So, nun mal wieder ein "Das waren noch Zeiten!"-Thread aus der herrlichen LTB-Mittelphase.
Krieg und Frieden (1986), 64 S.
Text und Zeichnungen: Giovan Battista Carpi
Faule Tricks auf BMX (1985), 60 S.
Text: Massimo Marconi
Zeichnungen: Giorgio Cavazzano
Der Lachsaurier (1987), 41 S.
Text und Zeichnungen: k. A.
Die ideale Entspannung (1978), 2 S.
Text: Del Connell
Zeichnungen: Manuel Gonzales
Abenteuer-Urlaub für Millionäre (1986), 36 S.
Text und Zeichnungen: Giorgio Cavazzano
Grün ist Leben (1983), 55 S.
Text: Fabio Michelini
Zeichnungen: Giorgio Cavazzano
"Krieg und Frieden" ist eine der Literaturparodien, für die Carpi bekannt ist und zu Recht verehrt wird. Da ich das Buch Tolstois nicht kenne, vermag ich nicht zu sagen, in wie hohem Maße sich Carpi an die Vorlage hält; seine Entenhausen-Version ist freilich ein Schmankerl.
Donald hat also als Donlev Dukofjew seinen Auftritt und schuftet als Kohlentrimmer im Hüttenwerk seines Onkels Kopekobert (wer ist das wohl?), da er sich etwas ungehorsam diesem gegenüber verhalten hat. Als nun durch den Einmarsch Napoleons in Rußland und die Flucht der Kopekenknacker aus dem Gefängnis die Dinge alle auf einmal über Kopekobert einbrechen, hat Donlev die rettende Idee und rät seinem Onkel, dessen gesamtes Gold zu Kanonenkugeln umzugießen und diese in Blei einzutauchen. Klar, daß er es ausbaden muß und losgeschickt wird, als die Kugeln versehentlich an die Front geschickt werden...
Für 64 Seiten geschieht hier eigentlich ziemlich viel. Die vielen witzigen Stellen in der Geschichte und Details in den Zeichnungen geben der Geschichte das typisch Carpische Gepräge. Die Zeichnungen sind dabei oft auf herrliche Weise übertrieben komisch, so zum Beispiel, wenn in der großen Schlachtenszene die Soldaten der beiden Kriegsparteien erst einmal dem anderen die Zunge ausstrecken, dann die Ärmel hochkrempeln und sich gegenseitig verprügeln oder den Arsch versohlen (eine wirklich realistische Darstellung des Krieges ist in einem Disney-Comic ohnehin kaum möglich); oder wenn die Kopekenknacker von Kopekobert mit seiner Riesenkanone "Dicke Tanja" direkt ins Straflager nach Sibirien geschossen werden.
"Faule Tricks auf BMX" wird wohl aus Anlaß irgendeines BMX-Ereignisses in Italien erschienen sein, da es als Geschichte eine Einführung in den BMX-Sport ist. Tick, Trick und Track geben ihre alten Räder weg und steigen in den BMX-Sport ein, wohlwollend begleitet von Donald. Und Dagobert will auf den Zug springen, um ein paar Taler mitzuverdienen.
Liebevoll geschrieben und schön gezeichnet.
Weder über den Autor noch über den Zeichner von "Der Lachsaurier" weiß der Inducks etwas mitzuteilen, was mich etwas gewundert hat. Der Zeichner war nämlich in jener Zeit ziemlich viel in den dünnen Taschenbüchern vertreten, es muß irgendein Egmontler sein. Die Zeichnungen kann man wohl noch zum unspektakulären Egmont-Durchschnitt zählen, aber eher zum unteren Durchschnitt neigend, gewiß schlechter als Vicar.
Die Geschichte ist ebenfalls Durchschnitt, aber gar nicht mal so übel und nett zu lesen. Dagobert verfrachtet einen Saurier aus einem südamerikanischen, bis dato unbekannten Tal (wie viele solcher "verlorener Welten" gibt es denn in Disney-Comics inzwischen schon?

) nach Entenhausen, um mit ihm im Zirkus Schabernack zu treiben. Der Saurier hat leider den "Fehler", daß er alles um sich herum plattwalzt, sobald jemand "Killekille" macht. Die Panzerknacker ("Harharhar!") wollen sich das zunutze machen...
Für die Goofy-Forschung dürfte vielleicht das "Juck! Juck!" des Sauriers interessant sein.
"Die ideale Entspannung": Wenn man den Esel nennt... - Seitenfüller mit Goofy.
"Abenteuer-Urlaub für Millionäre" von Cavazzano: Die Geschäfte in Dagoberts Reisebüro laufen schlecht (Donald, der das Reisebüro leitet, hat sich aus Prospekten ein Ruhelager auf dem Boden gemacht und hält dort sein Nickerchen). Da trifft es sich gut, daß in Hinsicht auf Urlaub - Dagobert selbst "[frönt] [e]inem solchen Laster" natürlich nicht - unter seinen Millionärskollegen im Club gähnende Langeweile herrscht. Also kreiert er als neueste Masche den Trekking-Urlaub für Millionäre durch den südamerikanischen Urwald. Daß dieser mit Donald als Führer und einem als Saboteur mitreisenden Klaas Klever wahrhaftig zum Abenteuer-Urlaub wird, kann man sich denken...
Auch diese Geschichte ist trotz ihrer Länge von "nur" 36 Seiten inhaltlich sehr dicht und lebt von den zahlreichen Gag-Szenen.
"Grün ist Leben:" Eine "belehrende", dennoch aber unterhaltsame Geschichte, in der Dagobert und seine Neffen durch ein nicht näher erläutertes, Düsentriebsches Verkleinerungsverfahren mit einem Mini-U-Boot in ein Eichenblatt eindringen. Dort gibt's dann für den Leser eine Biologiestunde.
Ticks (oder Tricks oder Tracks) Kommentar: "Sieht aus wie in einem phantastischen Film!", ist in bezug auf die Zeichnungen Cavazzanos nichts hinzuzufügen.
Der Schluß der Geschichte ist, wie viele Disneysche-Umweltgeschichten, leicht moralisch.
Wenn ich mich recht erinnere, gibt es irgendwo um LTB 200 herum eine Fortsetzung zu der Geschichte.
In der Rangordnung landet Carpis Literatur-Parodie vielleicht doch auf Platz 1, dicht gefolgt von den drei Cavazzano-Geschichten, wobei ich hier "Abenteuer-Urlaub" an die erste, die BMX-Geschichte an die zweite und "Grün ist Leben" an die dritte Stelle setze. In gehörigem Abstand kommt dann der Riesensaurier, Goofy sortieren wir mal aus.
Fazit: Wer mal wieder etwas Urlaub von O.M.A. und Kaschperl nehmen und gute Geschichten lesen will, liegt mit dem Griff zu diesem LTB sicherlich nicht daneben.