ihr mir meinen Zustand anmerken konntet. Meine Eltern haben mich von Anfang an unterstützt, sich während der Schwangerschaft um mich gekümmert und dafür gesorgt, dass unsere Tochter gesund zur Welt kam. Doch obwohl es mir in dieser Zeit an nichts fehlte, habe ich dich schrecklich vermisst und die anderen auch. Nachdem die Kleine geboren war, hatte ich die Idee, sie euch heimlich vor die Tür zu legen. Ich dachte, wenn du sie nur einmal sehen und im Arm halten würdest, würdest du sie genauso lieben wie ich. Dieser Plan fand auch die Zustimmung meiner Eltern, die der Meinung waren, dass eine Familie zusammen gehört und so habe ich die Kleine, sobald sie alt genug war, um eine Weile ohne mich auszukommen, heimlich zu dir gebracht. Nach einer Woche konnte ich die Trennung nicht länger ertragen und bin in den Sherwood Forest zurückgekehrt."

    Robin hatte Marian aufmerksam zugehört und als sie geendet hatte, zog er sie in eine beschützende Umarmung. "Mein armer Liebling", flüsterte er reumütig. "Es tut mir unendlich leid, was ihr beide meinetwegen durchmachen mußtet. Das alles wäre nie passiert, wenn ich nicht so verbohrt und so töricht gewesen wäre! Glaub mir, ich liebe dich und ich liebe auch unsere Tochter. Ich habe sie vom ersten Moment an geliebt, obwohl ich es mir zuerst nicht eingestehen wollte. Aber sie hat mich so sehr an dich erinnert, vor allem wenn ich in ihre wunderschönen Augen sah. Ich konnte nicht anders, ich mußte sie einfach lieben. Damals, als wir uns gestritten haben, hatte ich noch keine Ahnung was es bedeutet, Vater zu sein, ganz zu schweigen von den Gefühlen, die man zu einem so hilflosen kleinen Wesen entwickelt. Das habt ihr beide mich gelehrt. Von nun an werde ich für immer bei euch sein und für euch sorgen, das verspreche ich dir."
    Marian schmiegte sich überglücklich in seine Arme und ein kleines, seliges Seufzen entkam ihren Lippen. "Ich liebe dich", hauchte sie zärtlich. "Und ich werde bei dir bleiben, für immer und ewig."

    Das Paar blieb noch eine Weile Arm in Arm sitzen, bis Winniefred hereinkam. Sie hatte die kleine Gwen im Arm, die herzzerreißend schrie und wimmerte. Sobald Robin nach dem Streit mit Marian davongelaufen und die Tür zugefallen war, hatte sie angefangen zu weinen und jegliche Nahrung verweigert. Sie hatte die Unruhe ihrer Mutter gespürt und wollte nicht mehr trinken, was Marian noch mehr beunruhigt hatte. Schließlich war Winniefred mit der Kleinen hinausgegangen und hatte versucht, sie zu beruhigen, doch leider ohne Erfolg.
    Sobald sie ihr Baby sah, streckte Marian die Arme nach ihr aus und herzte sie ungestüm. "Shhh, mein kleiner Schatz", flüsterte sie beruhigend und begann ihre Tochter sanft zu wiegen. "Jetzt ist alles wieder gut." "Du brauchst keine Angst mehr zu haben", fügte Robin liebevoll hinzu. "Wir sind doch bei dir. Wir sind hier." Langsam beruhigte sich das kleine Mädchen in den Armen ihrer Eltern wieder.

    "Als ich sie vor unserer Haustür gefunden hatte, habe ich unserer Tochter den Namen Gwen gegeben", erzählte Robin seiner Liebsten nachdenklich. "Schließlich wußte ich damals noch nicht, wie sie wirklich heißt. Wie hast du sie genannt?" Angesichts dieser Frage zuckte zu Robins Überraschung ein Lächeln um die Mundwinkel seiner Liebsten. "Dann hattest du den gleichen Gedanken wie ich", antwortete sie leise. "Denn auch ich habe sie Gwen genannt." Nun war Robin endgültig sprachlos: ohne es zu wissen hatten beide denselben Namen für ihre Tochter gewählt! Einen besseren Beweis dafür, dass sie zusammen gehörten, gab es doch gar nicht!
    Gerührt beugte er sich vor und fing ihre Lippen in einem zarten Kuss, den sie glücklich erwiderte. Alle Ängste, die sich in den vergangenen Stunden in ihr angestaut hatten lösten sich in Luft auf. Sie waren zusammen und nur das zählte.

    Der zärtliche Moment war jedoch nur von kurzer Dauer. Marian war gezwungen, sich von Robin zu lösen, als sie spürte, wie ein kleiner Mund sich suchend an ihrer Brust entlangtastete. Erleichtert öffnete die junge Frau ihr Hemd, um ihre Tochter anzulegen und dieses Mal spürte sie, wie die Kleine zu trinken begann.
    Robin sah seiner Liebsten lächelnd zu, wie sie die kleine Gwen stillte. "Wenn es einen schöneren Anblick gibt als dich mit unserer Tochter, dann weiß ich nicht, was es ist", flüsterte er zärtlich. Marian errötete leicht und fuhr fort, die Kleine sanft zu wiegen. "Ich möchte aber, dass du mir eines versprichst", verlangte er liebevoll. "Versprich mir, dass du mir keines unserer künftigen Kinder mehr vorenthalten wirst."

    Dieser Satz ließ Marian abrupt herumfahren und sie sah ihn ungläubig an. "Unsere künftigen Kinder?" fragte sie atemlos. Robin nickte lächelnd. "In dem Augenblick, als du unserer Tochter das Leben geschenkt hast, hast du mich zum glücklichsten Menschen der Welt gemacht. Ich könnte mir nichts schöneres vorstellen, als mit dir einen ganzen Haufen Kinder zu haben." "Mindestens ein Dutzend", antwortete sie lachend. "Oder noch besser zwei." "Ganz wie du willst", stimmte er ihr liebevoll zu. "Doch vorher muß ich dich noch etwas fragen. Vor unserem Streit damals hast du gesagt, du würdest den Bund mit mir eingehen. Stehst du jetzt, nach allem, was ich dir angetan habe, noch immer zu deinem Wort?" "Das tue ich", erwiderte Marian ohne zu zögern. "Wir haben beide einiges zu bereuen, aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Und ich liebe dich. Mein Herz ist den Bund schon längst mit dir eingegangen."

    Robin strahlte seine Liebste überglücklich an, bevor er sich von ihr löste und vor ihr neiderkniete. "Marian Lancaster", sagte er zärtlich. "Du bist mir das Liebste und Teuerste auf der Welt und kein Wort könnte meine Liebe zu dir beschreiben. Ich würde mit einem Lächeln auf den Lippen sterben, wenn ich dadurch dein Leben retten könnte und ich würde lieber mein Leben verlieren als dir wehzutun. Während der ganzen Zeit, die ich von dir getrennt war, habe ich mich unendlich einsam gefühlt und dich schrecklich vermisst. Ich möchte mein ganzes Leben mit dir verbringen und nie wieder von dir getrennt sein. Deshalb frage ich dich hier und heute: willst du meine Frau werden?" "Ja, ich will", antwortete Marian selig vor Glück. "Ich will von ganzem Herzen, mein Liebster."

    Nur einen Monat später wurden Robin und Marian auf dem Schloss Lancaster von Bruder Tuck miteinander vermählt. Die kleine Gwen lag während der Trauungszeremonie neben dem Altar und somit wurde ihre Geburt legitim. Marians Eltern saßen in der ersten Reihe und auch die Sherwood-Bande war vollständig versammelt. Außer der Hochzeit gab es noch ein weiteres Liebesglück zu feiern: auffällig oft schenkten Winniefred und Little John einander zärtliche Blicke. Vor wenigen Tagen hatte er um ihre Hand angehalten und sie hatte überglücklich eingewilligt. Nun träumten beide von ihrer eigenen Hochzeit, die bald stattfinden würde.

    Doch als Bruder Tuck das Brautpaar endlich zu Mann und Frau erklärte und die Sherwood-Bande in lauten Jubel ausbrach, gab es keine glücklicheren Menschen als Robin und Marian, die wußten, dass sie nun für alle Ewigkeit zusammen gehörten und dass nichts sie jemals wieder trennen würde. Feierlich schritten die Jungvermählten Hand in Hand an ihren Gästen vorbei, einer gemeinsamen Zukunft entgegen.

    ENDE

  2. #2
    Mitglied Avatar von Dragon
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    Ich finde deine Geschicht richtig goldig.

  3. #3
    Junior Mitglied
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    Liebe heilt alle Wunden



    Disclaimer: die Figuren und Orte in dieser Geschichte gehören mir nicht und auch der Inhalt ist frei erfunden. Ich verdiene mit dieser Story kein Geld sondern schreibe nur aus Spaß an der Freude.

    Liebe heilt alle Wunden

    An einem warmen Nachmittag im Frühling wanderten Marian und Winniefred durch den Sherwood Forest, während Robin und Will ihrerseits auf Nahrungssuche waren und Bruder Tuck in der Zwischenzeit auf Barbara aufpasste. Die Sherwood-Bande mußte sehr vorsichtig sein, denn Lord Alwine schickte noch immer seine Soldaten aus, um sie zu jagen, doch sie kannten die verborgenen Pfade durch die Wälder, auf denen sie sicher waren.

    Für den Augenblick jedoch waren die beiden Mädchen in eine angeregte Unterhaltung vertieft und dachten nicht an irgendeine Gefahr. Winniefred erzählte ihrer Freundin ein wenig verlegen von den schüchternen Annäherungsversuchen, die Little John seit einigen Wochen unternahm. Immer öfter fand er einen Vorwand sie zu besuchen und jedes Mal brachte er ihr ein Geschenk mit. Anfangs hatte Winniefred sich eingeredet, dass Little John ein ungehobelter Kerl war und sie ihn nicht ausstehen konnte. Aber mittlerweile konnte sie nicht mehr leugnen, dass ihr Herz jedes Mal schneller schlug, wenn sie ihn erblickte und dass sie sich insgeheim bereits auf seine Besuche freute.
    Marian hörte ihrer Freundin lächelnd und verständnisvoll zu. Sie erinnerte sich noch gut an die Zeit, in der Robin angefangen hatte, um sie zu werben. Auch sie hatte damals einige Zeit gebraucht um sich einzugestehen, dass sie seine Gefühle erwiderte, doch schließlich war aus den beiden ein unzertrennliches Paar geworden und sie waren seitdem sehr glücklich miteinander.

    Ein lautes Wiehern unterbrach plötzlich das Gespräch der Mädchen und zerriß die Stille des Waldes. Beide fuhren erschrocken zusammen und sahen einander überrascht an. Im Sherwood Forest gab es, bis auf Robins Hengst Weißer Donner, der meist frei in den Wäldern umherstreifte, keine Pferde und auch Lord Alwines Soldaten kamen nie zu Pferd. Woher also kamen diese Laute? Marian und Winniefred verstanden einander ohne Worte. Sie nickten sich kurz zu und gingen dann in die Richtung, aus der das Wiehern gekommen war.

    Kurz darauf erreichten die Freundinnen eine kleine Waldlichtung, auf der tatsächlich ein prächtiges Pferd stand. Sein Fell, ebenso wie Mähne und Schweif waren schwarz wie eine Winternacht ohne Sterne, doch auf seiner Stirn war ein leuchtend weißer Stern zu sehen. Ein Hengst war es, wie die Mädchen richtig vermuteten und obwohl er noch sehr jung zu sein schien, war er bereits voll ausgewachsen und von stolzer, edler Haltung. Auch sein Sattel und Zaum waren von feiner Machart und zeugten davon, dass das Tier aus einem vornehmen Haus kam. Es war an den niedrig hängenden Ast eines Baumes gebunden und gebärdete sich ausgesprochen wild: fast ununterbrochen wieherte, stieg und schnaubte es.

    Während Winniefred die Szene ängstlich beobachtete, schaute Marian das Tier vollkommen verzückt an. Dieses Pferd war einfach perfekt! Seine Wildheit ängstigte sie nicht im Geringsten, im Gegenteil, sie fühlte sich von dem Hengst auf eine unerklärliche Weise angezogen. Langsam machte sie einen Schritt vor und ging auf ihn zu.
    "Marian, bleib hier!" rief Winniefred ängstlich. "Das ist viel zu gefährlich!" "Mach dir keine Sorgen", fegte Marian die Bedenken ihrer Freundin leichthin beiseite. "Ich bin mit Pferden aufgewachsen und weiß genau, was ich tue."
    Als sie fortfuhr, sich dem Pferd zu nähern, begann es erneut, zu tänzeln und zu schnauben, doch es wirkte nicht aggressiv, sondern vielmehr ängstlich. "Ruhig, mein Junge", flüsterte Marian sanft und machte einen weiteren Schritt auf das Tier zu. "Ganz ruhig. Ich werde dir nichts tun. Bleib ruhig, ich will dir doch nur helfen."

    Der liebevolle Klang ihrer Stimme schien den Hengst zu beruhigen, denn er blieb stehen und sah die junge Frau aufmerksam an. Mit klopfendem Herzen trat Marian zu ihm und streckte die Hand aus. Würde das Pferd sich von ihr berühren lassen?
    Ihre Sorge erwies sich am Ende als unbegründet. Gleich darauf spürte sie das weiche Fell unter ihrer Hand und streichelte den Hengst immer wieder sanft, was dieser sich gutwillig gefallen ließ. Marian wurde es warm ums Herz, als sie das Vertrauen des Tieres spürte. Schon seit längerer Zeit sehnte sie sich heimlich danach, wieder ein eigenes Pferd zu haben und nun schien dieser Wunsch vollkommen unverhofft in Erfüllung zu gehen.
    Langsam ging sie um das Pferd herum, löste die Zügel von dem Ast und befreite es anschließend behutsam von Sattel und Zaum. Der Hengst hielt still und ließ sie gewähren und als er endlich frei war, schüttelte er wie befreit den Kopf und schnaubte leise. Entgegen ihrer Erwartung lief er jedoch nicht davon, sondern blieb neben der jungen Frau stehen und sah sie weiterhin aufmerksam an.

    "Was sollen wir jetzt mit ihm machen?" fragte Winniefred, die inzwischen auch herangekommen war. "Und wo kommt er überhaupt her?" "Wenn ich das wüßte", antwortete Marian ratlos. "Vielleicht gehörte er einem der Soldaten des Lords und wurde hier zurückgelassen. Diese Erklärung macht auch als einzige Sinn, denn seiner ängstlichen Haltung nach zu urteilen hat er viel Gewalt erfahren. Wie auch immer, jedenfalls müssen wir uns von nun an um ihn kümmern."
    "Aber wie?" fragte Winniefred hilflos. "Wir können den Hengst doch unmöglich mit zu unserem Unterschlupf nehmen. Dort ist kein Platz für ein Pferd." "Ich weiß", erwiderte Marian ruhig. "Wir suchen ihm einen geschützten Platz tief im Wald, wo ihn niemand findet und es genug Nahrung gibt."

    So geschah es. Die beiden Mädchen fanden nur ein Stück weit von ihrem Unterschlupf entfernt eine schattige Lichtung, auf der das Gras hoch stand und reichlich Pflanzen wuchsen. Einige große Felsen bildeten eine natürliche Höhle, die Schutz vor Regen und Kälte bot. Vor allem aber lag die Lichtung weit abseits der Wege und somit war es mehr als unwahrscheinlich, dass sich irgendjemand dorthin verlaufen würde.
    Marian war zufrieden. Hier würde ihr Schützling sicher sein. Nachdem sie das Sattelzeug im hohen Gras, ganz in der Nähe der Höhle versteckt hatte, verabschiedete die junge Frau sich schweren Herzens von dem Pferd. "Wir brauchen noch einen Namen für dich, mein Freund", meinte sie lächelnd, als sie ihn zum Abschied streichelte. "Ich denke, ich werde dich Shadow nennen, weil du ein so schönes schwarzes Fell hast."
    Der junge Hengst schnaubte, als wollte er ihr zustimmen und auf diesen hörte er fortan für den Rest seines Lebens. Als Marian in ihren Liebkosungen innehielt, wieherte er enttäuscht. "Ich muß gehen", flüsterte sie liebevoll. "Aber ich komme wieder, so bald ich kann." Damit wandten sich die beiden Freundinnen ab und machten sich auf den Heimweg.

    "Das kann ich einfach nicht glauben!" platzte Winniefred nach einer Weile aufgeregt heraus. "Etwas so wildes und ungebärdiges wie diesen Hengst habe ich noch nie gesehen, aber unter deinen Händen war er plötzlich sanft wie ein Lamm!" "Shadow hat ein gutes Herz", entgegnete Marian lebhaft. "Er ist nur durch all die Gewalt, die er erfahren haat, verängstigt und muß erst wieder lernen, den Menschen zu vertrauen."
    "Dir ist es also wirklich ernst damit, ihn zu behalten", stellte ihre Freundin erstaunt fest. "Was denkst du wird Robin dazu sagen?" Auf diese Frage schwieg Marian, denn sie konnte sich gut vorstellen, dass ihr Geliebter von ihren Plänen nicht gerade begeistert sein würde. Doch sie war sicher, dass er sie verstehen würde, wenn sie ihm erst alles erklärt hatte.

    Als die beiden Mädchen an ihrem Unterschlupf anlangten, wurden sie von Robin und Will bereits erwartet. "Wir haben uns schon Sorgen um euch gemacht", sagte Will, als sie kurz darauf alle beim Abendessen saßen. "So spät wie heute wart ihr noch nie zuhause."
    "Winniefred und ich haben heute auf einer Lichtung im Wald ein schwarzes gefunden", begann Marian vorsichtig zu erzählen. "Es war an einem Baum angebunden und wurde scheinbar dort vergessen." "Gut möglich", stimmte Will ihr zu. "Wir haben heute gemeinsam mit Little Johns Bande einen Trupp von Alwines Soldaten aus dem Wald vertrieben. Wahrscheinlich wurde das Pferd dabei versehentlich zurückgelassen."

    "Augenblick mal", mischte sich nun auch Robin, der bis dahin geschwiegen hatte, in das Gespräch ein. "Ein schwarzes Pferd, sagst du? Ein Hengst zufällig?" Marian bestätigte seine Vermutung mit einem Nicken. "Diesen wilden Kerl haben wir auch gesehen!" rief er daraufhin erschrocken aus. "Bei dem Versuch, ihn zu befreien wäre Will fast unter seine Hufe geraten!"
    Marian schwieg betreten. Wie die Dinge standen würde Robin nicht nur wahrscheinlich, sondern ganz sicher Einwände gegen ihr Vorhaben erheben. Aber der Hengst brauchte sie und sie durfte ihn jetzt nicht einfach so im Stich lassen! "Winniefred und ich haben den Hengst zu einer geschützten Stelle im Wald gebracht", sagte sie mit einem tiefen Atemzug geradeheraus. "Von nun an werde ich mich um ihn kümmern und eines Tages werde ich ihn wieder reiten."

    Nach dieser Ankündigung trat atemlose Stille ein. Während Robin seine Liebste zunächst nur fassungslos anstarrte und ernsthaft meint, sich verhört zu haben, wappnete Marian sich innerlich für die Auseinandersetzung, die ihr nun ohne Zweifel bevorstand. Falls ein kleiner Teil von ihr noch immer gehofft hatte, Robin würde sie verstehen, so wurde sie enttäuscht.
    "Das wirst du ganz sicher nicht tun! Ich verbiete es dir!" rief Robin schließlich entsetzt aus. "Du hast mit eigenen Augen gesehen, wie unberechenbar der Hengst ist! Selbst wenn du ihn dazu brächtest, dich auf seinem Rücken zu dulden, würde er dich bei der erstbesten Gelegenheit abwerfen!" "Das würde er nicht", beteuerte Marian eindringlich. "Er hat mich gern und er vertraut mir. Ist es nicht so, Winniefred?"
    "Das ist wahr", bestätigte Winniefred, die sich bisher zurückgehalten hatte. "Der Hengst hat sie sofort ins Herz geschlossen und war in ihrer Nähe ganz ruhig." "Weil er froh darüber war, nach all der Gewalt in seinem Leben auch Zuneigung zu erfahren", entgegnete Robin aufgeregt. "Aber glaubst du im Ernst, du könntest ihn halten, wenn er beschließt, dass es genug der Zärtlichkeit ist? Ich werde nicht zulassen, dass du dich einer solchen Gefahr aussetzt!" "Ich glaube nicht, dass Shadow eine Gefahr ist", wandte Marian betont kühl ein. "Du hättest sehen sollen, wie sanftmütig er war, als ich neben ihm stand und ihn gestreichelt habe." "Du hast WAS!?" Nun war Robin noch entsetzter als zuvor. Wie konnte seine Geliebte nur so leichtsinnig und unvernünftig sein? "Ich verbiete dir, dich diesem Pferd noch einmal zu nähern!" rief er entschieden, beinah herrisch. "Das ist mein letztes Wort!"

    Traurig und wütend zugleich senkte Marian den Kopf und versuchte, die Tränen zu unterdrücken, die ihr in die Augen stiegen. Konnte Robin denn nicht sehen, dass Shadow nur Liebe brauchte und er mit seiner Strenge alles nur verschlimmerte? Wie konnte er nur so hartherzig sein?
    Robin spürte, wie es seiner Liebsten zumute war und spürte, wie seine Wut schwand. "Marian", flüsterte er sanft und wollte ihr tröstend über die Wange streicheln, doch die junge Frau sprang auf, lief ins Haus und schlug die Tür hinter sich zu.

    Winniefred hatte, ebenso wie ihr Bruder, fassungslos der Auseinandersetzung des Paares zugehört und war nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Streit gab bei den beiden selten und gewöhnlich gingen Robin und Marian sehr liebevoll miteinander um. Einstweilen hielt sie es für das beste, ihre Freundin zu trösten und folgte ihr ins Haus.
    Als sie eintrat, lag Marian schluchzend, das Gesicht in ihrem Kopfkissen vergraben, auf dem Bett. Leise setzte Winniefred sich zu ihr und strich ihr tröstend durch das Haar. Lass den Kopf nicht hängen, Marian", sagte sie und gab sich alle Mühe, aufmunternd zu klingen. "Shadow geht es gut, er wird schon irgendwie im Wald zurecht kommen und eines Tages wirst du auch wieder dein eigenes Pferd haben."
    Marian wandte ihrer Freundin das tränenüberströmte Gesicht zu und sah sie aus geröteten Augen an. "Robin entscheidet immer alles so, wie er es will", schniefte sie. "Aber er erlaubt mir nicht, nach meinem Willen zu entscheiden. Warum ist er so herzlos?" Aufs Neue verbarg sie ihr Gesicht in dem Kissen und weinte herzzerreißend.
    Wie gerne wollte Winniefred erwidern, dass Robin sich ernstlich Sorgen um sie machte und nur deshalb so handelte, weil er sie beschützen wollte. Doch andererseits fürchtete sie, Marian zu einer leichtsinnigen Trotzreaktion zu verleiten, wenn sie Robin jetzt in Schutz nahm. Also fuhr sie fort, ihrer Freundin Mut zuzusprechen und hoffte, dass sich die Sache von selbst wieder einrenken würde.

    Zur gleichen Zeit saßen Robin und Will noch immer am Tisch, doch der Appetit war ihnen gründlich vergangen. Will war über den Streit der beiden mehr als erschrocken, wußte jedoch nicht so recht, wie er seinen Cousin darauf ansprechen sollte. Über etwas belangloses zu reden erschien ihm andererseits aber auch fehl am Platz.
    So verging einige Zeit, bis Robins schweres Seufzen die unbehagliche Stille zwischen ihnen durchbrach. "Ich weiß genau, was Marian jetzt von mir denkt", murmelte er niedergeschlagen. "Sie hält mich für herzlos." "Das glaube ich nicht", wehrte Will sofort ab. "Sie kann nur noch nicht sehen, dass du Angst um sie hat und spürt im Augenblick nur die Enttäuschung." Er schüttelte den Kopf. "Aber irgendwie kann ich auch Marian verstehen", fuhr er nachdenklich fort. "Der Hengst ist wirklich ein prächtiges Tier und ich kann mir gut vorstellen, dass Marian sich zu ihm hingezogen fühlt." Nun war es Will, dem ein Seufzen entfuhr. "Aber wie ich das sehe, ist das Abenteuer wohl beendet." "Da bin ich mir bei Marian leider nicht sicher", entgegnete Robin ernst. Sein Cousin mochte sagen, was er wollte, er kannte seine Liebste gut genug um zu wissen, dass wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, das letzte Wort in dieser Sache nicht so leicht gesprochen war. Er würde sie in den nächsten Tagen gut im Auge behalten müssen.

    Am nächsten Morgen stahl Marian sich noch vor Sonnenaufgang hinaus in die Wälder und machte sich auf den Weg zu Shadow. Sie würde sich um den Hengst kümmern, egal ob Robin es ihr tausendmal verboten hatte oder nicht. Er konnte ihr gar nichts verbieten. Schließlich hatte sie einen eigenen Willen!
    Heimlich nahm sie auch eine Bürste und ein paar Äpfel mit, denn sie war sicher, dass ihr Schützling sich darüber freuen würde.

    Als Marian wenig später die Lichtung erreichte, stand Shadow friedlich grasend da und wirkte deutlich entspannter als noch am Tag zuvor. Ganz in seinen Anblick versunken achtete sie nicht auf den Weg und trat auf einen Zweig, der unter dem plötzlichen Gewicht laut knackend zerbrach. Sofort warf der Hengst den Kopf hoch und begann wieder, nervös zu tänzeln und zu wiehern.
    "Ruhig, Shadow", rief Marian ihm mit gesenkter Stimme zu und eilte zu ihm. Shadow schnaubte noch einmal, bevor er sich ihr zuwandte und sie aufmerksam ansah. "Ganz ruhig", flüsterte sie zärtlich. "Es gibt keinen Grund, sich zu fürchten. Sieh mal, was ich dir mitgebracht habe." Mit diesen Worten hielt sie dem Hengst einen Apfel unter die Nase. Shadow schnupperte neugierig, kam aber zu dem Schluß, dass er der jungen Frau trauen konnte. Behutsam nahm er die dargebotene Gabe aus ihrer Hand und kaute genüßlich, bevor er seine Nüstern sanft an ihrem Arm rieb.

    Marian lachte leise und streichelte ihn. "Was meinst du", begann sie sanft. "Sollen wir dich nicht ein bißchen putzen? Du willst doch bestimmt schön aussehen." Shadow wieherte und begann erneut, friedlich zu grasen. Marian nahm es als Einverständnis und begann, ihm vorsichtig Fell, Mähne und Schweif auszubürsten. Die übrigen Äpfel hatte sie vor ihn ins Gras gelegt, um ihn abzulenken und zu beruhigen.
    Der Hengst schien die ungewohnt liebevolle Behandlung zu genießen, denn er schnaubte immer wieder leise und war so ruhig wie noch nie zuvor. Nachdem sie die Fellpflege beendet hatte, blieb Marian neben Shadow stehen fuhr fort, ihn zu streicheln. "Hab keine Angst, mein Freund", sagte sie liebevoll. "Ich gebe dich niemals auf. Eines Tages werden wir beide mit dem Wind um die Wette laufen."
    Sie hielt inne und lachte erneut leise auf. "Wenn Robin uns so sehen würde", meinte sie sanft. "Das würde ihm ganz und gar nicht gefallen." "Nein, das tut es nicht!" Der schneidende Klang dieser Stimme brachte Marian grausam zurück in die Wirklichkeit. Erschrocken fuhr sie herum und sah in Robins wütendes Gesicht.

    Als Robin an diesem Morgen aufgewacht war, hatte er erschrocken festgestellt, dass Marian bereits fort war. Von einer bösen Vorahnung getrieben war er ihrer Spur gefolgt und hatte sie, wie nicht anders zu erwarten, bei Shadow auf der Lichtung vorgefunden. Dabei hatte er ihr den Umgang mit diesem gefährlichen Tier doch ein für allemal verboten! Als er jedoch den eindeutigen Beweis für Marians Ungehorsam sah, wurde er zum ersten Mal ernstlich zornig auf seine Geliebte.
    "Warum hörst du nicht auf mich, Marian?" fragte er mühsam beherrscht und deutete auf Shadow. "Der Hengst ist sehr gefährlich. Willst du das denn nicht verstehen?" "Doch Robin", erwiderte die junge Frau verzweifelt, fast flehend. "Aber du tust ihm bitter Unrecht! Ich weiß genau, dass ich ihn reiten kann!"

    Durch die Unruhe Marians und Robins wütende Stimme verängstigt, begann Shadow erneut, zu steigen und sich unruhig zu gebärden, was Robin nicht entging und ihn letztlich in seinem Urteil nur bestätigte. Er sah keine andere Möglichkeit, seine Liebste vor ihrem eigenen Leichtsinn zu schützen deshalb tat er etwas, was er eigentlich nicht wirklich wollte.
    "Du läßt mir leider keine Wahl", sagte er entschlossen. "Morgen werde ich den Hengst einfangen und fortbringen. Irgendwo gibt es bestimmt einen Pferdehändler, an den ich ihn gut verkaufen kann." Fassungslos sah Marian ihren Geliebten an und das Entsetzen sprach deutlich aus ihren Augen. "Robin, das kannst du doch nicht ernst meinen!" rief sie der Verzweiflung nah. "Als dein Gefährte ist es meine Pflicht, dich zu beschützen", erwiderte er aufgebracht. "Ich tue es nur zu deinem besten!" "Was du tust, ist für keinen von uns das beste!" rief Marian mit einer Mischung aus Wut und Hilflosigkeit. "Am liebsten würdest du mich doch in Fesseln legen, genau wie Shadow!" Tränenblind wandte sie sich ab und lief in den Wald hinein.

    Robin sah seiner Liebsten erschrocken nach. Hatte sie das ernst gemeint? Glaubte sie wirklich, dass er sie gefangen halten wollte? Dieser Gedanke war Robin nie auch nur im Traum gekommen. Er liebte Marian doch von ganzem Herzen und wollte sie nicht traurig sehen. Aber was sollte er sonst tun, um sie zu schützen?
    Bestimmt wird sie mich die nächsten Tage keines Blickes würdigen, dachte er seufzend. Aber mit der Zeit würde sie bestimmt einsehen, dass er im Recht war. Das hoffte Robin zumindest.

    Vollkommen am Boden zerstört war Marian zu ihrem Lieblingsplatz, einem kleinen See mitten im Wald gelaufen, wo sie nun weinend am Ufer saß und sich gar nicht mehr beruhigen konnte. Sie verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte Robin nur so hartherzig sein? Sah so seine Liebe aus? Dass er sie mit Gewalt von einem Freund trennen und wie einen zahmen Vogel im Käfig halten wollte?
    Heftiger Trotz stieg in Marian auf. Sie war doch nicht Robins Eigentum und das würde sie ihm auch beweisen! Ein Plan formte sich in ihrem Kopf und nahm langsam Gestalt an. Auf keinen Fall würde sie zulassen, dass Shadow verkauft wurde, sie würde ihn in Sicherheit bringen!
    Wäre Robin ihr sanft und verständnisvoll gegenüber getreten, vielleicht hätte Marian diesen folgenschweren Schritt dann nie gewagt. Aber er führte sich auf, als wäre sie sein zahmes Haustier, über das er nach seinem Belieben bestimmen konnte und nichts hätte sie mehr in ihrem Entschluß bestärken können. Er würde schon sehen, was er davon hatte!

    Erneut machte Marian sich auf den Weg zur Lichtung, auf der Shadow, verstört und verängstigt durch die heftige Auseinandersetzung, die er hatte miterleben müssen, noch immer unruhig auf und ab trabte. Sobald sie sich versichert hatte, dass Robin nicht in der Nähe war, ging sie langsam zu ihm. Als er die junge Frau erblickte, stieß der Hengst ein erfreutes Wiehern aus und rieb seine Nase zart an ihrer Wange. Marian lachte leise auf und streichelte ihn, wurde aber gleich darauf wieder ernst.
    "Hör mir gut zu, mein Freund", flüsterte sie eindringlich. "Ich weiß, wir kennen uns noch nicht lange, aber du mußt mir jetzt vertrauen und mich dich reiten lassen. Robin will dich morgen einfangen und an einen Pferdehändler verkaufen. Wir müssen jetzt zusammenhalten, nur gemeinsam können wir das verhindern."

    Shadow schnaubte leise und Marian hätte schwören mögen, dass er jedes Wort verstanden hatte. Eilig holte sie das Sattelzeug aus dem Versteck und zäumte ihn so behutsam wie nur irgend möglich auf. Der Hengst hielt ganz still, wehrte sich nicht und zeigte keinerlei Anzeichen von Mißtrauen oder Furcht. Marian streichelte ihn noch einmal ermutigend, bevor sie sich auf seinen Rücken schwang.
    In dem Augenblick, als sie im Sattel saß, raschelte es im Dickicht und gleich darauf betrat Robin die Lichtung. Als er seine Liebste auf Shadows Rücken sah, blieb er wie angewurzelt stehen und jegliche Farbe wich aus seinem Gesicht. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke, bevor Marian den Hengst antrieb und mit ihm wie der Wind im Gras davongaloppierte.

    Über eine Stunde ritten die beiden so durch die Wälder. Marian spürte, dass Shadow sich bereitwillig von ihr führen ließ und empfand es als reine Freude, ihn zu reiten. Er schritt schwungvoll aus und seine Tritte waren weich und federnd. Hin und wieder bekundete er seine Freude an dem unerwarteten Ausflug, indem er übermütig in die Luft sprang, was der jungen Frau jedes Mal ein fröhliches Lachen entlockte. Den Kummer und das Ungemach der vergangenen Stunden hatte sie fast vergessen und sie fühlte sich fast wieder wie zuhause. Doch die Pferde in den elterlichen Ställen waren Marian immer etwas zu brav erschienen. Ihnen fehlte das Feuer, das in Shadows Augen leuchtete. Trotzdem nahm der Hengst ihre Führung bereitwillig an und widersetzte sich ihr kein einziges Mal. Er vertraute ihr, das spürte sie genau und es machte sie unsagbar glücklich.

    Als die beiden eine weite, tief im Wald gelegene Wiese erreichten, zügelte Marian den Hengst und ließ sich erschöpft aus dem Sattel gleiten. So gehorsam Shadow sich auch verhalten hatte, verlangte er ihr doch einiges mehr ab, als die Pferde auf dem Schloß ihrer Eltern. Nun wollte sie eine Weile ruhen und setzte sich, nachdem sie den Hengst von Sattel und Zügeln befreit hatte, ins Gras.
    Shadow legte sich neben sie und rieb seine Nüstern erneut an ihrer Wange. Marian lächelte selig und kraulte ihn zärtlich hinter den Ohren. Der Hengst lag entspannt neben ihr und schien die Zuwendung, die sie ihm zuteil werden ließ, richtig zu genießen.
    "Du bist wirklich ein wundervolles Pferd", sagte sie liebevoll. "Wir bleiben zusammen, das verspreche ich dir. Aber wir ruhen uns lieber eine Weile aus, bevor wir weiterreiten." Sie streckte sich im Gras aus und schloß die Augen, während Shadow über sie wachte.

    Zwei Stunden vergingen, bis Marian den Hengst wieder sattelte. Nun ritt sie in ruhigem Schritt, denn sie hatte bereits eine gute Strecke hinter sich und somit Eile mehr. Kurz nachdem sie die Wiese hinter sich gelassen hatten und wieder in den Schatten des Waldes eingetaucht waren, versperrten ihnen einige große Felsen den Weg.
    "Wir suchen uns besser einen anderen Weg", meinte die junge Frau unsicher und wollte den Hengst auf einen anderen Weg führen, doch Shadow schnaubte und schüttelte unwillig den Kopf. "Du willst darüber springen?" fragte Marian, doch es klang nicht überrascht. Sie hatte auf den ersten Blick erkannt, dass Shadow ein abenteuerlustiger Kerl war. Und was konnte schon passieren? Sie war eine geübte Reiterin und das Hindernis war nicht übermäßig hoch. Also beschloß Marian, es darauf ankommen zu lassen. Sie ritt ein Stück weit zurück, damit Shadow genügend Anlauf nehmen konnte und trieb ihn an.
    Der Hengst lief auf das Hindernis zu und sprang kraftvoll ab. Er überwand die Felsen als würde er fliegen und Marian strahlte überglücklich. Doch als er auf der anderen setzte aufsetzte, spürte sie plötzlich, wie der Steigbügel unter ihrem rechten Fuß plötzlich nachgab. Mit einem erschrockenen Aufschrei verlor sie den Halt und schlug hart auf dem Boden auf. Vor ihren Augen wurde es schwarz und dann wußte sie nichts mehr.

    Zur selben Zeit war Robin in heller Sorge um seine Geliebte. Nachdem Marian direkt vor seinen Augen davongeritten war, war er vollkommen aufgelöst zu ihrem Unterschlupf gelaufen und durchstreifte nun schon seit Stunden mit Will den Wald, auf der Suche nach ihr.
    "Ich hätte dieses Pferd sofort einfangen und fortbringen sollen", murmelte er immer wieder vor sich hin. "Ich hätte wissen müssen, dass Marian nicht auf mich hören würde." "Du hättest versuchen sollen, sie zu verstehen, anstatt sie mit deinen Drohungen zu verängstigen", entgegnete Will ernst.
    Daraufhin schaute Robin seinen Cousin ungläubig an. "Heißt das, du bist jetzt auf ihrer Seite?" fragte er erstaunt. "Ich versuche doch nur, Marian zu beschützen." "Hast du ihr das auch irgendwann mal gesagt?" gab Will ungerührt zurück. "So, wie du dich aufgeführt hast, muß Marian doch glauben, dass du sie als deinen Besitz ansiehst und das hat sie auch zu dieser Verzweiflungstat getrieben. Hättest du ihr von Anfang an offen und ehrlich gesagt was du fühlst, hätte sie dich auch verstehen können. Marian ist kein Mensch, der andere so einfach über sich bestimmen lässt, nicht einmal den Mann, den sie liebt."

    Robin wurde nachdenklich. Jedes Wort, das sein Cousin sagte, war wahr. Marian war keine Natur, deren Fügsamkeit so einfach erzwungen werden konnte. Sie hatte ihren eigenen Kopf und einen starken Willen und das hatte er an ihr auch immer bewundert. Niemals würde er seine Liebste demütig und unterwürfig sehen wollen. So, wie sie war, liebte Robin sie von ganzem Herzen.
    Wie Will bereits angedeutet hatte, wollte sie wahrscheinlich nur, dass er ihr Gefühl und Verständnis entgegenbrachte. Er mußte Marian einfach nur sagen, dass er sie über alles liebte und es niemals verzeihen könnte, wenn ihr etwas zustoßen würde. Im Innersten betete er inbrünstig, dass seine Geliebte ihm die Chance geben würde, das Unrecht wiedergutzumachen, das er ihr zugefügt hatte. Wenn er sie nur erst gefunden hätte!

    Endlich erreichten die beiden Cousins die Stelle, an der sich das Unglück ereignet hatte. Robins Herz setzte einen Schlag aus, als er Marian bewußtlos und ohne ein Lebenszeichen im Gras liegen sah. Sofort eilte er an ihre Seite und kniete sich neben sie. Auch Shadow hatte sich in einer beschützenden Geste neben sie gelegt und stupste sie immer wieder sachte mit der Nase an. Bei diesem Anblick erwärmte Robins Herz sich zum ersten Mal für dieses Pferd und er erkannte, wie sehr er ihm Unrecht getan hatte. Das Tier war nicht bösartig, nur verängstigt. Es brauchte nichts weiter als Liebe und offenbar war es Marian gelungen, sein Vertrauen zu gewinnen. Außerdem hatte sie ihm einen Namen gegeben, wie Robin sich nun erinnerte. Er konnte die beiden nicht einfach trennen.

    Mit aller Behutsamkeit untersuchte Robin seine Geliebte und war beinah erleichtert, als sie kurz aufstöhnte. Marian lebte! "Sie ist bewußtlos", sagte er leise. "Aber ob und wie schwer sie verletzt ist, kann ich sagen. Am besten bringen wir sie auf dem schnellsten Weg zu Bruder Tuck."
    Mit einer Hand ergriff Robin vorsichtig Shadows Zügel und bedeutete ihm aufzustehen, mit der anderen streichelte er sanft das weiche Fell an seinem Hals. Der Hengst stand gutwillig auf und wehrte sich nicht gegen seine Berührung, als spürte er, dass sich Robins Einstellung ihm gegenüber gewandelt hatte.

    "Robin, sieh dir das an!" rief Will plötzlich erschrocken aus. "Der rechte Steigbügel ist abgerissen! Mit Sicherheit ist Marian deshalb vom Pferd gestürzt." Robin sah sich den Steigbügel genauer an und runzelte die Stirn. "Nicht nur abgerissen", gab er ernst zurück. "Dafür ist der Riss viel zu glatt. Der Steigbügel wurde angeschnitten."
    Nun wurde den beiden einiges klar. "Also haben die Soldaten das Pferd absichtlich hier im Wald zurückgelassen", meinte Will nachdenklich. "So brauchte Lord Alwine nur darauf zu warten, dass einer von uns bei dem Versuch, es zu reiten stürzt und an den Folgen stirbt." "Wahrscheinlich", stimmte Robin ernst zu. "Marian ist, wie es aussieht noch einmal mit dem Schrecken davongekommen. Trotzdem braucht sie sofort Hilfe."
    Damit wandte er sich wieder dem Hengst zu. "Ist schon gut", flüsterte er sanft. "Es war nicht deine Schuld. Du mußt uns jetzt helfen, Marian nach Hause zu bringen." Shadow hielt ganz still, als Robin seine Geliebte so vorsichtig wie möglich auf seinen Rücken hob und sie dort festhielt, während Will ihn am Zügel führte. So machten sie sich auf den Weg.

    Einige Zeit später standen Robin und Will mit Shadow vor Bruder Tucks Hütte, während dieser Marian drinnen untersuchte. Robin litt Höllenqualen vor Angst um seine Liebste. War dieses Unglück nicht allein seine Schuld? Wäre er nicht so stur gewesen, hätte Marian nicht etwas so Unüberlegtes getan und wäre nicht verunglückt. Aber er schwor sich, ihr von nun ein liebevollerer Gefährte zu sein und sie glücklich zu machen.

    Nach scheinbar einer halben Ewigkeit trat endlich Bruder Tuck vor die Hütte. "Mach dir keine Sorgen mehr", wandte er sich freundlich an Robin. "Marian wird wieder ganz gesund werden und keine bleibenden Schäden davontragen. Glücklicherweise hat sie sich bei dem Sturz vom Pferd keine inneren Verletzungen zugezogen. Am besten wäre es, wenn ihr beide ein paar Tage hier bleibt, damit sie Bettruhe halten und sich erholen kann."
    Robin nickte erleichtert und wollte gerade in die Hütte gehen, als Will ihn zurückhielt. "Mach ihr keine Vorwürfe", bat er eindringlich. "Marian wollte dir ganz bestimmt keinen Kummer machen." Robin schüttelte leicht den Kopf, als wollte er seinen Cousin stumm dafür tadeln, dass dieser so etwas auch nur denken konnte. "Ich würde ihr niemals Vorwürfe machen", entgegnete er freundlich und ging hinein.

    Marian lag mit geschlossenen Augen im Bett, als Robin eintrat, doch ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig. Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante und ergriff zart ihre Hand. "Marian", rief er sanft. "Kannst du mich hören, Liebste?" Erleichtert sah er, wie ihre Lider flatterten und sich gleich darauf ihr klarer Blick auf ihn richtete. "Robin", hauchte sie glücklich, als sie ihn erkannte. "Wo bin ich?" "Bei Bruder Tuck", erklärte er liebevoll. "Du hattest einen Unfall und sollst noch ein paar Tage im Bett bleiben. Wenn du dich schonst, bist du bald wieder auf den Beinen."
    Als die Erinnerung in ihr aufstieg, richtete die junge Frau sich erschrocken im Bett auf. "Wo ist Shadow?" fragte sie besorgt. "Ihm ist doch hoffentlich nichts passiert?" "Er ist draußen bei Will", antwortete Robin lächelnd. "Wir haben euch gefunden und hierher gebracht. Ihm geht es gut, aber er macht sich auch Sorgen um dich. Deshalb mußt du so schnell wie möglich wieder gesund werden und ihn beruhigen." "Das mache ich", versprach Marian leise.

    Robin schwieg eine Weile und dachte angestrengt über seine nächsten Worte nach. Er wollte Marian so vieles sagen, aber wo sollte er anfangen? Alles, was er tun mußte, war ihr zu sagen, was er fühlte, doch gerade das war so schwer!
    "Ich weiß, dass ich dir manchmal hart und ... herzlos erscheine", fuhr er schließlich zaghaft fort. "Ich verbiete dir wirklich nicht gerne etwas, im Gegenteil, mehr als alles andere auf der Welt möchte ich dich glücklich sehen. Aber manchmal habe ich Angst um dich und will dich mit aller Macht beschützen, weil ich ... " Er stockte erneut. "Weil ich ..." "Weil du mich liebst", vollendete Marian den Satz lächelnd für ihn. "Und ich liebe dich auch." Robin strahlte seine Geliebte überglücklich an und schloß sie in eine behutsame Umarmung. So sollte es für immer zwischen ihnen sein. Nie wieder wollte er sich mit ihr streiten.

    "Aber du darfst Shadow nicht verkaufen, Robin", bat Marian ihren Liebsten gleich darauf eindringlich. "Bitte, du darfst das nicht tun." "Natürlich nicht", versprach er ihr liebevoll. "Ihr beide seid unzertrennlich, also soll euch auch niemand trennen. Shadow soll bei dir bleiben und sobald du wieder auf den Beinen bist, bringen wir ihn zurück auf seine Lichtung. Dort kann er frei laufen und du kannst zu ihm, wann immer du willst."
    Erneut fiel Marian ihrem Geliebten stürmisch um den Hals, kaum fähig zu glauben, dass all das wirklich geschah. Robin hatte sein Unrecht eingesehen, sie hatten sich versöhnt und Shadow würde bei ihnen bleiben! "Ich danke dir", flüsterte sie zärtlich. "Und er bestimmt auch."

    Noch am selben Abend, als Marian sich weitgehend von dem Schrecken erholt hatte, nahm Robin sie behutsam auf die Arme und trug sie vor die Hütte, wo Shadow, inzwischen von Sattel und Zaum befreit, friedlich grasend am Waldrand stand. Als Marian ihn leise rief, wieherte er freudig und trabte zu den beiden hinüber. Als sie ihr Pferd streichelte, strahlten ihre Augen vor Glück.
    "Du mußt nie wieder fort, mein Freund", sagte sie liebevoll. "Du wirst bei uns bleiben. Der Hengst schnaubte und wandte sich Robin zu, als erwartete er eine Bestätigung von ihm. Dieser nickte und streckte ebenfalls seine Hand aus, um Shadow zu streicheln. "Ich habe dir Unrecht getan", gestand er sanft. "Natürlich bleibst du bei uns und ich hoffe, dass du Marian auch weiterhin ein treuer Freund sein wirst." Shadow wieherte laut zur Bestätigung und Robin lächelte.

    "Wir könnten, sobald du dich wieder erholt hast, zum Schloß deiner Elternreiten und dort einen neuen Steigbügel anfertigen lassen", schlug er wenig später vor. "Dann kannst du Shadow wieder sicher reiten." Marian nickte begeistert. "Ja, das machen wir", stimmte sie freudig zu. Robin hatte ihr bereits vor wenigen Stunden von Wills Entdeckung an Shadows Sattel erzählt und sie war noch immer zutiefst entsetzt bei dem Gedanken, in welcher Gefahr sie geschwebt hatte. "Dann kann ich auch endlich meine Eltern besuchen und ihnen zeigen, was für einen wundervollen Gefährten ich habe, den ich über alles liebe."
    Bei diesen Worten stiegen Robin vor Glück die Tränen in die Augen. Noch vor kurzem hatte er die schlimmsten Ängste ausgestanden, Marian für immer verloren zu haben und nun lag sie in seinen Armen und schmiegte sich vertrauensvoll an ihn. "Ich liebe dich auch", erwiderte er sanft. "Für immer und ewig."
    Zärtlich schlossen die beiden einander in die Arme und gaben sich einen langen, innigen Versöhnungskuss.

    Von diesem Tag an führte Shadow ein gutes Leben bei Robin, Marian und der übrigen Sherwood-Bande. Niemals wieder stand eine Streitigkeit zwischen den beiden Liebenden.

    ENDE



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