Hallo,
gestern Abend habe ich im Keller nach etwas Bestimmtem gestöbert, gefunden habe ich etwas ganz anderes (das an diesen Ort eigentlich auch gar nicht hingehört):
Das LTB 154: Phantomias und die Dünnli-Diät
Die eigentliche Suche habe ich vorerst abgebrochen und mir gestern und heute diesen Band zu Gemüte geführt.
Jetzt bekommt Ihr meine (erste) Rezension zu lesen
Schon der Cover wirkt interessant und verbreitet einen spannenden Eindruck - ganz ohne Glitzer- und Action-Effekte: Ein ermatteter Phantomias schleicht des Nachts durch Entenhausens Gassen, während im Haus im Hintergrund eine strahlende Daisy Fernseh glotzt - ein passendes Titelbild zur namensgebenden Geschichte "Phantomias und die Dünnli-Diät".
Die Geschichten halten, was der Einband verspricht: Wir haben hier eine der Top-Ausgaben in den Händen, eben aus der Glanzzeit des LTB. Zwar ist kein echtes "Highlight" vorhanden, aber alle Storys sind fabelhaft umgesetzt und bestens zu lesen.
Das erwartet uns in Band 154:
Phantomias und die Dünnli-Diät (32 S.)
Ein gewisser Dr. Dünnli versetzt alle Entenhausener Hausfrauen in Schlankheitswahn, mit seinen speziellen Diäten. Doch nicht nur das: die Frauen übertragen dies auch prompt auf ihre Männer, die davon selbstredend alles andere als begeistert sind. Davon sind auch Daisy und Donald betroffen. Als die Entenhausener Männer einen Einbruch in den größten Supermarkt planen, ist Phantomias endgültig auf der Hut, denn auch er will seiner Hungerkur, die Daisy angezettelt hat, ein Ende bereiten. Er deckt den wirklichen Schwindel um Dr. Dünnli und seine Diät auf, mit einem Ende, das mal wieder typisch ist für Donald ...
Erstklassig umgesetzte Story, mit viel Spannung und Witz, die jeder Phantomias-Fan unbedingt gelesen haben sollte.
Wer fliegt, hat mehr vom Leben (53 S.)
Goofy ist neuerdings im Flugverein, sein neues Hobby ist das Fliegen von Ultraleicht-Flugzeugen. Auch Micky ist davon schnell angetan, wird zu Hause aber von Kommissar Hunter überrascht, der Micky den Fall "Samtpfote" anvertraut: Ein Einbrecher raubt Juweliere und Ölscheichs aus, ohne die klitzekleinste Spur zu hinterlassen.
Selbst Micky tappt in diesem Fall eine Weile im Kreis herum, bis er Dank Goofys Tollpatschigkeit und einem Zufall (dem Vertauschen einer Jacke mit Indizien) auf die Idee kommt, dass der Täter in Goofys Flugverein weilen muss. Sie stellen ihm eine Falle - in die er jedoch nicht tappt. Goofy bekommt später die Wohnadresse des Täters mit, wo sich Micky daraufhin umschaut und so den "Super-Leichtflieger" überführen kann.
Klassische Detektivstory, ganz ohne "Kaschperlmicky", in der die eigentliche Hauptrolle eigentlich Goofy mit seiner Fliegerei einnimmt. Prima gezeichnet und getextet. Eine Geschichte mit sehr dichter Atmosphäre, die einem im Gedächtnis bleibt.
Die Brücke von Messina (36 S.)
Die Ducks bekommen im Fernsehen mit, wie sich die Touristen regelrecht um die Mitfahrt auf der Fähre nach Sizilien prügeln. Dagobert wittert da sogleich ein Geschäft, indem er eine Brücke bauen und "Maut" verlangen könnte. Diese Idee ruft auch Klaas Klever auf den Plan, der sich jedoch zunächst im Hintergrund hält und Duck nur beschatten lässt.
Doch das mit dem "einfach eine Brücke" bauen erweist sich aus verschiedenen geologischen und topografischen Schwierigkeiten als ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst vor Ort, ist Dagobert kurz davor, das Projekt einzustellen - bis die Sippe zufällig auf einen Fischer stößt, der Korallen züchtet. Die drei Neffen haben die Idee: die Brücke könnte doch auf natürliche Art hinüberwachsen!
Doch der Fischer will die Korallen nur verkaufen, wenn Dagobert ihm zwei Wünsche erfüllt: im teuersten Restaurant zu speisen und mit einer Filmdiva einen Film zu drehen ... missmutig willigt Dagobert ein.
Doch da taucht Klever auf, der in der Nacht vor der Übergabe die Korallen mit einem Betäubungsmittel sabotiert, sodass sie nicht wachsen.
Dagobert hat die Schnauze voll und winkt tags darauf genervt ab, und so baut Klever die Korallen-Brücke, der nach deren Eröffnung groß gefeiert wird.
Doch was keiner gedacht hat: dass sich jeder Tourist ein Stück Koralle abreißt und als Souvenir mitgehen lässt ... dadurch wird die Brücke von den Massen regelrecht eingerissen und Klever zu Schadensersatz verdonnert.
In dieser Geschichte wird jeder Dagobert-Skeptiker überzeugt, dass sich auch mit dem Duo Dagobert + Klaas höchst amüsante und interessante Storys kreieren lassen. Die Geschichte ist atmosphärisch sehr dicht strukturiert, wirkt durchdacht und lässt keine Fragen aufkommen. Empfehlenswert!
Das Geheimnis des Altlanta-Vierecks (40 S.)
Beim Fernsehen klingelt ein mysteriöser Typ namens Hedin an Mickys Haustür, welcher eine Verabredung am nächsten Tag mit Micky am Entenhausener Hafen organisiert, um dem Geheimnis des Atlanta-Vierecks auf die Spur zu kommen. Herr Hedin hat ein Schiff samt Besatzung organisiert, und so stechen sie in See und sind tagelang unterwegs. An einer Stelle mit roten Flecken auf dem Meer stoppen sie; Micky und Hedin tauchen mit einem kleinen U-Boot unter Wasser. Dort entdekcen sie eine geheimnisvolle Unterwasserbasis, die natürlich erkundet wird und in der tödliche Gefahren lauern. Bei einem Verteidigungsmanöver wird der Selbstzerstörungsmechanismus der Basis aktiviert, unsere Freunde fliehen und tauchen auf. Oben auf dem Schiff weiß plötzlich weder Hedin noch sonst jemand mehr etwas von dieser Basis, was Micky stutzig macht. Er findet heraus, dass Hedin ein Außerirdischer war, der die Mission hatte, seine jahrtausendealte Basis auf der Erde zu zerstören.
Die Story liest sich jetzt etwas abstrakt, ist aber ebenfalls sowohl vom Bild als auch von der Textur auf sehr hohem Niveau. Da am Ende alle beim Leser noch offenen Fragen geklärt werden, ist auch die Storyline gut verständlich - trotz dem Einsatz eines Außerirdischen. Nach solchen, sehr solide zu lesenden Micky-Geschichten würde man sich in den heutigen LTB-Ausgaben alle 10 Finger lecken.
Die Königin vom Verlorenen See (54 S.)
Alles beginnt damit, dass sich die Ducks zu einem "Pioniertreffen" mitten in der Prärie verabreden und dort auch mit Oma Ducks alter Pferdekutsche hinfahren. Nachdem das Lager aufgebaut ist, erzählt Oma am Abend die einfühlsame Geschichte des Johnny Melody:
Ein junger einsamer, musikalischer Hirte im Wilden Westen war gerade auf dem Weg zur Farm von Bekannten. Im Saloon gibt es eine Auseinandersetzung mit wenig gastfreundlichen Herrschaften. Johnny löst das Problem elegant mit seiner Gitarre, doch das ruft die Herren erst recht auf den Plan: Sie wollen ihm am Geierpass eine ordentliche Abreibung verpassen. Um dem zu entgehen, reitet Johnny durch die Wüste - vorbei am Verlorenen See. Dort ging das Wasser zur Neige und er stimmte ein letztes Mal auf seiner Gitarre an, mit der Folge, dass sich der See mit Wasser füllte und eine Nixe am Ufer erschien. Die beiden wollten zusammen bleiben, doch der See hatte etwas dagegen: das Wasser riss Johnny mit sich fort. Die Nixe hinterließ ihm einige Beutel voll Wasser und eine geheimnisvolle Zeichnung ...
Johnny wurde Sänger, ein sehr beliebter und erfolgreicher Sänger, doch hinter das Geheimnis der Zeichnung vom Verlorenen See kam er all die Jahre nie - bis er eines Tages, schon zum Greis ergraut, eine alte Dame traf, die ihm die Zeichen deutete: "Ihr werdet Euch wieder sehen!"
Johnny sagte sein letztes Konzert ab und ritt auf seine alten Tage noch einmal in die Wüste zum Verlorenen See zurück, wo er sogleich sein Instrument anstimmte. Der See füllte sich wieder, und durch die Kraft von Johhnys Lieder konnte sich die Nixe in ein Mädchen verwandeln, und sie bleiben für immer zusammen.
Die Story liest sich vielleicht ein wenig schnulzig, ist sie aber nicht. Dank der Erzählkunst von Oma Duck merkt man diese Liebesromanze erst, nachdem man sie gelesen hat. Dabei fällt positiv auf: Endlich mal eine Geschichte mit dem Duck-Clan, bei der es nicht um das liebe Geld geht. Spitzenklasse!
Nachbarschaftshilfe (41 S.)
Der Inhalt dieser Geschichte ist in groben Worten eigentlich schnell erklärt:
Bei Micky zieht eine neue Nachbarin ein, nachdem Max ausgezogen ist: Die blonde Schauspielerin Gisela Gablonz. Micky, von natur aus gutmütig und hilfsbereit, tut sein Bestes, um der neuen Nachbarin das Haus wohlig einzurichten, was natürlich prompt wie es der Zufall will von Minni beobachtet wird. Durch einige weitere Zufälle wird Minnis Eifersucht weiter hochgeschaukelt, und so handelt die Story im Prinzip davon, wie sich Micky und Minni wieder zusammenraufen.
Zeichnerisch ebenso brillant verwirklicht, ist es sehr entspannend, mal eine Geschichte bar jeder Action zu lesen, ohne dass dabei die Handlung und der Unterhaltungswert auf Null sinkt. Ebenfalls empfehlenswert.
So war das nicht gedacht (2 S.)
Dies ist ein netter Zweiseiter - mit Strolchi als Hauptfigur (wann haben wir denn von dem zum letzten Mal etwas zu sehen bekommen?).
Strolchi will seinem angeketteten Freund Bobby etwas Abwechslung bringen und beauftragt eine Katze, ein paar Hunde zu Bobby zu lotsen - nichtsahnend, dass Bobby samt seiner Hundehütte der Katze genauso wie die anderen Hunde hinterherhechelt.
Ein gelungener Gag zum Abschluss dieses Bandes, wie ich finde.
So, nun bin ich gespannt, was Euch noch so zum LTB 154 einfällt.
Viele Grüße,
SG