
Rezension von: Christel Scheja
Auch im zweiten Band will Under Grand Hotel weiterhin kein Sozialdrama sein, in dem die Atmosphäre aus Gewalt und Grausamkeit in amerikanischen Gefängnissen realistisch wiedergibt und kritisiert.
Das Setting dient eher als Kulisse für die harte leidenschaftliche Liebesgeschichte, in der es keine Kompromisse und eine klare Stellung der Gefährten gibt. Sword Fish bleibt der Seme, der sich nimmt, was er haben will, während sich Sen als Uke den Stärkeren unterordnet.
Das Verhältnis ist von Gewalt geprägt, selbst der Sex ist nur selten eine liebevolle Angelegenheit. Die Künstlerin bedient munter alle Klischees, die man in dieser Spielart der Boys Love finden kann. Der junge Gangleader verliert niemals sein Gesicht und hat eine große Klappe, während Sen genau weiß, wann er den Mund halten muss. Aber auch er ist mittlerweile verroht und kämpft auf seine Weise.
Gerade in diesem Band ist das intime Beisammensein der Helden von Unterordnung und Gewalt geprägt, so dass die Altersempfehlung nicht ohne Grund gewählt wurde, denn die Geschichte richtet sich an erwachsene Leser, die bereits mit dem Inhalt umgehen können. Denn die Vergewaltigungen sind in diesem Fall nur als besondere erotische Spielart zu sehen und haben absolut nichts mit der Wirklichkeit zu tun.
Letztendlich wendet sich die Geschichte, die mit diesem Band abgeschlossen ist an erfahrene Boys Love Fans, die nichts gegen leidenschaftlich harten Sex haben, in dem Freiwilligkeit der Partner nicht immer gegeben ist und der auch noch sehr explizit gezeichnet wird. Allerdings sollte man ein nicht all zu zartes Gemüt haben, denn Liebe und Zärtlichkeit sind hier nur selten zu finden. Auch diesmal passen Zeichnungen und Sprache sehr gut zum Thema, so dass die Atmosphäre stimmt.
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