So, da noch niemand ein Thema zum aktuellen recht gelungenen LTB-Weihnachtsband eröffnet hat tue ich dies mal wieder:
Allgemein:
+ nur italienische Comics
+ einige recht gute Geschichten dabei
+ mehrere Maus-Universum-Comics (3)
+ viele namhafte Zeichner (Scala, Gatto, Dalla Santa), außerdem Held, Gervasio und Gottardo (2x)
+ kein Phantomias
+ kein Kaschperl
- zu viele Geschichten (11), nur eine Geschichte über 30 Seiten
(- Zustand sämtlicher Bände im Laden fragwürdig (gewelltes Papier))
Die einzelnen Geschichten:
Das wundersame Weihnachtslied I-1620-B, Carlo Panaro / Guido Scala, 32 S.
Um seine schwächelnde CD-Fabrik wieder aufzupeppeln macht sich Dagobert auf die Suche nach einem neuen "zündenden" Lied. Dabei geht er ziemlich rücksichtslos vor (schade, daß die ganze "Feilscherei" um das Lied auf nur 2 Seiten verkürzt ist, da hätte man mehr draus machen können). Daraufhin plagen Dagobert Gewissensbisse, weshalb er seine "Sünden" wieder gutzumachen versucht. Recht gut gelungen, aber nichts neues. Sehr schöne Zeichnungen von Scala aber.
Berechnende Geschenke I-2509-4, Riccardo Secchi / Marco Pavone, 18 S.
Als erstes fallen die äußerst "unbeholfenen" und unproportionalen Zeichnungen von Marco Pavone auf. Seit wann zeichnet er so schlecht? Nach dem Scala davor muß man schon von einer Zumutung sprechen. Die Geschichte ist eine recht unterhaltsame Gaggeschichte, in der Donald, Daisy, TT&T und Dussel versuchen, auf raffinierte Weise von Dagobert die Geschenke zu bekommen, die sie sich wünschen. Nachdem es schon im letzten Jahr nicht geklappt hat, versuchen sie nun in diesem Jahr, Dagobert mit dessen eigenen Waffen zu schlagen, was natürlich nicht gelingt. Eher durchschnittlich, vor allem, da die Schlußpointe nicht so recht zünden will und die Zeichnungen das Ganze auch nicht besser machen.
Ein unvergesslicher Weihnachtsabend I-2509-3, Bruno Concina / Luciano Gatto, 30 S.
Wie von dem namhaften Produktionsduo zu erwarten eine durchaus ansprechende Geschichte, wenn auch kein großartiger Höhepunkt. Die Geschichte dreht sich hauptsächlich um den Konflikt Mack und Mucks, die an den Weihnachtsmann glauben, aber feststellen müssen, daß dies anscheinend nicht mehr viele tun. Auch ihre Gespräche mit Minni und Micky überzeugen sie nicht resttlos, immerhin können sie Micky aber dazu bringen, einen Wunschbrief an den Weihnachtsmann einzuwerfen. Der zweite Erzählstrang handelt dann vom Weihnachtsmann, der demotiviert ist, da kaum noch jemand an ihn glaubt; erst durch Mickys Brief erhält er seine alte Freude wieder. Und beschenkt reichhaltig die Familie Maus, vor deren Haus alle Zweifler, die von Mack & Muck eingeladen wurden, das Schauspiel beobachten können. Zwar nicht allzuviel Handlung, aber schön rührselig...
Der flexible Weihnachtsmann I-2509-5, Carlo Panaro / Giuseppe Dalla Santa, 20 S.
Der Bürgermeister beauftragt Daniel Düsentrieb, für die Entenhausener am Weihnachtstage eine Attraktion vorzubereiten. Düsentrieb macht sich mit Feuereifer ans Werk, ist dann aber durch einen Unfall verhindert. Zum Glück ist eine andere Person (wer wohl?

) von Düsentriebs Elan so begeistert, daß er ihn freundlicherweise vertritt. Nette Geschichte mit gelungenen Zeichnungen.
Ein unerwartetes Geschenk I-P282, Mario Volta / Comicup, 28 S.
Was wurde auf LTB-Online in den letzten Monaten andauernd kritisiert?
Genau, daß die Geschichten keine vernünftigen Einleitungen mehr haben, keine Atmosphäre aufgebaut wird, sondern völlig abrupt eine dann auch noch meistens sprunghafte Handlung von der ersten Seite an einsetzt.
Ganz anders diese Geschichte, in der Klaas Klever Dagobert Duck hinterherspioniert, um ihm Geschäfte wegschnappen zu können, dadurch aber unbeabsichtigt Dagobert hilft, einen Geschäftsabschluß zu erreichen, den dieser sonst nicht bekommen hätte: Die Geschichte wird schön ruhig eingeleitet, es wird zunächst die richtige Atmosphäre hergestellt, anschließend die Ausgangssituation sehr schön beschrieben und bestimmte Elemente eingeführt. Sehr schön, so sollte es sein. Leider sind damit dann auch schon 23 Seiten verstrichen, so daß für die Haupthandlung und den Schluß nur noch insgesamt ganze 5 Seiten übrigbleiben. Dennoch nett, auch wenn es bei weitem nicht die Dimnesion eines "klassischen" Klever-Duck-Zweikampfes erreicht. Auch die Zeichnungen sind - vor allem für Comicup-Verhältnisse, durchaus überzeugend.
Schnee von gestern I-1994-E, Giulio Chierchini / Moreno Chisté, 11 S.
Lückenfüller um Micky, Goofy und Karlo. Nicht weiter erwähnenswert.
Die Rückkehr des Rentiers I-2510-1, Alberto Savini / Marco Gervasio, 27 S.
Sehr raffiniert aufgebaute Geschichte, die direkt an eine Geschichte aus dem Weihnachts-LTB 7 anknüpft.
Unheimlich sympathische Geschichte, in der Dussel von seiner allerbesten Seite gezeigt wird: unfreiwillig komisch, fürsorgend, hilflos, naiv; einfach rührend. Man kann also durchaus eine gute Dusselgeschichte mit ausreichend Gags produzieren, ohne ihn zu verkaschperln. Gradezu göttlich seine herrlich naiven Dialoge mit dem Dampflokomotivenführer, die durch die ständig parallelerzählten Rückblenden dann noch besser rauskommen, in denen Dussel einfach herrlich agiert. Spitze dabei die Seite 157, die nur noch durch die Seite 154 übertroffen wird. Herrlich! Sehr schön auch Gervasios Zeichnungen, vor allem das Rentier, dem Gervasio eine herrlich unauffällig-ausgeprägte Mimik aufzusetzen weiß, die der Dussels immer herrlich nahekommt. Auf jeden Fall die beste Geschichte des Bandes!
Vordrängeln gilt nicht! I-2457-01, Carlo Panaro / Michael Frare, 1 S.
Panzerknacker-Einseiter.
Das schwarze Gold des Zauberers, I-2508-5, Rodolfo Cimino / Valerio Held, 28 S.
Wieder eine Geschichte mit einer netten Einleitung. Bei den Weihnachtsgeschichten ist offenbar mehr Zeit dafür...

Dagobert macht sich auf die Suche nach Gold, das ein Zauberer aus Rache in Kohle verwandelt hat, und das man nur mit einer sehr großen Menge Gold zurückverwandeln kann. Dagobert scheint es schon fast geschafft zu haben, aber letztendlich geht das Unternehmen dann doch in Rauch auf (

). Nett auch die vielen Diskussionen zwischen Dagobert und Donald, ansonsten durchschnittlich.
Eilbrief an den Weihnachtsmann i-2509-6, Bruno Sarda / Alessandro Gottardo, 23 S.
Indiana Goof wird vom erkrankten Goofy gebeten, für ihn einen Wunschbrief an den Weihnachtsmann einzuwerfen. Doch dabei muß Indiana viele unerwartete Hürden überspringen, bis ihm dies auch gelingt. Für diese Anstrengungen wird er dann latürnich von passender Seite belohnt. Eher mittelmäßig.
Ein echtes Weihnachtswunder I-1621-A, Giorgio Ferrari / Alessandro Gottardo, 29 S.
Da Klaas Klever von Dagobert reingelegt wurde, schmiedet dieser Rachepläne und es gelingt ihm auf raffinierte Weise, Dagobert eine augenscheinlich wertlose Spielzeugwarenfabrik anzudrehen. Doch Dagobert fällt natürlich was ein, um die Fabrik zu neuen Höhen zu führen. Auch ganz netter Zweikampf, jedoch etwas kurz geraten.
Insgesamt ein durchaus gelungener Weihnachtsband ohne Phantomias und Kaschperl, dafür mit einer grandiosen Dussel-Geschichte und vielen weiteren lesenswerten Geschichten.
Wie gut, daß das Budget Egmonts für den Weihnachtsband nur so klein ist...
Richard
PS: Wie die Vorschau zeigt erwarten uns im LTB 331 doch nicht "X tierisch starke Abenteuer", wie ich gemutmaßt hatte, sondern "9 möwenstarke Abenteuer" !

CETERUM CENSEO CASPERLUM MICCIUM FIRLEFANCIUM ESSE DELENDUM