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Alt 05.10.2005, 17:46   #1
Silly Symphony
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Registriert seit: 07.2005
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Beiträge: 1.367
LTB 166 - Auf König Midas' Spuren

Da ich am Samstag für ein paar Tage in den Urlaub abhaue, erlaube ich mir, jetzt schon die nächste LTB-Rezension aufzufahren.
Heute kommt also LTB 166, „Auf König Midas’ Spuren“, zur Durchleuchtung. Das Buch ist zurzeit in Neuauflage unter demselben Titel erhältlich. Ich habe für diesen Text die Neuauflage von 2005 gelesen.

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Die Storys:

-„Auf König Midas’ Spuren“ (57 Seiten): In meiner letzten Rezension (LTB 43) hatte ich über den Autoren Rodolfo Cimino geschimpft – und dieses LTB beginnt mit einer Cimino-Geschichte. Ich schimpfe also weiter. Auch diese Story ist aus zum Teil inkompatiblen Versatzstücken zusammengeschustert, und wie schon so oft, überträgt hier ein Tier durch blosse äusserliche Berührung eine bestimmte Eigenschaft auf Donald (hier ist es der „golden touch“, d.h. das Verwandeln von Eisen in Gold).
Weil Dagobert beim Spardosen-Knacken einen Schlag auf den Kopf abkriegt, fällt er in eine Art Trance und träumt von König Midas’ Geheimnis. Als er wieder zu sich kommt, weiss er, wie Midas seine Fähigkeit, Eisen durch blosse Berührung in Gold zu verwandeln, erlangt hat: Durch einen Zusammenstoss mit einem so genannten Goldwidder. Sofort wird eine Expedition zur gestartet, deren Ziel das Auffinden des Goldwidders ist.
Die letzten 16 Seiten, in denen Donald für Dagobert Gold herstellen muss, sind noch am besten gelungen. Die vorhergehenden 40 Seiten dienen einzig der umständlichen Herleitung dieses Zustandes, wobei sich der Lauf der Dinge oft völlig unmotiviert entwickelt (wozu um alles in der Welt müssen sich die Ducks durch das eisige Tor hindurchschmelzen?) und Ereignisse ohne jede Glaubwürdigkeit einfach herbeibehauptet werden (z.Bsp. die Fähigkeit, Gold zu machen, die sich durch den Stoss eines Goldwidders einfach so überträgt). Oder der Torwächter: Wenn der schon so auf Selbstbereicherung aus ist, weshalb lässt er sich dann nicht einfach von einem Goldwidder stossen, statt seine Tage mühsam mit Wache Schieben zu verbringen? Zuviel Ungereimtes und ein sadistischer Schluss verderben den Spass an dieser Geschichte. Die Zeichnungen von Paolo Mottura bewahren die Geschichte knapp vor der roten Einfärbung!
Storycode: IS TL 1839-A

-„Die Geheimwaffe des Pharaos“ (71 Seiten): Um Klassen besser nun die folgende, von Sergio Asteriti gezeichnete Geschichte, die von Manuela Marinato und deren Ehemann Giorgio Pezzin geschrieben wurde. Hier zeigt sich mal wieder, was eine gute Geschichte ausmacht: So wird u.a. deutlich, dass Asteritis Stil durchaus seinen Reiz hat. „Die Geheimwaffe des Pharaos“ jedenfalls ist abwechslungsreich und von der Bilddramaturgie her durchaus interessant gestaltet.
Zu Beginn der Geschichte treffen wir Professor Marlin im alten Ägypten an. Gerade hat er eine (dem Leser noch nicht bekannte) Mission abgeschlossen. Kurz vor seiner Rückreise wird er von ägyptischen Söldnern gefangen genommen, die in ihm einen hethitischen Spion vermuten. Beim dabei entstehenden Handgemenge verliert er die Fernbedienung der Zeitmaschine – die Professor Zapotek Jahrhunderte später bei Nachforschungen im Tal der Könige ausgräbt. Alarmiert reist er mit Micky und Goofy in der Zeit rückwärts, um den verschollenen Marlin im alten Ägypten zu finden…
Die herrlich gewitzte Geschichte spielt mehrere Male mit den Erwartungen des Lesers – um sie dann später zu durchkreuzen. Das Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen ist köstlich, und man wird mehrmals überrascht von Wendungen und Lösungen, die man die ganze Zeit unbemerkt vor der Nase hatte. Toll! Für mich die beste Geschichte dieses Bandes – dicht gefolgt von der folgenden!
Storycode: IS TL 1844-B

-„Eine Platz sparende Erfindung“ (32 Seiten): Eine ganz köstliche Idee auf gelungene Art umgesetzt: So macht LTB Spass!
Daniel Düsentrieb erfindet für den Unordnung-geplagten Donald einen so genannten „dualen Materialisations-Kopierer“ (D.M.K.), ein wahrhaft geniales Kopiergerät, welches sperrige Gegenstände zwecks besserer Verwahrung auf ein A4-Papier bannt. Wird der Gegenstand wieder benötigt, legt man die „Kopie“ auf den D.M.K. und drückt den gelben Knopf – voila, da ist er wieder.
Dagobert Duck bringt das Gerät an sich und wirft es großflächig auf den Markt – ein Verkaufsschlager. Doch bald darauf macht sich ein eklatanter Fehler auf unangenehme Weise bemerkbar… Zum piepen!
Die Geschichte stammt von Fabio Michelini (Text) und wurde von Corrado Mastantuono (Zeichnungen) auf höchst ansprechende Weise umgesetzt.
Storycode:I TL 1837-C

-„Zu Besuch im alten Rom“ (32 Seiten) weilt Goofy in dieser zweiten Zeitmaschinen-Geschichte, die von Alessandro Sisti (Text) und Luciano Gatto (Zeichnungen) kreiert wurde. Sie hält allerdings einem Vergleich mit der ersten Zeitmaschinen-Story dieses Bandes nicht stand. Dafür ist ihr Strickmuster zu simpel.
Weil Professor Marlin mal wieder in der Vergangenheit verloren gegangen ist, lässt sich Goofy ins alte Rom versetzen, um ihn zu suchen. Dort trifft er auf seinen Ur-ur-ur-ur-usw.-Ahnen, der ihm behilflich ist.
Für den Leser ist der Aufenthaltsort Marlins bereits ganz zu Beginn sonnenklar. Nicht nur deshalb langweilt Goofys umständliche Spurensuche ziemlich schnell; auch die weitgehende Witzlosigkeit, mit der sie erzählt wird, ist einem positiven Eindruck eher abträglich. Und die an sich vielversprechende Idee mit dem Hamburger-Anachronismus rettet die Sache auch nicht, da sie einfach in den Sand gesetzt wird.
Storycode: I TL 1841-B

-„Total normal…“ (8 Seiten): Ein Seitenfüller aus Brasilien, geschrieben von Gérson L.B. Teixeira, gezeichnet von Robert O. Fukue. Minni schickt Micky wegen seiner Räuber-Phobie zum Psychiater, der ausgerechnet kurz vor Mickys Auftauchen überfallen und durch den Dieb selbst ersetzt wurde. Billig und plump.
Storycode: B 850040

-„Das Pendel des Ekol“ (60 Seiten): Geschrieben von Bruno Sarda, gezeichnet von Franco Valussi. Eine überzeugend geschriebene, spannend zu lesende Story, die in groben Zügen an Umberto Ecos Roman „Das Foucaultsche Pendel“ angelehnt ist, bildet den Abschluss dieses Bandes.
Dank einer Verkettung haarsträubender Glücksfälle bringt Gustav Gans die zwei Schmalspur-Reporter Donald und Dussel auf die Spur eines jahrhundertealten Geheimbundes, welcher sich der Suche nach dem sagenhaften Stein der Weisen verschrieben hat, und der bis heute überlebt hat. Dessen Mitglieder versuchen, des Trios habhaft zu werden, da es drauf und dran ist, ein Geheimnis zu lüften, dessen Aufdeckung dem Bund seit Jahrhunderten nicht gelang. Natürlich haben auch Dagobert und die Panzerknacker von der Sache Wind gekriegt. Im Schloss des Ekol treffen dann die unterschiedlichen Parteien aufeinander, und jede versucht, die andere aufs Kreuz zu legen…
Obwohl Dussel hier mitspielt, ist die Geschichte sehr gut erträglich – damals scheint er noch keine so penetrante Nervensäge gewesen zu sein. ´
Noch besser würde man diese Geschichte in Erinnerung behalten, wenn all die schön gesponnenen Handlungsfäden zu einem befriedigenderen Abschluss gewoben worden wären.
Storycode: IS TL 1842-A

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Fazit: Ein gut gelungenes LTB! Der überwiegende Teil der vorhandenen Comic-Seiten bereiten Lesevergnügen. Diesmal ist es die Asteriti-Geschichte, die für mich am besten abschneidet, dicht gefolgt von Mastantuono.
Ein ganz großer Wurf ist nicht dabei, aber zur Leseempfehlung reicht’s allemal!

Der nächste Band, den ich mir diesmal per Ebay vor die Nase gesetzt habe, ist LTB 252, „Happy Birthday, Micky“. Kürzlich hatte kater karlo einen Thread dazu eröffnet – und der hat mich sehr neugierig gemacht. Mein Senf dazu in Kürze…

Eine gute Woche wünscht
Michael

Geändert von Silly Symphony (05.10.2005 um 21:33 Uhr)
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Alt 05.10.2005, 21:20   #2
Skelch I.
Mitglied
 
Registriert seit: 09.2005
Beiträge: 852
Ich kann der Rezension im Großen und Ganzen zustimmen. Allerdings halten die Ägypter Marlin in meiner Ausgabe für einen Spion der Hethiter, was auch logischer ist (die hatten wirklich Eisen). Ich nehme mal an, die Ausgabe ist die gleiche und der Fehler liegt bei dir.
Skelch I. ist offline   Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 05.10.2005, 21:32   #3
Silly Symphony
Mitglied
 
Registriert seit: 07.2005
Ort: Schweiz
Beiträge: 1.367
@SkelchI:
Du hast recht - mein Fehler; ist bereits berichtigt!
Silly Symphony ist offline   Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 09.10.2005, 19:56   #4
Edgar Allan Maus
Mitglied
 
Registriert seit: 12.2001
Ort: 100km östlich von München
Beiträge: 529
Bin grad dabei, das LTB nochmal zu lesen. "Die Geheimwaffe des Pharaos" ist wirklich ein Klassiker unter den Zeitreisengeschichten. Ich find immer wieder den antiken Betonmischer und die Genossenschaft, die Marlin gegründet hat lustig!
__________________
mfg, Gerhard
Edgar Allan Maus ist offline   Mit Zitat antworten Nach oben
Alt 19.04.2008, 08:17   #5
susi59
Mitglied
 
Registriert seit: 07.2006
Beiträge: 103
Gerade die "platzsparende Erfindungung" zeigt, wie die heute inflationär auftretenden düsentrieb-lückenfüller auszusehen hätten und dass sich manche autoren heute damit begnügen den Kopierer durch ne eiscrememaschine, durch nen fön, durch ne tiefkühltruhe zu ersetzen

wie kreativ....
susi59 ist offline   Mit Zitat antworten Nach oben
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